{"id":6680,"date":"2022-11-08T08:38:18","date_gmt":"2022-11-08T07:38:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.heibel-unplugged.de\/?p=6680"},"modified":"2022-11-08T08:38:20","modified_gmt":"2022-11-08T07:38:20","slug":"powells-zinspolitik-verdient-eine-1-mit-sternchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/powells-zinspolitik-verdient-eine-1-mit-sternchen\/","title":{"rendered":"Powells Zinspolitik verdient eine 1+ mit Sternchen"},"content":{"rendered":"\n<p>Fed-Chef Jay Powell bekommt von mir Bestnoten f\u00fcr seine Geldpolitik. In schwierigen Zeiten tut er das \u00f6konomisch Richtige und \u00fcberl\u00e4sst es der Politik, f\u00fcr einen sozialen Ausgleich zu sorgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Letzten Mittwoch Abend hat die US-Notenbank ihre Zinsentscheidung bekannt gegeben: Der Leitzins wird zum vierten Mal in Folge um 0,75% angehoben und erreicht nun ein Niveau von 3,75%-4,00%. Nach vier Jumbo-Schritten in Folge wurde eine Ank\u00fcndigung \u00fcber die Verlangsamung der k\u00fcnftigen Zinsschritte von den meisten Marktbeobachtern erwartet.<br \/><br \/>Doch eine Verlangsamung bedeutet noch lange nicht, dass das Inflationsgespenst erfolgreich vertrieben wurde. Wie kann US-Notenbankchef Jay Powell also die Geschwindigkeit verlangsamen, ohne den Druck von den M\u00e4rkten zu nehmen?<br \/><br \/>Nun, die Antwort ist in drei Komponenten zu sehen: Geschwindigkeit, Ziel und Dauer. Die Geschwindigkeit der Zinsschritte wird nachlassen. Weitere Jumbo-Schritte von +0,75% wird es wohl erst einmal nicht mehr geben.<br \/><br \/>Doch das Ziel der Zinsanhebungsserie ist noch nicht erreicht. In der Pressekonferenz machte Powell klar, dass es noch keinerlei Anzeichen f\u00fcr eine Abschw\u00e4chung des Inflationsdrucks gibt. Daher rechne man inzwischen mit einem h\u00f6heren Leitzinsziel als zuvor. Das hei\u00dft, wenngleich k\u00fcnftige Zinsanhebungen vielleicht nicht mehr Jumbo-Schritte von 0,75% sein werden, so ist doch damit zu rechnen, dass eine Vielzahl kleinerer Schritte, also +0,5% oder +0,25%, den Leitzins noch deutlich h\u00f6her schrauben werden, bevor die US-Notenbank zufrieden ist.<br \/><br \/>&#8222;We will keep at it, until the the job is done&#8220; hatte Powell schon bei der vorangehenden Notenbanksitzung gesagt: &#8222;Wir werden den Leitzins so lange anheben, bis die Inflation besiegt ist.&#8220; Und das wird l\u00e4nger dauern als bislang erwartet, f\u00fcgte er dieses Mal hinzu. Der Leitzins wird am Ende h\u00f6her stehen, als das bislang von den meisten erwartet wird.<br \/><br \/>Die Geschwindigkeit mag also nach der diesw\u00f6chigen Entscheidung gedrosselt werden, doch das Ziel wurde nach oben korrigiert. Und neben Geschwindigkeit und Ziel gibt es noch die dritte Komponente, die Dauer. Wie lange wird der Leitzins dann auf dem hohen Niveau belassen?<br \/><br \/>Nun, dazu hat Powell ebenfalls etwas gesagt: Inflation neige dazu, wenn sie nicht konsequent im Keim erstickt wird, sich in der Gesellschaft einzunisten. Um dies zu verhindern, m\u00fcsse sie konsequent und endg\u00fcltig bek\u00e4mpft werden. Wir d\u00fcrfen uns also darauf einstellen, dass der Leitzins l\u00e4nger auf einem h\u00f6heren Niveau verbleiben wird, als wir uns das heute vorstellen.