{"id":577,"date":"2008-07-28T19:09:39","date_gmt":"2008-07-28T17:09:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.heibel-unplugged.de\/577,boersenanalyse-kws-saat-wunschanalyse-und-anmerkungen-zur-gentechnik\/"},"modified":"2026-04-21T14:30:33","modified_gmt":"2026-04-21T12:30:33","slug":"boersenanalyse-kws-saat-wunschanalyse-und-anmerkungen-zur-gentechnik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/boersenanalyse-kws-saat-wunschanalyse-und-anmerkungen-zur-gentechnik\/","title":{"rendered":"B\u00f6rsenanalyse: KWS Saat Wunschanalyse und Anmerkungen zur Gentechnik"},"content":{"rendered":"<p>Lieber Herr Heibel,<\/p>\n<p>als immer interessierter Leser des Heibel-Ticker teile ich h\u00e4ufiger Ihre<br \/>\neing\u00e4ngig formulierten Stellungnahmen.<\/p>\n<p>Angesichts Ihrer Darlegungen zur Gentechnik und weltweiten<br \/>\nVersorgungssituation scheint mir aber doch der Focus etwas verengt (siehe http:\/\/heibel-ticker.de\/archiv.php?standardID=143&amp;start=0) .<br \/>\nSolange vor allem wir Europ\u00e4er und die Nordamerikaner \u00dcbersch\u00fcsse erzielen<br \/>\n(Milchpulver, Weizen, etc.) und diese unter Zuhilfenahme von staatlichen<br \/>\nSubventionen unter den Einstandspreisen der Erzeuger in Drittl\u00e4ndern dort<br \/>\nvertreiben, kann meines Erachtens die Gentechnik in diesem Bereich durchaus<br \/>\nau\u00dfen vor bleiben. Der Wegfall der Handelsbeschr\u00e4nkungen (Doharunde, WTO)<br \/>\nund der Wegfall der Erzeugersubventionen vor allem in der EU und den<br \/>\nVereinigten Staaten w\u00fcrde ausreichen, um in weiten Teilen der Welt Fl\u00e4chen<br \/>\nandersartig nutzen zu k\u00f6nnen als f\u00fcr Soja oder Futtermais, der zur \u00f6rtlichen<br \/>\nVersorgung wenig beitr\u00e4gt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/isht.comdirect.de\/charts\/big.chart?hist=10d&amp;type=CONNECTLINE&amp;ind0=VOLUME&amp;&amp;currency=&amp;&amp;lSyms=KWS.ETR&amp;lColors=0x000000&amp;sSym=KWS.ETR&amp;hcmask=\" style=\"max-width: 800px\" alt=\"\" title=\"\"><\/p>\n<p>Die weltweite Nahrungsmittelproduktion w\u00e4re derzeit (solange aus<br \/>\nMarkterw\u00e4gungen Produktion sogar vernichtet oder als Unterpflug verwendet<br \/>\nwerden kann) f\u00fcr die Versorgung ausreichend. Es ist zwar ein anderes Thema,<br \/>\nbleibt aber eine universalisierbar unvertretbare Tatsache, dass angesichts<br \/>\nder \u00dcberproduktion kein Mensch auf der Welt verhungern d\u00fcrfte, dies aber<br \/>\nJahr f\u00fcr Jahr Millionen Menschen und gerade auch Kinder tun.<\/p>\n<p>Sollte dieser Zustand weiter und verst\u00e4rkt eskalieren, wird meines Erachtens<br \/>\nkeineswegs die Gentechnik sondern eher eine Mischung aus V\u00f6lkerwanderung und<br \/>\nEnteignungen f\u00fcr eine L\u00f6sung sorgen, schon um massenhaften gewaltsamen<br \/>\nAuseinandersetzungen vorzubeugen.<\/p>\n<p>Dies wird meiner Auffassung nach aus naheliegenden Gr\u00fcnden f\u00fcr alle<br \/>\nGrundnahrungsmittel, insbesondere also auch Trinkwasser gelten. Eine<br \/>\nInvestition in die Privatisierung dieser Grundnahrungsmittel ist daher nur<br \/>\nsolange sinnvoll, wie dies nicht zu einer lebensbedrohenden Verknappung f\u00fcr<br \/>\ndie Menschen f\u00fchrt. Dann werden Menschen diese Privatisierungen &#8211; und zwar<br \/>\nmeines Erachtens ohne jeden staatlichen Widerstand dagegen &#8211; hinwegfegen.<\/p>\n<p>Sei es \u00fcber die Verstaatlichung durch die jeweiligen Regierungen selbst, sei<br \/>\nes nach Volksaufst\u00e4nden mit Ersetzung der bisherigen politischen Strukturen<br \/>\nzu diesem Zweck. Letztlich d\u00fcrfte also nur die marktwirtschaftlich gerechte<br \/>\nVerteilung der Ressourcen weltweit \u00fcberhaupt einen Markt garantieren.