{"id":6399,"date":"2022-06-21T10:42:40","date_gmt":"2022-06-21T08:42:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.heibel-unplugged.de\/?p=6399"},"modified":"2022-06-21T10:42:41","modified_gmt":"2022-06-21T08:42:41","slug":"powell-versteht-1-bewerber-je-2-offene-stellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/powell-versteht-1-bewerber-je-2-offene-stellen\/","title":{"rendered":"Powell versteht: 1 Bewerber je 2 offene Stellen"},"content":{"rendered":"\n<p>Hinweis: Heibel-Ticker PLUS Leser haben das Update bereits letzten Donnerstag erhalten. Wenn auch Sie fr\u00fcher solche Update erhalten m\u00f6chten, melden Sie sich bitte \u00fcber den Link unten an.<\/p>\n\n\n\n<p>Es tut so gut, jemanden mit gesundem Menschenverstand zu h\u00f6ren. Jay Powell hat letzte Woche den US-Leitzins um 0,75% angehoben. Seit 1994 ist das der gr\u00f6\u00dfte Zinsschritt der US-Notenbank. Der wichtigste Satz aus der Begr\u00fcndung: &#8222;Derzeit gibt es einen Arbeitssuchende je zwei offener Arbeitspl\u00e4tze.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die US-Notenbank hat im Unterschied zur EZB ein doppeltes Mandat: Geldwertstabilit\u00e4t und Arbeitsmarkt. <\/strong>Die EZB darf sich ausschlie\u00dflich um die Geldwertstabilit\u00e4t k\u00fcmmern. In den USA stehen sich Arbeitsmarkt und Geldwertstabilit\u00e4t manchmal gegenseitig im Weg, so dass die Fed ein Spagat machen muss.<br \/><br \/>Doch derzeit passen beide Ziele zusammen, machte Jay Powell diesen Mittwoch klar: Aktuell sei das oberste Ziel der US-Notenbank die Eind\u00e4mmung der Inflation. Und wenn der Arbeitsmarkt darunter leiden sollte, dann lediglich indem k\u00fcnftig nicht mehr ein Arbeitssuchender auf zwei Stellen kommt, sondern vielleicht nur ein Arbeitssuchender auf eine Stelle. Die niedrige Arbeitslosenquote von 3,6% werde darunter nicht leiden, so Powell.<br \/><br \/>Tats\u00e4chlich habe ich im VWL-Studium gelernt, dass es eine strukturelle Arbeitslosigkeit immer geben wird. Jobwechsel, Auszeit oder einfach nur zeitliche L\u00fccken zwischen zwei Jobs machen eine Arbeitslosenquote von 0% unm\u00f6glich. Tats\u00e4chlich spricht man bei 4% von Vollbesch\u00e4ftigung. Wenn in den USA also die Arbeitslosenquote von aktuell 3,6% auf 4,1% ansteigt, wie von der Fed prognostiziert, dann handelt es sich um <strong>eine Gesundung des Arbeitsmarktes,<\/strong> ein Abbau der aktuell angespannten Lage f\u00fcr Unternehmen, die keine Arbeitskr\u00e4fte mehr finden. Sie haben sicherlich schon davon geh\u00f6rt, dass Containerschiffe nicht mehr abgefertigt werden k\u00f6nnen, weil das Hafenpersonal fehlt.<br \/><br \/>Powell hat mehrfach betont, die Eind\u00e4mmung der Inflation sei das unumstrittene Ziel der k\u00fcnftigen Geldpolitik. Man werde nicht ruhen, bis das Inflationsziel (Notenbankprognose f\u00fcr in zwei Jahren) wieder auf 2% gesenkt sei (aktuell 3,4%).<br \/><br \/><strong>Ein pawlowscher Reflex der Finanzm\u00e4rkte auf Zinserh\u00f6hungen ist die Angst vor einer Rezession,<\/strong> was Unternehmen belasten w\u00fcrde. Aktien werden daher bei steigenden Zinsen verkauft. Ein Zinsschritt von 0,75%, der gr\u00f6\u00dfte seit 28 Jahren, qualifiziert sich als erschreckendes Ereignis f\u00fcr den Finanzmarkt, es sollte nun eigentlich ein heftiger Ausverkauf folgen. Im DAX sahen wir genau das, ich komme sp\u00e4ter darauf zu sprechen.<br \/><br \/>Die US-Indizes schossen jedoch in die H\u00f6he. Daf\u00fcr gibt es eine Reihe von Gr\u00fcnden, die sich in einem zusammen fassen lassen: Jay Powell ist ein intelligenter Volkswirt, der die Mechanismen der freien M\u00e4rkte versteht und seine Strategie verst\u00e4ndlich kommunizieren kann.