{"id":6540,"date":"2022-09-20T09:22:12","date_gmt":"2022-09-20T07:22:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.heibel-unplugged.de\/?p=6540"},"modified":"2022-09-20T09:22:15","modified_gmt":"2022-09-20T07:22:15","slug":"roundtrip-mit-short-covering-rallye-turbulente-woche-an-den-finanzmaerkten-im-wochenrueckblick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/roundtrip-mit-short-covering-rallye-turbulente-woche-an-den-finanzmaerkten-im-wochenrueckblick\/","title":{"rendered":"Roundtrip mit Short-Covering Rallye &#8211; Turbulente Woche an den Finanzm\u00e4rkten im Wochenr\u00fcckblick"},"content":{"rendered":"\n<p>Letzte Woche erlebten wir ein Wechselbad der Gef\u00fchle, einen Roundtrip, der den DAX von seinem Baisse-Szenario bei 12.715 Punkten binnen drei Handelstagen um 6,5% auf 13.538 Punkte nach oben katapultierte, um in den folgenden drei Tagen wieder auf 12.715 Punkte einzubrechen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was genau hinter der Rallye und dem anschlie\u00dfenden Kurssturz liegt im Wochenr\u00fcckblick:<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/pictograms\/fed.png\" alt=\"fed\" width=\"125\" height=\"125\" title=\"\"><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Am Donnerstag vor zwei Wochen betonte US-Notenbankchef Jay Powell in einer Ansprache, dass die restriktive Geldpolitik beibehalten werde, bis die Inflation besiegt sei. Fast zeitgleich hob Christine Lagarde den Leitzins f\u00fcr den Euro um 0,75% an und gelobte ebenfalls, der Inflation Einhalt zu gebieten.<br \/><br \/>Nach dem ersten Schock \u00fcber die harte Linie der beiden Notenbanken, die den DAX auf das Tief f\u00fchrte, setzte sich die Erleichterung durch, dass die Notenbanken endlich die Inflation ernst nehmen. Es war so etwas wie der finale Ausverkauf, der auf die beiden Aussagen der Notenbanken folgte. Danach hatte jeder verkauft, dessen H\u00e4nde zittrig waren. Weiter runter ging&#8217;s nicht mehr.<br \/><br \/>Und wenn niemand mehr verkauft, dann k\u00f6nnen die Kurse auch nicht fallen. Bei extrem niedrigem Handelsvolumen beschrieben die Aktienm\u00e4rkte einen Boden und die Kurse begannen zu klettern. Dies setzte sich am Freitag nach den Zinsanhebungen fort und am Montag dominierten die Erfolgsmeldungen aus der Ukraine \u00fcber zur\u00fcckeroberte Gebiete die Schlagzeilen, was die Rallye weiter antrieb. Was, wenn Putin unterliegt? Was, wenn er pl\u00f6tzlich zu Friedensverhandlungen bereit ist? Aus dieser Hoffnung wurde eine Gefahr f\u00fcr diejenigen, die voll und ganz auf eine galoppierende Inflation und einen fortdauernden Krieg gesetzt hatten und nicht investiert waren. So trieben die K\u00e4ufe dieser Anleger die Aktienm\u00e4rkte auf ihr Wochenhoch, das um 6,5% \u00fcber dem Tief von drei Handelstagen zuvor lag.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/pictograms\/chips.png\" alt=\"chips\" width=\"125\" height=\"125\" title=\"\"><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Da wurde auch die Meldung vom Montag ignoriert, der zufolge die USA nach Nvidia nun auch Anbieter von Chip-Produktionsanlagen mit ihren Produkten auf eine schwarze Liste f\u00fcr den Export nach China setzen: Auf den Maschinen von KLA Tencor, Kam research und Applied Materials k\u00f6nnen Chips gefertigt werden, die sich f\u00fcr den Einsatz bei der k\u00fcnstlichen