•   12.8.: #Barrick Gold leidet unter Kostendruck, kann den Gewinn dennoch um 17% steigern. Kupferpreis rückläufig w/Rezessionsangst, Goldpreis niedrig w/niedrigem Zinsniveau. Guter Hedge für aktuelle Turbulenzen bit.ly/RtX2jz #Börse #Aktien   12.8.: #Barrick Gold leidet unter Kostendruck, kann den Gewinn dennoch um 17% steigern. Kupferpreis rückläufig w/Rezessionsangst, Goldpreis niedrig w/niedrigem Zinsniveau. Guter Hedge für aktuelle Turbulenzen bit.ly/RtX2jz #Börse #Aktien   12.8.: #Barrick Gold leidet unter Kostendruck, kann den Gewinn dennoch um 17% steigern. Kupferpreis rückläufig w/Rezessionsangst, Goldpreis niedrig w/niedrigem Zinsniveau. Guter Hedge für aktuelle Turbulenzen bit.ly/RtX2jz #Börse #Aktien   12.8.: #Barrick Gold leidet unter Kostendruck, kann den Gewinn dennoch um 17% steigern. Kupferpreis rückläufig w/Rezessionsangst, Goldpreis niedrig w/niedrigem Zinsniveau. Guter Hedge für aktuelle Turbulenzen bit.ly/RtX2jz #Börse #Aktien

Heibel-Ticker PLUS 20/39 - Korrektur: Irgendwann ist sie einfach fällig

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25.09.2020:



H E I B E L - T I C K E R    P L U S

F I N A N Z I N F O R M A T I O N E N

- Einfach einen Tick besser -



DEUTSCHE BIBLIOTHEK : ISSN 1862-5436

15. Jahrgang - Ausgabe 39 (25.09.2020)
Erscheinungsweise: wöchentlich Freitag/Samstag



I N H A L T

01.Info-Kicker: Zweite Coronawelle beunruhigt Anleger
02.So tickt die Börse: Korrektur: Irgendwann ist sie einfach fällig
 - Wochenperformance der wichtigsten Indizes
03.Sentiment: Stimmungseinbruch, aber noch keine Extremwerte
 - @@
04.Ausblick: Zukunftswerte zu Ausverkaufspreisen
05.Leserfragen
 - : Gold, Elektromobilität & Erneuerbare Energien
 - : Hamborner REIT und Welltower als Dividendentitel
 - : Umsetzung der Heibel-Ticker Empfehlungen
06.Update beobachteter Werte: Accell
 - Accell: Stopp Loss bei 23 EUR beachten
07.Übersicht HT-Portfolio
08.Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise
09.An-/Ab-/Ummeldung



01. Info-Kicker: Zweite Coronawelle beunruhigt Anleger

Liebe Börsenfreunde,

Seit Wochen prallen negative Ereignisse und Entwicklungen einfach so ab an den Anlegern, die Rallye lief weiter. Nach einigen Wochen der unschlüssigen Pendelei kam diese Woche nun die Erkenntnis, das vereinzelte Gewinnmitnahmen doch ratsam sein könnten und schwups brachen die Aktienmärkte ein, eine Verkaufsspirale entwickelte sich. Die Details dazu lesen Sie in Kapitel 02.

Die Sentimentanalyse der Vorwoche stellte laut die Frage, ob vor der Fortsetzung der Rallye nicht erst noch ein Ausverkauf erfolgen könnte. Heute können wir diese Frage beantworten: Ja. Den heutigen Sentimentdaten entnehme ich auch, ob wir bereits dem Boden nah sind, oder noch ein wenig Pulver trocken halten sollten. Alles Weitere lesen Sie in Kapitel 03.

Wie der Rückschlag dieser Woche vor dem Hintergrund der zweiten Coronawelle und der unterbrochenen oder beendeten Rallye zu werten sind, lesen Sie in Kapitel 04. Dort habe ich Ihnen auch meine absoluten Lieblingstitel für die kommenden zwei Jahre aufgelistet.

Eine Reihe von Leserfragen gibt es auch diese Woche wieder: Von Gold über Elektromobilität bis zu erneuerbaren Energien reicht das Spektrum allein in der ersten Frage. Dividendentitel Hamborner REIT und/oder Welltower aus den USA, wie sind die Werte aktuell einzuschätzen?

Und eine Frage, die ich immer wieder vermutlich viel zu kurz beantworte, ist die, wie denn überhaupt mit den vielen Anregungen des Heibel-Tickers umgegangen werden soll. Diesmal habe ich mir etwas mehr Zeit für die Beantwortung genommen :-).

Heute gibt es nur ein Update zu einem unserer Portfoliowerte, da ich bereits am Dienstag dieser Woche ein umfangreiches Update zu sämtlichen Titel, zur allgemeinen Marktlage sowie zu weiteren interessanten Aktien für die zahlenden Kunden geschrieben habe.

Die PDF-Version dieser Ausgabe steht Ihnen ab sofort im Archiv sowie unter dem folgenden Link zur Verfügung: https://www.heibel-ticker.de/downloads/htp200927.pdf

Nun wünsche ich eine anregende Lektüre,

take share, Ihr
Börsenschreibel

Stephan Heibel

Chefredakteur und
Herausgeber des
Heibel-Ticker




02. So tickt die Börse: Korrektur: Irgendwann ist sie einfach fällig

Irgendwann ist es einfach fällig: Die Korrektur. Während in den USA schon seit Anfang September heftige Kursverluste zu verzeichnen waren, hat sich der DAX bis Anfang dieser Woche verhältnismäßig stabil gehalten. Der Dow Jones hat seit Anfang September bereits 8% verloren, der Technologie-Index Nasdaq sogar 12%. Bis Ende der Vorwoche betrug der Rückgang beim DAX hingegen nur 1%, diese Woche brach der DAX nun auch um 7% ein.

In den USA kann sich die Regierung nicht auf ein weiteres Hilfspaket für die Corona-Opfer einigen. Insbesondere der Gastronomie droht in den USA nun ein Massensterben. Gleichzeitig spitzt sich der Wahlkampf zu und Präsident Trump attackiert erneut China, diesmal mit TikTok. Da gab es einige Investoren, die ihr Geld lieber in das stabilere Europa transferierten und hier Aktien kauften, entsprechend notiert auch der Wechselkurs seit Ende Juli bereits über seinem bisherigen Widerstand bei 1,15 USD/EUR.

