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21.06.2019:



H E I B E L - T I C K E R    P L U S

F I N A N Z I N F O R M A T I O N E N

- Einfach einen Tick besser -



DEUTSCHE BIBLIOTHEK : ISSN 1862-5436

14. Jahrgang - Ausgabe 25 (21.06.2019)
Erscheinungsweise: wöchentlich Freitag/Samstag



I N H A L T

01.Info-Kicker: Zwischen Angst und Euphorie
02.So tickt die Börse: Notenbanken kündigen Lockerung der Geldpolitik an
 - Das bislang Undenkbare: EU-Leitzins wird negativ
 - Wettlauf der Geldflutung
 - Trump wütet
 - EU paralysiert
 - Facebook schenkt der Welt eine neue Krypto-Währung: Libra
 - Abenteuerliche Bewertungen: Slack, Beyond Meat, MongoDB
 - Wochenperformance der wichtigsten Indizes
03.Sentiment: Extremer Pessimismus
 -
04.Ausblick: Vorbereitung für die Korrektur: Diese Branchen werden leiden
 - Trump vs. Powell
05.Update beobachteter Werte: Twilio, Zooplus, FinTech Group, TUI
 - Twilio: Fragwürdigen Aufsichtsrat an Bord geholt
 - Zooplus: Chewy IPO sorgte für Feierlaune
 - FinTech Group: flatex erobert Holland schneller & günstiger als erwartet, 0€ Gebühren, aggressive Strategie
 - TUI: TUI hält sich wacker trotz Lufthansa-Debakel, dennoch wird die Luft dünner
06.Übersicht HT-Portfolio
07.Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise
08.An-/Ab-/Ummeldung



01. Info-Kicker: Zwischen Angst und Euphorie

Liebe Börsenfreunde,

Zwischen Angst und Euphorie befinden sich die Anleger. Euphorie über die in Aussicht gestellte Lockerung der Geldpolitik durch EZB und Fed, aber Angst vor Trumps nächstem Tweet. In Kapitel 02 zeige ich, welche Spannungen zwischen den Akteuren derzeit herrschen. Zudem werfe ich einen Blick auf Unternehmen mit abenteuerlichen Bewertungen: Beyond Meat (Veggie-Burger), Canopy (Hanf), MongoDB (Cloud-Datenbank) und Slack (Cloud-Teamwork) erinnern an die Internetblase der Jahrtausendwende.

Die Stimmung ist gut, doch vor der Zukunft haben Anleger Angst. Entsprechend zeigt unser Stimmungsbarometer gute Laune und gleichzeitig den größten Zukunftspessimismus der vergangenen zwei Jahre.

Ich habe einen konkreten Fahrplan für die kommenden Handelstage und Wochen ausgearbeitet. Das G20-Treffen wird die neue Richtung bestimmen. Ich habe mich bereits festgelegt, was ich erwarte. Entsprechend werden wir in den kommenden Tagen unser Portfolio darauf vorbereiten. Die Details dazu lesen Sie in Kapitel 04.

Wie immer gibt es eine Reihe von wichtigen Updates zu unseren offenen Positionen in Kapitel 05 sowie eine tabellarische Übersicht in Kapitel 06.

Die PDF-Version dieser Ausgabe steht Ihnen ab sofort im Archiv sowie unter dem folgenden Link zur Verfügung: http://www.heibel-ticker.de/downloads/htp190623.pdf

Nun wünsche ich eine anregende Lektüre,

take share, Ihr
Börsenschreibel

Stephan Heibel

Chefredakteur und
Herausgeber des
Heibel-Ticker




02. So tickt die Börse: Notenbanken kündigen Lockerung der Geldpolitik an

Es ist zu viel passiert in der abgelaufenen Woche. Ich versuche, die wichtigsten Dinge kurz ins Finanzlicht zu setzen:

DAS BISLANG UNDENKBARE: EU-LEITZINS WIRD NEGATIV

EZB-Chef Mario Draghi äußerte im Rahmen des jährlichen Notenbankforums in Sintra, Portugal, dass weiterhin Zinssenkungen zum Instrumentarium der Geldpolitik gehören. Wenn sich der Wachstums- und Inflationsausblick der EZB nicht verbessere, würden stimulierende Schritte der Geldpolitik erforderlich.

Die Inflation steht bei 1,6% und ist trotz Nullzinspolitik und Anleihekäufen sowie anziehender Konjunktur noch immer weit entfernt vom 2%-Ziel. Die Tür für eine Leitzinssenkung ins Negative steht nun weit offen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Draghi nicht durch diese Tür gehen wird.

Als Draghi vor acht Jahren das Amt des EZB-Chefs antrat, nannte ich ihn provokativ "Supermario", weil ich von ihm nicht nur aufgrund seiner italienischen Herkunft nicht erwartete, die Phase der Nullzinspolitik erfolgreich zu beenden. Im Oktober endet seine Amtszeit und er wird der erste Notenbankchef der Geschichte sein, der in seiner Amtszeit keine einzige Zinsanhebung vorgenommen hat.

WETTLAUF DER GELDFLUTUNG

US-Notenbankchef Jay Powell hat diese Woche ebenfalls Anleger auf eine Zinssenkung vorbereitet. Im Gegensatz zur EU, wo Supermario keine Zinsanhebung umsetzte, heißt das nun in den USA: Zinswende. In den USA hat man vom aktuellen Niveau von 2,25% - 2,5% reichlich Luft, um die Konjunktur mit traditionellen, geldpolitischen Maßnahmen anzukurbeln.

In China werden mit einem Konjunkturprogramm in Höhe von 700 Mrd. USD die Folgen aus dem Handelskrieg mit den USA abgefedert. Russland hat diese Woche den Leitzins gesenkt, so auch Indien vor zwei Wochen. Es kommt mir vor, als würden die Länder einen Wettlauf veranstalten um mit einer möglichst billigen Währung Handelsvorteile für die eigenen Unternehmen zu erzielen.

