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12.02.2010: Heibel-Ticker 0610 - Griechenland und die Achillessehne der EU
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H E I B E L - T I C K E R S T A N D A R D

F I N A N Z I N F O R M A T I O N E N

- Einfach einen Tick besser -
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DEUTSCHE BIBLIOTHEK : ISSN 1862-5428

5. Jahrgang - Ausgabe 06 (12.02.2010)
Erscheinungsweise: wöchentlich Freitag/Samstag
* Bitte Schriftart Courier einstellen *
(-;______________________________________________;-)

I N H A L T

01. INFO-KICKER: UNTERNEHMENSFAKTEN TRETEN HINTER EU-POLITIK
02. SO TICKT DIE BÖRSE: ACHILLESSEHNE DER EU
03. AUSBLICK: NEUEMPFEHLUNG EINES AUTOMOBILZULIEFERERS
04. KOLUMNEN-TICKER: FREENET, E*TRADE
05. SONDERANALYSE SAP: ÜBERRASCHENDER WECHSEL IM VORSTAND
06. BEOBACHTETE WERTE
07. DISCLAIMER / HAFTUNGSAUSSCHLUSS UND RISIKOHINWEISE
08. AN-/ABMELDUNG

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01.INFO-KICKER: UNTERNEHMENSFAKTEN TRETEN HINTER EU-POLITIK
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Liebe Börsenfreunde,

erst im zweiten Teil des Kapitel 02 habe ich Ihnen die Fakten
aufgelistet, die in der abgelaufenen Woche zu Tage kamen. Im
ersten Teil habe ich Ihnen meine persönliche Erfahrung mit
Prof. Issing (ehem. Chefvolkswirt der Bundesbank, dann EZB) und
Prof. Bofinger (Wirtschaftsweise) erzählt. Vielleicht hilft
Ihnen meine persönliche Erfahrung, deren Aussagen besser
einzuschätzen.

Da Fakten diese Woche ohnehin keinen Einfluss auf die Börse
hatten, sondern eher das Reiseverhalten von EZB Chef Trichet,
habe ich die Fakten erst weiter hinten abgehandelt.

Doch im Kapitel 03 spielen diese Fakten eine um so wichtigere
Rolle, denn sie zeigen heute schon was passieren wird, wenn das
Griechenlandproblem erst einmal von den Titelseiten
verschwindet. Entsprechend habe ich die Aktie eines
Automobilzulieferers analysiert. Dank der hohen
Dividendenrendite und des gesicherten Cashflows bietet diese
Aktie eine hervorragende Absicherung gegen weitere Turbulenzen
im Jahr 2010.

Freenet ist eine Aktie mit guten Wachstumschancen in diesem
Konjunkturumfeld, da auch dort die Dividendenrendite gesichert
erscheint. Wir haben schon genug Telco im Portfolio und so
lasse ich diese Chance links liegen. Dennoch ist die Analyse
für viele von Ihnen sicherlich interessant.

Bei E+Trade bin ich nicht ganz so optimistisch, hier ist der
Weg zur Besserung noch lang.

Am vergangenen Wochenende ist SAP Chef Apotheker überraschend
zurückgetreten. Eine aktuelle Einschätzung der Situation sowie
eine Zusammenfassung der Pressekonferenz, die SAP am Montag aus
genau diesem Anlass abgehalten hat, finden Sie im Kapitel 05.

Wie immer gibt es in Kapitel 06 Aktualisierungen zu unseren
Werten der Beobachtungsliste.

Die PDF-Version der jeweiligen Ausgabe können Sie ab sofort
auch stets im Archiv herunterladen. Die PDF-Version dieser
Ausgabe wird Ihnen ab morgen früh unter dem folgenden Link zur
Verfügung stehen:
http://www.heibel-ticker.de/downloads/hts100212.pdf

So, am Wochenende werde ich mir Avatar anschauen – aus rein
beruflichen Gründen natürlich nur, denn ich halte die 3D-
Technologie für einen neuen Trend, der die Kinos wiederbeleben
bis hin zu einer Kaufwelle neuer 3D-TVs auslösen kann. Naja,
vielleicht ist der Film neben meinen beruflichen Interessen ja
auch ein wenig unterhaltsam ;-)

Ihnen wünsche ich nun eine anregende Lektüre,

take share, Ihr
Börsenschreibel

Stephan Heibel

Chefredakteur und
Herausgeber des
Heibel-Ticker

P.S.: Lassen Sie mich Ihre Meinung, Kritik oder
Verbesserungsvorschläge wissen (selbst Lob ist willkommen ;-)
und schreiben Sie mir an leserbrief/at/heibel-ticker/./de.

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02. SO TICKT DIE BÖRSE: ACHILLESSEHNE DER EU
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GRIECHENLAND – DIE ACHILLESSEHNE DES EUROS

Ich gebe Ihnen heute einmal eine ganz persönliche Begründung
dafür, warum ich hoffe, das Merkel und Schäuble von der FDP
zurück gepfiffen werden. Dazu entführe ich Sie an die Uni
Würzburg Anfang der 90er Jahre.

PROF. ISSING, EHEM. CHEFVOLKSWIRT

Ich habe dort von 1990 bis 1995 Volkswirtschaftslehre studiert.
Die dortige Koryphäe Professor Issing verließ 1990 leider die
Uni, er wurde Chefvolkswirt der Deutschen Bundesbank. Später
wurde er Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank und gilt
bis heute als der wichtigste Denker bei der Konzeption des
Euros. Seiner Uni blieb er trotzdem treu, er hielt monatliche
Vorlesungen, in denen er in persönlicher Atmosphäre über die
Hintergründe zu seinen Zinsentscheidungen referierte. Es war
die einzige Vorlesungsreihe, von der ich keine einzige
verpasste.

Prof. Issing ist heute im rentenfähigen Alter und übt dennoch
einige Ämter aus, wie beispielsweise das des Präsidenten des
Center for Financial Studies (CFS) an der Uni Frankfurt.

