• 16.8.: Heute im Heibel-Ticker: Rezession nicht unwahrscheinlich, Merkel, Powell und Xi müssen handeln http://bit.ly/309GOno #Börse #Aktien
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21.11.2018:

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H E I B E L - T I C K E R P L U S U P D A T E

F I N A N Z I N F O R M A T I O N E N

- Einfach einen Tick besser -
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DEUTSCHE BIBLIOTHEK : ISSN 1862-5436
13. Jahrgang - Update 25 (21.11.2018)
Erscheinungsweise: Bei Bedarf
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I N H A L T

01. TICKER-UPDATE: WAS, WENN DIE WELT UNTERGEHT?
02. DISCLAIMER / HAFTUNGSAUSSCHLUSS UND RISIKOHINWEISE
03. AN-/ABMELDUNG

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01. TICKER-UPDATE: WAS, WENN DIE WELT UNTERGEHT?
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Liebe Börsenfreunde,

Bei drei meiner vier Problempunkte gibt es Grund zur Hoffnung, dennoch werden die Aktienmärkte auf neue Tiefs ausverkauft. Zum ersten mal seit der Finanzkrise von 2008 war es falsch, heftige Kursrutsche für Käufe zu nutzen. Es ist an der Zeit darüber nachzudenken, ob sich grundlegend was geändert hat: Was, wenn die Welt nun tatsächlich untergeht?

Die Frage ist natürlich überspitzt zu sehen. Aber Sie kennen mich als unverbesserlichen Optimisten und daher muss ich mich bewusst dazu zwingen, einmal systematisch zu durchdenken, was alles schief gehen kann. Und da gibt es derzeit einiges!

Beginnen wir mit den vier bekannten Problemen:

1. USA/China-Handelsstreit
Anfang Oktober hat US-Vizepräsident Mike Pence eine Rede gehalten, aus der hervorgeht, dass China nicht mehr nur unfairer Wettbewerb im bilateralen Handel vorgeworfen wird, vielmehr wird Chinas geostrategische Ambition auf eine wichtigere, wenn nicht dominierende Rolle in der Weltpolitik kritisiert. Wer nach dieser Rede glaubt, in ein paar Tagen könnten sich die beiden Streithähne Xi und Trump auf die Abschaffung von Handelsbeschränkungen einigen und sodann die Strafzölle fallen lassen, der hat die Kritik von Mike Pence nicht verstanden.

Am vergangenen Wochenende legte Pence nach. Im Rahmen einer APEC-Sitzung lieferte er sich einen offenen Schlagabtausch mit Xi mit langen Listen von gegenseitigen Beschuldigungen. Alles Verhandlungstaktik? Hmm...

Trump hatte zwar vor vier Wochen vollmundig behauptet, eine Lösung sei möglich. Doch aktuelle Entwicklungen geben Anlass zum Zweifeln.

Ich kann also nur eine Münze werfen, wenn Sie mich Fragen, ob ich glaube, dass es im Rahmen des G20-Treffens am 30.11. und 1.12. in Argentinien zu einer Lösung des Handelsstreit kommen kann.

2. 1+3 Zinsanhebungen durch US-Notenbank
Im Dezember wird Fed-Chef Jay Powell den Leitzins um ein Viertel Prozent anheben. Für 2019 hat er Erwartungen für drei weitere Zinsschritte geschürt. Zu viel, sagen insbesondere Volkswirte, die auf die Finanzmärkte schauen.

Vor einer Woche ist Jay Powell sodann im Rahmen einer Podiumsdiskussion von seiner dogmatischen Linie (1+3) abgerückt und formulierte besonnener, dass er sich natürlich stets die konjunkturelle Entwicklung sowie auch konjunkturelle Frühindikatoren anschaue, um die richtige Zinsentscheidung zu treffen. Mehr kann man von ihm aktuell nicht verlangen. Doch für mehr als einen Tag mit steigenden Kursen hat diese Bemerkung nicht gereicht.

Die Zinsanhebung im Dezember würde ich als gegeben betrachten, denn nach seiner Oktober-Rede kann Powell da kaum noch zurück. Dennoch „wünschen“ sich viele Finanzmarktakteure, dass Powell doch möglichst schon im Dezember anerkennen werde, dass sich die US-Konjunktur abschwächt und daher bereits dieser Zinsschritt ausgelassen werden kann.

Es ist also zu befürchten, dass diese Anleger durch eine Zinsanhebung im Dezember enttäuscht werden. Es könnte erneut zu fallenden Kursen in Folge der Zinsentscheidung kommen.

