{"id":6751,"date":"2023-01-31T09:43:27","date_gmt":"2023-01-31T08:43:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.heibel-unplugged.de\/?p=6751"},"modified":"2023-01-31T09:44:25","modified_gmt":"2023-01-31T08:44:25","slug":"sap-zieht-sich-aus-dem-crm-wettbewerb-mit-salesforce-zurueck-und-konzentriert-sich-auf-seine-kernbereiche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/sap-zieht-sich-aus-dem-crm-wettbewerb-mit-salesforce-zurueck-und-konzentriert-sich-auf-seine-kernbereiche\/","title":{"rendered":"SAP zieht sich aus dem CRM-Wettbewerb mit Salesforce zur\u00fcck und konzentriert sich auf seine Kernbereiche"},"content":{"rendered":"\n<p>Letzte Woche hat Deutschlands gr\u00f6\u00dfer Softwarekonzern SAP Q-Zahlen vorgelegt, die im Rahmen der Erwartungen liegen: 12% Umsatzwachstum auf 8,44 Mrd. Euro und 17% Gewinnwachstum auf 1,71 Mrd. Euro. Der Cloud-Umsatz ist um 30% auf 1,71 Mrd. Euro gewachsen. F\u00fcr das Jahr 2023 prognostiziert SAP einen Gewinn von 8,8 &#8211; 9,1 Mrd. Euro, etwas mehr als von Analysten erwartet. Die Aktie war in den vergangenen drei Monaten um 30% angesprungen und gab nach den Zahlen etwas ab.<br \/><br \/>3.000 Stellen m\u00f6chte SAP weltweit streichen, das sind etwa 2,7% des Personals. CFO Luka Mucic erwartet davon Einsparungen in H\u00f6he von 300 &#8211; 350 Mio. Euro. Ich gehe in unserer aktuellen Heibel-Ticker Ausgabe auf die Stellenstreichungen der IT-Branche gesondert ein.<br \/><br \/>Die eigentlich interessanten Themen befanden sich jedoch im Kleingedruckten. CEO Christian Klein m\u00f6chte SAP auf das Kerngesch\u00e4ft fokussieren. Qualtrics wurde 2018 vom damaligen CEO Bill McDermott gekauft, um die Online-Datenanalyse in die SAP-Produkte einzubinden. Es war der Versuch, dem erfolgreichen Wettbewerber Salesforce etwas entgegen zu setzen.<br \/><br \/>W\u00e4hrend SAP urspr\u00fcnglich in der Finanzbuchhaltung zu Hause war und seine Expertise auf die Beschaffungslogistik ausweiten konnte, punktete Salesforce beim Vertrieb und dem Kundenmanagement. SAP-Software wird daher als ERP (Enterprise Resource Planning) bezeichnet, w\u00e4hrend Salesforce CRM (Customer Relationship Management) anbietet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Trennung von Qualtrics<\/h2>\n\n\n\n<p>Wer von Ihnen in einem gro\u00dfen Konzern arbeitet, wei\u00df, dass der Vertrieb stets eine besondere Machtposition innehat, weil der Kontakt zum Kunden stets zu den wichtigsten Werten eines Unternehmens geh\u00f6rt. So m\u00fcht sich SAP seit Jahrzehnten ab, insbesondere den CRM-Teil seines Softwarepakets zu verbessern.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch CEO Klein hat mit diesem Ziel nun gebrochen. Qualtrics als K\u00f6der f\u00fcr Vertriebsmannschaften wird abgesto\u00dfen. Online-Marktforschungsdaten sind laut CEO Klein auch in die SAP-Software integrierbar, wenn Qualtrics nur noch Partner und nicht mehr Tochter ist. Das hei\u00dft aber auch, dass Qualtrics seine Daten k\u00fcnftig auch Wettbewerbern, vielleicht sogar Salesforce, zur Verf\u00fcgung stellen kann.<br \/><br \/>Au\u00dferdem w\u00fcrden die Stellenstreichungen insbesondere im Bereich der CRM-Software vorgenommen, da man dort nicht Marktf\u00fchrer sei. Das Unternehmen konzentriere sich auf seine Kernprodukte, mit denen man Marktf\u00fchrer sei und weltweit weiter Marktanteile hinzugewinne, so CEO Klein.<br \/><br \/>SAP h\u00e4lt noch 70% an Qualtrics. Beim aktuellen Kurs w\u00fcrde SAP die f\u00fcr 8 Mrd. USD \u00fcbernommene Qualtrics zu etwas mehr als 8 Mrd. USD an den Markt bringen. Obwohl Qualtrics seinen Kundenstamm unter dem Dach von SAP in den vergangenen vier Jahren verdreifachen konnte, wird das Unternehmen nun Plusminus Null verkauft. Die Aktie von Qualtrics sprang letzten Donnerstag um 30% an. Daran ist ablesbar, dass SAP wohl eher eine Last f\u00fcr das Unternehmen darstellte.