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02.02.2007:
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H E I B E L - T I C K E R P L U S

F I N A N Z I N F O R M A T I O N E N

- Einfach einen Tick besser -
______________________________________________

DEUTSCHE BIBLIOTHEK : ISSN 1862-5436

2. Jahrgang - Ausgabe 05 (02.02.2007)
Erscheinungsweise: wöchentlich Freitag/Samstag
* Bitte Schriftart Courier einstellen *
(-;______________________________________________;-)

I N H A L T

01. INFO-KICKER: VON MENSCHEN, DIE UNSER LEBEN BEEINFLUSSEN
02. SO TICKT DIE BÖRSE: DIE RÜCKKEHR DES MICHAEL DELL
03. AUSBLICK: ZINSSENKUNG IM FRÜHJAHR UND AKTIENRALLYE
04. DEPOT-CHECK: WIE GUT IST IHRE RISIKOSTREUUNG?
ALTRIA, ALLIANZ, BAYER, EON, LEONI
05. LESERFRAGE: J2 GLOBAL, VERBUND AG
06. BEOBACHTETE WERTE
07. DISCLAIMER / HAFTUNGSAUSSCHLUSS UND RISIKOHINWEISE
08. AN-/ABMELDUNG

Nur für Heibel-Ticker PLUS Kunden: Hier können Sie die PDF-
Datei mit allen beobachteten Werten herunterladen:
http://www.heibel-ticker.de/downloads/htp-alle-075-1759.pdf

Hier ist die PDF-Datei mit allen aktualisierten Werten zum
herunterladen:
http://www.heibel-ticker.de/downloads/htp-neue-075-1759.pdf

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01. INFO-KICKER: VON MENSCHEN, DIE UNSER LEBEN BEEINFLUSSEN
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Liebe Börsenfreunde,

Ihr Autor ist Fan von Menschen, nicht von Zahlen. Bei jeder
Unternehmensbetrachtung werte ich stets auch alle mir
verfügbaren Informationen zu den jeweiligen Unternehmenschefs
aus. Wenn Sie sich ein wenig mit den Menschen hinter den
einzelnen Unternehmen beschäftigen, werden Sie zu erstaunlich
anderen Ansichten gelangen.

Heute habe ich für Sie die Rückkehr von Michael Dell in den
Chefsessel von Dell Inc. analysiert. Darüber hinaus finden Sie
im Kapitel 02 eine Liste von Managern, die für mich ein rotes
Tuch sind. Wenn ich deren Namen sehe, nehme ich meine Beine
unter die Arme und laufe davon. Da solche Manager nicht selten
durch verschiedene Chefetagen ziehen, lohnt es, sich diese
Namen zu merken.

Im Ausblick habe ich die heute veröffentlichten
Arbeitsmarktdaten, sowie die niedrige Inflationsrate, in
Relation zur aktuellen Haltung der US-Notenbank gesetzt. Ich
glaube, Bernanke wird schon bald seine neutrale Position
aufgeben.

Der Kunde, dessen fünf größte Positionen heute dem Depotcheck
unterzogen werden, kann getrost in einen Winterschlaf
verfallen. Eine so gute Diversifizierung habe ich noch selten
gesehen. Schauen Sie sich seine Aktien an, vielleicht ist ja
auch etwas für Sie dabei.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

take share, Ihr
Börsenschreibel

Stephan Heibel

Chefredakteur und
Herausgeber des
Heibel-Ticker

P.S.: Lassen Sie mich Ihre Meinung, Kritik oder
Verbesserungsvorschläge wissen (selbst Lob ist willkommen ;-)
und schreiben Sie mir an leserbrief@heibel-ticker.de.

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02. SO TICKT DIE BÖRSE: DIE RÜCKKEHR DES MICHAEL DELL
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Michael Dell ist rund 100 Mrd. USD für Dell Inc. wert. Kein
schlechtes Preisschild, oder? Sie wissen ja, wie sehr ich auf
die CEOs von Unternehmen achte. Am gestrigen Donnerstag gab
Michael Dell, Gründer des Computerbauers Dell Inc. bekannt, daß
er ab sofort den Vorstandsvorsitz übernehmen werde. Der
amtierende, erfolglose Kevin Rollins verläßt das Unternehmen.

Michael Dell hat seinen Computerladen 1985 in seiner
Studentenbude gegründet. Als erster bot er individuell
konfigurierte Computer an, die über eine einfache Maske Online
bestellt werden konnten. Binnen weniger Tage war der
individuell für den Kunden gebaute PC beim Kunden. Mit diesem
System hielt Dell die Lagerhaltungskosten extrem niedrig, war
sehr schnell bei der Auslieferung und mit zunehmendem Erfolg
immer günstiger im Vergleich zum Wettbewerb.

Ihr Autor kaufte 1999 einen PC bei Dell, damals war das
Unternehmen in Deutschland noch kaum bekannt. Ich erhielt ein
robustes Gehäuse mit einem Mainboard, das sämtliche
Austauschkomponenten, meinem Wunsch entsprechend, problemlos
installierte. Jeder, der einen PC von Snogard, Gericom oder
andern Billigherstellern kaufte, kennt die unerklärlichen
Probleme, die selbst beim Verkäufer und Hersteller nur
Achselzucken und Kopfschütteln hervorriefen. Inkompatibilität
und fehlerhafte Komponenten waren an der Tagesordnung bei
Billigprodukten.

Nicht so bei Dell: Die Auswahl der Konfigurationsmöglichkeiten
war zwar beschränkt, aber es wurden damit fast alle gängigen
Kundenwünsche abgedeckt. Und die von Dell eingesetzten
Komponenten funktionierten. Als Ihr Autor, der einige Jahre die
technische Betreuung eines kleinen Unternehmens (20
Mitarbeiter) übernommen hatte, möchte ich nochmals betonen:
Dell-Rechner funktionierten, Billigrechner nicht!

