{"id":6460,"date":"2022-08-02T10:18:23","date_gmt":"2022-08-02T08:18:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.heibel-unplugged.de\/?p=6460"},"modified":"2022-08-23T08:35:44","modified_gmt":"2022-08-23T06:35:44","slug":"wie-die-inflation-mit-dem-peitscheneffekt-angetrieben-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/wie-die-inflation-mit-dem-peitscheneffekt-angetrieben-wird\/","title":{"rendered":"Wie die Inflation mit dem Peitscheneffekt angetrieben wird"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich habe mich detailliert mit der B\u00f6rsenphase 1965 bis 1982 besch\u00e4ftigt. Auch damals schoss die Inflation in die H\u00f6he und das Wirtschaftswachstum brach ein. Nachfolgend erl\u00e4utere ich den Bullwhip Effekt und leite daraus ab, welche Aktien am besten f\u00fcr diese Marktphase positioniert sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe im Heibel-Ticker bereits das eine oder andere Mal auf die Analogie der heutigen Entwicklung zur Zeit von 1965 bis 1982 verwiesen. Auch damals stieg die Inflation an und es gab eine Energiekrise. Wie versprochen, habe ich mich inzwischen intensiver mit dieser Zeit besch\u00e4ftigt, um in Erfahrung zu bringen, ob wir Erkenntnisse aus der damaligen Zeit heute f\u00fcr uns nutzen k\u00f6nnen, um unser Heibel-Ticker Portfolio besser durch die derzeitigen Turbulenzen zu steuern.<br \/><br \/>Im heutigen ersten Teil untersuche ich den damaligen Bullwhip Effekt, den wir meiner Einsch\u00e4tzung nach bereits von Walmart deutlich vor Augen gef\u00fchrt bekommen.<br \/><br \/>Zuvor eine kleine Einordnung: Von 1966 bis Mitte 1982 ist der Dow Jones von 1.000 auf 800 Punkte gefallen: -20% in 16,5 Jahren. Eine lange Marktphase, in der man mit Indexzertifikaten nicht verdient hatte, w\u00e4hrend gleichzeitig die Inflation kr\u00e4ftig an der Kaufkraft der Ersparnisse knabberte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"700\" src=\"https:\/\/www.heibel-unplugged.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Dow-Jones-Entwicklung-nominal-1966-bis-Mitte-1982-20-800x700.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-6462\" title=\"\" srcset=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Dow-Jones-Entwicklung-nominal-1966-bis-Mitte-1982-20-800x700.png 800w, https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Dow-Jones-Entwicklung-nominal-1966-bis-Mitte-1982-20-300x262.png 300w, https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Dow-Jones-Entwicklung-nominal-1966-bis-Mitte-1982-20-150x131.png 150w, https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Dow-Jones-Entwicklung-nominal-1966-bis-Mitte-1982-20-768x672.png 768w, https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Dow-Jones-Entwicklung-nominal-1966-bis-Mitte-1982-20-1536x1343.png 1536w, https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Dow-Jones-Entwicklung-nominal-1966-bis-Mitte-1982-20.png 1656w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption>Abbildung 1: Dow Jones Entwicklung nominal 1966 bis Mitte 1982: -20%<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><br \/>In der Heibel-Ticker Ausgabe #27 vom 8. Juli schrieb ich, dass der Dow Jones im obigen Zeitraum 75% seines Wertes verloren habe. Es handelte sich jedoch um eine Berechnung, bei der die Inflationsrate eingerechnet wurde. Immerhin war die Inflation damals von 1,5% im Jahr 1965 auf 14% im Jahr 1980 gesprungen. Dies hier ist der nominelle Kurschart.<br \/><br \/>Stagflation war das damalige Stichwort, das eine Wirtschaft beschrieb, die stagnierte, teilweise sogar schrumpfte, w\u00e4hrend gleichzeitig eine hohe Inflationsrate den Wert der Ersparnisse anknabberte. Auch heute sehen wir die Gefahr einer Stagflation. In den USA wurden bereits zwei Quartale mit schrumpfendem BIP verzeichnet, w\u00e4hrend die Inflation deutlich \u00fcber 7% verharrt.