{"id":6822,"date":"2023-04-18T10:16:55","date_gmt":"2023-04-18T08:16:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.heibel-unplugged.de\/?p=6822"},"modified":"2023-05-10T12:16:58","modified_gmt":"2023-05-10T10:16:58","slug":"katastrophen-koennen-auch-ausbleiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/katastrophen-koennen-auch-ausbleiben\/","title":{"rendered":"Katastrophen k\u00f6nnen auch ausbleiben"},"content":{"rendered":"\n<p>Im aktuellen B\u00f6rsenausblick gebe ich meine Einsch\u00e4tzung zu einem drohenden Crash der Gewerbeimmobilien, zu einer drohenden Auseinandersetzung um Taiwan sowie zum Ukrainekrieg.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gefahren sind hinl\u00e4nglich bekannt. Ich schaue nach, was passieren w\u00fcrde, wenn die Gefahren Gefahren bleiben, jedoch nicht eintreten. Aus diesem Blickwinkel hat die aktuelle Rallye sogar noch Luft nach oben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die am Freitag ver\u00f6ffentlichen Q-Zahlen der gro\u00dfen US-Banken zeigen, dass die Bankkrise der mittelgro\u00dfen US-Banken nicht auf die Gro\u00dfbanken ausgestrahlt hat. Im Gegenteil, deren verwaltetes Verm\u00f6gen ist angestiegen, weil Kunden ihre Gelder von den vermeintlich wackeligen mittelgro\u00dfen Banken zu den gro\u00dfen \u00fcbertragen haben.<br \/><br \/>Der Gro\u00dfteil der Investitionsfinanzierungen wird jedoch gerade durch die mittelgro\u00dfen Banken realisiert. Wenn bei denen Kapital abgezogen wird, dann m\u00fcssen sie ihre Kreditvergabe einschr\u00e4nken. Wenngleich wir heute also positive Daten der Gro\u00dfbanken sehen, was die Aktienm\u00e4rkte zu einem positiven B\u00f6rsentag animiert, so d\u00fcrfen wir doch nicht vergessen, dass Investitionen nunmehr schwerer zu finanzieren sind.<br \/><br \/>Doch genau das ist ja auch ein positiver Effekt, wenn wir die Brille der US-Notenbank aufsetzen: Knappere Finanzierungsbedingungen f\u00fcr Investitionen helfen der Fed beim Kampf gegen die Inflation. Die Zinserh\u00f6hungen der Fed k\u00f6nnen also fr\u00fcher enden als zuvor bef\u00fcrchtet. Vielleicht gibt es im laufenden Jahr sogar schon erste Zinssenkungen. Zus\u00e4tzlich hilft noch der Basiseffekt, denn viele Rohstoffpreise sind heute g\u00fcnstiger als vor einem Jahr und wirken sich daher bremsend auf die aktuelle Inflationsziffer aus.<br \/><br \/>Mahner deuten auf die Kerninflation, die allerdings weiter ansteigt. Bei der Kerninflation betrachtet man das Preisniveau der Endprodukte f\u00fcr den Konsumenten, um die mitunter heftigen Preisschwankungen der Rohstoffm\u00e4rkte unber\u00fccksichtigt zu lassen: Wie viel Teuerung kommt denn aktuell wirklich bei der Bev\u00f6lkerung an? Und da sieht es sowohl in den USA als auch in Europa noch nicht gut aus, die Kerninflation steigt noch immer an.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Drohender Crash der Gewerbeimmobilien<\/h2>\n\n\n\n<p>Somit bleibt der Zinsmarkt ein Thema. Und entsprechend bleiben die Sorgen um den Immobilienmarkt, mit der Popularit\u00e4t des Heimarbeitsplatzes insbesondere des Gewerbeimmobilienmarktes, gro\u00df. Mahner bef\u00fcrchten den n\u00e4chsten Immobiliencrash, wenn steigende variable Finanzierungskosten in die Bilanzen von Unternehmen schneiden.<br \/><br \/>Es w\u00e4re nicht das erste Mal, dass die Notenbank Gefahren ihrer Aktionen untersch\u00e4tzt und die Zinsschraube \u00fcberdreht. Es w\u00e4re auch nicht das zweite Mal, sondern es w\u00e4re, so bitter das auch sein mag, der Normalfall. Es lohnt sich also, diesen Markt im Blick zu behalten. Dennoch d\u00fcrfte es meiner Einsch\u00e4tzung nach eine Weile dauern, bis zu hohe Finanzierungskosten bei Gewerbeimmobilien zu Problemen f\u00fchren, die sich auf die Gesamtwirtschaft ausweiten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ukrainekrieg<\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn wir uns den Verlauf des Ukrainekrieges aus Sicht der Finanzm\u00e4rkte betrachten, so befinden wir uns seit langem in einer neuen Normalit\u00e4t: Kriegswirtschaft hei\u00dft das Stichwort, mit dem viele Entscheidungen getroffen werden. Eine negative \u00dcberraschung ist an dieser Nachrichtenfront kaum mehr m\u00f6glich, vielmehr w\u00e4re ein m\u00f6gliches Ende, m\u00f6gliche Verhandlungen eine positive \u00dcberraschung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Drohende Auseinandersetzung um Taiwan<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Taiwan-Problematik hat sich in den vergangenen Wochen zugespitzt. Die USA haben eine klare Haltung. In Europa scheinen wir noch Diskussionsbedarf zu haben. Ungeachtet dessen w\u00e4re eine weitere Versch\u00e4rfung des Konflikts, beispielsweise durch eine Blockade der Schifffahrtsrouten um Taiwan seitens Chinas, wie es seit einigen Tagen diskutiert wird, eine Katastrophe. Gef\u00fchlt werden alle Chips der Welt in Taiwan hergestellt. Die Produktionskapazit\u00e4ten au\u00dferhalb Taiwans sind sehr klein.