Zu den Problemen Griechenlands hat er sich in den vergangenen
Tagen mehrfach klar geäußert. Im EU-Vertrag gibt es eine „non-
bail-out-clause“, eine Vertragsklausel, die es EU-Mitgliedern
untersagt, anderen Mitgliedsstaaten zu Hilfe zu eilen. Es sei
eine elementare Säule für die Stabilität des Euros, dass eine
undisziplinierte Haushaltspolitik (nationale Fiskalpolitik)
nicht durch Kredite, Bürgschaften oder Rettungspakete von
anderen EU-Staaten belohnt werde.

In meinen Worten: Mögen die „Auflagen“ auch noch so hart sein,
es ist immer noch besser für Griechenland harte Auflagen in
Kauf zu nehmen, nachdem man 10 Jahre geschummelt hat, als 10
Jahre lang nicht zu schummeln.

Issing warnt vor Hilfen für Griechenland, denn es würde einem
Dammbruch gleichkommen und wir können die Uhr danach stellen,
wann Portugal, Italien, Irland und Spanien mit ähnlichen
Problemen und Forderungen bei uns anklopfen. Die Stabilität des
Euros wäre dahin.

PROF. BOFINGER, WIRTSCHAFTSWEISE

Die Uni Würzburg suchte einen Nachfolger für Issing und fand
diesen in Prof. Bofinger. Er galt als junger Wilder und glauben
Sie mir, das traf auch zu. Bofinger ließ sich damals äußerlich
nicht von den Studenten unterscheiden. Mit frischen Ideen
gestaltete er seine Vorlesungen und es war nicht selten, dass
er diese begann mit etwa folgenden Worten:

„Thema der heutigen Vorlesung ist XY, aber das können Sie ja in
den Lehrbüchern nachlesen. Gestern Abend hatte ich folgenden
Gedanken, den ich heute gerne mit Ihnen durchsprechen
möchte...“ und er begann völlig frei sehr interessante Theorien
aufzuzeigen. Wir Studenten fanden das sehr spannend und
interessant, denn wir erhielten so direkt einen Einblick in die
Themen, die unseren Professor beschäftigten.

Doch häufig endeten die Theorien etwa wie folgt: „...wenn meine
Gedanken, die ich hier entwickelt habe, richtig sind, dann ...
oder habe ich etwas übersehen?“ und vorsichtig meldete sich
dann manchmal ein Student und wies ihn auf einen Fehler in
seiner Argumentationskette hin. Ich habe von Prof. Bofinger
mehr gelernt als von manch anderem perfekten Professor, der aus
seinem Lehrbuch vorgelesen hat. Aber ich habe auch gelernt,
dass er damals dazu neigte, Dinge zu übersehen.

Ein fast dramatisches Ende hätte das für mich genommen, wenn da
nicht ein aufmerksamer Assi in meiner mündlichen Prüfung
gesessen hätte. Ich hatte in einem speziellen VWL-Fach eine 1
im schriftlichen Examen geschrieben, doch im dazugehörigen
allgemeinen VWL-Fach, das als Grundlage für das spezielle Fach
galt, war ich zwischen die Fronten eines Kleinkriegs eines
anderen Professors geraten. Von 13 Examensklausuren schnitten 8
mit 5 ab und der Rest mit 4. Ich gehörte zu den fünfen :-(

So musste ich in der mündlichen Prüfung mindestens eine 3
machen, um mein Diplom zu erhalten. Sie können sich vorstellen,
wie ich in die mündliche Prüfung gegangen bin. Sie wurde von
Prof. Bofinger abgenommen. Seine Frage an mich, graphisch
herzuleiten, warum sowohl ein armes als auch ein reiches Land
vom Außenhandel miteinander profitieren würden, gehört zum
Standard der VWL ... aber mit Nervenflattern fällt einem auch
so was nicht ad hoc ein. Die einfache Herleitung fiel mir nicht
ein und so begann ich aufzusagen was ich wusste, begann
Graphiken an die Tafel zu malen und hatte eine vage
Vorstellung, wie ich am Ende den graphischen Beweis bringen
könnte. Doch nach meinen ersten Sätzen unterbrach mich Prof.
Bofinger und teile mir mit, ich sei auf dem Holzweg.

In diesem Augenblick sah ich mich ein halbes Jahr später
nochmals durch die Mühle der Examensklausuren gehen. Ich wollte
mich schon setzen und sagen, „dann weiß ich es nicht“, da
meldete sich der Assistent zu Wort: „Lassen Sie ihn mal
weitermachen, ich glaube, er hat eine Argumentationskette, die
wir noch nicht kennen.“ Und so durfte ich weiterreden, erlebte
nunmehr eine geistige Sternstunde, denn nie zuvor hatte ich
diese Argumentationskette durchdacht – ich leitete sie dort
tatsächlich erstmalig her und am Ende gab es eine saubere
Graphik an der Tafel, die das gewünschte bewies.

Mit einem Lächeln der Anerkennung gab mir Prof. Bofinger eine 1
dafür. Soeben noch kurz vorm Abgrund, kurze Zeit später konnte
ich nicht mehr gerade aus schauen.

Warum erzähle ich das? Nun, ich kenne Prof. Bofinger, unseren
Wirtschaftsweisen, als jemanden, der gerne mal andere Theorien
ausprobiert. Andere Professoren hätten nicht auf ihren
Assistenten gehört und hätten mich nicht weiterreden lassen.
Andere Professoren haben auch seltener etablierte Theorien in
Frage gestellt. Dafür irrt Prof. Bofinger sich aber auch
bisweilen.

Prof. Bofinger hat sich in diesen Tagen ebenfalls zum Problem
Griechenland zu Wort gemeldet. Er warnt davor, die Griechen
sich selbst zu überlassen, denn die Auswirkungen für die
Wirtschaft Europas und für den Außenwert des Euros seien
negativ.

