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08.02.2019:



H E I B E L - T I C K E R    P L U S

F I N A N Z I N F O R M A T I O N E N

- Einfach einen Tick besser -



DEUTSCHE BIBLIOTHEK : ISSN 1862-5436

14. Jahrgang - Ausgabe 06 (08.02.2019)
Erscheinungsweise: wöchentlich Freitag/Samstag



I N H A L T

01.Info-Kicker: Es geht wieder rund
02.So tickt die Börse: 2G Energy kämpft um Aufmerksamkeit
 - 2G Energy fast übersehen
 - Marktbetrachtung: Katerstimmung
 - Wochenperformance der wichtigsten Indizes
03.Sentiment: Januar-Aufschwung beendet, schlechte Laune hält sich in Grenzen
 -
04.Ausblick: Vom Ausverkauf profitieren
 - FinTech Group
 - Aumann
 - Freenet
 - Ausblick
05.Meine Meinung zu Wirecard: Wirecard
 - Wirecard: Wo Rauch ist, ist auch Feuer?
06.Update beobachteter Werte: FinTech Group, Wheaton Precious Metals, Freenet, Weibo
 - FinTech Group: FinTech CEO: Kein zweites Ö-Post Abenteuer, jetzt wird nach Holland expandiert
 - Wheaton Precious Metals: Versicherung gegen Chaos weiterhin erforderlich
 - Freenet: Freenet leidet unter 5G-Ungewißheit bzgl. Roaming, 10% Dividende sollte dennoch Kurs treiben
 - Weibo: Stopp Loss einziehen
07.Übersicht HT-Portfolio
08.Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise
09.An-/Ab-/Ummeldung



01. Info-Kicker: Es geht wieder rund

Liebe Börsenfreunde,

In 8 Tagen fliege ich nach San Francisco. Seit 20 Jahren schreibe ich über die Tech-Unternehmen aus dem Silicon Valley, aber mein letzter Besuch im Valley liegt 15 Jahre zurück. Zeit, mal wieder in die Gründer-Atmosphäre der Bay Area hineinzuschnuppern und nachzuforschen, wie Google und Apple ihre Weltmarktmonopolstellung erlangen konnten und nun sichern.

Es gibt nur ein Problem: Die dortigen Unternehmen sind inzwischen so verschwiegen, dass es extrem schwer ist, brauchbare Termine und Gesprächspartner zu organisieren. Noch nie habe ich so viel Absagen kassiert wie in den letzten Wochen. Ein paar Termine habe ich in der Woche vom 17. bis 23. Februar noch frei. Wenn jemand von Ihnen Kontakte hat, die mir helfen können, bin ich dankbar für einen Hinweis :-).

*****

Es geht wieder rund an den Aktienmärkten. Im Kapitel 02 habe ich Ihnen eine sehr aussichtsreiche Aktie für die kommenden Jahre vorgestellt: 2G Energy baut Blockheizkraftwerke für mittelgroße Kunden. Doch ist heute schon der richtige Kaufzeitpunkt? Ich würde noch ein wenig warten.

Das Sentiment ist nach dem Ausverkauf der beiden letzten Tage leicht negativ bis neutral, gibt uns also keinen Hinweis auf die nächste Richtung. Das passt auch zum DAX-Stand, der sich in der Mitte meiner Handelsspanne für die kommenden Wochen bewegt. Mehr dazu in Kapitel 03.

Im heutigen Ausblick in Kapitel 04 nehme ich zu einigen aktuellen Ereignissen Stellung: Wie können wir von Wirecard profitieren, ohne Wirecard selbst zu handeln? Wie vom Ausverkauf bei Leoni? Und warum zeigt sich der Kurssprung von Ceconomy nicht bei Freenet? Spannende Zeiten.

Zu Wirecard werde ich derzeit täglich mehrfach von Ihnen gefragt. Wenn Anwälte und Behörden, Vorstände und große Finanzzeitungen sich streiten, da soll ich den Durchblick behalten? Nun, ich habe in Kapitel 05 mal aufgeschrieben, wie ich die Sache sehe.

In den heutigen Updates finden Sie ausführliche Updates zu Freenet und anderen Werten unseres Portfolios. Zudem hab eich gestern eine neue, altbekannte, Aktie zum Kauf empfohlen. Die Empfehlung lesen Sie ebenfalls in den Updates in Kapitel 06.

Wie immer gibt es eine tabellarische Übersicht über unser Portfolio in Kapitel 07.

Die PDF-Version dieser Ausgabe steht Ihnen ab sofort im Archiv sowie unter dem folgenden Link zur Verfügung: http://www.heibel-ticker.de/downloads/htp190210.pdf

Nun wünsche ich eine anregende Lektüre,

take share, Ihr
Börsenschreibel

Stephan Heibel

Chefredakteur und
Herausgeber des
Heibel-Ticker




02. So tickt die Börse: 2G Energy kämpft um Aufmerksamkeit

Ich war diese Woche auf einem Investorentag und konnte dort mit den Vertretern einer Reihe von interessanten Unternehmen direkt sprechen. Unter anderem sprach ich mit Friedrich Pehle, CFO von 2G Energy.

2G ENERGY FAST ÜBERSEHEN

Warum spielt die effiziente und dezentrale Energiegewinnung über Blockheizkraftwerke (BHKW) eigentlich keine Rolle im Energiekonzept der Bundesregierung, fragte ich CFO Pehle. Immerhin wurde der Atomausstieg und nun sogar der Kohleausstieg beschlossen und besiegelt.

"Energiekonzept? Welches Energiekonzept?" war die Antwort. Es gibt kein Energiekonzept, daher werden Blockheizkraftwerke mit Kraft/ Wärme-Kopplung auch nicht genannt.

Pehle erzählt mir von 354 Netzeingriffen im Jahr 2018: Die Stromversorgung reichte in Deutschland nicht aus, es musste Strom aus den Nachbarländern importiert werden. So etwas sei ähnlich einem Beinahe-Zusammenstoß in der Flugzeugindustrie. Täglich bricht unser Stromnetz also beinahe zusammen.

78 mal, schreibt die FAZ, musste im Jahr 2018 eine Kupferhütte kurzzeitig den Betrieb einstellen oder über eigene Reservesysteme überbrücken, damit in Deutschland nicht das Licht ausging. 78 mal also Notlandungen, um beim Bild zu bleiben. Da ich die Stromversorgung für einen kritischen Faktor unserer Gesellschaft, unseres Wohlstands halte, macht mich diese Statistik doch sehr nachdenklich.

Pehle zeigt mir eine schöne Übersicht:
www.electricitymap.org

Dort können Sie sehen, wie die Länder ihren Strom erzeugen, wieviel Kapazität sie haben und wie viel CO2 ausgestoßen wird. Frankreich ist grün, stößt wenig CO2 aus, weil der dortige Strom aus Atomkraftwerken kommt. Deren Kapazität ist fast voll ausgelastet (ca 63 GW, zu 90% ausgelastet), dennoch möchte Frankreich 15 GW Stromkapazität einsparen (24%).

Für Deutschland werden ganz viele graue Balken angezeigt: Kapazität. 60 GW Stromkapazität aus Windenergie. 48 GW Kapazität aus Photovoltaik. Toll, wir sind ja so grün in Deutschland, so verantwortungsbewusst. Moment, ich schau gerade mal aus dem Fenster: Nein, keine Sonne zu sehen. Und tatsächlich, aktuell ist der Stromanteil von Photovoltaik bei 1%. Wind: immerhin 38%.

Deutschland hat ein modernes Gasnetz, daher versuchen wir ja auch, die Nord Stream Pipeline 2 durch die Ostsee zu legen. Doch seit gestern wissen wir, dass Frankreich den Bau der Pipeline verhindern will - vielleicht wollen die sich bei Trump einschleimen, vielleicht wollen die einfach nur einen Trumpf gegen Deutschland in der Hand halten.

Als dann das Thema Elektroautos zur Sprache kam, lachte Pehle nur noch. Wenn nach Feierabend 10 Mio. Elektroautos an den Strom angeschlossen werden sollen, dann brauchen wir in Deutschland noch ganz andere Lösungen.

Ich will es mal bei diesem kleinen politischen Rundumschlag belassen, denn den meisten von Ihnen muss ich nicht bewusst machen, dass die Energiepolitik Deutschlands in den vergangenen Jahren große Fragen unbeantwortet ließ. Schauen wir uns also nun 2G Energy mal näher an.

