{"id":802,"date":"2009-01-28T07:41:00","date_gmt":"2009-01-28T06:41:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.heibel-unplugged.de\/802,boersenanalyse-tim-geithner-ist-eine-umstrittene-person\/"},"modified":"2022-02-09T10:18:17","modified_gmt":"2022-02-09T09:18:17","slug":"boersenanalyse-tim-geithner-ist-eine-umstrittene-person","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.heibel-ticker.de\/blog\/boersenanalyse-tim-geithner-ist-eine-umstrittene-person\/","title":{"rendered":"B\u00f6rsenanalyse: Tim Geithner ist eine umstrittene Person"},"content":{"rendered":"<p>Sehr geehrter Herr Heibel,<\/p>\n<p>gerne lese ich Ihre w\u00f6chentlichen Beitr\u00e4ge. Diesmal bin ich aber mit einem Teil ihres Beitrags nicht einverstanden. Sie schie\u00dfen sich wie ich meine hier v\u00f6llig zu Unrecht auf den neuen Finanzminister Timothy Geithner ein. Zu allererst ist anzumerken, dass Geithner eben nicht aus der Finanzbranche kommt (so wie die meisten seiner letzten Vorg\u00e4nger unter Bush). Er kommt aus dem akademischen Kreis und hat in seiner jungen Karriere schon \u00fcberall gearbeitet (zum Gl\u00fcck aber nie bei einer Wall Street Bank). All die inkompetenten Vorg\u00e4nger von Geithner (O&#8217;Neill, Snow, Paulson) waren alle der Gro\u00dfindustrie oder Finanzindustrie verhaftet und konnten gar nicht anders als die Bush-Doktrin &#8222;Take it from the poor, give it to the rich&#8220; zu befolgen.<\/p>\n<p>Ich meine, Geithner ist endlich die langersehnte Abwechslung. Seine Beliebtheit in der Finanzbranche hat einen Grund: Der Kerl ist eloquent, lebte auf der ganzen Welt und hat Finanzwissen wie kein zweiter auf der Welt. Alleine seine j\u00fcngsten Bem\u00fchungen den CDS-Markt endlich zu regulieren, war l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig und w\u00e4re unter einem Hank Paulson nie passiert. Die einzig bessere Wahl w\u00e4re wohl Paul Volcker gewesen, aber der Knecht ist halt schon etwas zu alt f\u00fcr den Stressjob.<\/p>\n<p>Es ist leicht auf Bernanke und Geithner als FED-Chiefs hinzuhauen und mit guten Ratschl\u00e4gen im Nachhinein zu brillieren. Bernanke ist ein armer Hund: Er hat von Greenspan einen Tr\u00fcmmerhaufen geerbt, den er jetzt mit allen Mitteln am Laufen erhalten muss. Ich denke, nur den Aktionen von Bernanke und Geithner ist es zu verdanken, dass die Welt noch nicht in eine langanhaltende Depression und die Aktienm\u00e4rkte v\u00f6llig verfallen sind. Man kann \u00fcber seine Aktionen diskutieren. Im Angesicht des Ausma\u00dfes der Krise w\u00e4re Bernanke aber dumm, die Leitw\u00e4hrung USD nicht zu nutzen um Amerika auf Kosten der restlichen Welt zu sanieren. Die USA k\u00f6nnen sich praktisch zum Nulltarif in der ganzen Welt verschulden und Bernanke nutzt dieses Instrument meiner Ansicht nach perfekt.<\/p>\n<p>Ihre Ratschl\u00e4ge zum Immo-Markt sind sch\u00f6n anzuh\u00f6ren, aber meiner Meinung nach, muss man zu allererst einmal nachdenken, was mit den zig Tausenden H\u00e4usern passieren soll, die \u00fcber die Jahre gebaut wurden und in den n\u00e4chsten 20 Jahren nie mehr einen Bewohner haben werden. Abrei\u00dfen w\u00e4re wohl die beste L\u00f6sung um das Angebot auf ein gesundes Ma\u00df zu reduzieren. \u00d6konomisch w\u00e4re das nicht, aber es w\u00e4re die Art von Systembereinigung, die man wohl braucht. Wer die Kosten daf\u00fcr tr\u00e4gt und die Hypothekentr\u00e4ger entsch\u00e4digt, dies f\u00fchrt uns dann zu ihrem Vorschlag.