Intelligenz (AI) eignen. Chip-Aktien notierten schon am Montag schwach, konnten aber die Rallye im breiten Markt nicht aufhalten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Wende durch Inflationszahlen am Dienstag<\/h2>\n\n\n\n<p>Am Dienstag um 14:25 Uhr erreichte der DAX seinen H\u00f6chststand. Um 14:30 wurde in den USA der Verbraucherpreisindex ver\u00f6ffentlicht, der mit +8,3% deutlich st\u00e4rker angestiegen war als erwartet (+8,1%). Nach Powells Rede vom vorangegangenen Donnerstag hatten sich Volkswirte auf eine Zinserh\u00f6hung um 0,75% im September, und um weitere 0,75% im Oktober eingestellt. In den vergangenen Monaten sind die Rohstoffm\u00e4rkte deutlich zur\u00fcck gekommen: Der \u00d6lpreis (WTI) ist von 123 USD\/Fass im Juni auf 81 USD\/Fass eingebrochen. Das Kupfer war um 25% eingebrochen. Nahrungsmittelpreise sind wieder auf dem Niveau von vor dem Kriegsbeginn. Holz kostet nur noch ein Drittel dessen, was kurz nach Kriegsausbruch zu zahlen war. Dieser Preisr\u00fcckgang sollte sich, so die Hoffnung, in einer deutlich r\u00fcckl\u00e4ufigen Inflationsrate zeigen. Offiziell stand die Erwartung bei 8,1%, doch insgeheim hatten viele mit einem viel deutlicheren R\u00fcckgang gerechnet.<br \/><br \/>Binnen weniger Minuten brach der DAX um 2% ein und lief anschlie\u00dfend im weiteren Wochenverlauf kontinuierlich weiter gen S\u00fcden. Die Erwartung an die Zinsentscheidung der Fed \u00e4nderte sich sprungartig. Pl\u00f6tzlich erwarten 25% der befragten Volkswirte sogar eine Zinsanhebung um +1%. Die Rendite der 10 Jahre laufenden US-Staatsanleihe stieg von 3,3% auf 3,45%. Damit kommen wir nun in einen Bereich, der die Wirtschaft wirklich &#8222;bremst&#8220;.<br \/><br \/>Ein bisschen Inflation ist gut. Ein bisschen Produktivit\u00e4tsgewinn und ein bisschen Zuwanderung ist ebenfalls gew\u00fcnscht. So gilt in den USA, dass ein Zinsniveau von rund 3-4% f\u00fcr diese Entwicklungen angemessen ist. In den vergangenen Jahren lag das Zinsniveau darunter und wir sprachen von einer Stimulation der Wirtschaft. Seit Jay Powell nun an der Zinsschraube dreht, nimmt der Stimulus ab.<br \/><br \/>Doch wenn das Zinsniveau nun in Richtung 4% l\u00e4uft, dann \u00e4ndert sich das Vorzeichen der Geldpolitik von stimulierend auf bremsend. W\u00e4hrend zuvor bei steigenden Zinsen im stimulierenden Umfeld vielleicht weniger unsinnige Investitionen vorgenommen wurden, so werden ab jetzt bei bremsender Wirkung der Geldpolitik auch eigentlich sinnvolle Investitionen auf Eis gelegt.<br \/><br \/>Die steigenden Renditen am Zinsmarkt stehen im direkten Wettbewerb zum Aktienmarkt. Wenn gegebenenfalls durch weiter erforderliche Zinsschritte das Risiko einer Rezession immer weiter zunimmt und auf den Aktien lastet, steigt die Attraktivit\u00e4t der risikoarmen Zinspapiere. Am Mittwoch setzte sich dieser Prozess fort: Die Zinsen stiegen, die Aktien fielen. Anleger fl\u00fcchteten aus dem Aktienmarkt in den Anleihemarkt.<br \/><br \/>Gerade als Anleger sich \u00fcberlegten, was denn wohl noch erforderlich sein w\u00fcrde, um die Wirtschaft abzuk\u00fchlen, verk\u00fcndete Adobe am Donnerstag, den Wettbewerber Figma f\u00fcr 20 Mrd. USD zu kaufen. Figma wurde 2012 gegr\u00fcndet, hilft bei der vektorbasierten (graphisch) Erstellung von Webseiten, besch\u00e4ftigt 850 Mitarbeiter und wirtschaftet bereits in den schwarzen Zahlen. Der Zeitpunkt war denkbar ung\u00fcnstig, die Aktie von Adobe brach um 15% ein und zog die gesamte IT-Branche mit nach unten.