Damit stellt er wieder einmal das Konzept des Euros in Frage,
etwas, was wir damals regelmäßig in den Vorlesungen getan
haben. Er hat sicherlich interessante Gründe für seine
Forderung. Doch ich bin an dieser Stelle nicht bereit, mit dem
Euro hinsichtlich Stabilität zu experimentieren. Ich verlasse
mich hier auf Prof. Issing, der vor eben solchen Hilfen warnt.

Um die Welle der Empörung abzufangen: Ich sage nicht, dass
Prof. Bofinger heute noch Irrtümern unterliegt. Er wird seine
Gründe haben, warum er Griechenland-Hilfen bevorzugt. Und ganz
bestimmt lohnt es sich, seine Theorien anzuschauen, um die
Auswirkungen eines Abtretens von der „no-bail-out-clause“
besser abschätzen zu können. Wenn Sie fragen, wie man die „no-
bail-out-clause“ umgehen könnte, dann schauen Sie sich seine
Theorien an. Es hilft, die möglichen Folgen abzuschätzen. Doch
wenn Sie mich danach fragen, was die richtige Antwort
Deutschlands auf die Probleme Griechenlands ist, dann halte ich
mich an Prof. Issing: No bail-out!

POLITISCHE DISKUSSION UM GRIECHENLAND

71% der deutschen Bevölkerung sind gegen finanzielle Hilfen für
Griechenland. Dennoch fährt Frau Merkel nach Frankreich und
lässt sich von Präsident Sarkozy dazu überreden, Unterstützung
zuzusagen und finanzielle Hilfen nicht auszuschließen.
Finanzminister Wolfgang Schäuble hatte dies schon zum
Wochenbeginn lautstark gefordert. Wie kann die CDU auf solche
Abwege geraten?

Nicht nur die Fakten sprechen gegen finanzielle Hilfen für
Griechenland, sondern auch die Bevölkerung. Es geht also nicht
einmal mehr um Stimmenfang. Ich verstehe das nicht, hören
Merkel und Schäuble etwa auf den falschen Professor?

Nein, das glaube ich nicht. So langsam sickern weitere
Informationen zur Verschuldung Griechenlands durch: Von den 302
Mrd. Euro, die Griechenland von europäischen Banken geliehen
hat, stammen 43 Mrd. Euro von deutschen Banken. Josef
Ackermann, Chef der Deutschen Bank, ließ schon hören, dass sein
Institut kein besonders großes Engagement mit Griechenland
habe. Sollte hier etwa der nächste Skandal für die deutschen
Landesbanken entstehen? Ich will es nicht ausschließen.

Genug Politik und Volkswirtschaft, lassen Sie und einen Blick
auf die Börse werfen. Doch ich wollte Ihnen diese meine
Gedanken nicht vorenthalten. Im Wochenverlauf habe ich zweimal
ein Update geschrieben, dies jedoch nicht an Sie verschickt,
weil die Ereignisse deren Aussagen schon wieder überholt
hatten. Somit mussten Sie sich heute meine geballten Gedanken
dazu anhören :-)


WOCHENRÜCKBLICK

Ich habe den Eindruck, dass die Finanzmärkte weltweit derzeit
auf die EU und unser Problem mit Griechenland blicken. Andere
Meldungen werden kaum beachtet. Wenn jedoch der EZB-Chef Jean-
Claude Trichet seinen Australienbesuch am Dienstag vorzeitig
abbricht, um nach Europa zurück zu fliegen, dann beginnen die
Börsen zu steigen. Trichet sieht das Problem Griechenland als
wichtig an und so wurde nun eine baldige Lösung erwartet.

Gut, die Politiker haben eine andere Vorstellung einer
Problemlösung und so blieb Trichet weitgehend unbeteiligt an
der nun vorgeschlagenen Lösung. So bröckelte die hoffnungsvolle
Stimmung im weiteren Wochenverlauf mit zunehmenden politischen
Verhandlungen weiter ab. A propos Verhandlung: Ich lese immer
wieder von Verhandlungen mit Griechenland. In der Wirtschaft
würde ein Insolvenzverwalter geschickt werden und das war’s.

So kann ich Ihnen heute nur eine lange Liste der in meinen
Augen extrem wichtigen und aufschlussreichen Ereignisse geben,
die von der Börse vorerst nicht beachtet wurden. Doch wenn wir
uns mit diesem Ereignissen auseinander setzen dann können wir
Rückschlüsse darauf ziehen, wohin die Reise als nächstes gehen
wird.

BHP Billiton, der weltgrößte Minenkonzern mit einem Schwerpunkt
beim Eisenerz, hat von einer stabilen Nachfrage seitens China
auf dem Rohstoffmarkt gesprochen. Diese Woche wurde der Preis
für Eisenerz ausgehandelt, zu dem China in den nächsten Monaten
von BHP Billiton beliefert wird. Der ausgehandelte Preis ist um
40% höher als zuvor. Hört sich das nach einem Rückfall Chinas
in die Wirtschaftskrise an?

Arcelor Mittal, der weltgrößte Stahlkonzern hat zwar ein
schlechtes Ergebnis für das abgelaufene Jahr vermeldet, doch
gibt sich extrem optimistisch für das laufende Jahr 2010.
Insbesondere seitens China könne man eine robuste Nachfrage und
wieder steigende Stahlpreise verzeichnen. Auch das hört sich
für mich nicht nach Rezessionsgeplapper an.

ThyssenKrupp hat heute seine Zahlen vorgelegt. Der deutsche
Stahlkonzern hat die Erwartungen für die vergangenen drei
Monate deutlich übertroffen, die Aktie führt heute den DAX an.

Die US-Arbeitsmarktdaten sorgten gestern für eine positive
Überraschung: Es wurden deutlich mehr neue Jobs geschaffen als
erwartet. Die positive Entwicklung der vergangenen Monate setzt
sich fort, auch wenn die eine oder andere Woche mal wieder ein
Rückschlag kommt. Das hat ein Winter mit vielen Blizzards und
Schneeunwettern eben so an sich.