Das hat gute Gründe: Bei jeder Produktion der sensiblen
Elektronikbausteine gibt es am Ende eine Qualitätskontrolle.
Dort wird die Qualität jedes einzelnen Bauteils bewertet. 100 %
Qualitätsziel gibt es nicht. Komponenten mit 99,99 % werden an
das US-Militär verkauft. Da kommen wir Konsumenten leider nicht
dran. Bauteile ab 99,90 % werden an Großkunden verkauft, dafür
aber auch zu einem höheren Preis. Dell hat früher gerne ein
paar Cents drauf gelegt, um die besten Bauteile zu erhalten.

Alles unter 98 % wird weggeworfen. Die Bauteile dazwischen
werden dann an Billigproduzenten abgestoßen. Mit anderen
Worten: Wenn Sie einen Billigrechner kaufen, dann sind da auch
nur Billigkomponenten drin. Es lohnt sich also, ein wenig mehr
auszugeben, um auch gute Bauteile zu erhalten.

Zusätzlich wird beim PC-Bau dann noch das Zusammenspiel
verschiedener Bauteile getestet. Mir fehlt das technische
Detailwissen, um Ihnen genau zu erklären, wie das kommen kann,
aber es ist nun einmal so, daß die eine Graphikkarte mit den
identischen technischen Werten in einem bestimmten Rechner
einfach besser funktioniert als eine andere. Billighersteller
kümmern sich nicht darum.

Bestes Beispiel: Mein alter JVC-Laptop mit 40 GB HD, 386 MB
RAM, 600 MHZ und wenig installierter Software rechnet um Längen
schneller als der viel neuere, auf 60 GB HD und 2 GB RAM
aufgerüstete 1,8 GHZ Laptop von Medion (Gericom).

Ich will Sie hier nicht mit zu vielen technischen Details
langweilen, aber Sie sollten sich merken, daß billig nicht
gleich günstig ist. Billigrechner taugen eben nichts. Der
Erfolg von Michael Dell beruhte darauf, daß er eben günstig
war. Seine Rechner funktionierten, waren also qualitativ
hochwertig. Diese Qualität hatte ihren Preis und jeder, der
seine Erfahrungen mit Billigrechnern gesammelt hat, war bereit,
diesen Qualitätspreis zu zahlen.

Nach seiner Pensionierung - ja, Michael Dell hat sich in seinen
Dreißigern pensionieren lassen - kam 2004 ein Marketing-
Stratege ans Ruder: Kevin Rollins. Seine MBA-Ausbildung nutze
Rollins für kräftige Umstrukturierungen, insbesondere in Sachen
Kosteneinsparung. Das Ergebnis ist leicht zu erahnen: Die Dell-
Rechner sind heute von minderwertiger Qualität. Nicht nur das
Gehäuse der Laptops fühlt sich schon billig an, sondern auch
die Innereien können den Qualitätsstandard von früher nicht
mehr halten.

So etwas spricht sich herum. Der Erfolg von Dell Inc. war eben
doch nicht ausschließlich auf das innovative Bestellwesen
zurückzuführen, sondern es wurden auch gute Rechner gebaut. Die
Maßnahmen von Rollins haben dem Unternehmen nicht geholfen.
Seit vier Quartalen hat das Unternehmen nunmehr jedes mal die
Erwartungen der Analysten enttäuscht. Und gestern wurde bekannt
gegeben, daß auch im abgelaufenen 4. Quartal 2006 die
Erwartungen erneut nicht erreicht worden sind.

Gleichzeitig befindet sich das Unternehmen unter Beschuß von
der US-Börsenaufsicht. Die Gewinne von zwei zurückliegenden
Jahren müssen neu berechnet werden. Daher gibt es von Dell seit
einem halben Jahr keine offiziellen Quartalsergebnisse mehr.
Dieser Prozeß soll Mitte März abgeschlossen sein.

Und dann war da noch die Rückrufaktion der 4,2 Mio. Sony-
Batterien, die in den Dell-Laptops verbaut waren. Sie kennen
die Qualitätsprobleme bei Sony, ich habe häufig darüber
berichtet. Kein Wunder, daß Dell bei Sony einkaufte.
Preiseinsparungen gingen eben vor Qualität – ein sehr
kurzfristiges Kalkül.

Die Börsenrallye seit Anfang 2003 ging spurlos an Dell vorbei.
Das Unternehmen notiert heute noch auf dem depressiven Niveau
von damals. Vor wenigen Wochen erst habe ich Dell keine
Wachstumschancen zugesprochen – auch der Vista-Zug würde an
Dell spurlos vorbeifahren.

Die Rückkehr Michael Dells ist das Beste, was Dell Inc.
passieren konnte. Michael Dell ist erst 41 Jahre als und hatte
in den vergangenen Jahren Zeit zum Nachdenken. Daß so etwas
nicht schadet, hat 1997 Steve Jobs gezeigt, als er zu Apple
zurückkehrte. Er brachte den iMac und den iPod auf den Markt,
Apple ist heute wieder eines der Vorzeigeunternehmen der US-
Wirtschaft. Ich traue Michael Dell einen ähnlichen Erfolg zu.

Denn niemand anders kennt das Unternehmen so gut wie Michael
Dell, der es selbst aufgebaut hat. Und niemand anderes hat
seine Erfahrung wenn es darum geht, neue Konzepte umzusetzen.
Und genau das braucht Dell Inc. nun: Neue Konzepte. Denn in
seiner Abwesenheit hat sich Hewlett Packard mit der Übernahme
von Compaq zum weltgrößten PC-Bauer herauf geschwungen. Derzeit
sind die Rechner von HP und Compaq klar besser als die von
Dell. Und das zu ändern wird nicht leicht sein.

Komisch: Die Meldung von Michael Dells Machtübernahme hat dem
Kurs nur kurz am Vormittag zu einem Plus von 6 % verholfen, zum
Tagesschluß stand der Kurs jedoch im Minus. Es gibt wohl nicht
viele Anleger, die, so wie Ihr Autor, die Menschen über die
Zahlen stellen.

