Heibel-Ticker 12/15 - Euro-Chaos kehrt zur Börse zurück

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H E I B E L - T I C K E R S T A N D A R D

F I N A N Z I N F O R M A T I O N E N

- Einfach einen Tick besser -
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DEUTSCHE BIBLIOTHEK : ISSN 1862-5428

7. Jahrgang - Ausgabe 15 (13.04.2012)
Erscheinungsweise: wöchentlich Freitag/Samstag
* Bitte Schriftart Courier einstellen *
(-;______________________________________________;-)

I N H A L T

01. INFO-KICKER: EURO-CHAOS IST ZURÜCK
02. SO TICKT DIE BÖRSE: REIZTHEMA ESM RETTUNGSFONDS
03. AUSBLICK: KORREKTUR VOR BERICHTSSAISON
04. DEPOTCHECK: APPLE, ANDRITZ, NOVO NORDISK, NESTLE,
FUCHS PETROLUB
05. TV-INTERVIEW AM MITTWOCH: GIGASET & DRILLISCH
06. BEOBACHTETE WERTE
07. DISCLAIMER / HAFTUNGSAUSSCHLUSS UND RISIKOHINWEISE
08. AN-/ABMELDUNG

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01.INFO-KICKER: EURO-CHAOS IST ZURÜCK
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Liebe Börsenfreunde,

oho, verschuldete Euroländer sind wieder auf den Titelseiten!
Die Börse hat sich nun drei Monate um Unternehmen gekümmert,
doch nun kehren die Euro-Sorgen zurück in die Schlagzeilen. Im
heutigen Kapitel 02 habe ich Ihnen eine etwas andere
Betrachtung zum umstrittenen ESM ausgearbeitet. Ich denke, das
wird helfen, die Vorgänge ins rechte Licht zu rücken.

China wächst langsamer als erwartet, doch in meinen Augen ist
das positiv. Mehr dazu ebenfalls in Kapitel 02. Zuletzt gehe
ich noch auf die astronomischen Summen ein, die von Google,
Facebook und Microsoft derzeit für Übernahmen und Patente
gezahlt werden. Eine ganz neue Entwicklung, die bislang kaum in
Unternehmensbewertungen eingeflossen ist.

Im Ausblick lesen Sie dann meine Erwartung für die
Börsenentwicklung im weiteren Verlauf des Aprils.

Der heutige Depotcheck zeigt Ihnen ein mustergültiges Depot mit
einer Reihe von attraktiven Dividendentiteln. Mehr dazu in
Kapitel 04.

Im Fernsehen wurde ich nach Gigaset und Drillisch befragt.
Gigaset hat sich liquide Mittel beschafft, doch leider fehlt
ein sinnvoller Investitionsplan. Drillisch investiert seine
Mittel lieber in die Konkurrenz als in den Ausbau des eigenen
Geschäfts.

Wie immer gibt es wichtige Updates in Kapitel 06 zu unseren
offenen Positionen, die Sie nicht verpassen dürfen.

Die PDF-Version dieser Ausgabe wird Ihnen ab morgen früh im
Archiv sowie unter dem folgenden Link zur Verfügung stehen:
http://www.heibel-ticker.de/downloads/hts120413.pdf

Nun wünsche ich eine anregende Lektüre,

take share, Ihr
Börsenschreibel

Stephan Heibel

Chefredakteur und
Herausgeber des
Heibel-Ticker


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02. SO TICKT DIE BÖRSE: REIZTHEMA ESM RETTUNGSFONDS
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Beinahe täglich werde ich derzeit von Lesern nach meiner
Meinung zum ESM befragt, dem europäischen Rettungsfonds, der ab
Juli den EFSF als Rettungsfonds für überschuldete europäische
Staaten ablösen soll und derzeit mit 700 Mrd. Euro ausgestattet
werden soll. Schaffen wir uns dort ein Monster, das wir
anschließend nicht mehr beherrschen können? Ist dies das Ende
der Demokratie?

Bei den Tonnen von Dokumenten, die ich inzwischen gesichtet
habe, habe ich überwiegend den Eindruck, dass die Angst vor der
neu zu schaffenden Institution die treibende Kraft der Kritik
ist. Bei einigen anderen Kritikern würde ich reine politische
Taktik unterstellen. Um mir eine eigene Meinung zu bilden, die
ich hier im Heibel-Ticker vertreten kann, blieb mir nichts
anderes übrig, als mich selber durch den Vertragstext zu
kämpfen.

Bei meiner Analyse sind am Ende auch ein paar bedenkliche
Kritikpunkte übriggeblieben, die ich Ihnen nun erläutern
möchte.

Wir müssen zwischen zwei Gesichtspunkten unterscheiden: Zum
einen das finanzpolitische Ziel des ESM, die Stabilität im
Euroraum zu gewährleisten und instabilen Ländern zu helfen,
auch wenn einzelne Euroländer nicht gerne helfen würden und zum
anderen den Weg, um dieses Ziel mit den verschiedenen
Grundgesetzen und Verfassungen der einzelnen Euroländer zu
erreichen.

Das Ziel wird vielfach kritisiert. Überschuldete Euroländer
sollen dem Willen der Kritiker zufolge ihre Suppe selber
auslöffeln. Doch auch wenn wir in Deutschland es nicht
wahrhaben wollen, einer der großen Vorteile Europas auf den
internationalen Finanzmärkten ist eben genau die Solidarität,
die wir Euroländer füreinander aufbringen, um Euroland in
seiner heutigen Form zu erhalten. Nur so können auch die Club-
Med Länder in den Genuss der günstigen Zinsen kommen, und nur
damit können die Club-Med Länder mittelfristig einen gesunden
Wachstumspfad einschlagen, damit sie auch unseren
Wirtschaftsraum vergrößern helfen.

Ob Griechenland, Portugal, Spanien, Irland oder gar Italien,
die „Angriffe“ der Spekulanten gegen die jeweiligen
Staatsanleihen wurden aus zwei Gründen gefahren: Zum einen,
weil die Länder überschuldet sind und zum anderen, weil die
Handlungsfähigkeit und der Handlungswille der EU getestet
werden konnte.