Am Dienstag hat Obama in einem Interview die Boni von
Bankenchefs mit den Gehältern von Football-Spielern verglichen.
Er sagte, es gebe Football-Spieler die mehr verdienen als
Banker und ihre Mannschaft nicht einmal in die World-Series
führen – sprich versagen. Und dies relativiere die
Bonuszahlungen für Jamie Dimon, CEO von J.P. Morgan (17 Mio.
USD in Aktien), und Lloyd Blankfein, CEO von Goldman Sachs (9
Mio. USD in Aktien), die ihre Unternehmen gut durch die
Finanzkrise gebracht haben. Das hört sich nicht mehr nach einem
wild um sich schlagenden Präsidenten an, vor dem die Börse
Angst hatte.

US-Notenbankchef Ben Bernanke hat geäußert, dass er seine
Geldpolitik je nach der konjunkturellen Entwicklung der USA
ausrichten werde. Noch sehe er das niedrige Zinsniveau auf
längere Zeit für sinnvoll an. Sollten sich die Fakten ändern,
dann würde er jedoch auch schnell reagieren. Diese Aussage
wurde von der Börse negativ aufgefasst, der Dow Jones sackte in
Folge dieser Rede deutlich ab.

Dabei hat Bernanke doch nur vernünftige Worte verwendet: Er
werde auf die konjunkturelle Entwicklung achten und seine
Geldpolitik danach ausrichten. Was sonst soll er tun? Soll er
etwa sagen, dass er den US-Leitzins für die nächsten drei Jahre
bei 0% belässt, komme was da wolle? Das wäre doch Quatsch.

Oder soll er sagen, die Konjunktur zieht an, der Wirtschaft
geht es gut und er werde den Zins bald anheben? Das wäre
ebenfalls Quatsch, denn noch ist es zu früh für Zinsanhebungen.
Die US-Konjunktur „stabilisiert“ sich, sie wächst aber noch
lange nicht ausreichend, um Zinsanhebungen zu verkraften.

Soweit also ein paar wesentliche Nachrichten dieser Woche. Wenn
ich mir vor Augen führe, dass nunmehr das Damoklesschwert eines
schwachen Chinas negiert wurde, die Damoklesschwerter Obama,
US-Arbeitslosigkeit, Griechenland sich in Wohlgefallen
auflösen, wo bleibt dann die Rallye?

Die Bewegungen an den Börsen blieben diese Woche recht volatil,
die Stimmung hat sich mehrfach gedreht und ich habe den
Eindruck wir befinden uns in einer Warteposition. Schauen Sie
sich die wichtigsten Indizes in ihrer Wochenperformance einmal
an:


INDIZES 11.2.10
Dow Jones 10.144 1,4%
DAX 5.503 -0,5%
Nikkei 10.092 0,3%
Euro/US-Dollar 1,368 0,1%
Euro/Yen 122,91 0,5%
10-Jahre-US-Anleihe 3,73% 0,1
Umlaufrendite Dt 2,87% 0,0
Feinunze Gold USD $1.090,60 3,5%
Fass Crude Öl USD $75,41 3,4%
Baltic Dry Shipping I 2.575 -4,1%


Gestern gegen 18 Uhr wurde bekannt, dass Europa Griechenland
nicht hängen lassen werde und der Dow Jones schoss nach oben.
Auch der Nikkei stieg noch an, für den DAX war dies gestern zu
spät. Daher hat der DAX noch ein Minus vorne dran stehen.

Ich hoffe, Sie haben meine Aufforderung zum Kauf von Gold
umgesetzt, denn nun ist der Goldpreis schon wieder um 3,5%
angestiegen. Schon allein die Diskussion um die Stabilität des
Euros dürfte dem Goldpreis mittelfristig kräftig helfen, weiter
anzusteigen.

Die Stimmung unter den Privatanlegern hat sich weiter
aufgehellt, Analysten jedoch werden vorsichtig. Hier die
Sentimentdaten:


SENTIMENTDATEN

ANALYSTEN:
Empfehlungen (Anzahl Empfehlungen):

Kaufen / Verkaufen
22.-29. Jan (342): 56% / 44%
29.1.-5.02. (318): 83% / 17%
05.-12. Feb (366): 66% / 34%

ANALYSTEN KAUF
Rhoen Klinikum, Demag Cranes, HeidelbergCement

ANALYSTEN VERKAUF
Renewable Energy, Heidelberg Druck, Lufthansa

PRIVATANLEGER:
4. KW 2010: 47% Bullen (78 Stimmen)
5. KW 2010: 57% Bullen (70 Stimmen)
6. KW 2010: 62% Bullen (72 Stimmen)
Durchschnittlich erwarteter DAX-Endstand für heute: 5.481

PRIVATANLEGER KAUF
Solarworld, Q-Cells

PRIVATANLEGER VERKAUF
Volkswagen St, Altera

Die Sentiment-Daten wurden in Zusammenarbeit mit Sharewise
erstellt: http://www.sharewise.com?heibel


So, heute gehen die Börsen wieder auf Tauchstation, weil zwei
meiner oben genannten positiven Entwicklungen wieder ins
Negative gedreht haben: China erhöht seinen Mindestreservesatz,
führt also bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr restriktive
geldpolitische Maßnahmen durch. Und Obama hat einem neuesten
Umfragspiegel der New York Times zufolge wieder deutlich an
Rückhalt in der Bevölkerung gewonnen, er kann also seinen
Feldzug gegen die gierigen Banken fortsetzen.

Kein Wunder, dass der Dow Jones mit 1,5% im Minus gestartet ist
und der DAX seine Gewinne abgegeben hat. Wie es weitergehen
könnte lesen Sie im nächsten Kapitel.


