{"id":6818,"date":"2023-04-04T12:42:35","date_gmt":"2023-04-04T10:42:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.heibel-unplugged.de\/?p=6818"},"modified":"2023-05-10T12:17:50","modified_gmt":"2023-05-10T10:17:50","slug":"bewertungsfehler-bei-analyse-der-tesla-aktie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/bewertungsfehler-bei-analyse-der-tesla-aktie\/","title":{"rendered":"Bewertungsfehler bei Analyse der Tesla Aktie"},"content":{"rendered":"\n<p>Jeder Analyst hat eine Meinung zu Tesla. Sehr viele Analysten haben ihre Meinung auch in Zahlen ausgedr\u00fcckt und entsprechende Kursziele ausgerechnet. Diese Ziele waren beides, entweder zu hoch, oder zu niedrig. Nur eines waren sie nie: richtig.<br \/><br \/>Woran liegt das? Was macht es so schwer, ein vern\u00fcnftiges Kursziel f\u00fcr Tesla zu errechnen?<br \/><br \/>Ein amerikanischer Analyst, der sich auf die DCF-Analyse verl\u00e4sst, hat eine ausf\u00fchrliche Analyse seiner Fehler der vergangenen 13 Jahre vorgenommen und ver\u00f6ffentlicht (als E-Mail, daher kann ich Ihnen keinen Link geben). Ein DCF-Modell (Discounted CashFlow) sch\u00e4tzt die Cashflow-Entwicklung der Zukunft, macht daf\u00fcr Annahmen und errechnet einen abdiskontierten Wert f\u00fcr die Gegenwart, der dann als \u201efairer\u201d Wert bezeichnet wird. Ich habe die wichtigsten Erkenntnisse f\u00fcr Sie herausgezogen.<br \/><br \/><strong>Als ersten Fehler <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>macht der Analyst ein Untersch\u00e4tzen des Wachstumspotentials Teslas aus. Im Jahr 2013 habe er in seinem DCF-Modell ein exorbitantes Wachstum f\u00fcr 10 Jahre angenommen, danach jedoch kein weiteres Wachstum mehr eingerechnet. F\u00fcr 2023 rechnete er mit einem Jahresumsatz von 64 Mrd. USD und lag damit gar nicht so weit weg von den tats\u00e4chlichen Zahlen: F\u00fcr 2022 hat Tesla einen Jahresumsatz von 73 Mrd. USD vermeldet.<br \/><br \/>Allerdings konnte sich der Analyst nicht vorstellen, dass Tesla einen gr\u00f6\u00dferen Marktanteil erobern w\u00fcrde als eine E-Mobilit\u00e4tsnische. Immerhin gab es \u00fcber Jahrzehnte im Automobilsektor keinen neuen Wettbewerber f\u00fcr die etablierten Weltkonzerne. Marktanteile verschoben sich nur geringf\u00fcgig oder wurden \u00fcber Fusionen und \u00dcbernahmen neu verteilt.<br \/><br \/>So ist der gro\u00dfe mathematische Irrtum in der ewigen Wachstumsrate zu sehen, die bei Tesla vor 10 Jahren auf Null gesetzt wurde, tats\u00e4chlich betr\u00e4gt das Wachstum auch heute noch 25% und mehr!<br \/><br \/><strong>Der zweite Fehler,<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>den der Analyst machte, war, Tesla als Automobilhersteller zu bewerten, nicht als Anbieter von Elektronikartikeln und Software.<br \/><br \/>Die Gewinnmarge liegt bei Automobilkonzernen durchschnittlich bei 6-8%. Tesla hingegen konnte 2022 eine Marge von 16,6% erzielen und kann daher nicht mit Bewertungskennziffern eingestuft werden, die eigentlich f\u00fcr die margenschwachen Automobilhersteller gelten.<br \/><br \/>Mag sein, dass die Marge aufgrund der Inflation und vielleicht auch aufgrund des nunmehr endlich anziehenden Wettbewerbs ein wenig unter Druck ger\u00e4t. Immerhin hat Tesla zuletzt mehrfach seine Verkaufspreise reduziert. Dennoch ist der Margenabstand zwischen Tesla und \u201edem Rest\u201d gigantisch und erm\u00f6glicht es Tesla, zuk\u00fcnftig auch \u00fcber den Preis neue Kunden zu gewinnen.<br \/><br \/><strong>Als dritten Fehler <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>nennt der Analyst seine aus der Autoindustrie abgeleitete Annahme zum CAPEX, also zu den Investitionen, die regelm\u00e4\u00dfig zur Aufrechterhaltung des Gesch\u00e4fts erforderlich sind.<br \/><br \/>In der Automobilindustrie werden typischerweise 5-6% des Umsatzes reinvestiert, Tesla konnte sein Wachstum mit deutlich weniger erreichen und kann seine Bilanz dadurch deutlich besser hebeln, die Umsatz zum Kapital Quote ist deutlich h\u00f6her.<br \/><br \/>Mit Hilfe dieser (falschen) Annahmen kam der Analyst auf einen fairen Wert, der nur 40% des damaligen Kurswertes betrug. Im Anschluss ist nicht die Aktie in Richtung ihres \u201efairen\u201d Wertes gelaufen, sondern wurde \u00fcber die Zeit nur noch teurer und teurer.<br \/><br \/>Im Jahr 2019 wurde die DCF-Analyse mit den hier genannten Erkenntnissen aktualisiert. Es konnte ein fairer Wert ermittelt werden, der dieses Mal um 40% \u00fcber dem aktuellen Aktienkurs lag.