Der Angriff der USA und Israels auf den Iran hat die Märkte sofort in Bewegung versetzt. Die Straße von Hormus, durch die rund 20 % der weltweiten Öltransporte laufen, wird derzeit nicht mehr befahren, weil Versicherer den Schutz ausgesetzt haben. Katar hat zudem die Produktion von Flüssiggas (LNG) eingestellt.
In der Folge sprang der Ölpreis um 8 % an; seit Jahresbeginn summiert sich das Plus damit auf rund 30 %. In Europa stieg der Gaspreis von 32 auf 45 USD/MMBtu, während er in den USA nahezu unverändert blieb. Der DAX verlor 2,3 %, der S&P 500 zeigte sich deutlich stabiler.
Wenn ich im Folgenden von „wir“ spreche, dann meine ich damit die Anlagestrategie, die ich im Heibel-Ticker verfolge, sowie das dort geführte Portfolio.
Die unmittelbare Marktreaktion folgt einem bekannten Muster. Steigende Energiepreise belasten Konjunkturerwartungen und erhöhen den Inflationsdruck. Entsprechend geraten zinssensitive und konjunkturabhängige Titel unter Druck, während Energie- und Rüstungswerte zulegen.
Dieser Reflex ist nachvollziehbar, greift jedoch aus meiner Sicht zu kurz, wenn man die Lage strategisch beurteilen will.
Der entscheidende Punkt ist nicht der erste Preisschub, sondern die zeitliche Ausdehnung des Konflikts. Bleibt die Eskalation begrenzt, könnte sich auch der Energiepreisschock wieder normalisieren. Zieht sich die Auseinandersetzung jedoch über Wochen oder Monate hin, drohen dauerhaft höhere Energiepreise, die die Inflation erneut antreiben würden.
In einem solchen Szenario würden Zinssenkungen unwahrscheinlicher, was insbesondere für hoch bewertete Wachstumswerte problematisch wäre. Damit würde aus einem geopolitischen Ereignis ein strukturelles Marktproblem.
Hinzu kommt, dass die USA deutlich weniger abhängig vom Öl aus dem Nahen Osten sind als Europa. Ein erheblicher Teil der Transporte durch die Straße von Hormus geht in Richtung Asien. Europa hingegen hat seine Energieversorgung stärker auf LNG-Lieferungen aus der Region ausgerichtet.
Gleichzeitig ist im US-Wahljahr eine anziehende Inflation politisch schwer vermittelbar, sodass auch aus innenpolitischer Perspektive ein länger anhaltender Energiepreisschub problematisch wäre.
Vor diesem Hintergrund halte ich mich mit Käufen von Ölaktien bewusst zurück. Kurzfristig profitieren Energieunternehmen selbstverständlich von steigenden Preisen. Sollte sich der Konflikt jedoch politisch begrenzen lassen oder sich die Lage schneller entspannen als erwartet, könnten Energiepreise ebenso rasch wieder nachgeben.
Das Chance-Risiko-Verhältnis erscheint mir deshalb derzeit nicht überzeugend genug, um strategisch Positionen aufzubauen.
Ich nehme aktuell keine größeren Veränderungen im Heibel-Ticker-Portfolio vor. Gold profitiert von der erhöhten Unsicherheit, Bitcoin zeigt eine moderate Erholung. Einzelwerte mit hoher China-Exponierung beobachte ich aufmerksam, da geopolitische Spannungen dort indirekt nachwirken können.
Für mich bleibt die zentrale Frage, ob wir es mit einem kurzfristigen Schock oder mit einer längerfristigen geopolitischen Belastung zu tun haben. Genau diese Zeitdimension wird darüber entscheiden, ob aus dem aktuellen Ereignis eine nachhaltige Belastung für Inflation, Zinsen und Aktienmärkte entsteht.
Seit 1998 verfolge ich mit Begeisterung die US- und europäischen Aktienmärkte. Ich schreibe nun wöchentlich für mehr als 25.000 Mitglieder über die Hintergründe des Aktienmarktes und die Ursachen von Kursbewegungen. Heibel-Ticker Mitglieder schätzen meinen neutralen, simplen und unterhaltsamen Stil. Als Privatanleger nutzen sie meine Einschätzungen und Anlageideen, um ihr Portfolio unabhängig zu optimieren.
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