Doch nun türmt sich in Europa die zweite Coronawelle auf: In Madrid gibt es bereits Unruhen wegen erneuter Kontaktbeschränkungen. Auch in Frankreich und Italien springen die Zahlen über definierte Warnschwellen. Überall gibt es ähnliche Bewegungen, die den Lockdown für unverhältnismäßig halten und gegen eine erneute Verschärfung der Kontaktbeschränkungen demonstrieren. Da ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Kontaktbeschränkungen die Akzeptanz in der Bevölkerung ist, driften wir hier auf eine kritische Situation zu. Die Politik muss bessere Erklärungen finden als im Frühjahr.

Deutschland gilt als Musterschüler bei der Corona-Bekämpfung und so haben viele internationale Anleger gerade deutsche Aktien ins Depot geholt. Der Wirecard-Skandal war wohl eher ein Einzelfall, glaubte man. Doch nun ist Grenke unter Beschuss, die Vorwürfe klingen ganz ähnlich. Und der Wortführer Fraser Perring erinnert auch noch an Steinhoff, ein weiterer Bilanzskandal eines Unternehmens aus der erweiterten DAX-Familie. Die Details dazu hatte ich am vergangenen Freitag ausgeführt.

Der Finanzplatz Deutschland ist beschädigt.

Mitten in diese Verunsicherung hinein, in der Anleger eigentlich gerne wieder zurück in die USA wollen, hält US-Notenbankchef Jay Powell eine Rede, in der er Strukturreformen für die US-Wirtschaft anmahnt: Die Ungleichheit sei durch Corona gewachsen, viele Hilfsgelder seien im Konsum verpufft. Die Geldpolitik der Notenbank könne wichtige fiskalpolitische Anpassungen der Politik nicht ersetzen, so Powell.

Ein Hilfeschrei, den ich mir vor 12 Jahren gewünscht hätte. Seither schüttet die Fed jedes konjunkturelle Schlagloch mit Geldscheinen zu. Erst jetzt, wo selbst die außerordentlichen Maßnahmen an ihre Grenzen stoßen, wird die Politik in die Pflicht genommen.

Die steigenden Corona-Zahlen in Europa zeigen auch: Ohne Impfstoff ist dem Virus nicht beizukommen. Reisebeschränkungen werden wieder verhängt, die Menschen werden wieder vorsichtiger und gehen weniger in die Öffentlichkeit. Doch in der Impfstoffentwicklung gibt es den erträumten Durchbruch nicht so schnell wie gewünscht: Sanofi-CEO Paul Hudson hat gestern in einem Interview erklärt, dass die Impfstoffentwicklung schneller vonstatten geht als je zuvor, aber dennoch bestimmte Prozesse nicht übersprungen werden können. Es werde noch ein halbes Jahr dauern, bis ein Impfstoff verfügbar sein wird, so eines der führenden Impfstoffunternehmen der Welt. Mag sein, dass Moderna, CureVac oder BioNTech schon schneller einen Impfstoff anbieten können, doch auch dann wird es dauern, bis der Impfstoff flächendeckend verfügbar ist.

In Großbritannien wurde eine Ethik-Diskussion losgetreten, da dort zur Beschleunigung des Verfahrens freiwillige Testpersonen, die gegen Corona geimpft wurden, vorsätzlich infiziert werden sollen.

Der Herbst kommt und der Durchbruch in der Forschung lässt auf sich warten.

Am Mittwoch ist der Anbieter von Wohnmobilen Knaus Tabbert an die Börse gegangen. Statt der 4,6 Mio. Aktien wurden jedoch nur 3,1 Mio. Aktien platziert und das nur zu einem Preis von 58 Euro je Aktie, statt der zuvor als oberes Ende der Preisspanne kommunizierten 74 Euro. Statt 340 Mio. Euro fließen dem Unternehmen also nur 180 Mio. Euro zu. Schlimmer noch, am ersten Handelstag sackte die Aktie dann noch auf 54 Euro ab. Keine Spur von Corona-Euphorie für Wohnmobilhersteller.

Heute früh wurde der Rüstungskonzern Hensoldt an die Börse gebracht: Die bayerische Airbus-Tochter stattet das Militär mit Radartechnik aus. Auch für Rüstungsaktien ist das Börsenumfeld eigentlich gut, doch auch Hensoldt musste die Aktien am unteren Ende der Ausgabespanne von 12-16 Euro ausgeben. Und auch Hensoldt notiert aktuell mit 10% im Minus.

Die Skepsis unter Anlegern ist groß. Kein Wunder, wenn Sie sich die oben genannten Vorgänge vor Augen führen (Wirecard, Grenke). Hinzu kamen nun wieder einmal Betrugsvorwürfe gegen die Deutsche Bank, die führend im Geldwäschegeschäft mit Russland gewesen sein soll.

Und dann ist da noch die deutsche Hoffnung der Internet-Startup-Szene: Rocket Internet: 2014 zu 42,50 Euro an die Börse gegangen ist die Bilanzsumme jährlich geschrumpft. Nun soll das Unternehmen zu einem Kurs von 18,57 Euro wieder von der Börse genommen werden. Böse Zungen schreiben, dass die durch den IPO eingesammelten Millionen nun aufgebraucht sind, das Unternehmen kann billig privatisiert werden. Eine realistische Bewertung der nicht notierten Beteiligungen des Unternehmens war nie möglich. Aktionäre von Beteiligungsgesellschaften fliegen leider meistens im Blindflug.

Die Gewinner dieser Woche sind schnell aufgezählt: HelloFresh und ZooPlus sind ohne besondere Meldung angesprungen. Auch Delivery Hero gehört zu den Gewinnern. Anleger greifen reflexartig zu den Corona-Gewinnern.

Den größten Wochengewinn erzielte Osram (+16%), allerdings war dafür die Meldung der beherrschenden Muttergesellschaft AMS verantwortlich, die eine höhere Ausgleichszahlung an die Aktionäre ausrief, als zuvor erwartet wurde.

Auf der Verliererseite tummeln sich die Corona-Verlierer: Airbus, Lufthansa, MTU Aero und Fraport zeigen, wie anfällig die Logistikbranche ist. Bei den Autos sind Traton, Hella, Sixt und Leoni zweistellig im Minus. Auch Finanztitel sind unter Druck: Deutsche Bank, Allianz, Münchener Rück und die Commerzbank. Bilfinger, DIC Asset, Dt. Euroshop, Ströer, BVB, ThyssenKrupp, Amadeus Fire, Rheinmetall, Siltronic, Adva, Nordex, Hugo Boss und Morphosys sind weitere Aktien, die mit mindestens 8% im Minus sind. Hmm, da lässt sich zwar ein Schwerpunkt bei den konjunktursensiblen Aktien finden, aber grundsätzlich sind alle Bereiche vereinzelt unter Druck gekommen: Auch Corona-Gewinner mit hohem Bewertungsniveau.

