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Heibel-Ticker PLUS 22/25 - Voraussetzungen für ein Ende der Baisse

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24.06.2022:



H E I B E L - T I C K E R    P L U S

B Ö R S E N B R I E F

- Einfach einen Tick besser -



DEUTSCHE BIBLIOTHEK : ISSN 1862-5436

17. Jahrgang - Ausgabe 25 (24.06.2022)
Erscheinungsweise: wöchentlich Freitag/Samstag



Die PDF-Version dieser Ausgabe steht Ihnen ab sofort im Archiv sowie unter dem folgenden Link zur Verfügung: https://www.heibel-ticker.de/downloads/htp220626.pdf



Im heutigen Börsenbrief lesen Sie:

01.Info-Kicker: Turbulente Woche ohne Richtungsentscheidung
02.So tickt die Börse: Folgen verfehlter Energiepolitik
 - Wochenperformance der wichtigsten Indizes
03.Sentiment: Angst und Panik mit konstruktiven Signalen
 - Interpretation
04.Ausblick: Voraussetzungen für ein Ende der Baisse
05.Update beobachteter Werte: Bitcoin im Hardware Wallet
 - Bitcoin im Hardware Wallet: Aufstocken
06.Übersicht HT-Portfolio
07.Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise
08.An-/Ab-/Ummeldung



01. Info-Kicker: Turbulente Woche ohne Richtungsentscheidung



Liebe Börsenfreunde,

Die Energiepolitik der vergangenen Jahre hat uns in eine Sackgasse manövriert. Im heutigen Kapitel 02 diskutiere ich frei von Denkverboten, wie sich die aktuelle Situation darstellt und was wir für die kommenden Monate erwarten/ befürchten müssen.

Unser Anlegersentiment zeigt, genau wie in der Vorwoche, Angst und Panik. Doch der Blick ins Detail offenbart einen sehr wichtigen Unterschied, der aus der aktuellen Stimmungslage eine konstruktive Ausgangsposition macht. Mehr dazu lesen Sie im Kapitel 03.

Zwischenerholung oder Ende der Baisse? Im Kapitel 04 zeige ich, was wir für ein Ende der Baisse benötigen und welche Entwicklung ich kurzfristig für die kommenden Wochen erwarte.

Heute gibt es nur ein Update, und zwar zum Bitcoin. Überall hören wir mit guten Argumenten den Abgesang auf die führende Kryptowährung. Ich unterscheide jedoch zwischen dem Bitcoin und allen anderen Krypto-Projekten.

Nun wünsche ich eine anregende Lektüre,

take share, Ihr Börsenschreibel

Stephan Heibel

Chefredakteur und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs




02. So tickt die Börse: Folgen verfehlter Energiepolitik



geopolitik Internationale Anleger verabschieden sich von Deutschland. Die Exportnation kann in einer Welt, die sich deglobalisiert, nicht exportieren. Die Industrienation kann in einer Welt ohne Rohstoffe und Energie nicht produzieren. Eine Rezession in Deutschland scheint eine ausgemachte Sache zu sein, die Frage ist nur noch, wie heftig sie ausfallen wird.

Und so haben die Aktien des Industriesektors diese Woche um 4,1% nachgegeben. Die Norma Group führt die Verlustliste mit -10% an, gefolgt von Gerresheimer und Krones mit -8%. Wacker Nelson, Deutz und Heidelberger Druck haben 7% verloren.

Auch die Chemiebranche ist unter Druck, das Wochenminus beläuft sich dort auf 3,6%. Wacker Chemie -10%, Brenntag sogar -11% und die Giganten Bayer und BASF jeweils -7%.

Es ist ein Gemisch aus Angst vor knappen Rohstoffen und Angst vor einer Rezession: Zunächst sind die Rohstoffpreise durch die Decke gegangen, weil die laufenden Produktionsprozesse händeringend das jeweils knappe Gut benötigten, egal zu welchem Preis. Vor dem Hintergrund der nun drohenden Rezession ist das Verhalten jedoch umgeschlagen: Statt eine Produktion durch eine hoffentlich kurze Durststrecke teuer am Laufen zu halten, stellt man sich nun auf eine längere Durststrecke ein und drosselt die Produktion, stellt sich auf ein niedrigeres Produktionsniveau ein. So wird die Rezessionsangst zur selbst erfüllenden Prophezeiung.

