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19.06.2020:



H E I B E L - T I C K E R    P L U S

F I N A N Z I N F O R M A T I O N E N

- Einfach einen Tick besser -



DEUTSCHE BIBLIOTHEK : ISSN 1862-5436

15. Jahrgang - Ausgabe 25 (19.06.2020)
Erscheinungsweise: wöchentlich Freitag/Samstag



I N H A L T

01.Info-Kicker: Rücksetzer für viele Anleger zu schnell vorbei
02.So tickt die Börse: Wirecard zwischen Schlamperei und Betrug
 - Wochengewinner TeamViewer, HelloFresh und Drägerwerk
 - Wochenperformance der wichtigsten Indizes
03.Sentiment: Erleichterung nach kurzem Rücksetzer
 - @@
04.Ausblick: Neuempfehlung: Essen zu Hause
05.Update beobachteter Werte: Münchener Rück, Wheaton Precious Metals, Spotify, Freenet, Wirecard, Wirecard
 - Münchener Rück: Versicherung gegen Weltuntergang
 - Wheaton Precious Metals: Zurückkaufen
 - Spotify: Apple Pay in der Kritik der Wettbewerbsbehörde
 - Freenet: Position wieder aufstocken
 - Wirecard: Wirecard kaufen
 - Wirecard: Und Zack, schon wieder VERKAUFEN
06.Übersicht HT-Portfolio
07.Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise
08.An-/Ab-/Ummeldung



01. Info-Kicker: Rücksetzer für viele Anleger zu schnell vorbei

Liebe Börsenfreunde,

Schlamperei oder Betrug ist die Frage, die sich Wirecard-Anleger derzeit stellen. In Kapitel 02 gehe ich dieser Frage nach. Zwischen 200 Euro und 0 Euro finden sich gute Argumente für einen fairen Aktienkurs.

Außerdem zeige ich, dass die Wochengewinner schon wieder Corona-Gewinner sind. Aber gleichzeitig legen nun auch Aktien von Unternehmen zu, die mit einem blauen Auge durch die Corona-Krise gekommen sind.

Die Stimmung unter den Anlegern hat sich beruhigt, nachdem der überfällige Rücksetzer den einen Anleger in den Markt gelassen hat und anderen ermöglichte, Shortpositionen zu schließen. Derzeit besteht kein Ungleichgewicht mehr, so dass aus dem Sentiment dieser Woche keine künftige Richtung abgeleitet werden kann. Die Details dazu lesen Sie in Kapitel 03.

In der Coronazeit mussten Menschen vermehrt zu Hause kochen, Restaurants waren geschlossen. Ich glaube nicht, dass die neu erworbenen Fähigkeiten gleich wieder verschwinden, viele Menschen werden weiterhin zu Hause kochen. In Kapitel 04 stelle ich einen neuen Titel für unser Heibel-Ticker Portfolio vor, den wir in unseren spekulativen Portfoliobereich holen wollen.

Die PDF-Version dieser Ausgabe steht Ihnen ab sofort im Archiv sowie unter dem folgenden Link zur Verfügung: http://www.heibel-ticker.de/downloads/htp200621.pdf

Nun wünsche ich eine anregende Lektüre,

take share, Ihr
Börsenschreibel

Stephan Heibel

Chefredakteur und
Herausgeber des
Heibel-Ticker




02. So tickt die Börse: Wirecard zwischen Schlamperei und Betrug

***NACH REDAKTIONSSCHLUSS***
Eigentlich gibt es bei mir ja keinen Redaktionsschluss, sondern ich kann bis zur letzten Minute alles ändern. Und dann wird sofort versendet. Doch ich heute heute Vormittag diesen Artikel bereits geschrieben, und danach kam erst die Meldung über den Rücktritt von Dr. Markus Braun. Wir haben dann heute spekulativ einmal das Zocken betrieben: Sind zu 23,35 EUR eingestiegen und heute Abend dann zu 25,50 EUR wieder raus. Schnelle 9% Gewinn, eigentlich machen wir das im Heibel-Ticker nicht. Doch irgendwie hat es mich heute in den Fingern gekitzelt :-)

Was hat sich also geändert: Gründer & CEO Braun ist nun weg, Compliance-Profi & Jurist Feist kommt. Juristen sind selten Menschen, die das Geschäft in neues Wachstum führen, daher scheint das hier eher ein Notnagel zu sein, mit dem man Schlimmeres verhindern möchte. Und "Schlimmeres" ist derzeit der Weiße Elefant im Raum: Eine Insolvenz. Insofern ist die Aktie höchstens einer sehr kurzfristige Spekulation, derzeit aber niemals eine Investition wert.
***ENDE DES NACHTRAGS***

Um 80% ist Wirecard eingebrochen, seit gestern erneut die Verschiebung der Veröffentlichung der Jahreszahlen bekannt gegeben wurde. Die Wirtschaftsprüfung EY verweigert das Testat und begründet dies mit fehlenden Nachweisen für Umsätze in Höhe von 1,9 Mrd. Euro, einem Viertel des Konzernumsatzes.

"Bilanzierungsunregelmäßigkeiten = Verkaufen" lautet eine meiner goldenen Regeln. Es wäre so toll, wenn wir uns hier gegen die Panik im Markt stellen könnten, die Aktie kaufen würden und das Unternehmen die fehlenden Belege nachliefert. Oder einfach nur mit engem Stopp Loss auf die heftigen Kursschwankungen spekulieren, auch das wäre spannend.

Aber seien wir ehrlich: Das hätte mit Investieren nichts zu tun, Sie sollten dann lieber ins Kasino gehen.

Die Finanzaufsicht BaFin hat Wirecard unterstützt und zeitweilig Leerverkäufe in der Aktie verboten, da das Management von Wirecard die BaFin überzeugen konnte, dass es sich bei den Vorwürfen um eine Short-Attacke handelt. Die renommierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY hat jahrelang die Jahresabschlüsse testiert, obwohl Journalisten der Financial Times nunmehr herausgefunden haben, dass wichtige Nachweise fehlen. Die Deutsche Börse hat trotz der damals schon bekannten Vorwürfe Wirecard in den DAX aufgenommen. All die politischen Transparenzgesetze "zum Schutze der Anleger" sind wirkungslos verpufft. Glauben Sie wirklich, wenn Finanzaufsicht, Wirtschaftsprüfer, Börse und Politik auf Wirecard hereinfallen, dass Sie es besser wissen?

