{"id":407,"date":"2008-02-07T17:14:27","date_gmt":"2008-02-07T16:14:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.heibel-unplugged.de\/407,markt-analyse-abschreibungsbedarf-bei-der-sachsen-lb\/"},"modified":"2022-02-09T10:19:34","modified_gmt":"2022-02-09T09:19:34","slug":"markt-analyse-abschreibungsbedarf-bei-der-sachsen-lb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/markt-analyse-abschreibungsbedarf-bei-der-sachsen-lb\/","title":{"rendered":"Markt Analyse: Abschreibungsbedarf bei der Sachsen LB"},"content":{"rendered":"<p>Sehr geehrter Herr Heibel,<\/p>\n<p>zun\u00e4chst mal Lob f\u00fcr Ihren Ticker, ich lese ihn regelm\u00e4\u00dfig &#8211; ohne ihn allerdings als M\u00f6chtegernscalper des DAX direkt umsetzen zu k\u00f6nnen. Gestatten Sie mir dennoch als einem Stuttgarter Laien eine \u2013 etwas andere &#8211; Frage an den Fachmann des Finanzwesens:<\/p>\n<p>Unsere LBBW m\u00f6chte gern(?) die Sachsen LB \u00fcbernehmen. Letztere habe, wie man lesen konnte, einen Abschreibungsbedarf infolge der Hypothekenkrise in Florida und Kalifornien (wie ich dank Ihnen jetzt wei\u00df) von bis zu 40 Milliarden EUR (nicht USD).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/isht.comdirect.de\/charts\/small.ewf.chart?hist=6m&amp;sSym=XS0189511933.FSE\" alt=\"6-Monatschart Sachsen LB Europe PLC EO-Medium-Term Notes 2004(15)\" height=\"136\" width=\"200\" title=\"\"><br \/>\n6-Monatschart<span style=\"font-size: 10pt; font-family: 'Courier New'; font-weight: normal\"> Sachsen LB Europe PLC EO-Medium-Term Notes 2004(15)<\/span><o><\/o><\/p>\n<p>Wenn ich den Abschreibungsbedarf der amerikanischen Gro\u00dfbanken (soweit ich das irgendwo lesen kann) dem gegen\u00fcberstelle, dann sind deren Abschreibungsbetr\u00e4ge ja geradezu l\u00e4cherlich gering gegen\u00fcber dem Winzling Sachsen LB, relativ gesehen. Der brave Schwabe fragt sich, welche absurden Bl\u00fcten der Dilettantismus in dieser Bank \u2013 unter Aufsicht des Freistaates Sachsen &#8211; getrieben hat und f\u00fcrchtet um das Wohlergehen seiner Landesbank LBBW, wenn diese sich auf das Abenteuer der \u00dcbernahme tats\u00e4chlich einl\u00e4sst. Die Politik bei uns verharrt zu diesem Problem in einer Art Schreckstarre, wie mir scheint. Lediglich der (wohlfeile) Ruf nach mehr Transparenz ist zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Wie verh\u00e4lt sich das &#8211; au\u00dferdem  &#8211; mit der M\u00f6glichkeit der Banken, Risiken bilanzschonend auf sog. Zweckgesellschaften zu verlagern? Ist das nicht schon kriminell? Sind dagegen bspw. schwarze Parteikassen nicht geradezu niedlich und harmlos?<\/p>\n<p>W\u00fcrden Sie vor diesem f\u00fcr den Laien v\u00f6llig unverst\u00e4ndlichen Hintergrund die Meinung teilen, dass der (kleinkapitalisierte) brave Schwabe sich am besten an seine Genossenschaftsbank h\u00e4lt und auch dieser auf die Finger schaut &#8211; soweit er&#8217;s kann?<\/p>\n<p>F\u00fcr eine Antwort oder auch das Aufgreifen der angesprochenen Problematik in Ihrem Ticker w\u00e4re ich sehr dankbar.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen, Manfred aus Stuttgart<\/p>\n<p>ANTWORT:<\/p>\n<p>Ja, das sind interessante Aspekte, die Sie ansprechen.