Die Rezessionsangst ist in die Managementetage vorgedrungen. Sichtbar wird das an der Performance des Rohstoffsektors in der abgelaufenen Woche, denn dieser Sektor erzielt mit -7,4% das größte Minus. Stahlkonzerne ThyssenKrupp und Salzgitter brechen um jeweils 16% ein, Kupferhütte Aurubis um 12%, Stahlhändler Klöckner um 9% und Stahl- und Aluminium-Recycler Befesa um 8%.

gas Besonders gut sichtbar wird die dramatische Situation in Deutschland und Europa am Gaspreis: Die Lösung unserer Bundesregierung waren Gasimporte. Flüssigerdgas aus Qatar und den USA soll uns durch den kommenden Winter bringen, selbst wenn Putin uns das Gas abdreht.

Nun gab es vor 14 Tagen in Texas in einem Flüssiggasterminal eine Explosion, die dortige Flüssiggasproduktion wird wohl bis Ende des Jahres ausfallen (ich berichtete in einem Update darüber). Zunächst sprach man von wenigen Wochen, doch schnell wurde das verheerende Ausmaß der Explosion sichtbar und so spricht man nun von einem Ausfall bis Ende des Jahres. 20% der Flüssigerdgasexporte der USA laufen über dieses Terminal, knapp die Hälfte der dortigen Produktion war direkt für Europa bestimmt.

Seit dem Vorfall ist der Flüssigerdgaspreis in Europa um 60% angesprungen. In den USA hingegen hat man nun viel Erdgas, das nicht exportiert werden kann. Es muss innerhalb der USA verbraucht werden, der Erdgaspreis in den USA ist um 30% eingebrochen. Was uns fehlt, haben die USA zu viel, doch es gibt keine Möglichkeit, das Zeug nach Europa zu bringen.

energie Damit hat der Ausverkauf der deutschen Industrie begonnen. Internationale Anleger, die ihre Bayer-Aktien flugs in DuPont-Aktien tauschen können, profitieren von dieser Entwicklung. Da wir hier in Deutschland jedoch aus irgendeinem Grund davon ausgehen, dass unsere Probleme in dem Rest der Welt ganz ähnlich sind, bleiben wir überraschend ruhig. Mit Ausnahme von Robert Habeck, der schon von einem drohenden "Lehman-Moment" spricht, Energiekonzerne "aus dem Markt fallen" sieht und von einer "schweren Rezession" spricht.

Derweil hat China seine Ölimporte aus Russland verdoppelt, Indien sogar verdreißigfacht. Die Idee, Russland durch die Sanktionen zu schaden, scheint nicht ganz aufzugehen. Dennoch spricht Habeck davon, dass ein Abdrehen des Gashahns für Deutschland durch Putin ein Zeichen des Erfolges sei: Putin könne sich von dem Gas-Geld nichts mehr kaufen, dann brauche er das Geld auch nicht: Zitat: „Es ist richtig, Putin bekommt Geld durch den Verkauf fossiler Energien, aber er kann sich davon immer weniger kaufen, weil der Westen so viele Güter sanktioniert hat. Und weil er sich mit diesem Geld nichts mehr kaufen kann, sagt er: Dann brauche ich das Geld nicht mehr, und ich reduziere das Gas.”

Diese Aussage als Träumerei abzutun, ist in meinen Augen eine Verniedlichung der Augenwischerei, mit der er noch immer an der schlecht strukturierten Energiewende festhält. Statt Alternativen zu fördern, wurde bestehende Infrastruktur verboten, während Förderungen der Alternativen zeitgleich reduziert wurden. Dadurch wurde jegliche Investitionssicherheit für alternative Energien durch politische Willkür zerstört.

Die Lösung liegt immer in der Mitte: Nachdem Energiekonzerne über Jahrzehnte auf Kosten der Umwelt dicke Gewinne eingefahren haben, wurden anschließend jeglichen Alternativen viel zu früh der Boden unter den Füßen entzogen. Nur langsam werden nun die Notfall-Alternativen diskutiert.

Abschließend noch ein weiterer Gedanke: Wir stellen die Welt der Verbrenner-Autos auf Elektromobilität um. Plastiktüten, eine weitere umweltschädliche Anwendung von Öl, sind zum großen Teil in Deutschland bereits verboten. In einem Interview sagte der CEO von Exxon Mobile diese Woche, dass der Ölabsatz des größten Ölkonzerns der Welt im Jahr 2040, wenn nur noch Elektroautos verkauft werden, auf dem Niveau von 2013 sein werde ... und im Jahr 2013 habe man auch nicht schlecht verdient.

