{"id":4542,"date":"2021-06-15T15:07:27","date_gmt":"2021-06-15T13:07:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.heibel-unplugged.de\/?p=4542"},"modified":"2022-02-09T10:20:24","modified_gmt":"2022-02-09T09:20:24","slug":"so-tickt-die-boerse-vertrauen-in-voruebergehende-inflation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/so-tickt-die-boerse-vertrauen-in-voruebergehende-inflation\/","title":{"rendered":"So tickt die B\u00f6rse: &#8222;Vertrauen&#8220; in vor\u00fcbergehende Inflation"},"content":{"rendered":"\n<p>Im neuen Kapitel 02 (R\u00fcckblick zu aktuellen Entwicklungen an B\u00f6rse und Aktienm\u00e4rkten) gehe ich auf einen Schwachpunkt der Volkswirtschaft ein, der in meinen Augen von vielen \u00dcbersehen wird: Die Stimmung der Menschen wird nicht ausreichend ber\u00fccksichtigt. Vertrauen in ein Wirtschaftssystem ist wichtiger als die Geldpolitik, wenn es um eine Prognose f\u00fcr die Inflation geht. Die derzeitige Hysterie \u00fcber die drohende Inflation halte ich daher f\u00fcr \u00fcberzogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Begriff &#8222;Inflation&#8220; wird in den Finanzmedien seit Wochen rauf und runter diskutiert. Doch der wichtigste Begriff in meiner heute gew\u00e4hlten \u00dcberschrift ist ein anderer: &#8222;Vertrauen&#8220;.<br \/><br \/>Vertrauen hat in der Volkswirtschaftslehre noch kaum Eingang gefunden, dabei ist genau das Vertrauen der entscheidende Faktor daf\u00fcr, ob sich eine vor\u00fcbergehende Inflation in eine galoppierende Inflation ausw\u00e4chst. Genauso bestimmt das Vertrauen, ob eine vor\u00fcbergehende Deflation in eine t\u00f6dliche Abw\u00e4rtsspirale m\u00fcndet.<br \/><br \/>Wenn wir also absch\u00e4tzen m\u00f6chten, wie gro\u00df die Gefahr ausufernder Inflationsraten ist, dann m\u00fcssen wir absch\u00e4tzen, wie das Vertrauen der Marktteilnehmer in die M\u00e4rkte ist. Funktionieren die M\u00e4rkte? Werden Angebot und Nachfrage in ein Gleichgewicht gebracht? Oder sind die freien Marktkr\u00e4fte durch die Politik bereits so weit au\u00dfer Kraft gesetzt, dass Ungleichgewichte bestehen bleiben?<br \/><br \/>Bevor wir \u00fcber das Vertrauen sprechen, m\u00f6chte ich Ihnen kurz erl\u00e4utern, warum die Wissenschaft kaum auf diesen Begriff eingehen kann. Der Grund ist ganz einfach: Als Wissenschaft gilt nur das, was man beweisen oder widerlegen kann. Doch wie m\u00f6chten Sie die Entwicklung des Vertrauens messen, geschweige denn prognostizieren?<br \/><br \/>Ich w\u00fcrde mal recht selbstsicher behaupten, dass meine Sentiment-Erhebung, die ich w\u00f6chentlich durchf\u00fchre, dieses Problem am besten angeht. Aus der Anlegerstimmung k\u00f6nnen wir ablesen, wie die Marktteilnehmer zum Markt stehen, ob sie Vertrauen in das Finanzsystem und\/oder die aktuellen Bewertungen haben, oder nicht. Ich wei\u00df, dass ich mit meiner Umfrage seit Jahren \u00fcberall, sowohl bei der Finanzpresse als auch bei institutionellen Anlegern, offene T\u00fcren vorfinde. Das Problem ist also bekannt.<br \/><br \/>Aber die Interpretation der Umfrageergebnisse ist dennoch eine Geschichte, bei der das Bauchgef\u00fchl mitspielt. V\u00f6llig unwissenschaftlich! Wissenschaft ben\u00f6tigt Fakten, am liebsten Zahlen oder am allerbesten Zahlenreihen, die dann linear extrapoliert werden k\u00f6nnen. Mehr dazu im kompletten <a href=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/empfehlung?id=40&amp;refID=9&amp;target=heibel_tickers\/1876&amp;anchor=ch02\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kapitel 02 meines aktuellen B\u00f6rsenbriefs<\/a> (frei zug\u00e4nglich).<\/p>\n\n\n\n<p>Letzte Woche wurden in den USA Zahlen zur Konsumentenpreisentwicklung (CPI sprich: Inflation) ver\u00f6ffentlicht. Der Preisanstieg gegen\u00fcber dem Vorjahr betrug durchschnittlich 5,0%. Das Ziel von 2% Inflation wurde also zumindest punktuell deutlich \u00fcberschritten. Doch Notenbankchef Jay Powell betont, dass diese Inflation nur vor\u00fcbergehend so hoch sei. Ich habe mal ein wenig ins Detail geschaut: Preistreiber sind die Preise von Gebrauchtwagen, Flugtickets und der \u00d6lpreis. Auch hierzu finden Sie mehr in Kapitel 02 meiner aktuellen Heibel-Ticker Ausgabe 21\/23. <\/p>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfend m\u00f6chte ich noch auf einen weiteren Irrtum hinweisen, dem viele Redakteure in den Finanzmedien derzeit erliegen: Inflation wird als Folge einer exzessiven Geldpolitik der Notenbank betrachtet. Dass dies nicht so ist, habe ich lange Zeit durch die Erl\u00e4uterung der &#8222;Umlaufgeschwindigkeit&#8220; veranschaulicht. Seit einigen Monaten habe ich auch die Modern Monetary Theory (MMT) ins Feld gef\u00fchrt, der zufolge die Notenbank ohnehin keine Kontrolle mehr hat, denn die Fiskalpolitik \u00fcbernimmt zunehmend das Steuern von Angebot und Nachfrage.<br \/><br \/>In den USA gibt es nun ein gigantisches F\u00f6rderprogramm f\u00fcr neue Chipproduktionsst\u00e4tten. Die Politik ist der Ansicht, dass der freie Markt Abh\u00e4ngigkeiten erzeugt hat, die man nun nicht mehr tragen m\u00f6chte.<br \/><br \/>Wenn ich also den Begriff &#8222;Vertrauen&#8220; als wesentlich wichtiger erachte als die Inflation, dann wissen Sie nun, warum: zum einen sind viele der Inflationstreiber nur vor\u00fcbergehend, zum anderen vertrauen die Menschen der Politik, die sich derzeit der MMT bedient, um gew\u00fcnschte Marktverh\u00e4ltnisse herbeizuf\u00fchren.<br \/><\/p>\n\n\n\n<p>Am Aktienmarkt scheint man mit dieser komplexen Situation derzeit nicht viel anzufangen. Der DAX notiert auf Allzeithoch, doch f\u00fcr weitere Kursgewinne fehlt die \u00dcberzeugung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im neuen Kapitel 02 (R\u00fcckblick zu aktuellen Entwicklungen an B\u00f6rse und Aktienm\u00e4rkten) gehe ich auf einen Schwachpunkt der Volkswirtschaft ein, der in meinen Augen von vielen \u00dcbersehen wird: Die Stimmung der Menschen wird nicht ausreichend ber\u00fccksichtigt. Vertrauen in ein Wirtschaftssystem ist wichtiger als die Geldpolitik, wenn es um eine Prognose f\u00fcr die Inflation geht. 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