Somit komme ich als Fazit zum Satz, mit dem ich dieses Kapitel eingeleitet habe: Nachdem viele Risiken über Monate ignoriert wurden, ist eine Korrektur einfach irgendwann fällig.

Schauen wir mal, wie sich das in der wöchentlichen Entwicklung der wichtigsten Indizes niederschlägt:

WOCHENPERFORMANCE DER WICHTIGSTEN INDIZES


INDIZES24.9.20Woche ΔΣ '20 Δ
Dow Jones26.852 -3,6%-6,3%
DAX12.449 -5,1%-6,0%
Nikkei23.205 -0,7%-1,9%
Shanghai A 3.374 -3,6%5,9%
Euro/US-Dollar1,16-2,1%3,8%
Euro/Yen122,75-0,9%0,4%
10-Jahres-US-Anleihe0,66%-0,03-1,28
Umlaufrendite Dt-0,52%-0,04-0,29
Feinunze Gold$1.863 -4,6%23,2%
Fass Brent Öl$41,74 -3,6%-39,3%
Kupfer6.725 -0,8%8,3%
Baltic Dry Shipping1.605 24,0%47,2%
Bitcoin10.682 -2,2%46,5%








03. Sentiment: Stimmungseinbruch, aber noch keine Extremwerte

"...doch ich kann der aktuellen Stimmungslage nicht entnehmen, ob wir vor der Wiederaufnahme der Rallye noch einen Rücksetzer verkraften müssen, oder nicht", schrieb ich vor einer Woche. Am Montag ging's dann gen Süden bis auf 12.500 Punkte im DAX, heute wurde diese wichtige Unterstützung nochmals nach unten durchbrochen. Aus charttechnischer Sicht kommen nun die 11.700 Punkte ins Visier.

Die zweite Coronawelle, Bilanzskandale, Geldwäsche der Deutschen Bank, unfairer Management Buy-Out bei Rocket Internet, Wahlkampf in den USA und mahnende Worte des US-Notenbankchefs waren dann doch zu viel für die seit Monaten verwöhnten Anleger. Diese Woche setzten dann Verkäufe ein und es entwickelte sich eine Abwärtsspirale, die noch immer im Gang ist.

Unser Stimmungsindikator ist von -0,1 auf -3,8 eingebrochen, Niedergeschlagenheit macht sich auf dem Parkett breit. Es gibt nun wohl doch zu viele Anleger, die ihre Buchgewinne nicht rechtzeitig realisiert haben und nun zuschauen müssen, wie der unverhofft erzielte Reichtum dahin schmilzt.

Das nagt am Selbstwertgefühl, Verunsicherung macht sich zusätzlich breit (von -1,5 in der Vorwoche auf nun -5,3). Damit haben wir zwar noch nicht die Extremwerte vom März erreicht, aber seit März war die Verunsicherung nicht mehr so groß.

Mit fallenden Kursen kommt Trotz auf: Die Erwartung an den DAX für die kommenden Monate steigt an. Während 30% der Umfrageteilnehmer für den DAX in drei Monaten höhere Kurse erwarten, gehen nur 18% von tieferen Kursen aus. Das Bullenlager hat sich gefüllt.

Und entsprechend ist auch die Investitionsbereitschaft auf +2 gestiegen, das Kaufinteresse wächst bei rückläufigen Kursen.

Auch das Euwax-Sentiment der Privatanleger ist in die Höhe geschnellt. Der Wert von 3 zeigt an, dass sich deutlich mehr Anleger für steigende Kurse positioniert haben, als Absicherungsgeschäfte gegen fallende Kurse getätigt wurden.

Ganz anders haben die Profis agiert, die sich über die Eurex absichern: Das Put/Call-Verhältnis ist auf 2 gesprungen und zeigt somit an, dass institutionelle Anleger viele Put-Absicherungen gekauft haben.

In den USA zeigte das Put/Call-Verhältnis der CBOE bis vor kurzem noch einen extremen Überhang von optimistisch eingestellten Call-Käufern an. Dieser Wert geht nun zurück, die Call-Käufe lassen langsam nach.

US-Fondsmanager hatten in den Ausverkauf der US-Märkte Anfang September hinein ihre Investitionsquote drastisch verkleinert und bleiben auch diese Woche bei mageren 55%.

Unter den US-Privatanlegern dominieren nun ganz klar wieder die Bären mit einem Bulle/Bär-Verhältnis von -21%.

Technisch ist der S&P 500 neutral einzustufen, wenn wir dem Angst und Gier Indikator glauben.

Interpretation



Wichtige Unterstützungen im DAX bei zunächst 13.000 Punkten und dann noch 12.500 Punkten wurden unterschritten, dennoch springt der Optimismus unter vielen Anlegern, insbesondere in Deutschland, reflexartig an. Das ist zwar grundsätzlich und langfristig betrachtet richtig, doch kann es lange dauern, bis sich der Mut auszahlt, wenn man schon zu früh einsteigt.

Die Investitionsbereitschaft, um den Ausverkauf zu stoppen, ist vorhanden. Doch zu viel Optimismus ist nicht gut für ein Ende einer Korrektur. Korrekturen enden in der Regel in Panik, doch davon sind wir weit entfernt.

Unsere Disziplin gebietet uns, in stark fallende Kurse hinein den einen oder anderen Kauf zu tätigen, denn den Boden treffen wir ohnehin nie. Doch ich würde die Cashreserven nicht zu schnell einsetzen, da die Stimmungsindikatoren noch keine Extremwerte erreicht haben.

Zur Erinnerung: Die Sentiment-Analyse hat ihre Probleme, Hochpunkte am Ende einer Rallye zu definieren. Die Stärke der Sentiment-Analyse liegt jedoch in der Bestimmung des Tiefs: Panik lässt sich gut erkennen, doch die Panik haben wir noch nicht.