Soll heißen, es gibt so viele Anwendungen für "technische Kunststoffe", so der Marketingbegriff für Plastik mit bestimmten Eigenschaften, dass die Verbrennermotoren anteilig immer weniger ins Gewicht fallen. Plastik kann ganz gezielte Eigenschaften in Hitzebeständigkeit, Bruchfestigkeit, Dehnbarkeit, Haltbarkeit, ... haben, dass ein Verbot von einzelnen Anwendungen im Wachstum der Ölprodukte lediglich kleine Stolpersteine darstellen.

Mein Lösungsvorschlag: Das effizienteste Instrument, das ich kenne, ist der CO2-Zertifikatehandel. Nicht Verbote und Förderungen führen zu Innovation, sondern der freie Markt mit verlässlichen Rahmenbedingungen.

So, genug gemeckert. Schauen wir uns mal die Wochenentwicklung der wichtigsten Indizes an:

Wochenperformance der wichtigsten Indizes




INDIZES23.6.22Woche ΔΣ '22 Δ
Dow Jones31.334 5,0%-13,8%
DAX13.118 -0,1%-17,4%
Nikkei26.492 2,0%-8,0%
Shanghai A 3.511 1,0%-8,0%
Euro/US-Dollar1,060,9%-6,9%
Euro/Yen142,660,8%9,1%
10-Jahres-US-Anleihe3,11%-0,101,60
Umlaufrendite Dt1,36%-0,211,64
Feinunze Gold$1.829 -0,5%0,2%
Fass Brent Öl$113,17 0,3%43,6%
Kupfer$8.258 -9,5%-14,8%
Baltic Dry Shipping$2.354 -4,4%6,2%
Bitcoin$20.902 1,4%-55,5%



Unsere Energieprobleme werden bei der Gegenüberstellung der Wochenperformance der verschiedenen Indizes besonders deutlich: Während der DAX diese Woche unverändert aus dem rennen geht (-0,1%), konnten sich weltweit die Aktienmärkte erholen: Dow Jones +5%, Nikkei +2% und selbst China +1%.

oelvorne Die Renditen am Anleihemarkt waren diese Woche rückläufig, Öl und Kupfer sind gefallen, auch die Verschiffungskosten werden wieder günstiger. Man könnte meinen, die Anhebung der US-Leitzinsen zeigt eine erste Wirkung.




03. Sentiment: Angst und Panik mit konstruktiven Signalen



stimmungsumfrage Das vorläufige Ergebnis unserer Stimmungsumfrage zeigt einmal mehr Angst und Panik. Wir dürfen gespannt sein, wie sich die Kurse in den Abend hinein entwickeln, denn die Aktienmärkte befinden sich zur Stunde (15 Uhr MESZ) in einer wichtigen Entscheidungsphase. Doch schauen wir uns die aktuelle Stimmungslage einmal genauer an.

Unser Anlegersentiment ist mit einem Wert von -7,1 weiterhin im extrem niedergeschlagenen Bereich. Eine Gegenbewegung ist nach wie vor überfällig, doch das hatten wir ja schon vor einer Woche. Doch im Unterschied zur Vorwoche ist nun die Cashquote deutlich angesprungen, die Investitionsquote ist im Umkehrschluss stark zurück gegangen. Offensichtlich haben sich Anleger in der abgelaufenen Woche von vielen Positionen getrennt.

Gleichzeitig ist die Shortquote angesprungen. Das bisschen Geld, das Anleger in den vergangenen Tagen in den Markt investiert haben, wurde unseren Umfragewerten zufolge in Spekulationen auf fallende Kurse bzw. in Absicherungen gesteckt. Anders als in der Vorwoche ist nun also nicht nur die Stimmung schlecht, sondern inzwischen haben Anleger Ihre Positionierung an ihre Stimmung angepasst.

Damit ist die Unzufriedenheit von -10,2 auf -6,4 angesprungen. Dieser Wert zeigt absolut betrachtet noch immer eine extreme Unzufriedenheit an. Doch im Vergleich zur Vorwoche, als viele Anleger noch in unliebsamen Positionen investiert waren, ist die Verunsicherung nun, nachdem man sich von vielen Positionen getrennt hat, ein wenig zurück gegangen.

Die Zukunftserwartung ist auf -1,6 eingebrochen und notiert damit auf dem zweitniedrigsten Wert seit dem Coronacrash. Nur einmal gab es seither vergleichbar viele Pessimisten. Das war im April 2021, als die Impfstoffrallye, die den DAX von November 2020 bis ins Frühjahr 2021 hinein um 35% nach oben katapultierte, auszulaufen drohte.

