Leserfragen (September 2026)


 Frage vom 24.09.2026

#Ethereum oder Bitcoin

Guten Tag Herr Heibel, wie Sie schon mehrfach geschrieben haben, scheint der Bitcoin sich langsam zu dem von Ihnen prognostizierten Aufschwung
im Oktober bereit zu machen. Das Gleiche scheint aber auch bei Ethereum zu passieren, vielleicht so gar in verstärkten Maße (?). Bei Ethereum hat man
wohl auch zusätzlich eine geringe Verzinsung des Kapitals. Wäre Ethereum damit eine Alternative zu Bitcoin?
Vielen Dank und freundliche Grüße! Peter Aus Moers

 Antwort:

Ethereum ist eine Spekulation, Bitcoin eine alternative Vermögensaufbewahrung. Ethereum folgt einer Geschäftsidee: Die stärkere Nutzung der Blockchain für Geschäftsvorfälle, wobei daran gearbeitet wird, immer mehr Geschäftsvorfälle abzudecken. Das ist in meinen Augen eine gute Geschäftsidee, aber ich weiß nicht, wie sich das auf den Ethereum-Kurs auswirkt, wer daran genau verdient und ob nicht irgendwann eine neue Geschäftsidee Ethereum den Rang abläuft.

Beim Bitcoin ist der Drops gelutscht: Sein Wert ergibt sich aus der breiten Streuung, die in den ersten Jahren aufgebaut wurde. Das lässt sich nicht wiederholen, es ist einmalig und damit ist der Bitcoin vergleichbar mit Gold, das man auch nicht künstlich herstellen kann. Darin liegt der Wert, und der wird - je nach Wertschätzung durch unsere Gesellschaft stark schwanken… aber niemals ganz verschwinden.

Somit ist der Bitcoin für mich eine Alternative zum Euro, zum US-Dollar oder aber zum Gold. Ethereum ist eine Alternative zu Intel, Capital One Financial oder Salesforce. Für meinen Geschmack ist Ethereum noch immer zu jung, als dass ich damit spekulieren wollte.


 Frage vom 22.09.2026

#First Solar und Nextpower günstig bewertet

Hallo Herr Heibel,
Könnten Sie in naher Zukunft mal das Thema Nachhaltigkeit beleuchten?
Hintergrund dazu ist, die KI Revolution, die gleichzeitige Elektrifizierung der Welt und der Klimawandel.
Wir sprechen immer über Öl, Zinsen und KI, aber die globalen Zuwachsraten gerade bei PV Erzeugungsleistung
kommt da gar nicht vor oder mir einfach zu kurz.
Mit einer der größten Wachstumsraten ist der Strombedarf. Global.

Vielleicht kann man das auch an Hand eines konkreten Beispiels (bspw. First Solar) auf die Geopolitik (produziert
in den USA) runterbrechen. Nexttracker (oder jetzt Nextpower) hatten sie ja schon letztes Jahr.

Ich finde bei den ganzen chaotischen und oftmals negativen Nachrichten, könnten wir auch auf das schauen,
was gut läuft und Hoffnung gibt. In dem Fall der Hochlauf der Erneuerbaren Energien. Zumindest in der Erzeugung.

Viele Grüße,
Fritz aus Hamburg

 Antwort:

Die Zahlen von First Solar und Nextpower sind tatsächlich beeindruckend und geben Anlass zu Hoffnung.

Die Internationale Energie Agentur (IEA) hat in ihrem Global Energy Review 2026 festgehalten, dass 2025 weltweit 800 GW an erneuerbaren Kapazitäten neu installiert wurden, ein Plus von 16% und das 23. Rekordjahr in Folge. 605 GW davon waren Photovoltaik. Zum ersten Mal in der Geschichte hat eine erneuerbare Energiequelle den größten Anteil am globalen Energiezuwachs geliefert: Solar deckte mehr als ein Viertel des gesamten Zuwachses. Die kumulierte Solarkapazität liegt inzwischen bei 2.800 GW und ist damit die größte installierte Erzeugungstechnologie der Welt.

Die IEA spricht vom „Zeitalter der Elektrizität": Der Strombedarf wächst mit 3,6% in diesem Jahr und 3,8% im nächsten Jahr mehr als doppelt so schnell wie der Gesamtenergiebedarf, angetrieben von Industrie, Elektroautos, Klimatisierung und Rechenzentren. 2026 überholen die Erneuerbaren erstmals die Kohle bei der Stromerzeugung, bis 2030 soll Solar seinen Anteil am globalen Strommix auf 15% fast verdoppeln.

China allein hat 2025 rund 370 GW installiert, das entspricht der dreifachen installierten Photovoltaik-Kapazität Deutschlands. Der Grund ist der Preisverfall der Module auf unter 10 Cent je Watt, wodurch Solar in fast allen Weltregionen die günstigste Stromerzeugungsform ist.

Die am schnellsten wachsende Technologie überhaupt sind Batteriespeicher: +40% auf 108 GW allein 2025. Die Energiewende ist keine Hoffnung mehr, sondern ein industrieller Prozess.

Zu First Solar:
Die Q2-Zahlen vom Juli zeigen genau das geopolitische Spannungsfeld, das Sie ansprechen. Nettogewinn +24%, Gewinnmarge (Brutto) bei stolzen 57%. Der Grund ist die Bevorzugung der US-Produktion durch die Trump-Administration: Die FEOC-Regeln (Foreign Entity of Concern) verbieten chinesische Komponenten in geförderten US-Projekten, und First Solar als einziger nennenswerter US-Hersteller mit eigener Dünnschichttechnologie profitiert von "Section 45X“ Steuergutschriften und IEEPA-Tarifrückerstattungen.

Die Nachfrage nach jeder verfügbaren Stromerzeugung durch die Hyperscaler, die für ihre Rechenzentren Solarparks bauen, füllt das Auftragsbuch von First Solar. Das Unternehmen sitzt auf 1,7 Mrd. USD Nettocash und einem Auftragsbestand von 45 GW bis 2030.

Aber der Auftragsbestand schrumpft derzeit, weil Kunden auf die "Section-232"-Tarifentscheidung warten, bevor sie neue Verträge unterschreiben. Polysilizium und Solarkomponenten können mit Zöllen belegt werden. Ausgang und Höhe sind noch offen. Die Wirkung ist zweischneidig: Zölle auf importierte Module würden First Solars US-Produktion schützen und die Preise stützen, aber die Malaysia- und Vietnam-Werke des Unternehmens treffen, die ihre Module in die USA liefern. Solange nicht klar ist, wie hoch die Zölle ausfallen und ob es Ausnahmen für Vorprodukte gibt, verschieben Kunden ihre Kaufentscheidungen - deshalb schrumpft der Backlog trotz starker Nachfrage. Die Malaysia- und Vietnam-Werke sind derzeit nicht ausgelastet und verursachen daher derzeit Verluste.

Die Aktie hat trotz der starken Zahlen 27% seit Jahresbeginn verloren. Das ist der Preis der politischen Abhängigkeit: First Solar verdient hervorragend, solange die US-Handelspolitik so bleibt, aber jeder Tweet aus Washington kann die Rechnung ändern.

Ich bevorzuge Siemens Energy und GE Vernova, statt auf reine Solarwerte zu setzen. Der Engpass liegt nicht bei der Erzeugung, sondern beim Netz. Solar ist inzwischen so billig, dass die Module fast Commodity-Charakter haben - die Margen liegen bei chinesischen Herstellern nahe null. Wer verdient, sind die Hersteller von Transformatoren, Gasturbinen als Backup, Netzausrüstung und Speichern. Das ist der Grund, warum die Netzausrüster in den letzten zwei Jahren die Solarwerte deutlich outperformt haben. First Solar ist die Ausnahme, weil das Unternehmen durch Technologie und US-Produktion eine geschützte Nische besetzt. Und Sie wissen ja, ich investiere ungern in politische Aktien.


 Frage vom 22.09.2026

#Call-Optionsschein auf Nvidia

Lieber Stephan,

Als treuer Kunde Deines Heibel-Tickers habe ich eine Frage zu NVIDIA und dem von Dir vor einiger Zeit empfohlenen Optionsschein (WKN GU9NCS). Im Gegensatz zu Deiner Empfehlung habe ich den Optionsschein bei Tiefstkursen immer nachgekauft.

Allerdings ist mir dabei aufgefallen, dass der Optionsschein im Mai 2026 bei 4,15€ als NVIDIA bei 200€ stand. Als NVIDIA jetzt wieder bei knapp 200€ war, stand der Optionsschein aber nur noch bei 3€.