2G Energy bezeichnet sich als Technologieführer für BHKWs die für mittelgroße Kunden gebaut werden. Größer als der Privathaushalt, kleiner als städtische Kraftwerke, so definiert Pehle den Markt von 2G Energy (20 bis 2.000 kW). Tatsächlich betreiben meine Nachbarn, ein Baufeld mit 63 Wohnungen, ein BHKW. Viele industrielle Kunden gibt es, Krankenhäuser, große Gebäude und kleine Fabriken. Es ist eine dezentrale Lösung, die kostengünstig und energieeffizient ist.

Sie schütten einen Brennstoff in das BHKW rein: Gas, Pellets und andere regenerative Brennstoffe, Wasserstoff, etc. und erhalten mit einer Effizienz von 42% Strom. Große Kraftwerke arbeiten mit einem Effizienzgrad von nur 38%. Zusätzlich wird die Kraft/ Wärme-Kopplung eingebaut, Sie erhalten also noch Wärme mit einem Effizienzgrad von 47%. Unterm strich bleibt bei einem BHKW ein Verlust an Energieeffizienz von nur 11%, bei Kraftwerken sind es 62%.

Der Vorteil: Diese effiziente Stromerzeugung kann überall dort installiert werden, wo sie benötigt wird. Wir brauchen keine neuen Stromtrassen in Deutschland dafür, und Sie kennen bestimmt die Diskussion über die Nord-Süd-Trasse ... aber ich wollte die Politik ja nicht mehr bemühen.

... oder doch, eine letzte Bemerkung noch: Wenn Joe Kaeser, CEO von Siemens, im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie anruft, steht Peter Altmaier wenige Minuten später parat. Wenn Christian Grotholt, Gründer und CEO von 2G Energy, dort anruft, erhält er vielleicht in ein paar Wochen einen Termin bei einem der Staatssekretäre. Energie ist ein politisches Thema, daher können wir die Politik bei dieser Aktie nicht ganz außen vor lassen.

In der Unternehmenspräsentation von 2G Energy sind mir zwei Punkte aufgefallen: Die Produktion hat noch viel Optimierungspotential, Pehle sprach von einem Margenziel von 10%, derzeit steht das Unternehmen bei etwa 5%. Der Service-Anteil am Umsatz beträgt derzeit 30%, Tendenz steigend. Man versuche aber, die Wartungsintervalle zu verlängern.

Der zweite Punk gefällt mir, der erste nicht. Ich finde es kundenfreundlich, die Wartungsintervalle zu erhöhen, auch wenn dadurch das Service-Geschäft langsamer wachsen sollte. Längere Wartungsintervalle vermindern die total costs of ownership, also die gesamten Betriebskosten über die Lebensdauer des BHKWs und machen die Technologie damit wettbewerbsfähiger. Das wird sich dann in höheren Absatzzahlen niederschlagen, was sodann mittelbar auch wieder den Service-Umsatz antreibt.

Aber der erste Punkt macht mich nachdenklich: 1995 habe ich als SAP-Materialwirtschaftsberater bei Höchst eine Chemiefabrik (Ticona) automatisiert. Das Projekt dauerte damals 3 Jahre. Ich war Projektmitarbeiter Nummer 7 und mir wurde feierlich erklärt, dass das Projektteam nun vollzählig sei, mehr gibt's nicht. Nun, zum Big Bang der Umstellung waren wir 65 Teammitglieder, ich hatte allein für meine Materialwirtschaft 11 Mitarbeiter. So kann man sich irren.

Natürlich brach nach dem Big Bang erstmal Chaos aus und Mitarbeiter waren über Jahre unzufrieden mit der neuen "Standardlösung", denn die Individuallösungen, mit denen zuvor jahrelang gearbeitet wurde, waren viel komfortabler. Erst fünf Jahre später, als ich mal wieder in das Werk kam, wurde ich freudig begrüßt: Die SAP-Software habe es einigen cleveren Mitarbeitern ermöglicht, über ihren Tellerrand zu blicken, Prozesse gesamtheitlich zu betrachten und flexibler in die Fertigung eingreifen.

Bei 2G Energy werden heute Rohre noch bei der Montage individuell zugeschnitten und angearbeitet (feilen, hämmern, biegen, ... bis es passt). Pehle sprach von einem ausgearbeiteten Aktionsplan in acht Schritten, um die Produktion effizienter zu gestalten, damit nur noch Fertigteile in die Montage geliefert würden. Jedes Jahr habe man sich zwei Schritte vorgenommen, 2018 wurde begonnen und erste Verbesserungen seien schon entlang der gesamten Produktion zu sehen.

Es ist schön, dass 2G Energy nicht den Big Bang sucht, sondern schrittweise vorgeht. Aber der Weg ist lang und es werden clevere Ingenieure und gut ausgebildete Fachkräfte nicht sofort von den Vorteilen der Standardisierung zu überzeugen sein.

Derzeit produziert 2G Energy etwa 600 BHKW pro Jahr. In den kommenden fünf Jahren möchte das Unternehmen die Produktion mit den vorhandenen Kapazitäten um jährlich 10% steigern, einfach indem die angesprochenen Effizienzmaßnahmen (zwei Schritte pro Jahr) umgesetzt werden. Ich halte das für gut möglich, möchte aber aus meiner oben beschriebenen Erfahrung nicht zu optimistisch werden, da ein solcher Prozess eben Probleme mit sich bringen kann.

Also: fünf Jahre mit 10% Absatzsteigerung und zusätzlich 10% Margensteigerung bringt uns auf ein ordentliches erwartetes Gewinnwachstum, das mit dem aktuellen KGV 2020e von nur 11 viel zu günstig bewertet ist. 189 Mio. Euro Jahresumsatz werden mit einer Marktkapitalisierung von nur 122 Mio. Euro belegt (KUV = 0,64), auch das ist extrem günstig. Was, wenn nun die Bundesregierung irgendwann einmal entdeckt, dass BHKW ein sinnvoller Bestandteil der Energiegewinnung sein können? Nun, dann ... nichts. Denn aktuell kann 2G Energy seine Produktion nicht so einfach hoch skalieren. Sie hängt nun einmal an den cleveren Ingenieuren und gut ausgebildeten Facharbeitern. Doch je weiter das Effizienzprogramm fortschreitet, desto flexibler wird das Management, ggfls. in weiteres Wachstum zu investieren.

Wie immer bei einem Investment heißt es also auch hier: Je größer die Chance (günstige Bewertung), desto größer auch das Risiko (Standardisierungsprobleme). Die Aktie von 2G Energy ist im Januar um 30% angesprungen. Ich habe sie mir in die Beobachtung genommen und warte auf eine Konsolidierung.

MARKTBETRACHTUNG: KATERSTIMMUNG

Die Chancen für eine Konsolidierung stehen aktuell gut: Der fulminante Januar hat gestern eine Katerstimmung an den Aktienmärkten erzeugt: Der DAX ist allein gestern um knapp 3% eingebrochen. Dafür gibt es neben den fulminanten Kursgewinnen aus dem Januar noch eine ganze Reihe von Gründen:

Europa versinkt im Chaos: in Sachen Brexit peitscht Ratspräsident Tusk die Brexitiers aus und wünscht sie per Twitter zur Hölle. Haushaltskommissar Oettinger redet inzwischen mit May über Rahmenbedingungen eines "No Deals", mit denen die schlimmsten Folgen abgemildert werden können. Der harte Brexit wird von Stunde zu Stunde wahrscheinlicher.

Frankreich stellt sich gegen Nord Stream II und damit offen gegen Deutschland. Nur Macron kann nun das Projekt noch retten.
*** Nachtrag: Inzwischen haben Deutschland und Frankreich wohl einen Kompromiss ausgearbeitet ***

In Brüssel wird die Deutsche Bank als gefährlicher betrachtet als der gesamte italienische Bankensektor sowie die italienischen Budgetplanungen. Das meint zumindest ein Brüsseler Sonderausschuss, der sich Anfang der Woche mit der Deutschen Bank und den Aufsichtsbehörden getroffen hat. Olaf Scholz treibt nicht ohne Grund die Fusion der Deutschen mit der Commerzbank voran.

Italiens Salvini trifft sich mit den französischen Gelbwesten und macht offen Front gegen Macron. Frankreich hat dies nun als Einmischung in die inneren Angelegenheiten gewertet und zog seinen Botschafter aus Italien ab. Das müssen Sie sich mal vorstellen: Innerhalb unserer europäischen Familie spricht man nicht mehr miteinander.

