{"id":5170,"date":"2022-01-18T08:55:31","date_gmt":"2022-01-18T07:55:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.heibel-unplugged.de\/?p=5170"},"modified":"2022-02-09T10:20:26","modified_gmt":"2022-02-09T09:20:26","slug":"so-tickt-die-boerse-zinssorgen-und-pessimisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/so-tickt-die-boerse-zinssorgen-und-pessimisten\/","title":{"rendered":"So tickt die B\u00f6rse: Zinssorgen und Pessimisten"},"content":{"rendered":"\n<p>Liebe B\u00f6rsenfreunde,<br \/><br \/>Die Wochen\u00e4nderung in den Indizes gibt nicht wieder, wie turbulent die vergangene Woche war. Und selbst die einzelnen Tage decken nicht auf, wie turbulent es zwischen unterschiedlichen Branchen zugeht. Ich zeige auf, was die Anleger derzeit bewegt.<br \/><br \/>Die Stimmung ist eingebrochen, auch die Zukunftserwartung befindet sich auf dem R\u00fcckzug. Bereits Anfang Januar formulierte ich meine Sorge \u00fcber diese Entwicklung, das hat sich nun nur noch verst\u00e4rkt. Meine Interpretation der heutigen Sentimentumfrage lesen Sie weiter unten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Zinssorgen versus Konjunkturoptimismus<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Von den vier gro\u00dfen Themen f\u00fcr das Jahr 2022 befindet sich derzeit lediglich eines NICHT t\u00e4glich in den Schlagzeilen: Die Beziehung zwischen China und den USA.<br \/><br \/>Der russische Aufmarsch an der Grenze zur Ukraine f\u00fchrte letzte Woche zu einem Krisengipfel, auf dem beide Seiten (Gegenspieler Russlands ist die USA, nicht etwa Europa, auf dessen Territorium sich das Ganze abspielt) ihre verh\u00e4rteten Positionen klar gemacht haben. Besorgniserregend.<br \/><br \/>Die Omikron-Mutation rauscht durch die Gesellschaft, ob geimpft oder nicht. Die Stimmungslage der Anleger pendelt im Stundentakt zwischen der Angst vor der Infektionswelle und der Hoffnung auf eine Degradierung Coronas auf das Niveau einer schweren Grippe.<br \/><br \/>An der Zinsfront baut sich langsam Unverst\u00e4ndnis hinsichtlich der Passivit\u00e4t der EZB, namentlich Christine Lagarde auf. Der seit dieser Woche ehemalige Vorstand der Bundesbank, Jens Weidmann, warnt die EZB eindringlich vor der Abh\u00e4ngigkeit einiger EU-Staaten vom billigen Geld der EZB. Sein Nachfolger, Joachim Nagel, ruft die EZB zu Wachsamkeit vor Inflation auf.<br \/><br \/>In den USA sorgte Fed-Chef Jay Powell f\u00fcr eine Beruhigung. Er betonte Anfang letzter Woche, dass die Fed datenbezogen ihre Entscheidungen stets \u00fcberdenken werde. &#8222;Datenbezogen&#8220; ist das Zauberwort: Bei seinem Amtsantritt vor f\u00fcnf Jahren hatte er dogmatisch eine Reihe von Zinsanhebungen ausgerufen. Damit wollte er die ultralockere Geldpolitik auf ein normales Niveau zur\u00fcckholen. Doch seine Ank\u00fcndigung sorgte f\u00fcr so viel Angst, dass die B\u00f6rsen einbrachen, Investitionen zur\u00fcckgehalten wurden und die Konjunktur Schaden nahm. Er konnte die beabsichtigen Zinsanhebungen daher nicht durchf\u00fchren.