<\/p>\n<p>Ihren einleuchtenden Kritikpunkten an der Gentechnik im \u00dcbrigen w\u00e4ren weitere<br \/>\nhinzuzuf\u00fcgen. Es gibt keine Langzeiterfahrungen mit gentechnisch ver\u00e4nderten<br \/>\nProdukten und damit auch langfristig eintretenden Sch\u00e4den. Allerdings ist<br \/>\ndie Komplexit\u00e4t und Interaktivit\u00e4t der Biosysteme ein Factum. Jeder<br \/>\ninteressierte Leser des Spektrums an Print- und sonstigen Medien wei\u00df, dass<br \/>\ngentechnisch gepflanzter Mais im \u00d6kosystem in jedem Fall (einzig die H\u00f6he<br \/>\nist strittig) Eintr\u00e4ge in Natursaaten verursacht. Menschlich gesetzte<br \/>\nToleranzgrenzen sind daher schon angesichts vollst\u00e4ndig fehlender<br \/>\nLangzeiterfahrungen \u00fcber die Wechselwirkungen lachhaft.<\/p>\n<p>Sie sprachen ganz zu recht die vorsichtige und \u00f6rtlich bedingte b\u00e4uerliche<br \/>\nVer\u00e4nderung von Saaten in langwierigen und kleinschrittigen Prozessen an.<br \/>\nHierin findet sich allenfalls eine im Wege der nat\u00fcrlichen Mutation und<br \/>\nSelektion umkehrbare Ver\u00e4nderung jahrmillionenlang entstandener und an die<br \/>\njeweiligen Umweltver\u00e4nderungen angepasster Natursaaten als unserer<br \/>\nErn\u00e4hrungsgrundlagen.<\/p>\n<p>Angesichts offenkundiger Fehlerhaftigkeit in der<br \/>\nFolgeneinsch\u00e4tzungskompetenz durch unsere Rasse bei vermeintlich<br \/>\nverbessernden Umgestaltungen und Innovationen (Gr\u00fcnenthal und Contergan sind<br \/>\nf\u00fcr den Pharmabereich ein popul\u00e4res Beispiel) w\u00e4re es daher kaum<br \/>\nverwunderlich, wenn sich der &#8222;Segen&#8220; der Gentechnik mittel- und langfristig<br \/>\nals &#8222;Fluch&#8220; f\u00fcr ern\u00e4hrungstechnisch verwertbare Grundsaaten herausstellen<br \/>\nw\u00fcrde.<\/p>\n<p>Fazit:<\/p>\n<p>Aus meiner Sicht ist eine Investition in Rohstoff- und<br \/>\nNahrungsmittelproduktion, die auf weitere Verknappung und damit Verteuerung<br \/>\nvon Grundnahrungsmitteln setzt, hoch riskant. Au\u00dfer der Frage der ethischen<br \/>\nVertretbarkeit an sich sind hier vor allem die v\u00f6llige Unklarheit \u00fcber die<br \/>\nDynamik der Faktoren &#8222;Entzug der Lebensgrundlagen&#8220; und &#8222;Totalisierung<br \/>\nbenachteiligter Bev\u00f6lkerungen&#8220; ausschlaggebende Faktoren. In Teilen von<br \/>\nAfrika ist die Frage der Revolution aufgrund dieses Themas schon heute<br \/>\nallenfalls eine Frage ausreichender Bewaffnung. Auch die<br \/>\nimmerwiederkehrenden Berichte \u00fcber Fl\u00fcchtlinge an den EU-Grenzen und die<br \/>\nGrenzz\u00e4une der USA nach Mittelamerika zeigen deutlich, dass das Thema schon<br \/>\nl\u00e4ngst vorhanden ist. Es wird sich verst\u00e4rken, jedenfalls solange, wie die<br \/>\nGrundversorgung mit Nahrung und Wasser keine Frage weltweiter Solidarit\u00e4t<br \/>\nund weitgehender Autarkie sondern privatisierter Partikularinteressen<br \/>\nbleibt.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p>Peter aus D\u00fcsseldorf<\/p>\n<p>ANTWORT:<\/p>\n<p>Besten Dank f\u00fcr Ihre kritischen Worte. Ja, die Gentechnik kann man<br \/>\nkritisch sehen, wie ich in meiner Analyse auch ausf\u00fchrte. Auch die<br \/>\nSubventionsproblematik und die Probleme der Umverteilung sind mir<br \/>\nbekannt. Meinem Eindruck nach wird an diesen Problemen gearbeitet und,<br \/>\nwenn ich einmal einen langen Zeithorizont nehme, ich habe den Eindruck,<br \/>\ndass die Welt immer ein St\u00fcckchen besser wird.<\/p>\n<p>Welche Rolle die Gentechnik letztlich spielen wird und ob eine<br \/>\nKatastrophe wie Gr\u00fcnenthal f\u00fcr die Menschheit zum Lernen erforderlich<br \/>\nsein sollte, das kann ich heute noch nicht absch\u00e4tzen. Ich gehe aber<br \/>\ndavon aus, dass sich die Gentechnik ihre Nische suchen wird.{weiter[40|9]}<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lieber Herr Heibel, als immer interessierter Leser des Heibel-Ticker teile ich h\u00e4ufiger Ihre eing\u00e4ngig formulierten Stellungnahmen. Angesichts Ihrer Darlegungen zur Gentechnik und weltweiten Versorgungssituation scheint mir aber doch der Focus etwas verengt (siehe http:\/\/heibel-ticker.de\/archiv.php?standardID=143&amp;start=0) . 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