Die EU zeigt Risse an allen Ecken und Enden. Der Brexit wird an den Kapitalmärkten nur als Symptom eines viel größeren Problems betrachtet, daher gibt es nach wie vor viele Briten, die froh sind, wenn der Spuk vorbei ist ... selbst in Form eines harten Brexit. Ich gehöre typischerweise nicht zu den Schwarzmalern, doch die Berichterstattung hier in Deutschland hinsichtlich des Brexits ist mir seit langer Zeit viel zu einseitig.

Das zweite Thema, das für Katerstimmung sorgt, ist der Handelsstreit zwischen den USA und China. Trump sitzt nach wie vor am Steuer und er schickt seine beiden scharfen Hunde vor, Navarro und Lighthizer, um den Chinesen möglichst viele Zugeständnisse abzuringen. Wenn das dann mal in Richtung "Aussichtslosigkeit" treibt, dann stellt er sich temporär demonstrativ hinter die moderaten Wirtschaftsvertreter in seinem Stab, Kudlow und Mnuchin. Das haben wir im Januar mehrfach gesehen und der Dow Jones ist bis auf 5% an sein vorhergehendes Allzeithoch vom vergangenen Oktober angestiegen.

Es sind jetzt nur noch drei Wochen bis zum Ende der "Schonfrist", denn Anfang März werden die Strafzölle automatisch erhöht, wenn es zu keiner Einigung mehr kommt. Ich gehe davon aus, dass sich der Tonfall nochmals deutlich verschärfen wird.

Anfang der Woche haben eine Reihe von guten Quartalszahlen die Aktienmärkte gestützt, dennoch konnten die breiten Indizes nicht zulegen. Als dann am Donnerstag in den USA Twitter, Kellogs, GrubHub und FireEye schwache Quartalszahlen vorlegten, gab es kein Halten mehr. Der Dow Jones fiel vorübergehend um 1,5%. Heute schockt Kupferdrahtzieher Leoni mit einer drastischen Gewinnwarnung und Prognosesenkung, die Aktie ist um 25% im Minus.

Da sich gerade die Profis in der Vorwoche am Optimismus hinsichtlich eines Handelsabkommens festhielten, sorgten die Entwicklungen dieser Woche für Verunsicherung gerade bei dieser Anlegergruppe. Schauen wir uns einmal die wichtigsten Indizes im Wochenvergleich an:

WOCHENPERFORMANCE DER WICHTIGSTEN INDIZES


INDIZES7.2.19Woche ΔΣ '19 Δ
Dow Jones25.170 0,7%9,1%
DAX11.022 -1,4%4,4%
Nikkei20.751 -0,2%3,7%
Shanghai A 2.742 0,0%5,0%
Euro/US-Dollar1,13-0,9%-0,9%
Euro/Yen124,47-0,2%-1,4%
10-Jahres-US-Anleihe2,65%0,02-0,08
Umlaufrendite Dt0,03%-0,02-0,07
Feinunze Gold$1.309 -0,6%2,2%
Fass Brent Öl$61,27 -1,1%17,4%
Kupfer6.209 2,2%3,2%
Baltic Dry Shipping610 -15,4%-52,0%
Bitcoin3.386 -2,5%-13,7%



Der gestrige Ausverkauf des DAX hat im Wochenvergleich für ein Wochenminus von 1,4% gesorgt. In den USA war es nicht ganz so schlimm, der Dow Jones konnte ein Plus von 0,7% über die Woche retten.

Das Chaos in der EU belastet auch den Euro, der um 0,9% abgab. Dort spielt sicherlich auch hinein, dass für mehrere EU-Staaten, insbesondere für Italien und !Deutschland!, die Wachstumsaussichten reduziert wurden. Entsprechend ist die Umlaufrendite weiter gefallen: Anleger sind zufrieden mit Null-Zinsen, bevor sie das Abenteuer einer Aktienanlage eingehen.

Der Goldpreis hat ebenfalls ein wenig konsolidiert (-0,6%). Alles zwischen 1.300 und 1.350 USD/Oz halte ich für eine Seitwärtsbewegung.

Der rückläufige Ölpreis ist eine direkte Folge der schwachen Konjunkturdaten aus Europa. Der Baltic Dry, der inzwischen 50% unter dem Niveau von vor vier Wochen notiert, spiegelt sicherlich zum Teil auch die saisonalen Schwankungen aufgrund des chinesischen Neujahrsfests wider: Vor diesem mehrtägigen Fest werden in China die Handelsaktivitäten heruntergefahren. Das ist zu vergleichen mit dem Karneval in Köln. Da haben die Firmen ebenfalls fast eine Woche geschlossen. Ich freue mich schon auf den diesjährigen Rosenmontagszug, den ich mit meinen beiden Kindern besuchen werde... natürlich nur aus beruflichen Gründen, um die wirtschaftliche Auswirkung des chinesischen Neujahrsfests auf die globale Konjunktur besser abschätzen zu können :-).

Der Bitcoin dümpelt nun zwischen 3 und 4.000 USD herum. Überall ist zu hören: Die Technologie der Blockchain ist sensationell, aber ob sich der Bitcoin durchsetzen wird, ist fraglich. Es gibt noch den Etherum und diverse weitere Kryptowährungen, aber auch Token geraten immer mehr in den Fokus von Anlegern. Token bauen auf einzelnen Kryptowährungen auf. Ich werde in den kommenden Wochen ein wenig Licht ins Dunkel dieses neuen Marktes bringen.




03. Sentiment: Januar-Aufschwung beendet, schlechte Laune hält sich in Grenzen

Diese Woche verlief eigentlich recht freundlich, bis gestern jegliche Unterstützungen wegbrachen und der DAX in einen Sturzflug überging. Das hinterlässt deutliche Spuren in der Stimmung.

Umgehend sehen nun 43% (+24%) der Umfrageteilnehmer den DAX wieder in einem Abwärtsimpuls. Der Stimmungsumschwung kommt aus sämtlichen Lagern, denn nur noch 7% (-11%) erachten den DAX in einer Aufwärtsbewegung befindlich und 35% (-11%) in einem Seitwärtstrend. Die Stimmung ist mit einem Wert von -3,5 wieder deutlich negativ, aber noch weit entfernt von Extremwerten.

Dabei wurden 22% (+13%) der Anleger durch den plötzlichen Ausverkauf auf dem falschen Fuß erwischt, weitere 32% (unv.) sehen ihre Erwartungen der Vorwoche kaum erfüllt. Immerhin noch 38% (-11%) geben an, eine solche Entwicklung zum größten Teil erwartet zu haben und 7% (-2%) wollen sogar darauf spekuliert haben. Es macht sich also wieder ein wenig Verunsicherung breit, aber auch hier sind noch keine Extremwerte zu erkennen.

Die Verunsicherung ist auch an der Erwartungshaltung ablesbar: Nur noch 23% (-7%&) der Umfrageteilnehmer erwarten für den DAX in drei Monaten steigende Kurse, weitere 34% (+4%) gehen von einer Seitwärtsbewegung aus. Aber auch ein Abwärtsimpuls wird nur von 28% (+2%) erwartet. Den größten Zulauf erhielt das Lager derer, die eine Bodenbildung in drei Monaten erwarten (+6% auf 12%). Mit einem Wert von -0,8 ist also auch der Zukunftsoptimismus nicht mehr seinen Namen wert, wir haben Zukunftspessimismus oder auch Angst.

Entsprechend wollen nur noch 20% der Anleger in den kommenden zwei Wochen Aktien zukaufen, aber auch nur 15% (unv.) wollen verkaufen. Mit 64% (+1%) wissen die meisten noch nicht, wie sie sich verhalten werden.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger ist auf 1,6 gesprungen und zeigt eine leicht optimistische Positionierung an. Die Absicherungen der Vorwochen, die in Folge des Chaos-Dezembers dann in die steigenden Kurse im Januar hinein eingegangen wurden, wurden in den vergangenen 10 Tagen aufgelöst. Nur so ist der aktuelle Ausverkauf auch möglich.

Das Put/Call-Verhältnis der Eurex, über die sich die institutionellen Anleger absichern, zeigt seit Jahresbeginn eine durchgehend bullische Positionierung der Profis an. Es werden deutlich mehr Calls gekauft als Puts. In den USA sieht es ganz ähnlich aus, das CBOE Put/Call-Verhältnis zeigt inzwischen ebenfalls eine bullische Positionierung der US-Anleger an.

In dieses Bild passt auch die Investitionsquote der US-Fondsmanager, die auf 83% (+7%) gesprungen ist und damit höher steht als irgendwann sonst in den vergangenen vier Monaten.

Die Bullenquote der US-Privatanleger zeigt eine neutrale 0,0% an, US-Privatanleger bleiben vorsichtig.

Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 ist auf 62% verblieben und notiert damit weiterhin in moderat gierigem Terrain. Ganz anders der Short Range Oscillator des S&P 500, der mit einem Wert von 7 eine klar überkaufte Situation anzeigt. Ich gehe davon aus, dass dieser Wert jedoch an diesem Wochenende deutlich zurückgegangen sein wird - der Wert von 7 ist schon eine Woche alt und kann somit eher als Begründung für den aktuellen Ausverkauf herangezogen werden, denn als Prognoseindikator.

Interpretation



Zwei schwache Börsentage, und schon tauchen die Sentimentwerte wieder ab. Noch immer sitzt den Anlegern der Chaos-Dezember in den Knochen, und so werden bei leicht bröckelnden Kursen sofort wieder Erinnerungen wach, die zu Panik-Verkäufen führen und damit aber auch einen Ausverkauf sehr schnell beenden dürften.

Es gibt genügend Gründe für eine erneute Abwärtswelle: Im Handelsstreit zwischen China und den USA höre ich jetzt, dass Trump sein im März beabsichtigtes Treffen mit Xi abgesagt hat. Außerdem dürfen wir wohl eine Warnung von Trump in den nächsten Tagen erhalten, nicht mehr Huawei oder ZTE für den Ausbau des 5G-Netzwerks zu nutzen, da diese beiden chinesischen Netzwerkausstatter mit den chinesischen Sicherheitsbehörden in Sachen Industriespionage zusammenarbeiten könnten.

Der desolate Zustand der EU ist auch inzwischen hinreichend bekannt ... auch wenn ich inzwischen erfahren habe, dass sich Deutschland und Frankreich "vermutlich" auf einen Kompromiss in Sachen Nord Stream II geeinigt haben sollen. Es bleiben Italien, Brexit und eine zunehmende Kälte zwischen Frankreich und Deutschland.

Ich habe den Eindruck, dass sich viele Anleger aus diesem Chaos gerne heraushalten möchten. Obwohl es eine Reihe von Aktien gibt, deren Kurse man als Schnäppchenkurse bezeichnen könnte, allein weil sie so heftig ausverkauft wurden, gibt es nicht viele Schnäppchenjäger. Ja, die Absicherungen wurden aufgelöst, aber es bestehen derzeit offensichtlich nicht ausreichend Long-Spekulationen, um sich absichern zu müssen. Zur Erinnerung: Auch ein hoher Cash-Bestand gilt als sicher für turbulente Börsenphasen.

Der Kursrutsch des DAX unter 11.000 Punkte ist nichts, was Panik in die Glieder von Anlegern fahren lässt, die nur mäßig investiert sind. Panik erwarte ich erst dann wieder, wenn das Dezember-Tief in Schlagweite kommen sollte.

So bleibt die Kaufbereitschaft moderat, gleichzeitig gibt es keine Panik-Verkäufe. So ist die gute Laune der Vorwochen verflogen, gleichzeitig hält sich die miese Laune aber in Grenzen. Und so erhält der Zukunftsoptimismus Kratzer, aber Schwarzmalerei ist ebenfalls nicht zu sehen. Vor dem Hintergrund des zweitägigen Ausverkaufs ist ein solches negatives Sentiment zwar nachvollziehbar, aber als neutral zu werten.

Für die kommende Woche bedeutet dies, dass wir vermutlich von Nachrichten getrieben werden. Während die Nachrichten in den ersten vier Wochen des Jahres eher positiv waren, dürfte sich die Situation in vielen schwelenden Krisen in den kommenden Wochen wohl eher zuspitzen.

Seitens der Quartalszahlen der Unternehmen, die wir in den vergangenen Wochen reichlich erhielten, können wir keinen großen Optimismus ableiten. Die Konjunkturaussichten wurden reduziert und entsprechend vorsichtig sind die Unternehmensprognosen, die wir erhalten haben. Die positiven Überraschungen der ersten Unternehmen der Berichtssaison wurden teilweise durch schwache Zahlen ihrer Wettbewerber relativiert: Die Spreu trennt sich vom Weizen, einen allgemeinen Aufschwung können wir jedoch nicht verzeichnen.

Sieht aus, als stünden uns noch einige Wochen bevor, in denen der DAX in der von mir ausgerufenen Spanne zwischen 10.381 und 11.800 Punkten pendeln wird. Zur Zeit sind wir in der Mitte, da bietet es sich tatsächlich an, erst einmal abzuwarten.







04. Ausblick: Vom Ausverkauf profitieren

FINTECH GROUP

Der Handel wird zunehmend durch "Finanzprodukte" bestimmt. Wenn also Wirecard schlechte Presse erhält und ausverkauft wird, dann gibt es viele Anleger, die nicht Wirecard im Depot haben, sondern einen Finanz-ETF oder irgendein anderes Finanzprodukt, das eine Reihe von Finanzaktien, oder besser noch FinTech Aktien enthält.

Wir konnten die FinTech Group gestern daher günstig einsammeln: Der Verkaufsdruck, der über Wirecard auf FinTech-Finanzprodukte übertragen wurde, drückte auch den Kurs unserer FinTech Group. Heute geht's nochmals ein wenig tiefer, das hat aber erneut nur etwas mit Wirecard und den Finanzprodukten zu tun und nichts mit unserer FinTech Group.

AUMANN

Heute hat Leoni eine Gewinnwarnung ausgegeben, die Aktie notiert mit 25% im Minus. Was glauben Sie, warum Aumann heute ebenfalls mit 5% im Minus notiert? Weil die Probleme des Kabelziehers Leoni aufgrund einer schwachen Nachfrage seitens der Automobilindustrie auch den "Verdrahter" von Motor und Antrieb trifft?

Nein, Aumann hat sich frühzeitig auf die Elektromobilität konzentriert und macht dort bereits über 50% seines Umsatzes. Jeder, der die Aumann-Aktie aus Überzeugung im Depot hält, weiß das und sitzt diesen Durchhänger aus. Meiner Ansicht nach ist der wirkliche Grund für das Kursminus bei Aumann der Link zu Leoni über Automobil-Finanzprodukte. Auch Dürr ist mit -3% unterwegs, Schäffler mit -2,7% und Osram Licht mit -2,6%. Über Auto-Finanzprodukte wird heute die gesamte Automobilbranche ausverkauft.

Ich halte mich derzeit aus der Deutschen Automobilbranche vollständig raus. Wer aber auf eine Kaufgelegenheit gewartet hat, der bekommt sie heute ... und vielleicht auch noch in den kommenden Tagen. Denn auch Analysten unterliegen manchmal dem Fehler, die Kursentwicklung als Startpunkt ihrer Analysen zu nehmen. Ich will also nicht ausschließen, dass Aumann mit einem KGV 20e von 17 bei 20% Gewinnwachstum nochmal unter die Räder kommt. Doch fundamental betrachtet halte ich die Aktie inzwischen für günstig. Das ist ein Meinungswechsel zu meiner Umfangreichen Auto-Analyse aus dem September letzten Jahres. Damals stand Aumann noch doppelt so hoch und ich hatte mir ein günstigeres Bewertungsniveau für diesen modernen Verkabeler gewünscht. Here we are :-).

FREENET

Heute hat Ceconomy-Mutter Q-Zahlen vermeldet: Erstmals seit drei Quartalen wurde wieder Geld verdient. Abfindungen haben das Ergebnis unterm Strich belastet, doch das Weihnachtsgeschäft lief gut. Die Aktie ist um weitere 20% angesprungen, damit notiert Ceconomy nun bereits 55% über dem Tief vom Jahreswechsel.

Wir erinnern uns, Ceconomy hatte Freenet in den Keller gerissen, weil CEO Vilanek sich überteuert an Ceconomy beteiligt hatte. Nun, da die Beteiligung wieder kräftig zulegt, muss auch Freenet wieder steigen ... tut es aber nicht. Ist das was falsch an meiner Theorie?

Auf dem Investorentag sprach ich mit dem einen oder anderen Analysten über Freenet und mir wurde zu verstehen gegeben, ich solle mir doch mal die Bilanz genauer anschauen, dann würde ich sehen, dass die Dividendenrendite von 9% mittelfristig nicht haltbar sei.

Okay: Cashflow (wichtig für Ausschüttung) je Aktie: 2,81 Euro. Gewinn je Aktie (nachhaltig ausschüttbar) 1,94 Euro. Ausschüttung: 1,70 Euro. Hmm, ich verstehe diese Einwände nicht. Die Aktie fällt heute weiter, weil die 5G-Diskussion sehr belastend ist. Meiner Ansicht nach wird Freenet als Gewinner aus dieser Diskussion hervorgehen, aber bislang bin ich wohl der einzige, der das so sieht.

