{"id":474,"date":"2008-04-04T17:44:27","date_gmt":"2008-04-04T15:44:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.heibel-unplugged.de\/474,aktien-analysen-bear-stearns-pleite-haette-verhindert-werden-koennen\/"},"modified":"2022-02-09T10:13:59","modified_gmt":"2022-02-09T09:13:59","slug":"aktien-analysen-bear-stearns-pleite-haette-verhindert-werden-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/aktien-analysen-bear-stearns-pleite-haette-verhindert-werden-koennen\/","title":{"rendered":"Aktien Analysen: Bear Stearns Pleite h\u00e4tte verhindert werden k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"<p>DIEBSTAHL DES JAHRHUNDERTS?<\/p>\n<p>In den beiden letzten Tagen fanden die Anh\u00f6rungen zur Bear Stearns \u00dcbernahme vor dem Wirtschaftsausschuss Pr\u00e4sident Bushs statt. Abgesehen davon, dass es erschreckend ist, wie wenig Ahnung manche sogenannten Wirtschaftsexperten der Politik haben, kamen einige interessante Fakten zum Vorschein.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/bigcharts.marketwatch.com\/charts\/big.chart?symb=bsc&amp;compidx=aaaaa%3A0&amp;ma=0&amp;maval=9&amp;uf=0&amp;lf=1&amp;lf2=0&amp;lf3=0&amp;type=4&amp;size=2&amp;state=8&amp;sid=789&amp;style=320&amp;time=5&amp;freq=1&amp;comp=NO%5FSYMBOL%5FCHOSEN&amp;nosettings=1&amp;rand=3354&amp;mocktick=1\" style=\"max-width: 800px\" alt=\"\" title=\"\"><\/p>\n<p>Der Grund f\u00fcr die Pleite Bear Stearns war letztlich ein Run auf die Bank, wie es zuletzt in der Weltwirtschaftskrise 1929-1932 passierte. Anleger zogen ihre Einlagen ab, Gesch\u00e4ftspartner verweigerten Gesch\u00e4ftsabschl\u00fcsse und Partnerbanken verweigerten Kredite. Bear Stearns hatte nach der Pleite seiner beiden Hedgefonds im Sommer 2007 unter besonderer Aufsicht der SEC gestanden und musste besonders hohe Kapitalr\u00fccklagen bilden. Diese Erfordernisse wurden von Bear Stearns weit \u00fcbererf\u00fcllt. Ende Januar hatte Bear Stearns statt der erforderlichen 8 Mrd. USD sogar 22 Mrd. USD angeh\u00e4uft. In der Woche Mitte M\u00e4rz schmolz diese R\u00fccklage schrittweise auf 12 Mrd. USD, um am Donnerstag um weitere 10 Mrd. USD auf 2 Mrd. USD reduziert zu werden.<\/p>\n<p>Ursache f\u00fcr die Panik unter Kunden und Gesch\u00e4ftspartnern waren Ger\u00fcchte. Zugegeben, es ist nicht schwer, mitten in der Finanzkrise schlechte Meldungen \u00fcber eines der angeschlagenen Unternehmen zu verbreiten. Aber ohne das Ger\u00fccht, das hat die Anh\u00f6rung aufgezeigt, w\u00e4re Bear Stearns heute noch im Gesch\u00e4ft.<\/p>\n<p>Man w\u00fcrde nun vermuten, dass sich Bear Stearns bei der US-Notenbank Fed zu g\u00fcnstigen Zinsen refinanzieren kann. Bear Stearns w\u00fcrde einen Teil der im Bestand befindlichen Immobilienderivate im Wert von rund 300 Mrd. USD als Sicherheit hinterlegen und bek\u00e4me im Gegenzug Bargeld, mit dem weitere Kapitalabfl\u00fcsse ausgezahlt werden k\u00f6nnten. Der Kredit wird dann zum Diskontsatz (damals noch 3,5%, heute 2,5%) verzinst.