Wie der Blick auf die 160 DAX-Unternehmen zeigt, erfolgt der Ausverkauf auch nicht thematisch oder branchenorientiert, sondern trifft aus allen Branchen einzelne Vertreter. So wie schon seit Wochen am Aktienmarkt die Rotation vorherrscht, bei der schwache Aktien verkauft und starke eingesammelt werden, so trifft der Ausverkauf nun sowohl die schwachen als auch die überbewerteten Corona-Gewinner besonders hart, während günstige Aktien, deren Unternehmen relativ gut durch die Corona-Krise segeln, glimpflich davon kommen.

Wir befinden uns in einem Stockpicker Markt, einem Markt, in dem man Einzelwerte auswählen muss. Was sich über Wochen abzeichnete, erfährt in diesen Tagen eine Beschleunigung und dürfte, wenn wir uns an die Sentiment-Theorie halten, erst noch schlimmer werden, bevor es endet.





04. Ausblick: Zukunftswerte zu Ausverkaufspreisen

Wir legen gerade die Basis für die nächsten Quartale einer Börsenrallye. Ich kann es nicht oft genug sagen: Ausverkäufe und Korrekturen gehören zu jeder gesunden Rallye. Nur einmal habe ich eine Rallye erlebt, die über Monate ohne Korrekturen auskam: Das war 1999 und das endete in einem 18-monatigen Ausverkauf.

Wenn wir jetzt eine Korrektur erleben, dann ist das gesund. Die neuen "jungen Anleger", die in der Coronazeit den Weg zu den Online-Depots gefunden haben, werden nun mit der grausamen Realität konfrontiert, dass die Börse keine Einbahnstraße ist. Es lohnt sich, zwischenzeitlich Gewinne mitzunehmen und Cash zu haben, das nicht an der Rallye teilnimmt, um jetzt handlungsfähig zu sein.

Wir haben am Montag bereits drei Käufe getätigt. Heute ging es nun unter die 12.500 Punkte und ich würde nicht zu früh weiteres Kapital einsetzen. Meine Liste an Wunschkandidaten ist noch lang, Nvidia und Apple würde ich gerne wieder haben, aber auch einige neue Ideen habe ich. Eine Reihe von Portfoliowerten würde ich gerne nachkaufen, wenn die Kurse passen.

Ich habe den Eindruck, in diesen Tagen schlägt die volle Enttäuschung durch, dass es keinen Impfstoff für die gesamte Erdbevölkerung geben wird, der diesen Herbst bereits verfügbar ist. Da waren die Hoffnungen offensichtlich in den Himmel gewachsen. Und in einer schwarz-weißen Welt ziehen viele Menschen dann sofort den Umkehrschluss, dass die zweite Welle erneut zu einem Lockdown führen muss.

Ich wies in den vergangenen Monaten immer wieder darauf hin, dass es keine einfache Lösung gibt, dass wir aber viele Verbesserungen erzielt haben. Wir haben ausreichend Mundschutz und Desinfektionsmittel, die Bevölkerung ist inzwischen besser informiert über die Bedeutung der Kontaktbeschränkungen. Wir können regional Beschränkungen anziehen oder lockern, was der Wirtschaft stark zugute kommen wird. Die Behandlungsmethoden sind besser geworden, es ist wohl kaum zu fürchten, dass die Krankenhauskapazitäten in Deutschland an ihre Grenzen kommen könnten.

Einen Ausverkauf wie im März fürchte ich daher nicht.

Erste Impfstoffe werden nach wie vor noch in diesem Jahr erwartet. Doch diese Impfstoffe werden lediglich für Personal in den kritischen Bereichen eingesetzt, nicht für die breite Bevölkerung, die mit vertretbarem Aufwand Social Distancing betreiben kann. Und so werden wir meiner Einschätzung nach mit einem blauen Auge durch diesen Winter kommen, während es vereinzelt immer wieder Hotspots geben wird.

All das reicht aber nicht aus, um den Aktienmarkt in eine erneute, heftige Abwärtsspirale wie im März zu treiben.

Vielmehr ist das jetzt vielleicht die letzte Gelegenheit, günstig an Aktien zu gelangen, die in den kommenden zwei bis drei Jahren die Früchte ihrer jetzigen Anpassungen ernten werden.

Hier meine absoluten Favoriten für die kommenden Wochen:

Apple zu Kursen unter 80 EUR
Beyond Meat zu Kursen unter 110 EUR
Barrick Gold zu Kursen unter 21 EUR
DocuSign zu Kursen unter 165 EUR
Marvell (5G) zu Kursen unter 29 EUR
NVIDIA zu Kursen unter 370 EUR
Paypal zu Kursen unter 150 EUR
ServiceNow zu Kursen unter 330 EUR
Twitter zu Kursen unter 33 EUR

Soweit ein schneller Überblick, wobei die angegebenen Kurse nicht mehr als große Orientierungshilfen sind: Je nach Marktentwicklung kann es sein, dass ich früher zugreife oder länger warte.



05. Leserfragen



Gold, Elektromobilität & Erneuerbare Energien

Do, 24. September um 10:21 Uhr
Sehr geehrter Herr Heibel,

ich bin versucht Sie mit „Lieber Stephan” anzuschreiben. Seit fast 10 Jahren lese ich Ihre wöchentlichen Nachrichten, wenn auch erst seit 2020 in der „Vollversion”. Sie haben einen so angenehmen Schreibstil, dass ich mich Ihnen freundschaftlich verbunden fühle obwohl ich Sie ja offensichtlich nicht kenne. Bleiben Sie sich hier bitte treu. Auch wenn ich schon seit fast 20 Jahren an der Börse aktiv bin, bin ich nach einem Hauskauf vor 3 Jahren erst in 2020 wieder in der Situation ernsthaft an der Börse „mitzuspielen”. Das Timing war gut, da ich mit 25% meines Geldes am 18.3.2020 eingestiegen bin und die Investitionen dann schrittweise gesteigert habe. Ihr Börsenbrief ist aus meiner Sicht zu günstig und gehört zu den besten Investitionen die ich dieses Jahr gemacht habe. Auch wenn es hier und da sicherlich eine Win-Win Situation ist, dass Sie Leserfragen bekommen und beantworten, kann man nicht von Ihnen erwarten, dass Sie sich hierfür die Zeit nehmen. Die Leserfrage von dieser Woche zum Thema Gold hat mich aber animiert, Ihnen doch mal zu schreiben. Vorher noch ein Feedback: Der SMS-Service funktioniert gefühlt nur in 70% der Fälle. Ich persönlich findes das nicht so schlimm, da ich auch meine privaten Emails regelmässig anschaue, für andere Leser mag dies aber eein Ärgernis sein.

