{"id":4958,"date":"2021-09-28T09:47:30","date_gmt":"2021-09-28T07:47:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.heibel-unplugged.de\/?p=4958"},"modified":"2022-02-09T10:20:31","modified_gmt":"2022-02-09T09:20:31","slug":"wie-china-zu-xina-wird-und-sich-immer-mehr-deglobalisiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/wie-china-zu-xina-wird-und-sich-immer-mehr-deglobalisiert\/","title":{"rendered":"Wie China zu Xina wird und sich immer mehr deglobalisiert"},"content":{"rendered":"\n<p>Der chinesische Premierminister Xi Jinping hat h\u00f6chste Ambitionen. Die bis dato in China \u00fcbliche Amtszeitbegrenzung lie\u00df er aufheben und kann somit auch nach dem Jahr 2023 weiter im Amt bleiben, am liebsten auf Lebenszeit. China w\u00fcrde so zu Xina.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch das l\u00e4uft nicht automatisch, er muss sich die Gunst seiner Parteifreunde immer wieder auf&#8217;s Neue verdienen. So hat er nach mehreren Jahrzehnten des wirtschaftlichen Aufschwungs nunmehr die kommunistische Ader wiederbelebt. Die Schere zwischen Arm und Reich ist in China weit auseinander gegangen, insbesondere bei der Landbev\u00f6lkerung ist der globale Erfolg Chinas noch nicht angekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit einigen Monaten k\u00fcmmert sich Xi daher nun darum, soziale Missst\u00e4nde auszugleichen. Insbesondere die Superreichen des Landes sowie die international erfolgreichen Unternehmen werden zu Zielen.<\/p>\n\n\n\n<p>Alibaba Tochtergesellschaft Ant Financial wollte an die B\u00f6rse, der B\u00f6rsengang wurde jedoch am Vorabend des weltweit gr\u00f6\u00dften B\u00f6rsengangs gestoppt. Gr\u00fcnder und CEO Jack Ma verschwand seither vollst\u00e4ndig aus den Medien. Alibaba spendete 12 Mrd. USD an die kommunistische Partei.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Tencent spendete 12 Mrd. USD, weitere internationale Unternehmen spendeten ebenfalls nennenswert.<\/p>\n\n\n\n<p>Kinder d\u00fcrfen nur noch sehr eingeschr\u00e4nkt Online-Spiele spielen. Unternehmen mit Lehrauftrag d\u00fcrfen keine Gewinne mehr erzielen. Die Palette der Einflussnahme des Staates ist breit gef\u00e4chert. Wo \u00fcber Jahrzehnte die Z\u00fcgel f\u00fcr die Wirtschaft locker waren, werden sie nun straff angezogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Evergrande, einer der gr\u00f6\u00dften Immobiliengesellschaften in China, ist seit Wochen in Zahlungsschwierigkeiten. &#8222;Too big to fail&#8220; hie\u00df es lange Zeit, doch der Staat griff wider Erwarten nicht ein. Der Gr\u00fcnder von Evergrande war bis vor kurzem Chinas reichster Mann. Es widerstrebt Xi, ihm unter die Arme zu greifen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gesch\u00e4ftsmodell von Evergrande ist auf Wachstum und steigende Immobilienpreise angelegt. \u00dcber Monate f\u00fchrte Evergrande mit gesch\u00f6nten Aussagen neue Investoren hinters Licht, bis diesem Treiben nun Einhalt geboten wurde. Kommt die Dynamik in diesem Bereich ins Stocken, so funktioniert das Gesch\u00e4ftsmodell nicht mehr. Eine Art Schneeball-System. Ich wurde von meinen Lesern bereits im Jahr 2012 davor gewarnt, dass diese Machenschaften nicht gesund seien.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem die wirtschaftliche Dynamik, und somit auch die Preisentwicklung auf dem Immobilienmarkt in Folge von Corona nachgelassen hat, bricht nun das Kartenhaus von Evergrande zusammen. Diese Woche waren einige Zinszahlungen f\u00e4llig, die das Unternehmen nicht mehr leisten konnte. Mitarbeiter wurden aufgefordert, dem Unternehmen auszuhelfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Montag und Dienstag letzter Woche blieben die chinesischen Finanzm\u00e4rkte aufgrund des Mitt-Herbstfestes geschlossen. Es kam Angst auf, dass Evergrande am Mittwoch kollabieren k\u00f6nnte. Einige f\u00fcrchteten sogar einen &#8222;Lehman-Moment&#8220; Chinas.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke, die Brisanz dieser Situation hat man in China lange Zeit untersch\u00e4tzt. Man hat geglaubt, man k\u00f6nne Evergrande pleite gehen lassen und somit einen Teil der vermeintlich Reichen bestrafen. Doch es stellte sich heraus, dass 1,2 Mio. Apartments von Chinesen gekauft wurden, die nicht zu den Reichen z\u00e4hlen, sondern die ihre Lebensersparnisse, ihre Altersvorsorge so anlegen wollten. Die Apartments sind noch nicht fertig und w\u00fcrden nicht fertig gestellt, wenn Evergrande pleite ginge. Eine Pleite von Evergrande w\u00fcrde diese 1,2 Mio. Chinesen hart treffen. Nicht die Finanzierer und Anlageberater m\u00fcssten am Ende die Zeche zahlen, sondern 1,2 Mio. Chinesen, die dem Mittelstand zuzuordnen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Berichten zufolge gibt es Aufruhr in China. In mehreren St\u00e4dten gibt es Protestbewegungen vor den B\u00fcros von Evergrande. Wenn Xi in zwei Jahren erneut zum Staatsoberhaupt gew\u00e4hlt werden m\u00f6chte, muss er diese Protestbewegung einfangen.