{"id":6588,"date":"2022-10-06T09:16:28","date_gmt":"2022-10-06T07:16:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.heibel-unplugged.de\/?p=6588"},"modified":"2022-10-06T09:22:36","modified_gmt":"2022-10-06T07:22:36","slug":"porsche-boersengang-mit-bedeutung-fuer-privatanleger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/porsche-boersengang-mit-bedeutung-fuer-privatanleger\/","title":{"rendered":"Porsche B\u00f6rsengang mit Bedeutung f\u00fcr Privatanleger"},"content":{"rendered":"\n<p>Einer meiner Leser fragte mich: <strong>W\u00fcrden Sie als Privatanleger die Porsche Aktie kaufen und zu welchem Preis?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe die Frage ausf\u00fchrlich beantwortet und ver\u00f6ffentliche sie auch hier als Einblick in meinen Heibel-Ticker:<\/p>\n\n\n\n<p>Ein IPO hat seine eigenen Regeln. Das Zeichnen ist meiner Erfahrung zufolge nur f\u00fcr zwei Anlegertypen interessant. Zum einen f\u00fcr institutionelle Anleger, die so gro\u00dfe Betr\u00e4ge anlegen wollen, dass der Kauf \u00fcber die B\u00f6rse den Kurs zu stark beeinflussen w\u00fcrde. Zum anderen f\u00fcr Spekulanten, die nach wenigen Tagen einen Zeichnungsgewinn versilbern wollen.<br \/><br \/><strong>F\u00fcr uns als Privatanleger, <\/strong>die ein Portfolio f\u00fcr die Zukunft aufbauen oder Spekulationen auf Sicht von wenigen Wochen eingehen, <strong>ist ein IPO zun\u00e4chst zu undurchsichtig.<\/strong> Es gibt zu viele Interessengruppen, die hier um die besten Verhandlungsergebnisse buhlen. Der Privatanleger ist in diesem Reigen nicht vertreten.<br \/><br \/><strong>Ich werde Ihnen ein paar der verschiedenen Interessen darlegen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dazu ist es notwendig, die Verflechtungen zwischen Porsche, VW und der B\u00f6rse zu verstehen.<br \/><br \/>Zun\u00e4chst einmal m\u00fcssen wir unterscheiden zwischen der Porsche Holding SE und der Porsche AG. Die Porsche AG ist heute eine 100%ige Tochter von VW und soll an die B\u00f6rse gebracht werden. Die Porsche Holding SE Stammaktien geh\u00f6ren zu 100% den Familien Porsche &amp; Pi\u00ebch. Die stimmrechtslosen Vorzugsaktien der Porsche Holding SE werden heute schon an der B\u00f6rse gehandelt, Kurs aktuell 67,7 EUR (Xetra 28.9.222 um 12:01 Uhr).<br \/><br \/>Die Porsche Holding SE besitzt wiederum 53,3% an VW (und 1,3% der Vorzugsaktien von VW). Die Familien Porsche &amp; Pi\u00ebch haben zwar Einfluss auf die Besetzung des Aufsichtsrats von VW, jedoch nur mittelbar auf die Nominierung der Vorst\u00e4nde, da das Land Niedersachen mit 20% Anteil an Porsche zwei zus\u00e4tzliche Vorst\u00e4nde berufen kann. Eine absolute Mehrheit im Aufsichtsrat f\u00fcr Vorstandsberufungen kann Porsche daher trotz Mehrheitseigent\u00fcmer nicht erzielen. Der Vorstand von VW wiederum ist weisungsbefugt f\u00fcr den Vorstand der Tochter Porsche AG.<br \/><br \/>Diese Struktur ist das Ergebnis der \u00dcbernahmeschlacht aus dem Jahr 2009, die seitens der Porsche-Familien verloren wurde. <strong>Den Familien fehlt bis heute die M\u00f6glichkeit der direkten Einflussnahme auf die Gesch\u00e4ftspolitik der Porsche AG.<br \/><\/strong><br \/><strong>Diese M\u00f6glichkeit soll durch den B\u00f6rsengang der Porsche AG einger\u00e4umt werden.<\/strong> Die Porsche Holding SE wird k\u00fcnftig 25,1% der Stammaktien der Porsche AG besitzen, VW nur noch 74,9%. Nun fragen Sie sich, welche Aktien f\u00fcr Sie als Privatanleger \u00fcbrig bleiben, oder? Nun, es gibt auch bei der Porsche AG stimmrechtslose Vorzugsaktien. Auch diese verbleiben zu 75% bei VW, f\u00fcr den B\u00f6rsenhandel sind 25% der Vorzugsaktien vorgesehen. Diese 25% der Vorzugsaktien der Porsche AG k\u00f6nnen Sie also zeichnen.