<br \/><br \/>Oder, um es kurz zu machen: Jay Powell hat aus der Geschichte gelernt. Er nimmt die Inflationsrisiken ernst und wei\u00df, wie man damit umgeht.<br \/><br \/>Der eine oder andere wirft ihm vor, er habe zu sp\u00e4t mit der Straffung der Geldpolitik begonnen, und m\u00fcsse daher nun \u00fcberproportional heftig agieren. Doch wenn Sie auf den vergangenen Winter zur\u00fcck blicken, dann werden Sie sich sicherlich daran erinnern, dass die Corona-Zahlen auf einem beunruhigend hohen Niveau pendelten und neue Virusvarianten, damals noch Delta, eine h\u00f6here Sterberate bef\u00fcrchten lie\u00dfen.<br \/><br \/>Weitere Corona-Hilfspakete wurden geschn\u00fcrt, Kurzarbeit war in Deutschland weit verbreitet und die Geldpolitik war gezwungen, l\u00e4nger locker zu bleiben, als es die damalige wirtschaftliche Entwicklung eigentlich zulie\u00df. Dadurch erfolgte die Reaktion der US-Notenbank ein wenig zu sp\u00e4t und ja, daher muss er nun um so heftiger reagieren.<br \/><br \/>Er tut das \u00fcberaus konsequent und bekommt daf\u00fcr von mir die Schulnote 1+ mit Sternchen. Besser h\u00e4tte man es nicht machen k\u00f6nnen.<br \/><br \/>Und in Europa? Nun die EZB-Chefin Christine Lagarde hat noch viel sp\u00e4ter begonnen als Jay Powell. Erst im Juli wurde der Leitzins erstmals erh\u00f6ht. Und in ihrer j\u00fcngsten Pressekonferenz sprach Lagarde schon wieder S\u00e4tze aus, die eine Verlangsamung der weiter zu erwartenden Zinsschritte erwarten lassen. Ein Unterschied wie Tag und Nacht.<br \/><br \/>Ich bin \u00fcberrascht, muss ich zugeben. Zum einen h\u00e4tte ich nicht erwartet, dass Jay Powell tats\u00e4chlich die \u00f6konomische Notwendigkeit politisch durchhalten wird. Doch er h\u00e4lt durch.<br \/><br \/>Zum anderen h\u00e4tte ich erwartet, dass Christine Lagarde ihren sehr stark versp\u00e4teten Einstieg in die Straffung der Geldpolitik nunmehr konsequent durchziehen wird, um gegen\u00fcber den USA aufzuholen. Doch auch hier habe ich mich geirrt, ihr Fu\u00df auf dem Gaspedal zuckt schon wieder.<br \/><br \/>Somit wird sich der Trendwechsel am W\u00e4hrungsmarkt wohl noch ein wenig hinziehen. Ich hatte schon f\u00fcr die kommenden Wochen einen festeren Euro erwartet. Vor\u00fcbergehend war das auch schon der Fall. Doch die beiden j\u00fcngsten Entscheidungen der Notenbanken d\u00fcrften diesen Trendwechsel um einige Wochen, wenn nicht Monate, verz\u00f6gern. Updates gibt es wie immer in meinen w\u00f6chentlichen Heibel-Ticker Ausgaben.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<form class=\"new_abo\" style=\"margin: 0px;\" action=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/abo\" method=\"post\">\n<h2 class=\"sgny-widget-title\"><font color=\"blue\">\u00dcber 25.000 Leser vertrauen dem Heibel-Ticker<\/font><\/h2>\n<br \/>\n<div class=\"mc4wp-form-fields\">Seit 1998 verfolge ich begeistert die B\u00f6rsen der USA und Europas. Mittlerweile schreibe ich w\u00f6chentlich f\u00fcr mehr als 25.000 Leser \u00fcber Hintergr\u00fcnde zum Aktienmarkt und Ursachen f\u00fcr Kursbewegungen von Aktien.<br \/>\n<br \/>\nMeine Leser sch\u00e4tzen meine neutrale, vereinfachende und unterhaltsame Art. 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