{"id":636,"date":"2008-09-25T12:01:57","date_gmt":"2008-09-25T10:01:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.heibel-unplugged.de\/636,boersenanalyse-risikoversicherungen-von-aig-koennen-toedlich-sein\/"},"modified":"2022-02-09T10:17:10","modified_gmt":"2022-02-09T09:17:10","slug":"boersenanalyse-risikoversicherungen-von-aig-koennen-toedlich-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/boersenanalyse-risikoversicherungen-von-aig-koennen-toedlich-sein\/","title":{"rendered":"B\u00f6rsenanalyse: Risikoversicherungen von AIG k\u00f6nnen t\u00f6dlich sein"},"content":{"rendered":"<p>Hallo Herr Heibel,<\/p>\n<p>vielleicht haben Sie den beil. Artikel noch nicht gesehen (zur Info)<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen, Toni aus F\u00fcrth<br \/>\n____________________<br \/>\nFTD: Subprime war gestern<\/p>\n<p>16.09.2008 &#8211; 20:48 Der Crash der US-Investmentbank Lehman Brothers war nicht der H\u00f6hepunkt der Finanzkrise &#8211; sondern erst der Auftakt f\u00fcr das CDS-Debakel. Es droht die Kernschmelze des Finanzsystems, als n\u00e4chstes Opfer k\u00f6nnte es den Versicherungsriesen AIG treffen.<\/p>\n<p>Die Pleite von Lehman Brothers ist alles andere als der H\u00f6hepunkt der aktuellen Finanzkrise. Dass im Zuge der Subprime-Krise mehrere schlecht gemanagte Banken in Existenznot geraten sind, ist keine \u00dcberraschung, ebenso wenig die Tatsache, dass die amerikanische Regierung nicht alle von ihnen gleichzeitig retten kann. Allein mit der Verstaatlichung der Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac hat sich der amerikanische Steuerzahler enorm belastet. Wir sind vorerst am Ende der Bereitschaft staatlicher Hilfe und am Anfang einer langen Folge von Bankeninsolvenzen. Jeder kann sich also selbst ausrechnen, was diese Kombination bedeutet.<\/p>\n<p>Viel bedrohlicher ist die Krise um die Versicherungsgesellschaft AIG, die zweitgr\u00f6\u00dfte Versicherung der Welt nach der Allianz. Selbst wenn es AIG gelingen sollte, eine kurzfristige Zwischenfinanzierung zu organisieren, ist damit keines der Probleme gel\u00f6st. Hinter der Krise von AIG steht die Krise eines der unglaublichsten Versicherungsm\u00e4rkte, die es je gegeben hat: des Markts f\u00fcr Credit Default Swaps (CDS), also Versicherungen gegen Zahlungsausf\u00e4lle auf festverzinsliche Wertpapiere.<\/p>\n<p>Der CDS-Markt hat eine Gr\u00f6\u00dfe von 62.000 Mrd. $. Das ist ungef\u00e4hr so gro\u00df wie das j\u00e4hrliche Bruttosozialprodukt der gesamten Welt. Dass wir an den B\u00f6rsen in den vergangenen Tagen eine Flucht aus den Finanzwerten erlebt haben, ist angesichts der Gefahren durch den CDS-Markt v\u00f6llig logisch.<\/p>\n<p>AIG hat sich verzockt<\/p>\n<p>\u00d6konomisch gesehen sind CDS Versicherungen. Jemand versichert sich gegen den Zahlungsausfall eines Bonds, daf\u00fcr zahlt er dem Versicherer jedes Jahr eine Pr\u00e4mie. Diese wird in Basispunkten notiert: Eine Notierung von 100 Basispunkten auf eine Firmenanleihe hei\u00dft, der Versicherungsnehmer zahlt 100.000 Euro pro Jahr oder 25.000 Euro pro Quartal zum Schutz von Zahlungsausf\u00e4llen auf ein B\u00fcndel dieser Wertpapiere im Werte von 10 Mio. Euro. (Der Betrag von 100.000 Euro entspricht einem Prozent oder 100 Basispunkten auf 10 Mio. Euro. )<\/p>\n<p>Im Falle eines Zahlungsausfalls oder eines anderen im Versicherungsvertrag definierten Ereignisses wird die Versicherung zur Kasse gebeten. AIG war eine solche Versicherung. Aber es haben sich nicht nur Versicherungsfirmen in diesem Markt getummelt. Auch Hedge-Fonds findet man auf beiden Seiten des Gesch\u00e4fts, als Versicherungsnehmer und als Versicherer.<\/p>\n<p>Der CDS-Markt ist zwar \u00f6konomisch ein Versicherungsmarkt, rechtlich ist er das aber nicht, denn er f\u00e4llt nicht unter die Versicherungaufsicht. Es ist daher schon m\u00f6glich, dass sich Versicherer regelrecht verzocken, was bei Lebensversicherungen zum Beispiel gar nicht so einfach ist. AIG hat sich verzockt und ist Ende vergangener Woche in einen Teufelskreis geraten. Das Rating des Versicherungsriesen wackelt, und damit droht ein Anstieg der zu hinterlegenden Sicherheiten. CDS sind technisch gesehen Swaps, also Derivate, und im Derivatemarkt ist es \u00fcblich, dass die potenziellen Zahler Sicherheiten hinterlegen. Die H\u00f6he der Sicherheiten h\u00e4ngt dabei von deren Kreditrating ab. Wenn das Rating f\u00e4llt wie bei AIG, dann braucht das Unternehmen umso mehr Liquidit\u00e4t.