{"id":6346,"date":"2022-05-17T09:06:49","date_gmt":"2022-05-17T07:06:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.heibel-unplugged.de\/?p=6346"},"modified":"2022-05-17T09:34:53","modified_gmt":"2022-05-17T07:34:53","slug":"jeder-crash-ist-anders-aber-analogie-zu-internetblase-gefunden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/jeder-crash-ist-anders-aber-analogie-zu-internetblase-gefunden\/","title":{"rendered":"Jeder Crash ist anders. Aber: Analogie zu Internetblase gefunden"},"content":{"rendered":"\n<p>Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Im heutigen Ausblick in Kapitel 04 vergleiche ich den aktuellen Crash mit denen aus den Jahren 2020, 2018, 2015, 2011 und 2008. Ganz sch\u00f6n viele. Wirkliche Parallelen finde ich jedoch erst beim Crash der Internetblase 2000 bis 2003.<\/p>\n\n\n\n<p>Schauen wir uns mal die Finanzgeschichte an, um ein Gef\u00fchl daf\u00fcr zu bekommen, was wir derzeit erleben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Crashs ohne Analogie<\/h2>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/pictograms\/crash.png\" alt=\"crash\" width=\"125\" height=\"125\" title=\"\"><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Der letzte Crash war der <strong>Coronacrash 2020<\/strong>. Der Crash verlief kurz und heftig und erfasste so ziemlich alle Aktien au\u00dfer ein paar wenigen, die L\u00f6sungen f\u00fcr das Corona-Problem versprachen. Bereits ein Jahr nach dem Crash notierte der DAX wieder auf dem Vor-Crashniveau.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser aktueller Crash dauert schon 6 Monate und hat sowohl wirtschaftliche (Inflation) als auch geopolitische (Krieg) Gr\u00fcnde. Ich denke nicht, dass wir hier eine Analogie herstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Davor erlebten wir einen langsamen Crash in der zweiten Jahresh\u00e4lfte <strong>2018<\/strong>. Damals war <strong>Jay Powell <\/strong>noch neu im Amt des Fed-Chefs und ganz im Sinne der Transparenz k\u00fcndigte er eine Vielzahl von <strong>Zinsanhebungen <\/strong>an. Erst als er von diesem Vorhaben Abstand nahm, endete der Crash. Unser Anlegersentiment war damals 14 Wochen in Folge negativ, die zweitl\u00e4ngste Phase negativer Stimmungswerte. Es folgte eine fulminante Rallye, die den DAX bis zum Coronacrash ein Jahr sp\u00e4ter ebenfalls \u00fcber das Vorcrashniveau trug.<\/p>\n\n\n\n<p>Der damalige Crash war durch die Zinsank\u00fcndigung der Fed verursacht und wurde durch die Fed beendet. Auch hier l\u00e4sst sich keine Analogie zum heutigen Crash ziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Davor gab es einen Crash im Jahr <strong>2015<\/strong>. Viele L\u00e4nder Europas, Italien, Spanien, Portugal, &#8230; galten als \u00fcberschuldet, die <strong>EU drohte auseinander zu brechen<\/strong>. Die EZB \u00f6ffnete die Schleusen und flutete die M\u00e4rkte mit billigem Geld, so konnte die EU zusammengehalten werden, der DAX brauchte ebenfalls ein Jahr, um das Vorcrashniveau wieder zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch 2015 konnte die Notenbank das Problem l\u00f6sen. Doch das ist heute nicht m\u00f6glich: In den USA hat die Notenbank bereits mehrfach erkl\u00e4rt, die Bek\u00e4mpfung der Inflation sei nunmehr das oberste Ziel. Die Inflationsraten in der EU lassen \u00e4hnliche Priorit\u00e4ten f\u00fcr die EZB erwarten.<\/p>\n\n\n\n<p>Davor gab es <strong>2011 <\/strong>die <strong>Griechenlandkrise<\/strong>, die den DAX um 30% einbrechen lie\u00df. Auch damals war die EZB daran beteiligt, die Insolvenz Griechenlands abzuwenden und anschlie\u00dfend brauchte der DAX &#8211; wie immer &#8211; ein Jahr, um das Vorkrisenniveau zur\u00fcck zu erobern.