<br \/><br \/>VW freut sich bei dieser Transaktion \u00fcber die Einnahmen aus dem IPO. Die Familien Porsche &amp; Pi\u00ebch (Porsche Holding SE) freuen sich \u00fcber die 25,1% der Stammaktien an der Porsche AG, die es Ihnen erm\u00f6glichen, k\u00fcnftig direkt Einfluss auf die Besetzung des Vorstands sowie dessen Verg\u00fctungssystem zu nehmen. Und Anleger freuen sich \u00fcber die M\u00f6glichkeit, direkt am Autobauer Porsche AG beteiligt zu sein, wenn auch ohne Stimmrecht.<br \/><br \/>Wer Mitreden m\u00f6chte, der braucht Stammaktien, die auch ein Stimmrecht mit sich f\u00fchren. Von der Porsche Holding SE gibt es keine Stammaktien im Streubesitz, die Familien halten 100%. Auch von der Porsche AG wird es keine Stammaktien im Streubesitz geben. Von Volkswagen befinden sich lediglich 7,66% der Stammaktien im Streubesitz, der Rest liegt bei Porsche SE (53,3%), dem Land Niedersachsen (20), Qatar (17%) und diversen institutionellen Ankeraktion\u00e4ren.<br \/><br \/>Wenn Sie also die Vorzugsaktien der Porsche Holding SE kaufen, dann beteiligen Sie sich an Volkswagen (Wert der Beteiligung aktuell 30 Mrd. EUR) UND der Porsche AG (Wert voraussichtlich 18,75 Mrd. EUR). Wenn Sie hingegen die Porsche AG kaufen, beteiligen Sie sich zu 100% am Autobauer Porsche. Das macht den IPO so attraktiv f\u00fcr Anleger.<br \/><br \/>Nun werden 25% der Vorzugsaktien an die B\u00f6rsen gebracht, das entspricht etwa 9,4 Mrd. Euro. Dieses Geld erh\u00e4lt Volkswagen. Der Emissionspreis wird bei 82,50 EUR erwartet. Diesen Preis wird auch die Porsche Holding SE f\u00fcr die Stammaktien der Porsche AG bezahlen. Die Familien Porsche &amp; Pi\u00ebch haben also als VW-Aktion\u00e4r ein Interesse an einem hohen IPO-Preis, als Porsche-Aktion\u00e4re jedoch ein Interesse an einem niedrigen IPO-Preis. VW selbst, sowie das Land Niedersachsen und die anderen Ankeraktion\u00e4re haben nat\u00fcrlich ein Interesse an einem m\u00f6glichst hohen IPO-Preis. Auch die Banken, die den B\u00f6rsengang durchf\u00fchren, verdienen ihre Provision in Abh\u00e4ngigkeit vom Emissionsvolumen, sind also an einem hohen IPO-Preis interessiert.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>In meinen Augen \u00fcberwiegt hier das Interesse an einem m\u00f6glichst hohen IPO-Preis. <strong>Die romantische Idee, dass Banken bei einem B\u00f6rsengang m\u00f6chten, dass ihre Kunden langfristig gl\u00fccklich mit den Aktien sein werden, habe ich ad acta gelegt. <\/strong>Wenn in diesen angespannten B\u00f6rsenzeiten was zu holen ist, dann wird es geholt.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Direkt im Anschluss an den IPO wird der Kurs von den Porsche AG Vorzugsaktien bestimmt, die zu 25% in den Streubesitz gegeben wurden. Viele der neuen Eigent\u00fcmer werden institutionelle Anleger sein, die in ihrem Portfolio ein bestimmtes Gewicht haben wollen. Im Rahmen der Zeichnung werden sie eine Anzahl erhalten, die vermutlich kleiner ist als die beabsichtigte Anzahl. Sie werden also nach dem IPO weitere Aktien \u00fcber den freien Markt zukaufen.<br \/><br \/>Es gibt aber auch die Spekulationen, die m\u00f6glichst kurz nach dem IPO ihre Zeichnungsgewinne versilbern wollen. Sie werden ihre Aktien verkaufen.<br \/><br \/>Die Erstnotiz h\u00e4ngt nicht von der Bewertung des Unternehmens ab, sondern davon, wie viele institutionelle Anleger ihre Positionen m\u00f6glichst schnell auf die gew\u00fcnschte Gr\u00f6\u00dfe bringen wollen. Und die Kursbewegungen in den ersten Tagen h\u00e4ngt sodann davon ab, wie viele Spekulanten ihre Positionen schon wieder absto\u00dfen. Die Banken, die den IPO durchf\u00fchren, m\u00fcssen also m\u00f6glichst die Interessen der institutionellen Anleger und der Spekulanten ins Gleichgewicht bringen.