<br \/><br \/>Unter gro\u00dfen Schwankungen konnte der Kurs im Anschluss bis Ende 2021 nicht um 40%, sondern um 700% zulegen (in Worten: siebenhundert!)\u2026 seither folgte jedoch ein Kurseinbruch um 70%.<br \/><br \/>Der Analyst f\u00fchrt diese heftigen Schwankungen nun auf die Komponente \u201eElon Musk\u201d zur\u00fcck. Der Gr\u00fcnder und CEO sorgt immer wieder f\u00fcr Schlagzeilen. In einem Augenblick bestrahlt seine Genialit\u00e4t alle Kritiker, im n\u00e4chsten Augenblick wird er als Gefahr f\u00fcr Tesla wahrgenommen.<br \/><br \/>Die Situation ist schon irre: Das Wachstum, den Erfolg von Tesla kann man mit Zahlen nicht darstellen. Elon Musk hat das Unm\u00f6gliche m\u00f6glich gemacht: Er hat einen neuen Automobilhersteller in der Welt etabliert. Das ist nicht durch vern\u00fcnftige Entscheidungen gelungen, sondern durch Genialit\u00e4t und durch ein wenig verr\u00fcckte Ideen.<br \/><br \/>Wenn nun also Analysten gelernt haben, dass der Erfolg Teslas nicht mit herk\u00f6mmlichen Modellen nachgerechnet werden kann, dann muss man dem Gr\u00fcnder und CEO Elon Musk ein gr\u00f6\u00dferes Gewicht bei der fairen Bewertung zugestehen.<br \/><br \/>Doch wenn dieser dann w\u00e4hrend einer Radiosendung beim Gras-Rauchen gefilmt wird, sich mit fragw\u00fcrdigen Aussagen zur finanziellen Situation seines Konzerns zu weit aus dem Fenster lehnt und schlie\u00dflich auf eine Mission zur Weltverbesserung durch ehrlichen Journalismus \u00fcber Twitter aufbricht, ger\u00e4t der Musk-Bonus in der Bewertung von Tesla ins Schwanken.<br \/><br \/>Ich pers\u00f6nlich habe die Ausarbeitung des Analysten mit gro\u00dfem Interesse gelesen, denn auch ich bin bei Tesla immer wieder in die Irre gef\u00fchrt worden. Ich erkenne Parallelen zu Amazon.<br \/><br \/>Amazon war im Jahr 1997 an die B\u00f6rse gegangen. Ich war damals bereits einer der ersten Kunden von Amazon in Deutschland und ich war von Anfang an \u00fcberzeugt, sowohl vom Gesch\u00e4ftsmodell als auch vom Gr\u00fcnder und CEO Jeff Bezos, \u00fcber den ich mich damals schlau gemacht hatte.<br \/><br \/>Doch genau wie Tesla war auch Amazon von Tag 1 an f\u00fcr meinen Geschmack zu hoch bewertet. Ich habe \u00fcber die Jahre immer wieder mal Amazon-Aktien gekauft, genau wie bei Tesla, und konnte damit mitunter gut verdienen. Doch den Mut, die Position \u00fcber 10 Jahre liegen zu lassen, hatte ich nicht. Der gro\u00dfe Gewinn blieb mir daher verwehrt, obwohl ich doch inhaltlich fr\u00fchzeitig \u00fcberzeugt war und das in meinen Augen \u00fcberlegene Gesch\u00e4ftsmodell gegen\u00fcber den intellektuell vermeintlich \u00fcberlegenen Kritikern stets verteidigt habe.<br \/><br \/>Ist es Zufall, dass eine von zig Gesch\u00e4ftsideen so durchstartet? Oder gibt es Gemeinsamkeiten bei den Erfolgsgeschichten unserer Generation: Microsoft, Apple (da waren wir mit dem Heibel-Ticker immerhin \u00fcber 15 Jahre dabei!), Nvidia (ist deren Erfolgsgeschichte schon zu Ende?), \u2026?<br \/><br \/><strong>Ich ziehe aus dieser Betrachtung eine wesentliche Erkenntnis<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit Finanzmathematik und Gehirnschmalz, mit guten Informationen und schnellem Marktzugang kann man ein wenig besser abschneiden als der Durchschnitt. F\u00fcr wirklich \u00fcberragende Ergebnisse muss man vermutlich mehr auf seinen Bauch h\u00f6ren. Doch dem darf man nicht sein gesamtes Verm\u00f6gen anvertrauen, sondern h\u00f6chstens mal die eine oder andere spekulative Position.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine komplette Einsch\u00e4tzung gibt es unter <a href=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/heibel_tickers\/2075#ch02\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.heibel-ticker.de\/heibel_tickers\/2075#ch02<\/a>. Dort k\u00f6nnen Sie sich auch kostenlos f\u00fcr w\u00f6chentliche weitere Einsch\u00e4tzungen f\u00fcr Privatanleger anmelden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jeder Analyst hat eine Meinung zu Tesla. Sehr viele Analysten haben ihre Meinung auch in Zahlen ausgedr\u00fcckt und entsprechende Kursziele ausgerechnet. Diese Ziele waren beides, entweder zu hoch, oder zu niedrig. Nur eines waren sie nie: richtig. Woran liegt das? Was macht es so schwer, ein vern\u00fcnftiges Kursziel f\u00fcr Tesla zu errechnen? 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