Ich weiß Sie haben nicht viel Zeit und komme daher nun zum eigentlichen Anliegen:
Zur Leserfrage zum Thema Gold im letzten Ticker: Ich hab zwei Bücher des "Untergangpropheten" Dr. Markus Krall gelesen und verstehe daher sehr gut die "Angste" und den Wunsch über Gold die Schäffchen ins Trockene zu bekommen. Auch wenn ich die Analyse für korrekt halte, dass wir uns mit der seit 2007 gewählten Geldpolitik in eine Einbahnstraße und Sackgasse begeben haben die unweigerlich im ganz großen Crash enden muss, erwarte ich im Gegensatz zu Herrn Dr. Krall, dass die Masse der Bevölkerung noch Vertrauen ins System hat und es daher noch einige Jahre so weiter gehen kann. Um einem Crash, einer Währungsreform und Finanzrepressionen zu entkommen empfielt Dr.Krall/Herr Homm das Unternehmen „Goldmoney” https://www.goldmoney.com. Das Unternehmen soll folgende Vorteile haben:
Investmentmöglichkeit in physische Edelmetalle, Gold, Silber, Platin, Paladium
Lager des Golds im Ausland nach wunsch verteilt in (UK, Honkong, Schweiz und weitere Standorten)
Eine Kreditkarte die in Gold abgerechnet wird, man hat also die Sicherheit des Goldes und ist dennoch immer liquide
Sitz der Gesellschaft in Jersey
Das Gold wird auf Wunsch physisch ausgeliefert
Die Gebühren sollen moderat sein
Wie gesagt, seh ich aktuell hierfür noch nicht die Notwendigkeit und hab mich daher damit noch nicht näher beschäftigt. Sollte das aber alles so zutreffen, wäre das fast zu schön um wahr zu sein. Und sicherlich das richtige Konstrukt für "Jürgen vom Tegernsee"

Thema Elektromobilität:
Ich teile Ihre Meinung zu Tesla und bin auch für den Individualverkehr von der Elektromobilität als effizienteste Lösung überzeugt. Wasserstoff/Brennstoffzelle passt nur für die großen Fahrzeuge (LKW, Schiffe, Flugzeuge). Das ist wie mit der PV Energie --> wird sich zwangsläufig durchsetzen wenn ein gewisser Kostenpunkt unterschritten ist. Im Anhang hab ich Ihnen eine interessante Studie zur Elektromobilität bzw. Mobilität der Zukunft beigefügt.
Auch wenn VW aktuell mit den Pannen rund um den Golf8 keine gute Figur macht, hab ich dennoch dass gefühlt, dass die neue Strategie mit der Elektroplattform richtig ist und VW hiermit schon wieder einigen Boden gut gemacht hat. Ich bin positive überrascht wie viele Elektroautos bereits in der Pipeline sind . Das geht ja neben VW durch alle Marken des Konzerns; VW, Audi, Skoda, Seat, Porsche (VW ID3, ID4; Skoda Enyaq, Audi etron; Porsche Taycan...). Die neuen Autos sprießen wie die Plize aus dem Boden und Tesla wird hier sicherlich nicht in der Breite mithalten könne. Da könnte in den nächsten 2 Jahren bereits richtig Masse auf die Straße kommen.
Elektroauto Neuzulassungen Top 5 Juni 2020

Modellreihe Juni 2020 Jan.- Juni 2020
Audi E-Tron 520 3.233
VW E-Up 590 3.043
Tesla Model 3 703 4.367
VW E-Golf 1.310 7.320
Renault Zoe 1.448 7.066

Ich sehe auch, dass das Thema Software die Schwachstelle von VW (und der restlichen alten Autowelt) ist, aber auf Sicht von 2-4 Jahren sollte VW aus meiner Sicht schon ziemlich gut da stehen. Im Gegensatz zu Tesla kann VW zumindest Hardware mit hoher Qualität. VW dümpelt aktuell bei 55% des 1-Jahreshochs rum. Und bei aller Tesla Euphorie, die Aktie ist einfach überbewertet, an dieser Wette kann ich mich nicht mehr beteiligen. Was halten Sie von einer Spekulation auf eine erfolgreiche Elektro-Strategie von VW?

Ich war vor meinem Hauskauf lange bei "Encavis" investiert und würde es gerne wieder sein. Haben Sie die Aktie auf dem Schirm? Und eine Meinung dazu?
Bitte fühlen Sie sich nicht genötigt mir zu antworten. Auch wenn ich mich darüber freuen würde, bin ich rational genug zu verstehen, dass Sie das nicht immer leisten können (oder wollen sollten).

Beste Grüße aus Mannheim

Simon

ANTWORT
Herzlichen Dank für Ihr Schreiben und die netten Worte :-).

@Goldmoney: Für mich als Privatmensch möchte ich ein wenig Gold genau dann verfügbar haben, wenn die Welt ins Chaos stürzt. Ja, das kann noch viele Jahre dauern und bis dahin können neue Lösungen für die heutigen Probleme gefunden werden, daher ist es nicht zwangsläufig so, dass schlechte Entwicklungen in einer „Sackgasse” enden. Doch mit einem kleinen Betrag möchte ich mich gegen sowas absichern. Wenn ich entsprechende Edelmetalle dann jedoch in Hongkong und der Schweiz lagere, könnte es sein, dass ich gar keinen Zugriff darauf habe: Schauen Sie sich die Reisebeschränkungen durch Corona mal an. Daher ist ein Angebot wie von Goldmine in meinen Augen eher etwas für Strategen wie Menschen mit Family Office oder Unternehmen, denen es um die Wertaufbewahrung für künftige Generationen geht.

@Elektromobilität: Tja, es bleibt spannend. Ich habe mir gerade einen 3-Jahres-Touran gekauft, der nun eine Meldung zeigt „Software Update erforderlich”. Weder die entsprechende VW-Hotline, noch mein VW-Händler können mir sagen, ob damit die Navi-Software, die Infotainment-Software oder etwas noch anderes gemeint ist. Die im Betriebshandbuch beschriebenen Update-Schritte funktionieren nicht, ich habe nun einen Werkstatttermin dafür. Steinzeit. Der Tesla-Battery-Day dieser Woche hat für VW und Co die Meldung enthalten, dass vor 2022 kein günstiges E-Auto von Tesla verfügbar sein wird. Ich halte das für eine Galgenfrist.