1) Kannst Du mir erklären, woran das liegt?
2) Wann kommt es bei dem Optionsschein zu einem Totalausfall?
3) Wird der Optionsschein, wenn er 2028 ausläuft, automatisch zu 100% ausbezahlt?

Vielen Dank und Grüße,
Tede aus Stuttgart

 Antwort:

Hier nochmal unser damaliger Call-Optionsschein:
WKN GU9NCS,
Basispreis 300 USD,
Laufzeit bis 15. September 2028,
Kaufkurs 2,58 EUR im März. Im Portfolio haben wir ihn im Juni mit +37% verkauft.

Zu Deinen drei Fragen:

Zu 1.: Ein Optionsschein hat zwei Wertbestandteile: innerer Wert und Zeitwert. Der innere Wert, der aus der Differenz zwischen Aktienkurs und Basispreis errechnet wird. Der ist bei 200 USD Aktienkurs und 300 USD Basispreis rechnerisch negativ, da der Schein "aus dem Geld" ist. Die Aktie notiert höher als der Basispreis des Optionsscheins.

Der Optionspreis von 3-4 EUR ist also reiner Zeitwert, und der hängt von zwei Faktoren ab, die sich zwischen Mai und September beide gegen Dich entwickelt haben. Der erste ist die Restlaufzeit: Vier Monate weniger Zeit bis 2028 bedeuten vier Monate weniger Chance, dass Nvidia über 300 USD steigt, das drückt den Wert. Der zweite und viel wichtigere Faktor ist die erwartete Schwankungsbreite, die "implizite Volatilität" (Vola). Im Mai war die Vola bei Nvidia hoch: Iran-Krieg mit Hormus-Blockade, anstehende Q-Zahlen und zunehmende Zweifel an der Wettbewerbsposition von Nvidias KI-GPUs. Eine hohe Vola macht Optionsscheine teuer, weil die Wahrscheinlichkeit großer Kursbewegungen höher eingeschätzt wird und somit auch größere Kurssteigerungen eher möglich sind. Im September ist die Vola deutlich niedriger, der Markt hat sich beruhigt, und derselbe Schein bei derselben Aktie ist dadurch rund ein Viertel billiger. Das nennt man "Vol-Crush".

Zu 2.: Während der Laufzeit kann der Schein nicht wertlos werden, solange Restlaufzeit vorhanden ist. Er behält immer einen Zeitwert, auch wenn Nvidia auf 150 USD fällt. Ein Totalausfall entsteht nur am Laufzeitende am 15. September 2028, wenn Nvidia an diesem Tag unter 300 USD notiert. Dann ist der innere Wert null, der Zeitwert ist abgelaufen, und der Schein verfällt wertlos. Das ist keine ferne Möglichkeit: Nvidia muss von aktuell rund 190 USD auf über 300 USD steigen, also um mehr als 55%, damit Du überhaupt etwas zurückbekommst.

Der Zeitwertverlust ist ein relativer Verlust. Das heißt, das Verstreichen einer Woche führt bei einer Restlaufzeit von 2 oder 3 Jahren nur zu einem geringen Wertverlust des Scheins. Je kürzer die Restlaufzeit, desto stärker wirkt sich der Zeitwertverlust von einer Woche auf den Optionsscheinpreis aus. Als Faustregel habe ich für mich beschlossen, keine Optionsscheine mit einer Restlaufzeit von weniger als 6 Monaten zu berücksichtigen, da der Zeitwertverlust in der Schlussphase nur durch eine stark überproportionale Kursrallye aufgewogen werden kann.

Zu 3.: Ja, die Auszahlung zum Fälligkeitstermin erfolgt automatisch in Höhe des inneren Werts am Laufzeitende, da der Zeitwert dann ja gleich null ist. Optionsscheine in Deutschland werden als Barausgleich verrechnet. Das heißt, Du bekommst die Differenz zwischen Nvidia-Kurs und 300 USD, multipliziert mit dem Bezugsverhältnis, in Euro auf Dein Konto. Dein Nachkaufen zu Tiefstkursen ist also nur dann klug gewesen, wenn Du von einem deutlichen Anstieg über 300 USD bis 2028 überzeugt bist. Wenn Du beim Schein bleibst, dann sei Dir bewusst, dass die Zeit gegen Dich läuft. Ich bin überzeugt, dass Nvidia über 300 USD laufen wird ... aber bei dem Zeitrahmen bin ich mir nicht sicher. Daher sind Aktien eine gute "Unternehmensbeteiligung" für lange Zeithorizonte. Zwischenzeitliche negative Überraschungen können ausgesessen werden. Bei Optionsscheinen geht das nicht.


 Frage vom 22.09.2026

#Namenskonventionen: Euro/US-Dollar und Umlaufrendite

Sehr geehrter Herr Heibel,

Ihre Art uns die Börse zu erklären ist einmalig; vielen Dank für Ihre Arbeit.

Erlauben Sie mir dennoch einen Hinweis auf die Tabelle Wochenperformance der wichtigsten Indices, den ich mir nicht verkneifen kann.

Ich selbst vergleiche immer die Zinsen der 10-jährigen Anleihen miteinander: USA, Deutschland, Japan.
In Ihrer Tabelle steht immer noch "Umlaufrendiete Dt", wobei ich mir nicht sicher bin, ob die in der Tabelle veröffentlichte Zahl inzwischen die 10-jährige Rendite der Bundesanleihen widerspiegelt; möglicherweise ist die Umlaufrendite Dt auch schon so nah an die 10-jährige herangerückt, daß es keinen Unterschied mehr macht...

Dennoch hätte ich gerne für mich geklärt, welche Zahl genau hier veröffentlicht ist. Vielen Dank !!!

Desweiteren möchte ich darauf hinweisen, dass Ihre Tabelle den EUR/USD als US-Dollar/EUR bezeichnet, aber zahlenmäßig das Verhältnis EUR/USD zeigt: 1,15 sowie die prozentuale Veränderung.
Wenn Sie es so schreiben, dann müssten Sie eigentlich als Zahl 0,8695 setzen, sowie prozentuale Veränderungen mit positivem Vorzeichen zeigen, da der Dollar ja stärker geworden ist.
Natürlich möchte ich nicht, daß Sie die Zahlen ändern, da wir diese so überall lesen können; vielmehr möchte ich anregen die Bezeichnung auf EUR/USD zu ändern; dann stimmen alle Zahlen und wir verstehen, dass der Euro schwächer geworden ist.

Ich bin übrigens der gleich Mensch, der bemängelt hatte, dass Sie zeitweise das Put/Call- Verhältnis als Prozentzahl veröffentlicht hatten, anstatt es als Verhältniszahl ohne Einheit zu publizieren.

Ich bitte um Nachsicht für meine penetrante Präzision; aber genau diese, sowie das Einhalten von Vorschriften und Grenzwerten hat es mir jahrzentelang ermöglicht meine Gäste sicher von A nach B zu bringen und mich selbst aus der Presse und Unfallstatistik herauszuhalten.

Mit besten Grüßen
Ihr Flugkapitän in Rente
Werner aus Dreieich

 Antwort:

Ihre penetrante Präzision ist stets willkommen :-)

Die in der Tabelle veröffentlichte Zahl ist tatsächlich die offizielle Umlaufrendite der Bundesbank, nicht die reine Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe. Die Umlaufrendite ist ein gewichteter Durchschnitt aller umlaufenden Bundeswertpapiere mit einer Restlaufzeit von mehr als drei Jahren - also Bundesanleihen und Bundesobligationen zusammen. Bei einer normalen Zinskurve liegt sie deshalb etwas unter der 10-jährigen Rendite, weil kürzere Laufzeiten mit eingerechnet sind. Aktuell ist die Zinskurve am langen Ende vergleichsweise flach, sodass beide Werte nur wenige Basispunkte auseinander liegen. Ich verwende die Umlaufrendite, weil sie das Zinsniveau, das für deutsche Anleger relevant ist, breiter abbildet als eine einzelne Laufzeit.

Wenn Sie den direkten internationalen Vergleich mit den 10-jährigen US-Treasuries und japanischen JGBs anstellen, dann ist die reine 10-jährige Bundrendite tatsächlich das sauberere Pendant.