<\/p>\n<p>Doch in den USA haben nur einige Gesch\u00e4ftsbanken das Privileg, dieses \u201eDiskontfenster\u201c, wie es genannt wird, zu nutzen. Bear Stearns hat diese M\u00f6glichkeit nicht, stattdessen muss Bear Stearns sich an J.P. Morgan wenden. J.P. Morgan w\u00fcrde dann die Sicherheiten nehmen und an die Fed weitergeben, als Sicherheit f\u00fcr den Kredit, der dann zu einem leicht h\u00f6heren Zins an Bear Stearns weitergegeben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Der Diskontsatz ist stets etwas h\u00f6her als der Marktzins. Alle Banken bevorzugen es daher, sich am Markt zu refinanzieren. Wenn eine Bank das Diskontfenster in Anspruch nimmt, dann zeigt diese Bank, dass sie wo anders keine Kredite mehr erh\u00e4lt. Das ist ein schlechtes Zeichen und man vermeidet daher das Diskontfenster und nutzt es nur im wirklichen Notfall. J.P. Morgan wollte aufgrund der angespannten Finanzmarktlage unter keinen Umst\u00e4nden das Diskontfenster zur Refinanzierung in Anspruch nehmen.<\/p>\n<p>Als also der Anruf von Bear Stearns CEO Alan Schwartz J.P. Morgans Chef Jamie Dimon am Donnerstag Abend erreichte, mit der Bitte um ein paar Milliarden Kredit, sagte J.P. Morgan schriftlich mit folgender Formulierung zu: Der Kredit wird f\u00fcr \u201ebis zu 28 Tage\u201c zur Verf\u00fcgung gestellt. Als Kreditnehmer w\u00fcrde ich genau wie Alan Schwartz daraus lesen, dass ich bis zu 28 Tage Zeit habe, die Milliarden zur\u00fcck zu zahlen, aber auch schon vorzeitig den Kredit abl\u00f6sen kann.<\/p>\n<p>Doch bereits am Freitag informierte Dimon Bear Stearns \u00fcber seine Interpretation der Formulierung: Aufgrund der kurzen Zeit habe er aus J.P. Morgan Sicht erst einmal zugesagt, bis zu maximal 28 Tage das Geld verleihen zu k\u00f6nnen. Nachdem sich aber am Freitag der Run auf Bear Stearns ausweitete, habe man beschlossen, das Geld bis Sonntag Abend bereits zur\u00fcckzufordern.<\/p>\n<p>Damit war Bear Stearns insolvent, wenn nicht bis Sonntag Abend ein neuer Financier gefunden w\u00fcrde. Und ein solcher war nicht in Sicht.<\/p>\n<p>Also gingen Schwartz und Dimon gemeinsam zur SEC (US-B\u00f6rsenaufsicht), die wiederum die Notenbank (nicht den Chef Bernanke, sondern den New Yorker Vertreter Geither) und den Finanzminister (Henry Paulson) einschaltete. Es wurde schnell offensichtlich, dass eine Insolvenz von Bear Stearns die Einlagen der Kunden zu einem Gro\u00dfteil ausradiert h\u00e4tte. Einen Einlagensicherungsfonds oder \u00e4hnliches, wie es in Deutschland inzwischen \u00fcblich ist, gibt es in den USA nicht.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens, nur der Vollst\u00e4ndigkeit halber: Auch in Deutschland ist Ihr Verm\u00f6gen bei den Banken nicht voll abgesichert. Die Versicherungssummen sind zwar exorbitant hoch, aber das l\u00e4sst sich nur umsetzen, wenn einzelne Banken pleite gehen. Bei einem kollabierenden Finanzsektor w\u00e4re nicht genug Geld in den Sicherungsfonds, um alle Anlegergelder auszuzahlen.<\/p>\n<p>Doch zur\u00fcck zur USA: Hier bef\u00fcrchtete man, dass eine Pleite von Bear Stearns zu einem Run auf das gesamte Bankensystem f\u00fchren k\u00f6nnte. Insbesondere Ausl\u00e4nder, die inzwischen gro\u00dfe Verm\u00f6gen bei US-Banken ausweisen, w\u00fcrden ohne R\u00fccksicht auf den Wechselkurs ihre Gelder ins Heimatland abziehen. Eine Pleite musste also verhindert werden.