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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 10.02.2026 um 10:27 Uhr

Kevin Warsh - Früher Falke, heute Taube?

Die Nominierung von Kevin Warsh wurde an den Märkten reflexartig als Signal für eine künftig straffere Geldpolitik interpretiert. Warsh gilt vielen Beobachtern noch immer als Falke – geprägt durch seine Rolle vor und während der Finanzkrise 2008.

Diese Einordnung greift heute zu kurz. Seine jüngeren Aussagen zeichnen ein deutlich anderes Bild.

Produktivität statt Inflation: Warsh denkt angebotsseitig

Warsh geht davon aus, dass Künstliche Intelligenz einen massiven Produktivitätsschub auslöst. Effizienzgewinne senken Kosten, erhöhen das Angebot und wirken damit inflationsdämpfend, nicht inflationstreibend.

Er widerspricht explizit der verbreiteten Annahme, dass starkes Wirtschaftswachstum zwangsläufig steigende Inflationsraten nach sich ziehen müsse.

Klassische Inflationsmodelle erfassen KI-Effekte nicht

Effizienzsteigerungen sind in vielen volkswirtschaftlichen Modellen nur unzureichend abgebildet. Genau hier setzt Warshs Kritik an:

Wenn Produktivität durch KI steigt, kann die Geldmenge ausgeweitet werden, ohne dass sich das Preisniveau nach oben bewegt. Geldpolitik, die diesen Effekt ignoriert, läuft Gefahr, strukturelles Wachstum abzuwürgen.

Zu restriktive Geldpolitik kann deflationär wirken

Warsh argumentiert weiter, dass bei hohen Wachstumsraten von fünf Prozent und mehr eine zu knappe Liquiditätsversorgung sogar deflationäre Tendenzen auslösen kann.

In einem produktivitätsgetriebenen Umfeld wäre eine restriktive Geldpolitik kontraproduktiv – sie würde Investitionen bremsen, obwohl das reale Angebot wächst.

Die Kritik an Jay Powell wird ökonomisch nachvollziehbar

Vor diesem Hintergrund wird auch die Kritik an Jay Powell verständlicher. Warsh wirft ihm vor, die absehbaren Effizienz- und Produktivitätseffekte der KI nicht ausreichend in seine geldpolitischen Modelle einzubeziehen.

Durch diese Brille betrachtet erscheint selbst die Kritik von Donald Trump an Powell weniger politisch, sondern zumindest teilweise ökonomisch motiviert.

Fazit: Falke der Vergangenheit, Pragmatiker der Gegenwart

Kevin Warsh steht nicht für eine aggressive Zinspolitik um jeden Preis. Seine heutige Argumentation ist wachstumsorientiert, produktivitätsgetrieben und klar angebotsseitig geprägt.

Die Angst der Märkte vor einem geldpolitischen Hardliner basiert vor allem auf alten Etiketten – nicht auf seiner aktuellen ökonomischen Haltung.

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Stephan Heibel

Seit 1998 verfolge ich mit Begeisterung die US- und europäischen Aktienmärkte. Ich schreibe nun wöchentlich für mehr als 25.000 Mitglieder über die Hintergründe des Aktienmarktes und die Ursachen von Kursbewegungen. Heibel-Ticker Mitglieder schätzen meinen neutralen, simplen und unterhaltsamen Stil. Als Privatanleger nutzen sie meine Einschätzungen und Anlageideen, um ihr Portfolio unabhängig zu optimieren.

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