TRUMP WÜTET

US-Präsident Trump verschärft seine Rhetorik gegenüber Europa, insbesondere Deutschland. Den Anstieg des DAX führt Trump korrekt auf die Bemerkungen Draghis zurück. Die dadurch erzielte Schwächung des Euros gegenüber dem US-Dollar sei sehr unfair. Damit stellt er die EU, die er schon mal als "Feind" bezeichnete, auf eine Stufe mit Ländern, die er schon der Währungsmanipulation bezichtigt hat (bspw. China!).

Doch auch US-Notenbankchef Jay Powell ist nicht sicher vor Trump: Die Zinsanhebung vom Ende letzten Jahres sei ein Fehler gewesen, das Zinsniveau in den USA müsse viel tiefer sein, so Trump.

Trump hat mit einer historischen Unternehmenssteuerreform die US-Wirtschaft für den Handelsstreit präpariert. Der einmalige Steuereffekt läuft nun aus und er benötigt weitere Hilfen, um die kurzfristig negativen Auswirkungen seiner Strafzölle zu vertuschen. Eine lockere Geldpolitik wäre die für ihn einfachste Lösung, daher hackt er bei jeder Gelegenheit auf Powell herum. Powell ist ein leichtes Opfer, meiner Ansicht nach war die Zinsanhebung Ende letzten Jahres falsch und verursachte den Chaos-Dezember.

Ende nächster Woche wird Trump den chinesischen Präsidenten Xi im Rahmen des G20-Gipfels in Osaka treffen. Trump hat per Twitter bekannt gegeben, Xi habe ihn angerufen und um ein Gespräch gebeten. Das hört sich genauso an wie vor dem Gipfel in Argentinien, damals blieben die Gespräche erfolglos und Trump setzte erste Strafzölle ein.

EU PARALYSIERT

Bei der EU-Wahl hat die konservative Parteienfamilie EVP kräftig Federn gelassen, dennoch ging sie als stärkste Partei aus der Wahl hervor. Deren Spitzenkandidat Manfred Weber bekommt nun jedoch nicht die für die Wahl zum Kommissionspräsidenten erforderliche Mehrheit im EU-Parlament. Europaweit fragen sich nun diejenigen, die der EVP ihre Stimme gegeben haben, wen sie eigentlich gewählt haben. Ohne die EVP oder Weber bewerten zu wollen, möchte ich jedoch betonen, dass die EU noch weit entfernt ist von einer Demokratie.

Unterschiedliche Interessen führen zu Machtspielchen auf allen Ebenen, unterm Strich ist die EU meiner Einschätzung nach derzeit vollständig handlungsunfähig: die Abschaffung der Sommerzeit konnte nicht umgesetzt werden, das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 kann durch einige wenige Mitglieder blockiert werden.

In Deutschland sieht es nicht viel besser aus: 25 Jahre nach der vorübergehenden Einführung des Solis schafft es die Regierungsmehrheit nicht, den Soli wieder abzuschaffen. Das Prestigeprojekt der CSU, die Maut, wurde diese Woche vom Europäischen Gerichtshof beerdigt.

Grundsätzlich gilt, dass die Konjunktur am besten läuft, wenn sie Planungssicherheit hat. Wenn wir also feststellen, dass weder auf EU-, noch auf Bundesebene auch nur die kleinsten Vorhaben umgesetzt werden können, dann müssten wir doch alle jubeln, oder?

Nun, das Problem ist, dass sich die Welt um uns herum derzeit dramatisch ändert und wir eigentlich entsprechende Anpassungen vornehmen müssen. Doch daran ist derzeit nicht zu denken.

FACEBOOK SCHENKT DER WELT EINE NEUE KRYPTO-WÄHRUNG: LIBRA

Diese Woche hat Facebook eine neue Krypto-Währung vorgestellt: den Libra.

Der Libra nutzt die Blockchain-Technologie für den sicheren Zahlungstransfer sowie für die Speicherung des Guthabens. Der Wert des Libra wird jedoch, anders als alle bisher verfügbaren Krypta-Währungen, an einen Basiskorb von Währungen gekoppelt. Es ist noch offen, wie dieser Basiskorb aussehen wird, doch der IWF betreibt einen solchen Währungskorb, auch der US-Dollar wird traditionell gegen einen Korb der größten Weltwährungen gemessen, so dass Facebook schon deren Vorarbeit nutzen kann.

Der Libra werde von einer von Facebook unabhängigen Firma aus der Schweiz heraus betrieben. Chef des gemeinnützigen Unternehmens (Non-Profit) soll David Marcus sein, ehemaliger Präsident von Paypal. David Marcus ist Franzose mit iranischen und rumänischen Wurzeln, wuchs in der Schweiz auf und entstammt dem Bankgeschäft. Ich schreibe es Marcus David zu, dass Paypal so kundenfreundlich konzipiert werden konnte, wie bislang keine andere digitale Zahlungsabwicklung.

Facebook hat bereits unzählige Partner mit ins Boot geholt: Visa und Mastercard, Ebay und Paypal, Spotify, Uber, Lyft, Vodafone, uvm. Zahlungen können so einfach wie eine WhatsApp Nachricht verschickt werden. Guthaben kann jederzeit in die lokale Landeswährung getauscht werden. So zumindest das Versprechen von Facebook.

Nun wird heftig diskutiert, ob Facebook dieses Projekt ins Leben gerufen hat, um das durch den Datenskandal angekratzte Image aufzupolieren, oder aber ob sich Facebook dort an irgendeiner Ecke die Möglichkeit eingerichtet hat, Geld zu verdienen. Noch sind zu wenige Details über den Libra bekannt, um dies zu beurteilen. Dennoch halte ich das Konzept für vielversprechend und der Umstand, dass ein Mann wie David Marcus gewonnen werden konnte, spricht dafür, dass der Libra tatsächlich ein Geschenk aus Imagegründen sein kann...

...und sei's drum, wenn Facebook am Ende eine kleine Ecke hat, an der das Unternehmen verdienen kann, dann ist das in meinen Augen auch nicht schlimm. Hauptsache, die Privatsphäre wird beachtet, und das ist dem Konzept der Kryptowährung folgend gegeben.