<br \/><br \/>Die Jahre 1965-1982 sind von globalen Umbr\u00fcchen gepr\u00e4gt. Wir befanden uns im Stellvertreterkrieg zwischen den USA und der Sowjetunion in verschiedenen asiatischen L\u00e4ndern (bspw. Vietnam, heute Ukraine?), das nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffene Bretton-Woods-Finanzsystem wurde 1973 abgeschafft und Ende der 1980er gab es eine drastische Zinserh\u00f6hung vom Zentralbankchef der USA Paul Volcker, um die Inflation einzud\u00e4mmen. Wir werden uns vorerst auf Amerika konzentrieren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zweistellige Inflationsraten und der Bullwhipeffekt:<\/h2>\n\n\n\n<p>Bei der Betrachtung des Inflationscharts aus den USA sind zwei Beobachtungen auff\u00e4llig. Auf der einen Seite haben wir zeitweilig sehr hohe Inflationsraten von \u00fcber 10%, auf der anderen Seite scheint die Inflationsrate sich in einem Zickzack Kurs zu bewegen.<br \/><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/image_uploads\/408-US-Inflation1965-1982.png\" alt=\"US-Inflation1965-1982\" title=\"\"><figcaption>Abbildung 2: US-Inflationsentwicklung 1965-1982: Wellenartiker Verlauf<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><br \/>Die erste Beobachtung kann auf die hohen Preissteigerungen im gesamten Energiemarkt zur\u00fcckgef\u00fchrt werden. Die \u00d6l-Embargos und die \u00d6lkrise in den 70er Jahren haben den Preis f\u00fcr Energie drastisch erh\u00f6ht. In der Zeit war u.a. der \u00d6lpreis der Kerntreiber der Inflation. Zur damaligen Zeit war die US-Wirtschaft im Vergleich zu heute signifikant energieintensiver. Wir werden bei unserem sp\u00e4teren Vergleich zu heute auf das Thema eingehen.<br \/><br \/>Der zweite Effekt ist etwas komplizierter. Der Zickzack Kurs beschreibt den Bullwhip-Effekt. Der\u202fBullwhip-Effekt (auch Peitscheneffekt genannt)\u202fbeschreibt\u202fein Ph\u00e4nomen, das durch kleine Nachfrageschwankungen (auch exogene Schocks) innerhalb einer Lieferkette entsteht.<br \/><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/image_uploads\/409-Bulwhip.jpg\" alt=\"Bullwhip\" title=\"\"><figcaption>Abbildung 3: Bullwhip Effekt &#8211; Peitscheneffekt<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><br \/>Diese Schwankungen f\u00fchren zu einer verfehlten Kommunikation innerhalb der Lieferkette. Eine durch ein exogenes Ereignis angestiegene Kundennachfrage (damals drohende Energieknappheit, heute bspw. Corona) f\u00fchrt bei Einzelh\u00e4ndlern zu gr\u00f6\u00dferen Absatzmengen und letztlich leeren Regalen. Damit das kein zweites Mal passiert, wird der Lagerbestand ausgebaut (siehe heute Walmart). Wenn die Nachfrage nun auf ein normales Niveau zur\u00fcckgeht, bleibt der Einzelh\u00e4ndler auf seinem gr\u00f6\u00dferen Lagerbestand sitzen und muss Produkte &#8222;unter Preis&#8220; verramschen.<br \/><br \/>Doch inzwischen hat der Gro\u00dfh\u00e4ndler in der Annahme, dass der Einzelhandel weiterhin gro\u00dfe Wachstumsraten verzeichnet, gr\u00f6\u00dfere Mengen vom Produzenten bestellt. Der Produzent in der Erwartung der erh\u00f6hten zuk\u00fcnftigen Liefermengen produziert signifikant mehr als im Durchschnitt der fr\u00fcheren Jahre. Dies hat zur Folge, dass hohe Warenbest\u00e4nde aufgebaut werden.<br \/><br \/>Wenn die Nachfrage beim Endkonsumenten nachl\u00e4sst, bleiben die Gro\u00dfh\u00e4ndler und Produzenten auf Ihren Liefermengen sitzen und sind gezwungen die Preise zu senken, um den Absatz wieder zu erh\u00f6hen. Dies erkl\u00e4rt den Verlauf bei der Inflation. Dieser Effekt ist heute teilweise schon erkennbar. Der Lagerbestand hat sich signifikant erh\u00f6ht. Erste Einzelh\u00e4ndler wie z.B. Walmart m\u00fcssen ihre Lagerbest\u00e4nde verramschen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Inflation und BIP-Wachstum im Tandem<\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn wir beide Charts \u00fcbereinanderlegen, sehen wir eine interessante Entwicklung.