In meinen Augen gibt es jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder die Wirecard-Buchhaltung entpuppt sich als unendlich schlampig, oder aber wir haben einen der größten Betrugsfälle der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

Wenn die Buchhaltung einfach nur unendlich schlampig geführt wurde, dann müssen Köpfe rollen. Und da reicht nicht der Finanzvorstand, sondern da muss auch der Vorstandsvorsitzende - in unserem Fall Gründer Dr. Markus Braun - gehen.

Was es bedeutet, wenn ein charismatischer Chef geht, haben wir in der Vergangenheit schon mehrfach gesehen: Apple-Gründer Steve Jobs war zwischenzeitlich mal aus seinem Unternehmen gedrängt worden, Apple musste letztlich von Microsoft gerettet werden. Es kann nicht hoch genug geschätzt werden, mit welchem Weitblick und welcher Durchsetzungskraft Dr. Markus Braun das Geschäft von Wirecard aufgebaut hat. Ein Ausscheiden seiner Person wäre für dieses junge Unternehmen katastrophal. Es wäre fraglich, ob das Geschäftsmodell mit gleicher Geschwindigkeit weiterentwickelt werden könnte. Das Unternehmen wäre folglich nur ein Bruchteil dessen wert, was es mit Dr. Markus Braun wert wäre.

Wenn wir jedoch einen handfesten Betrugsfall haben, dann würde das bedeuten, dass das Geschäftsmodell gar nicht tragfähig ist. Erinnerungen an den ENRON-Skandal aus dem Jahr 2001 kommen hoch: Der US-Energieversorger hatte sich neben der Stromversorgung auch als Stromhändler am Markt positioniert. Anders als bei Händlern üblich, hat er den für Kunden eingekauften Strom vollständig durch die eigene Bilanz laufen lassen. Eigentlich sind nur die vereinnahmten Transaktionsgebühren dem eigenen Umsatz zuzurechnen.

ENRON nutzte für diesen Bilanztrick "special purpose entities" als Einheiten für besondere Zwecke, die in den Bilanzen zwar auftauchten, über die jedoch nur spärlich Informationen ausgegeben wurden. Nach Belieben wurde so das Umsatzwachstum immer weiter nach oben geschraubt, jegliche Analystenerwartungen wurden regelmäßig übertroffen und die weltweit renommierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Anderson vergab Jahr für Jahr ein uneingeschränktes Testat.

Arthur Anderson? Haben Sie schon mal gehört, oder? Zuletzt haben Sie vermutlich 2001 von denen gehört, denn die sind über diesen Skandal ebenfalls gestolpert. Mit dieser Gefahr vor Augen hat EY also gestern das Testat für Wirecard verweigert.

Gibt es noch eine dritte Option? Hmm, theoretisch könnte Wirecard von einem Wettbewerber gekauft werden, doch das halte ich für unwahrscheinlich. Welches erfolgreiche Unternehmen holt sich die Risiken von Wirecard ins Haus, wenn es doch einfach nur warten muss, bis die Bude platt gemacht wird, um an dessen Kunden zu kommen?

Also nein: Wirecard ist für meinen Geschmack zu heiß, die fasse ich nicht an.

WOCHENGEWINNER TEAMVIEWER, HELLOFRESH UND DRÄGERWERK

Trotz des Wirecard-Desasters konnte der DAX in der abgelaufenen Woche zulegen. Obwohl Corona-Hotspots regional aufpoppen, dominiert auf dem Börsenparkett die Hoffnung auf eine globale Konjunkturerholung. Somit konnten diese Woche DAX-Unternehmen wie Adidas, Bayer, die Dt. Börse, Dt. Telekom, HeidelbergCement, Linde und SAP um über 5% zulegen. Konzerne, die mit einem blauen Augen durch die Krise gekommen sind, und nun von Konjunkturprogrammen profitieren dürften.

Wochengewinner sind jedoch einmal mehr die Corona-Gewinner wie TeamViewer (+12%), Drägerwerk (+10%) und HelloFresh (+15%).

Schauen wir uns mal die Wochenentwicklung der wichtigsten Indizes an:

WOCHENPERFORMANCE DER WICHTIGSTEN INDIZES


INDIZES18.6.20Woche ΔΣ '20 Δ
Dow Jones26.184 2,7%-8,6%
DAX12.331 3,2%-6,9%
Nikkei22.479 0,8%-5,0%
Shanghai A 3.111 1,6%-2,3%
Euro/US-Dollar1,12-0,6%0,0%
Euro/Yen119,65-1,0%-2,1%
10-Jahres-US-Anleihe0,71%0,02-1,22
Umlaufrendite Dt-0,43%-0,02-0,20
Feinunze Gold$1.742 0,4%15,2%
Fass Brent Öl$42,35 8,9%-38,5%
Kupfer5.734 -1,2%-7,7%
Baltic Dry Shipping1.527 82,0%40,1%
Bitcoin9.344 0,2%28,1%



Der DAX ist um 3% angesprungen: Der Rücksetzer, der Ende der Vorwoche begonnen hatte, war schneller vorüber, als viele reagieren konnten. Dennoch war er gesund, denn eine Rallye braucht immer wieder solche Rücksetzer, um anschließend weiter nach oben laufen zu können.

Der Baltic Dry Verschiffungsindex ist in dieser Woche um 82% angesprungen: die globale Konjunktur springt an, China kauft verstärkt Agrarprodukte aus den USA - man möchte sich nun wohl doch mit Donald Trump gut stellen - und entsprechend sind die depressiven Transportraten nunmehr Vergangenheit. Der weltgrößte Reeder Maersk hat diese Woche den Umsatzrückgang reduziert: Bislang war man von bis zu -25% für das zweite Quartal ausgegangen, nun könnten es "nur" -17% werden, so das Unternehmen. Und es gibt viele Branchen, die bereits für das dritte Quartal mit Nachholeffekten kalkulieren, also ein Niveau erreichen wollen, das höher ist als das Vor-Coronaniveau.

In dieses Bild passt auch der anhaltende Ölpreisanstieg (+9%), der für eine Wiederbelebung der Konjunktur spricht.

Wir sind aus der Zeit der "zarten Pflänzchen der Hoffnung" herausgewachsen, es zeigen sich handfeste Wachstumsraten. Das ist neue Nahrung für die Aktienmarktrallye.

Schauen wir mal, wie sich die Stimmung der Anleger entwickelt hat.




