{"id":6756,"date":"2023-02-02T10:25:01","date_gmt":"2023-02-02T09:25:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.heibel-unplugged.de\/?p=6756"},"modified":"2023-02-02T10:25:04","modified_gmt":"2023-02-02T09:25:04","slug":"weiterhin-hohe-zinsen-wegen-niedriger-arbeitslosigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/weiterhin-hohe-zinsen-wegen-niedriger-arbeitslosigkeit\/","title":{"rendered":"Weiterhin hohe Zinsen wegen niedriger Arbeitslosigkeit"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich habe mir Gedanken um den Arbeitsmarkt gemacht: Wir h\u00f6ren t\u00e4glich von neuen Entlassungswellen, doch die Arbeitslosenquote bleibt niedrig und soll es Prognosen zufolge auch bleiben. Was bedeutet das f\u00fcr unsere Wirtschaft, und was f\u00fcr die Inflation?<\/p>\n\n\n\n<p>Heibel-Ticker Abonnenten wissen, dass die r\u00fcckl\u00e4ufigen Inflationszahlen bei mir noch nicht unbedingt f\u00fcr Entspannung sorgen. Mittelfristig, also auf Sicht von 12-18 Monaten, kann sich die Inflation durchaus abmildern. Das liegt zum einen am Basiseffekt (die Vorjahreszahl ist irgendwann bereits auf dem h\u00f6heren Niveau, so dass der weitere Anstieg prozentual kleiner ausf\u00e4llt) und zum anderen an den nachlassenden Lieferkettenproblemen. Die Rohstoffpreise sind \u00fcberwiegend bereits wieder auf das Niveau von Mitte 2021 zur\u00fcckgefallen.<br \/><br \/>Doch die Entscheidung, ob wir ein Jahrzehnt hoher Inflation wie in den 1970ern bekommen, oder nicht, findet auf dem Arbeitsmarkt statt. Es gibt derzeit weder in Deutschland, noch in den USA eine nennenswerte Arbeitslosigkeit. Wir Volkswirte bezeichnen eine Arbeitslosenquote von 4% als &#8222;Vollbesch\u00e4ftigung&#8220;, da wir sch\u00e4tzen, dass zu jedem Zeitpunkt etwa 4% aller Angestellten sich neu orientieren. Eine niedrigere Arbeitslosenquote ist daher eigentlich nicht m\u00f6glich.<br \/><br \/>Obwohl wir auf einen Konjunkturabschwung zulaufen, haben wir in Deutschland eine Arbeitslosenquote von nur 5,4%. In den USA betr\u00e4gt die Arbeitslosenquote aktuell sogar nur 3,5%. F\u00fcr das Jahr 2023 wird ein stabiler Arbeitsmarkt prognostiziert. Um die Bedeutung dieser Prognose besser einzuordnen, habe ich mal die letzten Meldungen f\u00fcr Sie zusammen gestellt:<br \/><br \/>Alphabet CEO Sundar Pichai verk\u00fcndete die Streichung von 12.000 Stellen, 6% der globalen Besch\u00e4ftigten.<br \/><br \/>Microsoft setzt 10.000 Mitarbeiter frei, 5% der Mitarbeiter.<br \/><br \/>Amazon CEO Andy Jassy verk\u00fcndete die Streichung von 18.000 Stellen, rund 1,1% der 1,6 Mio. Mitarbeiter. W\u00e4hrend der Corona-Pandemie hatte Amazon 300.000 neue Mitarbeiter eingestellt.<br \/><br \/>Salesforce k\u00fcrzt die Belegschaft um 10% bzw. 7.000 Mitarbeiter.<br \/><br \/>Meta Platforms war schon schneller, denn bereits im November wurde die Streichung von 11.000 Mitarbeitern bzw. 13% der Belegschaft angek\u00fcndigt. CEO Mark Zuckerberg machte diese Ank\u00fcndigung und erzeugte damit einen Kursrutsch von 25%.<br \/><br \/>Spotify k\u00fcrzt die Belegschaft um 6% bzw. 600 Stellen.