ABENTEUERLICHE BEWERTUNGEN: SLACK, BEYOND MEAT, MONGODB

Geistern ist Slack an die Börse gegangen. Auf der Plattform dieses Cloud-Unternehmens können Teams ihre Teamarbeit koordinieren und gemeinsame Quellen verwalten, den Projektfortschritt dokumentieren und Telcos abhalten. Ich habe mit Yammer (Microsoft) gearbeitet und muss sagen, solche Tools sind megageil! Ich gehe davon aus, dass sich Slack zu einem lukrativen Unternehmen entwickeln wird.

Bislang wurden jedoch im Jahr 450 Mio. USD umgesetzt und das Unternehmen mit 19 Mrd. USD bewertet. Ein Kurs/Umsatz-Verhältnis (KUV) von 42 ist mir dann doch zu hoch. Ich bevorzuge KUVs von 1, bei Wachstumsunternehmen können es auch mal 2 sein. Bei den jungen Cloud-Unternehmen bin ich sogar bis 7 gegangen (Zuora), doch 42 ist mir zu hoch.

Da fällt mir der Börsengang von Beyond Meat ein, die Anbieter des veganen Burgers, den Sie in Deutschland auch schon bereits bei Lidl im Regal sehen. Das Unternehmen ging Anfang Mai zu 25 USD an die Börse, der erste gehandelte Kurs war bei 65 USD und wurde als IPO-Hype abgetan. Seither ist die Aktie jedoch, statt zu crashen, weiter in den Orbit geschossen und erreichte bereits Kurse über 180 USD (aktuell 169 USD). 115 USD Jahresumsatz werden dort mit 10 Mrd. USD Marktkapitalisierung bewertet, ein KUV von 87. Und hier handelt es sich nicht um ein digitales, in der Cloud beliebig skalierbares Produkt, sondern um ein Nahrungsmittel.

Bleibt MongoDB, die Datenbank für die Cloud. Das Unternehmen erobert die Herzen der Entwickler im Sturm, nach 40 Jahren Oracle-DBs ist die Begeisterung für eine moderne Datenbank gigantisch. Wie gigantisch? Nun, KUV 31. Muss ich da noch mehr zu sagen?

Ach so, fast vergessen hätte ich die Cannabis-Welle: Canopy aus Kanada beispielsweise ist schon 14 Mrd. USD wert, setzte in 12 Monaten 132 Mio. USD um. Das KUV beträgt also 106.

Die Slack-Plattform für Teamarbeit, der Veggie-Burger, Cannabis sowie auch die Mongo Datenbank werden in 10 Jahren meiner Einschätzung nach große Verbreitung finden. Doch ob dieser Erfolgszug heute schon vollständig eingepreist werden kann, wage ich zu bezweifeln. Für unsere Aktienanlage suchen wir uns andere Kandidaten.

Schauen wir mal, was die Finanzmärkte aus dieser Informationslage gemacht haben:

WOCHENPERFORMANCE DER WICHTIGSTEN INDIZES


INDIZES20.6.19Woche ΔΣ '19 Δ
Dow Jones26.761 2,5%16,0%
DAX12.331 1,9%16,8%
Nikkei21.259 0,7%6,2%
Shanghai A 3.144 4,2%20,4%
Euro/US-Dollar1,130,7%-1,1%
Euro/Yen121,840,0%-3,4%
10-Jahres-US-Anleihe2,06%-0,04-0,68
Umlaufrendite Dt-0,34%-0,04-0,44
Feinunze Gold$1.392 3,2%8,7%
Fass Brent Öl$65,18 5,7%24,8%
Kupfer5.894 1,1%-2,0%
Baltic Dry Shipping1.194 12,4%-6,1%
Bitcoin9.589 16,4%144,5%



Trump wütet, die EU ist paralysiert, die Notenbanken reagieren entsprechend umsichtig und bereiten die Finanzmärkte auf Zinssenkungen vor. Natürlich jubeln die Finanzmärkte sämtliche Anlageklassen nach oben: Dow Jones +2,5%, DAX +1,9%, Shanghai A-Aktienindex +4,2%. Im Wettlauf der Geldflutung hat Powell die Nase leicht vorn, er hat mehr Feuerkraft und so ist sein US-Dollar ein wenig schwächer als der Euro (Euro legt 0,7% zu). Auf der Baltic Dry Verschiffungsindex springt an (+12,4%).

Aber auch Anleihen (Rendite -0,04%punkte) und das Gold (+3,2%) bekommen die Flucht in den Sicheren Hafen zu spüren. Was das zu bedeuten hat, werde ich in Kapitel 04 näher untersuchen.

Der Ölpreis ist um 5,7% angesprungen, weil sich die Situation im Iran zuspitzt. In meinen Augen läuft das dort auf einen Krieg hinaus, der die gesamte Region destabilisieren wird. Ich bin mir noch nicht sicher, ob Trump das noch vor seiner Wiederwahl anzetteln möchte. Am liebsten würde er das dortige Pulverfass bis November 2020 am Köcheln halten.

Der Bitcoin profitiert vom Medientrubel um den Libra.

Schauen wir nun einmal, wie sich die Stimmung vor dem Hintergrund dieser doch teilweise widersprüchlichen Nachrichtenlage entwickelt hat.




03. Sentiment: Extremer Pessimismus

An die Angst vor spontanen Aktionen Donald Trump haben sich die Finanzmarktteilnehmer inzwischen gewöhnt. Doch die geldpolitischen Geschenke der US-Notenbank sowie der EZB haben Anleger verzückt: Zinssenkungen hüben und drüben, ein Wettlauf in Sachen Lockerung, um die Konjunktur anzukurbeln, die bislang noch nicht einmal so schlecht aussieht, das ist ganz nach dem Geschmack der Anleger.