<\/p>\n<p>So suchte man potentielle K\u00e4ufer f\u00fcr Bear Stearns. Nach kurzer Zeit zeigte sich, das lediglich J.P. Morgan dazu in der Lage sein k\u00f6nnte. Alle anderen hatten inzwischen, von der Liquidit\u00e4tskrise gebeutelt, zu schwache Bilanzen. Immerhin mussten Verpflichtungen in H\u00f6he von 300 Mrd. USD in die Bilanz aufgenommen werden, ohne das Eigenkapital entsprechend zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>J.P. Morgan stellte die Bedingung, dass die Fed eine Ausfallb\u00fcrgschaft f\u00fcr 30 Mrd. USD der Immobilienderivate Bear Stearns \u00fcbernehmen solle. Als \u00dcbernahmepreis wurde eher willk\u00fcrlich, wie die Befragung zeigte, ein Aktienpreis von 2 USD festgelegt. Willk\u00fcrlich, weil f\u00fcr eine bessere Berechnung keine Zeit vorhanden war. Eine Woche sp\u00e4ter wurde der \u00dcbernahmepreis aufgrund genauerer Berechnungen auf 10 USD je Aktie angehoben.<\/p>\n<p>Soweit die Fakten. Folgende Zusammenh\u00e4nge sorgen f\u00fcr Misstrauen: Vor einem Jahr wollte J.P. Morgan noch Bear Stearns f\u00fcr 170 USD je Aktie kaufen, die Vorstellungen lagen jedoch zu weit auseinander, so dass der Deal nicht zustande kam. Nur ein Jahr sp\u00e4ter erh\u00e4lt J.P. Morgen das Unternehmen praktisch geschenkt.<\/p>\n<p>Die wichtigste Frage ist nun, herauszufinden, wer das Ger\u00fccht \u00fcber die drohende Insolvenz, in den Markt gebracht hat. Stellt es sich heraus, dass dies aus dem Hause J.P. Morgan geschah, dann wird aus dem Wirtschaftsskandal ein handfester Wirtschaftskrimi mit dem Titel: \u201eDer Diebstahl des Jahrhunderts\u201c.<\/p>\n<p>SYSTEMKRITIK ODER UNF\u00c4HIGE MENSCHEN?<\/p>\n<p>Ungeachtet dessen aber lohnt sich ein Blick auf die Beteiligten. Beginnen wir mit meinem besonderen Freund Ben Bernanke. Nachdem ich in der vorigen Ausgabe des Heibel-Tickers ungewohnt scharf mit ihm zu Gericht zog, habe ich mir seine Kommentare besonders gut angeh\u00f6rt. Und ich komme zu dem Schluss: Der Junge hat keinen Schimmer!<\/p>\n<p>Als Notenbankchef obliegt ihm die Stabilisierung der US-Konjunktur und dazu hat er einen Mitarbeiterstab, der nichts anderes tut, als die Finanzm\u00e4rkte zu beobachten. Wenn irgendwo Probleme auftauchen, dann sollte er sich \u00fcberlegen, was weiter passieren k\u00f6nnte. Nachdem also im Sommer 2007 zwei Hedgefonds von Bear Stearns pleite gingen (ich schrieb damals ausf\u00fchrlich dar\u00fcber), sollte man sich als oberster W\u00e4hrungsh\u00fcter doch einmal ein paar Minuten Zeit nehmen, um dar\u00fcber nachzudenken, was passieren w\u00fcrde, wenn ein Unternehmen wie Bear Stearns einmal nicht mehr ausreichend Liquidit\u00e4t haben sollte, um solche \u00dcberraschungen zu stemmen.<\/p>\n<p>In der Anh\u00f6rung vor dem US-Wirtschaftsausschuss war es aber nicht zu \u00fcbersehen, wie stolz er auf die kreativen F\u00e4higkeiten war, die er und sein New Yorker Stellvertreter an den Tag legten, um spontan auf die Bear Stearns Pleite zu reagieren. Einer der Senatoren z\u00e4hlte eine Reihe von Ereignissen auf, von denen jedes einzelne die Alarmglocken eines obersten W\u00e4hrungsh\u00fcters h\u00e4tte anschlagen m\u00fcssen, doch Bernanke war stolz darauf, v\u00f6llig unvorbereitet diese Krise gemeistert zu haben.