<br \/><br \/>Die 3.000 Stellen, die SAP abbauen m\u00f6chte, befinden sich \u00fcberwiegend im Bereich des CRM. So ist es ein Doppelschlag gegen die CRM-Ambitionen des Konzerns. Die Aktie von Salesforce, Tickersymbol CRM, ist letzten Donnerstag um 5% angesprungen. Allerdings hat Salesforce seine eigenen Meldungen, so dass der Kurssprung nicht 1:1 auf die Meldung von SAP zur\u00fcckzuf\u00fchren ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">(Neue) Fokus-Bereiche von SAP<\/h2>\n\n\n\n<p>Donnerstag Abend war CEO Christian Klein im Interview auf CNBC zu sehen. Seine Botschaft sendete er gleich zweimal in dem 8 Minuten kurzen Interview: SAP hilft Unternehmen in drei Bereichen.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Im Bereich der Transformation, wenn also bspw. ein Energieversorger auf Wasserstoff umstellen wolle, k\u00f6nne er den Transformationsprozess mit Hilfe der SAP ERP-Software leichter umsetzen. Ich nehme an, er meint damit, dass SAP im Bereich der Finanzbuchhaltung Kunden aus jeglichen Branchen hat und somit entsprechende Umstellungen problemlos im Rahmen vorgefertigter L\u00f6sungen abbilden kann.<\/li>\n\n\n\n<li>Im Bereich der globalen Beschaffungsketten m\u00fcssen Unternehmen resistenter werden, also gleiche Vorprodukte von verschiedenen Lieferanten beziehen, um gegen geopolitische Probleme besser abgesichert zu sein und das Wachstum nicht aufgrund von Lieferengp\u00e4ssen zu gef\u00e4hrden. CEO Klein bezieht sich hier auf die Beschaffungslogistik im SAP ERP-System, das weltweit die meisten Lieferanten angebunden hat und somit reibungslose Prozesse bis hin zur Produktion der Fertigprodukte erm\u00f6glicht.<\/li>\n\n\n\n<li>Nachhaltigkeit: SAP habe die Daten, die es Unternehmen erm\u00f6glichen, ESG-Kriterien zu erf\u00fcllen.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Damit hat er drei Bereiche in den Fokus ger\u00fcckt, die derzeit das Tagesgesch\u00e4ft in Deutschland dominieren: Energiewende, Lieferkettenengp\u00e4sse und ESG-Kriterien.<\/p>\n\n\n\n<p>In den USA geht man jedoch andere Wege: Eine Energiewende braucht man dort nicht, die USA produzieren mehr Energie als sie ben\u00f6tigen. Die Lieferkettenprobleme werden nicht durch eine globale Streuung gefestigt, sondern durch einen Fokus auf die heimische Produktion. Und ESG ist in den USA nice to have. Die ESG-Kriterien gelten als willk\u00fcrlich oder leicht manipulierbar und eine neutrale, objektive ESG-Bewertung sieht man in den USA noch in weiter Ferne.<br \/><br \/>Auf den beabsichtigten Verkauf von Qualtrics angesprochen f\u00fchrt Klein an, es sei aus gesch\u00e4ftlicher Sicht kein Unterschied, ob die Partnerschaft mit der Tochter oder dem Partner Qualtrics fortgef\u00fchrt werde. F\u00fcr die Anleger jedoch sei der Verkauf vorteilhaft, da man gebundenes Kapital in den Konzern zur\u00fcck hole.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Dividende ohne Wachstum<\/h2>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4testens nach dieser Aussage hat sich f\u00fcr mich mein Blick auf SAP, das einstige Vorzeigeunternehmen Deutschlands, gefestigt: Der Konzern konzentriert sich auf ERP-Software im Bereich der Finanzbuchhaltung und der Beschaffungslogistik. Ein Wachstum von 5-8% p.a. l\u00e4sst sich in diesem Bereich ohne mutige Investitionen bewerkstelligen. H\u00f6here Wachstumszahlen sind jedoch nicht zu erwarten, da die Ziele im Bereich des CRM nun aufgesteckt wurden.<br \/><br \/>Bislang lag die Dividendenrendite meist unter 2% und ist somit zu niedrig f\u00fcr eine Dividendenaktie in unserem Portfolio (mind. 2,5%). Alle anderen Kriterien werden jedoch erf\u00fcllt, so gab es bspw. in den vergangenen Jahren jedes Jahr eine Dividendenerh\u00f6hung. Nur ein Drittel des Konzerngewinns wird als Dividende ausgesch\u00fcttet. Und das Gewinnwachstum ist aufgrund der Umstellung auf die Cloud kontinuierlich \u00fcberproportional zum Umsatzwachstum.