Die Investitionsbereitschaft folgt diese Woche offensichtlich eher der Cashquote als der Erwartung, denn trotz Rekord-Pessimismus ist die Investitionsbereitschaft auf 2,5 angesprungen. Offensichtlich erwarten Anleger in den kommenden zwei Wochen so etwas wie einen finalen Sell Off und wollen dann zugreifen.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger ist auf +7 gesprungen und zeigt einen deutlichen Anstieg des Risikoappetits an. Produkte, mit denen an steigenden Kursen partizipiert wird, finden nach drei Monaten der Abstinenz wieder ihren Weg in die Depots der Privatanleger.

Institutionelle Anleger, die ihre Spekulationen über die Eurex abwickeln, agieren derzeit neutral. Das Put/Call-Verhältnis von 1,4 liegt im Durchschnitt der vergangenen Monate. In den USA hingegen ist das Put/Call-Verhältnis weiterhin auf einem hohen Niveau, dort sichert man sich also weiterhin gegen fallende Kurse ab.

Die Investitionsquote der US-Fondsanleger ist auf 20% gefallen. Damit wird der Negativ-Rekord von vor vier Wochen eingestellt. Fondsanleger fürchten also weitere Kursverluste und gehen vorsichtshalber in Cash.

Das Bulle/Bär-Verhältnis der US-Privatanleger ist auf -41% gestürzt, nur am 28. April war das Verhältnis mit -42% noch schlechter. 59% aller Umfrageteilnehmer fürchten weiter fallende Kurse.

Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 ist auf 27% gefallen und notiert damit im Bereich der Angst, knapp vor extremer Angst (ab 25%).

Interpretation



stimmung_negativ Na, einen Großteil der Interpretation habe ich heute schon im oberen Teil untergebracht: die Angst und Panik der Vorwoche hat zu Liquidationen geführt, nun sitzen viele Anleger auf Cash und warten schon wieder auf Kaufgelegenheiten.

Ende nächster Woche endet das zweite Quartal, anschließend werden wir Q-Zahlen und Unternehmensprognosen erhalten. Bereits im Vorfeld wird es meiner Erwartung nach zu Abstufungen durch Analysten sowie Gewinnwarnungen durch Unternehmen kommen. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich in den vergangenen Monaten deutlich verschlechtert. Entsprechend sind die Aktienmärkte eingebrochen. Nun wird sich in den Q2-Zahlen und Prognosen zeigen, wie stark jedes einzelne Unternehmen betroffen ist: Stärker, als bereits durch die Kursverluste eingepreist, oder vielleicht nicht ganz so stark.

Die Sentimentdaten zeigen, dass Anleger bereits leidgeprüft sind und sich für das Schlimmste positioniert haben. Da dürfte Gewissheit, die man den Unternehmensberichten entnehmen wird, Balsam für Anleger sein.

goldvorne Eine interessante Konstellation können wir auf dem Goldmarkt beobachten: Nachdem die Stimmung in den vergangenen Wochen extrem schlecht war, ist die Zukunftserwartung nun deutlich angesprungen. Der Goldpreis könnte seinen Ausverkauf also ebenfalls hinter sich haben. Wer verkaufen wollte, hat dies in den vergangenen Wochen getan. Nun sehen Anleger so langsam wieder Chancen im Goldmarkt.

Der Ölmarkt zeigt die spiegelbildlich gegenteilige Sentimentverfassung: Die Stimmung ist lange Zeit extrem gut gewesen, brach diese Woche heftig ein (extrem großer Stimmungseinbruch). Die Zukunftserwartung hingegen ist seit einigen Wochen eher negativ. Die Ölpreiskorrektur könnte somit gerade erst begonnen haben.

Beim Bitcoin wiederum ist sowohl die Stimmung als auch die Zukunftserwartung extrem negativ. Es herrscht also Angst und Panik in der Kryptowelt und es gibt keinerlei Hoffnung auf Besserung. Solche Werte deuten darauf hin, dass der finale Ausverkauf noch im Gange ist.



04. Ausblick: Voraussetzungen für ein Ende der Baisse



putin Die Voraussetzung für eine deutliche Erholung am Aktienmarkt ist gegeben: Angst und Panik haben meiner Einschätzung nach sämtliche negativen Entwicklungen eingepreist. Robert Habeck spricht sogar offen darüber, dass Putin aus politischen Gründen jederzeit den Gashahn vollständig zudrehen könnte. Und selbst verlängerte Laufzeiten für die Kohlekraftwerke werden diskutiert. In den USA fällt das Terminal aus, über das der größte Teil der deutschen LNG-Lieferungen laufen soll. Ich denke, das sind schon deutliche Zeichen für extremes Chaos, aus dem wir hoffentlich bald einen Phönix aufsteigen sehen.