<br \/><br \/>Dieses Mal geht er behutsamer vor: Nat\u00fcrlich m\u00fcsse die ultralockere Geldpolitik auf ein normales Ma\u00df zur\u00fcckgef\u00fchrt werden, doch \u00fcber eine etwaige Zinsanhebung entscheide man stets erst zu gegebener Zeit auf Basis der dann aktuellen Datenlage \u00fcber die Konjunkturentwicklung.<br \/><br \/>Was uns Laien als selbstverst\u00e4ndlich erscheint, ist jedoch in der ideologiegetriebenen Geldpolitik alles andere als normal. Die Notenbank befindet sich stets im Kreuz verschiedenster Interessen und neigt h\u00e4ufig dazu, die Gem\u00fcter mit dogmatischen Aussagen beruhigen zu wollen: &#8222;forward guidance&#8220; wurde das in den vergangenen Jahren genannt. Damit ist in den USA nun Schluss, und die Finanzm\u00e4rkte begr\u00fc\u00dfen dies zum derzeitigen Zeitpunkt.<br \/><br \/>Am Montag war die Rendite der 10 Jahre laufenden US-Anleihen \u00fcber 1,8% gesprungen, das h\u00f6chste Niveau seit der Corona-Pandemie. Wenn alles glatt l\u00e4uft, k\u00f6nnte sich diese Rendite im weiteren Jahresverlauf \u00fcber 2% bewegen, das w\u00e4re kein Problem f\u00fcr die Konjunktur. Doch es geht um die Geschwindigkeit: Unternehmen ben\u00f6tigen Zeit, sich auf ein h\u00f6heres Zinsniveau vorzubereiten. Und seit Nikolaus war die US-Rendite von 1,35% auf 1,8% angesprungen: Viel zu schnell!<br \/><br \/><img decoding=\"async\" src=\"blob:https:\/\/www.heibel-unplugged.de\/ef60dde8-d2cd-478d-9fbd-71b54b985d96\" alt=\"US-Rendite\" height=\"px\" title=\"\"><br \/>Abbildung 1: Rendite der 10 Jahre laufenden US-Staatsanleihe \/ Quelle: Comdirect.de<br \/><br \/>Entsprechend brachen die Aktienm\u00e4rkte letzten Montag ein, der DAX gab zwischenzeitlich 1,3% ab. Es folgten jedoch die besonnenen Worte von Jay Powell, die f\u00fcr einen R\u00fcckgang der US-Rendite auf 1,71% sorgten. So konnten sich die Aktienm\u00e4rkte am Dienstag dann deutlich erholen.<br \/><br \/>Am letzten Donnerstag folgte dann etwas Erstaunliches: Die Mega-Cap-Unternehmen gerieten unter die R\u00e4der. Mega-Cap sind Unternehmen mit einer Mega-Marktkapitalisierung. Also Apple, Microsoft, Alphabet und Amazon, die jeweils \u00fcber 1 Billionen US-Dollar wert sind. Schauen Sie sich mal das folgende Bild an: Jedes K\u00e4stchen zeigt die relative Gr\u00f6\u00dfe des jeweiligen Unternehmens an. Je gr\u00f6\u00dfer das K\u00e4stchen, desto gr\u00f6\u00dfer die Marktkapitalisierung.<br \/><br \/><img decoding=\"async\" src=\"blob:https:\/\/www.heibel-unplugged.de\/a76111b0-dcea-477a-9d01-a21f0502b3e4\" alt=\"Heatmap-SnP\" height=\"px\" title=\"\"><br \/>Abbildung 2: Heatmap des S&amp;P vom 13.1.22 \/ Quelle: finviz.com<br \/><br \/>Je gr\u00f6\u00dfer das K\u00e4stchen, desto roter die Farbe. Gerade die gro\u00dfen Unternehmen wurden gestern ausverkauft. Bei den kleinen Unternehmen sehen wir viele gr\u00fcne K\u00e4stchen. Es ist, als w\u00e4re Anlegern pl\u00f6tzlich wie Schuppen von den Augen gefallen, dass die Gewinner der vergangenen zwei Jahre nicht ewig weiterwachsen k\u00f6nnen.