Die Überschuldung der Länder ist Sache der einzelnen Länder.
Doch wenn wir füreinander einstehen sollen, dann müssen die
Länder sich an bestimmte Mindestregelungen halten, wie
beispielsweise die Schuldenbremse. So wurde zeitgleich mit dem
ESM auch die Schuldenbremse diskutiert, und sämtliche
Euroländer haben bereits den politischen Willen bekundet, die
Schuldenbremsen einzuführen.

Nachdem ein Euroland die Schuldenbremse nicht einhält und bevor
der ESM eingreifen muss, gibt es eine Reihe von
Eingriffsmöglichkeiten für die EU. Ein erster Schritt in
Richtung Fiskalunion. Und für ESM-Hilfen muss das überschuldete
Euroland tiefgreifende Eingriffe in die eigene Geldpolitik
zulassen, ein weiterer Schritt in Richtung Fiskalunion.

Lehnen wir uns einmal zurück und schauen wir uns den Stand der
EU einmal an: Seit 1992 gibt es die Kritik an der Euro-
Einführung: Eine Währungsunion ohne Fiskalunion (gemeinsame
Wirtschaftspolitik) sei zum Scheitern verurteilt. Und ja,
derzeit sieht es danach aus, als behielten die Kritiker Recht.

Doch wie soll die Fiskalunion aussehen? Wollen wir aus unserem
Wirtschaftsministerium einen zahnlosen Tiger wie die Bundesbank
machen, die hinter der EZB Kapitän zum Steuermann oder gar zum
Schiffsjungen degradiert wurde? Wollen wir die Fiskalpolitik
(Steuereintreibung, Subventionen, ...) nach Brüssel delegieren?
Ich für meinen Teil bin bei aller Europa-Begeisterung dazu nun
doch nicht bereit.

Also können wir Europa nicht nach dem Vorbild bestehender
Staaten bauen, auch nicht nach dem Vorbild der Vereinigten
Staaten von Amerika. Wir wollen ja ein Europa mit mündigen
Nationalstaaten und gleichzeitig mit der Sicherheit eines 400
Millionen Volkes.

So begibt sich die Politik auf Neuland und bildet den ESM in
Teilen als europäische kleine Schwester des weltweit agierenden
IWF, doch mit einigen Sonderrechten, die zunächst einmal
stutzig machen.

So darf der ESM das Nachschießen von Mitteln bei den
Mitgliedsstaaten einfordern, wenn der ESM dies für notwendig
erachtet. Der ESM kann also, wenn er will, theoretisch
unbegrenzt Mittel einfordern. Und wenn andere Mitglieds-staaten
nicht zahlen, dann erhöht sich die Zahlungspflicht der
verbleibenden Mitgliedsstaaten entsprechend. Klar, dass wir
Deutsche derzeit darin die Gefahr sehen, dass wir zuletzt ganz
Europa finanzieren müssen.

Dagegen kann sich Deutschland nicht wehren, denn der ESM kann
nicht verklagt werden, die Politik kann auch keinen Einfluss
auf die Entscheidungen im ESM nehmen. Der ESM ist, einmal
geschaffen, ein Monster, das uns alle in den Abgrund reißen
kann.

Doch ist diese Gefahr real? Ich glaube nein. Länder, die nicht
zahlen, dürfen im ESM auch nicht mehr abstimmen. Und so wird
die Entscheidung stets bei denen liegen, die noch zahlen
können. Es hilft, sich einmal die Zusammensetzung des ESM
anzuschauen.

Jedes Land entsendet einen Gouverneur in den ESM, der
entsprechend einer Kennziffer, die grob gesagt aus der
Wirtschaftskraft eines Landes errechnet wird, Stimmgewicht hat.
Wesentliche Entscheidungen müssen mindestens mit 85% Mehrheit
gefasst werden, und Deutschland hat heute ein Gewicht von 27%.
Gegen den Willen unseres Gouverneurs geht also gar nichts.

Doch der theoretischen Möglichkeit der unbegrenzten
Nachschusspflicht für das deutsche Volk erwächst die
Notwendigkeit, den ESM in Deutschland mit einer breiten
Mehrheit aus dem Volke zu untermauern. Derzeit versucht die CDU
einen Alleingang. Die Kritik aus der FDP wird durch eine
Partnerschaft mit der SPD in diesem Punkt übergangen. Wir
kommen somit zum zweiten Punkt, zum Weg zum ESM.

Die europäische Einigung ist alles andere als ein harmonischer
Prozess. Jedes Land verfolgt eigene Interessen im
Einigungsprozess und will sich hier und da ein paar Vorteile,
kulturelle Eigenarten oder ähnliches sichern. Bis heute konnte
man sich nicht auf eine europäische Verfassung einigen und
arbeitet daher behelfsweise auf der Basis der Verträge von
Lissabon.

Diese Basis ist ein kleinster Nenner, den die Politik umsetzen
konnte, ohne die breite Zustimmung der Völker einzuholen. Und
dieses dünne Brett führt bei jeder Gelegenheit zu weiterer
Kritik des Volkes am europäischen Einigungsprozess, so auch bei
der Schaffung des ESM.

Stellen Sie sich einmal vor das Volk stünde voll und ganz
hinter Europa, man würde natürlich sämtliche Schritte, die der
Einigung helfen, von der Regierung erwarten und unterstützen.
Doch das ist nicht der Fall, und so wird jede größere
Entscheidung wieder zum Anlass genommen, nach einem
Volksentscheid zu rufen, oder zumindest nach größer
parlamentarischer Beteiligung.

In dem Wust an verschiedenen Interessen gibt es also derzeit
einen Punkt, der auch in meinen Augen kritikwürdig ist: Die
fehlende breite Unterstützung für den ESM, eine fehlende
Volksabstimmung oder breitere parlamentarische Beteiligung.

Derweil nimmt der Druck auf Italien und Spanien wieder zu.
Nachdem Europa im Dezember unter Leitung von Angela Merkel
Einigkeit und Handlungswillen demonstriert hat, haben sich die
Märkte beruhigt. Nun kommt es zur Umsetzung der damals
beschlossenen Schritte, und parallel zur aufkommenden Kritik
geraten auch die Finanzmärkte wieder unter Druck. Italien hat
eine grottenschlechte Staatsanleihenauktion vor zehn Tagen
hingelegt. Spanien ruft um Hilfe bei der EZB und spricht von
der Grenze der Leistungsfähigkeit. Die Renditen schnellen schon
wieder in die Höhe.