Dabei ist es dem Können des CEO zuzuschreiben, die positiven
„Zufälle" für das eigene Unternehmen optimal zu nutzen. An
diesem Können unterscheidet sich eine Aktienperformance von
plus 50 % und minus 50 %. Ich habe Ihnen hier ein paar CEOs
aufgeführt, deren Namen Sie sich merken sollten. Unternehmen,
denen sie vorstehen, sollten Sie meiden:


KÜRZLICH GEFEUERTE CEOs

Bob Nardelli wurde Anfang Januar von Home Depot, dem
amerikanischen Obi, gefeuert. Nardelli war sich nicht zu fein,
für sein Versagen eine Abfindung von schlappen 210 Millionen
USD einzustecken. Dafür, daß unter seiner Regie die Umsätze
zurückgingen und einige tausend Angestellte ihren Job verloren,
ist diese Abfindung nicht schlecht, oder? Die Aktien von Home
Depot sind seit seinem Ausscheiden um 4 % gestiegen. Nardelli
hat nur eine Sperrfrist von einem Jahr. Wenn Sie Nardelli in
einem Jahr in einem anderen Unternehmen auftauchen sehen, dann
meiden Sie bitte diese Aktien.

Paul Pressler wurde vor zwei Wochen beim Textilhersteller Gap
rausgeschmissen. Die Gründerfamilie Fischer hat ein
Familienmitglied mit der vorübergehenden Führung des
Unternehmens beauftragt. Goldman Sachs wurde eingeschaltet, so
daß die Gerüchteküche über einen möglichen Verkauf Gaps
brodelt. Pressler kannte ich schon aus seinen Walt Disney-
Zeiten, dort hatte er sich seinen Ruf bereits ruiniert. Bei Gap
hat er es geschafft, den gerade vor seinem Amtsantritt
erfolgreich beendeten Turnaround binnen weniger Monate zu
vernichten. Schon sechs Monate nach seinem Amtsantritt bis zu
seinem letzten Tag sorgte er für monatlich weniger Umsatz.

Die Aktien von Gap sind nach seinem Ausscheiden um 5 %
angestiegen. Ich bin gespannt, wo Pressler als nächstes
auftaucht. Er ist gerade einmal 49 Jahre alt und wird
sicherlich einen neuen CEO Posten anstreben.


NOCH 2007 ZU FEUERNDE CEOs

Nun werden Sie sicherlich fragen, wer noch so auf meiner Liste
der inkompetenten Manager steht. Hier noch ein paar Namen:

Terry Semel, CEO von Yahoo!, ist ein bekannter Hollywood-
Stratege und hat den Technologiekonzern Yahoo! in einen
Medienkonzern umgewandelt. Heute bietet Yahoo! das beste,
integrierte Angebot für Photos, E-Mail, Videos, Kalender bis
hin zu persönlichen Webseiten und Blogs an. In dieser Breite
kann Google nicht mithalten.

Doch verdienen tut Google besser. Vor zwei Jahren war absehbar,
daß der Werbemarkt im Internet explodieren würde. Eric Schmidt,
Gründer und CEO von Google steckte all seine Intelligenz in den
Aufbau einer Werbeplattform, AdWords und AdSense, und hat
seither einen Marktanteil von 70 % im Online-Werbemarkt
erreicht. Terry Semel hat diesen Zug verschlafen.

2001 war Semel der richtige Mann für Yahoo!. Er hat aus der
Studentenklitsche einen Weltkonzern gemacht. Nun aber ist er am
Ende seines Lateins und sollte den Chefsessel für jemanden mit
besserem Durchsetzungsvermögen gegenüber den einzelnen
Konzernbereichen räumen, damit eine neue Strategie geschaffen
werden kann.


Paul Jacobs hat das Zepter von Qualcomm direkt von seinem Vater
übernommen. Doch die Schuhe, in die er da gestiegen ist, sind
ihm einige Nummern zu groß. Sein Augenmerk liegt auf dem
verbissenen Einklagen von Rechten selbst gegenüber seinen
eigenen Kunden. Ich kenne kein Unternehmen, das seine Kunden
über Gerichtsverhandlungen an sich binden konnte. Egal, wie die
Rechtslage ist, es müssen andere Lösungen gefunden werden. Wenn
Paul Jacobs dazu nicht in der Lage ist, ist er der falsche
Mann.

Der UMTS-Boom steht erst noch bevor und Qualcomm könnte davon
profitieren, wenn es sich mit den Kunden einigt. Jacobs kann
dies offensichtlich nicht, daher sollte schnellstens ein
diplomatischerer CEO her.


Lee Scott heißt der CEO von Wal-Mart. Sam Walton, der Gründer
von Wal-Mart, hatte stets ein freundliches Gesicht und er
vermittelte seinen Kunden und Mitarbeitern immer das Gefühl,
etwas besonders Gutes zu tun. Lee Scott ist der kaltblütige
Haifisch, der Darth Vader der freien Marktwirtschaft. Moral
kümmert ihn nicht einen feuchten Kehricht, Geld muß gespart
werden, egal ob im Einkauf oder an den Mitarbeitern. Kunden
bekommen durch ihn das Gefühl, nicht nur günstig, sondern auch
billig zu kaufen. Und das ist nicht gut.

Der Erfolg Wal-Marts beruhte darauf, daß die Kunden sich
besonders gebauchpinselt fühlten, wenn sie bei Wal-Mart
einkauften. Daß die Preise nicht immer die billigsten waren,
konnten wir anhand des Wal-Mart Abenteuers in Deutschland
beobachten: Die Lebensmittelpreise in Deutschland seien
günstiger als irgendwo sonst in der Welt, sagte in den 90ern
Sam Walton und stellte das Abenteuer ein.

Lee Scott hat den guten Ruf des Unternehmens sukzessive
ruiniert und sollte nun durch ein neues, freundlicheres Gesicht
abgelöst werden. Vielleicht fühlen sich die Kunden dann nicht
mehr so sehr über den Tisch gezogen, wie zurzeit.