03. Sentiment: Erleichterung nach kurzem Rücksetzer

Übers vergangene Wochenende war der DAX kräftig zurückgekommen: am Montag startete der DAX bei 11.625 Punkten, Pessimisten hatten die Gelegenheit, ihre Leerverkäufe einzudecken. Und diejenigen, die auf einen Rücksetzer zum Kaufen warteten, kamen ebenfalls zum Zuge. Es ging natürlich sehr schnell, so dass nicht alle Kaufwünsche schnell genug umgesetzt wurden. Doch immerhin.

So hat der DAX im Wochenvergleich 4% zulegen können. Im Vergleich zum Wochentief liegt die Erholung sogar bei 7%. Die Weltuntergangsstimmung, die wir Ende der vergangenen Woche noch unter den Anlegern gemessen hatten, ist verflogen. Die Stimmung befindet sich diese Woche genau in der neutralen Mitte, bei 0.

Auch die Verunsicherung ist deutlich zurückgegangen: Nachdem in den beiden Vorwochen steigende Kurse für immer mehr Unbehagen bei nicht investierten Anlegern sorgten (-3,8), ist diese Verunsicherung in dieser Woche deutlich zurückgegangen (-1,7). Die Korrektur war zu kurz, um alle Anleger mitzunehmen, doch ein Teil konnte die Korrektur nutzen, um sich neu zu positionieren.

Richtiger Optimismus will dennoch nicht aufkommen. Die Zukunftserwartung ist auf -1,8 zurückgegangen. Noch immer ist die Mehrzahl der Anleger davon überzeugt, dass sich das aktuelle Kursniveau nicht halten wird. Bären dominieren die Erwartungshaltung.

Entsprechend sind auch schon wieder kaum Anleger bereit, neue Investitionen einzugehen. Die Investitionsbereitschaft ist auf -0,3 abgesackt, mit 70% geben mehr Anleger als sonst an, noch nicht zu wissen, ob sie in den kommenden zwei Wochen zu- oder verkaufen möchten.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger ist diese Woche vom extrem negativen Sentiment ein wenig angestiegen: Privatanleger haben einen kleinen Teil ihrer Absicherungspositionen eingedeckt.

Die Profis hingegen, die sich über die Eurex absichern, schlossen ihre Long-Positionen und kauften große Absicherungspositionen. Das Put/Call-Verhältnis ist binnen weniger Tage auf ein extrem hohes Niveau gesprungen. Institutionelle Anleger haben Angst!

In den USA ist von einer solchen Reaktion nichts zu sehen, das Put/Call-Verhältnis der CBOE ist weiterhin extrem niedrig, signalisiert also große Long-Spekulationen auf steigende Kurse.

Auch US-Fondsmanager sind in der vergangenen Woche wieder eingestiegen, die Investitionsquote ist um 5%punkte auf 88% angestiegen.

Unter US-Privatanlegern dominieren weiterhin ganz klar die Bären (-23%).

Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit einem Wert von 51% weiterhin eine überaus neutrale Marktverfassung an.

Interpretation



Der Rücksetzer an den Aktienmärkten sorgte bei vielen Anlegern ein wenig für Erleichterung. Das ist deutlich in unserer Stimmungsumfrage ablesbar. Doch alles ging viel zu schnell, als dass alle Anleger ihre Vorstellungen umsetzen konnten. Somit bleibt ein kleiner Schlussstand, wenngleich der Schießstand nunmehr deutlich kleiner ist.

War also die Rallye der vergangenen Wochen teilweise sowohl durch Shorteindeckungen getrieben, sowie auch durch Anleger, die Angst hatten die Rallye zu verpassen, so sind diese beiden Komponenten nun etwas weniger für weitere Kurssteigerungen verantwortlich. Nun kommen Konjunkturerholung und Zocker ins Visier:

Weltweit kommen erfrischende Konjunkturdaten ans Tageslicht. Corona-Ausbrüche sind regional begrenzt, die Normalisierung der Kontaktsperren erfasst jedoch alle Industrienationen. Es ist inzwischen deutlich sichtbar, welche Unternehmen als Gewinner aus dieser Krise hervorgehen werden.

Doch es gibt auch eine zweite Anlegergruppe: Die Zocker. Zocker springen auf Unternehmen auf, die gestern noch kurz vor der Pleite standen und heute vom Konjunkturprogramm ihrer Regierung oder von der Liquiditätsschwemme der Notenbanken gerettet werden. Unseren Banken stehen große Kreditausfälle bevor, sie dürfen bis zum Jahresende die säumigen Zahler dafür nicht einmal zur Verantwortung ziehen. Dennoch ist die Commerzbank bereits wieder um 44% angesprungen, die Deutsche Bank sogar um 69%.

Wir haben hier also zwei Märkte: Corona-Gewinner, die nachhaltig ansteigen, sowie Corona-Verlierer, die von Zockern immer wieder in die Höhe gejubelt werden, bei Rücksetzern dann jedoch überproportional Federn lassen. Diese Woche hat die Commerzbank 4% abgegeben, die Deutsche Bank ist unterproportional angestiegen - hatte in der vorangegangenen Woche bereits 10% abgegeben.

Nachdem wir aus den Sentimentdaten in den Vorwochen die Gefahr eines Rücksetzers ableiteten, lässt sich dies nunmehr nicht mehr so eindeutig sagen. Die Stimmung ist neutral, die Erwartung moderat bärisch und die Positionierung nicht mehr so schief wie noch vor einer Woche. Die Sonne scheint, Ferien stehen vor der Tür - mein Sohn hatte heute coronabedingt vorzeitig bereits seinen letzten Schultag und vielleicht nehmen auch die Aktienmärkte in den nächsten Wochen mal den Gang raus, laufen vielleicht einfach nur seitwärts mit moderaten Ausschlägen nach oben und unten.

Wie immer kann ich diese Aussage natürlich leider nicht so stehen lassen: Die Sentimentanalyse liefert uns manchmal Hinweise, in welche Richtung der größere Druck auf dem Markt lastet. Die heutige Aussage lautet: Derzeit kein besonderer Druck. Das schließt natürlich nicht aus, dass die Aktienmärkte bei guten Konjunkturdaten weiter nach oben laufen.





04. Ausblick: Neuempfehlung: Essen zu Hause

Nein, nicht Hello Fresh, sondern Frosta möchte ich nun in unser Portfolio holen. Hello Fresh hatten wir vor einigen Jahren mal ausprobiert und nach einiger Zeit wieder abbestellt: Es war doch zuviel dabei, was wir nicht wirklich essen wollten. Die Selektionsmöglichkeit ist für einen Haushalt mit Kindern, deren Speiseplan noch recht eng ist, nicht optimal.