<br \/><br \/>Heute geht&#8217;s nun los mit wirklich nennenswerten Stellenstreichungen: Spielzeughersteller Hasbro (Monopoly, Cluedo) warnt vor einem schwachen Weihnachtsgesch\u00e4ft, feuert den COO (Chief Operative Officer) und streicht 1.000 Stellen, was 15% der Belegschaft entspricht.<br \/><br \/>Trotz dieser wachsenden Liste von Entlassungswellen bleibt der Arbeitsmarkt im Jahr 2023 angespannt: Fachkr\u00e4ftemangel und hohe Lohnforderungen bestimmen die Schlagzeilen. Die frei werdenden Arbeitskr\u00e4fte werden offensichtlich ohne Probleme von anderen Arbeitgebern aufgesogen. Druck auf das Lohnniveau ist nicht zu erkennen. <\/p>\n\n\n\n<p>Und damit bleibt der Treiber einer m\u00f6glichen zweiten Welle der Inflation intakt: Lohnsteigerungen f\u00fchren zu mehr Geld im Portemonnaie der Bev\u00f6lkerung und damit zu einer h\u00f6heren Kaufkraft beim Konsumenten.<br \/><br \/>Gleichzeitig drehen die Fr\u00fchindikatoren f\u00fcr die Konjunktur schon wieder ins Gr\u00fcne: ifo-Gesch\u00e4ftserwartung kam besser rein als erwartet, US-Erstantr\u00e4ge auf Arbeitslosenhilfe waren niedriger als erwartet, der Einkaufsmanagerindex in Deutschland lag \u00fcber den Erwartungen und zeigt schon wieder ein anziehendes Gesch\u00e4ft.<br \/><br \/>Gestern hat der US-Notenbankchef Jay Powell seine Zinsentscheidung bekannt geben. Es gibt einen Zinsschritt von &#8222;nur&#8220; 0,25%. Wichtiger sind seine Worte. Einige Volkswirte erwarteten bereits, dass keine weiteren Zinsanhebungen mehr folgen werden. Die Mehrzahl ging von noch einem kleinen Zinsschritt am 22. M\u00e4rz aus.<br \/><br \/>Ich gehe davon aus, dass Jay Powell die konjunkturelle Entwicklung und deren Auswirkung auf die Inflation \u00e4hnlich kritisch verfolgt wie ich. Daher fallen seine Worte meiner Einsch\u00e4tzung nach einmal mehr hart aus und senden noch keine finalen Signale der Entspannung. Im Gegenteil, er verk\u00fcndet weitere Zinsschritte, um die Inflation im Zaum zu halten.<br \/><br \/>Bei Christine Lagarde bin ich mir nicht sicher, da bei ihr keine volkswirtschaftlichen Kenntnisse vorhanden zu sein scheinen. Immerhin hat sie zuletzt in Davos betont, dass Sie weiterhin den Leitzins in Europa anheben werde. Oberstes Ziel sei, die Inflation einzud\u00e4mmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Powell hat sich gestern ge\u00e4u\u00dfert, Lagarde ist heute dran. Nachdem sie viel zu sp\u00e4t mit den Zinsschritten begonnen hat, scheint sie sich nun mit Powell abgesprochen zu haben. Ich k\u00f6nnte mir vorstellen, dass sie dieses Mal \u00e4hnlich strikt weitere Zinsanhebungen in Aussicht stellen wird, wie Powell.<br \/><br \/>Was die m\u00f6glichen Zinsentscheidungen f\u00fcr die Aktienm\u00e4rkte bedeuten, habe ich in unserem aktuellen Ausblick im PLUS Kapitel 04 besprochen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<form class=\"new_abo\" style=\"margin: 0px;\" action=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/abo\" method=\"post\">\n<h2 class=\"sgny-widget-title\"><font color=\"blue\">\u00dcber 25.000 Leser vertrauen dem Heibel-Ticker<\/font><\/h2>\n<br \/>\n<div class=\"mc4wp-form-fields\">Seit 1998 verfolge ich begeistert die B\u00f6rsen der USA und Europas. 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