Die fehlende Fiskalunion ist seit 1992 bekannt. Und doch haben
es Generationen von Politikern nicht geschafft, diesen Fehler
auszubügeln. Wenn Sie sich anschauen, zu welchem Zeitpunkt
sinnvolle Entscheidungen aus Berlin und Brüssel getroffen
wurden, dann werden Sie vielleicht auch zu der Überzeugung
kommen, dass ohne Chaos keine tiefgreifenden Änderungen möglich
sind.

So nehme ich an, dass wir wieder ein wenig mehr Chaos bekommen
und dass der ESM gleichzeitig verteufelt und vielleicht sogar
vor das Verfassungsgericht gezerrt wird. Doch vielleicht ist
dies eine Situation, in der die europäische Union
vorangetrieben wird ohne die Zustimmung des Volkes, ohne die
Zustimmung des Parlamentes. Vielleicht wird man in zehn Jahren
Angela Merkel große Führungsqualitäten bescheinigen während wir
heute nur auf die Verfahrensfehler hinweisen.

Vielleicht aber wird es sich herausstellen, dass nur
zusammenwächst was zusammengehört, und Europa gehört eben noch
nicht zusammen. Wenn dem so ist, dann wird Europa ohnehin im
Chaos enden. So einfach lässt sich nun der Rückwärtsgang nicht
mehr einlegen.

Warum also nicht mit voller Kraft voraus und das Risiko
eingehen, dass das Verfassungsgericht anschließend
Nachbesserungen einfordert, die man dann eben noch einbindet –
nachträglich, während der Einigungsprozess in vielen
europäischen Ländern ungebremst fortschreitet. Die Finanzmärkte
lassen keine Bremse mehr zu.

Meine Kritik würde ich also anders formulieren: Dem ESM fehlt
die Basis einer europäischen Verfassung. Europäische Völker,
nicht nur wir Deutschen, fühlen sich in den europäischen
Einigungsprozess nicht eingebunden. Ein durchs Hintertürchen
abgeschlossener Staatsvertrag von Lissabon kann nicht die Basis
für ein vereintes Europa sein, die Europäer sind sich über ihre
Rechte und Pflichten nicht einig.

Es ist eine Kritik, die Europa letztlich zum Scheitern bringen
kann. Doch aus pragmatischer Sicht und als überzeugter Europäer
würde ich nicht den ESM zum Vehikel nehmen, diesen Malus nun
anzuprangern. Das würde zum vorzeitigen Ende Europas führen.


Schauen wir einmal, wie sich die einzelnen Indizes diese Woche
entwickelt haben:

WOCHENPERFORMANCE DER WICHTIGSTEN INDIZES

INDIZES 12.04.12 DIFF
Dow Jones 12.987 -0,7%
DAX 6.743 -0,6%
Nikkei 9.638 -1,3%
Euro/US-Dollar 1,307 -0,6%
Euro/Yen 105,7635 -2,2%
10-Jahres-US-Anleihe 1,99% -0,3
Umlaufrendite Dt 1,42% -0,1
Feinunze Gold USD $1.667,10 2,7%
Fass Brent Öl USD $121,46 -1,5%
Kupfer in US$/to 7.990 -4,8%
Baltic Dry Shipping I 960 3,7%


SORGEN ÜBER CHINA

China wächst „nur“ noch mit 8,1%. Erwartet wurde ein Wachstum
von 8,4%, im Vorjahr waren es noch 8,9%. Eine Bruchlandung der
Wirtschaft in China wird nun befürchtet, dabei ist die Ziffer
in meinen Augen eher ein Beweis für den Erfolg der restriktiven
Geldpolitik Chinas und darüber hinaus das Signal, nun wieder
die Zügel zu lockern. Ich habe mich also über die „schlechtere“
Wachstumsziffer gefreut, denn ich möchte endlich weitere
geldpolitische Lockerungen in China sehen.

An den Märkten wurde überwiegend negativ auf die Zahl reagiert,
da man Angst hat, China könnte zu stark ausgebremst haben und
nun folgt eine Bruchlandung der Wirtschaft, was die
Weltkonjunktur in Mitleidenschaft ziehen würde.

Ich nehme an, dass China nunmehr so lange als Grund zur Sorge
herangezogen wird, wie das Wachstum unter 9% verbleibt. Meiner
optimistischen Erwartung zufolge sollten Lockerungsmaßnahmen
dazu führen, dass zum Ende des Jahres wieder Wachstumsraten
nördlich der 9% erreich werden. Bleibt das aus, dann haben wir
tatsächlich Probleme. Sinkt das Wachstum in den kommenden
Monaten weiter ab, dann werde auch ich besorgt.

Doch bis dahin bleibe ich bei meiner Einschätzung, dass China
die Abkühlung der eigenen Wirtschaft gut im Griff hat.

Schauen wir einmal, wie sich die Stimmung unter Anlegern und
Analysten entwickelt:

SENTIMENTDATEN

Analysten
Empfehlungen (Anzahl Empfehlungen):

Kaufen / Verkaufen
23.03.- 30.03. (229): 46% / 18%
30.03.- 05.04. (153): 47% / 12%
05.04.- 13.04. (159): 49% / 15%

Kaufempfehlungen der Analysten
Danone, BASF, Cisco

Verkaufsempfehlungen der Analysten
Nokia, Carrefour, Unilever

Privatanleger
13. KW: 70% Bullen (193 Stimmen)
14. KW: 65% Bullen (177 Stimmen)
15. KW: 66% Bullen (183 Stimmen)

Kaufempfehlungen der Privatanleger
Commerzbank, Electricite de France, SGL Carbon

Verkaufsempfehlungen der Privatanleger
Supervalue, Coca Cola, CFAO

Die Sentiment-Daten wurden in Zusammenarbeit mit Sharewise
erstellt:
http://www.sharewise.com?heibel


Hui, die Stimmung bleibt verhältnismäßig negativ. Die Bären
kommen aus ihren Höhlen und nisten sich so langsam auf dem
Börsenparkett ein.