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03. AUSBLICK: NEUEMPFEHLUNG EINES AUTOMOBILZULIEFERERS
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04. KOLUMNEN-TICKER: FREENET, E*TRADE
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FREENET: QUARTALSERGEBNIS – ERWARTUNGEN UM DAS VIERFACHE
ÜBERTROFFEN

09.02.10 | 13:55 Uhr

Heute hat freenet sein Ergebnis für das Jahr 2009 vorgelegt.
Analysten hatten einen Gewinn von 0,48 Euro je Aktie erwartet,
Vorstandschef Christoph Vilanek meldete jedoch einen
Nettogewinn von umgerechnet 2 Euro je Aktie.

Die Neuausrichtung und Umstrukturierung laufe planmäßig und
schon heute zahlt sich die neue Strategie aus: freenet
verzichtet auf arbeitsaufwändige und geringmargige Geschäfte
mit Prepaid-Kunden und baut das Geschäft mit Vertragskunden im
Mobilfunkgeschäft aus.

Trotz der Umstrukturierung konnte freenet den Umsatz um 40%
steigern. Das lag knapp über den Erwartungen. Dank der
Konzentration auf hochmargige Geschäfte ist freenet nun in der
Lage, den durch die Übernahme von Debitel angehäuften
Kreditberg von 1 Mrd. Euro deutlich zu senken. Im Jahr 2009
wurden nach Aussage von Vilanek 40% der Verbindlichkeiten
zurückgeführt.

Der Cashflow je Aktie betrug 2,40 Euro, der Gewinn 2 Euro.
Neben der Rückführung der Verbindlichkeiten, die Vilanek zur
Voraussetzung für eine Dividende machte, konnte nunmehr auch
eine Dividende von 0,20 Euro vorgeschlagen werden. Sie sehen
also, dass freenet ein super Geschäftsjahr abgeschlossen hat
und nach der konsequenten Rückführung der Verbindlichkeiten ist
es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch freenet sich an den
hohen Dividendenrenditen der Telekom-Branche wird messen
lassen. Die Deutsche Telekom beispielsweise hat eine
Dividendenrendite von 8,5%.

In den vergangenen Wochen haben Gerüchte über den Ausstieg
einiger Großaktionäre bei freenet den Kurs unter Druck gesetzt.
Der Kurs konnte sich kaum über 9 Euro halten. Mit der heutigen
Meldung scheint dieser Knoten geplatzt zu sein, die Aktie ist
auf 9,50 Euro geschossen und meiner Einschätzung nach dürften
die Großaktionäre ihre Verkäufe nun bald beenden. Anschließend
wird die Aktie ein neues Bewertungsniveau suchen, das den
nunmehr verbesserten Geschäftsaussichten entspricht.
Für das abgelaufene Jahr 2009 notiert die Aktie aktuell auf
einem KGV von 5. Zum Vergleich: Die Deutsche Telekom, die mit
rückläufigen Umsätzen aus der Festnetzsparte zu kämpfen hat,
notiert auf einem KGV von 13. Da gibt es also noch genug
Bewertungspotential für die Aktien von Freenet.
Vor dem Hintergrund der konsequenten Schuldenrückführung und
der damit einhergehenden Verbesserung der Bilanz sowie den in
der Zukunft durch die sinkenden Zinslasten steigenden
Gewinnaussichten (Oh Gott, was für ein Satz!) dürfte sich das
Bewertungsniveau weiter optisch verbilligen, der Kurs hat
reichlich Spiel.

In meinen Augen ist freenet daher durch den heutigen
Kursausbruch und die positiven Entwicklungen im Konzern wieder
ein Kauf. Als Kursziel für die nächsten 6 Monate habe ich mir
12 Euro vorgemerkt.


FREENET: KONJUNKTURUNABHÄNGIGES WACHSTUM UND GÜNSTIGES
BEWERTUNGSNIVEAU

10.02.2010 | 11:26 Uhr

Aus ihrem Feedback zu meinem gestrigen Artikel sehe ich, dass
die Gründe für das gute Geschäftsjahr 2009 von freenet noch
nicht richtig verstanden werden. Kosequentes Kostenmanagement
und eine anziehende Konjunktur werden immer wieder als Gründe
angeführt, doch das stimmt nicht ganz.

Meiner Ansicht nach übersehen Anleger den Trend zu hochwertigen
Mobilfunkangeboten. Pre-Paid spielt eine immer unwichtigere
Rolle, Vertragskunden bauen ihre Mobilfunknutzung immer weiter
aus. Studenten verzichten auf ein Festnetztelefon und setzen
stattdessen auf ein Mobilfunkangebot mit Flatrate. Häufig wird
noch ein Datentarif hinzugefügt um ins Internet zu kommen.

In der Berufswelt bauen immer mehr auf das mobile Internet mit
schnellen Übertragungsraten des 3G (UMTS). So können inzwischen
selbst große Dokumente von unterwegs verschickt oder empfangen
werden, selbst das Fernsehen bzw. das Streamen von
Videosequenzen ist inzwischen mit brauchbarer Qualität möglich.
Hier kann freenet aggressiv neue Angebote schneidern und diesen
Trend seinen Kunden näher bringen bei gleichzeitig attraktiven
Gewinnmargen. Denn wer diese neuen Möglichkeiten nutzen möchte,
der schaut nicht auf den letzten Cent, sondern dem ich
wichtiger, dass die Dienste zuverlässig funktionieren.

Da freenet auf diesen Trend hin zu qualitativ hochwertigeren
Mobilfunkangeboten setzt, kann das Unternehmen seine
Gewinnmarge und gleichzeitig auch seinen Umsatz steigern.
Dieser Trend hat gerade erst begonnen und ich erwarte für
freenet nach diesem von Umstrukturierung gezeichneten Jahr nun
eine aggressive Wachstumspolitik, die in den kommenden
Quartalen für ordentlich steigende Gewinne sorgen dürfte.


