{"id":1320,"date":"2010-02-10T17:28:52","date_gmt":"2010-02-10T15:28:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.heibel-unplugged.de\/?p=1320"},"modified":"2025-08-21T10:42:44","modified_gmt":"2025-08-21T08:42:44","slug":"boersenanalyse-goldige-zeiten-voraus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/boersenanalyse-goldige-zeiten-voraus\/","title":{"rendered":"B\u00f6rsenanalyse: Goldige Zeiten voraus"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1331\" title=\"WolSch\" src=\"http:\/\/www.heibel-unplugged.de\/UserFiles\/Image\/WolSch-222x300.jpg\" alt=\"WolSch\" width=\"112\" height=\"152\" \/>Zwei wichtige Dinge sind passiert, die heute zu einer kleinen Rallye an den B\u00f6rsen f\u00fchren: Erstens Deutschlands Wirtschaftsminister Wolfgang Sch\u00e4uble hat sich klar f\u00fcr eine Rettung Griechenlands ausgesprochen und zweitens US-Pr\u00e4sident Obama ist auf Schmusekurs mit Goldman Sachs und J.P. Morgan gegangen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Schnellleser: Ich bin \u00fcberrascht, dass selbst Sch\u00e4uble nun nach links umf\u00e4llt, kaufen Sie <a href=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/know-how\/gold-analyse-und-investmentstrategie\/\">Gold<\/a>. Und ich bin beruhigt, dass Obama seinen Feldzug gegen die Banken und Broker nunmehr relativiert, kaufen Sie die Banken!<\/p>\n<p>Aber im Einzelnen: Von 1990 bis 1995 habe ich in W\u00fcrzburg Volkswirtschaftslehre studiert. Professor Issing, der zun\u00e4chst die Geldpolitik der Bundesbank ma\u00dfgeblich bestimmte und sodann als einer der Architekten des Euros bis vor kurzem der zust\u00e4ndige Geldpolitiker der EZB war, brachte uns die Idee des Euros n\u00e4her. Ich habe keine Vorlesung von ihm verpasst, dies kann ich von keinem anderen Professor behaupten.<\/p>\n<p>Weiter haben meine damaligen Professoren Bofinger und Berthold damals die Einf\u00fchrung des Euros heftig kritisiert. In den Vorlesungen wurde teilweise heftig diskutiert. Kern der Kritik war der fehlende Mechanismus f\u00fcr eine Behandlung von Staaten, die den Defizit-Kriterien, die den Euro stabil halten sollen, nicht entsprechen.<\/p>\n<p>Heute, knapp zwei Jahrzehnte sp\u00e4ter, stehen wir an dem Punkt, an dem die damalige Diskussion zur Realit\u00e4t wird: Wie verfahren wir mit Griechenland? Issing h\u00e4tte damals gesagt: Scheitern lassen, die m\u00fcssen da aus eigener Kraft heraus. Bofinger h\u00e4tte damals gesagt: Ein Scheitern l\u00e4sst sich ohne Mechanismus niemals politisch durchsetzen.<\/p>\n<p>Dass nun gerade Wolfgang Sch\u00e4uble, der schon damals aktiv in der Regierung die Euro-Einf\u00fchrung begleitete, die vermeintliche Rettung Griechenlands (und damit den ersten Nagel des Sarges f\u00fcr den Euro einschl\u00e4gt) unter dem Vorwand der Euro-Stabilit\u00e4t durchzusetzen versucht, ist f\u00fcr mich irrwitzig, wenn nicht irr \u2013 denn witzig finde ich das nicht.<\/p>\n<p>Die Argumente der Euro-Bef\u00fcrworter unter Verzicht auf den Defizitverfahrensmechanismus (endlich, ich kann es in einem Wort ausdr\u00fccken) beriefen sich auf die Arbeitsmarktpolitik, \u00fcber die sich entsprechende Probleme einzelner L\u00e4nder ausgleichen w\u00fcrden: Die Griechen w\u00fcrden das Land verlassen und anderswo Arbeit suchen. Wenn man ein Land in den Ruin wirtschaftet, dann soll das wohl so sein.<\/p>\n<p>Ich habe sch\u00f6ne Urlaube in Griechenland verbracht und ich habe einige sehr nette Halbgriechen in meinem Umfeld. Bitte werfen Sie mir also nicht vor, ich h\u00e4tte etwas gegen Griechenland. Tr\u00e4fe es Portugal, wo ich sogar einige Jahre gelebt habe, w\u00fcrde ich genauso argumentieren. Die Gefahr eines \u201eDominoeffektes\u201c ist in meinen Augen zu gro\u00df. Welchen Anreiz haben Portugal, Italien oder Spanien, sich zu kasteien, wenn am Ende ohnehin Deutschland als Retter einspringt und \u201each so strenge\u201c Auflagen gibt, die aber f\u00fcr das jeweilige Defizitland noch immer tausendmal besser sind als wenn man das Land sich selbst \u00fcberlassen w\u00fcrde. Sch\u00e4uble will ja das Auswandern der Griechen verhindern und dazu muss Griechenland noch ein wenig attraktiv gehalten werden.