Brauchen wir noch die Verlängerung der Atomkraftwerke? Aus Börsensicht würde ich dazu sagen: Ich weiß nicht, ob das eine erforderlicher Voraussetzung für steigende Kurse ist. Ich weiß, dass die Kurse nach oben springen würden, sollte sich eine verlängerte Nutzung der Atommeiler abzeichnen. Doch ich halte das für eher unwahrscheinlich.

ukraine_russland Der Krieg Russlands gegen die Ukraine verläuft nicht so, wie wir Europäer es uns wünschen würden. In den USA spricht man offen darüber, dass Deutschland der Ukraine nicht helfen könne, weil man von Russland nach wie vor abhängig sei. Woran auch immer es liegen mag, es verdichten sich leider die Anzeichen, dass Russland den Osten der Ukraine erobern wird.

Während in den Berichten stets davon gesprochen wird, dass Russland nicht "siegen" könne und dass man Russland aus der Ukraine vertreiben werde, könnte die Realität anders aussehen: In gar nicht zu ferner Zukunft könnten sich die Ostgebiete der Ukraine unter russischer Kontrolle für unabhängig erklären und Russland könnte Friedensverhandlungen anbieten. Eigentlich undenkbar, werden sich nun viele von Ihnen empören, doch wie gesagt: Die Realität ist nicht immer schön.

xi Ewig wird China seine Null-Covid-Politik nicht fortführen können. Böse Zungen behaupten, es sei eine Strategie, um den Westen zu schwächen. Doch auch ein autokratisches System kann die eigene Bevölkerung nicht ewig Wegsperren. Jederzeit könnte die überraschende Meldung veröffentlicht werden, dass BioNTechs mRNA-Impfstoff in China eingesetzt wird. Oder vielleicht kommt die Meldung, China habe eine eigene mRNA-Lösung mit ähnlich hoher Wirksamkeit gefunden.

Ich weiß weder, wie die Lösung für unsere Energiekrise aussehen wird, noch wie Friedensverhandlungen möglich sein können, noch wie China aus der Null-Covid-Politik aussteigen wird. Doch wenn das passieren sollte, dann werden sie keine Zeit mehr haben, Aktien einzukaufen. Die größten Gewinne werden dann binnen kurzer Zeit erfolgen.

Wer also im November in Cash gegangen ist, dem kann ich nur ehrlich gratulieren. Der wird sich nicht ärgern, wenn er die ersten 5% der Rallye verpasst. Doch Vorsicht: 5%-Rallyes gab es seit November schon viele. Vielleicht verpasst er mehr.

Ich habe den Absturz unterschätzt und sitze daher nun auf dicken Verlusten. Doch es ist die über viele Jahre bewährte Strategie, mit der ich bereits die eine oder andere Rezession gut überstanden habe: Investiert bleiben, das Portfolio kontinuierlich den geänderten Bedingungen anpassen und dann die Rallye hoffentlich voll mitnehmen.

Natürlich hätten wir ... , aber Lösungen waren jederzeit möglich. Und wenn ich mir unser aktuelles Portfolio anschaue, dann gibt es Titel, die dort eigentlich nichts mehr zu suchen haben: BASF befindet sich im Auge des Sturms der Energiekrise. Trotzdem hält BASF weiterhin an der hohen Dividende fest. Es werden eigene LNG-Reservoirs gebaut, die in den kommenden Monaten, also vor dem Winter, durch LNG-Tankfahrzeuge gefüllt werden, damit das Unternehmen eigene Reserven hat, sollte es im Winter zu Rationierungen kommen. Der Konzern ist widerstandsfähiger als es der aktuelle Kurs ahnen lässt.

Wenn sich eine Lösung abzeichnen sollte, werden natürlich die Aktien, die am stärksten ausverkauft wurden, am stärksten zurückschnellen. Danach ist dann der Zeitpunkt gekommen, um diese Aktien aus dem Portfolio zu entfernen, denn die Energiepreise werden in Europa auf absehbare Zeit hoch bleiben, während die Konkurrenz aus den USA, bspw. DuPont, nur einen Bruchteil für den größten Kostentreiber bezahlen muss.