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/image_uploads\/410-US-GDP-Wachstum1965-1982.png\" alt=\"US-GDP-1965-1982\" title=\"\"><figcaption>Abbildung 4: Wachstum US-BIP 1965-1982: Wellenartig in Abh\u00e4ngigkeit von Inflation<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><br \/>Bei einem Inflationspeak erreichen wir auch die schlechteste Wachstumsrate (negativ). Erst nach einem Inflationspeak sehen wir wieder h\u00f6here Wachstumsraten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zwischenfazit<\/h2>\n\n\n\n<p>Als erste Erkenntnis l\u00e4sst sich also festhalten, dass eine Investition in den Einzelhandel in den kommenden Jahren sehr volatil sein k\u00f6nnte. Mag sein, dass Online-H\u00e4ndler wie Amazon, Zalando oder About You vom s\u00e4kularen Trend hin zu Online-Bestellungen profitieren. Und je st\u00e4rker diese Online-H\u00e4ndler die Lagerhaltung an ihre Partner auslagern, desto besser sind sie gegen den Bullwhip Effekt gewappnet. Dennoch werden auch Online-H\u00e4ndler unter der schwankenden Kundennachfrage leiden.<br \/><br \/>Besonders attraktiv d\u00fcrften in den kommenden Jahren die Resteverwerter sein: TK Maxx beispielsweise kauft ausgelaufene Saisonwaren vom Handel auf und bietet sie stark reduziert in den eigenen Gesch\u00e4ften an. Das US-Unternehmen seit auf der anderen Seite des Atlantiks The TJX Companies und notiert unter dem K\u00fcrzel TJX. Das Unternehmen verzeichnet ein Gewinnwachstum von 13% p.a. und notiert auf einem KGV 22e von 19. Die Aktie ist vergleichsweise stabil durch die aktuelle Korrektur gesegelt.<br \/><br \/>Durch die Pandemie ist das Unternehmen nicht wirklich gut gekommen, da Kunden einen gro\u00dfen Nachholbedarf bei Kleidung hatten: Der Einzelhandel konnte Preise diktieren, es wurde ihm alles aus der Hand gerissen. So ist die Aktie im Jahr 2021 seitw\u00e4rts gelaufen und im laufenden Jahr um 15% zur\u00fcck gekommen.<br \/><br \/>Sollten sich Einzelh\u00e4ndler der Textilindustrie verkalkuliert und zu gro\u00dfe Lagerbest\u00e4nde aufgebaut haben, dann d\u00fcrfte sich TJX schon bald \u00fcber gute Angebote freuen. Die Gewinnmarge ist mit 10% f\u00fcr einen Einzelh\u00e4ndler sehr attraktiv. Ich werde mir die Aktie mal in die Beobachtung nehmen.<br \/><br \/>Grunds\u00e4tzlich lagen wir jedoch ebenfalls fest, dass die Inflation in Wellen verl\u00e4uft. Erst ein Anheben des Leitzinses \u00fcber das Niveau der Inflation (1980 war das bei 13%) konnte damals die Inflation endg\u00fcltig einfangen. Davon sind wir heute noch weit entfernt, auch wenn zwischenzeitlich der Inflationsdruck mal nachl\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Weiter mit dem Thema geht es hier<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-borsenblog-heibel-unplugged wp-block-embed-borsenblog-heibel-unplugged\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"VptHxrdcsj\"><a href=\"https:\/\/www.heibel-unplugged.de\/vergleich-mit-1965-1982-teil-2-branchenbetrachtung\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Vergleich mit 1965-1982 &#8211; Teil 2: Branchenbetrachtung<\/a><\/blockquote><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Vergleich mit 1965-1982 &#8211; Teil 2: Branchenbetrachtung&#8220; &#8212; B\u00f6rsenblog Heibel-Unplugged\" src=\"https:\/\/www.heibel-unplugged.de\/vergleich-mit-1965-1982-teil-2-branchenbetrachtung\/embed\/#?secret=yRe7qhqf70#?secret=VptHxrdcsj\" data-secret=\"VptHxrdcsj\" width=\"500\" height=\"282\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Updates zu TJX und weiteren Investmentchancen erhalten Sie w\u00f6chentlich im Heibel-Ticker B\u00f6rsenbrief.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<form class=\"new_abo\" style=\"margin: 0px;\" action=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/abo\" method=\"post\">\n<h2 class=\"sgny-widget-title\"><font color=\"blue\">\u00dcber 25.000 Leser vertrauen dem Heibel-Ticker<\/font><\/h2>\n<br \/>\n<div class=\"mc4wp-form-fields\">Seit 1998 verfolge ich begeistert die B\u00f6rsen der USA und Europas. 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