Zum Wechselkurs: Korrekt, aber ... Die Zahl 1,15 ist der EUR/USD-Kurs in der international üblichen Konvention - ein Euro kostet 1,15 Dollar. Die Bezeichnung „US-Dollar/EUR" in der Tabelle ist in der Finanzsprache falsch, denn USD/EUR würde 0,87 bedeuten. Ich habe die Bezeichnung jedoch umgangssprachlich als „US-Dollar je Euro" gemeint, so wie man es lesen würde, wenn man die Finanzsprache nicht kennt. Da Sie aber nicht er erste sind, der mich darauf hinweist, ändere ich das ab sofort auf die Finanzsprache … es sei denn, die Änderung löst nun einen Sturm der Entrüstung unter den anderen Heibel-Ticker Mitgliedern aus ;-)

Die Sorgfalt, mit der Sie unsere Tabelle lesen, ehrt mich.


 Frage vom 22.09.2026

#Charttechnik für's Timing fundamentaler Entscheidungen

Guten Abend Herr Heibel,

als erstes will ich mich für Ihre Arbeit bedanken. Solch logische Analysen und praxisnahen Ableitungen des politischen und makroökonomischen Geschehen gepaart mit Ihrem ruhigen, unaufgeregten Vortrag finde ich sonst nirgends.

Dass Sie in der aktuellen Ausgabe Ihres Newsletters von 3 Abmeldungen berichten und die rhetorische Frage stellen, ob Sie über die aktuelle Stressphase ausreichend informiert hätten, zeigt mir, dass Sie das beschäftigt. Ich möchte Ihnen deshalb meine Gedanken dazu mitteilen:

In der fundamentalen Analyse der einzelnen Werte macht Ihnen keiner so schnell etwas vor. Die Charttechnik lassen Sie aber meist unbeachtet. Bei einer laufenden Investition halte ich das auch für richtig. Beim Kauf und Verkauf ist es meiner Erfahrung nach aber nicht verkehrt, wenn man vorher einen Blick auf den Chartverlauf und die wichtigsten Indikatoren wirft.

Als Beispiel möchte ich hier nur den aktuellen Kauf von Micron anführen: Am 8.9. waren im Tageschart beide Linien der Slow Stochastic (Standard-Einstellung 10/3/3) im überkauften Bereich und die K-Linie näherte sich bereits der D-Linie, die sich am 9.9. dann auch kreuzten - für Trader ein Verkaufssignal. Die Aktie gab dann auch in den folgenden 3 Handelstagen ca. 10% nach. Anschließend erholte sie sich wieder und steht jetzt fast auf dem gleichen Stand als vorher. Diejenigen allerdings, die beim Kauf eine Stop/Loss-Order aufgegeben oder wg. schwacher Nerven bei dem Rücksetzer verkauft haben, haben Verlust gemacht.

Wenn man in einem halben Jahr auf die Micron-Aktie schaut, wird diese Episode wahrscheinlich wie die berühmten Peanuts erscheinen. Aber viele Menschen reagieren auch bei kleinen Verlusten oft emotional und wenn man mit so etwas Banalem, wie die Chartbeobachtung ist, einen kleinen Verlust in einen kleinen Gewinn (ich bin z.B. Ihrer Empfehlung gefolgt, habe aber erst 2 Tage später gekauft und jetzt mit 5% im Plus) verwandeln kann, dann ist das sicher der einfachste Weg für Sie, die Abonnenten gewogen zu stimmen.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: ich habe an Ihrer Arbeit in keinster Weise etwas auszusetzen, sondern will Ihnen damit nur eine wohlmeinende Anregung geben. Für mich ist Ihre Expertise auch ohne Ihre Chartbeurteilung von großem Wert. Letztere kann ich selbst erledigen, erstere nicht.

Freundliche Grüße, Wolfgang aus Mannheim

 Antwort:

Vielen Dank für diese wohlmeinende und sachlich gut begründete Anregung :-)

Sie haben in der Sache völlig recht: Die Charttechnik nutze ich bewusst sparsam, weil ich meine Stärke in der Fundamentalanalyse sehe und weil sich charttechnische Signale im Rückblick immer eleganter präsentieren als in Echtzeit. Ihr Micron-Beispiel ist aber gut gewählt, weil es beide Seiten der Medaille zeigt. Ja, der Slow Stochastic hat am 9. September das Verkaufssignal geliefert, und ja, wer zwei Tage nach unserem Kauf eingestiegen ist, steht heute besser da.

Aber derselbe Indikator hat Micron in den letzten zwölf Monaten immer wieder als „überkauft" markiert, während die Aktie sich verdoppelte. Wer bei jedem Signal aussteigt oder auf Rücksetzer wartet, verpasst in starken Trendmärkten regelmäßig den Zug. Oszillatoren wie der Stochastic sind in Seitwärtsphasen wertvoll, in Trendphasen aber notorisch unzuverlässig, weil sie bei anhaltendem Aufwärtsdruck dauerhaft im überkauften Bereich verharren.

Nun schlagen Sie vor, die Charttechnik erst nach der grundsätzlichen, fundamental begründeten Kauf- oder Verkaufsentscheidung zu konsultieren. Ja, das klingt sehr gut, hat sich aber als schwer bis gar nicht umsetzbar erwiesen. Wie gesagt: Gerade trendstarke Titel wie Micron zeigen immer wieder, dass charttechnische Signale auch „Fehlsignale“ sein können. Zu häufig wurden wir daher davon abgehalten, aussichtsreiche Aktien zu kaufen, die im Anschluss eine gute Performance erzielt hätten.

Und sollte sich das Signal als korrekt herausstellen, dann ist der Zeitraum für einen Einstieg in der Regel sehr kurz - wie auch dieses Mal. Heute steht die Aktie schon wieder deutlich über unserem Kaufkurs. Ich muss, wenn dann das charttechnische Verkaufssignal auf Kaufen dreht, mehrere Dinge beachten: Ich empfehle US-Titel vorzugsweise zwischen 15:30 und 17:30 Uhr, da nur in diesem kleinen Zeitfenster sowohl die US- als auch die deutsche Börse offen sind. Das reduziert den Spread, wir bekommen so also günstigere Kurse.

Aber natürlich versuche ich, den besten Zeitpunkt für unsere Handelsentscheidungen zu erwischen, und natürlich nutze ich auch die Charttechnik. Wenn ich jedoch permanent die Charttechnik im Blick behalte, dann mutiere ich zu einem Trader und hätte nicht mehr die Zeit für die Fundamentalanalysen. Aber die Charttechnik ist einer der Bereiche, die ich insbesondere unter Nutzung der KI künftig weiter ausbauen möchte.

Herzlichen Dank noch einmal für die konstruktive Kritik.


 Frage vom 22.09.2026

#TAG Immobilien bei Ausverkauf wegen Vergesellschaftung interessant

Sehr geehrter Herr Heibel

Ich weiss, da ich ja schon ein paar Jahre bei Ihnen Abonnentin bin, dass Sie sich wenig mit Wohnungskonzernen beschäftigen.
Da aber der morgige Sonntag in Berlin wohl zu einer Regierung mit einer «linken» Dominanz führen wird, werden die Wohnungsaktien – auch wenn sie wenig oder gar nicht in Berlin investiert sind –
wohl an der Börse unter Druck kommen.

Eine Aktie die immer ein wenig unter dem Radar von Börsenzeitungen und Kommentatoren läuft ist TAG-Immobilien 830350.
Ich bin hier seit einiger Zeit ein wenig investiert und habe dieses Investment auch in den relativ schlechten Jahren während Corona gehalten. Die weitere Entwicklung hat mich bestätigt und das ist ja soweit auch ganz nett.
Jetzt rechne ich durchaus damit, dass die Aktie an der Börse mit runtergerissen werden könnte, wenn Vonovia und andere, die in Berlin stark investiert sind an der Börse wohl Federn lassen werden, wenn eine neuen linke Regierung in Berlin den Volksentscheid zur Enteignung von grossen Wohnungsgesellschaften umsetzen könnte.

Ich überlege jetzt in diesem Fall mein Engagement in TAG aufzustocken.
Daher würde ich mich über eine vertiefte Analyse freuen. Es muss ja nicht gleich diese Woche sein – es darf auch noch 2 Wochen gehen.