Klar, wenn wir das heutige Geschäftsmodell auf die 5G-Zeit extrapolieren, dann ergeben sich große Fragen: Wenn Datenübertragungen mit 5G so viel schneller und günstiger möglich sein werden, braucht es dann noch spezielle Mobilfunkverträge wie heute? Braucht es noch Spezialtarife für türkische Gastarbeiter, damit sie über Skype nach Hause telefonieren können? Die Fragen sind richtig.

Aber der Vorteil von Freenet ist ja gerade, sich als kleines Schnellboot flexibel auf geänderte Märkte einzustellen. Mit Waipu TV wurde schon der IP-TV-Markt erschlossen. Ich halte das Unternehmen für clever genug, sich auch in der 5G-Welt eine Nische zu sichern.


AUSBLICK

Wie oben gesagt bleibe ich bei meiner Meinung, dass wir in den kommenden Wochen, vielleicht sogar Monaten, zwischen 10.381 und 11.800 Punkten pendeln werden. Trump betrachtet die Auseinandersetzung mit China als das Wichtigste seiner Präsidentschaft: Wenn er China nicht in die Knie zwingt, wird die USA schon bald die Stellung als einzige Hegemonialmacht der Welt verlieren, so seine Überzeugung. Und so wird er bis zum letzten gegen Industriespionage, Plagiate, erzwungenen Knowhow-Transfer und subventionierte Technologien kämpfen. Das natürlich getreu der im Fernsehen unter "The Apprentice" zur Schau gestellten Methode: Man lässt zwei unterschiedliche Kandidaten gegeneinander antreten und lässt sie machen, bis irgendwo Sackgassen auftauchen. Dann schreitet man als Moderater ein und schickt beide wieder los.

Als US-Präsident kann Trump nun zwei Teams gegeneinander antreten lassen: Lighthizer/Navarro gegen Kudlow/Mnuchin. Es dürfte spannend bleiben.

Im Brexit-Poker habe ich heute die Glocke für die letzte Runde gehört: Jetzt spricht man offen auch über Lösungsmöglichkeiten im Rahmen eines harten/ ungeregelten Brexits. Auch hier wird der Tonfall und in den kommenden acht Wochen tendenziell härter werden.

Da sollen die Aktienmärkte ihre Rallye fortsetzen? Nein, das glaube ich nicht. Ich gehe davon aus, dass es sich auszahlen wird, nicht den Kursen hinterherzulaufen, sondern auf unsere Gelegenheit zu warten. Neben der FinTech Group gefällt mir übrigens auch Cewe gut, auch mit diesem Unternehmen konnte ich ein persönliches Gespräch führen. Doch derzeit ist keine Eile geboten, daher verschiebe ich die Analyse auf nächste Woche.



05. Meine Meinung zu Wirecard: Wirecard


Wirecard
Wo Rauch ist, ist auch Feuer?

Fr, 08. Februar um 16:16 Uhr

Boah, das geht richtig rund zwischen Wirecard und der Financial Times (FT). Um diese Auseinandersetzung besser zu verstehen, müssen Sie die FT-Artikel lesen. Dort gibt es offensichtliche Widersprüche zu den Äußerungen des Wirecard-Managements.

Da wird dem Unternehmen ein System vorgeworfen, im eigenen Zahlungsabwicklungssystem Millionen-Umsätze generiert zu haben, um quartalsweise steigende Umsatzziele zu erreichen. Aus Südostasien aus soll das gesteuert geworden sein, doch ein Betrugsnetzwerk dieser Dimension müsse nach FT-Meinung auch in München Mitwisser haben.

Wirecard stand schon oft wegen seines Geschäftsmodells in der Kritik. Immer wieder hat das Management hart reagiert, die FT ist nicht der erste Verbreiter schlechter Nachrichten, dem ein Gerichtsverfahren angehängt wird. Mit dieser harten Vorgehensweise hat sich das Management von Wirecard in der Branche keine Freunde gemacht. Im Gegenteil, wenn ich hinter den Kulissen horche, höre ich überwiegend: "Oh, da mische ich mich nicht ein". So gibt es auch keinen weißen Ritter, der in dieser Situation Wirecard zu Hilfe kommt.

Sagen wir mal, die FT steuert von London aus eine gigantische Short-Attacke gegen Wirecard. Sie haben einen alten Fall aufgerollt und mit griffigen Schlagzeilen im angelsächsischen Raum für Panik gesorgt.

Denn Wirecard ist ein ideales Opfer: Nach Bankenkrise, Energiewende, Dieselskandal und FMC mit US-Problemen gibt es eigentlich keinen Sektor mehr im DAX, in den ausländische Investoren mit ruhigem Gewissen investieren können. Da kam die Neuaufnahme von Wirecard als FinTech-Unternehmen gerade recht, und so wurde die Aktie in die Höhe gejubelt.

Diese ausländischen Investoren flüchten jetzt genauso schnell, wie sie Wirecard damals nach oben jubelten. Denn im angelsächsischen Raum hat mindestens jeder zweite Anleger ein Zettel an seinem Bildschirm kleben auf dem steht: "Bilanzierungsunregelmäßigkeiten = Verkaufen". Da wird nicht lange recherchiert, denn wo Rauch, da ist auch Feuer, so der Reflex.

Da kann Wirecard toben und behaupten, an den Vorwürfen sei nichts dran. Das hört in London niemand. Die sprechen doch nicht mal Deutsch.

Dabei geht die FT geschickt vor. Sie schreiben nicht, es gab eine Razzia bei Wirecard in Singapur (heutige Meldung, woraufhin die Aktie unter 100 Euro rutschte, insgesamt nun also über 50% Kursverlust). Nein, die FT schreibt, ein Polizist in Singapur sprach von einer Razzia. Wirecard sagt, man habe sich mit der Polizei in Singapur getroffen.

Folgt die Razzia nun aufgrund der Vorwürfe? Oder aufgrund des Kursverlustes, der aus den publizierten Vorwürfen folgte? Warum formuliert Wirecard es als "Treffen", während sich die FT immer wieder Quellen bemüht, die von 10 Polizisten sprechen, die das Gebäude, die Finanzabteilung heimgesucht hätten?

Was, wenn die Financial Times recht hat? Nun, dann werden einige Vorstände ihren Hut nehmen müssen und damit ist natürlich auch der Vorstandsvorsitzende Braun im Visier, denn er muss eigentlich alles wissen. Und das würde die Zukunft des Unternehmens in Frage stellen, denn der Erfolg von Wirecard ist eng mit dem Vorstandsvorsitzenden Braun verknüpft.

Was, wenn die Financial Times unrecht hat? Nun, man wird die Zitate und Quellen prüfen. Teilweise könnte man die Quellen als unseriös entlarven und die Schlussfolgerungen als überzogen ... aber kaum als böswillig falsch. Die Aktie würde anspringen und vermutlich innerhalb der kommenden 18 Monate auf ihr altes Niveau zurückklettern.

Ich glaube sogar, auch wenn die FT in großen Teilen recht haben sollte, dürfte die Aktie von Wirecard mittelfristig - nach einem weiteren kurzfristigen Ausverkauf - wieder klettern. Nehmen wir mal an, bei 2 Mrd. Euro Jahresumsatz sind 100 Mio. Euro durch das Betrugsnetzwerk erzeugt worden: Das ist heftig, aber nicht existenziell.

Alles in allem würde ich als Privatanleger jedoch die Position der Angelsachsen einnehmen: Bilanzierungsunregelmäßigkeiten = Verkaufen, bis etwas mehr Licht in die Sache gekommen ist. Wenn Wirecard die Vorwürfe größtenteils ausräumen kann, wird die Aktie schnell anspringen. Doch auch anschließend ist dann noch genug Zeit und Kurspotential, an der Erholung teilzuhaben. Vorerst halte ich also mal die Füße still.



06. Update beobachteter Werte: FinTech Group, Wheaton Precious Metals, Freenet, Weibo

Bitte beachten Sie auch den Kundenbereich auf meiner Internetseite unter www.heibel-ticker.de -> Portfolio -> 10 neueste Einträge. Dort finden Sie aktuelle Charts mit meinen jeweils aktualisierten Einschätzungen.

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Im Wochenverlauf habe ich zu mehreren Titeln Anmerkungen im Kundenbereich der Webseiten verfasst.