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Nacht zum Mittwoch meldete Evergrande, die Zinszahlungen an chinesische Gl\u00e4ubiger seien gesichert. Bis heute wei\u00df niemand, wie genau diese Sicherung erfolgte. Au\u00dferdem bezieht sich diese Zusicherung nur auf chinesische Papiere. Papiere im Ausland, die auf US-Dollar lauten, wurden nicht erw\u00e4hnt. Doch auch f\u00fcr sie sind Zinsen f\u00e4llig.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Moral Hazard&#8220; nennt man in der Volkswirtschaft den Effekt, wenn man Unternehmen rettet, nur weil sie zu gro\u00df sind, als dass man sie pleite gehen lassen k\u00f6nnte. Solche Unternehmen gehen unvern\u00fcnftige Risiken ein, weil sie fest damit rechnen, am Ende gerettet zu werden. Xi darf also Evergrande eigentlich nicht retten, wenn er Moral Hasard vermeiden m\u00f6chte. Denn der lachende Dritte von den Vorg\u00e4ngen ist der Gr\u00fcnder von Evergrande, der einst reichste Chinese, der mit seiner Masche durchgekommen w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch China funktioniert nicht wie unser System. Xi hat die M\u00f6glichkeit, Evergrande zu retten, gleichzeitig aber den Gr\u00fcnder zu bestrafen &#8211; siehe Jack Ma. Ob er ihn in ein Umerziehungslager schickt, oder mit anderen Methoden bestraft, sei dahin gestellt. Ich m\u00f6chte darauf hinaus, dass Xi ganz andere M\u00f6glichkeiten hat, seine Ziele durchzusetzen, als wir uns das vorstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>So k\u00f6nnte er die 1,2 Mio. Chinesen retten, ausl\u00e4ndische Investoren (die ihm egal sind) zur Kassen bitten und Moral Hasard vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Von den Finanzm\u00e4rkten wurde dieses Vorgehen \u00fcberaus positiv aufgenommen. Die Verluste der ausl\u00e4ndischen Anleger sind zu vernachl\u00e4ssigen. Viel wichtiger ist ein funktionierendes China, da China inzwischen f\u00fcr viele international aufgestellte Unternehmen der gr\u00f6\u00dfte Abnehmer ist. Wussten Sie, dass 41% aller VWs in China verkauft werden? BMW 33% und Daimler 31%.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Immobilienkrise in China w\u00e4re f\u00fcr unsere Autobauer ein heftiger R\u00fcckschlag. Da diese nun abgewendet ist, steigen die Kurse wieder. Doch das gef\u00e4llt mir nicht, denn hinter der Evergrande-Geschichte steckt mehr, wie oben gezeigt: Xi geht gegen jeden vor, der in seinen Augen zu viel Geld verdient. Ausl\u00e4ndische Unternehmen, deren Produkte auch von chinesischen Unternehmen hergestellt werden k\u00f6nnen, sind da ein besonders beliebtes Ziel. Schon am Freitag vor zwei Wochen zeigte ich, dass sich China konsequent abkoppelt vom Rest der Welt: Deglobalisierung.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir uns vor Augen f\u00fchren, dass die Weltwirtschaft in den vergangenen 10 Jahren ma\u00dfgeblich durch das hohe Wachstum Chinas gezogen wurde, w\u00e4ren die leichtesten R\u00fcckschl\u00e4ge in China, bspw. durch neue Regulierungen, eine Katastrophe f\u00fcr die globale Konjunktur. Nachdem China von der Werkbank der Welt zum Konsumenten der Welt aufgestiegen ist, ist die Abh\u00e4ngigkeit der international vernetzten Konjunktur stark abh\u00e4ngig von China.<\/p>\n\n\n\n<p>Xi hat alle Karten auf der Hand. Die Eingliederung Hongkongs konnte von der westlichen Welt nicht verhindert werden. Der ehemalige Hongkong-Verantwortliche wurde k\u00fcrzlich zum Verantwortlichen f\u00fcr Taiwan bestellt. Ich halte die Entwicklungen in China wirtschaftlich betrachtet f\u00fcr sehr gef\u00e4hrlich.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<form class=\"new_abo\" style=\"margin: 0px;\" action=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/abo\" method=\"post\">\n<h2 class=\"sgny-widget-title\"><font color=\"blue\">\u00dcber 25.000 Leser vertrauen dem Heibel-Ticker<\/font><\/h2>\n<br \/>\n<div class=\"mc4wp-form-fields\">Seit 1998 verfolge ich begeistert die B\u00f6rsen der USA und Europas. Mittlerweile schreibe ich w\u00f6chentlich f\u00fcr mehr als 25.000 Leser \u00fcber Hintergr\u00fcnde zum Aktienmarkt und Ursachen f\u00fcr Kursbewegungen von Aktien.<br \/>\n<br \/>\nMeine Leser sch\u00e4tzen meine neutrale, vereinfachende und unterhaltsame Art. 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