Vielen Dank und ein schönes Wochenende

Jutta aus Basel

 Antwort:

Gute Idee und Ihre Argumentation ist in meinen Augen schlüssig. Die Wahl ist inzwischen gelaufen: Die Linke hat gewonnen, Elif Eralp bekräftigt den Vergesellschaftungskurs. Die Marktreaktion war bislang deutlich milder als Sie befürchteten. Vonovia gab am Montag nur 2,2% ab, während der DAX 1% zulegte. Das hat zwei Gründe. Erstens ist noch gar nicht klar, ob die Linke überhaupt regieren wird: Rechnerisch ist eine Koalition aus CDU, Grünen und SPD unter Ausschluss der Linken möglich, und SPD-Spitzenkandidat Krach hat sich klar gegen Enteignung positioniert. Zweitens hat Bundeskanzler Merz noch am Montag bekräftigt, Vergesellschaftungen auf Landesebene per Bundesgesetz verhindern zu wollen. Der Volksentscheid für ein bindendes Vergesellschaftungsgesetz wird zudem nicht vor 2027 erwartet, mit anschließender jahrelanger verfassungsrechtlicher Prüfung. An der Börse diskutiert man also ein Risiko, aber noch keinen Bilanzschaden.

TAG Immobilien ist lediglich mittelbar durch die Vorgänge in Berlin betroffen, da der Bestand zu über 90% in Ostdeutschland liegt (Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern) sowie in Polen (über Vantage Development und ROBYG). Ein Vergesellschaftungsgesetz würde sicherlich TAG in Sippenhaft nehmen, doch das wäre aus diesem Blickwinkel dann eher eine Kaufgelegenheit. Die eigentliche Belastung für TAG bleibt aber das steigende Zinsniveau.

Sollte tatsächlich eine Linken-geführte Regierung entstehen und der Sektor in den Ausverkauf gehen, ist TAG mit seiner Ostdeutschland-Fokussierung und der Polen-Wachstumsstory der sauberste Wert, um den Sektorstress auszunutzen.


 Frage vom 18.09.2026

#Honeywell Aerospace günstig wegen Lieferkettenproblemen

Lieber Herr Heibel,

ich fände mal eine Analyse von HONA durch dich sehr spannend.

Honeywell Aerospace ist nach den Quartalszahlen ein wenig unter die Räder gekommen, aber ich halte sie langfristig durchaus interessant.

Vielleicht haben sie ja mal Zeit/ Lust.
Herzlich, Kai aus Würzburg

 Antwort:

Honeywell Aerospace ist ein klassischer Post-Spin-off-Fall und damit für Geduldige tatsächlich interessant. Dem Spin-off am 29. Juni folgte am 5. August sofort ein Schock mit dem ersten Quartalsbericht als eigenständiges Unternehmen. Die Unternehmensprognose für 2026 wurde von 7-9% organischem Wachstum auf 4-5% gesenkt, die Aktie verlor über 20%. Als Grund wurden Lieferkettenengpässe bei mechanischen Komponenten genannt, die verhindern, dass die stark wachsende Aftermarket-Nachfrage bedient werden kann.

Nicht die Nachfrage ist das Problem, sondern die Fähigkeit zu liefern. Das ist der bessere der beiden möglichen Fehler. Das Management hat konkrete Maßnahmen angekündigt, wie bspw. Investitionen in Zulieferer-Werkzeuge, Dual-Sourcing (stets mindestens 2 Lieferanten für jede Zulieferer-Komponente) und rechnet mit einer Erholung der Gewinnmarge ab 2027. Bis 2030 soll der Gewinn verdoppelt werden. Die Verteidigungsausgaben in Europa und in den USA steigen strukturell und Honeywell Aerospace hat eine starke Marktstellung bei Bordelektronik (Avionik), Triebwerken und Hilfstriebwerken (APUs).

Auch ohne die negative Überraschung bei den ersten Quartalszahlen hätte ich eine zunächst schwache Kursentwicklung nach dem Spin-off erwartet. Die ersten 6-12 Monate sind häufig holprig, weil Anleger das neue Unternehmen erst kennenlernen müssen. Wie erstellt das Unternehmen seine Prognose, wie sehen die Lieferantenverträge ohne Konzernmutter aus, die Kapitalallokation wird häufig neu aufgesetzt. Zudem verkaufen viele Index-Fonds und institutionelle Anleger die beim Spin-off erhaltenen Aktien des kleineren Ablegers der Konzernmutter, da die neue Gesellschaft nicht in das Anlageprofil passt. Erst danach, vielleicht nach 6-12 Monaten, folgt eine Phase der Neubewertung.

Ich würde HONA aktuell noch nicht kaufen. Der Q3-Bericht Anfang November muss zunächst zeigen, ob die Lieferkettenmaßnahmen greifen und ob die Unternehmensprognose hält. Das EV/EBITDA steht bei 13, für das laufende Jahr wird nun ein Gewinnwachstum (EBITDA) von 16% erwartet, für 2027 dann 8%. Langfristig dürfte sich das Unternehmen zu einem verlässlichen Industrieunternehmen mit Schwerpunkt Luftfahrt und Rüstung entwickeln. Sofern das Lieferkettenproblem gelöst wird, könnte die gute Marktposition aufgrund der großen Nachfrage zusätzlich noch Preiserhöhungen ermöglichen, die dann zu positiven Überraschungen bei der Gewinnentwicklung und somit zu einem kräftig ansteigenden Kurs führen könnten. Doch das ist dann nur eine Spekulation, die ich nicht eingehen würde, bevor das Lieferkettenproblem gelöst ist.


 Frage vom 17.09.2026

#Stark schwankende Dividendenrendite bei Harbour Energy

Guten Abend, Herr Heibel,

in der letzten Ausgabe habe Sie bei den Leserfragen Habour Energy A3CRBA hervorgehoben, insbesondere die Div.-Rendite von 8,9 %.

In zwei anderen Finanz-Zeitungen ist nur von ca. 4,6 % die Rede.

Auf welcher Seite liegt der Flüchtigkeitsfehler ? Es wird ja zweimal jährlich Dividende ausgeschüttet...

Meiner Spürnase sagt die Aktie zu.

Viele Grüße

Franz aus Magdeburg

 Antwort:

Danke für den Hinweis, alle haben recht: Die Dividendenrendite für das abgelaufene Jahr 2025 betrug 8,9%, ausgezahlt in zwei Tranchen (am 21.5.25 und 24.9.25 jeweils 13,19 USD/Aktie).

Am 20.5.26 und 24.9.26 werden jeweils 8,905€ ausgeschüttet, was zu einer Dividendenrendite von aktuell 4,9% führt.

Für 2027 erwarten Analysten eine Dividende von zweimal 10 USD, also 5,5%.

Danke nochmals für den Hinweis. Die starken Schwankungen in der Rendite liegen zum einen an der dynamisch angepassten Dividendenhöhe sowie auch an der Kursentwicklung, die derzeit sehr volatil ist: Zum Jahresbeginn lag der Kurs bei 182 USD, im März wurde das Hoch bei 320 USD erreicht und aktuell steht die Aktie bei 274 USD. Die Dividendenrendite wird stets auf den aktuellen Kurs zum Zeitpunkt der Ausschüttung, die erwartete zum aktuellen Kurs, berechnet, daher diese großen Schwankungen.


 Frage vom 17.09.2026

#Palo Alto: Index-Aufnahme als Kurstreiber

Hallo Herr Heibel !

Ich freue mich immer auf die neue Ausgabe des Tickers, nur weiter so 😀

Da Palo Alto jetzt in den S&P aufgenommen wird, würde mich interesieren in welchem Zeitraum die Anpassungen gemacht werden....
Beginnt das schon vor Aufnahme in den Index oder aber erst ab dem Stichtag ?
Wie lange kann dad dauern ?
Ist das einheitlich geregelt odet macht das jeder nach seinen eigenen Regeln ?

Vielen Dank
Jürgen aus Sardinien

 Antwort:

Palo Alto Networks ist bereits seit Juni 2023 im S&P 500. Was jetzt am 21. September 2026 ansteht, ist die Aufnahme in den engeren S&P 100, gemeinsam mit Dell, Arista und SanDisk. Aus dem S&P 100 fliegen Nike, Honeywell Aerospace, Simon Property Group und Colgate-Palmolive.

Zum Ablauf der Anpassungen: S&P Dow Jones kündigt die Änderungen typischerweise 5-10 Handelstage vor dem Effektivdatum an. Diese Ankündigung erfolgte hier Anfang September. Das eigentliche Rebalancing der passiven Index-Fonds findet dann konzentriert am Handelsschluss des letzten Handelstages vor dem Effektivdatum statt, also am Freitag, 18. September. Passive Fonds müssen ihre Positionen möglichst exakt an den Index anpassen, um ihren Tracking Error minimal zu halten. Die Schlussauktion des Vortags ist der einzige Zeitpunkt, an dem sie garantiert zum offiziellen S&P-Rebalancing-Kurs kaufen können.

