{"id":6712,"date":"2022-12-20T10:34:10","date_gmt":"2022-12-20T09:34:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.heibel-unplugged.de\/?p=6712"},"modified":"2022-12-20T10:34:16","modified_gmt":"2022-12-20T09:34:16","slug":"ezb-ist-jetzt-ueberrascht-von-der-inflation-powell-bekaempft-sie-besser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/ezb-ist-jetzt-ueberrascht-von-der-inflation-powell-bekaempft-sie-besser\/","title":{"rendered":"EZB ist jetzt \u00fcberrascht von der Inflation &#8211; Powell bek\u00e4mpft sie besser"},"content":{"rendered":"\n<p>Am Mittwoch hat die US-Notenbank den Leitzins um 0,5% auf 4,25-4,5% angehoben. Fed-Chef Jay Powell machte deutlich, dass die Zinsanhebungen noch eine Weile andauern werden. Am Markt erwartet man nun eine Zielgr\u00f6\u00dfe von 5,1%, ich pers\u00f6nlich gehe von einem Ziel bei mindestens 5,5% aus. Auch machte Powell deutlich, dass ein hoher Leitzins uns f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit begleiten werde.<br \/><br \/>Wer vor 10 Tagen den Heibel-Ticker gelesen hat, der war genau auf diese Situation vorbereitet. Jay Powell hatte den Markt entsprechend vorbereitet und so enthielt die Zinsentscheidung keine \u00dcberraschung. Der Aktienmarkt reagierte kaum auf die Zinsanhebung in den USA.<br \/><br \/>Letzten\u00a0 Donnerstag hob sodann auch die Europ\u00e4ische Zentralbank EZB den Leitzins um 0,5% an, das Zinsniveau steht nun bei 2,5%. EZB-Chefin Christine Lagarde f\u00fchrte im Anschluss aus, dass die Inflation aktuell h\u00f6her sei, als man noch vor wenigen Wochen erwartet hatte. Sie erl\u00e4uterte, das der j\u00fcngst gesehene leichte R\u00fcckgang der Inflationsrate in der EU von 10,6% im Oktober auf 10,0% im November \u00fcberwiegend auf den nachlassenden Preisdruck am Energiemarkt zur\u00fcckzuf\u00fchren sei. Der Preisdruck bei Nahrungsmitteln sowie in der gesamten Wirtschaft werde jedoch f\u00fcr einige Zeit anhalten. Und so kommt die EZB nun auf eine Inflationserwartung f\u00fcr 2023 von 6,3%.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ich m\u00f6chte daran erinnern, dass Christine Lagarde noch Anfang des Jahres die Inflation als vor\u00fcbergehend bezeichnete<\/strong> und erste Zinsschritte erst Mitte des Jahres (21. Juli) einleitete. Wenn es die Aufgabe der EZB ist, die Inflation im Euroraum bei 2% zu halten, dann hat sie ihr Ziel verfehlt.<br \/><br \/>In den USA begann Jay Powell am 16. M\u00e4rz, den Leitzins anzuheben. Auch Powell wird vorgeworfen, zu sp\u00e4t mit Zinsanhebungen begonnen zu haben. Ich m\u00f6chte Powell jedoch in Schutz nehmen: Im vergangenen Winter war die Wirtschaft noch stark von Lockdowns, Lieferkettenproblemen und weiteren Einschr\u00e4nkungen durch Coronama\u00dfnahmen belastet. Die Politik sch\u00fcttete Stimuli aus, um Unternehmen und B\u00fcrgern zu helfen. Es schwelte permanent die Gefahr einer massiven Ausweitung der Lockdowns, h\u00e4tte sich das Infektionsgeschehen st\u00e4rker ausgebreitet.