Ich habe heute die Diskussion im Congress um den 700 Mrd. USD Hilfsplan von US-Finanzminister Henry Paulson verfolgt. Bernanke stand heute Rede und Antwort. Wenn der Plan abgelehnt wurde, dann einzig und allein aus dem Grund, dass Bernanke unfähig ist, „Deutsch“ (nein, natürlich in diesem Fall „Englisch“) zu sprechen. Er spricht „Volkswirtisch“. Und Henry Paulson spricht „Wallstreet“.
Bernanke sollte sagen, dass die 700 Mrd. USD dafür sorgen werden, dass viele US-Bürger in ihrem Haus wohnen bleiben können. Stattdessen spricht Bernanke über „Liquidität“.
“Everything that has transpired has done so according to my design. I wonder if your feelings on this matter are clear, Lord Inflator.” – „Alles, was durchgesickert ist, ist nur das, was ich zugelassen habe. Ich hoffe, dass Deine Gefühle zu diesem Thema eindeutig sind, oh großer Inflator.“
Es geht darum, dass ein notwendiger Neukauf eines Autos finanziert werden kann. Stattdessen spricht Bernanke von „dem Versuch, Derivate frei handelbar zu machen“.
Es geht darum, dass die US-Bürger am Geldautomaten Bares abheben können. Aber Bernanke redet nur darüber, dass darauf geachtet werden muss, dass die Banken, die uns in diesen Immobilienschlamassel reingeritten haben, für ihre Fehler gerade stehen müssen.
Die Menschen sollen nicht zwei Jobs parallel annehmen müssen, um ihr Haus zu behalten. Aber Bernanke spricht darüber, dass der Libor niedrig gehalten werden muss.
Die Arbeitslosigkeit würde auf 20% springen, wenn der Hilfsplan abgelehnt wird und die Finanzmärkte kollabieren. Doch Bernanke teilt dem Kongress mit, dass die Fed mehr Kapital durch die Übernacht-Ausleihungen in den Markt pumpen möchte.
Er diskutiert darüber, wie „illiquide Immobilienderivate“ bewertet werden sollten. Natürlich ist das das Grundproblem, das die Märkte in den Keller zieht. Aber um eine ordentliche Preisfindung in die Wege zu leiten, braucht Paulson nun ein wenig Spielgeld (700 Mrd. USD sind etwa 5% der offenen US-Hypotheken), um ordentliche Preise aushandeln zu können.
Die Immobilienderivate müssen endlich aufgesplittet werden: Nach Bundesland, nach Stadt oder Land, nach Postleitzahl und nach Art des Hauses. Auch müssen die Arten der Sicherheiten, Beleihung zu 20% oder zu 100%, berücksichtigt werden, wenn die Immobilienderivate bewertet werden. Das alles wurde in den vergangenen drei Jahren der Machenschaften mit diesen gefährlichen Immobilienderivaten nicht getan.
Ich bin übrigens sicher, dass Paulson die 700 Mrd. USD in zwei Jahren vollständig zurückzahlen kann, vielleicht macht er sogar einen Gewinn damit. Denn die Preise sind derzeit so dermaßen im Keller, dass es nur einen finanzkräftigen Investor braucht, um die Abwärtsspirale zu beenden.
Nun, warten wir weiter ab, wie der Congress entscheidet. Warten wir ab, ob der Congress eine Weltwirtschaftskrise à la 1929 abwenden wird, oder nicht. {weiter[40|9]}
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