E*TRADE AUF DEM LANGEN WEG ZUR BESSERUNG



Vor etwas über zwei Jahren war Mitch Caplan, CEO von E*Trade,
so ziemlich der Erste, der die Alarmglocken für die wachsende
Anzahl fauler Kredite, insbesondere Immobilienkredite, im
eigenen Hause läutete. Kein anderer CEO der großen Banken, die
in den Jahren 2004 bis 2007 ziemlich skrupellos Kredite an
Jedermann ausgaben, ohne die Solvenz ordentlich zu prüfen,
wagte es, das Drama in seiner Gänze offen zu legen. So dauerte
es nunmehr über zwei Jahre und noch immer wissen wir bei einer
ganzen Zahl von Banken kaum, wie groß deren gefährdete Kredite
und Immobilienderivate wirklich sind.

Mitch Caplan erkannte seinen Fehler, immerhin hatte er selbst
dieses Geschäft vorangetrieben, deckte alle Zahlen auf und
musste kurze Zeit später seinen Hut nehmen. Für zwei Jahre war
nun Don Layton Interims-CEO und er schaffte es, E*Trade die
Eigenständigkeit zu bewahren. Die Abschreibungen auf Kredite
fraßen in die Kapitaldecke des Unternehmens. Eine
Liquiditätsspritze von Citadel in Höhe von zwei Milliarden USD
half dem Unternehmen über die Runden, doch erst die Umwandlung
der zunächst als Anleihen ausgegebenen Papiere in Aktien sorgte
für eine verträgliche Bilanz. So ist Citadel heute der größte
Aktionär von E*Trade und hat einen Sitz im Aufsichtsrat.

Im 3. Quartal 2009 hat Don Layton vollständig ausgemistet.
Statt des erwarteten Verlustes von sechs Cents je Aktie nahm er
Abschreibungen auf die ausstehenden Kredite vor, die den
Verlust auf 66 Cents je Aktie erhöhten. Für mich sieht das so
aus, als wolle er ein sauberes Haus übergeben, denn zum
31.12.2009 endete der Interims-Vertrag mit Layton.

Nun sucht E*Trade einen neuen CEO und vermeldete vor zwei
Wochen auf der Pressekonferenz zum Quartalsergebnis, dass es
einen Wunschkandidaten gebe, mit dem man in Verhandlung stehe.
Derzeit ist E*Trade also kopflos.

Das Quartalsergebnis des 3. Quartals lag nun mit einem Verlust
von 4 Cents je Aktie im Rahmen der Erwartungen. Die
Abschreibungen auf Kredite gehen deutlich zurück. Das niedrige
Zinsniveau ermöglicht es dem Untenehmen, die Kredite günstig zu
refinanzieren und somit einen Zinsgewinn zu erwirtschaften. Der
sich stabilisierende Immobilienmarkt und die anziehende
Wirtschaft helfen den Kreditnehmern, ihre Schulden ordentlich
abzutragen.

Doch das eigentliche Kerngeschäft von E*Trade, das Brokerage-
Geschäft, steht nunmehr unter Druck. Nach den turbulenten
Handelsumsätzen an der Börse während der Finanzkrise ebbt das
Interesse von Privatanlegern an der Börse nun ab. Die Anzahl
der Transaktionen ging im 4. Quartal 2009 um 16% zurück. Auch
andere Online-Broker wie Charles Schwab und TD Ameritrade haben
dies gespürt und starteten einen heftigen Preiskampf. So hat
nun auch E*Trade den Orderpreis von 12,99 auf 9,99 USD gesenkt.

E*Trade hat also drei Baustellen: Das große Volumen an
schlechten Krediten. Dort ist Besserung in Sicht. Die
Kopflosigkeit. Dort ist ein Kandidat in Sicht. Und das
rückläufige Kerngeschäft. Hier ist eine neue Strategie gefragt.

Mit hohen Verlustvorträgen und einer guten liquiden Ausstattung
ist E*Trade zudem ein attraktives Übernahmeziel und nicht erst
einmal kursierte das Gerücht über eine mögliche Übernahme durch
TD Ameritrade. Bislang haben sich die Gerüchte jedoch
zerschlagen.

Fazit: Wenngleich die alten Probleme langsam gelöst werden, so
scheint mir das Geschäftsmodell von E*Trade derzeit nicht
besonders attraktiv. Es gibt einen Verdängungswettbewerb, bei
dem kapitalkräftigere Wettbewerber vermutlich die besseren
Karten haben. Ich würde mit einem Investment also warten, bis
ein neuer CEO seine Strategie kund tut. Manchmal wird schon
allein durch die Nominierung des CEOs offensichtlich, wohin die
Reise gehen wird. Denn jeder CEO hat eine Vorgeschichte, hat
Stärken und Kompetenzen.

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05. SONDERANALYSE SAP: ÜBERRASCHENDER WECHSEL IM VORSTAND
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SAP: ZURÜCK ZU DEN WURZELN: SOFTWAREENTWICKLUNG STATT
MARKETINGSTRATEGIEN

08.02.10 | 12:50 Uhr

Leo Apotheker ist gestern Abend überraschend als Vorstandschef
von SAP zurückgetreten. Der Vertriebsprofi hatte durch sein
rabiates Vorgehen bei Preiserhöhungen für die Wartungskosten
(von 17 auf 22% des Kaufpreises) viele Kunden verärgert.
Zusätzlich lastet man ihm die Verzögerungen bei der Einführung
neuer internetbasierter Mittelstandslösungen an.

Bei Procter & Gamble oder bei Unilever sehe ich gerne einen
Vertriebsprofi an der Spitze. Denn heute waschen alle
Waschmittel hinreichend sauber und die Unterschiede bei Windeln
sind marginal. Wer das bessere Marketing hat verkauft mehr
Windeln heißt es in diesem konsumentenorientierten Geschäft.
Doch bei Unternehmenssoftware funktioniert diese Weisheit nicht
und so hatte ich schon vor drei Jahren, als der Vertriebsprofi
Leo Apotheker zum Kronprinz von Henning Kagermann auserkoren
wurde, meine Kritik an dieser Wahl geäußert.