Paul Otellini ist der Marketingstratege, der mit ohne
Ingenieurskunst Intel niederwirtschaftet. Ich selbst bin
Volkswirt und ich möchte nicht unbedingt Ingenieure als die
besten Unternehmenslenker herausstellen. Aber es gibt
technologisch betriebene Unternehmen, bei denen eben ein Mensch
mit technischem Detailwissen am Kopf des Unternehmens stehen
sollte. Massenprodukte, wo die Qualität nicht so wichtig ist,
können von Marketingstrategen geleitet werden. Seit Otellini
bei Intel die Führung übernommen hat, gewinnt AMD zunehmend an
Marktanteilen aufgrund der besseren Chips. Otellini muß weg,
wenn Intel wieder eine gute Aktienperformance ausweisen möchte.


WOCHENRÜCKBLICK

So steckt hinter jeder Aktie eine ganz persönliche und
menschliche Geschichte. In Summe machen diese Geschichten dann
einen Teil der Kursbewegungen aus. Ein anderer Teil kommt von
der allgemeinen konjunkturellen Situation.

Am Mittwoch äußerte sich Ben Bernanke als Vorsitzender der US-
Notenbank zu diesem Thema. Zu aller Überraschung bestätigte
Bernanke die gute Verfassung der US-Wirtschaft sowie eine
Besserung im Immobiliensektor. Gleichzeitig stellte er auch
fest, daß die Inflationsgefahr durch die rückläufigen
Rohstoffpreise, insbesondere Öl, niedrig sei. Diese beiden
Komponenten der US-Wirtschaft führen bei Anlegern zu wahren
Glücksgefühlen. Robustes Wirtschaftswachstum bei niedriger
Inflation, schöner geht es kaum.

Entsprechend wurde diese Woche vom Dow Jones mit 12.673 Punkten
erneut ein Allzeithoch erzielt. Aber gleichzeitig ist auch das
Gold wieder eine gefragte Anlageform, der Goldpreis stieg auf
655 US-Dollar je Feinunze. Und auch der Ölpreis ist über 57 US-
Dollar gesprungen, das Korrekturtief bei 52 US-Dollar dürfte
damit vorerst außer Reichweite sein.

Bei all diesen Kurssteigerungen sollte man meinen, daß der US-
Dollar an Wert verliert. Irgendetwas muß schließlich für eine
solche Rallye verantwortlich sein. Doch der US-Dollar ist nur
leicht auf 1,305 gefallen. Die Preisanstiege sind also keine
Wechselkurseffekte, sondern Ausdruck von Angebot und Nachfrage.

Eingangs sagte ich, Michael Dell sei 100 Mrd. USD wert. Was
genau ich damit meinte erkläre ich im nächsten Kapitel.

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03. AUSBLICK: ZINSSENKUNG IM FRÜHJAHR UND AKTIENRALLYE
==============================================================

Ihrem Autor verschlägt der Blick in die Bilanz von Dell
geradezu die Sprache. Nun, so muß ich also Schreiben: Es ist
kaum zu glauben, wie Rollins das Unternehmen
heruntergewirtschaftet hat. Ich kann mich noch an die
Gewinnmarge von Dell in den 90er Jahren erinnern: Die betrug
damals nahezu 30 %. Heute steht sie bei 6,85 %. Das
Umsatzwachstum war bis Mitte 2004 bei nahezu 20 % p.a., heute
ist das Umsatzwachstum bei 3,4 % angelangt. Michael Dell hatte
stets in etwa einen Jahresumsatz in Bar herumliegen, um
handlungsfähig zu bleiben – heute stehen dem Jahresumsatz von
58 Mrd. USD lediglich Barreserven von 8 Mrd. USD gegenüber.

Die Börse hat reagiert: Inzwischen steht das KGV nicht mehr
über 30, sondern nur noch bei 18. Und das bei der schlechten
Gewinnmarge. Da gibt es einiges herauszuholen für Michael Dell.

Aber er wird das nicht über Nacht schaffen. Ich nehme an, als
Ingenieur wird er sich zunächst um die Qualität der Dell-
Rechner kümmern. Und hier müssen eben neue Konzepte her. Dell
muß neue Rechner schnell und kundengerecht auf den Markt
bringen und gleichzeitig die neuesten Komponenten auf ihre
Tauglichkeit im Dell-Umfeld überprüfen. Da ist eine enge
Kooperation mit den Entwicklern der einzelnen Komponenten, der
Festplatten, der Arbeitsspeicher, der Graphikkarten, der
Funkchips, der Audiokarten, usw. notwendig. Genau dort lag die
Stärke Michael Dells, der die Sprache der Entwickler sprach.

Bis solche Kooperationen wiederbelebt sein werden, Resultate
bringen, in die Produktpalette Dells eingearbeitet und
auslieferungsbereit sind, werden einige Monate vergehen. Ich
denke, ein Jahr ist da schnell verstrichen.

Bis dann anschließend die neue Qualität beim Kunden ankommt und
geschätzt wird, bis es sich also herumspricht, daß Dell wieder
gute Rechner baut, werden nochmals einige Monate vergehen. Und
bis dann die Umsatzzahlen ansteigen, ... nun gut, es wird an
dieser Stelle klar, daß wir nicht von einer kurzfristigen
Spekulation sprechen.

Hewlett Packard operiert mit einer Marge von 7,4 % und steigert
dem Umsatz derzeit um rund 8 % p.a. Ich halte das
Geschäftsmodell von HP nicht für optimal, HP hat hauptsächlich
vom Niedergang Dells profitiert. Derzeit ist HP wesentlich
besser auf das Vista-Geschäft vorbereitet, so daß die
Bilanzzahlen von HP in den nächsten Monaten deutlich besser
werden sollten.

Für Dell sprechen in meinen Augen gleich drei Gründe: Erstens
der Weggang von Rollins. Zweitens die Neubesetzung durch
Michael Dell, denn einen besseren Mann für diesen Posten gibt
es nicht. Und drittens ist das Bewertungsniveau von Dell
inzwischen so niedrig, daß der Kurs trotz der wiederholten
Hiobsbotschaften bereits im Herbst vergangenen Jahres einen
Boden gebildet hat.