Also habe ich mich nun für die Aktien von Frosta entschieden. Familie Ahlers stellt den Vorstandsvorsitzenden Felix, den Aufsichtsratsvorsitzenden Dirk und ist mit 43% Großaktionär des Unternehmens. Wir können von einem Familienunternehmen sprechen.

Restaurants öffnen zwar wieder, doch Tische müssen mit gehörigem Abstand aufgestellt werden. Gäste müssen Formulare ausfüllen und die Bedienung läuft mit Masken herum. Ein Lächeln kann so nicht transportiert werden, die Atmosphäre ist für meinen Geschmack ... na zumindest nicht mehr so schön wie früher. Ich gehe davon aus, dass viele Menschen die in der Corona-Zeit erlernten Kochkünste auch in der Zukunft weiter pflegen werden. Das heißt: Der Absatz von Frosta dürfte sich nicht nur coronabedingt kurzfristig erhöht haben (kurzfristig waren es 50%), sondern nachhaltig (vllt. bleiben 10%).

Damit ist eine Neubewertung des Unternehmens möglich: 522 Mio. Euro Jahresumsatz werden derzeit mit 430 Mio. Euro Marktkapitalisierung belegt. Es gibt keine nennenswerten Schulden, die Gewinnmarge (EBIT) soll Analystenschätzungen zufolge von derzeit 4% auf 7% im Jahr 2021 anwachsen. Das ist für ein Lebensmittelgeschäft in Ordnung.

Das KGV 2021e liegt bei 14, die erwartete Dividendenrendite bei 3,2%. Das Ergebnis je Aktie soll aber nach drei rückläufigen Jahren nun wieder anspringen: Von 1,85 EUR/Aktie im Jahr 2019 soll es auf 4,40 EUR/Aktie im Jahr 2021 gehen. Dieses überproportionale Gewinnwachstum wird bislang vom Markt noch nicht honoriert.

Frosta gilt unter den Wettbewerbern (Dr. Oetker, Iglo) als innovativ und grün: Seit 15 Jahren werden keine Zusatzstoffe und Aromen mehr verwendet. Auch Plastik und Aluminium werden Sie seit letztem Jahr bei den Tiefkühlverpackungen von Frosta nicht finden. Die Umstellung auf ökologische Verpackungen hatte in den vergangenen drei Jahren die Profitabilität belastet.

Auch den Beyond Meat Hype möchte Frosta mitmachen: Im Laufe des Jahres soll ein "Fisch vom Feld" angeboten werden: Ein Fisch aus pflanzlichen Stoffen, der Fischburger und Fischstäbchen füllen soll. Grundstoff des fischlosen Fischs soll Gemüse sein.

Mit einer Marktkapitalisierung von gerade einmal 430 Mio. Euro segelt das Familienunternehmen noch unter dem Radar vieler institutioneller Anleger. Die Aktie ist auch nicht im SDAX enthalten, dazu ist der Streubesitz zu klein. Wenn wir also am Montag zugreifen, sollten Sie bitte nur limitierte Orders aufgeben, damit wir den Kurs nicht bewegen: in den vergangenen 10 Tagen pendelte die Aktie stets zwischen 62 und 64 Euro. Ich würde darauf achten, dass wir den Kurs nicht über 64 Euro treiben. Mit ein wenig Geduld kommen wir sicherlich auch unter 63 Euro rein. Das ist dann nur noch knapp über unserem Wunschpreis von 60 Euro.

Frosta
WKN: 606900 ISIN: DE0006069008
Kaufen um 63 EUR ins spekulative Portfolio (3% Portfolioanteil)
Absatzsprung durch Coronazeit ist nachhaltig
Teure Öko-Investitionen der vergangenen Jahren werden sich auszahlen und führen zu überproportionalem Gewinnwachstum


WUNSCHLISTE

SICHERHEIT
OKTA - WKN: A2DNKR ISIN: US6792951054 Kaufen unter 120 EUR
Crowdstrike - WKN: A2PK2R ISIN: US22788C1053 Kaufen unter 55 EUR
Zscaler - WKN: A2JF28 ISIN: US98980G1022 Kaufen unter 47 EUR
Splunk - WKN: A1JV4H, ISIN: US8486371045 Kaufen unter 115 EUR
-> Ich habe den großen Wunsch, eine dieser Aktien zu bekommen, doch aktuell sind sie mir noch zu teuer.

DEZENTRALER WORKFLOW
DocuSign - WKN: A2JHLZ ISIN: US2561631068 Kaufen unter 85 EUR
Veeva Systems - WKN: A1W5SA ISIN: US9224751084 Kaufen unter 155 EUR
-> Auch von diesen Aktien würde ich gerne eine haben, aber günstiger.

ERNÄHRUNG DER ZUKUNFT
Beyond Meat - WKN: A2N7XQ, ISIN: US08862E1091 Kaufen unter 90 EUR
Frosta - WKN: 606900 ISIN: DE0006069008 Kaufen unter 60 EUR
Hawesko - WKN: 604270 ISIN: DE0006042708 Kaufen unter 27 EUR
-> Wir kaufen nun Frosta

GOLD
OSISKO Gold Royalties - WKN WKN: A115K2, ISIN: CA68827L1013 Kaufen unter 7,70 EUR (aktuell 8,00 EUR)
-> Wir haben Barrick Gold und Wheaton Precious

HEIMARBEIT
Twilio - WKN: A2ALP4, ISIN: US90138F1021 Kaufen unter 90 EUR
TeamViewer - WKN: A2YN90, ISIN: DE000A2YN900 Kaufen unter 36 EUR
-> wir haben ServiceNow anstelle von Teamviewer

5G
Marvell Tech - WKN: 930131, ISIN: BMG5876H1051 Kaufen unter 23 EUR (aktuell 32 EUR)
-> Wir haben Nvidia

MEDIZINTECHNIK
Shop Apotheke - WKN: A2AR94 ISIN: NL0012044747 Kaufen unter 55 EUR
-> Wir haben nun Compugroup

MOBILITÄT DER ZUKUNFT
Tesla - WKN: A1CX3T, ISIN: US88160R1014 Kaufen unter 440 EUR
-> Wir haben nun Accell

AUSGEBOMBT - ZU UNRECHT ABGESTRAFT
Thor Industries - WKN: 872478 ISIN: US8851601018: Kaufen unter 50 EUR
Krones - WKN: 633500 ISIN: DE0006335003: Kaufen unter 50 EUR
Pioneer Natural Resources - WKN: 908678 ISIN: US7237871071 Kaufen um 70 EUR
-> Hier würde ich nur zugreifen, wenn der Ausverkauf nochmals so heftig erfolgt.