FinTech Group
FinTech CEO: Kein zweites Ö-Post Abenteuer, jetzt wird nach Holland expandiert

Fr, 08. Februar um 14:29 Uhr
Heibel-Ticker Update 2 (07.02.2019) :

ich war gestern auf einem Investorentag hier in Hamburg und hatte die Möglichkeit, unter anderem auch mit Frank Niehage, CEO der FinTech Group und IR-Chef Jörg Peters zu sprechen.

Wir hatten die Aktie im September 2017 zu 20 und im Juni 2018 zu 26 Euro gekauft und dann im Juli und September 2018 zu Kursen über 30 Euro verkauft (+50% bzw. +15%). Ich hatte mir ursprünglich ein Kursziel deutlich über 30 Euro errechnet, doch dann kam ein überraschendes Joint Venture mit der Österreichischen Post (Ö-Post) in die Quere.

Das Joint Venture wurde kurze Zeit später wieder abgesagt, dennoch fiel die Aktie im Rahmen der allgemeinen Marktschwäche (Crash-Dezember!), aber meiner Einschätzung nach aufgrund verlorenen Anlegervertrauens in das Management auf 15 Euro zurück.

Und wie immer, wenn etwas mal gut geklappt hat, hoffen nun viele Heibel-Ticker Kunden, dass wir den Lauf von 20 auf 30 Euro nun wiederholen können. Die Bilanz und Geschäftsentwicklung haben sich nicht verändert. Wenn überhaupt sieht es heute besser aus als zuvor. Doch das Management hat sich in Sachen Glaubwürdigkeit mit dem Ö-Post-Abenteuer keinen Gefallen getan.

Ich habe daher das Gespräch genutzt, um insbesondere die Glaubwürdigkeit zu hinterfragen. Die Zahlen kennen wir ja schon.

CEO Niehage hat versprochen, ein solches Abenteuer nicht noch einmal zu unternehmen. Gleichzeitig wiederholte er aber mehrfach, dass er, sollte er erneut vor einer ähnlichen Entscheidung stehen, er sich wieder für das Joint Venture entscheiden würde. Nein, ich habe bei Niehage keine gespaltene Persönlichkeit festgestellt. Vielmehr gibt es zwei unterschiedliche Blickwinkel auf diese Geschichte. Um das zu verstehen, muss ich ein wenig ausholen.

Niehage ist Unternehmer. Offiziell ist er angestellter Vorstand und offiziell besitzt er wenige Prozent der Aktien von der FinTech Group. Aber über Optionen, die Bestandteil seiner Vergütung sind, errechnet sich ein Anteil von 4% und das ist für ihn genug, um von „meinem“ Unternehmen zu sprechen.

Von „meinem“ Unternehmen sprechen in der Regel nur Unternehmer, die den Großteil des Unternehmens selber besitzen und über strategische Belange weitgehend eigenmächtig entscheiden können. Wenn also Frank Niehage von der FinTech Group als „mein“ Unternehmen spricht, dann zeigt dies, dass er sich mit dem Unternehmen vollständig identifiziert und weitreichende Befugnisse hinsichtlich der strategischen Ausrichtung hat.

Das passt auch zum Ö-Post Abenteuer: Niehage hat die Konditionen des Joint Ventures durchgerechnet und aus „betriebswirtschaftlicher“ Sicht für gut befunden. Er sprach von einem „free ride to Austria“. Ich hatte damals in einer ersten Reaktion geschrieben, dass die FinTech Group ohne Kapitaleinsatz einen neuen Markt erschließt und einen neuen Ankeraktionär gewonnen hat. Bei einer genaueren Berechnung hatte ich dann festgestellt, dass jedoch erst 2022 mit einem Break-Even dieses Joint Ventures zu rechnen sei und so warfen wir die Aktie aus unserem Portfolio.

Denn, wenn die FinTech Group bis 2022 brauchen würde, um dieses, zugegeben betriebswirtschaftlich attraktive Joint Venture dorthin zu bringen, dass ein Gewinnbeitrag geliefert wird, dann sind das Jahre, in denen das Stammgeschäft, das Brokerage, vielleicht vernachlässigt werden könnte. Doch das Brokerage war eigentlich der Grund, warum wir die Aktie haben wollten.

Was also betriebswirtschaftlich sinnvoll erschien, schürte Ängste bei Anlegern, das Management könnte sich verzetteln. Die Plattform FlatEx, Hauptprodukt der FinTech Group, ist modern und gewinnt Marktanteile. Warum sollte sich dieser flexible Broker mit dem undankbaren Bankgeschäft belasten?

Niehage betonte, dass die Ö-Post für alle Kosten des Filialgeschäfts aufgekommen wäre. Doch auch das beruhigte Investoren nicht, denn es ging nicht um die betriebswirtschaftliche Sicht des Joint Ventures, sondern um den Fokus des Managements.

Wenn Niehage also auf meine Frage, ob Anleger für die Zukunft erneut mit Joint Ventures oder Übernahmen dieser Art zu rechnen haben, und ich habe mindestens dreimal gefragt, dann bedeutet die Antwort „Ja“, dass er die betriebswirtschaftlichen Konditionen für gut erachtete und „Nein“, dass er das Brokerage-Geschäft nach dieser Erfahrung nicht verlassen werde.

Der Unternehmer Niehage wurde also durch seine Eigentümer (Aktionäre) gebremst. Ist das gut oder schlecht? Nun, es ist der Hinweis der Aktionäre, sich doch bitte als Unternehmer auf die Entwicklung des Stammgeschäfts zu beschränken.

Und das tut er jetzt. Niehage erinnerte daran, dass die DAB Bank im Jahr 2015 durch die BNP Paribas übernommen wurde. Damals gab es viele Kunden der DAB Bank, die ihr Depot einfach weiter dort betrieben. Es gab aber auch eine ganze Reihe von Kunden, die mit diesem Übergang nicht einverstanden waren und sich nach einem anderen Broker umschauten. Viele landeten bei FlatEx.

Der Markt sei verteilt, so Niehage, Kundenwachstum erreicht man nur noch dadurch, indem man anderen etwas wegnimmt – was teuer ist – oder indem man Sondersituationen nutzt, wie der Übergang der DAB Bank an BNP.

Nun konzentriert sich FlatEx auf Holland. Süffisant lächelnd erinnert Niehage an die gemeinsame Farbe Oranje, aber der wirkliche Grund liegt in der Übernahme der Binck Bank durch die Saxo Bank. Die Binck Bank ist mit 614.000 Kunden (Stand Feb 2018) die größte unabhängige niederländische Bank. Niehage will nun schon in den kommenden Wochen FlatEx-Werbung in Holland starten und hofft, ein paar wechselwillige Holländer zu FlatEx zu ziehen.

Das ist genau das, was Anleger sehen wollen: Die Broker-Technologie in andere Märkte bringen. Und wenn ein Ereignis wie die Übernahme der Binck Bank durch Saxo als Starthilfe betrachtet werden kann, dann dürfte das Anleger um so mehr gefallen.

Wenn wir schon mal bei Fusionen und Übernahmen sind: Aus Sicht der FinTech Group wäre eine Zusammenlegung der Deutschen Bank mit der Commerzbank so etwas wie ein Weihnachts- und Geburtstagsgeschenk in einem. Oder Österreich: Grund für das oben beschriebene Joint Venture war die Aufkündigung des Vertrags mit der Ö-Post durch den bisherigen Technologiepartner Bawag zum Ende des laufenden Jahres. Die Ö-Post hat derzeit keinen Technologiepartner, der ab 2020 das Bankgeschäft in den Filialen sicherstellen kann. Sollte es nächstes Jahr zu Problemen der Ö-Post kommen, wird FlatEx davon profitieren. Auch ohne Joint Venture.

Also: Bei mir hinterließ Frank Niehage den Eindruck, dass er die Botschaft der Anleger verstanden hat. Was sich bislang bewährt hat, wird in der Zukunft konsequent weiter verfolgt. FlatEx wächst zweistellig im Umsatz, der Gewinn steigt überproportional an. Dennoch notiert die Aktie aktuell nur auf einem KGV 2020e von 12. Ich halte ein KGV von 20 für möglich bis zum Frühjahr 2020. Das würde tatsächlich bedeuten, dass die Aktie ihren Lauf von 2017 bis 2018 wiederholen könnte: Auch heute steht sie wieder bei 20 Euro und bei 30 Euro wäre das KGV 2020e noch nicht bei 20, sofern die Analysten ihre Schätzungen nicht nach unten revidieren.