Heute wurde um 16 Uhr MESZ eine kleine Rallye im DAX gestartet. In den USA wurden um 10 Uhr dortiger Zeit Daten zum Immobilienmarkt veröffentlicht: Die Verkäufe neuer Häuser sind stärker angesprungen als befürchtet. Konstruktiv würde ich sagen. Jay Powell möchte die Inflation besiegen. Er möchte, dass die Energiepreise, die Rohstoffpreise allgemein, und auch die Hauspreise runter gehen. Ein Weg dorthin sind MEHR Häuser. Wenn das Angebot steigt, können irgendwann die Preise fallen.

Jay Powell hat aber nicht nur Rohstoffpreise und Hauspreise im Blick, er schaut auch auf den Aktienmarkt. Inzwischen kommt ein guter Teil des US-Reichtums durch die Aktiengewinne der vergangenen Jahre. Auch die hohen Aktienkurse führen dazu, dass die Nachfrage groß und die Preissensitivität bei den Kaufinteressenten gering ist. Die Inflation könnte am Aktienmarkt also entweder durch einen heftigen Aktienmarktcrash bekämpft werden, oder aber durch einen langsamen Niedergang und eine längere Phase der Bodenbildung. Derzeit sehen wir das zweite Szenario und ich hoffe, dass es dabei bleibt, bis sich bei den obigen drei Problemen Lösungen abzeichnen.

Der Juni ist bekannt dafür, dass Korrekturtiefs gebildet werden. Vielleicht ist es ja auch in diesem Jahr so. Die von mir in Aussicht gestellten Analystenkommentare, mit denen Kursziele gesenkt werden, können den Markt in den kommenden Tagen belasten. Auch überraschende Gewinnwarnungen von Unternehmen, die ihre Q2-Zahlen anschauen und feststellen, dass die Abweichung zu groß ist, werden nicht für gute Laune sorgen. Doch jeder Tag ohne ein solches negatives Ereignis wird positiv verlaufen. Und wenn dann die Q2-Zahlen ab in zwei Wochen veröffentlicht werden, dann wird man besser für den restlichen Jahresverlauf planen können, denn es dürfte einige Anpassungen der Unternehmensprognosen geben. Und Gewissheit, das haben wir in den vergangenen Jahren gelernt, ist immer besser als Unsicherheit, selbst wenn die Gewissheit nochmals eine negative Überraschung beinhaltet.

In diesem Sinne würde ich also einen vorläufigen Boden auf dem aktuellen Niveau erwarten. Leider nur vorläufig, denn die oben geschilderten Probleme, Energiekrise, Krieg & Null-Covid, müssen gelöst werden, um die Aktienmärkte nachhaltig nach oben laufen zu lassen. Solange keine Lösungen in Sicht sind, ist jede Erholung leider nur vorübergehend.



05. Update beobachteter Werte: Bitcoin im Hardware Wallet



Bitte beachten Sie auch den Kundenbereich auf meiner Internetseite unter www.heibel-ticker.de -> Portfolio -> 10 neueste Einträge. Dort finden Sie aktuelle Charts mit meinen jeweils aktualisierten Einschätzungen.

==========

Im Wochenverlauf habe ich zu mehreren Titeln Anmerkungen im Kundenbereich der Webseiten verfasst.


Bitcoin im Hardware Wallet: Aufstocken



Di, 21. Juni um 10:38 Uhr
bitcoin Um 70% ist der Preis des Bitcoins in den vergangenen Monaten gefallen. Viele andere kryptographische-Währungen sind bei Null gelandet, wir haben eine heftige Bereinigung gesehen. Reicht das? Ich weiß es nicht. Ich habe mir als nächstes - und meiner Ansicht nach letztes - Korrekturziel die 10.000 bis 12.000 USD notiert, doch ich weiß nicht, ob wir die noch sehen.

Bei 20.000 USD war bislang mein absolutes Crash-Ziel, weil dort das Hoch im Jahr 2020 war. Ich würde daher jetzt unsere Bitcoin-Position aufstocken. Der Portfolioanteil ist nach dem Absturz auf nur noch 5% gesunken. Ich würde die Position auf die beabsichtigte Größe von 6,6% aufstocken.

Grundsätzlich bleibe ich bei meiner Meinung zum Bitcoin, als auch zum Markt. Wir erleben eine heftige Korrektur, heftiger als von mir erwartet :-( Aber das Ende der Welt erleben wir nicht. Und wir befinden uns inzwischen in der Nähe eines Bodens. Ob genau hier der Boden gebildet wird, oder ob wir nochmals einen weiteren finalen Selloff (wir haben bereits zwei davon in den vergangenen Wochen erlebt) sehen, getraue ich mich nicht mehr zu prognostizieren. Doch viele DAX-Aktien notieren auf einem einstelligen KGV, haben hohe Dividendenrenditen und erwirtschaften ordentlich Gewinne. Der Bitcoin war am Wochenende auf 17.000 USD gefallen, ein Niveau, bei dem viele Bitcoin-Anleger zur Liquidation gezwungen waren.