<br \/><br \/>Powell best\u00e4tigte, dass nat\u00fcrlich die Nachfrageseite der Binnenkonjunktur durch die Zinserh\u00f6hung belastet werde. Doch die Nachfrageseite sei derzeit nicht das Problem der Konjunktur, sondern das Problem der Inflation. Die Angebotsseite laste auf der Konjunktur. Wenn er die Nachfrageseite ein wenig bremse, w\u00fcrde nur \u00fcbersch\u00fcssige Liquidit\u00e4t abgesch\u00f6pft, nicht jedoch die Konjunktur belastet &#8230; bzw. nicht besonders stark belastet.<br \/><br \/>Soll hei\u00dfen, wenn aufgrund der Zinserh\u00f6hung k\u00fcnftig weniger billiges Geld zur Verf\u00fcgung steht, dann werden auch weniger unsinnige Gesch\u00e4ftstr\u00e4umereien finanziert, die mit defizit\u00e4rem Gesch\u00e4ftsmodell und utopischen Geh\u00e4ltern Arbeitskr\u00e4fte den profitablen Gesch\u00e4ften wegnehmen.<br \/><br \/>Nat\u00fcrlich arbeitet jeder Hochschulabg\u00e4nger lieber f\u00fcr ein Jahresgehalt von 50.000 Euro an einem fliegenden Auto, als f\u00fcr 40.000 Euro im Containerterminal.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Immobilienmarkt sagte Powell, dass <strong>die Immobilienpreise zu hoch seien f\u00fcr eine junge Familie<\/strong>. Er sprach nicht \u00fcber die Finanzierungskosten, die er mit dem Zins beeinflussen kann, sondern er sprach \u00fcber die Immobilienpreise. Die Preise sind zu hoch. Angebot und Nachfrage sind nicht im Gleichgewicht, da es mehr Nachfrage als Angebot gibt. Dadurch stehen die Preise nicht mehr im Verh\u00e4ltnis zum Gehaltsniveau. Entweder das Gehaltsniveau steigt, oder die Immobilienpreise fallen&#8230; vermutlich werden die beide aufeinander zu bewegen.<br \/><br \/><strong>Der Einzelhandel macht zwei Drittel der US-Konjunktur aus.<\/strong>Auf der einen Seite beginnen Einzelh\u00e4ndler nun, ihre zu vollen Lager mit Preisnachl\u00e4ssen zu verschleudern. Auf der anderen Seite sind die wirklich gefragten Produkte nicht verf\u00fcgbar: Meine Sony-Kamera, die ich seit Februar dringend haben m\u00f6chte, wird derzeit in Japan nicht produziert, weil es keine Chips daf\u00fcr gibt. Ein neues Rad, das ich mir f\u00fcr diesen Sommer gew\u00fcnscht h\u00e4tte, hat eine Lieferzeit von aktuell zweieinhalb Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Problem ist die Angebotsseite:<\/strong> Solange in der Ukraine Krieg gef\u00fchrt wird und solange China die Null-Covid-Strategie mit Lockdowns verfolgt wird es einen Mangel in vielen Produktkategorien geben. Diese beiden geopolitischen Dinge befinden sich nicht im Einflussbereich der US-Notenbank. Aber diese beiden Ereignisse belasten die weltweite Chipverf\u00fcgbarkeit, den weltweiten Energiepreis, die weltweiten Nahrungsmittelpreise etc.<br \/><br \/>Es ist nicht die Aufgabe der US-Notenbanken, diese globalen Probleme durch zu viel Liquidit\u00e4t zu bek\u00e4mpfen. Powell hat erkannt, dass er das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage durch eine zu lockere Geldpolitik weiter befeuern w\u00fcrde. Durch h\u00f6here Zinsen bremst er die Nachfrage. Die Auswirkung auf das Angebot bleibt vernachl\u00e4ssigter.<br \/><br \/>Sollte es zu einer Rezession in den USA kommen, dann sicherlich nicht durch die Geldpolitik, sondern durch den Mangel an Arbeitskr\u00e4ften, an Chips, an Immobilien und durch zu hohe Energie- und Nahrungsmittelpreise. Alles Dinge au\u00dferhalb seines Einflussbereichs.<br \/><br \/>Die Auswirkungen solcher globalen Verwerfungen m\u00fcssen durch die Politik (Fiskalpolitik) bek\u00e4mpft werden, nicht durch die Notenbank (Geldpolitik).<br \/><br \/>Powell hat dadurch ein weiteres Signal ausgesendet &#8230; und zwar in die Welt: <strong>Wir US-Amerikaner k\u00fcmmern uns um die USA. K\u00fcmmert ihr Euch bitte um Eure eigenen Probleme, denn wir werden Eure Probleme nicht l\u00f6sen.