TOP-ANALYSTENZIELE

Sie wollen wissen, was die Analysten im Einzelnen für Aussagen
treffen und wo sie die größten Chancen sehen? Ich habe für Sie
ab sofort jede Woche eine Übersicht der Analysen mit den
höchsten Kurszielen ausgearbeitet. Die Liste zeigt ganz einfach
an, wo das aktuelle Kursziel des Analysten prozentual am
meisten über dem aktuellen Kurs liegt:

Firma Analyse vom Kurs Ziel Upside
SKY Dtl. 12.04. 2,01€ 4,25€ 111,44%
RHÖN-KLINIK 13.04. 13,95€ 22,00€ 57,71%
PORSCHE 10.04. 42,70€ 66,00€ 54,57%
BAUER AG 13.04. 19,80€ 28,00€ 41,41%
LUFTHANSA 13.04. 9,96€ 14,00€ 40,56%
Gigaset 10.04. 2,28€ 3,20€ 40,35%
CELESIO AG 13.04. 12,83€ 18,00€ 40,30%
VOLKSWAGEN 13.04.129,06€180,00€ 39,47%
KLOECKNER 12.04. 10,14€ 14,00€ 38,07%
LANXESS AG 11.04. 58,61€ 80,00€ 36,50%

Es handelt sich um Analysen aus dieser Woche. Bitte genießen
Sie diese Übersicht mit Vorsicht. Sie wissen ja, dass häufig
auch ein Eigeninteresse des Analysten für eine rosa Brille
sorgen kann, weshalb Analysteneinschätzungen tendenziell
optimistischer ausfallen als es die Realität anschließend
erlauben würde. Aber die Übersicht gibt einen Eindruck darüber,
wo die Erwartungen mit dem aktuellen Kurs am weitesten
auseinander liegen. Wer letztlich Recht haben wird, der Analyst
oder die Anleger, die den Kurs machen, ist in jedem Einzelfall
individuell zu beurteilen.


GOOGLE HEBT STRATEGIE ÜBER ZAHLEN

Gestern Abend hat Google seine Zahlen vorgelegt. Der Umsatz ist
stärker angewachsen als erwartet, doch der Gewinn blieb hinter
den Erwartungen zurück. Grund: Margenverfall bei der
Klickwerbung. Der durchschnittliche Klickpreis ging um 12%
zurück. Für ein Wachstumsunternehmen ist das nicht hinnehmbar,
es sei denn, es gibt nachvollziehbare Gründe dafür.

Doch diese Gründe lieferte Google nicht. Man verlor sich in
einer berauschenden Präsentation der Zukunftsstrategie, es
wurde auf die Vorteile von gründergeführten Unternehmen
verwiesen und gab einen Aktiensplitt im Verhältnis von 1:2
bekannt, wobei die neuen Aktien kein Stimmrecht erhalten
werden.

Die neuen Aktien sollen die Machtbasis des Gründerpaares
sichern, Akquisitionen sollen künftig mit stimmrechtslosen
Vorzugsaktien erfolgen.

Google hat ein KGV von 11, und alles, was ich gehört habe, hat
mich überzeugt. Bei einem KGV von inzwischen nur noch 11 kann
man eigentlich nichts kritisieren, schon gar nicht bei einer
erwarteten Wachstumsrate von 17% in den nächsten fünf Jahren!
Die Aktie ist billig.

Doch es fehlten mir genauere Angaben über die eingeschlagene
Strategie. Insbesondere Aussagen über die Art und Weise, wie
Motorola in den Konzern eingebunden werden soll, das
Unternehmen wurde kürzlich gekauft.

Und auch wie die Strategie für das mobile Internet aussieht.
Eine entsprechende Frage in der anschließenden
Analystenkonferenz wurde wie folgt beantwortet: Wir wollen
Android weiter verbreiten, damit wir eine breite Plattform für
unser mobiles Internet haben und darüber Werbung ausliefern
können.

Doch die Werbung über das Mobilfunknetz hat wesentlich kleinere
Gewinnmargen als die heutige AdWords-Werbung. Mich würde
interessieren, wie die Mobilfunkwerbung im Bereich von AdWords
kanibalisiert werden soll, in welchem Zeitraum hier ein
wesentlicher Umstieg auf das Mobilfunknetz erfolgen soll. Doch
darüber wurde nichts gesagt.

Ist der rückläufige Klickpreis bereits die Folge der
Mobilfunkstrategie von Google? Keine Antwort.

Google setzt alles auf das mobile Internet, das wurde mehrfach
in der Analystenkonferenz betont. Doch wenn es ums Detail ging,
verwies man darauf, dass auch die Integration von YouTube Jahre
gedauert habe, bis heute endlich Geld abgeworfen wird. Und um
sich nicht die Macht nehmen zu lassen, hat Google nun für
weitere Übernahmen Vorzugsaktien geschaffen. Das Gründerpaar
wird also unbehelligt agieren können. Hoffen wir, dass sie
weiterhin ein gutes Händchen haben.


FACEBOOK: 1 MRD. USD FÜR 13 PERSONEN

Facebook hat Instagram für eine Milliarde US-Dollar gekauft.
Instagram beschäftigt 13 Mitarbeiter und bietet einen Photo-
Dienst an, über den man seine Photos mit der ganzen Welt teilen
kann – ein soziales Photonetz sozusagen.

Eine Milliarde US-Dollar für dreizehn Mitarbeiter. Hier sehen
wir, dass Facebook heute schon, also deutlich vor seinem
Börsengang, im Geld schwimmt und sich das zukaufen kann, was
ihm gefällt. Ist hier eine Blase in der Entstehung? Ich kann es
mir gut vorstellen. Sollten Sie daher die Finger von Facebook
und anderen Aktien der sozialen Netze lassen? Nein, noch nicht
– lassen Sie die Blase ruhig noch etwas größer werden.


AOL: 1 MRD. USD FÜR 800 PATENTE

AOL ist inzwischen nur noch 1,7 Mrd. USD wert gewesen, da kauft
Microsoft aus heiterem Himmel dem Unternehmen 800 Patente für
eine Mrd. USD ab. Ein „immaterieller“ Wert, der in der
Unternehmensbewertung von AOL nicht im geringsten
berücksichtigt wurde. Über Nacht sprang AOL auf eine
Marktkapitalisierung von 2,5 Mrd. USD.