Intel und Dell haben den gleichen Fehler begangen: Nachdem
deren Produkte als perfekt angesehen wurden, sollte ein
Vertriebsprofi den Umsatz steigern. Doch in atemberaubendem
Tempo hat die Konkurrenz den technologischen Vorsprung Intels
bzw. Dells in einen Rückstand verwandelt und die Umsätze sowie
insbesondere die Gewinnmargen schrumpften. Bei beiden
Unternehmen sind heute wieder Ingenieure bzw. Techniker, bei
Dell sogar der Gründer Michael Dell, am Ruder. Doch Intel hat
Marktanteile bei mobilen Prozessoren nachhaltig abgegeben und
Dell hat seine Führungsrolle an Hewlett Packard verloren.

Immerhin hat SAP nur ein Jahr benötigt, um diese gefährliche
Entwicklung zu erkennen und Firmenmitbegründer Hasso Plattner
höchstpersönlich riss gestern Abend das Ruder herum: Der
Aufsichtsrat, dem er vorsitzt, bestellte zwei Ausländer
gemeinschaftlich zu Vorstandschefs. Bill McDermott (USA, wieder
ein Vertriebsprofi) und Jim Hagemann Snabe (Däne, ein Techniker
und bisher Produkt- und Entwicklungsvorstand) sollen nun das
Ruder herumreißen. Gleichzeitig bittet der Aufsichtsrat, dem,
ich wiederhole mich gerne, Hasso Plattner vorsitzt, Hasso
Plattner eine stärkere Rolle im operativen Geschäft zu
übernehmen.

Für mich sieht das so aus wie eine Rückkehr von Hasso Plattner
in die Unternehmensführung, jedoch ohne die volle Last der
Verantwortung für das Tagesgeschäft zu tragen. In meinen Augen
kann das wieder nur eine Übergangslösung sein. Plattner,
Jahrgang 44 und somit 66 Jahre alt, ist zu alt für den
Vorstandssessel, aber dennoch nah genug am Geschehen um
einzugreifen. Doch einen brauchbaren Vorstandschef hat SAP
offensichtlich nicht zur Hand, daher die Doppelspitze unter der
Regie von Plattner.

Strategisch ist das Vorgehen von SAP in meinen Augen konsequent
und richtig. Intel und Dell haben jeweils über 5 Jahre
benötigt, um den Fehler zu erkennen und zu korrigieren. SAP ist
da schneller. Mutige, zukunftsweisende Entscheidungen sind von
der doppelten Führungsspitze nicht zu erwarten. Es bleibt also
zunächst ungewiss, wie stark sich Plattner einbringen wird und
wie lange es dauern wird, bis ein neuer alleiniger
Vorstandschef gefunden wird.

Mit einem KGV 2010e von 16 ist SAP günstig bewertet. Umsatz und
Gewinn sollen Analysten zufolge um 7-10% steigen. Gleichzeitig
blickt das Unternehmen auf ein stolzes Liquiditätspolster von
2,7 Mrd. Euro. Unter der neuen Führung wird SAP wohl die
Aufwendungen für Neuentwicklungen heraufschrauben und so die
Gewinnmarge schmälern. So wird die Aktie meiner Einschätzung
nach in einer ersten Reaktion vom Markt unter Druck geraten.
Mittel- und langfristig ist das jedoch die richtige Strategie.

Ich würde also mit dem Kauf der SAP Aktie ein paar Monate
warten, bis die neue Strategie kommuniziert wurde und in den
angepassten Erwartungen der Analysten enthalten ist.
Insbesondere würde ich auf Hinweise über einen künftigen
Vorstandschef sowie über die Rolle von Hasso Plattner achten.
Doch vorerst würde ich die Aktie meiden. Erst 10% unter dem
heutigen Kursniveau von 33 Euro sehe ich eine Kaufgelegenheit
für SAP.



Pressekonferenz von SAP mit Hasso Plattner zum überraschenden
Weggang von Leo Apotheker

08.02.2010 | 15:43 Uhr

Zunächst dankt Hasso Plattner der Doppelspitze von 2008 Leo
Apotheker & Henning Kagermann, die SAP mit unpopulären aber
notwendigen Maßnahmen auf die bevorstehende Krise vorbereitet
haben, die 2009 auch die Softwarebranche traf. Das hört sich
an, als würde Plattner seinem Ziehkind Leo Apotheker den Rücken
stärken wollen.

Direkt anschließend spricht er über die Internet-Lösung für
kleine und mittelständische Unternehmen „ByDesign“, deren
Entwicklungsprobleme Medienberichten zufolge zum Scheitern von
Leo Apotheker geführt hätten. Plattner sagt, das sei nicht
wahr. Apotheker habe das Projekt maßgeblich vorangetrieben.

Der Fokus von SAP werde künftig auf die Gewinnmarge, Wachstum
und technologische Entwicklung (Innovation) gelegt. Es sei
klar, dass man Wachstum benötige, dies aber schnell zu Lasten
der Gewinnmarge gehen könnte, wenn man mit technologischen
Entwicklungen ins Hintertreffen gerate. So wolle man künftig
diese drei Komponenten strikt verfolgen.

Es werde Änderungen im Führungsstil geben, die schon lange mit
Apotheker besprochen waren, jedoch nicht umgesetzt würden.

Neue Technologien werden stärker berücksichtigt, Plattner nennt
explizit die Abbildung von großen Anzahlen an Transaktionen zu
kleinen Beträgen. Er nennt das Apple iPad als weiteren Beweis
dafür, dass es immer mehr kleine Transaktionen über das
Internet geben wird. Ich denke, er spricht damit iTunes und die
Apps für iPod und iPhone an, die für Pfennigbeträge über das
Internet herunter geladen werden können, ohne hohe
Transaktionskosten zu verursachen.

Plattner bedankt sich bei den treuen Kunden und bittet um
Geduld, denn aufgrund der großen Verbreitung der SAP Software
könne diese nicht über Nacht verändert werden, sondern
Änderungen benötigen Zeit. Damit diese Änderungen reibungslos
implementiert werden könnten benötige man eben mehr
Vorbereitungszeit. Darüber hinaus sehe er viele Kunden, die
unter großem Medienrummel weg von SAP Software zu Wettbewerbern
gegangen waren, heute kleinlaut zu SAP zurückkehren.