Die Effektivdatum-Regel ist einheitlich für alle passiven Fonds vorgegeben; sie müssen zum offiziellen Rebalancing-Zeitpunkt die Position halten. Wie sie die Position dorthin aufbauen, ist allerdings jedem Fondsmanager selbst überlassen. Manche kaufen alles am Effektiv-Tag, andere staffeln die Käufe über mehrere Tage vorher, um den Kurs nicht selbst nach oben zu treiben. Genau darauf spekulieren aktive Trader und Hedgefonds: Sie kaufen die Aktie direkt nach der Ankündigung und verkaufen später an die passiven Fonds - das ist der berühmte „Index Inclusion Effect", der historisch zwischen Ankündigung und Effektivdatum für einen leichten Kursanstieg sorgt (ca. 3%). Nach dem Effektivdatum folgt häufig ein leichtes Reversal von 1-2%, langfristig bleibt aber ein Aufwärtsdruck durch die höhere Sichtbarkeit und die dauerhafte Nachfrage neuer passiver Fondsmittel.

Die S&P 100 Aufnahme hat eine deutlich kleinere Nachfragewirkung als die S&P 500 Aufnahme. Der S&P 500 wird von direkt oder indirekt rund 7-9 Bio. USD getrackt, der S&P 100 nur von einem Bruchteil davon. Der zusätzliche Kaufdruck wird also spürbar geringer sein als beim S&P 500 Aufstieg 2023, wo Palo Alto damals am Ankündigungstag +5,6% zulegte. Eine viel stärkere Kursrelevanz haben andere Entwicklungen, wie in diesen Tagen beispielsweise die gestiegene Bedeutung von Sicherheitslösungen für die IT-Landschaft im Rahmen der KI-Bedrohungen. Palo Alto stieg allein diese Woche um 15% an - unabhängig von der Index-Entscheidung.

Also: Wir kümmern uns selten um Index-Zugehörigkeiten als Kurstreiber, da diese Effekte nichts mit dem zugrunde liegenden Geschäft zu tun haben und daher in meinen Augen eher die Bestätigung einer Geschäftsentwicklung und nicht deren Ursache. Wenn überhaupt, dann könnte der Kurs am Montag etwas unter Druck geraten, weil die oben erwähnten Spekulanten aus der Aktie gehen.


 Frage vom 17.09.2026

#PVA TePla KGV 72 versus EV/EBITDA 16

Lieber Herr Heibel halten Sie heute PV Tepla bei einem Kurs von ca. 28,00
Euro trotz eine KGV von 72 für kaufenswert?
Für eine kurze zeitnahe Rückmeldung freue ich mich.
Mit besten Grüßen
Henning aus Wendelsheim

 Antwort:

Hier können Sie wunderbar sehen, warum ich die Bewertungskennziffer EV/EBITDA (kurz: EVA) dem KGV vorziehe: EVA zeigt die Profitabilität des Geschäftsmodells, während das KGV Investitionen, Schulden und andere Faktoren einbezieht. Wenn Sie also wissen wollen, wie teuer die Aktie heute ist, dann ist das KGV hilfreich. Doch mich interessiert, wie teuer die Aktie künftig sein wird. Und dazu rechne ich Investitionen als Einmaleffekt heraus und schaue auch nur auf den Unternehmenswert, wenn es keine Kredite gäbe.

Der konservative Anleger mag sich auf eine dritte Kennzahl konzentrieren: den freien Cashflow. Diese Kennzahl berücksichtigen wir bei Dividendentiteln besonders stark, da eine attraktive Dividende direkt am freien Cashflow hängt. Für Wachstumsunternehmen wie PVA TePla ist das jedoch irrelevant. Hier interessiert mich nur, ob das Geschäftsmodell in der Zukunft trägt. So steht das KGV bei 72, während das EV/EBITDA nur bei 16 steht.

Natürlich ist es riskant, sich auf künftige Entwicklungen zu konzentrieren. Wir haben bereits das Tal der Tränen mit PVA TePla durchschritten, da die Prognosen stets zu optimistisch waren. Doch seit Jahresbeginn hat sich dies geändert, inzwischen werden die Prognosen zunehmend verlässlich, so dass die Aktie bereits um 50% angestiegen ist … auch wenn sie zwischenzeitlich schon mal eine Verdopplung zeigte.


 Frage vom 17.09.2026

#Micron-Risiko: Mitarbeiter fordern Gewinnbeteiligung von 800.000$/Jahr/Mitarbeiter

Sehr geehrter Herr Heibel,

Sie empfehlen Micron Technology zum Kauf. Haben Sie keine Bedenken hinsichtlich der gewerkschaftlichen Arbeitskampfmaßnahmen in Taiwan? Nach dem Vorbild von Samsung und SK Hynix droht die Gewerkschaft damit, die Arbeit unbefristet niederzulegen, falls nicht 15% des Ertrags als Bonus an die Mitarbeiter ausgeschüttet werden. Ein Angebot von Micron, bis zu 68 Monatsgehälter als Bonus zu zahlen – also mehr als fünf Jahresgehälter –, wurde von der Gewerkschaft als abgewiesen.

Die Gewerkschaften vertreten in Taiwan knapp 10.000 von rund 15.000 Mitarbeitern an den betroffenen Standorten, mehr als 80 % der befragten Mitglieder unterstützten Streikmaßnahmen, und trotz Microns inzwischen angekündigter Vergütung von bis zu 68 Monatsgehältern besteht noch keine Einigung.

Für einen Investor sehe ich dies aus drei Gründen problematisch. Erstens hat Micron kurzfristig kaum Ausweichmöglichkeiten: Eine moderne DRAM-Fab lässt sich nicht einfach durch ein anderes Werk ersetzen. Zweitens zeigt Samsung, dass erfolgreiche Arbeitskämpfe branchenweit neue Referenzwerte schaffen können. Drittens kann daraus ein dauerhafter Anspruch auf einen erheblichen Anteil des zyklischen Übergewinns entstehen. Dann liegt ein Teil des operativen Leverage nicht mehr bei den Aktionären. Sollte die Forderung tatsächlich auf 15 % des konsolidierten operativen Micron-Gewinns hinauslaufen, wäre die theoretische Belastung enorm. Bei 15.000 Taiwan-Mitarbeitern entspräche es rechnerisch fast 1 Mio. USD je Beschäftigten.

Diese asymmetrische Risikoverteilung gefällt mir überhaupt nicht. In einem schlechten Speicherjahr trägt der Aktionär praktisch das gesamte zyklische Risiko: Gewinne kollabieren, Fabs schreiben weiter ab, der Aktienkurs fällt. Im außergewöhnlich guten Jahr tritt dagegen eine organisierte Belegschaft auf und verlangt einen erheblichen Anteil des Übergewinns. Damit entsteht für den Aktionär eine ungünstige Struktur: Downside bleibt beim Kapitalgeber, Upside wird zunehmend geteilt.

Das ist genau das Gegenteil dessen, was ich bei einem kapitalintensiven zyklischen Unternehmen sehen möchte. Die Aktionäre finanzieren Milliarden für Fabs, übernehmen Technologie-, China-, Taiwan-, Nachfrage- und Abschreibungsrisiken – und der außergewöhnliche Gewinn wird nachträglich neu verteilt.

Trotz der marktwirtschaftlich guten Aussichten halte ich dieses Risiko für ein Damoklesschwert über allen 3 Speicherproduzenten.

Mit freundlichen Grüßen

Ralf aus Boppard

 Antwort:

Taiwan ist tatsächlich das operative Rückgrat von Micron, denn dort werden 50-60% aller Chips produziert, bei HBM-Chips ist es sogar der Löwenanteil. 19 Mrd. USD an langfristigen Vermögenswerten (Anlagen und Ausrüstung) sitzen ebenfalls in Taiwan, mehr als in jedem anderen Land. Ein Streik zum jetzigen Zeitpunkt würde nicht nur die aktuellen Auslieferungen treffen, sondern die gesamte HBM-Roadmap 2026/27 gefährden.

Samsung hat im Mai einen 18-Tage-Streik von 48.000 Mitarbeitern nur mit einer Sondervergütung von 10,5% der Chip-Gewinnmarge abgewendet. SK Hynix hat vor einem Jahr sogar 10% des jährlichen Gewinns (Operating Profit) für die nächsten 10 Jahre zugesagt. Die Micron-Gewerkschaft rechnet vor, dass das aktuelle Micron-Angebot nur 4,4% des operativen Gewinns entspricht. Im Raum steht aktuell eine 15%-Forderung als Anfangsgebot einer Verhandlung. Rechnen wir mal damit, dass eine Einigung zwischen 8% und 12% liegen könnte.