Eigentlich sind inzwischen viele Anleger, die gehebelt auf Kredit im Markt waren, ausgewaschen worden. Aus technischen Gründen könnte es nun also zu der von mir bereits vor zwei Wochen avisierten nennenswerten Erholung kommen.

Ich werde daher zunächst in die kommenden Tage hinein unseren verbleibenden Cashbestand, nach der heutigen Transaktion noch 5%, investieren und dann im zweiten Schritt, jedoch frühzeitig, unliebsame Positionen auf dem Portfolio verkaufen.



06. Übersicht HT-Portfolio




Spekulation (≈20%) =20,5%WKN23.6.22Woche ΔΣ '22 ΔAnteil 8x2,5%!C19%le
BVB Borussia DortmundETR:BVB3,60 €1%-11%2,6%C -00
Goodyear Tire & RubberGT11,18 €7%-25%2,4%C -0 -
PVA TeplaETR:TPE20,12 €0%-25%2,3%A00 +
DisneyDIS92,87 €2%-21%2,4%A -0 +
Morgan StanleyMS74,37 €6%-8%2,7%A0 + +
Coterra EnergyCTRA25,69 €2%1%2,9%A0 + +
Anheuser Bush InBev1NBA50,77 €3%2%2,7%A0 + +
Sixt VZETR:SIX368,30 €0%0%2,5%A000










Wachstum (≈30%) =25,9%WKN23.6.22Woche ΔΣ '22 ΔAnteil 5x6%!


Wheaton Precious MetalsETR:SII36,09 €-2%-4%3,4%B00 +
MediosETR:ILM126,30 €-1%-14%7,4%B0 + +
FlatexETR:FTK10,11 €-1%-50%6,2%B + + +
BioNTechBNTX123,40 €2%-42%3,1%C +00
PaypalPYPL73,82 €6%-45%5,8%C + + -










Dividende (≈30%) = 25,5%WKN23.6.22Woche ΔΣ '22 ΔAnteil 5x6%!


Deutsche PostETR:DPW35,91 €2%-36%2,9%C+ + -
BASFETR:BAS42,22 €-7%-32%4,6%C0 + -
Devon EnergyDVN52,46 €-4%9%5,9%A0 + +
WienerbergerETR:WIB20,68 €-7%-26%2,8%A + - +
CEWEETR:CWC81,30 €-1%-13%3,3%A00 +
AllianzETR:ALV181,20 €-1%-7%3,1%A0 + +
Snap-OnSNA190,58 €2%-4%3,0%A0 + +










Absicherung (≈20%) =23,2%WKN23.6.22Woche ΔΣ '22 ΔAnteil 3x6,6%!


Goldbarren 150 gr100 gr.5.535,00 €-1%9%9,6%A+ + +
Südzucker-AnleiheA0E6FU81,77%-1%-8%6,8%B+ + +
BitcoinNuri19.801,00 €1%-51%6,9%B+ +0





Cashquote



Σ-Portfolio Ergebnis seit 2022

0%-25%4,9%




Heibel-Ticker
GewichtungAnzahl Positionenangestrebte Positionsgröße
PortfolioZielSollIstSollIst
SpekulationEreignis20%20,5%882,5%
WachstumEnkelkinder30%25,9%556,0%
DividendeUrlaub30%25,5%576,0%
AbsicherungZins & Gold20%23,2%336,7%
Summe
100%95,1%2123100%


Anmerkungen:
- Die Überschrift über jedem Portfoliobereich in der jeweiligen ersten Spalte (bspw. Absicherung (≈20%) =21,8%) bedeutet: Der beabsichtigte Anteil dieses Portfoliobereichs am Gesamtportfolio beträgt ungefähr 20%. Aktuell beträgt der Anteil 21,8%.
- Die dritte Spalte zeigt die Schlusskurse von Donnerstagabend.
- Unter „Woche” steht die Veränderung im Vergleich zur Vorwoche.
- Unter „Σ 'XX Δ” steht das Ergebnis der Position seit Jahresbeginn bzw. seit Aufnahme ins Portfolio.
- Unter „Anteil” finden Sie den Anteil der jeweiligen Position am Gesamtdepot.