Google kauft Motorola und schert sich kaum um dessen
Hardwaregeschäft. Facebook kauft Instagram und schert sich kaum
um deren dünne Personaldecke. Microsoft kauft gleich nur noch
direkt die Patente. Was geht da vor?

Wenn wir uns dann die Meldungen anschauen, dann stellen wir
fest, wie viele Klagen weltweit anhängig sind. Jeder verklagt
jeden, könnte man meinen, selbst seinen Kunden und seine
treuesten Lieferanten. Wer verklagt wird, holt in jedem Fall
zum Gegenschlag aus und klagt zurück. Meist enden die Klagen
dann mit einem Vergleich. Vereinfacht gesagt könnte ich mir
vorstellen, dass die Parteien sich wie folgt einigen: Du hast
fünf Kilo relevante Patente, ich habe 7 Kilo, also musst Du mir
ein paar hundert Millionen überweisen. Wer blickt sonst denn
noch durch das Patentgewirr hindurch?

Patentklagen sind inzwischen ein maßgeblicher Teil der
Geschäftspolitik, und ich fürchte, dass dieser Teil weiter
anwächst.

Keine Ahnung, wie wir Privatanleger von diesem Trend
profitieren können, doch zeigt das Beispiel von AOL, dass
einige alte Internetdinosaurier durchaus noch Patente halten,
die einiges wert sein könnten. Ich denke da insbesondere an
Yahoo!, die seit Jahren keine vernünftige Strategie mehr auf
die Beine stellen. Irgendwann wird bei Yahoo! nicht mehr das
Geschäft bewertet, sondern die Patente.

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03. AUSBLICK: KORREKTUR VOR BERICHTSSAISON
==============================================================

Der Ausblick bleibt den zahlenden Abonnenten des
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dafür, aber ohne eine kleine Einnahmequelle kann ich diesen
Dienst nicht aufrecht erhalten.

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vergangenheitsbezogene Erklärungen von mir. Detaillierte
Analysen und Einschätzungen über die künftige Börsen-
entwicklung gibt es nur im kostenpflichtigen Heibel-Ticker
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Ticker PLUS baue ich kontinuierlich weiter aus und komme
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unsere offenen Positionen betreffen

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offenen
Positionen anzeigen lassen.

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04. DEPOTCHECK: APPLE, ANDRITZ, NOVO NORDISK, NESTLE,
FUCHS PETROLUB
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Nur wer ein diversifiziertes Portfolio hat, wer also in seinem
Depot eine gesunde Risikostreuung verwirklicht hat, wird bei
plötzlichen Korrekturen wie in diesen Tagen dennoch gut
schlafen können. Spekuliert wird hier im Heibel-Ticker nur mit
einem kleinen Teil des Vermögens. Der Rest wird auf solide Füße
gestellt.

Es folgt nun eine Analyse auf Risikostreuung von den 5 größten
Positionen eines Lesers. Dabei werde ich weniger auf die
einzelnen Werte eingehen, als viel stärker auf die Branchen, in
denen sie wirtschaften. Schicken Sie mir Ihre 5 größten
Positionen an Depotcheck/at/heibel-ticker/./de. Bitte
unterschreiben Sie mit Ihrem Vornamen und der Stadt, in der Sie
leben. Diese Information wird dann veröffentlicht.


FRAGE:

Hallo Herr Heibel,

seit dem Vorjahr habe ich nun Ihren Börsenbrief abonniert, und
ich kann aus Überzeugung sagen, dass ich Ihre Analysen ganz
hervorragend finde, habe ich mir doch schon verschiedene andere
Börsenbriefe auch angesehen.

Von Ihrem Angebot, eine Analyse meines Depots vorzunehmen,
mache ich gerne Gebrauch.

Meine fünf größten Positionen sind:

Aktie Depotanteil

Apple 22,7%
Andritz 15,1%
Novo Nordisk 11,2%
Nestle 9,9%
Fuchs Petrolub 9,2%


ANTWORT:

Besten Dank für das Lob. Unter den Blinden ist der Einäugige
König ;-)

Gerne schaue ich mir Ihr Depot näher an:

APPLE

Zu Apple brauche ich nicht viel zu sagen, Sie kennen den Wert
aus dem Heibel-Ticker PLUS. Gemessen an der
Börsenkapitalisierung ist es das größte Unternehmen der Welt
und agiert noch immer flexibel und innovativ wie ein Start-up.
Dieses Jahr wird noch die MacBook Pro Produktlinie
überarbeitet, es kommt ein neues iPhone und irgendwann wird
auch noch das iTV oder iPanel, wie auch immer es heißen mag,
erwartet. Genug um die Phantasie der Anleger bei Laune zu
halten.


ANDRITZ

Turbinen und Generatoren für Wasserkraftwerke sind das
Hauptgeschäftsfeld des Unternehmens mit Sitz in Graz, sowie
auch Produktionsmaschinen für die Papierindustrie. Besonders
positiv entwickelt sich derzeit der Auftragseingang für
Andritz, was zu einer hohen Transparenz für die kommenden
Quartale führt. Das Umsatzwachstum von ca. 8% p.a. ist mit dem
KGV von 15 ordentlich bewertet, die Dividendenrendite von 3,5%
ist attraktiv. Ich halte das Unternehmen für eine
aussichtsreiche Dividendenkomponente in einem diversifizierten
Portfolio.


NOVO NORDISK

Das dänische Pharmaunternehmen nimmt eine weltweit führende
Rolle bei der Behandlung von Diabetes ein (50%
Weltmarktanteil). So traurig es sein mag, Diabetes, und dort
natürlich insbesondere Altersdiabetes, ist ein Wachstumsmarkt,
den Novo Nordisk aufgrund lang laufender Patente noch lange
Zeit dominieren wird. Die 15% Umsatzwachstum p.a. sind mit
einem KGV von 22 in meinen Augen fair bewertet. Die
Dividendenrendite von 2% ist in Ordnung.


