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Facebook hat den Wandel der Zeit verschlafen

Peter Thiel, geboren 1967 in Frankfurt, groß geworden durch den Aufbau von Paypal, investierte 2004 eine halbe Millionen US-Dollar in Mark Zuckerbergs Facebook. Zum Börsengang im Mai versilberte er knapp die Hälfte seiner Anteile im Rahmen des Börsengangs für 600 Mio. US-Dollar. Diese Woche, direkt nach Ablauf der Sperrfrist, warf er weitere Aktien im Wert von 400 Mio. US-Dollar auf den Markt.

Peter Thiel träumt von fliegenden Autos und Städten auf dem Meeresgrund und beschwert sich über die beschränkte Welt der 140 Zeichen, die über Twitter publiziert werden können. So ist es nicht schwer zu erkennen, dass er auch in Facebook nicht das Vehikel in eine glorreiche Zukunft sieht, sein Verkauf ist somit nur konsequent.

Doch in die Reihe der Skandale im Rahmen des Facebook Börsengangs reiht er sich nahtlos ein. Das Management von Facebook bemüht sich, den Zukunftswert des Unternehmens darzustellen. Facebook habe die Verbreitung und müsse nur noch einen Weg finden, die große Reichweite zu Geld zu machen. Dies werde, so das Unternehmen, irgendwann gelingen, und dann ist Facebook vielleicht tatsächlich die 100 Mrd. US-Dollar wert, die es im Mai im Rahmen des Börsengangs auf die Waage brachte.

Doch noch hat man den Weg nicht gefunden, und nach der Serie von Pleiten, Pech und Pannen ist Facebook heute nur noch knapp die Hälfte davon wert. Nachdem die dreimonatige Sperrfrist endete, blickten die geschädigten Anleger - oder sollte ich besser sagen die "hinter's Licht geführten Anleger" - auf die Insider von Facebook. Die Insider haben doch eine fundierte Meinung von der Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells, und wenn sie vor drei Monaten das Unternehmen mit 100 Mrd. US-Dollar an die Börse brachten, dann werden sie heute zum halben Preis ihre Anteile wohl lieber behalten, wenn nicht gar Aktien nachkaufen, oder? Alles andere wäre das klare Eingeständnis, dass der Börsengang zu einem Mondpreis erfolgte, dass all jene, die den Börsengang gezeichnet hatten, über's Ohr gehauen wurden.

Nun, wir haben nun die Bestätigung, dass selbst Insider den Preis beim Börsengang für einen Mondpreis hielten. Ohne mit der Wimper zu zucken verkauft Peter Thiel den Großteil seiner Anteile zum halben Preis und ist offensichtlich glücklich über die eingenommenen 400 Mio. US-Dollar. Damit zeigt er allen Anlegern, die Facebook Aktien im Depot haben, dass er lieber heute als morgen Facebook den Rücken kehren möchte.

Wenn jemand bereits 600 Mio. US-Dollar durch den Börsengang eingenommen hat, dann ist er in meiner bescheidenen Vorstellung "reich". Wenn er sodann mit ansieht, wie sich der Anlagebetrag sämtlicher Anleger binnen drei Monaten halbiert, dann sollte er vielleicht darauf verzichten, weitere 400 Mio. US-Dollar zu versilbern. Es wäre ein kleines Zeichen um zu zeigen, dass er mit den anderen Anlegern noch im selben Boot sitzt.

Wenn schon Peter Thiel diesen Anstand nicht an den Tag bringt, dann sollte CEO Mark Zuckerberg seinen Einfluss geltend machen und Peter Thiel bitten, auf den Verkauf zu verzichten. Es gibt auch die Möglichkeit, ihm die Aktien außerbörslich (und kursschonend) abzunehmen, genug Geld hat Zuckerberg. es wäre das Zeichen des CEOs, dass er an sein Unternehmen glaubt. Aber auch das ist nicht erfolgt.

So werden wir Anleger mit der Frage allein gelassen, ob Facebook denn überhaupt ein tragfähiges Geschäftsmodell hat. Ich will Ihnen kurz meine Einschätzung darlegen:

Ja, Facebook hat ein tragfähiges Geschäftsmodell, doch nein, es ist nicht so lukrativ, wie es uns im Rahmen des Börsengangs glauben gemacht wurde. Wie viel ist das Geschäftsmodell nun letztlich wert? Nun, da will ich einmal Peter Thiel glauben, und der sagt, es ist noch immer wesentlich weniger wert als heute dafür an der Börse bezahlt wird.

Was ist schief gelaufen? Neben den technischen Problemen am Tag des Börsengangs hat General Motors in den Tagen vor dem Börsengang ein ernstes Problem aufgedeckt: Es sei für das Unternehmen nicht wirtschaftlich, Werbung über Facebook zu schalten. Der Werbeerfolg werde auch allein schon durch die Pflege einer Facebook-Internetseite erreicht. Mit anderen Worten: Es reicht völlig aus, die kostenfreien Angebote von Facebook zu nutzen, um an die halbe Milliarde Facebook-Nutzer zu erreichen. Geld für Werbung an Facebook zu zahlen lohne sich nicht.

Den Grund sehe ich insbesondere in einer Entwicklung: dem Smartphone. Schneller als von irgendjemandem prognostiziert, hat das Smartphone die Welt erobert. Und während Facebook seine Werbung insbesondere über die Webseite vermarkten wollte, ist gerade die junge Generation bereits längstens auf Smartphones umgestiegen. Facebook-Seiten werden per Smartphone aktualisiert. Und Bannerwerbung auf dem Smartphone ist ein echter Nutzerschreck.

Während Bannerwerbung auf dem großen Computerbildschirm noch geduldet, manchmal sogar angeklickt wird, ist Werbung auf dem Smartphone verhasst. Der kleine Bildschirm sollte möglichst effizient für Inhalte genutzt werden, die Internetverbindung ist häufig, wenn auch nicht kostenpflichtig, so denn doch im Trafficvolumen limitiert, und da will sich niemand durch Werbung seine Monatsrechnung kaputt machen lassen.

Facebook hat das Problem schon vor dem Börsengang erkannt und verbreitete die Meinung, dass man einen Weg gefunden habe, die Smartphone-Nutzer ebenfalls in den Werbemix einzubeziehen. Gezeigt wurde bis heute nichts was funktioniert. Es hat sich gezeigt, dass Facebook genauso ohnmächtig dem Smartphone-Boom gegenüber steht wie alle anderen Unternehmen abgesehen von Google, Samsung und Apple.

Also: Von der großen Nutzergemeinde kann Facebook nur diejenigen über Werbung zu Geld machen, die noch über die archaischen Computer ins Internet gehen. Ein zunehmend großer Anteil, und darunter insbesondere die aktiven Facebook-Nutzer, erledigen gerade ihre täglichen Sozial-Statements über das Smartphone und sind damit für Facebook zum Geld verdienen nicht brauchbar.

Wenngleich die Entscheidung Peter Thiels, seine Anteile zu verkaufen, moralisch fragwürdig ist, so ist die Entscheidung aus rein wirtschaftlicher Sicht noch immer richtig: Solange Facebook keinen Weg findet, Werbung auf Smartphones zu schicken, die von Facebook-Nutzern angenommen wird, wird der Kurs weiter auf Talfahrt bleiben.

Es wird also noch eine Weile beim Börsenwitz bleiben: Was wird den Preisverfall der Facebook-Aktie stoppen? Die tägliche Schlussglocke der Börse.
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