<br \/><br \/>Ein gro\u00dfer Wermutstropfen stellt das Mitarbeiterbeteiligungsprogramm dar: 10% des Umsatzes gingen im Jahr 2021 in Form von SBCs (Aktienaussch\u00fcttungen) an Mitarbeiter. Ich kenne SAP als sehr mitarbeiterfreundliches Unternehmen. Doch 10% vom Umsatz ist eine Ziffer, die aus dem Rahmen f\u00e4llt. An die Aktion\u00e4re wird eine Dividende in H\u00f6he von 2,28 Mrd. Euro ausgesch\u00fcttet, das sind 8% des Umsatzes.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Meine Einsch\u00e4tzung<\/h2>\n\n\n\n<p>Immerhin hat CEO Christian Klein die Nachricht verstanden, dass ausufernde Kosten in konjunkturell anspruchsvollen Zeiten nicht toleriert werden. Doch seine Kosteneinsparungen beziehen sich auf Projekte, in denen Phantasie f\u00fcr k\u00fcnftiges Wachstum steckte. Gleichzeitig k\u00fcndigt er an, die eingesparten Mittel verst\u00e4rkt in die \u00dcberarbeitung des Kerngesch\u00e4fts zu stecken. Das verunsichert Kunden, denn die waren davon ausgegangen, dass die Kernprodukte bereits State of the art sind. Gleichzeitig verunsichert das auch Aktion\u00e4re, die sich nun fragen, wo denn k\u00fcnftiges Wachstum herkommen soll.<br \/><br \/>Grunds\u00e4tzlich ist es nat\u00fcrlich nicht verkehrt, das eigene Produkt sauber aufzustellen und die eigene Kernkompetenz auszubauen. Doch das h\u00f6re ich von SAP seit 30 Jahren und ich warte vergeblich darauf, dass die tolle Software mal daf\u00fcr eingesetzt wird, einen neuen Gesch\u00e4ftsbereich als Erstes zu besetzen. SAP wird damit immer mehr zum &#8222;Versorger&#8220; der Softwareindustrie, ein Basisinvestment ohne gro\u00dfe Marge. Solche Unternehmen sind gute Dividendenbringer, doch eine attraktivere Dividende wird durch eine zu hohe Mitarbeiterbeteiligung vereitelt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<form class=\"new_abo\" style=\"margin: 0px;\" action=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/abo\" method=\"post\">\n<h2 class=\"sgny-widget-title\"><font color=\"blue\">\u00dcber 25.000 Leser vertrauen dem Heibel-Ticker<\/font><\/h2>\n<br \/>\n<div class=\"mc4wp-form-fields\">Seit 1998 verfolge ich begeistert die B\u00f6rsen der USA und Europas. Mittlerweile schreibe ich w\u00f6chentlich f\u00fcr mehr als 25.000 Leser \u00fcber Hintergr\u00fcnde zum Aktienmarkt und Ursachen f\u00fcr Kursbewegungen von Aktien.<br \/>\n<br \/>\nMeine Leser sch\u00e4tzen meine neutrale, vereinfachende und unterhaltsame Art. Als Privatanleger nutzen sie meine Einsch\u00e4tzungen und Investmentideen zur selbstst\u00e4ndigen Portfolio-Optimierung.<br \/>\n<br \/>\nSie k\u00f6nnen sich zum <a href=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/empfehlung?id=40&amp;refID=9\">Heibel-Ticker B\u00f6rsenbrief<\/a> gratis anmelden und erhalten jeden Freitag die neue Ausgabe direkt in Ihr Mail-Postfach.<br \/>\n<br \/>\nKein Spam, kein Abo, Abmeldung jederzeit m\u00f6glich.\n<\/div><br \/>\n<input name=\"refID\" type=\"hidden\" value=\"9\"\/>\n<input name=\"abo[subscribe]\" type=\"hidden\" value=\"subscribe\"\/><input id=\"input_email\" class=\"input_s\" name=\"abo[email]\" size=\"8\" type=\"text\" value=\"\" placeholder=\"E-Mail\"\/><br \/>\n<br \/>\n<input name=\"dsa\" required=\"\" type=\"checkbox\"\/> Ja, ich stimme der <a href=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/static\/privacy\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a> des Heibel-Ticker B\u00f6rsenbriefes zu.<br \/>\n<br \/>\n<input class=\"sgny-readmore-btn send-btn\" name=\"sent2\" type=\"submit\" value=\"Kostenlos anmelden\"\/>\n<p class=\"info-txt\"><\/p>\n<\/form>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzte Woche hat Deutschlands gr\u00f6\u00dfer Softwarekonzern SAP Q-Zahlen vorgelegt, die im Rahmen der Erwartungen liegen: 12% Umsatzwachstum auf 8,44 Mrd. 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