<br \/><br \/>Jetzt wollen Sie von mir wissen, ob sich das Zeichnen des Porsche IPOs lohnt. Da ich selber bereits die rechtlich erforderlichen Unterlagen, Studien und Analysen f\u00fcr B\u00f6rseng\u00e4nge erstellt habe, w\u00fcrde ich sagen: Keine Ahnung. Porsche kommt aus einem gro\u00dfen Konzern, in dem man auch durch interne Verrechnungen sehr viel aufh\u00fcbschen kann. Um mir ein Bild zu machen, ob die Porsche AG tats\u00e4chlich f\u00fcr die kommenden Jahre eine attraktive Aktie ist, w\u00fcrde ich mindestens 3-6 Monate abwarten und die Quartalszahlen verfolgen, die in den kommenden Monaten ver\u00f6ffentlicht werden.<br \/><br \/>Grunds\u00e4tzlich wird Porsche in einer Liga mit Ferrari spielen. Die Marktkapitalisierung der VW-Tochter wird h\u00f6her sein (75 Mrd. EUR) als die der Mutter (56 Mrd. EUR). In meinen Augen haben die Familien Porsche &amp; Pi\u00ebch \u00fcber Jahrzehnte bewiesen, dass sie ein gutes Gesp\u00fcr f\u00fcr den Automobilmarkt haben. Familiengef\u00fchrte Unternehmen laufen h\u00e4ufig besser als andere Unternehmen, siehe auch BMW\/ Mercedes. Doch als Privatanleger brauchen wir uns nicht in die Interessenkonflikte der ma\u00dfgeblichen Spieler einmischen, weil wir jederzeit \u00fcber die B\u00f6rse an beliebig viele Aktien herankommen. \u201eBeliebig viele\u201c soll den Unterschied zwischen unserem Anlagekapital von zigtausend bis vielleicht ein paar Millionen Euro veranschaulichen, w\u00e4hrend institutionelle Anleger schnell mal Hunderte von Millionen Euro in so eine Position schieben m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ach so, eine weitere Frage an mich war, worin sich die Aktien der Porsche SE und der Porsche AG unterscheiden. Ich denke, es ist klar geworden, dass die Kurse dieser beiden unterschiedlichen Unternehmen wenig miteinander zu tun haben.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<form class=\"new_abo\" style=\"margin: 0px;\" action=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/abo\" method=\"post\">\n<h2 class=\"sgny-widget-title\"><font color=\"blue\">\u00dcber 25.000 Leser vertrauen dem Heibel-Ticker<\/font><\/h2>\n<br \/>\n<div class=\"mc4wp-form-fields\">Seit 1998 verfolge ich begeistert die B\u00f6rsen der USA und Europas. Mittlerweile schreibe ich w\u00f6chentlich f\u00fcr mehr als 25.000 Leser \u00fcber Hintergr\u00fcnde zum Aktienmarkt und Ursachen f\u00fcr Kursbewegungen von Aktien.<br \/>\n<br \/>\nMeine Leser sch\u00e4tzen meine neutrale, vereinfachende und unterhaltsame Art. Als Privatanleger nutzen sie meine Einsch\u00e4tzungen und Investmentideen zur selbstst\u00e4ndigen Portfolio-Optimierung.<br \/>\n<br \/>\nSie k\u00f6nnen sich zum <a href=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/empfehlung?id=40&amp;refID=9\">Heibel-Ticker B\u00f6rsenbrief<\/a> gratis anmelden und erhalten jeden Freitag die neue Ausgabe direkt in Ihr Mail-Postfach.<br \/>\n<br \/>\nKein Spam, kein Abo, Abmeldung jederzeit m\u00f6glich.\n<\/div><br \/>\n<input name=\"refID\" type=\"hidden\" value=\"9\"\/>\n<input name=\"abo[subscribe]\" type=\"hidden\" value=\"subscribe\"\/><input id=\"input_email\" class=\"input_s\" name=\"abo[email]\" size=\"8\" type=\"text\" value=\"\" placeholder=\"E-Mail\"\/><br \/>\n<br \/>\n<input name=\"dsa\" required=\"\" type=\"checkbox\"\/> Ja, ich stimme der <a href=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/static\/privacy\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a> des Heibel-Ticker B\u00f6rsenbriefes zu.<br \/>\n<br \/>\n<input class=\"sgny-readmore-btn send-btn\" name=\"sent2\" type=\"submit\" value=\"Kostenlos anmelden\"\/>\n<p class=\"info-txt\"><\/p>\n<\/form>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einer meiner Leser fragte mich: W\u00fcrden Sie als Privatanleger die Porsche Aktie kaufen und zu welchem Preis? 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