Und so sehen 32% (+24%) unserer Umfrageteilnehmer in der Entwicklung des DAX einen Aufwärtsimpuls, weitere 19% (+8%) betrachten dies als Topbildung. Mit 38% (-24%) ist das Lager derer, die den DAX in einer Seitwärtsbewegung sehen, deutlich kleiner geworden. Einen Abwärtsimpuls erkennen nur noch 7% (-8%). Die Stimmung ist damit von -0,8 auf +2,5 gesprungen und kann als "gute Laune" beschrieben werden.

Diese Entwicklung wollen 46% (-3%) bereits vor einer Woche so zum größten Teil erwartet haben, weitere 31% (+4%) wollen sogar darauf spekuliert haben. Hingegen fühlen 31% (-2%) ihre Erwartungen kaum erfüllt, weitere 10% (+1%) wurden durch die steigenden Kurse sogar auf dem falschen Fuß erwischt. Die Verunsicherung ist verflogen, Selbstzufriedenheit sieht jedoch anders aus.

In drei Monaten wird der DAX seitwärts laufen, meinen mit 42% (+2%) die meisten der Umfrageteilnehmer. Einen Abwärtsimpuls fürchten nun 34% (+5%) und an weiter steigende Kurse glauben nur noch 14% (-4%). Die Zukunftserwartung ist damit auf dem niedrigsten Stand seit zwei Jahren. Anders als die Stimmung ist die Zukunftserwartung kein Kontraindikator.

Während also depressive Stimmung ein Tief im Aktienmarkt vermuten lässt, ist diese Schlussfolgerung für großen Pessimismus nicht zutreffend. Vielmehr könnte sich dieser Pessimismus kurzfristig durch Kaufzurückhaltung oder gar Verkäufe ausdrücken, was zu einer Korrektur führen würde.

Entsprechend gering ist die Investitionsbereitschaft: Nur 17% (+2%) unserer Umfrageteilnehmer wollen in den kommenden zwei Wochen Aktien zukaufen, hingegen wollen 20% (+5%) ihre Positionen verkleinern. Mit 63% (-7%) bleiben viele vorerst unentschieden über ihre nächsten Entscheidungen.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger ist weiterhin rückläufig, aber noch im neutralen Bereich. Privatanleger positionieren sich vor den Sommerferien weder long, noch sind sie große Absicherungspositionen eingegangen. Ich würde sagen, sie schauen sich die Entwicklung an, ohne stark investiert zu sein. Wer sollte es ihnen verübeln, nach dem turbulenten Vorjahr, das nunmehr wieder ausgeglichen werden konnte.

Auch institutionelle Anleger, die sich über die Eurex absichern, verhalten sich derzeit überwiegend neutral. Das Put/Call-Verhältnis zeigt mit einem Wert von 1,2 durchschnittlich viele Absicherungsgeschäfte an.

Inzwischen kommen auch ihre US-Kollegen in die neutrale Zone zurück: Das Put/Call-Verhältnis der CBOE ist diese Woche deutlich zurückgegangen, was auf das Auflösen von Absicherungsgeschäften (Puts) zurückzuführen ist. Es hat den Anschein, dass auch die Profis sich zunehmend abwartend positionieren.

Die Investitionsquote der US-Fondsmanager ist unverändert bei moderaten 75% geblieben. Selbst die Bullenquote der US-Privatanleger ist mit -2,6% als neutral einzustufen.

Moderat, neutral, ... weitere Synonyme fallen mir kaum noch ein, doch auch der technische Angst und Gier Indikator des S&P macht mit 50% eine Punktlandung in der Neutralität.

Interpretation



Die Sentiment-Theorie ist geeignet, Marktreaktionen auf etwaige Ereignisse vorherzusagen. So habe ich vergangene Woche aus der bereits damals neutralen Stimmungslage abgeleitet, dass der Finanzmarkt allein durch Meldungen und Ereignisse in die eine oder andere Richtung bewegt werden kann. Wir haben diese Woche überraschend festgestellt, dass sich die Notenbanken der EU und USA einen Wettlauf in Sachen Lockerungsübungen liefern. Etwas Bullischeres kann ich mir für die Aktienmärkte kaum vorstellen. Entsprechend konnten DAX (+1,9%) und Dow Jones (+2,5%) diese Woche nochmals ordentlich zulegen.

Die Aussagen der Notenbanken werden eine Zeit lang anhalten, zudem ist für Ende nächster Woche ein Treffen von Trump und Xi angekündigt. Ich lasse mich überraschen, wie viele Tage diese Rallye noch anhält, bevor eine überfällige Korrektur folgt. Denn: Die Stimmung ist gut, doch für die Zukunft erwarten Anleger nichts Gutes. Es bestehen keine großen Fehlallokationen (Anleger sind weder zu long noch zu short positioniert), daher kann der Trend noch ein wenig weiterlaufen.

Doch irgendwann läuft die Freude über die Notenbankankündigungen aus und Fakten müssen folgen. Da die nächsten Notenbankentscheidungen nun in weiter Ferne liegen, könnte beispielsweise das Gespräch zwischen Trump und Xi als wesentliche Determinante herhalten: Einigen sich die beiden auf ein neues Handelsabkommen, oder gibt es auch nur wieder Annäherungen, dann würde das den Aktienmärkten wieder Feuer unterm Hintern machen. Verlaufen die Gespräche jedoch ergebnislos, so dürfen wir mit der dritten Stufe der Strafzölle seitens der USA rechnen, und das würde meiner Einschätzung nach zu einer Korrektur führen.

Wir sind also abhängig von neuen Entwicklungen, die über die künftige Richtung an den Aktienmärkten entscheiden werden. Es gibt jedoch keinen Schießstand, der eine Bewegung in die eine oder andere Richtung verstärken würde. Vielmehr ist die Stimmungslage, die ich den hier vorliegenden Umfragedaten entnehme, so defensiv, dass keine Richtung wirklich tragfähig ist, sondern wenig später wieder egalisiert werden sollte.







04. Ausblick: Vorbereitung für die Korrektur: Diese Branchen werden leiden

Ich gehe weiterhin davon aus, dass Trump und Xi auf dem G20-Gipfel am nächsten Wochenende keine Einigung finden werden. Im Anschluss daran wird Trump meiner Meinung nach die nächste Runde der Strafzölle aktivieren: 10% auf Waren im Wert von weiteren 300 Mrd. USD.