Ich traue es Michael Dell zu, auf Sicht von zwei Jahren das
Unternehmen wieder auf die Überholspur zu setzen. Dann würde
ich ein Umsatzwachstum von 8 % erwarten und eine Gewinnmarge
von mindestens 15 %. Das Unternehmen würde ich dann mit einem
KGV von 16 bewerten. Aufgrund der angestiegenen Gewinnmarge
würde sich der Gewinn überproportional erhöhen, es würde ein
EBITDA-Gewinn von knapp 10 Mrd. USD statt der bisherigen 4,4
Mrd. USD erwirtschaftet werden. Mit einem KGV von 16 versehen,
ergibt das einen potentiellen Unternehmenswert von 160 Mrd.
USD, also knapp dem dreifachen des heutigen Wertes. Ein
Wertzuwachs für das Unternehmen in Höhe von 100 Mrd. USD, wie
eingangs erwähnt.

Allein der Name Michael Dells ist es mir wert, eine kleine
Position in Dell Aktien aufzubauen. Er wird seine Zeit
brauchen, es werden zunächst sicherlich noch einige unpopuläre
Dinge ans Tageslicht gebracht werden und der Kurs könnte
nochmals abtauchen. Sollte dies geschehen, so werden wir
nochmals nachkaufen.

Also: Kurse unter 24 USD sind für mich Kaufkurse. Kurse unter
21 USD würde ich zum Nachkaufen nutzen.

Dell Inc.
US-Kürzel DELL
Kaufen unter 24 USD
Nachkaufen unter 21 USD
Ziel bis Ende 2007: 30 USD
Ziel bis Ende 2008: 60 USD

MARKTAUSBLICK

Am Mittwoch hat die Fed den US-Leitzins unverändert belassen
und die Börse hat gejubelt. Ein neues Allzeithoch war die Folge
und die Jahresprognosen vieler Analysten sehen plötzlich viel
zu vorsichtig aus.

Heute früh wurden die Arbeitsmarktdaten für den Monat Januar
bekannt gegeben. Sie fielen etwas schlechter aus, als erwartet,
aber die Aktienbörse läuft trotzdem weiter Richtung Norden. Ich
habe langsam das Gefühl, daß in den USA eine Zeitbombe tickt.

Denn insbesondere die Arbeitsmarktdaten haben mich sehr
überrascht. Hatten die USA nicht einen warmen Januar, ja einen
gesamten warmen Winter? Die überraschend hohen Temperaturen und
der ausbleibende Frost führten dazu, daß in den USA mehr gebaut
wurde denn je. Und wenn viel gebaut werden kann, dann ist die
saisonale Arbeitslosigkeit doch normalerweise niedriger als
erwartet, oder? Es müßten doch mehr neue Stellen geschaffen
werden, als erwartet, oder?

Aber es wurden weniger neue Stellen geschaffen. Und das trotz
des warmen Winters. Wie sähe die Arbeitsmarktstatistik wohl
aus, wenn es Minustemperaturen gegeben hätte? Katastrophal!

Ich fürchte also, daß uns der Schock noch bevorsteht.
Irgendwann in den nächsten Monaten, wenn der Sondereffekt des
warmen Winters vorbei ist, werden die wahren Auswirkungen der
wirtschaftlichen Situation der USA zum Vorschein kommen. Hierzu
zähle ich die seit der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres
rückläufigen Anträge auf Neubauten in den USA. Die Häuser, die
vor dem vergangenen Sommer genehmigt wurden, sind nun langsam
fertig. Die Bauarbeiter werden nach Hause geschickt und finden
keine neuen Baustellen mehr.

Außerdem haben sowohl Ford, als auch General Motors in großem
Umfang Stellen gestrichen. Gleichzeitig wurde auch die
Produktion zurückgefahren. Diese Entwicklungen bei den beiden
größten amerikanischen Autobauern ziehen ja einen Rattenschwanz
nach sich, der sich durch die Zulieferindustrie bis auf den
Rohstoffmarkt auswirkt. Auch bei den Zulieferern werden derzeit
kräftig Stellen gestrichen. Das Ausmaß der neuen
Arbeitslosigkeit wird wohl erst im Frühjahr zu sehen sein.

Und die Rohstoffmärkte? Nun, Bernanke hat ja am Mittwoch
bereits gesagt, daß kaum inflationäre Tendenzen bestehen. Ich
will es mal umformulieren: Der Rückgang der Nachfrage aus dem
Automobilsektor führt derzeit zu einer Entspannung auf den
Rohstoffmärkten. Die Inflationsrate ist also extrem niedrig, es
gibt keinen Grund für die US-Notenbank, eine aufkeimende
Inflation durch Zinserhöhungen zu bekämpfen...

...im Gegenteil, die niedrige Inflationsrate gibt Bernanke die
Möglichkeit, den problematischen Arbeitsmarkt durch eine
Zinssenkung zu unterstützen.

Ich kann mir gut vorstellen, daß wir im Frühjahr eine
Zinssenkung erhalten werden. Und das wird eine Belastung für
den US-Dollar sein. Denn ein niedrigeres Zinsniveau macht den
US-Dollar für Anleger unattraktiver – sie ziehen Ihre
Anlagesummen ab, der Wechselkurs des US-Dollars fällt.

Ein niedriges Zinsniveau sowie ein schwacher US-Dollar werden
den US-Unternehmen helfen. Ich erwarte also ebenfalls weiterhin
steigende Kurse an den US-Aktienbörsen.

Ich habe diese Woche unter anderem Neuigkeiten zu Google und
Nabors im Kundenbereich beschrieben. Bitte schauen Sie sich die
entsprechenden Seiten an oder laden Sie sich die PDF-Dateien
herunter. Bei Problemen können Sie uns gerne eine E-Mail mit
Ihrer möglichst genauen Problembeschreibung schicken. Wir
unterstützen Sie dann gerne.

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04. DEPOT-CHECK: WIE GUT IST IHRE RISIKOSTREUUNG?
ALTRIA, ALLIANZ, BAYER, EON, LEONI
==============================================================

Nur wer ein diversifiziertes Portfolio hat, wer also in seinem
Depot eine gesunde Risikostreuung verwirklicht hat, wird bei
plötzlichen Korrekturen wie in diesen Tagen dennoch gut
schlafen können. Spekuliert wird hier im Heibel-Ticker nur mit
einem kleinen Teil des Vermögens. Der Rest wird auf solide Füße
gestellt.