<\/p>\n<p>Meiner Ansicht nach wird es den Dominoeffekt geben. Es ist einfach viel zu attraktiv f\u00fcr Politiker, ein kleines Land mit einer exzessiven Ausgabenpolitik sch\u00f6n zu machen, den B\u00fcrgern das Leben sch\u00f6n zu machen und am Ende ein paar \u201each so schlimme\u201c Strafen von der EU auferlegt zu bekommen. Zumal diese Strafen aller Wahrscheinlichkeit dann von einem anderen Politiker ausgebadet werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die Folge f\u00fcr den Euro ist eine schleichende Abwertung, da die Geldmenge zu stark ausgeweitet wurde. Die Folge f\u00fcr Deutschland ist eine Belastung unseres Haushalts. Gelder, die wir f\u00fcr den Winterdienst br\u00e4uchten (hier in Hamburg ein ernsthaftes Problem!) werden nun auf die Kykladen geschickt.<\/p>\n<p>Wenn wir Griechenland im Regen stehen lie\u00dfen, dann k\u00f6nnen wir mit einem lauten Knall rechnen. Griechenland m\u00fcsste Anlegern gegen\u00fcber ein tragf\u00e4higes Sparprogramm aufzeigen. Nur wenn dies gelingt w\u00fcrden Anleger weiter griechische Staatsanleihen kaufen und Griechenland h\u00e4tte eine Chance, den Euro als W\u00e4hrung zu behalten. Andernfalls, wenn Anleger nicht zu \u00fcberzeugen w\u00e4ren, dann w\u00e4re Griechenland irgendwann Pleite. Es m\u00fcsste aus dem Euro-Verbund ausscheiden und eine eigene W\u00e4hrung einf\u00fchren. Die Schockwellen f\u00fcr die Wirtschaft w\u00e4ren heftig, da Griechenland eng in der EU verflochten ist.<\/p>\n<p>Wir sind also wieder bei der Gretchenfrage: Lieber eine Fehlentwicklung am Anfang eskalieren, kurzfristig gro\u00dfes Leid erfahren, daf\u00fcr aber langfristig sauber aufgestellt sein oder aber auftauchende Missst\u00e4nde kontinuierlich verschlimmbessern, bis das ganze System kollabiert (Finanzkrise 2)? Als Volkswirt bin ich stets f\u00fcr den ersten Weg. Als Politiker muss man stets f\u00fcr die kurzfristig vertr\u00e4glichere zweite L\u00f6sung sein, sonst wird man nicht mehr gew\u00e4hlt. Schade.<\/p>\n<p>Was bedeutet dies f\u00fcr uns? Nun, egal, ob wir den G\u00fcrtel enger schnallen und damit reale Werte kostbarer werden und der Goldpreis steigt oder aber ob wir mit der Begr\u00fcndung, wir h\u00e4tten ja Griechenland geholfen, mit unserem Haushaltsbudget k\u00fcnftig dann ebenfalls etwas \u00fcber die Str\u00e4nge schlagen und dadurch die Inflationsrate treiben, Gold ist stets eine gute Anlagealternative.<\/p>\n<p>Da es durch die Sch\u00e4uble-L\u00f6sung nun kurzfristig nicht zu Turbulenzen kommen sollte, wird der Goldpreis also nicht kurzfristig als sicherer Hafen ausgesucht werden, sondern lediglich von langfristig orientierten Anlegern, die der Geldentwertung entgegenschreiten wollen. Gold ist also nichts f\u00fcr Zocker, sondern nur eine sinnvolle Erg\u00e4nzung f\u00fcr ein langfristig ausgelegtes Portfolio.<\/p>\n<p>Kurz noch zu Obama: Er hat gestern in einer Rede explizit die Bonusregelungen von Goldman Sachs und J.P. Morgan gelobt. Deren CEOs Lloyd Blankfein und Jamie Dimon seien herausragende Manager und h\u00e4tten ihren Bonus in Unternehmensanteilen erhalten, die in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren nicht verkauft werden k\u00f6nnen. Nachdem Obama mit Sondersteuer und \u201eBanken m\u00fcssen f\u00fcr die Rettungsaktionen zahlen\u201c ziemlich stark gegen die Banken vorgegangen war, erscheint die gestrige Rede wie ein Richtungswechsel.<\/p>\n<p>Mal sehen, wie das seine Politik beeinflusst. Zumindest scheint damit die Gefahr eines vollst\u00e4ndig zerst\u00f6rerischen Feldzuges gegen die Banken gebannt. Ich denke, dass die Bankaktien nach den heftigen Abschl\u00e4gen der vergangenen Wochen nun bald eine Gegenbewegung erleben sollten.{weiter[40|9]}<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei wichtige Dinge sind passiert, die heute zu einer kleinen Rallye an den B\u00f6rsen f\u00fchren: Erstens Deutschlands Wirtschaftsminister Wolfgang Sch\u00e4uble hat sich klar f\u00fcr eine Rettung Griechenlands ausgesprochen und zweitens US-Pr\u00e4sident Obama ist auf Schmusekurs mit Goldman Sachs und J.P. Morgan gegangen. 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