<br \/><\/p>\n\n\n\n<p>Vor dem Hintergrund dieser Gefahr h\u00e4tten sich Zinsanhebungen im vergangenen Winter als vorschnell erweisen k\u00f6nnen und so musste Powell abwarten. Doch sobald sich abzeichnete, dass die schlimmsten Bef\u00fcrchtungen nicht eintraten, begann er konsequent mit Zinsanhebungen und schraubte mit insgesamt vier Jumboschritten (0,75%) das Leitzinsniveau schneller nach oben als irgendwann sonst in den vergangenen vierzig Jahren.<br \/><br \/>Um es kurz zu machen: Jay Powell ist f\u00fcr mich ein Held, der gegen politischen Widerstand und gegen Mainstream Medien die Erfahrung der Geschichte (1965-1982) auf die Gegenwart anwendet und konsequent handelt. F\u00fcr die USA erwarte ich im kommenden Jahr einen deutlich abgeschw\u00e4chten Inflationsdruck und vermutlich eine kurze Rezession.<br \/><br \/>Christine Lagarde hat uns letzte Woche mitgeteilt, dass die Inflation nur langsam zur\u00fcckgehen wird: Nach 8,4% im laufenden Jahr 2022 erwartet die EZB 6,3% f\u00fcr 2023 und dann noch immer 3,4% f\u00fcr 2024. Wenn Sie also 2022 mit 10.000 Euro auf dem Konto gestartet haben, dann wird dieses Geld bis Ende 2024 nur noch eine Kaufkraft von 8.393 Euro haben. Wer seine Rente aus einem Kapitalstock bestreiten m\u00f6chte, kann seine Kaufkraft mit mageren 2% nicht erhalten. Wie sch\u00f6n waren doch die Zeiten, als unser Geld im Nullzinsumfeld wenigstens nicht so schnell seinen Wert verlor.<br \/><br \/>Ein wesentlicher Unterschied zwischen Powell und Lagarde ist auch die Kommunikation: Powell hatte den Finanzmarkt auf die j\u00fcngste Zinsentscheidung gut vorbereitet, es gab kaum Kursausschl\u00e4ge in Folge der Zinsentscheidung. Lagarde hingegen \u00fcberraschte nun mit ihrem Eingest\u00e4ndnis, dass die Inflation nun doch nicht so leicht verschwinden werde.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Damit sind wir schon beim Ausblick auf das Jahr 2023<\/h2>\n\n\n\n<p>Eine anhaltend hohe Inflationsrate d\u00fcrfte viele Anleger \u00dcberaschen, die auf ein schnelles Einlenken der Notenbanken gesetzt haben. Wir werden also noch eine Reihe von Zinsanhebungen sehen, sowohl in den USA als auch in Europa und das wird das Zinsniveau insgesamt weiter nach oben schrauben. Darunter werden insbesondere Wachstumstitel leiden.<br \/><br \/>Im Jahr 2022 wurden gerade die Wachstumsaktien ausverkauft und einige glauben nun, dass der Ausverkauf \u00fcbertrieben war. Doch wenn ich mir vor Augen f\u00fchre, dass wir eine Liquidit\u00e4tsflutung historischen Ausma\u00dfes hinter uns haben, w\u00fcrde ich nicht darauf setzen, dass diese Liquidit\u00e4tsflutung bereits durch ein paar Zinsschritte ausgeglichen wurde.<br \/><br \/>Die Fed, und vielleicht sp\u00e4ter auch die EZB, wollen Verm\u00f6genswerte vernichten, die durch die Liquidit\u00e4tsflutung entstanden waren: \u00dcber 200 verschiedene Krytow\u00e4hrungen und Token, die wie private W\u00e4hrungen undurchsichtig sind, von einzelnen gepuscht werden und keinerlei staatlicher Regulierung unterliegen, m\u00fcssen verschwinden.