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst zur Richtigstellung: Ich kann keine Meldung finden, die den Abschreibungsbedarf der Sachsen LB auf bis zu 40 Mrd. Euro beziffert, vielmehr h\u00f6re ich Zahlen von einigen hundert Millionen Euro. Vielleicht hat jemand da einmal das gesamte Engagement der Sachsen LB auf Null abschreiben wollen, das ist jedoch zum heutigen Zeitpunkt nicht mehr erforderlich.<\/p>\n<p>Als kriminell w\u00fcrde ich das Verhalten der Unternehmenschefs nicht bezeichnen, eher als v\u00f6llig inkompetent. Aber so ist das in der Wirtschaft: Man wird solange aufgrund seiner guten Leistung bef\u00f6rdert, bis man dort angelangt ist, wo man \u00fcberfordert ist. Dort bleibt man. Und oberfl\u00e4chlich betrachtet waren diese Immobilienderivate, die von der Sachsen LB gekauft wurden, hochverzinslich und dennoch hundert Prozent sicher, da versichert. Man musste schon ins Detail sehen, um m\u00f6gliche Probleme zu erkennen.<\/p>\n<p>Doch insbesondere bei den Landesbanken m\u00f6chte ich die Vorst\u00e4nde nicht f\u00fcr allein schuldig erkl\u00e4ren. Nat\u00fcrlich fordern die Eigner (der Staat und die L\u00e4nder, vertreten durch Politiker) immer h\u00f6here Renditen von ihren Unternehmen. Und nat\u00fcrlich sind dann die Unternehmenschefs auf der Suche nach hochprofitablen Anlagen. Und wenn die Immobilienderivate den Anforderungen der Politiker gen\u00fcgten, warum dann nicht darin investieren? Warum dann noch im Detail nach m\u00f6glichen Problemen forschen, um anschlie\u00dfend als inkompetent entlassen zu werden, denn man bringt ja nicht die Rendite, die der andere Chef im Nachbarland bringt.<\/p>\n<p>Und letztlich muss ich auch die Politiker in Schutz nehmen, denn sie werden von uns gew\u00e4hlt. Und wir w\u00e4hlen Politiker ohne wirtschaftlichen Sachverstand, die immer mehr Geld umverteilen, ohne auf notwendige Investitionen zu achten. Subventionen f\u00fcr Nokia werden gezahlt, ohne an der Wurzel des \u00dcbels anzusetzen: Die mangelnde Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Standorts Bochum. Und nun jubelt das Land jedem Politiker zu, der sein Nokia-Handy wegwirft.<\/p>\n<p>Das Problem ist also nicht der Chef der Sachsen LB. Er war dumm oder es fehlte ihm das R\u00fcckgrat, um die Risiken der US-Immobilienderivate fr\u00fchzeitig aufzudecken. Vermutlich hing er zu sehr an seinem Job. Das Problem sind auch nicht die Politiker, die haben wir gew\u00e4hlt. Das Problem ist unsere Gier und die daraus resultierende Wahl der falschen Politiker.<\/p>\n<p>Nun habe ich vielleicht etwas weiter ausgeholt, als Sie erwarteten. Im Rahmen dieser Erkl\u00e4rung werden Sie nun auch schnell nachvollziehen, dass Unternehmenschefs unter Profitdruck nat\u00fcrlich auch jede M\u00f6glichkeit nutzen, die Bilanz auszubessern &#8211; und sei es durch das Auslagern von Risiken in Tochtergesellschaften.{weiter[40|9]}<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehr geehrter Herr Heibel, zun\u00e4chst mal Lob f\u00fcr Ihren Ticker, ich lese ihn regelm\u00e4\u00dfig &#8211; ohne ihn allerdings als M\u00f6chtegernscalper des DAX direkt umsetzen zu k\u00f6nnen. 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