Hintergrund der Software-Problematik ist, dass Tesla über einen Chip die gesamte Bord-Elektronik steuert, während VW eine dreistellige Zahl an Chips unterschiedlicher Hersteller miteinander verknüpfen muss. Ich habe die Befürchtung, dass VW nicht das Knowhow hat, dies zu ändern. Aber Sie haben Recht, eine - zumindest vorübergehende - Erholungsbewegung der alten Autokonzerne ist überfällig.

@Encavis: Erneuerbare Energien bietet das Unternehmen zu wettbewerbsfähigen Preisen an, die Aktie schießt durch die Decke: Das KGV von 34 bei 17% Gewinnwachstum klingt noch vernünftig, aber das Kurs/Umsatz-Verhältnis von 2000/273= 7 ist abenteuerlich, zudem schiebt das Unternehmen Finanzierungskosten (Nettoschulden) von 1,6 Mrd. EUR vor sich her - das Sechsfache eines Jahresumsatzes. Damit profitiert das Unternehmen exorbitant von der aktuellen Niedrigzinsphase, doch sollten die Zinsen nicht weitere 10 Jahre so niedrig bleiben, könnten die Finanzierungen problematisch werden. Hmm, damit also höchstens etwas für eine Spekulation.



Hamborner REIT und Welltower als Dividendentitel

Fr, 25. September um 09:46 Uhr
Hallo Herr Heibel,

Sie hatten ja vor einigen Monaten Ihre Leser dazu aufgerufen, sich zum Thema Dividenden-Aktien Gedanken zu machen. Das habe ich getan und bin mittlerweile beim Thema REITs angekommen (ja, ich denke sehr langsam). Ihre Einschätzung im heutigen HT zu Immobilien-Aktien teile ich weitgehend. Allerdings ist ja nicht jede Immobilie ein Büro oder das Ladengeschäft einer/eines Solo-Selbstständigen. Vor diesem Hintergrund finde ich Welltower (US95040Q1040) und Hamborner REIT (DE0006013006) ganz interessant.

Hamborner REIT hat viele Supermärkte im Portfolio. Diese sind systemrelevant und haben während der ersten Welle ein robustes Hygiene-Konzept etabliert, sodass die Geschäfte trotz Corona munter weiterlaufen. Auch die grundsätzliche (Virus-unabhängige) Bedrohung durch den Online-Handel, die für Ladengeschäfte gewiss gilt, sehe ich bei Supermärkten weniger. Sogar Amazon hat spätestens mit der Übernahme von Whole Foods eingesehen, dass beim Thema frische Lebensmittel der Online-Handel gegenüber dem klassischen Ladengeschäft den Kunden keine lebensverändernden Vorteile bringt.

Welltower fokussiert sich auf Pflegeheime und Gesundheitsimmobilien in den USA. Auf den ersten Blick würde ich diese für relativ Corona-unabhängig halten, aber ich kann mich täuschen. Die Aktie notiert jedenfalls mit derzeit knapp 46 EUR spürbar unter ihrem Hoch von Mitte Februar bei ca. 82 EUR.

Beim Blick auf die Historie erweisen sich beide Aktien als zuverlässige Dividendenbringer, die möglicherweise nur deshalb gerade vergleichsweise günstig zu haben sind, weil sie mit anderen (eventuell Corona-sensibleren) Immobilien-Aktien in Sippenhaft genommen werden könnten.

Übersehe ich was? Käme eine der beiden ggf. für das Dividendenportfolio infrage?

Besten Dank und viele Grüße
Jan aus Nürnberg

ANTWORT
Herzlichen Dank für Ihre beiden guten Ideen:

@Welltower
Welltower ist auf den ersten Blick tatsächlich sehr interessant: Seit 10 Jahren wird die Dividende kontinuierlich angehoben. Die Dividendenhöhe von 2,44 USD je Aktie ist locker durch den hohen Cashflow des Unternehmens gedeckt (11,37 USD/Aktie).

Allerdings schiebt das Unternehmen eine Nettoverschuldung von 13 Mrd. USD vor sich her. Das ist das Dreifache des Jahresumsatzes. Bei Immobilienunternehmen ist das kein Problem, es existieren ja Werte hinter dieser Verschuldung. Doch der Gewinn je Aktie, der von diesem Konstrukt erwirtschaftet wird, liegt bei nur 1,56 USD je Aktie und somit unter der Dividendenauszahlung. Das ist nicht gesund, denn langfristig kann ein Unternehmen nicht mehr ausschütten als es verdient.

Zudem sind Umsatz- und Gewinnentwicklung rückläufig.

@Hamborner REIT
Das Bild für Hamborner REIT sieht ganz ähnlich aus: 0,47 EUR Dividende je Aktie (5,4% Rendite) bei reichlich Cashflow (=0,67 EUR/Aktie). Allerdings wird nur ein Gewinn von 0,095 EUR/Aktie erwirtschaftet, reicht also nicht zur Deckung der Dividende. Die 88 Mio. Euro Jahresumsatz werden mit einer Nettoverschuldung in Höhe von 718 Mio. Euro finanziert. Immerhin verzeichnet Hamborner REIT Umsatz- und Gewinnwachstum.

Ich habe den Eindruck, dass ein Großteil des Geschäftsmodells auf die Wertentwicklung der Immobilien abgestellt ist, nicht jedoch auf die Mieteinnahmen von Supermärkten und Altersheimbetreibern. Damit sind diese beiden REITs letztlich doch Investitionen in den Immobilienmarkt, die bereits vorab, bevor eine Wertsteigerung „realisiert” wurde, attraktive Dividenden ausschüttet.

Zwischen den beiden gefällt mir Hamborner REIT deutlich besser, weil Umsatz und Gewinn steigen und weil die Dividende in Euro ausgeschüttet und somit nicht doppelt besteuert wird. Für unser Heibel-Ticker Portfolio gefällt es mir jedoch nicht.



Umsetzung der Heibel-Ticker Empfehlungen

Fr, 25. September um 10:08 Uhr
Hallo Herr Heibel,

Frage zum Vorgehen mit ihrem Ticker: Wie würden sie empfehlen zu investieren? 1:1 ihre Empfehlungen ?

Und gibt es EUR /% Größenordnungen von denen sie der Meinung sind "nicht mehr pro Empfehlung" bzw "nicht wenigee pro Empfehlung" zu investieren?

Danke für ihren Ratschlag!