<br \/><br \/>Ich verwende gerne den Vergleich zur Internetblase um die Jahrtausendwende. Auch damals gab es hunderte Internetunternehmen ohne Gewinn, teilweise ohne Umsatz, mit schwindelerregenden Bewertungsmultipels. Nur eine Handvoll davon blieb nach drei Jahren B\u00e4renmarkt in diesem Sektor \u00fcbrig. Ich gehe davon aus, dass Bitcoin und Ethereum \u00fcbrig bleiben, sicherlich noch ein paar andere. Doch wenn wir erst ein Jahr hinter uns haben, dann k\u00f6nnte die Bereinigung noch weitere zwei Jahre in Anspruch nehmen. In dieser Zeit werden alle Kryptow\u00e4hrungen weiter gen S\u00fcden segeln, also auch der Bitcoin.<br \/><br \/>IPOs und SPACs fluteten die Finanzm\u00e4rkte, ich habe dar\u00fcber berichtet. Auch diese Unternehmen m\u00fcssen zum gr\u00f6\u00dften Teil verschwinden. Und nat\u00fcrlich gibt es da noch die Gamestops und AMCs, die mit dem Schlachtruf &#8222;to da moon&#8220; (zum Mond) in die H\u00f6he gejubelt wurden, obwohl sie mit einem untergehenden Gesch\u00e4ftsmodell operieren. GameStop war von 4 auf 80 USD katapultiert worden und notiert aktuell noch immer bei 20 USD, schreibt Verluste und beklagt einen r\u00fcckl\u00e4ufigen Umsatz. Auch hier ist die Bereinigung noch nicht zu Ende.<br \/><br \/>Amazon hat in der Coronakrise \u00fcber 1 Millionen neue Arbeitskr\u00e4fte eingestellt. Arbeitskr\u00e4fte, die nun in anderen Branchen fehlen. Nun, wo das Sonderwachstum DURCH Corona bei den einen, und wo das Sonderwachstum NACH Corona bei den anderen wieder abflaut, fressen die vielen Mitarbeiter den Gewinn vieler Unternehmen auf. Wir werden in den kommenden Monaten Entlassungswellen erleben, mit denen sich Unternehmen an ein langsameres Wachstum anpassen.<br \/><br \/>Amazon, Apple, Alphabet, Microsoft, Meta und Tesla sind \u00fcber 6 Billionen US-Dollar wert. Die Megakonzerne haben dieses Jahr 30% bis 60% an Wert verloren und der eine oder andere Megakonzern sieht schon wieder g\u00fcnstig aus. Doch die Notenbanken vernichten derzeit Kapital: Krypto, SPACs, IPOs, Cloud, Chips, SaaS, Immobilien, &#8230; ich k\u00f6nnte noch beliebig fortfahren.<br \/><\/p>\n\n\n\n<p>Mit welchem Geld k\u00f6nnen Anleger k\u00fcnftig Aktien kaufen? Nun, ich habe die Bef\u00fcrchtung, dass insbesondere institutionelle Anleger ihre Portfolios auf die neue Zeit anpassen m\u00fcssen, mehr Dividendenaktien kaufen und mehr auf Fundamentaldaten achten. Doch um neue Titel zu kaufen, brauchen sie Cash, und das werden Sie aus den Megakonzernen holen und damit eine schnelle Erholung dieser Titel vermeiden. So, wie viele Bewertungen in den vergangenen Jahren nach oben eine \u00dcbertreibung erfuhren, so d\u00fcrften viele Titel in den kommenden zwei Jahren eine \u00dcbertreibung nach unten erleben.<br \/><br \/>Seit Ende September haben wir eine Gegenbewegung im vorangegangenen B\u00e4renmarkt gesehen. Dabei haben insbesondere diejenigen Aktien stark zugelegt, die zuvor stark ausverkauft wurden. Doch diese Aktien wurden ausverkauft, weil sie in einem Umfeld h\u00f6herer Zinsen nicht mehr so gefragt sind. Im kommenden Jahr werden sich die fundamental g\u00fcnstigen Aktien sowie die Aktien mit soliden Dividenden in den Vordergrund spielen, w\u00e4hrend im Hintergrund Wachstumsaktien und Aktien mit hohen Bewertungen weiter unter Druck sein werden.