Plattner beendet seine Rede mit erneut dem Hinweis darauf, dass
er die Gewinnmarge des Unternehmens besonders verfolgen werde:
Wachstum, Gewinnmarge und Innovation seien die drei Kernthemen
für SAP.

Q/A

Hauptproblem, das Analysten ansprechen, ist die Sorge, dass
steigende Entwicklungskosten die angestrebte Gewinnmarge von
35% in Frage stellen könnten. Plattner geht darauf jedoch nicht
näher ein, er verweist auf die öffentlichen Zahlen, an denen
SAP festhalten werde. Man solle berücksichtigen, dass der
prozentuale Anteil der Entwicklungskosten falle, wenn der
Umsatz steigt und die absoluten Entwicklungskosten konstant
blieben.

Plattner bestätigt, dass die Doppelspitze keine vorübergehende
Lösung sein muss, sondern insbesondere bei SAP entweder
offiziell, meist aber auch inoffiziell de facto der Fall war.
Er vergleicht mit Oracle sowie auch Microsoft: Diese
Unternehmen hätten ihre größten Erfolge unter einer
Doppelspitze erlebt.

Über die Hintergründe zu Apothekers Weggang möchte Plattner
nicht Stellung nehmen. Er bestätigt, dass er gemeinsam mit Alt-
CEO Henning Kagermann für die Nominierung verantwortlich war.
Und so sei er nun für die Entscheidung verantwortlich, den
Wechsel bei SAP (sprich den Weggang von Apotheker) zu
forcieren.

Erneute Nachfrage nach Hintergründen für Weggang von Apotheker
beantwortet Plattner erneut nicht: Er möchte nur über die
Zukunftsaussichten sprechen.

Plattner spricht von großen Änderungen, die der IT-Branche
bevorstehen. Begonnen mit Cloud-Computern werde die Entwicklung
zu großen Supercomputern gehen, die viele Aufgaben mit
variablen Resourcen verarbeiten und gleichzeitig wieder
Bestandteil einer weltweiten Cloud seien. Vor dem Hintergrund
dieser Änderungen werde SAP nicht still stehen, sondern mit
aller Kraft voraus preschen, um diese Entwicklung für sich zu
nutzen. Gleichzeitig müsse SAP jedoch auf die Bestandskunden
achten und könne daher nicht so flexibel agieren wie Start-Up
Unternehmen.

Auch die Entscheidung über die Preiserhöhung für die
Wartungskosten verteidigt Plattner als eine Entscheidung von
SAP, nicht von Apotheker, da er persönlich darin involviert
gewesen sei und die 100 größten Kunden von SAP damit sehr
zufrieden waren. Man habe die mittelständischen Kunden
übersehen und das war ein Fehler, den SAP gemacht habe ... man
müsse das aufarbeiten. Dies war jedoch auch nicht der Grund für
den Weggang von Apotheker.

Die neue Doppelspitze des Unternehmens werde Mittwoch und
Donnerstag in Vorstandssitzungen über die neue Struktur
beraten, sich am anschließenden langen Wochenende einarbeiten
und stehe ab kommenden Montag voll einsatzfähig für Fragen Rede
und Antwort.

Mein Fazit: Plattner war schon immer der umtriebige
Unternehmenslenker mit immer neuen Ideen. Nun sieht er eine
Revolution in der IT-Welt hin zu einer großen Anzahl von
Transaktionen mit kleinen Umsätzen, für die eine SAP Software
heute noch nicht optimal ausgelegt ist. Diese Entwicklung
möchte er nicht verschlafen und wird meiner Einschätzung nach
daher genau dort die Entwicklung vorantreiben. Ein
Vertriebsprofi wie Leo Apotheker ist für eine solche
Marktsituation nicht der geeignete Mann, es muss sich nun
zeigen, ob der dänische Mathematiker Jim Hagemann Snabe dieser
Aufgabe gewachsen ist.

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06. BEOBACHTETE WERTE
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Bitte beachten Sie auch den Kundenbereich auf meiner
Internetseite unter www.heibel-ticker.de. Dort finden Sie
aktuelle Charts mit meinen jeweils aktualisierten
Einschätzungen.

==========

Im Wochenverlauf habe ich zu mehreren Titeln Anmerkungen im
Kundenbereich der Webseiten verfasst. Selten sind diese
Anmerkungen nur tagesaktuell, es reicht in der Regel, wenn Sie
einmal die Woche dort hinein schauen.

Auf der Einstiegsseite heibel-ticker.de sehen Sie im Ticker am
oberen Bildrand auf den ersten Blick, zu welchen Titel aktuelle
Anmerkungen erstellt wurden.

Hier nun die Übersicht über die offenen Positionen. Wie
angekündigt habe ich jeweils die langfristigen von den
spekulativen Positionen getrennt. Bei den langfristigen
Positionen werde ich in den kommenden Wochen jeweils eine
Risikostreuung berücksichtigen.

Unter „Änd“ steht die Gesamtveränderung seit Empfehlung. Unter
„Woche“ steht die Änderung zur Vorwoche. Unter „Empf.“ steht
die Empfehlung, ob diese Position zu
H - Halten,
K - Kaufen,
NK – Nachkaufen,
V – Verkaufen,
TV - Teilverkaufen ist oder mit einem
SL - Stopp Loss
KL - Kauflimit oder
VL - Verkaufslimit versehen werden sollte.

Auch dieses Kapitel bleibt den zahlenden Abonnenten des
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dafür, aber ohne eine kleine Einnahmequelle kann ich diesen
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Wer un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen
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un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen in Umlauf
setzt, wird mit Lust-, manchmal auch mit Erkenntnisgewinn
belohnt; und wenn alles gut geht, fällt davon sogar etwas für
Sie ab. (frei nach Robert Gernhardt)

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