05. Update beobachteter Werte: Münchener Rück, Wheaton Precious Metals, Spotify, Freenet, Wirecard, Wirecard

Bitte beachten Sie auch den Kundenbereich auf meiner Internetseite unter www.heibel-ticker.de -> Portfolio -> 10 neueste Einträge. Dort finden Sie aktuelle Charts mit meinen jeweils aktualisierten Einschätzungen.

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Im Wochenverlauf habe ich zu mehreren Titeln Anmerkungen im Kundenbereich der Webseiten verfasst.


Münchener Rück
Versicherung gegen Weltuntergang

Mi, 17. Juni um 13:03 Uhr
Der Gastronom, der seit drei Monaten kein nennenswertes Geschäft mehr betreiben kann, ist erzürnt über seine Versicherung, die ihm den Verlust nicht zahlen will: Er sei doch gegen Geschäftsrisiken versichert. Die Versicherung beruft sich auf das Kleingedruckte, in dem Pandemie-Schäden explizit ausgeschlossen werden. Die Politik springt den Geschädigten Gastronomen zur Seite und straft das Kleingedruckte als unmoralisch ab. So wir der Ball hin und her geschoben.

Nun kommen die Versicherungen mit einem Alternativvorschlag: Ein Pandemie-Fonds, der von Versicherten und dem Bund gefüllt werden soll. Pandemie-Risiken seien in ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit kalkulierbar, sagen die Epidemie-Experten der großen Versicherer. Die Leistungshöhe jedoch sei zu diskutieren.

Wie eine Arbeitslosenversicherung könnte eine Pandemie-Versicherung über einen maximalen Leistungszeitraum pauschale Auszahlungssummen leisten. Dieses Modell hätte Zwangsabgaben wie für die Arbeitslosenversicherung für alle Betriebe zur Folge und müsste zu einem Teil von Steuergeldern abgesichert sein, dass zwar die Eintrittswahrscheinlichkeit von Pandemien, nicht aber deren Auswirkungen kalkuliert werden könnten.

Die Alternative wäre eine gewünschte Versicherungssumme, die vom Versicherten festzulegen wäre und über einen sehr langen Zeitraum einbezahlt werden müsste. Wenn die versicherte Pandemie früher oder häufiger auftrete, als kalkuliert, müsse der Staat einspringen, so die Versicherungsexperten.

Beide Modelle tragen der einfachen Gewissheit Rechnung: Pandemien lassen sich privatwirtschaftlich nicht versichern. Eine Versicherung wäre zu teuer und würde viele knapp kalkulierten Geschäftsmodelle unrentabel machen. Man kann vielleicht nicht alles versichern, manchmal hat man eben Pech.

Der Vorschlag zeigt mir, dass die Versicherungsbranche wie ein Mann zu dieser Erkenntnis steht. Zwar sind bereits ein paar hundert Millionen Euro an Corona-Schadensleistungen geflossen, doch der Gesamtschaden belaufe sich auf viele hundert Milliarden Euro, so die Kalkulation. Egal, wie hoch die Politik den Druck auf die Versicherungen ausübt, die Coronaschäden können gar nicht kompensiert werden. Das würde unsere Versicherungswirtschaft in die Pleite treiben.

Es geht also lediglich darum, politisch Kapital aus der Stimmung zu schlagen und je nach Stimmungslage hier oder dort einen symbolischen Teilerfolg zu erzielen. Die Bilanz der Versicherungen sehe ich dadurch nicht in Gefahr.

Durch den Gegenvorschlag, den ich oben geschrieben habe, zeigt sich die Versicherungsbranche geeint. Es zeigt, wie gigantisch die Kosten für Pandemieschäden sind und es erzeugt eine Benchmark: Wer sich gegen Pandemien versichern will, der weiß nun, dass es wirklich sehr teuer ist. Es wird Unternehmen geben, die dennoch eine solche Versicherung abschließen werden, einfach weil sie es sich leisten können und für ihre Mitarbeiter nur das Beste wollen.

Das Management der Münchener Rück spürt offensichtlich, dass der Widerstand gegen die politischen Forderungen stabil ist. IN der vergangenen Woche haben sieben der acht Vorstände sowie die Aufsichtsratsvorsitzende Aktien der Münchener Rück gekauft. Insiderkäufe sind für mich immer ein positives Signal. Mit einem Volumen von "zig-tausend" Euro (also fünfstellig) sind das zwar keine Aufsehen erregende Vorgänge, denn diese Summen entsprechend vielleicht gerade einmal einem Monatsgehalt in dieser Gehaltsebene. Doch es ist ein positives Zeichen, das ich gerne zur Kenntnis nehme.

Die Liquiditätsflutung durch die Notenbanken macht es den Versicherungen schwer, die Prämiengelder lukrativ anzulegen. Gleichzeitig sorgt aber die Vollkaskowirtschaft dafür, dass es so gut wie keine Unternehmenspleiten gibt. An dieser Stelle sind die Risiken der Versicherer überschaubar. Die Angst ist groß, der Wunsch nach entsprechenden Versicherungen wird weiter wachsen. Unterm' Strich erwarte ich, dass die Versicherungen ihr Geschäft ausbauen werden. Prämien werden mathematisch an die veränderten Risiken angepasst und daher wird die Aktie auf Sicht von 12-18 Monaten wieder auf ihr altes Hoch zurücklaufen (noch +20%). Die Dividende der Münchener Rück ist stabil trotz Krise (4,4%).

Eigentlich alles im grünen Bereich, bis auf der Punkt mit der Liquiditätsflutung und des dadurch erzeugten Niedrigzinsumfelds: Die aus den Prämien für den Notfall (Versicherungsfall!) erzeugten Rücklagen können nicht gewinnbringend angelegt werden. Dieser Umstand wird, so fürchte ich, immer wieder zu Verunsicherung unter den Anlegern führen. Entsprechend volatil wird die Aktie bleiben. Doch mit mittelfristiger Perspektive sollte die Aktie einen schönen Betrag zu unserem Portfolio leisten. Wir bleiben dabei, aber weiterhin nur mit einer halben Position, da mir die Volatilität zu hoch ist.