<\/p>\n<p>Damit hat sich meine Kritik best\u00e4tigt: Als Steuermann einer W\u00e4hrung muss man vorausschauend agieren und nicht auf Katastrophen reagieren. Bernanke ist der falsche Mann f\u00fcr die US-Notenbank.<\/p>\n<p>Schlimmer noch, eine fr\u00fchere Zinssenkungen (wie von Ihrem Autor mehrfach gefordert) oder eine fr\u00fchere \u00d6ffnung des Diskontfensters f\u00fcr alle Kreditinstitute h\u00e4tte eine Bear Stearns Pleite verhindern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nun ja, inzwischen ist das Diskontfenster f\u00fcr alle Kreditinstitute offen, dies wurde am Sonntag Abend nach der erfolgreichen Rettung Bear Stearns vermeldet. Der Leitzins ist von 3% auf 2,25% gesenkt worden, der Diskontsatz von 3,5% auf 2,5%. Liquidit\u00e4t ist nun genug vorhanden im Markt.<\/p>\n<p>US-REGIERUNG EBENFALLS ZU LANGSAM<\/p>\n<p>Fannie Mae und Freddie Mac haben nur eine einzige Aufgabe: Sie sollen den Immobilienmarkt der USA stabilisieren, indem sie Hypothekendarlehen ausgeben und den lokalen Hypothekenbanken als Versicherung dienen. Doch seit die republikanische Bush-Regierung 2003 die Buchhaltung dieser demokratischen Hilfsorganisation f\u00fcr minderbemittelte Hausbauer umgegraben und dabei Bilanzierungsunregelm\u00e4\u00dfigkeiten gefunden hat, ist diese Kompetenz der beiden halbstaatlichen Institutionen stark beschnitten worden.<\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund einer boomenden Wirtschaft mit einem historisch niedrigen Leitzins von 1% hatte der Immobilienmarkt auch ohne die Hilfe dieser Organisationen wachsen k\u00f6nnen. Die Fed hat H\u00e4uslebauer sogar noch ermutigt, die billigen Kredite in Anspruch zu nehmen.<\/p>\n<p>H\u00e4tte eine kompetente \u00dcberwachung des Immobilienmarktes nicht erkennen m\u00fcssen, dass Probleme anstehen, wenn die 2 Jahre Tilgungsfreiheit auslaufen und die Anpassung des Kreditzinses anstehen? Keine Spur. Einen Steuermann gibt es auch in der Regierung nicht.<\/p>\n<p>Vielmehr ist man nun stolz darauf, dass in Folge der Bear Stearns Pleite die Kompetenzen von Fannie und Freddie wieder auf das fr\u00fchere Niveau ausgeweitet wurden. Ihr Autor hat dies ebenfalls seit vergangenem Herbst gefordert.<\/p>\n<p>DIE US-B\u00d6RSENAUFSICHT SEC<\/p>\n<p>Als dritte staatliche Institution war auch die SEC beteiligt. Inzwischen ist bekannt geworden, dass zwei Vorstandspositionen der SEC durch Bush nicht neu besetzt wurden. Chef der SEC, Christopher Cox, ehemaliger Senator und damit eher Politiker als Finanzmarktexperte, hielt sich aus den Fachdiskussionen tunlichst heraus. Dabei w\u00e4re die SEC die allererste Institution, die in ihrer Aufsichtsfunktion die Probleme von Bear Stearns h\u00e4tte erkennen m\u00fcssen. S\u00e4mtliche Transaktionen des Bankensektors werden mit sekundengenauem Zeitpunkt an die SEC gemeldet, dort muss man allein schon vom ansteigenden Handelsvolumen schlie\u00dfen k\u00f6nnen, dass etwas sich zuspitzt.<\/p>\n<p>Ein Senator hat das Put-Volumen der Vortage aufgez\u00e4hlt: Es pendelte in den einstelligen Tausendern pro Tag in der Vorwoche, stieg dann ab Montag sprunghaft bis auf 50.000 am Mittwoch an, um am Freitag mit 150.000 seinen h\u00f6chsten Stand zu haben. Dennoch behauptete SEC-Chef Cox, bis Donnerstag keine Ahnung von der drohenden Pleite Bear Stearns gehabt zu haben.