<\/p>\n\n\n\n<p>Davor war die gro\u00dfe <strong>Finanzkrise 2007 bis 2009<\/strong>. Das war eine Systemkrise, die unser Finanz- und Wirtschaftssystem infrage stellte. Der Crash dauerte \u00fcber ein Jahr, das Vorkrisenniveau wurde erst f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter wieder erreicht. Der Finanzsektor erholte sich nur sehr langsam von dieser Krise. Aber Sie ahnen es, auch diese Krise wurde durch die Notenbanken \u00fcberwunden, die mit Liquidit\u00e4tsflutung Schlimmeres verhinderten.<\/p>\n\n\n\n<p>Damals war der Finanzsektor systemrelevant und wurde gerettet. Heute wird der Crash durch SPACs, durch junge IPOs, durch Highflyer mit abenteuerlichen Umsatz-Multipels aber ohne Gewinne angef\u00fchrt. Eine systemrelevante Branche kann ich da nicht entdecken, daher gibt es auch keinen Grund f\u00fcr eine Rettung.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegenteil, der hohe Inflationsdruck wird von einigen Volkswirten auch auf die hohen Aktienkurse zur\u00fcckgef\u00fchrt. Reichtum wurde durch Aktien-Highflyer geschaffen, ohne dass eine entsprechende Wertsch\u00f6pfung zum heutigen Zeitpunkt bereits dahinter steckt. Vielleicht kommt es der Notenbank ja gar nicht so ungelegen, dass diese Werte nun implodieren, vielleicht wird damit ja auch die Inflation in einzelnen Bereichen abgeschw\u00e4cht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Analogie zum Crash nach der Jahrtausendwende<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Crash, der davor lag, war das Platzen der <strong>Internetblase 2000 bis 2003<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/image_uploads\/382-2022-05-11-Internetblasencrash.png\" alt=\"2022-05-11-Internetblasencrash\" title=\"\"><figcaption>Abbildung 1: Crash der Internetblase: Nasdaq st\u00e4rker eingebrochen als S&amp;P 500<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Zu sehen ist die unterschiedliche Entwicklung der Nasdaq und des S&amp;P 500. W\u00e4hrend die Nasdaq nach dem Platzen der Internetblase in der Spitze 80% ihres Wertes verlor, beschr\u00e4nkte sich der Verlust im S&amp;P 500 auf maximal 45%. Auch im S&amp;P 500 sind Technologieaktien enthalten, als Index war er also nicht immun gegen das Platzen der Internetblase.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Doch nicht alle Aktien blieben drei Jahre lang im B\u00e4renmarkt.<\/strong> Im Gegenteil, viele Aktien starteten bereits nach wenigen Monaten eine Gegenbewegung und konnten sich dem Abw\u00e4rtssog entziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute sieht das Bild so aus:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/image_uploads\/383-2022-05-11-AktuellerCrash.png\" alt=\"2022-05-11-AktuellerCrash\" title=\"\"><figcaption>Abbildung 2: Aktueller Crash: Auch diese Mal leidet die Nasdaq mehr<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Nasdaq rauscht erneut schneller in den Keller als der S&amp;P 500. Im S&amp;P 500 betr\u00e4gt der Verlust &#8222;erst&#8220; 15%, w\u00e4hrend die Nasdaq bereits \u00fcber 25% verloren hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon nach der Jahrtausendwende mussten viele Anleger lernen, dass ein Aktienkurs auf Null gehen kann. Unternehmen, die ausschlie\u00dflich auf Wachstum ausgerichtet sind und das Geld verdienen zu weit in die Zukunft verschoben haben, werden im Umfeld steigender Zinsen untergehen. Davon gibt es noch immer sehr viele.<\/p>\n\n\n\n<p>Carvana (Gebrauchtwagen) f\u00fchrte vor 10 Tagen noch eine Kapitalerh\u00f6hung durch, um frisches Geld in die Unternehmenskasse zu bekommen. Die Aktie ist danach nochmals um 50% gefallen, insgesamt wurden bereits 90% seit vergangenem November abgegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Upstart (Kreditplattform) ist erst im vergangenen Herbst an die B\u00f6rse gegangen und erreichte kurz danach einen Wert von 30 Mrd. USD. Heute ist das Unternehmen noch 3 Mrd. USD wert. Erst gestern gab der vermeintliche Technologief\u00fchrer bekannt, dass viele der durch die \u00fcberlegene k\u00fcnstliche Intelligenz vermittelten Kredite in den eigenen B\u00fcchern sind und ziemlich schlecht performen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unity Software bietet Software f\u00fcr das Metaversum an. Ein gigantisches Gesch\u00e4ft der Zukunft, doch heute ist es noch kaum existent. Nach dem B\u00f6rsengang zum Jahresende gibt die Aktie auf Tauchstation, -85%.