NESTLE

Smarties oder KitKat, Nescafé oder Perrier, Maggi, Häagen-Dazs
oder Mövenpick, Sie werden die Produkte der Schweizer kennen
und vermutlich auch lieben. Auch die Aktie ist ein leckerer
Bestandteil für jedes Depot: Über 3,7% Dividendenrendite bei
einem KGV von 17 kann man nicht meckern. Und Dank einer guten
Positionierung in den Schwellenländern kann der Umsatz derzeit
um 8% p.a. gesteigert werden. Davon abgesehen denke ich, dass
der Kurs seine gute Performance in den nächsten Quartalen nicht
mehr halten werden kann, da die positiven Effekte durch die
Entspannung auf den Rohstoffmärkten inzwischen im Aktienkurs
enthalten sind. Doch auf dem aktuellen Niveau ist auch kein
sonderlicher Kurseinbruch zu fürchten.


FUCHS PETROLUB

Das Elektroauto ist noch immer eine Zukunftsvision und die
Angst, demnächst weniger Schmierstoffe und Öle für Automobile
einsetzen zu müssen, ist für Fuchs Petrolub nur eine Randnotiz.
Das Unternehmen profitiert vom Aufschwung in der
Automobilindustrie sowie vom generellen weltweiten
Konjunkturaufschwung. Die Kundenpalette geht durch die gesamte
Industrie, vom Bergbau bis zur Landwirtschaft, vom Maschinenbau
bis zur Pharmaindustrie. Haupteinsatzstoff ist Öl, und der
Ölpreis notiert nun seit langem deutlich über 100 USD/Fass. Das
dürfte irgendwann in die Gewinnmarge von Fuchs Petrolub
schneiden, und ich wäre bei der Extrapolation der
Gewinnentwicklung vorsichtig. Mit dieser Einschränkung versehen
ist die Aktie auf dem aktuellen Niveau bei einem KGV von 13 in
meinen Augen fair bewertet. Die Dividendenrendite von 2,7% ist
attraktiv, das Umsatzwachstum beträgt nunmehr nur noch 4% p.a.


KORRELATIONSMATRIX

Tgl
APC AZ2 NOVB NESR FPE3
APC 1,00 0,05 0,31 -0,26 -0,09
AZ2 0,05 1,00 0,58 0,48 0,72
NOVB 0,31 0,58 1,00 0,38 0,46
NESR -0,26 0,48 0,38 1,00 0,73
FPE3 -0,09 0,72 0,46 0,73 1,00

Wtl
APC AZ2 NOVB NESR FPE3
APC 1,00 0,21 0,41 0,17 0,26
AZ2 0,21 1,00 0,42 0,28 0,68
NOVB 0,41 0,42 1,00 0,30 0,45
NESR 0,17 0,28 0,30 1,00 0,34
FPE3 0,26 0,68 0,45 0,34 1,00


Fuchs Petrolub und Andritz beliefern die Industrie und sind
damit konjunktursensibel. Entsprechend wird sowohl langfristig
als auch kurzfristig bei der Kursentwicklung auch eine
verhältnismäßig hohe Korrelation ermittelt (0,68 & 0,72 resp.).
Doch ich halte es derzeit für eine gute Idee, etwas mehr
konjunktursensible Aktien ins Portfolio zu nehmen, damit wir
von einem erwarteten Aufschwung profitieren können.

Auf Basis der Tagesschlusskurse (also kurzfristige
Betrachtung) ist noch eine etwas erhöhte Korrelation von Fuchs
Petrolub zu Nestlé zu sehen, was ich aber höchstens auf den
hohen Anteil der Rohstoffkosten zurückführen kann, den beide
Unternehmen für ihre Produktion veranschlagen müssen. Aus
Branchensicht sind hier kaum Gemeinsamkeiten zu sehen, und die
kurzfristige Korrelation würde mich daher nicht verunsichern.

Sie haben ein Technologieunternehmen (Apple), ein
Konsumartikelanbieter (Nestle), zwei Industrieunternehmen
(Andritz und Fuchs Petrolub) und einen Pharmakonzern (Novo
Nordisk). Regional bauen Sie auf die USA (Apple), den Euro
(Andritz, Fuchs Petrolub) und die EU (Dänemark). Alle
Unternehmen agieren weltweit, können also kaum auf ihren
Heimatmarkt reduziert werden. Apple, Nestle und Novo Nordisk
sind stark im asiatischen Raum, sodass Sie auch diese Region
somit indirekt abdecken.

Wachstum bieten Apple (20%) und Novo Nordisk (15%), die anderen
Unternehmen bieten stabiles bis kleines Umsatzwachstum bei
einem hohen Cashflow, der in Form von hohen Dividenden an die
Aktionäre aufgeschüttet wird.

Alles in allem würde ich sagen: Herzlichen Glückwunsch, Sie
haben ein super Portfolio zusammengestellt :-)

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05. TV-INTERVIEW AM MITTWOCH: GIGASET & DRILLISCH
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GIGASET-TELEFONE BALD NUR NOCH IM MUSEUM?

Zugegeben: die ehemalige Siemens-Abteilung hat was
Sprachqualität und Strahlungsbelastung betrifft perfekte
Produkte im Angebot. Auch Sonderfunktionen wie das Babyphone
(Babyalarm) heben Gigaset-Telefone von der Konkurrenz ab. Doch
welche Konkurrenz? Und warum wohl?

Weltweit erleben Handys eine große Nachfrage. Insbesondere in
Gebieten, wo die Telefonleitungen noch nicht bis in die
einzelnen Häuser (Hütten) gelegt wurden, bieten Handys die
Möglichkeit, mit der Welt in Verbindung zu treten. Der
Weltmarkt für Handys ist noch nicht gesättigt, es ist noch
immer ein Wachstumsmarkt.

Und wer es etwas anspruchsvoller mag, der schaut sich unter den
Smartphones ein passendes Gerät aus. Hier spielen Hard- und
Software in einem nie zuvor dagewesenen Maße zusammen, dass es
in meinen Augen letztlich nur wenige, vielleicht eine Handvoll,
Unternehmen schaffen werden, sich im weltweiten Smartphonemarkt
zu etablieren.