<\/p>\n<p>FAZIT: Nun wird der Ruf nach noch mehr Kontrolle, noch mehr Macht f\u00fcr die Fed, noch mehr Regulierungen laut. Doch in meinen Augen hatte Bernanke die Informationen und die Mittel, um fr\u00fchzeitig mit Zinssenkungen gegenzusteuern. Bushs Regierung hatte nicht nur die Mittel, durch eine Ausweitung der Kompetenzen von Fannie Mae und Freddie Mac fr\u00fchzeitig den Immobilienmarkt zu stabilisieren, nein, Bush hat die Liquidit\u00e4tsknappheit sogar selber verursacht, indem er den beiden Organisationen \u00fcberm\u00e4\u00dfig harte Restriktionen auferlegen lie\u00df. Und Cox ist im Sekundentakt \u00fcber die Kapitalstr\u00f6me an den B\u00f6rsen informiert und hat bis Donnerstag nicht erkannt, dass ein Run auf Bear Stearns stattfindet? Da ist schon eine Menge Ignoranz, Fahrl\u00e4ssigkeit oder vielleicht sogar Dummheit im Spiel, finden Sie nicht? Ich nenne die drei Jungs von nun an \u201edie drei Fragezeichen\u201c.<\/p>\n<p>Wie ich bereits letzte Woche sagte: Solange diese drei Fragezeichen im Amt sind, werden die Finanzm\u00e4rkte kein Vertrauen in das US-Finanzsystem mehr fassen. Es sind zwar inzwischen weitreichende Schritte umgesetzt worden, aber unser Papiergeldsystem fu\u00dft auf Vertrauen und das k\u00f6nnen diese drei Fragezeichen und ihre Vertreter nicht ausstrahlen.<\/p>\n<p>VERSCH\u00c4RFUNG DER PROBLEME DURCH DIE FEHLENDE UPTICK RULE<\/p>\n<p>Ja, es geht ans Eingemachte heute. Auch \u00fcber dieses Thema habe ich schon h\u00e4ufig geschrieben und ich m\u00f6chte es heute nochmals aufgreifen, um zu zeigen, wie die aktuelle Finanzkrise tats\u00e4chlich hausgemacht ist.<\/p>\n<p>Wie Sie wissen, kann man Aktien kaufen und dann verkaufen. Man kann Aktien aber auch zuerst verkaufen und sp\u00e4ter kaufen. Man spekuliert dann darauf, dass der Kurs in der Zwischenzeit f\u00e4llt, damit man sp\u00e4ter weniger f\u00fcr die Aktien ausgeben muss, als man heute eingenommen hat. In der Zwischenzeit ist man \u201eshort\u201c, hat also eine Lieferverpflichtung f\u00fcr die bereits verkauften Aktien.<\/p>\n<p>Jetzt k\u00f6nnte man als kapitalstarker Anleger, beispielsweise ein Hedgefonds, hergehen und Puts auf eine Aktie kaufen, nehmen wir einfach einmal Bear Stearns. Denn Bear Stearns hatte bekannterma\u00dfen Probleme und man\u00f6vrierte sich mehr recht als schlecht durch diese Krise. Es w\u00e4re nun ein leichtes f\u00fcr den Hedgefonds, nun pl\u00f6tzlich eine gro\u00dfe Anzahl Aktien von Bear Stearns zum Verkauf zu stellen, obwohl er sie nicht hat. Man nennt dies einen Leerverkauf. Verkaufen, ohne die Aktien zu besitzen. Wenn das Volumen nur gro\u00df genug ist, dann wird der Aktienkurs von Bear Stearns irgendwann anfangen zu fallen.<\/p>\n<p>In diesen Kursverlust hinein werden dann noch ein paar ordentliche Verkaufspakete geworfen, so dass der Kurs schneller f\u00e4llt, als irgendjemand, trotz Realtime-Vernetzung, sich eine fundierte Meinung \u00fcber die Gr\u00fcnde des Ausverkaufs bilden und gegensteuern kann. Der Kurs w\u00fcrde also innerhalb von wenigen Minuten stark einbrechen.<\/p>\n<p>Nun gibt es aufgrund der weltweiten Vernetzung in aller Welt Anleger, die mit ihrem Zeigefinger Millionenbetr\u00e4ge an der NYSE verschieben k\u00f6nnen. Wenn dem einen oder anderen der Kurssturz zu heftig wird, dann wird erst geschossen und dann gefragt: Es wird verkauft. Der Kurs bricht also weiter ein.