{"id":2362,"date":"2018-08-16T07:06:52","date_gmt":"2018-08-16T06:06:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.heibel-unplugged.de\/?p=2362"},"modified":"2022-02-09T10:15:53","modified_gmt":"2022-02-09T09:15:53","slug":"bayer-leidet-unter-glyphosat-monsanto-strafe-wiegt-schwer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/bayer-leidet-unter-glyphosat-monsanto-strafe-wiegt-schwer\/","title":{"rendered":"Bayer leidet unter Glyphosat, Monsanto-Strafe wiegt schwer"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_2363\" style=\"width: 810px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.heibel-unplugged.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Crop_Science_1.jpg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2363\" class=\"size-large wp-image-2363\" src=\"http:\/\/www.heibel-unplugged.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Crop_Science_1-800x533.jpg\" alt=\"Bayer Monsanto Glyphosat Urteil\" width=\"800\" height=\"533\" title=\"\" srcset=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Crop_Science_1-800x533.jpg 800w, https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Crop_Science_1-150x100.jpg 150w, https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Crop_Science_1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Crop_Science_1-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Crop_Science_1-600x400.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2363\" class=\"wp-caption-text\">Know-how, Erfahrung und hochwertige Produkte f\u00fcr Landwirte rund um den Globus: Bayer-Mitarbeiter Bui Van Kip (rechts) und Reisbauer Phan Minh Phat pr\u00fcfen Reispflanzen auf einem Feld im Bezirk Tan Tru (Vietnam).<br \/>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p><\/div>\n<p>Es ist nun genau das eingetreten, vor dem viele Bayer-Aktion\u00e4re Angst hatten, als CEO Werner Baumann ank\u00fcndigte, den US-Agrarkonzern Monsanto f\u00fcr 55 Mrd. EUR zu kaufen: Mosanto wurde zu einer Strafe in H\u00f6he von 250 Mio. EUR verurteilt, die an einen krebserkrankten G\u00e4rtner zu zahlen sind. Das kalifornische Gericht hielt es f\u00fcr erwiesen, dass Glyphosat die Krebserkrankung verursacht hat.<\/p>\n<p>Bayer hat daraufhin 17% seines B\u00f6rsenwertes verloren, schlappe 15 Mrd. Euro. Nicht weil das Unternehmen 250 Mio. Euro zahlen muss, sondern weil nun die T\u00fcr offen steht f\u00fcr unz\u00e4hlige weitere Klagen. Bayer hat bereits Berufung eingelegt und akzeptiert das Urteil nicht.<\/p>\n<p>Mich haben nun einige Leser gefragt, ob die Bayer-Aktie nun ein Kauf sei oder nicht. Um das zu beurteilen, m\u00fcssen wir uns ein wenig mit dem Thema Glyphosat auseinandersetzen.<\/p>\n<p>Glyphosat ist ein Unkrautvernichter, der in den 50er Jahren entwickelt und seit den 70er Jahren von Monsanto unter dem Namen Roundup verkauft wird. Das Unkrautvernichtungsmittel hemmt, wenn es auf Pflanzen gespritzt wird, das Wachstum und binnen weniger Tage sterben die entsprechend behandelten Pflanzen ab. Gehemmt wird ein Wachstumsprozess, der nur bei Gr\u00fcnpflanzen vorkommt, daher gilt das Zeug f\u00fcr den Menschen als unsch\u00e4dlich.<\/p>\n<p>Glyphosat macht \u00fcbrigens keinen Unterschied zwischen Unkraut und Nutzpflanzen. Daher verwenden es Bauern in Deutschland nur zur Vor- und Nachbereitung der Felder, nicht aber w\u00e4hrend der Anbauphase, denn das Zeug w\u00fcrde eben so ziemlich alles vernichten. Es ist ein sogenanntes &#8222;Totalherbizid&#8220;.<\/p>\n<p>Monsanto hat nun einen Mais gentechnisch so ver\u00e4ndert, dass er gegen Glyphosat resistent ist. Im Verkauf dieses Mais liegt nun das gro\u00dfe Gesch\u00e4ft f\u00fcr Monsanto. Bauern, die diesen Mais verwenden, k\u00f6nnen vor, w\u00e4hrend und nach der Anbauphase durch das einfache Verspr\u00fchen von Roundup eine gute Ernte einfahren.<\/p>\n<p>Weltweit werden derzeit 1,3 Mio. Tonnen Glyphosat j\u00e4hrlich eingesetzt, in Deutschland sind es 60.000 Tonnen. Mir f\u00e4llt bei solchen \u00dcberlegungen immer das Liebig-Zitat aus Heinz R\u00fchmanns Feuerzangenbowle ein: &#8222;Wer es schafft, zwei Halme wachsen zu lassen, wo vorher nur ein Halm wuchs, der ist gr\u00f6\u00dfer als der gr\u00f6\u00dfte Feldherr.&#8220; Monsanto ist in diesem Sinne &#8222;gr\u00f6\u00dfer&#8220;. Ein befreundeter Landwirt von mir best\u00e4tigte mir, dass ohne Glyphosat ein gro\u00dfer Teil der weltweiten Ern\u00e4hrung unmittelbar zusammenbrechen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Doch die Dosis macht das Gift: Was \u00fcber Jahrzehnte unbedenklich galt, wurde im Jahr 2015 pl\u00f6tzlich durch die Weltgesundheitsbeh\u00f6rde (WHO) in Frage gestellt. In einer Studie hat die Krebsforschung der WHO Glyphosat als &#8222;wahrscheinlich krebserregend&#8220; bezeichnet. 