Margin of Safety nach Benjamin Graham

Ich habe mich mit der Margin of Safety nach Benjamin Graham beschäftigt und festgestellt, dass ich die in einer wesentlich ausgefeilteren Version schon lange berücksichtige.


1. Mitgliederfrage

Hallo Herr Heibel,

ich wollte mit Ihnen diese Tabelle als Beispielkalkulation teilen, was ich mit Graham & Margin of Safety gemeint habe.

Mein Kriterium ist, Aktien auf „A“ zu setzen, welche eine MoS>50% haben.

Wie gesagt fällt mir die Wachstums-Annahme am schwersten, die Wachstumsraten der nächsten 5Y sind anhand Google Gemini abgeschätzt.

Freue mich auf Ihr Feedback.

Beste Grüße, Fabian aus Traunstein

2. Antwort von Stephan Heibel

Oh, das sieht ja schon mal gut aus. Aber wie Sie schon richtig erkennen: Kniffelig wird es natürlich bei der Ermittlung der richtigen Zahlen.

Ich habe viel Zeit investiert, um meine Kennzahl EV / EBITDA / EBITDA-Growth korrekt zu ermitteln, also Pensionsverpflichtungen ausrechnen, Mitarbeiteraktien berücksichtigen und einige andere Feinheiten. Daraus habe ich mir dann für alle 1.400 Aktien in meinem Aktienuniversum die angehängte Übersicht erstellt. Das aktualisiere ich wöchentlich.

Ich habe mich für die von Bloomberg berechneten durchschnittlichen Analystenerwartungen der Zukunft entschieden, weil die am verlässlichsten verfügbar sind. Sie sehen an der unten stehenden Tabelle sehr schön, wie Änderungen beim Gewinnwachstum die PEG7Ratio (also EV / EBITDA / EBITDA-Growth) stark verändern. Ich komme mit dieser Betrachtung sehr gut zurecht und denke, das ist so etwas wie der Graham-Ansatz 🙂

Was noch aussteht sind spezielle Branchen-Feinheiten: Maschinenbau sollte Auftragseingang und Auftragsbestand berücksichtigen, Banken die Kernkapitalquote, etc.

Also ich glaube, ich bin da schon ein paar Schritte weiter, wenngleich ich das nicht optisch so schön aufbereitet habe 🙂

2.1 Anhang

Die Margin of Safety ist Benjamin Grahams zentrales Konzept aus „The Intelligent Investor“ und beschreibt den Sicherheitsabstand zwischen dem inneren Wert eines Wertpapiers und seinem Marktpreis. Graham argumentierte, dass ein Investor eine Aktie oder Anleihe nur dann kaufen sollte, wenn der Kurs deutlich unter dem geschätzten fairen Wert liegt, idealerweise mit einem Abschlag von 30 bis 50 Prozent.

Der Gedanke dahinter ist pragmatisch: Jede Bewertung beruht auf Annahmen über künftige Erträge, Zinsen oder Wachstumsraten, und diese Annahmen können falsch sein. Der Sicherheitsabstand ist der Puffer, der Fehlurteile, Pech und unvorhersehbare Marktentwicklungen abfedert. Selbst wenn die Bewertung also zu optimistisch war oder das Geschäft schlechter läuft als erwartet, sollte der Investor immer noch keinen dauerhaften Kapitalverlust erleiden.

Bei Aktien bestimmte Graham den inneren Wert konservativ, etwa über das Kurs-Gewinn-Verhältnis im Verhältnis zur Anleiherendite, das Kurs-Buchwert-Verhältnis oder über die Ertragskraft im Mittel mehrerer Jahre. Bei Anleihen sah er den Sicherheitsabstand in der Differenz zwischen den Erträgen des Unternehmens und den Zinsverpflichtungen.

Warren Buffett hat das Konzept später so zusammengefasst: Wenn man eine Brücke baut, die zehn Tonnen tragen soll, fährt man mit Lastwagen von vier Tonnen darüber. Genau das ist die Margin of Safety, kein präziser Rechenwert, sondern eine Haltung systematischer Vorsicht gegenüber den eigenen Prognosen.

3. Rückmeldung

Hallo Herr Heibel,

Vielen Dank, das ist sehr beeindruckend.

Ich denke, ich bin bei Ihnen auch ohne KI Modelle gut aufgehoben und Ihre Berechnungen stärken mein Vertrauen in den Heibel Ticker nun umso mehr.

Beste Grüsse

...

Stephan Heibel

Seit 1998 verfolge ich mit Begeisterung die US- und europäischen Aktienmärkte. Ich schreibe nun wöchentlich für mehr als 25.000 Mitglieder über die Hintergründe des Aktienmarktes und die Ursachen von Kursbewegungen. Heibel-Ticker Mitglieder schätzen meinen neutralen, simplen und unterhaltsamen Stil. Als Privatanleger nutzen sie meine Einschätzungen und Anlageideen, um ihr Portfolio unabhängig zu optimieren.

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