<\/strong><br \/><br \/>Die USA tragen die ultralockere Geldpolitik der EZB nicht weiter mit. Bislang konnte die EZB behaupten, die Bek\u00e4mpfung der Inflation sei nicht ihre Aufgabe, auch in den USA sei man machtlos. Ab jetzt hei\u00dft es jedoch, die USA werden die Inflation im eigenen Land bek\u00e4mpfen und vermutlich k\u00fcnftig niedrigere Inflationsraten ausweisen als Europa. Als man noch im Chor gemeinsam \u00fcber Russland und China schimpfen konnte, sah die ultralockere Geldpolitik alternativlos aus. Ab jetzt gibt es eine Alternative.<br \/><br \/>F\u00fcr mich sieht es so aus, <strong>als habe Jay Powell unserer EZB-Chefin Christine Lagarde pl\u00f6tzlich die Kleidung vom Leib gerissen, <\/strong>Lagarde steht nun nackt da mit ihrer Pr\u00e4ferenz f\u00fcr niedrige Zinsen zur Staatsfinanzierung. Auch bei uns die der Arbeitsmarkt leer gefegt, Fl\u00fcge werden gecancelt, weil das Personal fehlt. Caf\u00e9s schlie\u00dfen einige Tage in der Woche mangels Personal. Von Lehrkr\u00e4ften bis zu Ingenieuren h\u00f6re ich ohnehin seit Monaten, dass kein Personal zu finden sei.<br \/><br \/>Die Immobilienpreise sind ebenfalls in die H\u00f6he geschnellt. Wohnraummangel ist das Schlagwort, es wird jedoch mehr gemietet, weil die Preise zu hoch sind.<br \/><br \/>Ich werde mich jetzt auf die Suche nach Aktien machen, die wir kaufen k\u00f6nnen. Es werden kurzfristige Spekulationen sein. Denn wenngleich die US-Notenbank nun intelligent gehandelt hat, so sind die geopolitischen Verwerfungen noch nicht vom Tisch. Ich gehe daher davon aus, dass wir eine Rezession erleben werden (zwei aufeinanderfolgende Quartale mit negativen Wachstumsraten). doch die Rezession wird nicht mangels Nachfrage, sondern mangels Angebot erfolgen. Und das fehlende Angebot kann man nicht mit mehr Geld l\u00f6sen, sondern durch politische Entscheidungen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<form class=\"new_abo\" style=\"margin: 0px;\" action=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/abo\" method=\"post\">\n<h2 class=\"sgny-widget-title\"><font color=\"blue\">\u00dcber 25.000 Leser vertrauen dem Heibel-Ticker<\/font><\/h2>\n<br \/>\n<div class=\"mc4wp-form-fields\">Seit 1998 verfolge ich begeistert die B\u00f6rsen der USA und Europas. Mittlerweile schreibe ich w\u00f6chentlich f\u00fcr mehr als 25.000 Leser \u00fcber Hintergr\u00fcnde zum Aktienmarkt und Ursachen f\u00fcr Kursbewegungen von Aktien.<br \/>\n<br \/>\nMeine Leser sch\u00e4tzen meine neutrale, vereinfachende und unterhaltsame Art. Als Privatanleger nutzen sie meine Einsch\u00e4tzungen und Investmentideen zur selbstst\u00e4ndigen Portfolio-Optimierung.<br \/>\n<br \/>\nSie k\u00f6nnen sich zum <a href=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/empfehlung?id=40&amp;refID=9\">Heibel-Ticker B\u00f6rsenbrief<\/a> gratis anmelden und erhalten jeden Freitag die neue Ausgabe direkt in Ihr Mail-Postfach.<br \/>\n<br \/>\nKein Spam, kein Abo, Abmeldung jederzeit m\u00f6glich.\n<\/div><br \/>\n<input name=\"refID\" type=\"hidden\" value=\"9\"\/>\n<input name=\"abo[subscribe]\" type=\"hidden\" value=\"subscribe\"\/><input id=\"input_email\" class=\"input_s\" name=\"abo[email]\" size=\"8\" type=\"text\" value=\"\" placeholder=\"E-Mail\"\/><br \/>\n<br \/>\n<input name=\"dsa\" required=\"\" type=\"checkbox\"\/> Ja, ich stimme der <a href=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/static\/privacy\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a> des Heibel-Ticker B\u00f6rsenbriefes zu.<br \/>\n<br \/>\n<input class=\"sgny-readmore-btn send-btn\" name=\"sent2\" type=\"submit\" value=\"Kostenlos anmelden\"\/>\n<p class=\"info-txt\"><\/p>\n<\/form>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hinweis: Heibel-Ticker PLUS Leser haben das Update bereits letzten Donnerstag erhalten. 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