<br \/><br \/>Noch am Donnerstag Abend ver\u00f6ffentlichte Fedex Q-Zahlen sowie einen Ausblick, der dem Markt am heutigen Freitag den Boden unter den F\u00fc\u00dfen wegzieht. Noch bis Ende Juni, als Fedex einen Investorentag veranstaltete und sich optimistisch zeigte, lief alles nach Plan. Doch seither h\u00e4tten sich die Dinge dynamisch zum Schlechteren entwickelt, sagt Raj Subramaniam, CEO von Fedex.<br \/><br \/>Subramaniam ist erst seit wenigen Monaten im Amt, es sind seine ersten Q-Zahlen. Vielleicht m\u00f6chte er einfach nur die Messlatte etwas niedriger legen, war die erste Vermutung. Doch in einem Interview auf CNBC f\u00fchrte er detailliert aus, was alles schlecht l\u00e4uft: In den USA w\u00fcrde sich der Konsument stark zur\u00fcckhalten. Der Online-Handel sei von 17% Anteil am Einzelhandel vor Corona auf 22% in der Coronazeit angestiegen. Nun werde diese Entwicklung wieder ausgeglichen, aktuell noch 19% aber 17% seien mittelfristig zu erwarten.<br \/><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/pictograms\/china.png\" alt=\"china\" width=\"125\" height=\"125\" title=\"\"><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>In China habe man w\u00e4hrend der Lockdowns in den vergangenen Wochen starke Online-Ums\u00e4tze erwartet, doch das sei nicht geschehen. Die Menschen seien nun vorbereitet auf Lockdowns und w\u00fcrden rechtzeitig ben\u00f6tigte Dinge im Einzelhandel kaufen, so dass der coronabedingte Online-Boom sich nicht wiederhole.<br \/><br \/>In Europa hat Fedex vor einiger Zeit TNT aus Holland \u00fcbernommen. Die Integration sei abgeschlossen, die Kosten sehe er &#8222;im R\u00fcckspiegel&#8220;, so Subramaniam. Doch ganz Europa leide unter dem Krieg Russlands gegen die Ukraine, \u00fcberall sei Kaufzur\u00fcckhaltung zu sehen.<br \/><br \/>Der Ausblick von ihm war nicht besser: Eine Rezession sei nicht mehr abzuwenden. &#8222;In den USA oder weltweit?&#8220; wurde er gefragt: &#8222;Weltweit&#8220; war seine Antwort.<br \/><br \/>Auf die Frage, ob die Aktie, die nachb\u00f6rslich bereits mit 20% im Minus notierte, attraktiv sei, weil man in sechs Monaten wieder optimistischer sein k\u00f6nne, antwortete er, er habe keine Ahnung, wie lange die Rezession andauern werde.<br \/><br \/>Auch weitere Versuche des Moderators, ihm zumindest eine kleine, optimistische Nuance zu entlocken, schlugen fehl. Ich habe nie zuvor einen so pessimistischen CEO gesehen. Und Fedex ist leider nicht nur eine Branche, die vielleicht vor\u00fcbergehend unter die R\u00e4der kommt. Nein, Fedex ist ein global agierendes Logistikunternehmen, das in allen Branchen seine Finger im Spiel hat. Subramaniams Aussagen sollten wie eine Alarmglocke f\u00fcr die Notenbanken klingen, die gegebenenfalls zu schnell und zu stark in die restriktive Geldpolitik umgeschwungen sind. Nein, nicht in Europa, sondern in den USA.