Unter ! steht zur Information meine Grundtendenz:

ATop-Aktie mit günstigem Kurs, 
BKursrücksetzer zum Kaufen nutzen 
CKurssprünge zum Verkaufen nutzen, 
Dbei Gelegenheit Verkaufen, 
ESofort Verkaufen 


Die „Gelegenheit” zum Kaufen oder Verkaufen wird sodann kurzfristig von mir per Update an Sie bekanntgegeben.

Ich habe diese Spalte „!” insbesondere für neue Kunden vorgesehen, die zu einem späteren Zeitpunkt wissen wollen, ob ich die Position noch zukaufen würde, wenn ich beispielsweise darin nicht schon voll investiert wäre. Zukaufen würde ich jeweils jedoch niemals zu Höchstkursen, sondern stets nur nach kurzfristigen Kursrückschlägen von mindestens 5-7%.

Kauffolge: Je spekulativer, desto aggressiver würde ich kaufen und verkaufen. Derzeit verwende ich die folgenden Schritte:
- Dividenden- + Wachstumspositionen in drei Schritten aufbauen: 25%-25%-50%,
- Zyklische Positionen in zwei Schritten aufbauen: 50%-50%,
- Spekulative Positionen ganz oder gar nicht: 100%.

Die letzten Spalten werden für eine Einschätzung der Auswirkung aktueller Entwicklungen auf die jeweilige Portfolioposition genutzt. In der Spalte „C19“ wird die Auswirkung der Corona-Pandemie (Covid_19) eingestuft. So profitieren viele Technologieunternehmen von der Pandemie (+), während Freizeit-Unternehmen stark leiden (-). Ein „0“ symbolisiert, dass es entweder kaum einen Einfluss gibt, oder positive und negative Einflüsse sich die Waage halten.

„%“ stuft den Einfluss der Inflation auf das jeweilige Geschäftsmodell ein. „le“ stuft den Einfluss der Deglobalisierung ein, wobei local economies (le) stärker profitieren dürften.

Stopp Loss Limits, Verkaufslimits und ähnliche Aktionsmarken verwalte ich aktiv in meinem System und ändere ich unter der Woche mehrfach, fast täglich. Eine Veröffentlichung der entsprechenden Limits ist in der Regel nicht sinnvoll, allenfalls Stopp Loss Marken für unseren Spekulationen werde ich bisweilen im Text bekanntgeben.

Eine erfolgreiche Börsenwoche,
take share

Stephan Heibel
Chefredakteur und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs

https://www.heibel-ticker.de


mailto:info/at/heibel-ticker/./de



07. Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise



Wer un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen in Umlauf setzt, wird mit Lust-, manchmal auch mit Erkenntnisgewinn belohnt; und wenn alles gut geht, fällt davon sogar etwas für Sie ab. (frei nach Robert Gernhardt)

Wir recherchieren sorgfältig und richten uns selber nach unseren Anlageideen. Für unsere eigenen Transaktionen befolgen wir Compliance Regeln, die auf unsere eigene Initiative von der BaFin abgesegnet wurden. Dennoch müssen wir jegliche Regressansprüche ausschließen, die aus der Verwendung der Inhalte des Heibel-Tickers entstehen könnten.

Die Inhalte des Heibel-Tickers spiegeln unsere Meinung wider. Sie stellen keine Beratung, schon gar keine Anlageempfehlungen dar.

Die Börse ist ein komplexes Gebilde mit eigenen Regeln. Anlageentscheidungen sollten nur von Anlegern mit entsprechenden Kenntnissen und Erfahrungen vorgenommen werden. Anleger, die kein tiefgreifendes Know-how über die Börse besitzen, sollten unbedingt vor einer Anlageentscheidung die eigene Hausbank oder einen Vermögensverwalter konsultieren.

Die Verwendung der Inhalte dieses Heibel-Tickers erfolgt auf eigene Gefahr. Die Geldanlage an der Börse beinhaltet das Risiko enormer Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.

Quellen:
Kurse: Deutsche Kurse von comdirect.de, Goldbarren & Münzen von proaurum.de, US-Kurse von finance.yahoo.com. Alle Kurse sind Schlusskurse vom Donnerstag sofern nichts Gegenteiliges vermerkt ist.
Bilanzdaten: Comdirect, Yahoo! Finance sowie Geschäftsberichte der Unternehmen
Informationsquellen: dpa-AFX, Aktiencheck, Yahoo! Finance, TheStreet.com, IR-Abteilung der betreffenden Unternehmen



08. An-/Ab-/Ummeldung



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