Ich werde also die nächste Woche nutzen, um unser Portfolio ebenfalls für den Sommer vorzubereiten und auszudünnen: Unsere Spekulationen sollten wir schließen. Die großen Positionen bei den Wachstumstiteln sollten wir verkleinern. Und bei den Dividendentiteln werde ich individuell vorgehen, je nach Kursentwicklung.

Dividendenaktien sind bereits in dieser Woche gefragt gewesen und haben in den USA das Erreichen eines Allzeithochs im S&P 500 maßgeblich gestützt. Nicht konjunktursensible Aktien und auch nicht die Wachstumsaktien der Vergangenheit, sondern defensive Dividendenwerte haben für die letzten Prozente gesorgt, die zu einem Allzeithoch führten.

Gold, Anleihen und Dividendenaktien werden also gesucht. Daraus können Sie ablesen, dass viele Anleger bereits Schlimmes befürchten. Was sollen sie auch anderes erwarten, wenn die Notenbanken Zinssenkungen ankündigen: Zinsen werden nur dann gesenkt, wenn die Konjunktur Probleme bekommt. Und wenn die Konjunktur Probleme bekommt, dann ist eine erste Reaktion natürlich die Flucht in die Sicheren Häfen einschließlich der Dividendenaktien.

Entsprechend dürften insbesondere die folgenden Branchen leiden, wenn Trump die dritte Runde der Zollerhöhungen einführt:

Allen voran der Chipsektor! Hochtechnologie ist im Zentrum des Streits zwischen China und den USA. Patentklau wirft man sich gegenseitig vor, keine fairen Marktbedingungen bis hin zur Spionage, so dass Huawei auf eine Schwarze Liste gesetzt wurde.

Wir sollten also Infineon und Siltronic meiden. In den USA würde ich Broadcom, Micron, Xilinx, Lam Research, Skyworks Solution und Western Digital meiden. Wir haben Nvidia im Portfolio. Das US-Unternehmen hat seine China-Beziehungen überwiegend auf Taiwan konzentriert, dürfte also relativ ungeschoren davon kommen. Doch was ist schon "relativ", gegebenenfalls werde ich auch unsere Nvidia-Position ein wenig verkleinern.

Auch Apple wird im Kreuzfeuer stehen: Apple hat sich so positioniert, dass es in beiden Ländern ein wesentlicher Konjunkturfaktor geworden ist. Wer Apple schadet, schadet sich selbst. Ich sehe also die Gefahr für Apple nicht nur seitens Vergeltungszöllen aus China, sondern auch aus den USA: Trump ärgert sich darüber, dass Apple so stark in China aktiv ist. Überraschenderweise hat Apple diese Woche bekannt gegeben, 30% der Produktion aus China in andere asiatische Länder zu verlagern. Ist nun also auch Tim Cook vor Donald Trump eingeknickt?

Das sieht mir nach einem Gentlemen-Agreement zwischen Trump und Cook aus, so dass Apple gegebenenfalls von der nächsten Zoll-Erhöhung ausgenommen werden könnte. Doch das erhöht gleichermaßen die Gefahr von chinesischen Vergeltungsmaßnahmen, denn wenn Apple nun seine Aktivitäten aus China abzieht, dann macht es sich dort keine Freunde.

Anbieter von Investitionsgütern wie Siemens, Heidelberger Druckmaschinen, König & Bauer, Aixtron, Pfeiffer Vacuum und GEA werden aufgrund des durch neue Zölle geschwächten Absatzmarktes China unter Druck geraten. In den USA sind dies Emerson, 3M und United Technologies, aber auch einmal mehr Boeing und Caterpillar.

Natürlich werden auch Logistikunternehmen unter Verkaufsdruck geraten: Die Deutsche Post haben wir im Portfolio und ich würde Anfang nächster Woche die Position verkleinern. Die Deutsche Lufthansa ist bereits ausverkauft worden, ich kann mir kaum eine Fortsetzung des Abwärtstrends vorstellen.

Chemie und Auto zahlen hohe Dividenden, fast schon wie Versorger und Unternehmen der Gesundheitsbranche, daher wird es dort von Fall zu Fall entschieden.

TRUMP VS. POWELL

Sie müssen nun abwägen: Wird Trump es schaffen, die globale Konjunktur in eine Krise zu stürzen, so dass die Aktienmärkte nachhaltig einbrechen? Oder hat Powell ausreichend Munition, um mit Lockerungsmaßnahmen die Maschine am Laufen zu halten?

Powell ist lernfähig. Ich könnte fast sagen, er ist verhältnismäßig (ggü. Trump) jung ;-). Im vergangenen Herbst hat er einen Fehler gemacht. Nun hat er gelernt, dass er mit seiner Zinspolitik die politisch erzeugten Turbulenzen auffangen muss. Ich zweifle nicht daran, dass er dazu in der Lage ist. Daher setze ich auf Powell und gehe davon aus, dass nach einer - wenn auch kurzfristig heftigen - Reaktion auf das von mir erwartete Scheitern der Gespräche zwischen Trump und Xi ein Boden gefunden wird, vermutlich über 11.600 Punkten im DAX, und sodann ein neuer Aufwärtstrend beginnt. Diesmal könnte dann auch die 12.500 Punkte-Hürde im DAX übersprungen werden, aber das ist eine Sache für den Herbst.

Ja, so konkret habe ich selten einen Ausblick verfasst. Nehmen Sie es als Richtschnur. Solange alles nach Plan verläuft, können wir in den Ausverkauf hinein Aktien zukaufen. Sollte es Entwicklungen geben, die ich hier falsch eingeschätzt habe, können wir reagieren und unsere Strategie anpassen. Betrachten Sie diesen Ausblick also vor dem Hintergrund, dass nur wer nichts tut, keine Fehler macht ;-).