<\/p>\n<p>Meiner Ansicht nach ist auch an den B\u00f6rsen noch l\u00e4ngst nicht alles ausgestanden. Ich rechne fest mit weiteren Einbr\u00fcchen von zumindest 30 bis 50%. Der Konsumlevel in den USA wird sich von aktuell ca. 70% auf mindestens 65% reduzieren in den n\u00e4chsten beiden Jahren. Die Sparquote wird massiv ansteigen. Zudem f\u00e4hrt China mit voller Wucht an die Wand (inkl. Volksaufst\u00e4nden, die ich noch heuer erwarte). Ich frage mich, wie unter solchen Voraussetzungen solche B\u00f6rseniveaus rund um die Welt zu rechtfertigen sind.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfen m\u00f6chte ich trotzdem mit einem dicken Lob an Sie. Ihr Brief gef\u00e4llt mir gut und hebt sich wohltuend von den besserwisserischen Mitbewerbern ab. Falls sie mal Zeit haben, w\u00fcrde ich mich freuen, wenn Sie Rio Tinto Ihrer Analyse unterwerfen k\u00f6nnen. Machen Sie weiter so!<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen, Florian aus Amstetten<\/p>\n<p>ANTWORT:<br \/>\nBesten Dank f\u00fcr Ihre ausf\u00fchrliche E-Mail und das dicke Lob :-). In vielen Punkten haben Sie Recht. In einem muss ich Ihnen jedoch widersprechen: Ich kritisiere Bernanke &amp; Geithner nicht im Nachhinein, sondern ich habe schon zu Zeiten Greenspans zu heftigen Zinssenkungen aufgerufen, um das Szenario, in dem wir uns heute befinden, zu vermeiden. Ich w\u00fcrde mich nicht so weit aus dem Fenster lehnen, wenn ich meine Meinung j\u00fcngst h\u00e4tte revidieren m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Sie haben Recht: Geithner hat nicht an der Wallstreet gearbeitet. Aber dennoch w\u00fcrde ich ihn als ehemaligen Chef der New York Federal Reserve der Finanzbranche zuordnen.<\/p>\n<p>Das Szenario, welches Sie f\u00fcr die n\u00e4chsten zwei Jahre beschreiben, will ich nicht ausschlie\u00dfen. Ich denke, das kann vermieden werden, wenn Geithner sich auf den Immobilienmarkt konzentrieren w\u00fcrde. Derzeit ist dies jedoch leider nicht der Fall, so dass auch ich ein weiteres Abrutschen der B\u00f6rsenindizes nicht ausschlie\u00dfen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Beinahe t\u00e4glich werden derzeit von Geithner und Obama weitere Schritte an den Finanzm\u00e4rkten verk\u00fcndet: Regulierungen, Vorschriften, &#8230; alles f\u00fcr die Finanzbranche. All das sind wichtige und richtige Schritte zu diesem Zeitpunkt in meinen Augen. Doch noch immer finde ich nichts, was dem Immobilienpreisverfall entgegenwirken k\u00f6nnte. Aber gut, vielleicht ist es wirklich noch zu fr\u00fch f\u00fcr eine Verurteilung Geithners: Ich werde meine Meinung revidieren, sollte er noch zur Einsicht kommen. {weiter[40|9]}<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehr geehrter Herr Heibel, gerne lese ich Ihre w\u00f6chentlichen Beitr\u00e4ge. Diesmal bin ich aber mit einem Teil ihres Beitrags nicht einverstanden. 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