Wheaton Precious Metals
Zurückkaufen

Mi, 17. Juni um 13:42 Uhr
Ich würde Wheaton Precious Metals wieder zurückkaufen, diesmal jedoch für unser Wachstumsportfolio. seit wir die Position Anfang Mai aus unserem spekulativen Portfolio geworfen haben, ist die Aktie um 20% eingebrochen. Von hier aus kann es nun in beide Richtungen weitergehen.

Wenn ich mir die Liquiditätsflutung der Notenbanken und die Konjunkturprogramme der Regierungen vor Augen führe, dann kann der Goldpreis eigentlich nur nach oben laufen. "Eigentlich" ist so eine blöde Formulierung, denn wenn es zu einer Rezession kommen sollte, dann würde auch der Goldpreis vorübergehende erst einmal in den Keller rutschen. Aber tendenziell dürfte das Gold besser laufen als der Gesamtmarkt, denn Gold gilt als sicherer Hafen in Krisenzeiten.

Wir haben bereits zwei Goldpositionen im Portfolio: Barock Gold als weltgrößer Minenbetreiber und Goldbarren, damit wir gut schlafen können. Die Aktienmärkte sind volatiler geworden und die jüngste Rallye sowie auch die viel zu kurze Korrektur führen zu starker Verunsicherung unter den Anlegern. Ich habe nun seit vielen Wochen die starke Erholung an den Aktienmärkten mit einem Lächeln beobachtet. Unsere große Cashposition hat uns gut durch diesen Crash geführt.

Wenn sich nun der Staub legt und zutage kommen sollte, dass die Liquiditätsflutung und Konjunkturprogramme zu einer neuen Aktienhausse führen, dann möchte ich dabei sein. Doch ich möchte nicht ohne Netz und Sicherheitsleine klettern, sondern hole mir daher nun eine weitere Goldposition ins Portfolio.

Mit Wheaton Prescious haben wir im laufenden Jahr von 50% Gewinn realisiert, wir konnten so ziemlich im Top aussteigen. Nun möchte ich wieder rein. Wie oben angedeutet, kann es durchaus sein, dass die Aktie von derzeit 34,50 Euro nochmals unter 30 Euro rutscht. Sollte das tatsächlich passieren, würde ich nochmals nachkaufen.

Gleichzeitig ist die "Gefahr" jedoch auch groß, dass die Aktie ohne weitere Umwege wieder zu klettern beginnt. Für diesen Fall kaufen wir heute eine halbe Position.


Spotify
Apple Pay in der Kritik der Wettbewerbsbehörde

Fr, 19. Juni um 11:12 Uhr
Apple führt ein geschlossenes Universum. Der Vorteil ist, dass alles im Apple-Universum funktioniert. Der Nachteil ist, dass die Kreativität des Wettbewerbs eingeschränkt wird. Da Apple eine Marktmacht hat, die in einigen Bereichen einem Monopol sehr nahe kommt, zumindest aber als "dominierend" beschrieben werden kann, muss Apple Wettbewerbern Zugang zu eigenen Technologien ermöglichen.

Gestern hat die europäische Wettbewerbsbehörde ein Verfahren gegen Apple gestartet, in dem die Nutzung von Apple Pay untersucht wird. Spotify beklagt sich beispielsweise, dass 15 bis 30% der Aboeinnahmen an Apple Pay als Nutzungsgebühr abgeführt werden müssen, während Wettbewerber Apple Music diese Gebühren im eigenen Haus behalten kann. Das ist ein handfester Wettbewerbsnachteil.

Den gleichen Vorwurf erhebt auch Netflix gegenüber Apple-TV.

Und auch Paypal sowie viele Banken beschweren sich, dass der NFC-Chip, den ApplePay für die Abwicklung der berührungslosen Bezahlung nutzt, nicht über eigene Apps angesprochen werden kann, sondern stets ApplePay dazwischen geschaltet ist ... mit entsprechenden Gebühren.

Spotify ist diese Woche um 25% angesprungen. Wichtiger als für Apple, bei denen Apple Pay einer von vielen Umsatzbestandteilen ist, ist diese Entwicklung für die vielen kleinen Wettbewerber. Paypal ist ebenfalls um 10% angesprungen, Netflix um 8%.

Wir haben ja vor einer Woche erst Teilgewinne in der Position mitgenommen. Nun ist Spotify schon wieder zur größten Position im Portfolio angewachsen. Na, wir warten ein wenig ab, wohin die Reise geht.

20% Umsatzwachstum werden mit einem KGV 2021e von 48 bewertet. Das ist ambitioniert. 30 Mrd. USD Jahresumsatz werden mit einem Marktkapitalisierung von 180 Mrd. USD bewertet, ein KUV von 6. Auch das ist ambitioniert. Doch wir befinden uns in einer Marktphase, in der Corona-Gewinner weiter nach oben gejubelt werden. Daher bleibe ich dabei, werde mir aber im Zweifel vorbehalten, kurzfristig erneut Teilgewinne zu sichern.


Freenet
Position wieder aufstocken

Fr, 19. Juni um 12:42 Uhr
Freenet notiert inzwischen wieder nahe dem Tief des Corona-Crashs. Wir haben immer wieder mal Teilpositionen zu diesem Wert verkauft und wieder nachgekauft. Zuletzt hatten wir mitten im Crash im März zu 17,10 EUR einen Teil unserer Position verkauft, heute steht die Aktie bei 14,65 EUR.

Ich habe den Eindruck, Freenet wird aufgrund der Dividendenstreichung verteufelt. Im März hatte das Unternehmen die Dividende von 1,65 EUR bestätigt, um sie dann Anfang Mai doch zu streichen. Das hat einmal mehr das Vertrauen der Anleger erschüttert.

Doch bei genauerem Hinsehen war die Entscheidung meiner Ansicht nach richtig: das Management hat nicht nur die coronabedingte Geschäftsentwicklung im Blick gehabt, sondern auch die Entwicklung der Finanzmärkte. Und im kommenden Jahr stehen bei Freenet 700 Mio. EUR zur Refinanzierung an. Typischerweise kümmert man sich rechtzeitig, also etwa ein halbes Jahr vor Auslaufen der bestehenden Finanzierung, um eine Anschlussfinanzierung. Das wäre etwa in diesem Herbst.