3. Brexit
Theresa May hat den „Kompromiss“ durch’s Parlament gepeitscht. In unseren Medien wurde das als Durchbruch bei den Verhandlungen gefeiert. In der US-Presse war es eine kolossale Niederlage. May verlor zwei ihrer Minister. Sie ist angezählt. Zudem sei der Kompromiss nichts weiter als das, was die UE vorgeschrieben habe. Ein Zugehen der EU auf die Briten sei bis dato in keiner Weise erfolgt. Daher geht man in den USA auch davon aus, dass dieser Vorschlag noch gestoppt wird und dass die Wahrscheinlichkeit für einen ungeregelten Brexit dadurch drastisch steigt.

4. Italien
Ich habe es schon mehrfach geschrieben: Irgendwie habe ich keinen wirklichen Plan für das, was in Italien laufen könnte. Italien ist Kernland der EU und des Euros. Es wird nichts passieren, wenn Italien seinen Haushalt, wie beabsichtigt, umsetzt. Das Defizitverfahren, das in Brüssel nun gegen Italien gestartet wird, kann keine ernstzunehmenden Sanktionen zur Folge haben, denn dazu ist Italien zu wichtig.

Was allerdings passieren kann ist, dass die Finanzmärkte nun endgültig zu ihrer Eurokrise mit Italien im Zentrum des Sturms kommen. Das Kapital flüchtet bereits aus Europa, in den USA gibt es ohnehin derzeit viel bessere Zinsen. Bei den Finanzmarktkenntnissen unserer Politiker (Finanzmarktkenntnisse & Politiker = schwarzer Schimmel?) ist es durchaus möglich, dass man sich auf politischer Ebene in Sicherheit wiegt mit dem Drama um Italien, jedoch dabei nicht einkalkuliert, dass einen die Finanzmärkte überrollen können.

5. Ölpreissturz
In nur sechs Wochen ist der Ölpreis um 30% eingebrochen. Viel? Nun, 2014 gab der Ölpreis binnen 6 Monaten um 60% ab. Ein weiteres Jahr später betrug der Verlust sogar 75%. Zu Zeiten der Höchstkurse über 100 USD/Fass gab es bis zu 459.000 offene Spekulationen auf einen weiteren Preisanstieg. Nie zuvor gab es so viele optimistische Spekulanten, die mit Futures auf einen weiteren Ölpreisanstieg setzten.

Dieses Jahr gab es zeitweilig bis zu 739.000 offene bullische Kontrakte. Ein Preiseinbruch war also überfällig. Berichten zufolge haben unverhältnismäßig viele Hedgefonds auf eine Spread-Ausweitung zwischen Öl und Gas spekuliert: Egal, wohin sich Ölpreis und Gaspreis entwickeln, der Spekulant verdient daran, wenn sich der Ölpreis besser (oder nicht ganz so schlecht) wie der Gaspreis entwickelt.

Mit solchen Finanzinstrumenten fühlen sich Spekulanten sicher, denn Öl und Gas hängen beide an der Konjunktur und die beiden Preise beeinflussen sich sogar ein wenig. Doch während der Ölpreis um 30% einbrach, schoss der Gaspreis um 75%! nach oben.

Solche Preiskapriolen erfolgen nur, wenn große Spekulanten auf dem falschen Fuß erwischt werden. Die Gas-Shortpositionen der Spread-Spekulanten wurden vermutlich vom Margin Clark zwangsweise aufgelöst, ohne Rücksicht auf Preisentwicklung.

Das heißt, es gibt eine Menge Hedgefonds, die über die Kapitalabflüsse zum Jahresende hinaus Liquidität benötigen. Denn Barmittel werden zu 100% als Sicherheit für die Margin-Positionen angerechnet, Aktienbestände beispielsweise nur zu 50%. So folgt aus dem Schiefstand bei der Spread-Spekulation auf die zwangsweise Auflösung von Aktienpositionen durch Margin Clarks.

All das hat zur Folge, dass der Ölpreis sinkt, aber auch dass die Aktienkurse sinken. Und je stärker diese Preise sinken, desto weniger werden Aktien als Sicherheit wert. Es handelt sich um eine sich selbst verstärkende Abwärtsbewegung, die immer tiefere Kurse zur folge hat, solange der Teufelskreis nicht durchbrochen wird.

Hier steckt auch mein Fehler: Ich hatte vor einigen Wochen erwartet, dass sich die obigen vier Krisen nicht weiter zuspitzen können, und ging daher von einem abflauenden Verkaufsdruck als Ausgangslage für eine ordentliche Gegenbewegung aus. Doch der Verkaufsdruck ist mit sinkendem Ölpreis immer größer geworden. Es brauchte also keine neuen Krisen, um den Ausverkauf am Laufen zu halten.