Herzlichen Dank und Beste Grüße
Peter aus Schorndorf

ANTWORT
Nein, ich möchte nicht, dass meine Kunden das Heibel-Ticker Portfolio 1:1 nachbilden: Jeder von Ihnen hat individuelle Bedürfnisse, Ängste und Kenntnisse. Der Heibel-Ticker dient dazu, Sie in die Lage zu versetzen, Ihre individuelle Situation bei der Anlageentscheidung zu berücksichtigen: Passt Nvidia in mein Portfolio oder vielleicht lieber TeamViewer? Gewichte ich Dividendentitel höher oder setze ich eher auf Wachstumstitel? Wieviel Spekulation vertragen meine Nerven?

Das Heibel-Ticker Portfolio ist für einen fiktiven Betrag von 100.000 Euro konzipiert und gibt stets die Gewichtung der einzelnen Positionen, inkl. Cash, an, die ich für meinen Geschmack, meine individuellen Bedürfnisse für angemessen halte. Daher habe ich auf meiner Webseite unter „über den Autor” sehr persönliche Dinge eingeflochten. Sie können damit besser einschätzen, warum ich so und nicht anders entscheide, und das sollte es Ihnen erleichtern, die für Ihre Bedürfnisse passende Entscheidung zu treffen.

Klingt zu nebulös? Tut mir leid. Wenn’s konkret sein soll, geht es in Richtung Anlageberatung und ich könnte nur einige wenige, dafür aber schwerreiche Kunden betreuen (entsprechende Angebote lehne ich immer wieder ab). Das ist aber nicht mein Ziel.

Keine Position im Portfolio darf jemals über 20% des gesamten Portfolios ausmachen, sonst ist die gesunde Risikostreuung nicht gegeben.

Die Eckdaten lassen sich der Portfolioübersicht entnehmen:
Ich sehe bis zu 5 spekulative Positionen mit jeweils 3% Anteil am Gesamtportfolio vor, also maximal setze ich 15% des Portfolios in spekulative Positionen ein. Für den Wachstumsbereich (möglichst über 20% Umsatzwachstum p.a.) sehe ich ebenfalls 5 Positionen vor, die jeweils etwa 7% ausmachen sollen, insgesamt also 35% des Portfolios. Diese Positionen baue ich in zwei Schritten auf.

Für Dividendentitel sehe ich 4 Positionen vor, die maximal jeweils 7,5% des Portfolios ausmachen dürfen, also insgesamt 30%. Auch diese Positionen baue ich in 2 Schritten auf.

In besonderen Situationen gebe ich mir die Freiheit, Wachstums- und Dividendenpositionen mit einem dritten Kauf auch vorübergehend „übergroß” zu machen. Das haben wir bspw. bei Freenet im März-Crash getan, um die Position dann aber frühzeitig wieder auf die beabsichtigte Anteilsgröße zu reduzieren.

Den vierten und letzten Teil des Portfolios nenne ich „Absicherung”, weil dort Gold und Anleihen enthalten sind, die im Falle eines Crashs verhältnismäßig stabil bleiben sollten. Es sind 3 Positionen mit jeweils ca. 7% (insgesamt 20%), wobei der Goldanteil derzeit tendenziell zu Lasten der Anleihen größer ausfallen kann.

Ein Student, der 500 Euro auf die Seite gelegt hat, muss spekulative Positionen nutzen, damit sich ein Gewinn überhaupt finanziell lohnen kann. Sollte er die 500 Euro verlieren, hat er genug Zeit, das Geld anderweitig zu verdienen.

Berufsanfänger, die gerade eine Familie gegründet haben, sollten sich hingegen eher im defensiveren Bereich des Portfolios bewegen, um den Spargroschen zum kontinuierlichen Aufbau einer Rücklage zu nutzen.

Rentner, die für ihren Lebensabend ausreichen Rente bekommen, vielleicht im Eigenheim leben und das „überschüssige” Vermögen anlegen, können wiederum deutlich spekulativer unterwegs sein, damit es Spaß macht :-).

Soweit ein paar Gedanken zu Ihrer Frage. Ich hoffe, ich konnte ein wenig helfen.



06. Update beobachteter Werte: Accell

Bitte beachten Sie auch den Kundenbereich auf meiner Internetseite unter www.heibel-ticker.de -> Portfolio -> 10 neueste Einträge. Dort finden Sie aktuelle Charts mit meinen jeweils aktualisierten Einschätzungen.

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Im Wochenverlauf habe ich zu mehreren Titeln Anmerkungen im Kundenbereich der Webseiten verfasst.


Accell
Stopp Loss bei 23 EUR beachten

Fr, 25. September um 13:14 Uhr
okay, heute geht’s weiter in den Keller: Die 12.500 Punkte im DAX wurden heute Vormittag unterschritten, aktuell notiert der DAX bei 12.361 Punkten (Xetra 12:54 Uhr). Ich fürchte, nun sind die Dämme gebrochen und eine Stabilisieruing werden wir erst bei einem DAX-Niveau von 11.700 Punkten sehen. Daher würde ich erst zu einem späteren Zeitpunkt weitere Schnäppchen einsammeln.

Wenn ich mir unser Portfolio anschaue, gibt es kaum Positionen, die ich heute versilbern würde: Accell würde ich im Auge behalten, denn die Aktie notiert aktuell bei 23,35 EUR (Euronext 12:51 Uhr) und nähert sich damit unserem Stopp Loss Limit von 23 Euro. So rosig die Zukunft für Europas größtem Anbieter von Elektrofahrrädern auch sein mag, so häufig hat sich das Management schon Schnitzer geleistet. Wenn wir bei 23 Euro rausgehen, können wir vielleicht unter 21 Euro wieder rein...

Die größten Verlierer dieser Woche in unserem Portfolio sind Airbus (-16%), Münchener Rück (-11%) und BASF (-10%). Ich gehe davon aus, dass diese Titel Anfang kommender Woche eine Gegenbewegung starten. Unabhängig davon erwarte ich gerade bei diesen Titeln noch großes Aufholpotential. Wir können dann Anfang nächster Woche beurteilen, ob wir die Positionen verkaufen oder behalten oder aufstocken.

Mit aktuell 23% Cash im Portfolio sind wir weiterhin gut ausgestattet, um im weiteren Verlauf des Ausverkaufs handlungsfähig für Zukäufe zu bleiben :-).