Es folgt nun eine Analyse auf Risikostreuung von den 5 größten
Positionen eines Lesers. Dabei werde ich weniger auf die
einzelnen Werte eingehen, als viel stärker auf die Branchen, in
denen sie wirtschaften. Schicken Sie mir Ihre 5 größten
Positionen an Risikostreuung/at/heibel-ticker/./de. Bitte
unterschreiben Sie mit Ihrem Vornamen und der Stadt, in der Sie
leben. Diese Information wird dann veröffentlicht.

==========

FRAGE:

Hallo Herr Heibel,

als langjähriger Abo-Leser (z.Zt. nur zur Info) Ihres m.E.
guten Börsenbriefes möchte ich Ihnen gern einmal meine 5 Aktien
mit den derzeit höchsten Kurswerten zur Überprüfung vorstellen.

Hierbei geht es um:

Altria, Allianz, Bayer, EON und Leoni.

Über Ihre kritischen Anmerkungen würde ich mich sehr freuen.

Mit freundlichem Gruß, Rolf aus Isernhagen


ANTWORT:

Vielen Dank für Ihr Lob.

ALTRIA

Den meisten ist dieses Unternehmen wohl noch als Philip Morris
bekannt, US-Kürzel MO. Mit einer Marktkapitalisierung von 183
Mrd. USD gehört das Unternehmen zu den ganz großen Unternehmen
dieser Welt. Das KGV ist mit 16 vertretbar, die
Wachstumsgeschwindigkeit ist mit 2 % im Umsatz recht verhalten.

Der Zigarettenkonzern ringt um ein neues Image. Diverse
Gerichtsverfahren haben den Ruf der Zigarettenkonzerne,
insbesondere von Philip Morris, kaputt gemacht. Inzwischen
sucht das Unternehmen neue Märkte in den Schwellen- und
Entwicklungsländern.

Aber die Zigarettensparte ist nur einer von zwei
Geschäftsbereichen. Kraft Foods gehört zum Unternehmen. Marken
wie Milka, Miracoli, Suchard oder Jacobs / Kaffee HAG brauche
ich Ihnen wohl nicht extra vorzustellen.

Seit langem ist es ein offenes Geheimnis, daß das Unternehmen
nur auf einen Abschluß der Gerichtsverhandlungen wartet, um den
Konzern in zwei eigenständige Einheiten aufzubrechen. Damit
soll insbesondere der Markenname gestärkt werden. Ein erster
Schritt in diese Richtung war die Umbenennung von Philip Morris
in Altria.


ALLIANZ

3 % Dividendenrendite, KGV von 10 bei kräftig angestiegenen
Versicherungsprämien durch die vielen Katastrophen der
vergangenen Jahre, sowie ein großes Aktienrückkaufprogramm,
versetzen diese Aktie in eine gute Position. Mein Kursziel ist
190 Euro bis Ende des Jahres, immerhin ein Anstieg von 25 % vom
aktuellen Niveau aus.


BAYER

Bei Bayer stimmt derzeit alles: Die Integration von Schering
geht zügig voran. Bei der Produktion des MS-Medikaments
Betaseron, das durch die Übernahme von Schering nun vertrieben
werden darf, ist eine Einigung mit Novartis, dem Partner bei
diesem Produkt, in Sicht. Der Umsatz wächst kontinuierlich mit
6 % p.a. an, die Gewinne wachsen aufgrund der günstigen
Konditionen an den Rohstoffmärkten überproportional an.
Insbesondere der niedrige Ölpreis sollte für einen
außerordentlichen Gewinn im laufenden Quartal sorgen.

Seit 2003 hat sich der Kurs von Bayer von 12 auf nunmehr 45
Euro katapultiert. Allein in den vergangenen zwei Wochen
erfolgte ein Kursanstieg um 10 %. Doch immer noch ist das KGV
mit 16 angemessen und die Dividendenrendite von 2,3 % sorgt für
eine ordentliche Verzinsung des Anlagekapitals. Gewinner sollte
man laufen lassen: Ich würde diese Position mit einem Trailing
Stopp Loss (ca. 15 %) versehen und laufen lassen.


EON

Hier erhalten Sie mit einer Rendite von 3,35 % sogar
marktgerechte Konditionen allein schon für das Warten. Aber
auch das Bewertungsniveau ist in Ordnung, denn das KGV beträgt
aktuell 15. Die Umsätze wachsen auch bei EON kontinuierlich an,
der niedrige Ölpreis sollte auch bei EON für außerordentliche
Gewinne sorgen.

Derzeit schwebt ein Übernahmeangebot für die spanische Endesa,
in dessen Vorfeld der Kurs in die Höhe geschossen ist. Ich
erwarte, daß nach Bekannt werden der Konditionen in den
nächsten Tagen der Kurs von EON erst einmal nachgeben wird.
Langfristig jedoch ist der Aufwärtstrend intakt.


LEONI

Informationstechnologie im Auto erfordert in erster Linie eine
verlässliche und zeitnahe Informationsübermittlung von den
einzelnen Sensoren im Auto, sei es die Einparkhilfe am Heck,
der Temperaturmesser unter der Motorhaube oder auch nur das
Warnlämpchen für die kaputte Glühbirne. Die verschiedensten
Kabel in Autos von Mercedes, BMW und General Motors kommen von
Leoni.

Das Unternehmen wächst mit ca. 5 % p.a. bei gleichmäßig
mitwachsenden Gewinnen. Die Dividendenrendite ist mit 2,5 %
ordentlich. Das KGV von 12 halte ich für niedrig, vergleichbare
Unternehmen haben meist ein KGV über 15.


FAZIT:

Die Auswahl der Aktien lässt manchen Anleger vor Neid
erblassen. Sie haben fünf Aktien, die allesamt günstig bewertet
sind, eine gute Dividendenrendite ausweisen und weiter
Potential für Kurssteigerungen haben.