Wenn das Unternehmen in einer ersten Reaktion mitten im Coronacrash behauptet, das Geschäft sei davon kaum betroffen und die Dividende werde bestätigt, dann mag das aus heutiger Sicht zu kurzfristig gedacht gewesen sein. Doch wenn Sie sich einmal zurück erinnern, dann müssen Sie zugeben, dass damals darüber diskutiert wurde, ob Kontaktbeschränkungen wirklich volle zwei Wochen eingehalten werden müssten, oder ob das übertrieben sei. Von drei Monaten, und eine Normalisierung zum Vor-Coronazustand ist nicht in Sicht, hatte damals niemand gesprochen.

Inzwischen weiß niemand, wie groß der wirtschaftliche Schaden wirklich sein wird. Und es gibt auch niemanden, der sich eine Schätzung über Kreditausfälle und ähnliche Probleme auf dem Finanzierungsmarkt eine Meinung erlaubt. Da ist es mehr als umsichtig seitens Freenet, die Dividende erst einmal zurückzuhalten, um im Fall der Fälle eine angestrebte Finanzierung mit mehr Eigenkapital untermauern zu können. Immerhin wurden 210 Mio. Euro im Konzern behalten, dadurch, dass die Dividende nicht ausgeschüttet wurde.

Doch der Vertrauensverlust ist nicht unbegründet: Zwei große Beteiligungen ist Freenet in den vergangenen Jahren eingegangen: Sunrise und Ceconomny. Beide Beteiligungen haben für viel Ärger gesorgt, das Freenet-Management hatte alle Hände voll zu tun, vermeintliche Fehlentscheidungen in den Beteiligungen zu verhindern - Management-Kapazität, die Anleger lieber in der Weiterentwicklung des eigenen Geschäfts gesehen hätten. Zudem hat die Ceconomy-Beteiligung ein tiefes Loch in die Bilanz von Freenet gerissen.

So ist die Angst nicht unbegründet, dass Freenet die 210 Mio. Euro der eingesparten Dividende für die nächste Dummheit missbrauchen könnte. Ich habe daher beim Unternehmen angerufen und bekam die Zusicherung, dass Übernahmen und Beteiligungen nach den hier geschilderten Erfahrungen derzeit nicht diskutiert würden.

Vielmehr wurde mir bestätigt, dass die 210 Mio. Euro "zum Wohle der Aktionäre" eingesetzt würden. Das ist klassischerweise entweder eine Sonderdividende im kommenden Jahr, oder aber ein Aktienrückkauf im entsprechenden Volumen. Freenet sieht jedoch auch die Rückführung der Schuldenlast als eine Aktion "zum Wohle des Aktionärs". Okay, bei 2 Mrd. Euro Nettoverschuldung im Verhältnis zu 2,6 Mrd. Euro Jahresumsatz wäre dieser Schritt durchaus sinnvoll.

Für 2021 ist eine Dividende von 1,50 avisiert - ohne Berücksichtigung einer eventuellen Sonderdividende aus diesem Jahr. Damit ist die Dividendenrendite dann schon wieder bei 10%. Ich finde das sensationell und ich sehe im Geschäftsmodell von Freenet wenig Risiken. So stabil und cashflowstark das Geschäftsmodell ist, so sehr gehe ich davon aus, dass eine Anpassung der Dividendenrendite von 10% auf bspw. 5% eher über eine Kurssteigerung als über eine Dividenden Kürzung erfolgen wird. Soll heißen: Wenn sich herausstellt, dass Freenet durch Corona nur einmalig die Dividende gestrichen hat, künftig aber weiterhin in der Lage sein wird, das hohe Niveau zu halten, dürfte der Kurs deutlich anspringen.

Daher würde ich unsere Position, die derzeit nur noch 5,7% des Portfolios ausmacht (Zielgröße 7,5%), aufstocken auf 7,5%. Während alle anderen Aktien unseres Portfolios seit März kräftig zugelegt hatten, blieb Freenet auf der Stelle stehen und macht dadurch heute nur noch den kleineren Anteil aus. Ich denke, Freenet wird diesen Rückstand später aufholen.


Wirecard
Wirecard kaufen

Fr, 19. Juni um 13:13 Uhr
Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern, jetzt würde ich Wirecard als Spekulation in unser Portfolio holen ... allerdings mit einem engen Stopp Loss bei 19 Euro.

Soeben ist Gründer und CEO Dr. Markus Braun zurückgetreten, er wird durch den Amerikaner James Freis ersetzt. Freis kommt von der Deutschen Börse, dort hat er bereits Sanktionsverstöße in Sachen Irangeschäft behandelt. Freis ist Jurist und war bereits für Wirecard als Compliance-Manager vorgesehen. Nun hat ihn Aufsichtsratschef Eichelmann kurzerhand zum CEO gemacht.

Eichelmann kommt übrigens auch von der Deutschen Börse. Er hat sich einen weiteren Weggefährten aus seiner Zeit bei der Deutschen Börse an die Seite im Aufsichtsrat geholt: Hauke Stars. Damit wird Wirecard nun zu einem Finanzunternehmen unter dem Management ehemaliger Börsenprofis.

Zwischen Schlamperei und Betrug spricht nun vieles für Schlamperei: Das könnte der Aktie kurzfristig erst einmal Vertrauen zurückgeben. Ob Freis das Geschäft von Wirecard weiterentwickeln kann, wird sich erst in der fernen Zukunft zeigen. Daher würde ich jetzt spekulativ hier mal eine Position eröffnen: Die Aktie notiert knapp über 20 Euro, ich würde ein enges Stopp Loss unter 19 Euro setzen.

Ich habe keine Ahnung, was an den Vorwürfen dran ist, wir zocken hier!


Wirecard
Und Zack, schon wieder VERKAUFEN

Fr, 19. Juni um 17:07 Uhr
Es war ein "Zock" und er war glücklicherweise erfolgreich, ich würde die Wirecard-Aktie jetzt schon wieder verkaufen und rund 25% Gewinn an nur einem Tag einstecken.

Wir haben die Erleichterung der Anleger mitgenommen, die den Abgang von Dr. Markus Braun herbeigesehnt haben. Am Wochenende könnten aber dann wieder Zweifel am Geschäftsmodell von Wirecard verbreitet werden und ich möchte nicht in dieser Aktie gefangen sein. Daher freue ich mich über den Tagesgewinn und versilbere unsere Position, bevor sich Bullen und Bären am Wochenende vor der Stadt treffen und die Keilerei losgeht. Ich habe keine Ahnung, wer die Schlägerei gewinnen wird.