07. Übersicht HT-Portfolio


Spekulation (≈15%) =11,8%WKN24.9.20Woche ΔΣ '20 ΔAnteil 5x3%!C19
AccellA1JADL23,10 €-9%8%0,0%C+
Frosta60690069,60 €1%12%3,0%B+
Fielmann57722067,05 €6%3%0,0%D+
Stratec BiomedSTRA55116,40 €5%14%2,6%B+
ProofpointA1JW8Q89,76 €3%-2%3,1%A+
TeamViewerA2YN9042,13 €-1%-2%3,1%A+







Wachstum (≈35%) =20,7%WKN24.9.20Woche ΔΣ '20 ΔAnteil 5x7%!
BB BiotechA0NFN361,20 €-4%0%3,2%B+
SpotifyA2JEGN200,50 €3%60%7,3%B+
Wheaton Precious MetalsA2DRBP41,20 €-7%8%3,4%B+
Airbus93891459,72 €-14%-6%3,3%A -
MediosA1MMCC28,00 €-3%2%3,6%A -








Dividende (≈30%) = 24,1%WKN24.9.20Woche ΔΣ '20 ΔAnteil 4x7,5%!
FreenetA0Z2ZZ17,57 €-3%-14%8,4%B0
Deutsche Post55520037,92 €-4%11%4,0%B+
Munich Re843002214,60 €-11%-8%3,9%B0
BASFBASF1149,33 €-10%-4%7,8%A+








Absicherung (≈20%) =17,8%WKN24.9.20Woche ΔΣ '20 ΔAnteil 3x7%!
Goldbarren 100 gr100 gr.5.100,00 €-3%17%8,3%A+
Südzucker-AnleiheA0E6FU80,68%-1%-7%6,1%B+
Nokia-AnleiheA0T9L2124,83%-1%9%3,4%C0





Cashquote

Σ-Portfolio Ergebnis seit 2020

-3%10%25,6%


Heibel-Ticker
GewichtungAnzahl Positionenangestrebte Positionsgröße
PortfolioZielSollIstSollIst
SpekulationEreignis15%11,8%543%
WachstumEnkelkinder35%20,7%557,0%
DividendeUrlaub30%24,1%448%
AbsicherungZins & Gold20%17,8%336,7%
Summe
100%74,4%1716


Anmerkungen:
- Die Überschrift über jedem Portfoliobereich in der jeweiligen ersten Spalte (bspw. Absicherung (≈20%) =21,8%) bedeutet: Der beabsichtigte Anteil dieses Portfoliobereichs am Gesamtportfolio beträgt ungefähr 20%. Aktuell beträgt der Anteil 21,8%.
- Die dritte Spalte zeigt die Schlusskurse von Donnerstagabend.
- Unter „Woche” steht die Veränderung im Vergleich zur Vorwoche.
- Unter „Σ 'XX Δ” steht das Ergebnis der Position seit Jahresbeginn bzw. seit Aufnahme ins Portfolio.
- Unter „Anteil” finden Sie den Anteil der jeweiligen Position am Gesamtdepot.

Unter ! steht zur Information meine Grundtendenz:

ATop-Aktie mit günstigem Kurs, 
BKursrücksetzer zum Kaufen nutzen 
CKurssprünge zum Verkaufen nutzen, 
Dbei Gelegenheit Verkaufen, 
ESofort Verkaufen 


Die „Gelegenheit” zum Kaufen oder Verkaufen wird sodann kurzfristig von mir per Update an Sie bekanntgegeben.

Ich habe diese Spalte „!” insbesondere für neue Kunden vorgesehen, die zu einem späteren Zeitpunkt wissen wollen, ob ich die Position noch zukaufen würde, wenn ich beispielsweise darin nicht schon voll investiert wäre. Zukaufen würde ich jeweils jedoch niemals zu Höchstkursen, sondern stets nur nach kurzfristigen Kursrückschlägen von mindestens 5-7%.

Kauffolge: Je spekulativer, desto aggressiver würde ich kaufen und verkaufen. Derzeit verwende ich die folgenden Schritte:
- Dividenden- & Wachstumspositionen in drei Schritten aufbauen: 25%-25%-50%,
- Zyklische Positionen in zwei Schritten aufbauen: 50%-50%,
- Spekulative Positionen ganz oder gar nicht: 100%.

Stopp Loss Limits, Verkaufslimits und ähnliche Aktionsmarken verwalte ich aktiv in meinem System und ändere ich unter der Woche mehrfach, fast täglich. Eine Veröffentlichung der entsprechenden Limits ist in der Regel nicht sinnvoll, allenfalls Stopp Loss Marken für unseren Spekulationen werde ich bisweilen im Text bekanntgeben.

Eine erfolgreiche Börsenwoche,
take share

Stephan Heibel

https://www.heibel-ticker.de


mailto:info/at/heibel-ticker/./de



08. Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise

Wer un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen in Umlauf setzt, wird mit Lust-, manchmal auch mit Erkenntnisgewinn belohnt; und wenn alles gut geht, fällt davon sogar etwas für Sie ab. (frei nach Robert Gernhardt)

Wir recherchieren sorgfältig und richten uns selber nach unseren Anlageideen. Für unsere eigenen Transaktionen befolgen wir Compliance Regeln, die auf unsere eigene Initiative von der BaFin abgesegnet wurden. Dennoch müssen wir jegliche Regressansprüche ausschließen, die aus der Verwendung der Inhalte des Heibel-Tickers entstehen könnten.

Die Inhalte des Heibel-Tickers spiegeln unsere Meinung wider. Sie stellen keine Beratung, schon gar keine Anlageempfehlungen dar.

Die Börse ist ein komplexes Gebilde mit eigenen Regeln. Anlageentscheidungen sollten nur von Anlegern mit entsprechenden Kenntnissen und Erfahrungen vorgenommen werden. Anleger, die kein tiefgreifendes Know-how über die Börse besitzen, sollten unbedingt vor einer Anlageentscheidung die eigene Hausbank oder einen Vermögensverwalter konsultieren.

Die Verwendung der Inhalte dieses Heibel-Tickers erfolgt auf eigene Gefahr. Die Geldanlage an der Börse beinhaltet das Risiko enormer Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.

Quellen:
Kurse: Deutsche Kurse von comdirect.de, Goldbarren & Münzen von proaurum.de, US-Kurse von finance.yahoo.com. Alle Kurse sind Schlusskurse vom Donnerstag sofern nichts Gegenteiliges vermerkt ist.
Bilanzdaten: Comdirect, Yahoo! Finance sowie Geschäftsberichte der Unternehmen
Informationsquellen: dpa-AFX, Aktiencheck, Yahoo! Finance, TheStreet.com, IR-Abteilung der betreffenden Unternehmen



09. An-/Ab-/Ummeldung

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