<\/p>\n\n\n\n<p>Rivian (Elektrotransporter) wird von Ford und Amazon unterst\u00fctzt, doch der Umsatz ist kaum sichtbar, Gewinne werden auf absehbare Zeit nicht erzielt. Ebenfalls -85%.<\/p>\n\n\n\n<p>Novavax forscht ebenfalls an einem mRNA-Impfstoff gegen Corona, doch bislang ohne Erfolg. Inzwischen gibt es kaum noch einen Grund, ein drittes mRNA-Pr\u00e4parat zuzulassen, wenn es nicht deutlich besser als die beiden vorhandenen ist. Novavax hat das Wettrennen um die ersten beiden Pl\u00e4tze verloren und schafft nun auch keine bessere Wirksamkeit. Die Aktie notiert 80% unter ihrem Hoch von vor einem Jahr.<\/p>\n\n\n\n<p>Aktien, die bereits 80% oder 90% verloren haben, k\u00f6nnen weiter fallen. Aktien k\u00f6nnen auch 100% verlieren. Und auch wer jetzt erst einsteigt, riskiert, sein auf diesem vermeintlich niedrigen Niveau eingesetztes Kapital vollst\u00e4ndig zu verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir also einen Vergleich ziehen, dann den mit dem Platzen der Internetblase. Damals dauerte es drei Jahre, bis der Markt &#8222;bereinigt&#8220; war. Auch dieses Mal kann es noch lange dauern.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Heute geht alles schneller<\/h2>\n\n\n\n<p>Doch es w\u00e4re falsch, der Aktienb\u00f6rse f\u00fcr drei Jahren einfach den R\u00fccken zu kehren. Im Gegenteil, das <strong>f\u00fcr unsere Aktien Schlimmste haben wir hinter uns, wenn die Analogie stimmt.<\/strong> Jetzt sollten wir darauf achten, dass die Aktie in unserem Depot von dieser Bereinigung nicht betroffen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu habe ich in unserer Portfoliotabelle die &#8222;+&#8220; und &#8222;-&#8220; Kennzeichen eingef\u00fchrt. In eine Erholung hinein, wie wir sie heute sehen, werde ich k\u00fcnftig konsequent Aktien mit zu vielen Minuszeichen verkaufen. Und in Ausverk\u00e4ufe, die immer wieder kommen werden, werde ich entsprechend meine Lieblingsaktien wieder einkaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie haben es gemerkt: Es ist nicht leicht, Aktien zu finden, die gegen alle Eventualit\u00e4ten bestehen. Mag sein, dass wir Fehler machen. Eine der wichtigsten Eigenschaften f\u00fcr das erfolgreiche investieren ist es, Fehler einzugestehen und zu korrigieren.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Sie ist das schwer genug: Sie m\u00fcssen sich selber gegen\u00fcber den Fehler eingestehen und entsprechende Position vermutlich mit Verlust verkaufen, um Cash f\u00fcr neue K\u00e4ufe zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich ist es noch einen Schritt schwerer: Ich muss meine Fehler Ihnen gegen\u00fcber rechtfertigen. In den vergangenen Krisen hat das den Heibel-Ticker ausgemacht: Hier werden auch die Fehlgriffe thematisiert, damit am Ende die Performance des Gesamtportfolios wieder besser ist als die des Gesamtmarktes.<\/p>\n\n\n\n<p>Dr\u00fccken wir uns die Daumen, damit uns dies auch dieses Mal wieder gelingt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<form class=\"new_abo\" style=\"margin: 0px;\" action=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/abo\" method=\"post\">\n<h2 class=\"sgny-widget-title\"><font color=\"blue\">\u00dcber 25.000 Leser vertrauen dem Heibel-Ticker<\/font><\/h2>\n<br \/>\n<div class=\"mc4wp-form-fields\">Seit 1998 verfolge ich begeistert die B\u00f6rsen der USA und Europas. Mittlerweile schreibe ich w\u00f6chentlich f\u00fcr mehr als 25.000 Leser \u00fcber Hintergr\u00fcnde zum Aktienmarkt und Ursachen f\u00fcr Kursbewegungen von Aktien.<br \/>\n<br \/>\nMeine Leser sch\u00e4tzen meine neutrale, vereinfachende und unterhaltsame Art. 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