<\/p>\n<p>Das Problem geht aber weiter, selbst wenn diese Liquidit\u00e4t vorhanden ist. Mit der zunehmenden Zahl von Insolvenzen im Finanzsektor, etwa von Lehman Brothers, werden CDS-Zahlungen f\u00e4llig. Die Anzahl der Firmeninsolvenzen ist momentan noch sehr gering. Die Ausfallraten bei amerikanischen Bonds liegen noch bei unter einem Prozent des Werts der Bonds. Normal sind um die f\u00fcnf Prozent. Der Boom des CDS-Markts kam also nicht zuf\u00e4llig zu einer Zeit niedriger Ausfallraten.<\/p>\n<p>Jetzt wendet sich der Wirtschaftszyklus. Die Insolvenzen nehmen zu, zun\u00e4chst im Finanzsektor, aber bald auch in der Industrie und im Dienstleistungsbereich. Es werden Risiken f\u00e4llig, die die angeblich so cleveren Risikomanager f\u00fcr so unwahrscheinlich hielten, dass sie sie v\u00f6llig ignorierten. Das wirkliche Problem von AIG ist nicht eine kurzfristig fehlende Liquidit\u00e4t. Das Problem ist die drohende Insolvenz, wenn aus der Subprime-Krise eine CDS-Krise wird.<\/p>\n<p>Angst vor der Kettenreaktion<\/p>\n<p>Was w\u00e4ren die Folgen einer solchen Krise? Normalerweise kann man aus makro\u00f6konomischer Sicht Versicherungen ignorieren, denn Versicherungsm\u00e4rkte sind Nullsummenspiele. Das Geld wechselt lediglich den Besitzer, aber dem gesamten System wird kein Geld entzogen. Ein makro\u00f6konomisches Problem entsteht in dem Moment, in dem die Pleite eines Versicherers zu einer Kette von Zahlungsausf\u00e4llen und weiteren Pleiten f\u00fchrt. Wenn AIG untergehen sollte, sind AIGs CDS-Kunden nicht mehr versichert. Hier k\u00f6nnte es sich um Hedge-Fonds handeln, die hochriskante Positionen aufgebaut und einen Teil des Risikos abgesichert haben. Wenn diese Absicherung pl\u00f6tzlich wegf\u00e4llt, dann verbleibt das volle Risiko bei dem Kunden, und dies zu einer Zeit steigender Zahlungsausf\u00e4lle. Der CDS-Markt ist somit massiv prozyklisch. In den guten Zeiten gab es einen Boom, der zu spottbilligen Pr\u00e4mien f\u00fchrte. Jetzt in der Krise droht eine Kette von Zahlungsausf\u00e4llen.<\/p>\n<p>Im Gegensatz dazu ist die Lehman-Pleite f\u00fcr das Finanzsystem an sich weitaus harmloser. Hier kommt es nicht zu gef\u00e4hrlichen Kettenreaktionen. Eine Pleite von AIG k\u00f6nnte den Kollaps des gesamten CDS-Marktes ausl\u00f6sen. Das w\u00e4re wirklich mit einer Kernschmelze des Finanzsystems zu vergleichen.<\/p>\n<p>Wir befinden uns in der Finanzkrise jetzt an einer gef\u00e4hrlichen Weggabelung. Wenn wir Gl\u00fcck haben und eine CDS-Krise vermeiden, dann l\u00e4sst sich ein Ende der Finanzkrise zumindest f\u00fcr 2009 oder 2010 absehen. Auch in diesem optimistischen Fall sind die Abschl\u00e4ge im Finanzsektor v\u00f6llig gerechtfertigt.<\/p>\n<p>Kommt es zu einer CDS-Krise, verschlimmert sich die Lage dramatisch. Dann werden wir Kettenreaktionen von Finanzpleiten erleben, gegen die die Zentralbanken hilflos sind. Es kommt zu erheblichen realwirtschaftlichen Sch\u00e4den. Auch Zinssenkungen helfen da nicht weiter. Ich hatte bislang gehofft, dass wir an einer CDS-Krise so gerade noch vorbeischlittern. Seit dieser Woche bin ich mir nicht mehr so sicher.<br \/>\n___________________<\/p>\n<p>ANTWORT:<\/p>\n<p>Besten Dank f\u00fcr den Hinweis, ich habe den Artikel mit Interesse gelesen und stimme dem Autor voll und ganz zu. Auch ich sehe die Lehman-Pleite als schmerzhaft, aber verkraftbar. AIG h\u00e4tte der Markt nicht mehr wegstecken k\u00f6nnen, daher war die Rettung erforderlich (too big to fail). Es gibt noch einige andere Finanzinstitutionen, die too big to fail sind, beispielsweise die Citigroup, aber auch Washington Mutual, die Bank, die derzeit ums \u00dcberleben k\u00e4mpft und die als erstes pleite gehen wird, sollte das 700 Mrd. USD Hilfsprogramm nicht verabschiedet werden. {weiter[40|9]}<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo Herr Heibel, vielleicht haben Sie den beil. Artikel noch nicht gesehen (zur Info) Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen, Toni aus F\u00fcrth ____________________ FTD: Subprime war gestern 16.09.2008 &#8211; 20:48 Der Crash der US-Investmentbank Lehman Brothers war nicht der H\u00f6hepunkt der Finanzkrise &#8211; sondern erst der Auftakt f\u00fcr das CDS-Debakel. 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