Doch Festnetztelefone? Wo ist hier der Wachstumsmarkt? Sie
müssen sich nur die Entwicklung der Festnetzsparte bei der
Deutschen Telekom in den vergangenen Jahren anschauen. Das
magentafarbene Unternehmen kann im Mobilfunkmarkt kaum schnell
genug wachsen um das wegbrechende Festnetzgeschäft aufzufangen.
Wo soll also das Wachstum für Gigaset herkommen, der weltweiten
Nummer 3 bei Festnetzgeräten?

Das Unternehmen sagt, es wolle im Ausland wachsen. Okay, das
verstehe ich: Der Heimatmarkt ist miserabel, also sucht man im
Ausland sein Glück. Doch wie oben erwähnt, gibt es in meinen
Augen kaum ein Ausland, bei dem ich einen boomenden
Festnetzmarkt sehe.

Das Unternehmen sagt, es wolle in neue Technologien
investieren, in IP-Telefonie. IP-Telefonie ist in meinen Augen
ebenfalls kein Wachstumsmarkt sondern eine Voraussetzung dafür,
dass künftig überhaupt noch Gigaset-Telefone verkauft werden
können. Gigaset hat den Trend zum Internet-Telefon verschlafen;
andere Anbieter haben das Problem inzwischen gelöst: So
telefoniert Ihr Autor seit langem mit seinem Gigaset-Telefon
über die IP-Telefonnummer, indem er seinen Netzwerkrouter
entsprechend konfiguriert hat. Ungeachtet dessen gibt es eine
ganze Reihe von Festnetztelefonen, die die direkte IP-Telefonie
beherrschen. Ist das ein Wachstumsmarkt? Nein.

Eine reibungslose Einbindung ins Heimnetzwerk vermag Gigaset
bis zum heutigen Tage nicht anzubieten. Im Gegenteil: Eine
Synchronisierung funktioniert auf dem Mac nur teilweise und auf
dem Windows-PC fehlerhaft. Supportanfragen werden nicht
beantwortet. Von einer plattformunabhängigen
Kontaktdatenverwaltung in der Cloud ist das Unternehmen
meilenweit entfernt.

Selbst wenn Gigaset nun die versäumten Innovationen nachholt,
kann das Unternehmen damit nicht eine Nachfragewelle lostreten.
Niemand kauft sich ein neues Festnetztelefon, weil es neue
Funktionen darin gibt oder weil es ein schickeres Design hat
als das aktuelle. Manchmal gehen die Telefone kaputt, dann
kauft man sich ein Neues. Nicht alle zwei Jahre sondern eher
alle 5-10 Jahre.

Doch kommen wir neben dieser doch sehr persönlichen
Einschätzung des Marktes zu den verfügbaren Fakten: Ende März
wurden die Zahlen für 2011 vorgelegt. Im Vergleich zu 2010 gab
es eine sehr positive Entwicklung, die dem Markt zuvor bereits
signalisiert wurde. So richtete sich die Neugier insbesondere
auf den Ausblick. Und dieser hat Anleger und Analysten
enttäuscht. Es zeigte sich, dass die positive Entwicklung des
Jahres 2011 eher ein Einmaleffekt war als eine Trendwende.

Insbesondere bei der Gewinnentwicklung handelte es sich um
Sparmaßnahmen und Umstrukturierungen (Factoring, Verkauf von
Forderungen gegenüber Kunden an einen Dienstleister), die für
die erfreuliche Entwicklung gesorgt hatten. Doch die
rückläufige Umsatzentwicklung kann dadurch nicht gestoppt
werden, sondern höchstens durch sinnvolle Investitionen. Und
über den Sinn der Investitionen von Gigaset habe ich meine
Meinung in den oberen Absätzen bereits dargelegt.

Ich fürchte, auch der Wettbewerb für Gigaset wird schwerer, da
der Qualitätsvorsprung irgendwann von chinesischen Unternehmen
und anderen Billiglohnländern wett- gemacht werden kann. So
wird sich Gigaset einem Margendruck gegenübersehen bei
rückläufigem Umsatz. Derzeit hoffen einige Analysten noch auf
eine üppige Dividende bei Gigaset. Doch auch dafür ich sehe
wenig Spielraum.

Der Kurs der Aktie war in Folge des schlechten Ausblicks vom
Ende März von 3,10 auf 2,40 Euro eingebrochen. Meiner
Einschätzung nach ist da noch nicht Schluss: Das KGV 2012e
steht bei 18. Für einen rückläufigen Umsatz bei zu
befürchtendem Margendruck würde ich kein zweistelliges KGV
ansetzen, so dass der Kurs in meinen Augen noch deutlich zu
hoch steht – auch nach dem heftigen Ausverkauf.

Moment, werden nun einige sagen, dann würde die Aktie ja unter
ihrem Barbestand notieren: Aktuell liegen 56 Mio. Euro
Nettoliquidität in der Bilanz. Durch den Verkauf der
Forderungen wurde die Liquidität verbessert – aber eben nur als
Einmaleffekt und nicht nachhaltig. Diese Liquidität muss nun
sinnvoll investiert werden.

Gigaset wird dank der guten Qualität der Produkte sicherlich am
Markt bestehen, doch vielleicht eben nur als ein kleiner
Nischenanbieter. Mit dem Kauf der Aktie würde ich trotz der
optisch günstigen Bewertung so lange warten, bis Investitionen
in Geschäftsfelder vorgenommen werden, die neues Wachstum für
Gigaset ermöglichen.

Ich werde ein Auge auf Gigaset behalten, vielleicht fällt dem
Unternehmen ja irgendwann noch etwas Sinnvolles ein.


DRILLISCH INVESTIERT LIEBER IN DIE KONKURRENZ

Diese Woche hat Drillisch seine Finanzen neu sortiert. Direkt
und über die Tochtergesellschaft MSP Holding hält Drillisch
20,3% am Wettbewerber Freenet. Die Finanzierung dieser
Beteiligung wurde nun neu über einen Kredit, eine Wandelanleihe
und ein Absicherungsgeschäft strukturiert.

Bei der Bank of America hat das Unternehmen einen Kredit über
89,7 Mio. Euro aufgenommen. Dieser Kredit ist durch 13,3 Mio.
Freenet Aktien besichert.