Ihre asymmetrische Risikoverteilung trifft den strukturellen Kern. In Zyklustiefs schreiben die Speicherhersteller regelmäßig Milliardenverluste und die Aktionäre tragen die volle Abschreibung. Im Zyklushoch, wenn 80% Operating Margins zu 28 Mrd. USD Nettogewinn pro Quartal führen, erhält die Belegschaft einen Anteil, der in schlechten Jahren nicht symmetrisch reduziert wird. Bei den 8% bis 12% wäre die Rechnung tatsächlich extrem: 10% von rund 30 Mrd. USD Quartalsgewinn wären 3 Mrd. USD pro Quartal an die Belegschaft, das entspräche knapp 0,8 Mio. USD je Taiwan-Mitarbeiter im Jahr. Für die Belegschaft ein Traumgehalt, für den Aktionär eine erhebliche strukturelle Belastung.

Ihre Schlussfolgerung, dass dies ein Damoklesschwert über allen drei Speicherproduzenten ist, teile ich nur bedingt. Bei SK Hynix und Samsung ist der Schock bereits durchgestanden und im Kurs eingepreist. Die Aktien laufen trotzdem stark, weil der absolute Gewinn selbst nach der Gewinnbeteiligung enorm ist. Bei Micron ist der Schock meiner Einschätzung nach größtenteils eingepreist. Die Verhandlungen laufen aktuell (18./21. September), Q4-Zahlen kommen am 30. September, und der potenzielle Streikbeschluss steht unmittelbar bevor. Der Bewertungsabschlag der Micron-Aktie gegenüber SK Hynix reflektiert nach meiner Wahrnehmung den Großteil dieser Arbeitskampfrisiken.

Vielen Dank für Ihren Hinweis, dieser Arbeitskampf hat bei näherem Hinschauen tatsächlich eine deutlich größere Bedeutung, als von mir zuvor angenommen. Gleichzeitig dient dieser Arbeitskampf nun als Erklärung für die schwache Kursperformance in den vergangenen Wochen. Häufig ist es so, dass eine Lösung, egal ob bei 8% oder 12%, gerade in einer Situation wie bei Micron, wo die beiden maßgeblichen Wettbewerber bereits entsprechende Entscheidungen umsetzen, als Gewissheit begrüßt wird und die Aktie anschließend zu einer Erholung ansetzt.

Andersherum gerechnet: Sollte der Gewinn durch die Mitarbeiterbeteiligung um 10% gekürzt werden, dann würde sich das EV/EBITDA von aktuell 5,0 auf 5,5 erhöhen. Das ändert kaum etwas an der exorbitant günstigen Bewertung.


 Frage vom 11.09.2026

#Spekulieren auf fallende Kurse bei Nordex und Vestas

Sehr geehrter Herr Heibel,

nach Gesprächen mit Kollegen aus der Windbranche sind unproportional hohe Preise von Windenergieanlagen, besonders in Deutschland für niedrige rentabilität der Projekte verantwortlich.

Dies zwingt die Projektierer teilweise keine Projekte mehr Umzusetzen, während die Hersteller gut an den noch bestehenden Aufträgen verdienen.

Manche erwarten nun einen Rückgang in den Anlagenpreisen, besonders im deutschen Markt.

Ist das womöglich eine Grundlage für eine shortposition in Vestas Wind Systems und oder Nordex SE?

--
mit freundlichen Grüßen
Hartmuth aus Meinersen

 Antwort:

Nein, diese Schlussfolgerung würde ich aus Ihrer richtigen Beobachtung nicht ziehen. Das Bild in Ihrer Windbranche-Runde spiegelt die Perspektive der Projektentwickler wider, und aus deren Sicht ist es zutreffend: Die Margen im Projektgeschäft sind unter Druck. Aber die Ursache liegt nicht bei den Turbinenpreisen, sondern beim Angebot von Projekten. Die letzte deutsche Onshore-Auktion im Juli hat niedrige Preise (51 EUR/MWh bis 44 EUR/MWh) ergeben. Diese Preise sind Ergebnis eines starken Anstiegs des Projekt-Angebots. Deutschland hat 2025 rund 21 GW an Onshore-Wind-Projekten genehmigt, 2026 wird dieser Wert nochmals übertroffen. Nach Jahren der zögerlichen Genehmigung ist nun das Gegenteil eingetreten: Zu viele Projekte drängen in zu wenige Auktionsslots und drücken die Preise.

Für die vier verbliebenen Turbinenhersteller (Vestas, Nordex, GE Vernova, Siemens Energy) ist das die beste Marktphase seit Jahren. Die Marge von Nordex ist von 1% im Jahr 2023 auf 4,1% im Jahr 2024 gestiegen, das mittelfristige Ziel liegt bei 8%. Der Turnaround, den ich beim Hamburger Investorentag im April 2024 vom Nordex-CFO Ilya Hartmann geschildert bekam, ist gerade voll im Gang. Nordex-CEO Blanco hat kürzlich sogar die Ambition ausgesprochen, wieder auf einen US-Marktanteil von 15-18% zurückzukommen.

Sie sagen: Hohe Turbinenpreise → keine Projekte → Preisrückgang bei Turbinen. Tatsächlich läuft es aber genau andersherum: Erst kamen die Genehmigungen, dann stieg die Nachfrage nach Turbinen, dann konnten die vier Oligopolisten ihre Preise anheben und ihre Margen normalisieren. Wenn Projektierer heute klagen, dass Projekte nicht wirtschaftlich sind, dann liegt das an den niedrigen Auktions-Erlösen und den weiter hohen Zinsen für die Projektfinanzierung, nicht am Turbinenpreis.

Der Rückenwind für Vestas und Nordex ist real, das operative Momentum trägt weiter.


 Frage vom 11.09.2026

#Profitieren vom Gaspreisanstieg: Equinor, OMV, Vår Energi, Harbour Energy

Hallo Herr Heibel,

heute hat es in Hamburg den ganzen Tag über 'Bindfäden geregnet' und ich habe tatsächlich unsere Heizung wieder eingeschaltet ... dazu beschäftigt mich eine aktuelle Überlegung:

Die europäischen Gasspeicher sind für die Jahreszeit ungewöhnlich leer, weil sich das Einspeichern bei den seit Monaten hohen Gaspreisen kaum gerechnet hat – gleichzeitig beginnt nun die Heizsaison, sodass Europa möglicherweise ausgerechnet bei hohen Preisen nachkaufen muss. Könnte daraus ein interessanter Investment-Case für europäische Gasproduzenten entstehen, deren Förderkosten deutlich unter dem aktuellen TTF-Preis liegen, etwa Equinor, OMV, Vår Energi oder Harbour Energy? Mich würde insbesondere interessieren, bei welchem dieser Unternehmen ein weiterer Anstieg des europäischen Gaspreises noch nicht im Aktienkurs eingepreist ist und wo Sie aktuell den größten Hebel auf Free Cashflow und Aktienkurs sehen.

Was meinen Sie?

Viele Grüße
Stephan aus Hamburg

 Antwort:

Die europäischen Speicherstände liegen tatsächlich deutlich unter dem saisonalen Durchschnitt, der TTF-Gaspreis notiert bei rund 66 USD/MWh und damit mehr als doppelt so hoch wie zu Jahresbeginn. Sollte der Winter kalt ausfallen oder die Straße von Hormus weiter blockiert bleiben, kann die Gaspreisrallye noch deutlich zulegen. Damit stellt sich Ihre Frage, wo der größte Hebel liegt.

@Equinor: [Im Juli 2025 zeigte ich auf, dass Equinor schrumpft und immer mehr investieren muss](https://www.heibel-ticker.de/heibel_tickers/2317?refID=1&referrerUrl=%2Fheibel_tickers%3Futf8%3D%25E2%259C%2593%26month%3D%26year%3D%26keyword%3DEquinor). Inzwischen hat Equinor die Strategie neu justiert: Wachstum bei internationalen Ölfeldern, prognostizierte 20 Mrd. USD Free Cashflow zwischen 2026 und 2030. Die Story ist besser als vor zwei Jahren, aber Equinor bleibt ein größerer, integrierter Konzern mit weltweiter Diversifikation. Der Hebel auf den europäischen Gaspreis ist bei einem Konzern dieser Größe strukturell gering.