<br \/><br \/>PVA Tepla w\u00fcrde von einem solchen Szenario profitieren, denn man m\u00fcsste in Windeseile Chipfabriken in Europa aus dem Boden stampfen. In den USA laufen bereits entsprechende Programme, um sich ein wenig unabh\u00e4ngiger von diesem Problem zu machen. Ich war davon ausgegangen, dass auch Europa in dieser Hinsicht vorbauen w\u00fcrde, doch davon ist bislang nichts zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt also gen\u00fcgend Probleme und drohende Gefahren, um den extremen Pessimismus, den wir in unserer aktuellen Investoren Umfrage messen, zu erkl\u00e4ren. Doch solange die Situation nicht eskaliert, d\u00fcrften die Aktienm\u00e4rkte weiter ansteigen. Wir sehen, wie gut die Quartalszahlen ausfallen. Unternehmensprognosen werden angehoben, je l\u00e4nger die Bef\u00fcrchtungen nicht eintreten. Ich habe eine Wette laufen, dass wir bis Ende Mai noch ein neues Allzeithoch im DAX sehen werden.<br \/><br \/><strong>Doch setzen wir mal die rosarote Brille auf: Wie k\u00f6nnte denn eine positive Entwicklung aussehen?<\/strong><br \/><br \/>Nun, China ist in internationalen Fragen sehr geduldig und setzt auf kontinuierliche Entwicklungen, eine milit\u00e4rische Konfrontation wird dort eigentlich vermieden. Mit Hongkong hat man es vorgemacht, wie man abtr\u00fcnnige Regionen zur\u00fcckholt. Ich w\u00e4re daher nicht \u00fcberrascht, wenn das gro\u00dfe, negative Ereignis ausbleibt. Die aktuelle Milit\u00e4roperation ist ein weiterer, kleiner Schritt, der zwar im Westen kritisiert wird, aber nicht zum Abbruch der Handelsbeziehungen f\u00fchrt.<br \/><br \/>Die Zinsanhebungen sind nun keine \u00dcberraschung mehr und das neue Zinsniveau, mit dem wir uns derzeit am langen Ende (Immobilienfinanzierungen) abfinden m\u00fcssen, ist bereits deutlich niedriger als noch im vergangenen Sommer. Das mag bei einigen Unternehmen Schmerzen verursachen, doch ein Gewerbeimmobiliencrash wird nicht zwangsl\u00e4ufig kommen.<br \/><br \/>Wenn also die Katastrophen ausbleiben, dann werden sich insbesondere Wachstumsunternehmen \u00fcber das Ende der Zinsanhebungen freuen. Tech-Unternehmen wurden im vergangenen Jahr ausverkauft. Meta und Nvidia haben seither bereits Kurserholungen von bis zu 100% erfahren. Wurde noch vor anderthalb Jahren das Bewertungsniveau vieler Tech-Unternehmen als viel zu hoch betrachtet, so zeigt sich heute schon, dass die Unternehmen sehr schnell in diese hohen Bewertungen hineingewachsen sind. Insbesondere die Gewinnsituation hat sich \u00fcberraschend positiv entwickelt, weil die Schwarzmalerei der vergangenen Monate dem Management den erforderlichen R\u00fcckhalt f\u00fcr harte Einschnitte gegeben hat.<br \/><br \/>Die Meldungen mehren sich, dass wir vielleicht doch keine Rezession bekommen, sondern nur eine Konjunkturschw\u00e4che. Entsprechend d\u00fcrften viele Rohstoffunternehmen und Industrieunternehmen deutlich ansteigen. Auch die Logistiker und Chemieunternehmen d\u00fcrften von einer geringeren Rezessionsgefahr profitieren. Na, und wenn das nicht reicht, dann sollten auch mehr Autos verkauft werden und die Banken d\u00fcrfen sich dank weniger Insolvenzen \u00fcber eine Gesundung ihrer Bilanzen freuen.<br \/><br \/>Ganz sch\u00f6n viel, was noch ansteigen kann, oder?<br \/><br \/>Daher nochmals zur Erinnerung: Ich gehe bislang davon aus, dass wir bis in den Mai hinein keine dramatischen Korrekturen sehen werden. Den Sommer hindurch k\u00f6nnte es zu der einen oder andere Konsolidierung der erzielten Kursgewinne kommen und ab September\/ Oktober sollte dann ein Jahresendspurt starten.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber Sie wissen ja: Ich brauche einen Fahrplan allein schon daf\u00fcr, um beurteilen zu k\u00f6nnen, wenn die Entwicklung davon abweicht. Es ist also eine Arbeitshypothese, nach der ich mich richte, solange sie passt. Wenn&#8217;s nicht mehr passt, \u00e4ndere ich unsere Strategie \ud83d\ude42<\/p>\n\n\n\n<p>Neue Einsch\u00e4tzungen k\u00f6nnen Sie sich freitags in Ihr Mailfach schicken lassen: <a href=\"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/\">heibel-ticker.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im aktuellen B\u00f6rsenausblick gebe ich meine Einsch\u00e4tzung zu einem drohenden Crash der Gewerbeimmobilien, zu einer drohenden Auseinandersetzung um Taiwan sowie zum Ukrainekrieg. Die Gefahren sind hinl\u00e4nglich bekannt. Ich schaue nach, was passieren w\u00fcrde, wenn die Gefahren Gefahren bleiben, jedoch nicht eintreten. Aus diesem Blickwinkel hat die aktuelle Rallye sogar noch Luft nach oben. 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