Ich liege falsch, wenn Trump und Xi bei ihrem Treffen so weit aufeinander zugehen, dass Trump die dritte Zollerhöhungsrunde vorerst aufschiebt. Ein solches Ergebnis könnte zu einer Rallye führen, bei der wir dann gemeinsam mit vielen Anlegern hinterherlaufen müssen. Ich habe mir für dieses Jahr jedoch vorgenommen, nicht wieder so große Verluste auflaufen zu lassen wie im Chaos-Dezember, und verzichte daher lieber auf ein paar Prozentpunkte Gewinn, wenns denn so kommen sollte.

Meine Wunschliste für Käufe kennen Sie, die werde ich aber zu gegebener Zeit überarbeiten.



05. Update beobachteter Werte: Twilio, Zooplus, FinTech Group, TUI

Bitte beachten Sie auch den Kundenbereich auf meiner Internetseite unter www.heibel-ticker.de -> Portfolio -> 10 neueste Einträge. Dort finden Sie aktuelle Charts mit meinen jeweils aktualisierten Einschätzungen.

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Im Wochenverlauf habe ich zu mehreren Titeln Anmerkungen im Kundenbereich der Webseiten verfasst.


Twilio
Fragwürdigen Aufsichtsrat an Bord geholt

Fr, 21. Juni um 18:25 Uhr
Jeff Immelt ist in den Aufsichtsrat von Twilio berufen worden. Es handelt sich um einen hochkarätigen, bestens vernetzten Manager in den USA, denn Immelt hat 16 Jahre lang den Siemens-Wettbewerber General Electric geführt.

Doch in seiner Zeit als CEO ist die Aktie des ehemals weltweit wertvollsten Unternehmens von 70 auf 10 USD geschrumpft. Eine verheerende Bilanz. Ich weiß nicht, ob ich es so gut finden soll, dass er nun bei Twilio mit herumpfuscht.

Twilio ist ein Unternehmen mit exorbitant hohem Bewertungsniveau. Als Spekulation werde ich nächste Woche wohl auch bei diesem Titel die bislang 12% Buchgewinn sichern.


Zooplus
Chewy IPO sorgte für Feierlaune

Fr, 21. Juni um 18:26 Uhr
Zooplus notiert mit +30% in nur zwei Wochen ziemlich an der Spitze meiner Spekulationen. Ja, die Aktie hat noch viel "Potential", doch wie im heutigen Heibel-Ticker ausgeführt werde ich hier lieber den Spatz in der Hand nehmen.


FinTech Group
flatex erobert Holland schneller & günstiger als erwartet, 0€ Gebühren, aggressive Strategie

Fr, 21. Juni um 16:30 Uhr
Heute früh hat unsere FinTech Group gemeldet, dass die Expansion nach Holland schneller und günstiger gelingt als zunächst angenommen. Für nur eine halbe Mio. Euro wurde die Software an die niederländischen Gegebenheiten angepasst (Sprache, rechtlicher Rahmen) und in diesen Tagen scharf geschaltet. CEO Niehage rechnet nun mit 60.000 Neukunden (statt bislang 30.000) für das laufende Jahr 2019, das entspräche einem Kundenwachstum von 22%.

Unsere orangen Nachbarn können zu 0,- Euro handeln, die Transaktionsgebühren hat flatex dauerhaft gestrichen. Geld verdient wird über den Spread und inhärente Zinsen von ETPs: Exchange Traded Products (börsennotierte Finanzprodukte) wie CFDs, Finanzprodukte auf Rohstoffpreise oder Währungen.

Der Spread ist die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs und liegt meist deutlich unter einem Prozent. Inhärente Zinsen sind etwas komplizierter zu erklären: Der Preis von ETPs bildet sich letztlich auf Angebot und Nachfrage. Doch bei der Berechnung eines kalkulatorischen Preises spielt der Zins eine Rolle, so dass ETPs jeden Tag einem kleinen Zeitwertverlust unterliegen. Diesen Zeitwertverlust kann man auch "inhärente Zinsen" nennen.

Spread und inhärente Zinsen sind ausreichend lukrativ, dass flatex auf Ordergebühren vollständig verzichten kann. Flatex-Kunden sind die aktivsten am Markt. Je mehr Transaktionen, desto mehr verdient flatex. Während die Börse früher nur einen kleinen Teil dieser Einnahmen vom Emittenten der ETPs erhielt, hat sich flatex 50% der Einnahmen gesichert. Das geht nur, weil flatex-Kunden eben so aktiv sind und weil die flatex Handelsplattform den Emittenten eine effiziente Steuerung der Spreads ermöglicht. Immerhin fast die Hälfte der Transaktionen von flatex-Kunden erfolgt mit ETPs.

Wenn flatex in Holland die Transaktionsgebühren streicht, ist es bei dem sehr mobilen Kapitalmarkt meiner Einschätzung nach nur eine Frage der Zeit, bis auch deutsche und österreichische Kunden ihre Depots in Holland eröffnen ... oder aber bis flatex auch für Deutschland und Österreich 0 Euro Transaktionskosten anbietet.

Es ist natürlich nicht so, dass flatex seinen Kunden die Gebühren schenkt. Auch flatex möchte gerne Geld verdienen. Aber flatex hat die modernste und küstengünstigste Handelsplattform am Markt und möchte diesen Vorteil gerne optisch kenntlich machen. In der Pressemeldung von flatex nennt CFO Chahrour daher die flatex den "europäischen Robin Hood, made in Germany".

Jede Transaktion kostet flatex nach eigener Kalkulation heute 1,44 Euro, Wettbewerber liegen deutlich höher. Je mehr Transaktionen stattfinden, desto günstiger werden die kalkulatorischen Kosten je Transaktion für flatex: Die Plattform ist vollautomatisiert, daher schlagen die Skaleneffekte direkt auf den Gewinn durch.

In der Präsentation von Mitte Mai gibt flatex an, die Kosten von 1,44 Euro um 40% senken zu können (=0,86 Euro), wenn die Anzahl der Transaktionen sich verdoppelt. Wachstum führt also nicht nur zu mehr Umsatz, sondern sogar zu überproportional höherem Gewinn.