@OMV: Der integrierte österreichische Konzern hat neben dem E&P-Geschäft ein bedeutendes Chemie- und Raffinerie-Segment. Bei steigendem Gaspreis verdient OMV mehr, aber das Chemie-Geschäft leidet gleichzeitig unter höheren Rohstoffkosten und schwacher Nachfrage aus der europäischen Industrie. Der Hebel auf den europäischen Gaspreis wird dadurch verwässert.

@Vår Energi: Die norwegische Eni-Tochter (Eni hält 63,5%) ist ein Pure-Player im norwegischen Kontinentalschelf mit hoher Sensitivität gegenüber dem europäischen Gaspreis. Das Unternehmen bedient den norwegischen Markt. Die Aktie hat den Gaspreisanstieg bereits mit einem Kursplus von 50% eingepreist, bietet aber weiter Hebel. Das EV/EBITDA steht bei nur 1,8, da der Gewinn in den vergangenen Monaten sprunghaft anstieg. Die Dividendenrendite von 9% macht ebenfalls Spaß. Allerdings handelt es sich um einen „Sondereffekt“. Bereits für 2027 werden wieder rückläufige Umsätze und Gewinne befürchtet, was die niedrige Bewertung erklärt.

@Harbour Energy: Die H1-2026-Zahlen waren spektakulär. Rekordproduktion, Free-Cashflow-Prognose für das Gesamtjahr verdreifacht, Umsatz +20%. Die Konzernstrategie fokussiert bewusst auf fünf Kernregionen mit niedrigen Förderkosten: Norwegen, UK, Argentinien, USA und Mexiko. Die Betriebskosten liegen bei nur 13,3 USD je Barrel Öläquivalent, was historisch niedrig ist. Durch Übernahmen im US-Golf und in Großbritannien ist Harbour deutlich größer und diversifizierter geworden. Die Aktionäre sollen 2026 durch Aktienrückkäufe 250 Mio. USD erhalten zuzüglich 8,9% Dividendenrendite.

Die aktuelle Unternehmensprognose basiert auf Annahmen, die den kompletten Gaspreisspurt der letzten Wochen noch nicht widerspiegeln. Sollte der Winter kalt werden und der Gaspreis nicht abschmelzen, wird Harbour die Guidance anheben müssen. Bei einem Free-Cashflow-Yield von aktuell rund 30% auf die Marktkapitalisierung und weiter steigenden Gaspreisen ist der Multiplikatoreffekt größer als bei Equinor oder OMV. Denn für jeden Euro Marktkapitalisierung wirft das Unternehmen aktuell 30 Cent an freiem Cashflow ab.

Harbour Energy ist stark gehebelt: Bei einer Marktkapitalisierung von 6 Mrd. USD bestehen 7,6 Mrd. USD Schulden. Da reicht ein bereits kleiner absoluter Gewinnsprung, um eine große relative Kurswirkung zu erzielen. Ein zusätzlicher Gewinn von 1 Mrd. USD bedeutet +17% auf die Marktkapitalisierung. Dieselbe Milliarde bedeutet bei Equinor nur 1,3%. Bei OMV frisst das Chemie-Geschäft einen Teil des Aufwärts-Hebels weg.


 Frage vom 11.09.2026

#Bitcoin kaufen über Relai & Bitcoin.de

Hallo Herr Heibel,

vielen Dank für Ihr kontinuierliches Engagement im Rahmen des Heibel-Tickers. Ich freue mich jede Woche auf Ihre Einordnung der aktuellen Geschehnisse. Sie bereichert meine Börsenaktivitäten sehr.

Ich plane bei Gelegenheit ein paar BTC-Anteile zu kaufen. Sie hatte vor einiger Zeit Handelsplattformen vorgestellt bzw. empfohlen. Nur um sicherzugehen, dass ich die richtige erwische: Dieses war glaube ich eine Ihrer Empfehlungen, oder? https://relai.app/de/

Zum anderen würde mich Ihre Meinung zu dieser Börse interessieren: https://www.bitcoin.de/de
Diese Börse ist seit >10 Jahren am Markt. Eine vertrauenswürdige Quelle hat dort zu dieser Zeit schon gehandelt. Vorteil: Gebühren von nur 0,5% je Transaktion (je für Käufer und Verkäufer). Leider ist der Handel gerade ausgesetzt, wegen Anpassung der Plattform an eine Regulierung. Auf Grund der langen Historie erscheint mir die Plattform als vertrauenswürdig. Haben Sie eine Meinung zu diesem Anbieter?

Besten Dank und viele Grüße aus Karlsruhe,
Elmar

 Antwort:

Besten Dank für das Lob :-)

@Relai: Ja, richtig erinnert - Relai habe ich seit Januar 2024 mehrfach als „Brücke in die Bitcoin-Welt" empfohlen. Die App ist unkompliziert, Bitcoin-only fokussiert und ermöglicht die Eigenverwaltung, sofern gewünscht. Kaufgebühren liegen bei 1,5%, beim Verkauf um 1%. Relai bietet die Überweisung auf ein Konto in Luxemburg, auf das per SEPA-Echtzeitüberweisung eingezahlt werden kann. Für die einfache Anlage in Bitcoin bleibt Relai meine Empfehlung. Wenn Sie mir was Gutes tun wollen, nutzen Sie meinen Empfehlungslink: REL247362. Ich glaube, dann bekomme ich eine kleine Aufmerksamkeit :-)

@Bitcoin.de: Diese Plattform habe ich im Heibel-Ticker bisher nicht explizit besprochen, aber sie ist absolut seriös. Betrieben von der Bitcoin Deutschland AG (Tochter der börsennotierten Bitcoin Group SE), seit 2011 am Markt, BaFin-reguliert und mit der Solaris Bank als Treuhandpartner. Bitcoin.de ist ein Peer-to-Peer-Marktplatz, auf dem Käufer und Verkäufer über den Marktplatz direkt Bitcoins tauschen. Die Gebühr liegt bei 0,5% je Seite, effektiv also 1% bei einer kompletten Transaktion - günstiger als Relai. Vorteil: Deutsche Regulierung, deutsche Sprache und Support, deutsches Steuerreporting einfach. Nachteil: Eher „Börsenlogik" mit Orderbüchern statt einer schlanken Kauf-App, und die Bitcoins liegen zunächst auf der Plattform. Für die Eigenverwaltung müssen Sie aktiv auf Ihre eigene Wallet auszahlen lassen.

Die aktuelle Handelsaussetzung wegen MiCA-Anpassung ist eher ein Zeichen von Seriosität als ein Warnsignal. MiCA (Markets in Crypto-Assets Regulation) ist die neue EU-Krypto-Verordnung, die seit Ende 2024 schrittweise umgesetzt wird. Alle EU-Kryptoplattformen müssen sich anpassen.


 Frage vom 11.09.2026

#Micron versus SK Hynix, Quanta Services & Comfort Systems

Guten Morgen Herr Heibel,

Zunächst erst einmal vielen Dank für die prompten Antworten. Ich finde es spannend, ich beschäftige mich schon sehr lange mit Aktien und immer wieder falle ich noch meiner Angst zum Opfer zu spät zu kaufen oder zu verkaufen.

Sie hatten im letzten newsletter die Überlegung hinsichtlich Micron. Ich würde eher zu Sk Hynix tendieren ? Vielleicht wäre aber auch Quanta Systems oder auch Comfort Systems eine Idee.

Freundliche grüße

Dieter aus Hüven

 Antwort:

Ihre Angst, zu spät zu kommen, ist die häufigste unter Anlegern. Genau dafür habe ich die gestaffelte Vorgehensweise eingeführt: Lieber in kleinen Tranchen eine Position aufbauen, als sich vor einer Vollposition zu drücken oder umgekehrt hektisch am Höhepunkt einzusteigen.

@Micron vs. SK Hynix: Beide profitieren vom HBM-Speicher-Oligopol, das ich [in der letzten Ausgabe im Rahmen der Wunschanalyse](https://www.heibel-ticker.de/heibel_tickers/2441?refID=1&referrerUrl=%2Fheibel_tickers#ch7) ausführlich beschrieben habe. SK Hynix ist der HBM-Marktführer und surft die Welle am direktesten, Micron ist die Nummer 2, deutlich billiger bewertet, dafür in den USA verwurzelt. SK Hynix ist an der Börse von Südkorea gelistet. Ich kenne mich in Südkorea nicht aus, sondern habe nur rudimentär oberflächliche Kenntnisse darüber, dass SKHynix gemeinsam mit Samsung die südkoreanische Wirtschaft maßgeblich bestimmt. Keine Ahnung, was das für Folgen für die Unternehmens- und Steuerpolitik hat. Ihre Neigung zu SK Hynix ist nachvollziehbar: Die HBM-Fokussierung ist bei SK Hynix am reinsten, plus das positive Signal des angekündigten milliardenschweren Aktienrückkaufs zeigt Kapitaldisziplin und Gewinnbeteiligung. Ich würde dennoch für ein deutsches Depot Micron vorziehen, da mir die US-Börse und die US-Politik vertrauter sind.