Mit Zigaretten und Lebensmitteln ist Altria ein
Lebensmittelproduzent, dessen Umsätze weitgehend
konjunkturunabhängig sind. Die Allianz ist ein Blue-Chip der
Finanzbranche, Bayer im Chemie- und Pharmasektor. Den
Energiesektor haben Sie mit EON abgedeckt, Leoni ist ein
Industrieunternehmen.

Während Leoni und Bayer unter steigenden Energiekosten leiden
würden, würde EON davon profitieren. Mit Bayer und Leoni
partizipieren Sie also am derzeitigen weltweiten
Konjunkturaufschwung, sind aber gleichzeitig über EON und
Altria gegen eventuelle Umbrüche abgesichert.

Ich halte auch die internationale Ausrichtung bei Ihrem Depot
für gut, da Sie mit der Allianz, Bayer, Leoni und EON zwar vier
deutsche Unternehmen haben, von denen drei jedoch über 40 %
ihres Umsatzes im Ausland erwirtschaften. Lediglich EON muß da
noch etwas stärker diversifizieren, ist jedoch mit der
angestrebten Übernahme von Endesa auf dem besten Weg.

Änderungsvorschläge: Never change a winning team.

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05. LESERFRAGE: J2 GLOBAL, VERBUND AG
==============================================================

Ihre Fragen schicken Sie bitte an leserfragen/at/heibel-
ticker/./de. Ich werde künftig nur noch eine Leserfrage
veröffentlichen. Den Rest beantworte ich direkt. Bitte fragen
Sie mich nur zu Unternehmen mit einem Marktwert von mindestens
100 Mio. Euro bzw. USD.

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FRAGE:

Guten Tag Herr Heibel,

ich bitte um Ihre, wie immer, fundierte Einschätzung zu
den folgenden Aktien:

J2 GLOBAL US46626E2054
VERBUND AG AT0000746409

Ich habe beide Aktien im Depot und weiß nicht so Recht, ob ich
sie verkaufen soll. Ich bin eher ein langfristig orientierter
Anleger.

Vielen Dank, Toni aus Eschenau


ANTWORT:

J2 Global

Die Aktie hatte ich noch zu iWatch-Zeiten empfohlen, meine
Leser konnten damit einen Kursgewinn von 100 % einfahren. Im
vergangenen August habe ich mir die Aktien zuletzt angeschaut
und kam zu dem Schluss, dass das hohe Bewertungsniveau, sowie
die Ungewißheit über die Vorwürfe zur Rückdatierung von
Aktienoptionen, den Kurs zunächst deckeln würden – und
tatsächlich ist der Kurs seither seitwärts gelaufen.
Offensichtlich habe ich bei dieser Aktie ein recht gutes
Gespür.

Inzwischen wurden die Optionsrückdatierungsvorwürfe aus der
Welt geschafft, das Unternehmen hat eine Strafe von 3,5 Mio.
USD gezahlt. Das ist ein Betrag, der in der Bilanz von J2
Global kaum auffällt, dennoch war der Kurs aufgrund dieser
Meldung Anfang Januar um 10 % eingebrochen.

J2 Global bietet Kommunikationslösungen an. Insbesondere die
für Unternehmensbedürfnisse flexibel anpassbaren Fax-Lösungen
finden Anklang bei Kunden. Aber auch Konferenzschaltungen und
E-Mail-Verwaltungssysteme werden nachgefragt. J2 Global hat
seine Angebote stark auf die Nutzung des Internets ausgerichtet
und kann dadurch kostengünstigere Betriebskosten für die Kunden
anbieten.

Das KGV steht bei 24, der Umsatz wächst mit 21 % p.a. Damit
handelt es sich um ein absolutes Wachstumsunternehmen, das
gleichzeitig mit einer Gewinnmarge von 40 % höchst profitabel
ist. Schulden bestehen nicht, die Barkasse enthält in etwa
einen Betrag in Höhe des Jahresumsatzes von 160 Mio. USD. In
meinen Augen sollte diese Aktie mit einem KGV von 40 bewertet
werden. Das entspräche einem Kurspotential von 67 %. Ich würde
diese Aktie halten.


VERBUND AG (Österreichische Elektrizitätswirtschafts-AG)

Der österreichische Energiekonzern setzt voll auf Wasserkraft.
Damit gilt er als Vorzeigeunternehmen der Branche der
alternativen Energieerzeuger. Die steigenden Energiepreise bei
gleichbleibend niedrigen Produktionskosten der Verbund AG haben
dem Unternehmen in den vergangenen Jahren überraschend hohe
Gewinne beschert. Auch die kontrollierte und gut kalkulierbare
Expansion in den Osten sorgte für Interesse an den Aktien, so
dass der Kurs auf ein KGV von 21 anstieg.

Ich habe diese Aktien vor einem Jahr bereits schon einmal
untersucht. Damals kam ich zu dem Schluß, daß dieser
Kursanstieg nun zunächst einmal am Ende sein würde. Und genau
das ist passiert: Seither tendiert die Aktie seitwärts. Denn
das Umsatzwachstum im Bereich der Wasserkraft ist niedrig. Im
Jahr 2008 wird sogar ein Umsatzrückgang befürchtet.
Entsprechend entwickeln sich auch die Gewinne nur verhalten.

Aufgrund der hohen Finanzierungskosten hat das Unternehmen über
eine Mrd. Euro an langfristigen Schulden mit Zinszahlungen zu
bedienen. Da bleibt dann auch nicht viel übrig, was als
Dividende ausgeschüttet werden könnte, die Dividendenrendite
ist bei nur 2 %.

Steigende Energiepreise würden dieser Aktie wieder Beine
machen, aber weder Dividendenrendite, noch Bewertungsniveau
hauen mich vom Hocker. Da gibt es besser aufgestellte
Energieunternehmen, schauen Sie sich beispielsweise in der
aktuellen Ausgabe meine Kommentare zu EON an. (Kapitel 04
Depotcheck)

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06. BEOBACHTETE WERTE
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Bitte beachten Sie auch den Kundenbereich auf meiner
Internetseite unter www.heibel-ticker.de. Dort finden Sie
aktuelle Charts mit meinen jeweils aktualisierten
Einschätzungen.