<br \/><br \/>Dabei werden sich die verschiedenen Entwicklungen der beiden unterschiedlichen Bereiche im Jahresverlauf immer st\u00e4rker voneinander trennen. Wir sind mit einem gro\u00dfen Teil unseres Portfolios fr\u00fchzeitig in die neue Anlegerwelt eingestiegen und warten nun geduldig darauf, dass diese Aktien nicht mehr nur weniger verlieren als die Bereiche, die eine Bereinigung durchlaufen, sondern auch st\u00e4rker ansteigen.<br \/><br \/>Soweit mal ein kleiner Ausblick auf das kommende Jahr. Einen ausf\u00fchrlichen Ausblick werde ich wie immer zum Jahreswechsel erstellen. Dabei werde ich zun\u00e4chst das abgelaufene Jahr analysieren und unsere Transaktionen beurteilen sowie aus Fehlern \u00c4nderungen f\u00fcr unser Portfolio ableiten. Anschlie\u00dfend werde ich dann die Jahresumfrage auswerten und aus den gefundenen Hinweisen ableiten, wie wir uns konkret f\u00fcr das Jahr 2023 verhalten und positionieren werden.<br \/><br \/>Die beiden Notenbanksitzungen letzte Woche waren so ziemlich die letzten wichtigen Ereignisse. Nun bereiten sich die meisten auf Weihnachten und den Jahreswechsel vor. Was ich f\u00fcr die kommenden drei Wochen an den Aktienm\u00e4rkten erwarte, schreibe ich f\u00fcr PLUS Abonnenten in Kapitel 04.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<form class=\"new_abo\" style=\"margin: 0px;\" action=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/abo\" method=\"post\">\n<h2 class=\"sgny-widget-title\"><font color=\"blue\">\u00dcber 25.000 Leser vertrauen dem Heibel-Ticker<\/font><\/h2>\n<br \/>\n<div class=\"mc4wp-form-fields\">Seit 1998 verfolge ich begeistert die B\u00f6rsen der USA und Europas. Mittlerweile schreibe ich w\u00f6chentlich f\u00fcr mehr als 25.000 Leser \u00fcber Hintergr\u00fcnde zum Aktienmarkt und Ursachen f\u00fcr Kursbewegungen von Aktien.<br \/>\n<br \/>\nMeine Leser sch\u00e4tzen meine neutrale, vereinfachende und unterhaltsame Art. Als Privatanleger nutzen sie meine Einsch\u00e4tzungen und Investmentideen zur selbstst\u00e4ndigen Portfolio-Optimierung.<br \/>\n<br \/>\nSie k\u00f6nnen sich zum <a href=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/empfehlung?id=40&amp;refID=9\">Heibel-Ticker B\u00f6rsenbrief<\/a> gratis anmelden und erhalten jeden Freitag die neue Ausgabe direkt in Ihr Mail-Postfach.<br \/>\n<br \/>\nKein Spam, kein Abo, Abmeldung jederzeit m\u00f6glich.\n<\/div><br \/>\n<input name=\"refID\" type=\"hidden\" value=\"9\"\/>\n<input name=\"abo[subscribe]\" type=\"hidden\" value=\"subscribe\"\/><input id=\"input_email\" class=\"input_s\" name=\"abo[email]\" size=\"8\" type=\"text\" value=\"\" placeholder=\"E-Mail\"\/><br \/>\n<br \/>\n<input name=\"dsa\" required=\"\" type=\"checkbox\"\/> Ja, ich stimme der <a href=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/static\/privacy\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a> des Heibel-Ticker B\u00f6rsenbriefes zu.<br \/>\n<br \/>\n<input class=\"sgny-readmore-btn send-btn\" name=\"sent2\" type=\"submit\" value=\"Kostenlos anmelden\"\/>\n<p class=\"info-txt\"><\/p>\n<\/form>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Mittwoch hat die US-Notenbank den Leitzins um 0,5% auf 4,25-4,5% angehoben. 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