Und dazu besteht kein Anlass. Sie werden sich daran erinnern, dass es einem Broker egal ist, ob die Kurse steigen oder fallen. Hauptsache es bewegt sich was, denn dann findet Handel statt und Broker erhalten eine Gebühr je Transaktion. Der Dezember dürfte da ein ziemlich guter Monat für FlatEx gewesen sein, oder was meinen Sie?

Problematisch könnte die Beteiligung der Ö-Post an der FinTech Group sein. Wir erinnern uns: Im Rahmen des Joint Ventures hat die FinTech Group eine Kapitalerhöhung in Höhe von 35 Mio. Euro durchgeführt, die von der Ö-Post gekauft wurde. Die Investition der Ö-Post ist aktuell nicht einmal mehr 25 Mio. Euro wert.

Mag sein, dass die Ö-Post diesen Dorn im Auge entfernen möchte und die Aktien auf den Markt schmeißt. Das würde den Aktienkurs nochmals kräftig belasten. Mag aber auch sein, dass die Ö-Post darauf setzt, dass sich die Aktie wieder in Richtung 28,50 Euro bewegt, so dass sie ohne Verlust rauskommen.

Frank Niehage hat versichert, dass ihm keine Verkaufsabsicht der Ö-Post bekannt sei. Vielmehr wolle er zu einem Kurs von 28,50 Euro, wenn dieser dann irgendwann erreicht werden sollte, einen neuen Ankeraktionär auftreiben, der vielleicht die Aktien als Paket übernimmt.

Ein anderes Thema, das wir uns merken sollten, ist die attraktive Gewinnmarge der FinTech Group. Die Gewinnmarge (EBIT) der FinTech Group liegt bei 30%, die der Commerzbank bspw. bei nur 22%. Das liegt an zwei Dingen: Zum einen ist die Handelsplattform der FinTech Group moderner als die der Comdirect. Die Kosten je Transaktion liegen nach Aussage von Niehage bei 1,44 Euro, während sie bei der Comdirect nach seiner Schätzung bei 8 Euro liegen müssten.

Zum anderen verfolgt die FlatEx eine meiner Strategien: Online-Geschäft wird online beworben. Sonst nichts. Der Weg von einem Magazin oder einer Zeitung, einem Plakat oder einem TV-Spot zum Eröffnen eines Online-Depots ist unendlich weit. Die Werbekosten von FlatEx seien daher deutlich geringer als bei Wettbewerbern, was sich in einer hohen Gewinnmarge zeigt.

Also: Meine Bedenken konnte Niehage ausräumen. Ein weiteres Abenteuer ist vorerst nicht zu befürchten und die Bewertung der Aktie ist nach dem Ausverkauf der vergangenen Monate sehr niedrig. In unserem Wachstumsbereich des Portfolios haben wir seit vergangenem Herbst keine Finanzaktie mehr, ich würde nun die FinTech Group dort wieder aufnehmen.

Der Aktienmarkt ist im Januar kräftig angesprungen. Ich würde mich also bereit halten, im Falle einer Konsolidierung oder eines Rückschlags in den kommenden Monaten nochmals nachzufassen.

Bitte kaufen Sie nur streng limitiert, damit wir den Kurs nicht bewegen. Ich denke, zu 19,60 Euro dürften wir alle zum Zug kommen.


Wheaton Precious Metals
Versicherung gegen Chaos weiterhin erforderlich

Fr, 08. Februar um 14:28 Uhr
Nach dem Chaos-Dezember ist es vielen Anlegern bewußt geworden, dass die Aktienmärkte mitunter zu stark an den Nerven zehren können. Wenn ein defensiver DAX-Titel wie Fresenius an einem Tag 25% verlieren kann, dann schwindet das Vertrauen in die Kapitalmärkte.

War der Dezember eine Ausnahme? Nun, schauen Sie sich mal den DAX-Titel Wirecard an, die haben an einem Tag 30% verloren. Und das war nicht im Dezember, sondern letzte Woche.

Die Aktienbörsen sind im Januar stark angestiegen, doch die Probleme Brexit und Handelsstreit schwelen weiterhin. Ich denke, Edelmetalle werden auch in den kommenden Monaten gesucht bleiben, also noch ein wenig weiter ansteigen. Entsprechend dürfte Wheaton Precious Metals ebenfalls noch ein wenig höher steigen.


Freenet
Freenet leidet unter 5G-Ungewißheit bzgl. Roaming, 10% Dividende sollte dennoch Kurs treiben

Fr, 08. Februar um 14:40 Uhr
Die Liste an Ungewissheiten für Freenet ist lang. Daher ist der Kurs unserer Aktie im vergangenen Jahr auch so stark niedergeprügelt worden. Die Ungewissheiten haben wenig mit Konjunktur und Geldpolitik zu tun, daher hat sich die Aktie nicht so stark erholt wie andere Aktien unseres Portfolios. Doch mit +8% seit Jahresbeginn läuft Freenet immerhin besser als der DAX (+5,6%).

Ganz oben auf der Liste der Ungewissheiten steht die 5G-Versteigerung: Nach wie vor ist ungewiss, welche Rechte und Pflichten mit einer 5G-Lizenz, die im März versteigert wird, einhergehen. Als Bieter tritt neben der Deutschen Telekom, Vodafone und O2/Telefonica diesmal erstmalig United Internet (1&1/Drillisch) auf.

United Internet startet von Null und möchte als vierter Anbieter in Deutschland wettbewerbsfähige Startkonditionen durchsetzen. So wird ein Roaming gefordert: Da der Netzausbau bei United Internet vermutlich langsamer vonstatten gehen wird als bei den etablierten Mobilfunkunternehmen, die überall schon Sendemasten stehen haben, braucht United Internet eine politische Entscheidung für eine Roamingpflicht. Die etablierten Mobilfunkbetreiber müssten dann ihre 5G-Netze zu einem angemessenen Preis auch Drittanbietern wie United Internet zugänglich machen.

Auch Freenet ist ein Drittanbieter und völlig ohne eigenes Netz. Wenn die Politik eine Roamingpflicht verabschiedet, wird auch Freenet davon profitieren. Es könnten so überteuerte Gebühren vermieden werden, was dem Geschäft von Freenet zugute kommt.

Die etablierten Mobilfunkbetreiber argumentieren aber, dass der Ausbau des 5G-Netzes teuer ist und nur über solche Gebühren finanziert werden kann.

So gibt es derzeit von so ziemlich allen Beteiligten Klagen vor Gericht, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Im März findet die Auktion statt und die Bieter wissen bis dahin vermutlich gar nicht genau, wie die Konditionen der 5G-Lizenzen letztlich sein werden.

Für Freenet besteht die Ungewissheiten, ob das Unternehmen durch überteuerte 5G-Gebühren in der Anfangsphase ausgeschlossen werden könnte. Dabei baut freenet schon heute mit einigen Diensten auf die neue 5G-Geschwindigkeit: Waipu TV ist zu nennen, als auch die von Freenet bekannten individuellen Produkte, die auf die zu erwartenden unterschiedlichen Bedürfnisse zugeschnitten sein werden. Gerade hier liegt der Vorteil von Freenet: Als kleiner Wettbewerber ohne Fixkosten kann das Unternehmen schneller auf sich ergebende 5G-Bedürfnisse der Kunden reagieren als die großen Netzbetreiber.

So bleibt die Aktie von Freenet weiterhin von diesen Vorgängen belastet, obwohl eine dicke Dividende winkt (10%!).

Das zweite Thema, das weiterhin belastet, ist die Ceconomy-Beteiligung. Freenet CEO Vilanek hat sich lautstark über das Missmanagement bei Ceconomy beschwert und so wurde die Führungsriege nach Hause geschickt. Aufsichtsratschef von Ceconomy ist Jürgen Fitschen, er hat Ende letzter Woche bekannt gegeben, dass ein neuer CEO (Jörn Werner) und CFO (Karin Sonnenmoser) verpflichtet wurden. Sie werden zum 1. März ihre Arbeit beginnen.

Jörn Werner kommt von ATU und arbeitete davor bei Conrad Electronik. Karin Sonnenmoser kommt vom Leuchtmittelhersteller Zumtobel aus Österreich. Ein Blick auf die Aktienentwicklung von Zumtobel ruft nicht unbedingt Freudenschreie hervor.