Für den Fall eines heftigen Kursverlustes bei den Freenet
Aktien wurde ein Kurssicherungsgeschäft abgeschlossen, das
Drillisch Schätzungen zufolge rund 4 Mio. Euro p.a. kostet.

Zudem wurde eine Wandelanleihe für 125 Mio. Euro ausgegeben.
Sollte Freenet auf 14,77 Euro steigen (Kurs aktuell 12,70
Euro), dann können die Anleiheeigner mit Freenet Aktien
ausbezahlt werden.

Von der üppigen Dividende von Freenet (7,9% Dividendenrendite)
erhält Drillisch nur 5%, der Rest geht an die Anleiheeigner und
vermindert entsprechend den Wandelpreis.

Soweit die finanziellen Details. Es ist positiv zu sehen, dass
Drillisch seine Finanzierung neu strukturiert und auf
langfristig solide Beine stellt. Doch den Spekulationen über
eine mögliche Übernahme Freenets durch Drillisch kann diese
Aktion kein Ende setzen.

Eine Übernahme in dieser Richtung halte ich ohnehin für nicht
besonders wahrscheinlich. Allein schon der Größenunterschied
läßt den Übernahmepoker aussehen wie das Kräftemessen von
Porsche gegenüber Volkswagen. Freenet setzt 3,2 Mrd. Euro um,
Drillisch gerade einmal 349 Mio. Euro.

Doch ein Zusammengehen von Drillisch und Freenet würde
Synergien erzeugen. Beide Unternehmen haben ihr Pre-Paid
Geschäft heruntergefahren bzw. abgestoßen. Beide konzentrieren
sich auf die margenstarken Verträge für das mobile Internet. Es
kommt mir vor, als taktiere Drillisch durch die Beteiligung an
Freenet. Als wolle sich das Management von Drillisch in eine
gute Verhandlungsposition bringen.

Doch das gefällt mir nicht. Ein Management, das sein Geld nicht
in Investitionen steckt sondern damit taktiert, das hat den
Fokus nicht auf dem eigenen Geschäft. Wenn Drillisch lieber in
Freenet investiert, dann sollten wir das auch so handhaben. Im
direkten Vergleich würde ich also Freenet bevorzugen.

==============================================================
06. BEOBACHTETE WERTE
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Bitte beachten Sie auch den Kundenbereich auf meiner
Internetseite unter www.heibel-ticker.de. Dort finden Sie
aktuelle Charts mit meinen jeweils aktualisierten
Einschätzungen.

==========

Im Wochenverlauf habe ich zu mehreren Titeln Anmerkungen im
Kundenbereich der Webseiten verfasst.

Die dritte Spalte zeigt die Schlusskurse von Donnerstagabend.
Unter „Woche“ steht die Veränderung im Vergleich zur Vorwoche.
Unter „2012“ steht das Ergebnis der Position seit Jahresbeginn
bzw. seit Aufnahme ins Portfolio.
Unter „Anteil“ finden Sie den Anteil der jeweiligen Position am
Gesamtdepot.

Unter i steht zur Information meine Grundtendenz:
K – bei Gelegenheit Kaufen,
NK - Nachkaufen
H - Halten,
V - bei Gelegenheit Verkaufen,
TV – Teilverkauf, also nicht die ganze Position
VL – Verkaufslimit, bei überschreiten eines bestimmten Kurses
sollte verkauft werden
SL – Stopp Loss, bei Unterschreiten eines bestimmten Kurses
sollte verkauft werden
TS – Trailing Stopp, wie SL, nur dass das Limit kontinuierlich
nachgezogen wird

Die „Gelegenheit“ zum Kaufen oder Verkaufen wird sodann
kurzfristig von mir per Update an Sie bekanntgegeben.

Ich habe diese Spalte „i“ insbesondere für neue Kunden
vorgesehen, die zu einem späteren Zeitpunkt wissen wollen, ob
ich die Position noch zukaufen würde, wenn ich beispielsweise
darin nicht schon voll investiert wäre. Zukaufen würde ich
jeweils jedoch niemals zu Höchstkursen, sondern stets nur nach
kurzfristigen Kursrückschlägen von mindestens 5-7%.

Kauffolge: Je spekulativer, desto aggressiver würde ich kaufen
und verkaufen. Derzeit verwende ich die folgenden Schritte:

Value Positionen in drei Schritten aufbauen: 25%-25%-50%,

Spekulative und alternative Positionen in zwei Schritten
aufbauen: 50%-50%,

Tradingpositionen ganz oder gar nicht: 100%.

Stopp Loss Limits, Verkaufslimits und ähnliche Aktionsmarken
verwalte ich aktiv in meinem System und ändere ich unter der
Woche mehrfach, fast täglich. Eine Veröffentlichung der
entsprechenden Limits ist in der Regel nicht sinnvoll,
allenfalls Stopp Loss Marken werde ich bisweilen im Text
bekanntgeben.



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07. DISCLAIMER / HAFTUNGSAUSSCHLUSS UND RISIKOHINWEISE
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Wer un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen
nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte
un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen in Umlauf
setzt, wird mit Lust-, manchmal auch mit Erkenntnisgewinn
belohnt; und wenn alles gut geht, fällt davon sogar etwas für
Sie ab. (frei nach Robert Gernhardt)

Wir recherchieren sorgfältig und richten uns selber
nach unseren Anlageideen. Dennoch müssen wir jegliche
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Anlageentscheidungen sollten nur von Anlegern mit
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Die Verwendung der Inhalte dieses Heibel-Tickers erfolgt
auf eigene Gefahr. Die Geldanlage an der Börse
beinhaltet das Risiko enormer Verluste bis hin zum
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Quellen:
Kurse: Deutsche Kurse von comdirect.de, Goldbarren von
proaurum.de, US-Kurse von finance.yahoo.com. Alle Kurse sind
Schlusskurse vom Donnerstag sofern nichts Gegenteiliges
vermerkt ist.
Bilanzdaten: Comdirect, Yahoo! Finance sowie Geschäftsberichte
der Unternehmen
Informationsquellen: dpa-AFX, Aktiencheck, Yahoo! Finance,
TheStreet.com, IR-Abteilung der betreffenden Unternehmen

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