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Im Wochenverlauf habe ich zu mehreren Titeln Anmerkungen im
Kundenbereich der Webseiten verfaßt. Selten sind diese
Anmerkungen nur tagesaktuell, es reicht in der Regel, wenn Sie
einmal die Woche dort hinein schauen.

Auf der Einstiegsseite heibel-ticker.de sehen Sie im Ticker am
oberen Bildrand auf den ersten Blick, zu welchen Titel aktuelle
Anmerkungen erstellt wurden.

Hier nun die Übersicht über die offenen Positionen. Wie
angekündigt habe ich jeweils die langfristigen von den
spekulativen Positionen getrennt. Bei den langfristigen
Positionen werde ich in den kommenden Wochen jeweils eine
Risikostreuung berücksichtigen.

Weiter habe ich in Empfehlungen unterschieden, die vorwiegend
über die deutschen Börsen zu haben sind, und jenen, die Sie in
Ihr US-Depot kaufen sollten.

Insgesamt gibt es nun also vier Kategorien: Deutsches Depot
lang- und kurzfristig sowie US-Depot lang- und kurzfristig.

Unter „Änd" steht die Gesamtveränderung seit Empfehlung. Unter
„Woche" steht die Änderung zur Vorwoche. Unter „Empf." Steht
die Empfehlung, ob diese Position zu H-Halten, K-Kaufen, V-
Verkaufen ist oder mit einem SL-Stop Loss versehen werden
sollte.

Firma Kürzel Kauf am 1.2 Änd. Woche Empf.
DEUTSCHES DEPOT
LANGFRISTIG
UBS UB0BL6 12.5.06 48,50 € 8% 1% H
Apple Comp. 865985 21.1.06 65,40 € 25% -2% H
Anglo American 922169 29.12.06 36,80 € -1% 0% K
Goldbarren 100 gr. 13.10.06 1.581,00 € 2% -1% H
Goldmünze 20 Mk Wil 13.10.06 110,00 € -9% -1% H
GMAC 2010 5,75% 908511 24.3.06 102,00 € 11% 0% H

SPEKULATIV
Yahoo! 900103 21.7.06 21,76 € 9% -3% SL
ABB 919730 4.8.06 13,73 € 37% 0% SL
Nabors Ind. 662778 21.1.06 22,91 € -19% 1% H
Gold Zert. ABN 859341 2.6.06 50,57 € 3% 1% H
Berentzen AG 520163 28.7.06 5,75 € -18% -3% H
Apple Call CoBk CK1761 5.1.06 1,56 € -5% -6% H

US-DEPOT
LANGFRISTIG
Goldman Sachs GS 23.6.06 $212,00 41% -1% H
Google GOOG 20.10.06 $481,75 13% -1% H
Sears Holding SHLD 20.10.06 $177,06 2% 1% H
Gold&SilberfondsCEF 13.10.06 $9,71 20% 3% H

SPEKULATIV
Mastercard MA 23.6.06 $111,92 136% 4% SL
Qualcomm QCOM 4.8.06 $37,25 3% -2% V
Marvell MRVL 17.4.06 $18,50 -26% -2% K
Microsoft MSFT 17.3.06 $30,56 10% 0% H
FedEx FDX 28.9.06 $114,30 8% 3% H
Gold ETF GLD 13.10.06 $65,22 12% 3% H
Silber ETF SLV 13.10.06 $136,05 19% 3% H
Fannie Mae FNM 10.11.06 $57,00 -5% 1% K
DRD Gold A0DNZ1 3.11.06 $0,84 -35% 2% K
Transocean RIG 19.1.07 $76,29 2% 2% K

SL: Yahoo! bei 20,50 EUR
SL: ABB bei 11,91 EUR
SL: Mastercard bei 95 USD
V: Qualcomm wurde mit 5 % Plus verkauft
K: Anglo American, Marvell, Fannie Mae, DRD Gold, Transocean &
BHP Billiton, Dell

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Eine erfolgreiche Börsenwoche,
take share

Stephan Heibel
http://heibel-ticker.de


mailto:info@heibel-ticker.de

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07. DISCLAIMER / HAFTUNGSAUSSCHLUSS UND RISIKOHINWEISE
==============================================================

Wer un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen
nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte
un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen in Umlauf
setzt, wird mit Lust-, manchmal auch mit Erkenntnisgewinn
belohnt; und wenn alles gut geht, fällt davon sogar etwas für
Sie ab. (frei nach Robert Gernhardt)

Wir recherchieren sorgfältig und richten uns selber
nach unseren Anlageideen. Dennoch müssen wir jegliche
Regressansprüche ausschließen, die aus der Verwendung
der Inhalte des Heibel-Tickers entstehen könnten.

Die Inhalte des Heibel-Tickers spiegeln unsere Meinung
wider. Sie stellen keine Beratung, schon gar keine
Anlageempfehlungen dar.

Die Börse ist ein komplexes Gebilde mit eigenen Regeln.
Anlageentscheidungen sollten nur von Anlegern mit
entsprechenden Kenntnissen und Erfahrungen vorgenommen
werden. Anleger, die kein tiefgreifendes Know-how über
die Börse besitzen, sollten unbedingt vor einer
Anlageentscheidung die eigene Hausbank oder einen
Vermögensverwalter konsultieren.

Die Verwendung der Inhalte dieses Heibel-Tickers erfolgt
auf eigene Gefahr. Die Geldanlage an der Börse
beinhaltet das Risiko enormer Verluste bis hin zum
Totalverlust des eingesetzten Kapitals.

Es tut mir Leid, dass im Heibel-Ticker nicht die viel
versprechenden neuen Regeln der Rechtschreibreform
berücksichtigt werden, aber ich müßte Kopf stehen, um
diese zu verstehen.

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08. AN-/ABMELDUNG
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Heibel-Ticker Ende
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