06. Übersicht HT-Portfolio

Spekulation (≈15%) =9,1%WKN18.6.20Woche ΔΣ '20 ΔAnteil 5x3%!C19
Barrick Gold87045022,20 €3%12%3,2%A+
Compugroup54373068,55 €3%4%3,0%A+
AccellA1JADL21,60 €1%1%2,9%A+
Wirecard74720625,82 €-74%9%0,0%A+








Wachstum (≈35%) =20,2%WKN18.6.20Woche ΔΣ '20 ΔAnteil 5x7%!0
BB BiotechA0NFN364,60 €8%5%3,6%B+
SpotifyA2JEGN213,50 €33%71%8,9%B+
Nvidia918422335,50 €5%46%3,6%B+
ServiceNowA1JX4P362,65 €7%48%4,2%B+
TwitterA1W6XZ30,70 €5%12%3,6%A+
Wheaton Precious MetalsA2DRBP34,50 €1%-1%3,3%A+








Dividende (≈30%) = 19,1%WKN18.6.20Woche ΔΣ '20 ΔAnteil 4x7,5%!0
FreenetA0Z2ZZ14,92 €-2%-27%7,6%B0
Deutsche Post55520031,10 €3%-9%3,5%B+
Munich Re843002229,00 €2%-1%4,4%B0
NestléA2DY3F108,20 CHF4%5%3,7%A0








Absicherung (≈20%) =18,3%WKN18.6.20Woche ΔΣ '20 ΔAnteil 3x7%!0
Goldbarren 100 gr100 gr.4.898,00 €1%13%8,5%A+
Südzucker-AnleiheA0E6FU80,80%1%-7%6,5%A+
Nokia-AnleiheA0T9L2114,88%2%0%3,3%C0





Cashquote

Σ-Portfolio Ergebnis seit 2020

4%4%33,3%


Heibel-Ticker
GewichtungAnzahl Positionenangestrebte Positionsgröße
PortfolioZielSollIstSollIst
SpekulationEreignis10%9,1%532%
WachstumEnkelkinder30%20,2%566,0%
DividendeUrlaub25%19,1%446%
AbsicherungZins & Gold20%18,3%336,7%
Summe
85%66,7%1716


Anmerkungen:
- Die Überschrift über jedem Portfoliobereich in der jeweiligen ersten Spalte (bspw. Absicherung (≈20%) =21,8%) bedeutet: Der beabsichtigte Anteil dieses Portfoliobereichs am Gesamtportfolio beträgt ungefähr 20%. Aktuell beträgt der Anteil 21,8%.
- Die dritte Spalte zeigt die Schlusskurse von Donnerstagabend.
- Unter „Woche” steht die Veränderung im Vergleich zur Vorwoche.
- Unter „Σ 'XX Δ” steht das Ergebnis der Position seit Jahresbeginn bzw. seit Aufnahme ins Portfolio.
- Unter „Anteil” finden Sie den Anteil der jeweiligen Position am Gesamtdepot.

Unter ! steht zur Information meine Grundtendenz:

ATop-Aktie mit günstigem Kurs, 
BKursrücksetzer zum Kaufen nutzen 
CKurssprünge zum Verkaufen nutzen, 
Dbei Gelegenheit Verkaufen, 
ESofort Verkaufen 


Die „Gelegenheit” zum Kaufen oder Verkaufen wird sodann kurzfristig von mir per Update an Sie bekanntgegeben.

Ich habe diese Spalte „!” insbesondere für neue Kunden vorgesehen, die zu einem späteren Zeitpunkt wissen wollen, ob ich die Position noch zukaufen würde, wenn ich beispielsweise darin nicht schon voll investiert wäre. Zukaufen würde ich jeweils jedoch niemals zu Höchstkursen, sondern stets nur nach kurzfristigen Kursrückschlägen von mindestens 5-7%.

Kauffolge: Je spekulativer, desto aggressiver würde ich kaufen und verkaufen. Derzeit verwende ich die folgenden Schritte:
- Dividenden- & Wachstumspositionen in drei Schritten aufbauen: 25%-25%-50%,
- Zyklische Positionen in zwei Schritten aufbauen: 50%-50%,
- Spekulative Positionen ganz oder gar nicht: 100%.

Stopp Loss Limits, Verkaufslimits und ähnliche Aktionsmarken verwalte ich aktiv in meinem System und ändere ich unter der Woche mehrfach, fast täglich. Eine Veröffentlichung der entsprechenden Limits ist in der Regel nicht sinnvoll, allenfalls Stopp Loss Marken für unseren Spekulationen werde ich bisweilen im Text bekanntgeben.

Eine erfolgreiche Börsenwoche,
take share

Stephan Heibel

http://heibel-ticker.de


mailto:info/at/heibel-ticker/./de



07. Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise

Wer un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen in Umlauf setzt, wird mit Lust-, manchmal auch mit Erkenntnisgewinn belohnt; und wenn alles gut geht, fällt davon sogar etwas für Sie ab. (frei nach Robert Gernhardt)

Wir recherchieren sorgfältig und richten uns selber nach unseren Anlageideen. Für unsere eigenen Transaktionen befolgen wir Compliance Regeln, die auf unsere eigene Initiative von der BaFin abgesegnet wurden. Dennoch müssen wir jegliche Regressansprüche ausschließen, die aus der Verwendung der Inhalte des Heibel-Tickers entstehen könnten.

Die Inhalte des Heibel-Tickers spiegeln unsere Meinung wider. Sie stellen keine Beratung, schon gar keine Anlageempfehlungen dar.

Die Börse ist ein komplexes Gebilde mit eigenen Regeln. Anlageentscheidungen sollten nur von Anlegern mit entsprechenden Kenntnissen und Erfahrungen vorgenommen werden. Anleger, die kein tiefgreifendes Know-how über die Börse besitzen, sollten unbedingt vor einer Anlageentscheidung die eigene Hausbank oder einen Vermögensverwalter konsultieren.

Die Verwendung der Inhalte dieses Heibel-Tickers erfolgt auf eigene Gefahr. Die Geldanlage an der Börse beinhaltet das Risiko enormer Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.

Quellen:
Kurse: Deutsche Kurse von comdirect.de, Goldbarren & Münzen von proaurum.de, US-Kurse von finance.yahoo.com. Alle Kurse sind Schlusskurse vom Donnerstag sofern nichts Gegenteiliges vermerkt ist.
Bilanzdaten: Comdirect, Yahoo! Finance sowie Geschäftsberichte der Unternehmen
Informationsquellen: dpa-AFX, Aktiencheck, Yahoo! Finance, TheStreet.com, IR-Abteilung der betreffenden Unternehmen



08. An-/Ab-/Ummeldung

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