{"id":6454,"date":"2022-07-26T09:49:02","date_gmt":"2022-07-26T07:49:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.heibel-unplugged.de\/?p=6454"},"modified":"2022-07-26T09:49:04","modified_gmt":"2022-07-26T07:49:04","slug":"so-tickt-die-boerse-tpi-kaputter-markt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/so-tickt-die-boerse-tpi-kaputter-markt\/","title":{"rendered":"So tickt die B\u00f6rse: TPI = Kaputter Markt"},"content":{"rendered":"\n<p>Liebe B\u00f6rsenfreunde,<br \/><br \/>die Zinsentscheidung der EZB war in meinen Augen so etwas wie ein Offenbarungseid. Die \u00fcberf\u00e4llige Zinsanhebung um 0,5% wurde nur dadurch erm\u00f6glicht, indem man ein neues Instruments erfand, das TPI. damit kann Italien aufgefangen werden, sollte der Markt die dortigen Zinsen in die H\u00f6he treiben. Wie das funktionieren soll:<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kreativit\u00e4t einer Berufspolitikerin kennt keine Grenzen, wenn es darum geht, juristische Winkelz\u00fcge zur Sicherung der eigenen, verg\u00e4nglichen Macht zu nutzen. Als ausgebildete Juristin wei\u00df EZB-Chefin Christine Lagarde, was rechtlich m\u00f6glich ist.<br \/><br \/><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/pictograms\/euro.png\" alt=\"euro\" width=\"70\" height=\"70\" title=\"\"> Der Euro wurde eingef\u00fchrt, obwohl man sich der unterschiedlichen Geldkulturen bewusst war. Ein einheitliches Regelwerk werde die Verhaltensweisen schon zusammenf\u00fchren, so die Hoffnung. Zwanzig Jahre nach seiner Einf\u00fchrung kann diese Hoffnung als gescheitert bezeichnet werden.<br \/><br \/>Letzte Woche hat die EZB den europ\u00e4ischen Leitzins um 0,5% angehoben. Noch vor wenigen Wochen hatte Lagarde einen Zinsschritt von 0,25% avisiert. Als Begr\u00fcndung, warum nun \u00fcberraschend ein gro\u00dfer Schritt gew\u00e4hlt wurde, nennt Sie TPI. Ohne TPI h\u00e4tte man das nicht machen k\u00f6nnen.<br \/><br \/>TPI steht &#8222;Transmission Protection Instrument&#8220;, ein neues Instrument im Instrumentenkasten der europ\u00e4ischen Notenbank, mit dem die Durchleitung von Zinsentscheidungen gesch\u00fctzt werden soll.<br \/><br \/>Wenn also die EZB das Zinsniveau um ein halbes Prozent anhebt und entsprechend in den meisten europ\u00e4ischen L\u00e4ndern Staatsanleihen um etwa ein halbes Prozent h\u00f6her verzinst werden, dann hat die EZB ihr Ziel erreicht. Sollte jedoch ein Land dabei sein, bei dem ungewollte Zinsspr\u00fcnge passieren, dann kann die EZB einschreiten. Sie kann dann unlimitiert in den nationalen Geldmarkt eingreifen, um das gew\u00fcnschte Ergebnis zu erzielen.<br \/><br \/><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/pictograms\/bundesanleihen.png\" alt=\"bundesanleihen\" width=\"70\" height=\"70\" title=\"\"> Sie alle kennen inzwischen die Obergrenze f\u00fcr Staatsschulden von 60% des BIP. Wenn ein Land diese Marke deutlich \u00fcberspringt, ist das Zinsniveau in diesem Land nat\u00fcrlich h\u00f6her. Je mehr Schulden ein Land vor sich her schiebt, desto gr\u00f6\u00dfer das Risiko eines Zahlungsausfalls. Daf\u00fcr gibt es die Zinsunterschiede innerhalb der EU.<br \/><br \/>Irgendwo gibt es einen Kipppunkt, einen Point of no Return. Wenn die Schulden zu hoch sind, kann man sie niemals zur\u00fcckzahlen. Bei Griechenland sehen wir, wie sowas aussieht: der Schuldenstand ist auch heute noch, 10 Jahre nach der Griechenlandkrise, bei 177%, Tendenz steigend!<br \/><br \/>Italien liegt aktuell bei 133%, also bei mehr als dem doppelten dessen, was erlaubt ist. Wenn nun die Nullzinspolitik endet, wird Italien auf seine Schulden Zinsen zahlen m\u00fcssen &#8211; wir reden ja gar nicht von Tilgung. Die Zinsen k\u00f6nnen schnell dazu f\u00fchren, dass Italien zahlungsunf\u00e4hig wird. Wenn die EZB ernsthaft die Inflation von aktuell 8,6% bek\u00e4mpfen m\u00f6chte, muss sie das Zinsniveau so hoch schrauben, dass sich die Finanzierung der meisten Investitionen nicht mehr rentiert, wir eine Rezession bekommen und die Preise sich dann stabilisieren. Doch gleichzeitig w\u00fcrde die Zahlungsf\u00e4higkeit Italiens riskiert.<br \/><br \/>Es ist also absehbar, dass die Zinsen auf italienische Staatsanleihen in den kommenden Wochen und Monaten anspringen, denn das Risiko steigt. Doch ein h\u00f6herer Anstieg als die von der EZB beabsichtigten 0,5% plus\/minus ein paar Zerquetschte wird nun als fehlerhafte Transmission definiert. Der funktionierende Markt wird als fehlerhaft definiert. Dank des neuen Instruments TPI konnte die EZB also einen gr\u00f6\u00dferen Zinsschritt, der \u00fcberf\u00e4llig war, umsetzen und wird die Marktreaktion darauf auffangen.<br \/><br \/>Ich bleibe bei meiner Erkenntnis: Der Spruch &#8222;Politische B\u00f6rsen haben kurze Beine&#8220; stimmt nicht mehr. Wer an der B\u00f6rse nach dem Marktgleichgewicht sucht, hat die Politik vergessen, die mit brachialer Gewalt einen Zustand herstellt, den sie als vom Volk gew\u00fcnscht definiert.<br \/><br \/>Wer auf das bevorstehende Ende des Euros, der EU und\/oder unseres Finanzsystems spekuliert, hat nicht mit der Kreativit\u00e4t der verantwortlichen Politiker gerechnet. Egal welcher Politiker gerade verantwortlich ist, er wird sich als Vollstrecker des Volkswillens betrachten und nicht selten seine eigenen Pr\u00e4ferenzen als Wille des Volkes wahrnehmen. Und da Ver\u00e4nderung bekannterma\u00dfen schmerzt, wird das laufende System am Laufen gehalten, solange man wiedergew\u00e4hlt wird. Das Einzige, was daran etwas \u00e4ndern kann, ist ein Volk, das sich dagegen auflehnt: eine Revolution. Nun schauen Sie sich mal um: Von einer Revolution sind wir weit entfernt.<br \/><br \/>Also sollten wir uns darauf einstellen, dass unser System, so marode es auch sein mag, noch eine Weile weiterlaufen wird. Unsere Anlagestrategie haben wir schon lange an diese Erkenntnis angepasst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe B\u00f6rsenfreunde, die Zinsentscheidung der EZB war in meinen Augen so etwas wie ein Offenbarungseid. 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