Die Volatilität am Aktienmarkt ist ein Ausdruck der erwarteten Schwankungsbreite der Aktienkurse. Je größer die Volatilität, desto stärker müssen sich Anleger absichern bzw. desto mehr spekulieren sie auf steigende Kurse (ja: beides gleichzeitig). Je höher die Volatilität also ist, desto mehr Transaktionen finden statt und entsprechend steigt der Umsatz von flatex. Man könnte also sagen, dass die Aktie von flatex steigen müsste, wenn die Volatilität steigt, und umgekehrt.

Ich habe mal ein wenig Zahlen gewürfelt: Der Jahresabschluss 2018 wird erst in 10 Tagen (27.6.) veröffentlicht. Bis dahin müssen wir die Mehrzahl der Zahlen von 2018 schätzen und können die Unternehmensprognose für 2019 darauf anlegen. Es wird eine Weile dauern, bis sich das Kundenwachstum von 22% im laufenden Jahr in beschleunigtes Umsatzwachstum umsetzen lässt, da Kunden über die Zeit immer aktiver werden.

Für das laufende Jahr geht flatex von einem Umsatz von 138 Mio. Euro und einer Gewinnmarge (EBITDA) von 29% aus. Das entspricht also einem Gewinn von 40 Mio. Euro. So in etwa wird das auch von der Mehrzahl der Analysten erwartet.

Um vom EBITDA zum Gewinn je Aktie zum Gewinn je Aktie zu kommen, müssen wir noch Abschreibungen, Zinsen, Steuern und nicht fortgeführte Geschäfte herausrechnen. In einem Worst Case Szenario (hohe Steuerquote, höhere Zinsverluste) komme ich auf 1,18 Euro/Aktie Gewinn, Analysten haben jedoch 1,11 Euro/Aktie geschätzt. Entweder ich habe etwas übersehen, oder Analysten sind zu pessimistisch eingestellt.

Im Jahr 2018 hat die FinTech Group einen exorbitant hohen Gewinn eingefahren: Das EBITDA ist um 34% angesprungen. Der Grund liegt meines Erachtens in dem geplatzten Joint Venture mit der Ö-Post. Investitionen, die dafür vorgesehen waren, wurden einfach nicht getätigt, so dass der Gewinn ziemlich unbelastet ansteigen konnte. Im laufenden Jahr hingegen mindert die Investition in die Holland-Expansion den Gewinn, so dass trotz Umsatzwachstum unterm Strich weniger Gewinn stehen könnte. Ein Unternehmen mit rückläufigem Gewinn wird schnell mal mit einem sehr niedrigen KGV versehen.

Rechnen wir diesen Sondereffekt jedoch mal raus, dann ergibt sich über die zwei Jahre 2017 bis 2019 ein jährliches Gewinnwachstum von 8,7%. Ein KGV von 15 (zweifache Wachstumsgeschwindigkeit) wäre also durchaus möglich. Daraus ergibt sich ein fairer Kurs für 2019 von 17,68 Euro, also nur leicht höher als der aktuelle Kurs bei 16,46 Euro (Xetra 10:26 Uhr). Es handelt sich dabei aber um einen aus dem Worst Case Szenario ermittelten Kurs, niedriger dürfte der Kurs meines Erachtens nicht fallen.

Dennoch notiert die Aktie darunter. Ein Grund könnte noch immer in dem Ö-Post Abenteuer zu sehen sein: Wenn die Ö-Post ihre Anteile verkaufen sollte, würde die Aktie kräftig unter Druck geraten. Meinen Informationen zufolge beabsichtigt die Ö-Post jedoch nicht, die Aktien unter ihrem Einstand bei 28,50 Euro zu verkaufen.

Auf der anderen Seite eröffnet die erfolgreiche Holland-Expansion neue Möglichkeiten. Die FinTech Group stellt in Aussicht, in den kommenden 18 Monaten in drei weitere Länder zu expandieren. Für weiteres Wachstum ist also gesorgt. Das dürfte auch die Skaleneffekte weiter befeuern, was letztlich zu einem überproportionalen Gewinnwachstum führen sollte.

Das Umsatzwachstum der vergangenen Jahre lag stets über 10%. Das Gewinnwachstum der vergangenen zwei Jahre könnte jedoch mit 8,7% langsamer ausfallen als das Umsatzwachstum. Genau an dieser Stelle kommen Fragen auf: Wie kommt es dazu? Ist die Prognose zu konservativ? Bei allen Punkten, die ich hier nun näher durchleuchtet habe, scheint mir dies eine wichtige Frage zu sein. Wo ist das überproportionale Gewinnwachstum in der Unternehmensprognose, wenn Skaleneffekte so eintreten, wie Kunden- und Transaktionsentwicklung erwarten lassen?

Nun, die 100% sichere Investmentchance gibt es nicht, wir müssen zur Beantwortung dieser Frage auf den Jahresabschluss in 10 Tagen warten. Bis dahin beruhigt es mich jedoch, dass die Aktie bereits tiefer notiert, als mein Worst Case Szenario zulassen würde. Viel weiter sollte die Aktie also nicht mehr fallen. Auf der anderen Seite ist die Chance für einen Kurssprung bei guten endgültigen Zahlen für 2018 groß.


TUI
TUI hält sich wacker trotz Lufthansa-Debakel, dennoch wird die Luft dünner

Fr, 21. Juni um 18:24 Uhr
Ich habe mir Zeit gelassen mit meinen heutigen Updates zu unseren Spekulationen. TUI würde ich nächste Woche verkaufen und einen kleinen Gewinn, sofern noch möglich, sichern. Der Ölpreis steigt vor dem Hintergrund der Iran-Krise weiter an und könnte die Stimmung gegenüber der TUI-Aktie wieder vermiesen. Lufthansa hat bereits eine Gewinnwarnung ausgegeben und die Lufthansa Aktie ist stark eingebrochen (-16%). Es ist zwar ein Zeichen der Stärke, dass TUI von dieser Meldung nicht weiter in Sippenhaft genommen wurde, dennoch habe ich die Befürchtung, dass die Aktie nochmal gen Süden driften könnte.