<br \/><br \/>Oder anders ausgedr\u00fcckt: Die Medizin von US-Notenbankchef Jay Powell zeigt Wirkung. Die Konjunktur k\u00fchlt ab, Immobilienpreise und Aktienmarkt steuern auf niedrigere Niveaus zu (auch das bremst die Inflation). N\u00e4chste Woche steht die n\u00e4chste Zinsentscheidung an. Derzeit wird diskutiert, ob eine Zinsanhebung um 0,75% sinnvoll sei, oder aber sogar um 1,00%. In meinen Augen kann die Fed es bei 0,75% belassen und weitere Zinsschritte erst einmal auf Eis legen. Es dauert rund 9 Monate, bis sich die Notenbankentscheidungen in der Konjunkturentwicklung zeigen. Nach den heftigen Zinsanhebungen der vergangenen Monate besteht in den USA nun die Gefahr, dass die Fed \u00fcbersteuert, weil sie die Wirkung ihrer Aktionen nicht abwartet.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bleibe am Ball und werde demn\u00e4chst \u00fcber Neuigkeiten berichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Beitrag stammt aus Kapitel 02 des aktuellen Heibel-Ticker B\u00f6rsenbrief. Weitere Themen der aktuellen Ausgabe sind:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Tesla legt seine Batteriefabrik in Gr\u00fcnheide auf Eis. Warum, und viel wichtiger, was das f\u00fcr die Branche und Unternehmen wie Rock Tech Lithium bedeutet, habe ich ebenfalls in Kapitel 02 ausgearbeitet.<\/li><li>Die Sentimentanalyse in Kapitel 03 zeigt, dass wir trotz der Rallye zum Wochenbeginn inzwischen wieder Panik bei den Anlegern messen. Ein Boden ist erneut in Sicht. In Kapitel 03 analysiere ich, wo der Boden sein k\u00f6nnte.<\/li><li>Der heutige Ausblick besch\u00e4ftigt sich mit einer Gegen\u00fcberstellung von TJX und Ross Stores. Wir sind f\u00fcr den Heibel-Ticker bereits eine Position in einer der beiden Aktien eingegangen, weil Off-Preis Einzelh\u00e4ndler in konjunkturell anspruchsvollen Zeiten g\u00fcnstig an Ware kommen. Welche Aktie unser Favorit ist, lesen Sie in Kapitel 04.<\/li><li>Off-Preis Einzelh\u00e4ndler sind nur eine Art von Aktien, die in einer Rezession deutlich besser laufen werden als der breite Markt. Ich habe f\u00fcnf weitere Branchen bzw. Charakteristika aufgez\u00e4hlt, die uns in einer anstehenden Rezession helfen werden, Aktien auszuw\u00e4hlen, die verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gut durch die Krise kommen. Mehr dazu ebenfalls in Kapitel 05.<\/li><li>Nat\u00fcrlich habe ich auch unsere Einkaufsliste aktualisiert. Die Auswahl weiterer Kandidaten ist sehr aufwendig, ich sitze nun schon mehrere Wochen daran. In Kapitel 05 gebe ich Ihnen einen Einblick \u00fcber die Systematik, die ich in den vergangenen Jahren entwickelt habe, um das Aktienuniversum der hunderttausenden Aktien auf eine \u00fcberschaubare Anzahl qualifizierter Kandidaten zu reduzieren.<\/li><li>Diese Woche gab es sehr viele Neuigkeiten, die unsere Unternehmen betrafen. In Kapitel 06 lesen Sie die Updates zu flatexDEGIRO, der Allianz und weiteren Titeln aus unserem Heibel-Ticker Portfolio.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<form class=\"new_abo\" style=\"margin: 0px;\" action=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/abo\" method=\"post\">\n<h2 class=\"sgny-widget-title\"><font color=\"blue\">\u00dcber 25.000 Leser vertrauen dem Heibel-Ticker<\/font><\/h2>\n<br \/>\n<div class=\"mc4wp-form-fields\">Seit 1998 verfolge ich begeistert die B\u00f6rsen der USA und Europas. Mittlerweile schreibe ich w\u00f6chentlich f\u00fcr mehr als 25.000 Leser \u00fcber Hintergr\u00fcnde zum Aktienmarkt und Ursachen f\u00fcr Kursbewegungen von Aktien.<br \/>\n<br \/>\nMeine Leser sch\u00e4tzen meine neutrale, vereinfachende und unterhaltsame Art. 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