<\/p>\n<p>Auf der Suche nach Gr\u00fcnden f\u00fcr diesen Kurssturz werden nun Vermutungen ge\u00e4u\u00dfert, die schnell zu Ger\u00fcchten werden k\u00f6nnen. Und wenn dann erst ein Ger\u00fccht gefunden wurde, das nicht schnell genug oder glaubhaft dementiert werden kann, dann gibt es kein Halten mehr. Bear Stearns Kurs f\u00e4llt haltlos in den Keller und Anleger f\u00fcrchten das Schlimmste. Es folgt ein Run auf die Bank. Die Bank geht in die Insolvenz.<\/p>\n<p>LEERVERK\u00c4UFE ALS SPIEL VON SPEKULANTEN IN WELTWIRTSCHAFTSKRISE<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Weltwirtschaftskrise 1929 bis 1932 war das ein beliebtes Spiel von Spekulanten. Als Reaktion auf diese Machenschaften wurde die Uptick-Rule eingef\u00fchrt. Diese Regel besagt, dass ein Leerverkauf nur auf einen Kursanstieg folgen kann. Es wird also verhindert, dass durch Leerverk\u00e4ufe die Kurse schneller fallen, als potentielle K\u00e4ufer am Markt erscheinen k\u00f6nnen. Einfach und sinnvoll, nicht wahr?<\/p>\n<p>Nun, die Bush-Regierung, in ihrer unendlichen Weisheit und in ihrem Wahn zur Deregulierung hat die Uptick-Rule im Sommer 2007 einfach so gestrichen. Okay, es war der von Bush eingesetzte SEC-Chef und Vollblutpolitiker Cox, der daf\u00fcr gesorgt hat \u2013 er hat die Regel vermutlich bis heute nicht verstanden.<\/p>\n<p>Mir liegen leider keine Fakten vor, aber in den Tagen vor dem Run auf Bear Stearns brach der Kurs st\u00e4rker ein, als bei den anderen Brokern. Man m\u00fcsste nun den genauen zeitlichen Ablauf mit dem Aufkeimen der Ger\u00fcchte abgleichen, aber das wird wohl kaum m\u00f6glich sein. Sie sehen jedoch, dass es nicht allein das Missmanagement von Bear Stearns war, das zu der Pleite gef\u00fchrt hat, sondern dass auch eine Reihe anderer, nachteiliger Umst\u00e4nde mit verantwortlich war. Wie immer also bei Katastrophen: Es war die Folge von einer ganzen Reihe von schlechten Ereignissen.<br \/>\n{weiter[40|9]}<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DIEBSTAHL DES JAHRHUNDERTS? In den beiden letzten Tagen fanden die Anh\u00f6rungen zur Bear Stearns \u00dcbernahme vor dem Wirtschaftsausschuss Pr\u00e4sident Bushs statt. Abgesehen davon, dass es erschreckend ist, wie wenig Ahnung manche sogenannten Wirtschaftsexperten der Politik haben, kamen einige interessante Fakten zum Vorschein. Der Grund f\u00fcr die Pleite Bear Stearns war letztlich ein Run auf die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-474","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-leserfragen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/474","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=474"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/474\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5400,"href":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/474\/revisions\/5400"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=474"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=474"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=474"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}