<br \/><br \/>Allein Apple ist inzwischen mehr wert (2,5 Bio. Euro) als alle DAX-, MDAX- und SDAX-Unternehmen zusammen (2,4 Bio. Euro). Kann ein Unternehmen mehr wert sein als die gesamte deutsche B\u00f6rsenlandschaft? Die \u00fcberraschende Antwort lautet: Durchaus, denn die hohe Bewertung Apples ist durch Wachstum und Gewinn gerechtfertigt. Dennoch f\u00e4llt es schwer, solche Zahlen zu akzeptieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Details, was sich letzte Woche abgespielt hat, finden Sie im vollst\u00e4ndigen Kapitel 02 siehe unten (frei zug\u00e4nglich).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Anleger-Sentiment: Pessimisten gewinnen die Oberhand<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Vor einer Woche schrieb ich, dass mir die r\u00fcckl\u00e4ufige Erwartungshaltung der Anleger Sorge bereitet. Daran hat sich nichts ge\u00e4ndert und im Technologie- und Gesundheitssektor sehen wir die roten Vorzeichen dieser Woche. Auch wenn die Stimmung inzwischen ebenfalls deutlich ins Minus gedreht ist, reicht dies noch nicht f\u00fcr einen Boden, bzw. ein Ende der holprigen B\u00f6rsenphase aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir ber\u00fccksichtigen, dass seit dem Corona-Crash sehr viele neue, unerfahrene Aktion\u00e4re \u00fcber Trade Republic, in den USA \u00fcber Robinhood, an die B\u00f6rse gekommen sind, k\u00f6nnen wir uns darauf einstellen, dass diese jungen Anleger das zweite Szenario, das ebenfalls nicht selten ist, noch nie erlebten. Die Frage ist daher nicht ob, sondern wann wir mal wieder einen Ausverkauf erleben, der in Panik m\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p>Am \u00d6lmarkt ist eine divergierende Entwicklung zu beobachten: Der \u00d6lpreis ist \u00fcber 80 USD\/Fass gesprungen, die Stimmung notiert im Bereich der Euphorie. Anleger freuen sich \u00fcber das hohe Niveau am \u00d6lmarkt. Doch die Zukunftserwartung ist gesunken, der Wert notiert nahe der Nulllinie. Weitere Kursgewinne f\u00fcr das \u00d6l werden also nicht erwartet. Damit ist nun zu bef\u00fcrchten, dass die \u00d6lrallye kurzfristig keinen weiteren Z\u00fcndstoff erh\u00e4lt und ausl\u00e4uft.<br \/><br \/>Beim Bitcoin steigt die Zukunftserwartung hingegen stark an, die Stimmung war nun viele Wochen in Folge am Boden. Ich werte dies als Zeichen daf\u00fcr, dass das aktuelle Kursniveau im Bitcoin, aktuell knapp \u00fcber 42.000 USD, vielen Anlegern bereits g\u00fcnstig genug f\u00fcr K\u00e4ufe erscheint.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Details zu unserer Sentimentauswertung und meiner Interpretation finden Sie in Kapitel 03 unserer aktuellen Heibel-Ticker Ausgabe (ebenfalls frei zug\u00e4nglich).<br \/><\/p>\n\n\n\n<p>Weiter zur aktuellen Ausgabe 22\/2 mit Kapitel 02 und 03: <a href=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/empfehlung?id=40&amp;refID=9&amp;target=heibel_tickers\/1941\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.heibel-ticker.de\/heibel_tickers\/1941<\/a><br \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe B\u00f6rsenfreunde, Die Wochen\u00e4nderung in den Indizes gibt nicht wieder, wie turbulent die vergangene Woche war. Und selbst die einzelnen Tage decken nicht auf, wie turbulent es zwischen unterschiedlichen Branchen zugeht. 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