| Antwort: Die Zahlen von First Solar und Nextpower sind tatsächlich beeindruckend und geben Anlass zu Hoffnung.
Die Internationale Energie Agentur (IEA) hat in ihrem Global Energy Review 2026 festgehalten, dass 2025 weltweit 800 GW an erneuerbaren Kapazitäten neu installiert wurden, ein Plus von 16% und das 23. Rekordjahr in Folge. 605 GW davon waren Photovoltaik. Zum ersten Mal in der Geschichte hat eine erneuerbare Energiequelle den größten Anteil am globalen Energiezuwachs geliefert: Solar deckte mehr als ein Viertel des gesamten Zuwachses. Die kumulierte Solarkapazität liegt inzwischen bei 2.800 GW und ist damit die größte installierte Erzeugungstechnologie der Welt.
Die IEA spricht vom „Zeitalter der Elektrizität": Der Strombedarf wächst mit 3,6% in diesem Jahr und 3,8% im nächsten Jahr mehr als doppelt so schnell wie der Gesamtenergiebedarf, angetrieben von Industrie, Elektroautos, Klimatisierung und Rechenzentren. 2026 überholen die Erneuerbaren erstmals die Kohle bei der Stromerzeugung, bis 2030 soll Solar seinen Anteil am globalen Strommix auf 15% fast verdoppeln.
China allein hat 2025 rund 370 GW installiert, das entspricht der dreifachen installierten Photovoltaik-Kapazität Deutschlands. Der Grund ist der Preisverfall der Module auf unter 10 Cent je Watt, wodurch Solar in fast allen Weltregionen die günstigste Stromerzeugungsform ist.
Die am schnellsten wachsende Technologie überhaupt sind Batteriespeicher: +40% auf 108 GW allein 2025. Die Energiewende ist keine Hoffnung mehr, sondern ein industrieller Prozess.
Zu First Solar:
Die Q2-Zahlen vom Juli zeigen genau das geopolitische Spannungsfeld, das Sie ansprechen. Nettogewinn +24%, Gewinnmarge (Brutto) bei stolzen 57%. Der Grund ist die Bevorzugung der US-Produktion durch die Trump-Administration: Die FEOC-Regeln (Foreign Entity of Concern) verbieten chinesische Komponenten in geförderten US-Projekten, und First Solar als einziger nennenswerter US-Hersteller mit eigener Dünnschichttechnologie profitiert von "Section 45X“ Steuergutschriften und IEEPA-Tarifrückerstattungen.
Die Nachfrage nach jeder verfügbaren Stromerzeugung durch die Hyperscaler, die für ihre Rechenzentren Solarparks bauen, füllt das Auftragsbuch von First Solar. Das Unternehmen sitzt auf 1,7 Mrd. USD Nettocash und einem Auftragsbestand von 45 GW bis 2030.
Aber der Auftragsbestand schrumpft derzeit, weil Kunden auf die "Section-232"-Tarifentscheidung warten, bevor sie neue Verträge unterschreiben. Polysilizium und Solarkomponenten können mit Zöllen belegt werden. Ausgang und Höhe sind noch offen. Die Wirkung ist zweischneidig: Zölle auf importierte Module würden First Solars US-Produktion schützen und die Preise stützen, aber die Malaysia- und Vietnam-Werke des Unternehmens treffen, die ihre Module in die USA liefern. Solange nicht klar ist, wie hoch die Zölle ausfallen und ob es Ausnahmen für Vorprodukte gibt, verschieben Kunden ihre Kaufentscheidungen - deshalb schrumpft der Backlog trotz starker Nachfrage. Die Malaysia- und Vietnam-Werke sind derzeit nicht ausgelastet und verursachen daher derzeit Verluste.
Die Aktie hat trotz der starken Zahlen 27% seit Jahresbeginn verloren. Das ist der Preis der politischen Abhängigkeit: First Solar verdient hervorragend, solange die US-Handelspolitik so bleibt, aber jeder Tweet aus Washington kann die Rechnung ändern.
Ich bevorzuge Siemens Energy und GE Vernova, statt auf reine Solarwerte zu setzen. Der Engpass liegt nicht bei der Erzeugung, sondern beim Netz. Solar ist inzwischen so billig, dass die Module fast Commodity-Charakter haben - die Margen liegen bei chinesischen Herstellern nahe null. Wer verdient, sind die Hersteller von Transformatoren, Gasturbinen als Backup, Netzausrüstung und Speichern. Das ist der Grund, warum die Netzausrüster in den letzten zwei Jahren die Solarwerte deutlich outperformt haben. First Solar ist die Ausnahme, weil das Unternehmen durch Technologie und US-Produktion eine geschützte Nische besetzt. Und Sie wissen ja, ich investiere ungern in politische Aktien.
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