Auf der anderen Seite ist vielmehr eine tatsächliche Lösung der Krisen erforderlich, um Überzeugungskäufe zu initiieren, die das Ende der Korrektur einläuten könnten. Doch Lösungen sind nicht in Sicht, lediglich Hoffnungen.

Es ist wichtig zu verstehen, dass die erzwungenen Verkäufe von großen Aktienpositionen, die aufgrund der hier beschriebenen, spekulativen Schieflage einiger Hedgefonds entsteht, nicht irgendwann vorbei ist, sondern mit fallenden Kursen immer wieder neu entsteht. Ein Ende ist erst dann zu erwarten, wenn alle spekulativen Positionen aufgelöst sind ... und das ist noch lange nicht der Fall, wenn ich mir die Commitments of Trade beim Öl anschaue: Noch immer sind 381.000 Long-Kontrakte im Markt.


Fazit:
Die für mich neue Erkenntnis lautet, in einem Bärenmarkt endet eine Korrektur nicht mehr, wenn keine neuen Negativ-Impulse mehr auftreten. Vielmehr ist offensichtlich ein klares, positives Signal erforderlich, um den negativen Teufelskreis zu durchbrechen.

Wenn diese Beobachtung stimmt, dann kann es durchaus in den kommenden Tagen einmal mehr zu einer Gegenbewegung kommen. Bleibt jedoch am 30.11. / 1.12. in Argentinien der positive Impuls aus, finden also Trump und Xi keinen Kompromiss, dann wird schon eine kleine Verkaufswelle den negativen Teufelskreis erneut in Gang setzen.

Vor einigen Wochen hatte ich Ihnen das Horror-Szenario von 10.100 Punkten im DAX genannt, denn dorthin könnte die aktuelle Korrektur uns in den nächsten Wochen führen. Charttechniker haben sich auf dieses Korrekturziel geeinigt und – man mag von der Charttechnik halten, was man will – in Zeiten der fundamentalen Ungewissheit übernehmen Spekulanten das Ruder, und die halten sich halt an solchen charttechnischen Zielen fest. Es könnte sich damit also schon fast um so etwas wie eine selbsterfüllende Prophezeiung handeln.

Wenn ich diese pessimistische Möglichkeit gegen die optimistische Möglichkeit, dass eine Lösung des USA/China-Handelsstreits möglich ist, stelle, dann möchte ich gar keine Wahrscheinlichkeiten vergeben. Ich denke es wird offensichtlich, dass beide Varianten möglich sind.

Mit unserem Portfolio sind wir jedoch immer noch überwiegend für eine ordentliche Gegenbewegung positioniert, also viel zu optimistisch. Wir werden unser Portfolio also in den kommenden Tagen weiter ausdünnen müssen.

Ihr
Börsenschreibel

Stephan Heibel

Chefredakteur und
Herausgeber des
Heibel-Ticker

P.S.: Lassen Sie mich Ihre Meinung, Kritik oder
Verbesserungsvorschläge wissen (selbst Lob ist willkommen ;-)
und schreiben Sie mir an leserbrief/at/heibel-ticker/./de.


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02. DISCLAIMER / HAFTUNGSAUSSCHLUSS UND RISIKOHINWEISE
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Wer un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen
nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte
un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen in Umlauf
setzt, wird mit Lust-, manchmal auch mit Erkenntnisgewinn
belohnt; und wenn alles gut geht, fällt davon sogar etwas für
Sie ab. (frei nach Robert Gernhardt)

Wir recherchieren sorgfältig und richten uns selber
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Die Verwendung der Inhalte dieses Heibel-Tickers erfolgt
auf eigene Gefahr. Die Geldanlage an der Börse
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Es tut mir Leid, dass im Heibel-Ticker nicht die viel
versprechenden neuen Regeln der Rechtschreibreform
berücksichtigt werden, aber ich müsste Kopf stehen, um
diese zu verstehen.

Quellen:
Kurse: Deutsche Kurse von comdirect.de, Goldbarren von proaurum.de, US-Kurse von finance.yahoo.com. Alle Kurse sind
Schlusskurse vom Donnerstag sofern nichts Gegenteiliges vermerkt ist.
Bilanzdaten: Comdirect, Yahoo! Finance sowie Geschäftsberichte der Unternehmen
Informationsquellen: dpa-AFX, Aktiencheck, Yahoo! Finance, TheStreet.com, IR-Abteilung der betreffenden Unternehmen


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03. AN-/ABMELDUNG
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Heibel-Ticker Ende
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