Zudem hat Ceconomy einen neuen Großaktionär: der Tscheche Daniel Kretinsky hat direkt von Haniel sowie von Ceconomy insgesamt 10% an der Ceconomy-Mutter Metro gekauft. Sprich: Ceconomy hat sich von Metro-Aktien getrennt und damit vermutlich die Bilanz aufgebessert. Im Umkehrschluss gewinnt Kretinsky mittelbaren Einfluss auf Ceconomy, denn Metro hält 9,99% an Ceconomy. In einem ersten Statement verzichtet Kretinsky auf einen Aufsichtsratssitz bei Metro, glänzt also erst einmal durch Desinteresse. Vorerst kann Ceconomy also ungestört weitermachen. Kretinsky ist mit Braunkohle reich geworden und hat kein besonderes Know-how im Bereich Konsumenten-Elektronik. Es bleibt also völlig offen, ob er irgendwann überhaupt Einfluss nehmen wird.

Ceconomy ist seit dem Jahreswechsel von 3€ auf 4€ gestiegen, hat also um 33% zugelegt. Das ist gut für Freenet. Der Verkauf der Metro-Anteile stärkt die Cash-Position, auch das ist gut für unsere Dividendenaktie Freenet. Bleibt die Unsicherheit bezüglich der 5G-Lizenzen. Da kann ich nur hoffen, dass die Politik die Zeichen der Zeit erkennt und eine vernünftige Lösung durchboxt, damit möglichst schnell eine flächendeckende 5G-Versorgung für alle Kunden und auch Mobilfunkunternehmen (inkl. Freenet) gewährleistet wird.

Eigentlich müsste die Aktie nun also, wenn wir auf den Dividendentermin im Frühjahr zulaufen, kräftig ansteigen.


Weibo
Stopp Loss einziehen

Fr, 08. Februar um 14:27 Uhr
Weibo hatte sein bisheriges Tief Mitte Januar bei 45,87 Euro. Die Aktie hängt am Handelsstreit zwischen den USA und China. Nachdem Trump im Januar seinen Tonfall etwas moderater gewählt hat, könnte es in den nächsten Wochen nochmals etwas ruppiger zugehen. Weibo würde dann wieder Federn lassen.

Grundsätzlich halte ich Weibo für absolut billig (KGV 20e von 16 bei 30% Gewinnwachstum), dennoch möchte ich mich gegen einen zu heftigen Ausverkauf absichern und setze daher ein Stopp Loss unter 45 Euro. Sollten die 45 Euro nicht halten, dann könnte die Aktie auch locker noch unter 40 Euro fallen.



07. Übersicht HT-Portfolio

Spekulation (≈10%) =4%WKN7.2.19Woche ΔΣ '19 ΔAnteil 5x2%!
Wheaton Precious MetalsA2DRBP18,39 €1%9%2,1%B
WeiboA110V752,95 €0%2%1,9%C







Wachstum (≈30%) =21,4%WKN7.2.19Woche ΔΣ '19 ΔAnteil 4x7,5%!
FacebookA1JWVX146,22 €-1%24%4,3%C
BB BiotechA0NFN359,35 €0%14%3,8%B
ZalandoZAL11125,54 €-5%13%6,4%B
Nvidia918422129,91 €3%12%3,5%B
FinTechFTG11119,50 €2%1%3,5%A







Dividende (≈25%) = 26%WKN7.2.19Woche ΔΣ '19 ΔAnteil 3x8%!
Innotec54051012,20 €1%22%7,5%C
FreenetA0Z2ZZ17,52 €-6%3%6,9%C
Bet-at-HomeA0DNAY60,00 €1%31%8,1%B
Deutsche Post55520025,39 €-1%6%3,4%B







Absicherung (≈20%) =23,2%WKN7.2.19Woche ΔΣ '19 ΔAnteil 3x7%!
Goldbarren 100 gr100 gr.3.682,00 €0%3%7,6%A
Südzucker-AnleiheA0E6FU77,50%-2%1%8,8%B
Nokia-AnleiheA0T9L2103,27%1%2%6,8%B





Cashquote
Σ-Portfolio

-1%-8%25,4%

Heibel-Ticker
GewichtungAnzahl Positionenangestrebte Positionsgröße
PortfolioZielSollIstSollIst
SpekulationEreignis10%4%512%
WachstumEnkelkinder30%21,4%457,5%
DividendeUrlaub25%26%348%
AbsicherungZins & Gold20%23,2%336,7%
Summe
85%74,6%1513


Anmerkungen:
- Die Überschrift über jedem Portfoliobereich in der jeweiligen ersten Spalte (bspw. Absicherung (≈20%) =21,8%) bedeutet: Der beabsichtigte Anteil dieses Portfoliobereichs am Gesamtportfolio beträgt ungefähr 20%. Aktuell beträgt der Anteil 21,8%.
- Die dritte Spalte zeigt die Schlusskurse von Donnerstagabend.
- Unter „Woche” steht die Veränderung im Vergleich zur Vorwoche.
- Unter „Σ 'XX Δ” steht das Ergebnis der Position seit Jahresbeginn bzw. seit Aufnahme ins Portfolio.
- Unter „Anteil” finden Sie den Anteil der jeweiligen Position am Gesamtdepot.

Unter ! steht zur Information meine Grundtendenz:


ATop-Aktie mit günstigem Kurs, 
BKursrücksetzer zum Kaufen nutzen 
CKurssprünge zum Verkaufen nutzen, 
Dbei Gelegenheit Verkaufen, 
ESofort Verkaufen 


Die „Gelegenheit” zum Kaufen oder Verkaufen wird sodann kurzfristig von mir per Update an Sie bekanntgegeben.

Ich habe diese Spalte „!” insbesondere für neue Kunden vorgesehen, die zu einem späteren Zeitpunkt wissen wollen, ob ich die Position noch zukaufen würde, wenn ich beispielsweise darin nicht schon voll investiert wäre. Zukaufen würde ich jeweils jedoch niemals zu Höchstkursen, sondern stets nur nach kurzfristigen Kursrückschlägen von mindestens 5-7%.

Kauffolge: Je spekulativer, desto aggressiver würde ich kaufen und verkaufen. Derzeit verwende ich die folgenden Schritte:
- Dividenden- & Wachstumspositionen in drei Schritten aufbauen: 25%-25%-50%,
- Zyklische Positionen in zwei Schritten aufbauen: 50%-50%,
- Spekulative Positionen ganz oder gar nicht: 100%.

Stopp Loss Limits, Verkaufslimits und ähnliche Aktionsmarken verwalte ich aktiv in meinem System und ändere ich unter der Woche mehrfach, fast täglich. Eine Veröffentlichung der entsprechenden Limits ist in der Regel nicht sinnvoll, allenfalls Stopp Loss Marken für unseren Spekulationen werde ich bisweilen im Text bekanntgeben.

Eine erfolgreiche Börsenwoche,
take share

Stephan Heibel

http://heibel-ticker.de


mailto:info/at/heibel-ticker/./de



08. Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise

Wer un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen in Umlauf setzt, wird mit Lust-, manchmal auch mit Erkenntnisgewinn belohnt; und wenn alles gut geht, fällt davon sogar etwas für Sie ab. (frei nach Robert Gernhardt)

Wir recherchieren sorgfältig und richten uns selber nach unseren Anlageideen. Für unsere eigenen Transaktionen befolgen wir Compliance Regeln, die auf unsere eigene Initiative von der BaFin abgesegnet wurden. Dennoch müssen wir jegliche Regressansprüche ausschließen, die aus der Verwendung der Inhalte des Heibel-Tickers entstehen könnten.

Die Inhalte des Heibel-Tickers spiegeln unsere Meinung wider. Sie stellen keine Beratung, schon gar keine Anlageempfehlungen dar.

Die Börse ist ein komplexes Gebilde mit eigenen Regeln. Anlageentscheidungen sollten nur von Anlegern mit entsprechenden Kenntnissen und Erfahrungen vorgenommen werden. Anleger, die kein tiefgreifendes Know-how über die Börse besitzen, sollten unbedingt vor einer Anlageentscheidung die eigene Hausbank oder einen Vermögensverwalter konsultieren.

Die Verwendung der Inhalte dieses Heibel-Tickers erfolgt auf eigene Gefahr. Die Geldanlage an der Börse beinhaltet das Risiko enormer Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.

Quellen:
Kurse: Deutsche Kurse von comdirect.de, Goldbarren & Münzen von proaurum.de, US-Kurse von finance.yahoo.com. Alle Kurse sind Schlusskurse vom Donnerstag sofern nichts Gegenteiliges vermerkt ist.
Bilanzdaten: Comdirect, Yahoo! Finance sowie Geschäftsberichte der Unternehmen
Informationsquellen: dpa-AFX, Aktiencheck, Yahoo! Finance, TheStreet.com, IR-Abteilung der betreffenden Unternehmen



09. An-/Ab-/Ummeldung

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