06. Übersicht HT-Portfolio

Spekulation (≈10%) =6,9%WKN20.6.19Woche ΔΣ '19 ΔAnteil 5x2%!
TwilioA2ALP4128,16 €3%12%2,3%A
TUITUAG008,17 €-3%3%2,1%A
Zooplus511170125,40 €10%30%2,5%A







Wachstum (≈30%) =34,6%WKN20.6.19Woche ΔΣ '19 ΔAnteil 4x7,5%!
BB BiotechA0NFN360,10 €2%5%7,8%B
Nvidia918422134,92 €5%5%6,8%B
FinTech GroupFTG11117,82 €7%-5%11,2%A
ZuoraA2JHJJ14,00 €8%-16%8,8%A







Dividende (≈25%) = 27,8%WKN20.6.19Woche ΔΣ '19 ΔAnteil 3x8%!
Innotec54051012,00 €0%20%7,2%C
FreenetA0Z2ZZ17,30 €-1%2%6,6%C
Bet-at-HomeA0DNAY51,65 €-4%13%6,8%B
Deutsche Post55520028,39 €3%11%7,2%B







Absicherung (≈20%) =21,6%WKN20.6.19Woche ΔΣ '19 ΔAnteil 3x7%!
Goldbarren 100 gr100 gr.3.931,00 €3%10%7,8%A
Südzucker-AnleiheA0E6FU74,39%0%-3%6,8%A
Nokia-AnleiheA0T9L2108,56%3%7%7,0%B





Cashquote
Σ-Portfolio Ergebnis seit 2018

2%-5%9,1%
Ergebnis seit 2019


11,0%


Heibel-Ticker
GewichtungAnzahl Positionenangestrebte Positionsgröße
PortfolioZielSollIstSollIst
SpekulationEreignis10%6,9%512%
WachstumEnkelkinder30%34,6%447,5%
DividendeUrlaub25%27,8%348%
AbsicherungZins & Gold20%21,6%336,7%
Summe
85%90,9%1512


Anmerkungen:
- Die Überschrift über jedem Portfoliobereich in der jeweiligen ersten Spalte (bspw. Absicherung (≈20%) =21,8%) bedeutet: Der beabsichtigte Anteil dieses Portfoliobereichs am Gesamtportfolio beträgt ungefähr 20%. Aktuell beträgt der Anteil 21,8%.
- Die dritte Spalte zeigt die Schlusskurse von Donnerstagabend.
- Unter „Woche” steht die Veränderung im Vergleich zur Vorwoche.
- Unter „Σ 'XX Δ” steht das Ergebnis der Position seit Jahresbeginn bzw. seit Aufnahme ins Portfolio.
- Unter „Anteil” finden Sie den Anteil der jeweiligen Position am Gesamtdepot.

Unter ! steht zur Information meine Grundtendenz:


ATop-Aktie mit günstigem Kurs, 
BKursrücksetzer zum Kaufen nutzen 
CKurssprünge zum Verkaufen nutzen, 
Dbei Gelegenheit Verkaufen, 
ESofort Verkaufen 


Die „Gelegenheit” zum Kaufen oder Verkaufen wird sodann kurzfristig von mir per Update an Sie bekanntgegeben.

Ich habe diese Spalte „!” insbesondere für neue Kunden vorgesehen, die zu einem späteren Zeitpunkt wissen wollen, ob ich die Position noch zukaufen würde, wenn ich beispielsweise darin nicht schon voll investiert wäre. Zukaufen würde ich jeweils jedoch niemals zu Höchstkursen, sondern stets nur nach kurzfristigen Kursrückschlägen von mindestens 5-7%.

Kauffolge: Je spekulativer, desto aggressiver würde ich kaufen und verkaufen. Derzeit verwende ich die folgenden Schritte:
- Dividenden- & Wachstumspositionen in drei Schritten aufbauen: 25%-25%-50%,
- Zyklische Positionen in zwei Schritten aufbauen: 50%-50%,
- Spekulative Positionen ganz oder gar nicht: 100%.

Stopp Loss Limits, Verkaufslimits und ähnliche Aktionsmarken verwalte ich aktiv in meinem System und ändere ich unter der Woche mehrfach, fast täglich. Eine Veröffentlichung der entsprechenden Limits ist in der Regel nicht sinnvoll, allenfalls Stopp Loss Marken für unseren Spekulationen werde ich bisweilen im Text bekanntgeben.

Eine erfolgreiche Börsenwoche,
take share

Stephan Heibel

http://heibel-ticker.de


mailto:info/at/heibel-ticker/./de



07. Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise

Wer un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen in Umlauf setzt, wird mit Lust-, manchmal auch mit Erkenntnisgewinn belohnt; und wenn alles gut geht, fällt davon sogar etwas für Sie ab. (frei nach Robert Gernhardt)

Wir recherchieren sorgfältig und richten uns selber nach unseren Anlageideen. Für unsere eigenen Transaktionen befolgen wir Compliance Regeln, die auf unsere eigene Initiative von der BaFin abgesegnet wurden. Dennoch müssen wir jegliche Regressansprüche ausschließen, die aus der Verwendung der Inhalte des Heibel-Tickers entstehen könnten.

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Die Verwendung der Inhalte dieses Heibel-Tickers erfolgt auf eigene Gefahr. Die Geldanlage an der Börse beinhaltet das Risiko enormer Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.

Quellen:
Kurse: Deutsche Kurse von comdirect.de, Goldbarren & Münzen von proaurum.de, US-Kurse von finance.yahoo.com. Alle Kurse sind Schlusskurse vom Donnerstag sofern nichts Gegenteiliges vermerkt ist.
Bilanzdaten: Comdirect, Yahoo! Finance sowie Geschäftsberichte der Unternehmen
Informationsquellen: dpa-AFX, Aktiencheck, Yahoo! Finance, TheStreet.com, IR-Abteilung der betreffenden Unternehmen



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