2016 wurde dann hier in Deutschland Glyphosat in Bier, dann auch im Urin und in der Muttermilch nachgewiesen. Sehr geringe Mengen, lange nicht krebserregend, aber immerhin.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde die Kritik am Glyphosat wie folgt formulieren: Das Zeug ist kein nat\u00fcrliches Produkt und daher gr\u00fcn angehauchten Menschen zuwider. Zuerst beschwerten sich Bauern, deren Felder litten, weil der benachbarte Bauer mit genmanipuliertem Mais hantierte und Glyphosat so reichlich einsetzte, dass die eigene Ernte litt &#8211; man sprach von einem Zwang, ebenfalls auf teuren Monsanto-Mais umzusteigen. Danach kam die Angst vor Krebs auf, die diese Woche erstmals durch ein Gericht anerkannt wurde. Als Drittes regt sich nun der Widerstand gegen den breiten Einsatz von Glyphosat, dem Totalvernichter, weil dessen Anwendung sterile Felder zur Folge hat, in denen keine nat\u00fcrliche Lebensweise mehr m\u00f6glich ist: Bienensterben, \u00fcberhaupt das Artensterben auf unserer Erde werden inzwischen mit dem exzessiven Einsatz von Glyphosat in Verbindung gebracht.<\/p>\n<p>Ich habe vor vielen Jahren Monsanto einmal analysiert und habe das Unternehmen links liegen lassen, weil ich die Tragweite der Vorw\u00fcrfe nicht \u00fcberschauen konnte. Ich habe jetzt nochmals nachgelesen, wie ich mich zur \u00dcbernahme Monsanto durch Bayer gestellt habe: &#8222;Zum Scheitern verurteilt&#8220; war meine Meinung, die ich im Oktober 2016 bereits ver\u00f6ffentlichte (https:\/\/www.heibel-ticker.de\/heibel_tickers\/1301). Nun, es hat 55 Mrd. Euro gekostet und 2 Jahre gedauert, bis nun auch Werner Baumann an seiner Mega-\u00dcbernahme zweifeln d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Mag sein, dass Bayer in der Berufung Recht bekommt und die 250 Mio. Euro Entsch\u00e4digung nicht zahlen muss. Doch das Unternehmen wird \u00fcberzogen mit weiteren Klagen. Es wird weitere Studien geben, die sich mit den Gefahren von Roundup besch\u00e4ftigen und wenn ich mir anschaue, dass 1,3 Mio. Tonnen davon j\u00e4hrlich verwendet werden, ein k\u00fcnstlich erzeugtes Produkt, dann wird es meiner Einsch\u00e4tzung nach irgendwann gelingen, sch\u00e4dliche Einfl\u00fcsse nachzuweisen: Die Dosis macht das Gift.<\/p>\n<p>Doch das schwerste Argument in meinen Augen ist das Artensterben, das leicht nachvollziehbar ist. Wie weit darf der Mensch seine Umwelt sterilisieren, sich Untertan machen, um die Ern\u00e4hrung der Weltbev\u00f6lkerung sicherzustellen? Verwandeln wir die Erde in ein Labor? Oder gestehen wir den Tieren und Pflanzen ihre Freir\u00e4ume, ihre Wildnis zu? Mag sein, dass diese Frage derzeit noch \u00fcberzogen klingt. Doch wenn ich mir die Wachstumsgeschwindigkeit der Weltbev\u00f6lkerung anschaue, dann k\u00f6nnte dieses Thema schon bald auf die Tagesordnung kommen.<\/p>\n<p>Bayer wird an Glyphosat nicht Pleite gehen. Doch die \u00dcbernahme von Monsanto war teuer und wird meiner Einsch\u00e4tzung nach noch teurer werden. Seit Oktober 2016 war die Aktie von Bayer von 90 auf zwischenzeitlich 120 Euro gestiegen. Seither war die Aktie wieder auf 90 Euro zur\u00fcckgekommen, nach dem \u00fcberraschenden Urteil Anfang der Woche ist die Aktie nun auf 80 Euro gefallen.<\/p>\n<p>Das KGV 2019e vom konsolidierten Unternehmen Bayer Monsanto wird bei 12 erwartet. Die Dividendenrendite bleibt bei rund 3%. Analysten erwarten f\u00fcr Bayer ein Gewinnwachstum von 7% p.a. in den kommenden f\u00fcnf Jahren. Damit ist die Aktie in meinen Augen fair bis sogar g\u00fcnstig bewertet. Vor dem Hintergrund der soliden globalen Konjunktur ist auch ein h\u00f6heres Bewertungsniveau zu rechtfertigen.<\/p>\n<p>Bayer ist f\u00fcr viele eine Ankerposition in einem langfristig orientierten Portfolio. Ich w\u00fcrde daher Bayer derzeit nicht kaufen, die Aktie ist kurzfristig zu stark ausverkauft worden. Doch in der Zukunft wird Bayer nun immer wieder negative Schlagzeilen erhalten, die Aktie wird es schwer haben, ein h\u00f6heres Bewertungsniveau zu rechtfertigen. Wer Bayer im Depot hat, der sollte sich meiner Ansicht nach perspektivisch, ohne Hast, eine Alternative suchen. BASF ist da deutlich konservativer unterwegs.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist nun genau das eingetreten, vor dem viele Bayer-Aktion\u00e4re Angst hatten, als CEO Werner Baumann ank\u00fcndigte, den US-Agrarkonzern Monsanto f\u00fcr 55 Mrd. 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