@Quanta Services hatte ich [im Februar 2025 als Antwort auf eine Leserfrage](https://www.heibel-ticker.de/heibel_tickers/2276?refID=1&referrerUrl=%2Fheibel_tickers%3Futf8%3D%25E2%259C%2593%26month%3D%26year%3D%26keyword%3DQuanta) bereits ausführlich analysiert und damals als „günstige Einstiegsgelegenheit" bezeichnet. EV/EBITDA war 17, Umsatzwachstum 10-15% p.a. bis 2028 projiziert, Auftragsbestand 34,5 Mrd. USD. Seitdem konnte sich die Aktie mehr als verdoppeln. Quanta ist der Netzinfrastruktur-Spieler - Stromleitungen, Verteilungsnetze, Ausbau der Übertragungskapazität, alles, was zwischen Kraftwerk und Rechenzentrum liegt. Der Wert ist strukturell einer der stärksten Profiteure der KI-Rechenzentrums-Welle, gerade weil die Netzengpässe der eigentliche Flaschenhals werden. Aktuell mit EV/EBITDA von 23 bei 55% Gewinnwachstum, nächstes Jahr nochmal 16%. Das ist auch nach der Kursverdopplung noch immer günstig.

@Comfort Systems ist die spektakulärere Story, aber auch die gefährlichere. Die Aktie ist auf drei Jahre um 1.240% gestiegen, allein 2026 bisher um 116%. Q1 2026 lieferte Umsatzwachstum von 56,8%, Gewinn +121%. Der Auftragsbestand verdoppelte sich von 6,89 Mrd. USD auf 14,06 Mrd. USD zum Ende Q2. Comfort Systems bringt die HVAC-Systeme (Heating, Ventilation, Airconditioning, Cooling - Heizung, Ventilation, Klimaanlage, Kühlung) direkt in die Rechenzentren und kümmert sich so um die ungewollt hohe Wärmeentwicklung der Nvidia-GPUs. Das EV/EBITDA steht bei 22 bei 45% Gewinnwachstum, nächstes Jahr 22%. Auch das ist in meinen Augen noch immer günstig.

Das Bessere ist des Guten Tod: Sie haben hier vier ausgezeichnete Aktien benannt. Im Heibel-Ticker habe ich uns die Auflage gegeben, nicht mehr als 20 Aktien zu haben - und da sind wir derzeit. Wenn wir neue Positionen aufnehmen wollen, müssen wir etwas anderes rauswerfen. Und einfach alles, was nett klingt, aufzunehmen führt in die Beliebigkeit. Also: Wir haben eine ziemlich gute Auswahl an KI-Aktien im Portfolio. Sie können sich Ihrem individuellen Geschmack folgend eine dieser Aktien aussuchen :-)


 Frage vom 02.09.2026

#Dividendenrendite gepaart mit Wachstum bei Allianz

Hallo Herr Heibel,

Besten Dank für Ihre pragmatischen und unaufgeregten Analysen.

Zwei kurze Fragen zum Portfolio – ist die Mindestanforderung von 2,5 % Dividende angesichts der Inflation und zusätzlich der von jedem abzuführenden Kapitalertragsteuer nicht deutlich zu niedrig angesetzt? Ich finde Dividenden-Aktien eigentlich erst ab 5 % Ausschüttung attraktiv, sonst bleibt am Ende ja nichts übrig.

Die zweite Frage gilt dann auch gleich dem Dividendentitel Allianz. Im Portfolio haben Sie diesen Titel mit „C“ gekennzeichnet, also verkaufen bei einem Kurssprung. Der Kurssprung ist seit der letzten Hauptversammlung vollzogen, aber aus Ihren Updates lese ich keine Verkaufsabsicht. Ich halte die Aktie auch langfristig für haltenswert. Sehen Sie das nicht mehr so?

Es grüßt herzlich Hendrik Meyer aus Magdeburg

 Antwort:

Vielen Dank für das Lob :-)

Dividendenaktien müssen meinen Kriterien zufolge auch ein Mindestwachstum haben. Mir ist das Wachstum wichtiger als eine hohe Dividendenrendite, denn durch das Wachstum werden weiterhin kontinuierliche Dividendenanhebungen möglich und dadurch wird die Dividendenrendite auf den ursprünglich gezahlten Preis ansteigen. Die Allianz haben wir bspw. 2022 zu 194,50 EUR gekauft. Setzen wir die im Mai gezahlte Dividende in Relation zum ursprünglich gezahlten Aktienpreis, ergibt sich eine Dividendenrendite von 17,1/194,5 = 8,8%.

Mit aktuell 4,1% Dividendenrendite auf den heutigen Kurs ist die Allianz nach wie vor attraktiv und ich habe nicht vor, sie auf dem aktuellen Kursniveau zu verkaufen. Das C sagt lediglich aus, dass es im Falle eines starken Kursanstiegs, und +4,5% seit Ende August sind noch nicht stark, eher einen Verkauf geben wird als einen Nachkauf im Falle eines starken Kursverlusts. Mit einem EV/EBITDA von 14 ist die Aktie zwar nicht mehr billig, aber auch noch nicht zu teuer … sondern fair bewertet :-)


 Frage vom 01.09.2026

#Noch kein Turnaround bei General Mills

Sehr geehrter Herr Heibel,

General Mills besticht durch einen längeren Aufwärtstrend. Ist denn ein Investment jetzt noch sinnvoll?

Mit freundlichen Grüßen
Peter aus Bobingen

 Antwort:

Ein „längerer" Aufwärtstrend bei General Mills liegt nur dann vor, wenn man sich die Entwicklung seit Juni anschaut. In den drei vorhergehenden Jahren ging’s von 91$ auf 32$ nur bergab. Aktuell notiert die Aktie wieder bei 41$.

General Mills haben wir im Heibel-Ticker mehrfach besprochen, zuletzt im Oktober 2022 als Alternative zu Procter & Gamble im Rahmen einer Leserfrage. Damals lautete mein Fazit „das Bessere ist des Guten Tod" - P&G bot mit 7,7% erwartetem Gewinnwachstum ein deutlich besseres Profil als General Mills mit 4,4%. Diese Einschätzung ist heute noch aktueller: Während P&G weiterhin moderat wächst, ist General Mills operativ ins Schrumpfen gerutscht. Q3 des Geschäftsjahres 2026 zeigte organische Umsätze -3% und einen bereinigten Gewinn je Aktie -37% zum Vorjahr.

Was auf den ersten Blick verlockend wirkt, ist die Bewertung. Das EV/EBITDA von nur 11 ist eines der niedrigsten im S&P 500 im Konsumgüterbereich. Dividendenrendite bei 6,1%, deutlich über dem historischen Durchschnitt von 3-4%. 19 Jahre in Folge steigende Dividende, die durch den starken Free Cashflow gedeckt ist.

Warum ist die Aktie trotzdem so gefallen? Verbraucher wechseln zunehmend zu Handelsmarken der Supermärkte, weil Markenprodukte wie Cheerios oder Häagen-Dazs zu teuer geworden sind. Außerdem hinterlassen die GLP-1-Abnehmmedikamente (Wegovy, Zepbound) ihre Spuren bei den verarbeiteten Lebensmitteln und Süßwaren, gerade in den zentralen General-Mills-Kategorien. Zudem wurde mit einer teuren Übernahme (Blue-Buffalo für Tierfutter) die Schuldenquote deutlich erhöht.

Es ist in meinen Augen noch zu früh für eine Turnaround-Spekulation bei General Mills. Die Probleme sind strukturell, und Lösungen kann ich noch nicht sehen. Der vermeintliche Turnaround in der Aktie könnte sich als zwischenzeitliche Erholung im noch längerfristigen Abwärtstrend herausstellen.


 Frage vom 01.09.2026

#BHP Group nach Kursrallye

Hallo Herr Heibel,
als treuer Leser ihres sehr interessanten und aufschlussreichen Heibel Tickers möchte ich mich mit einer Frage an sie wenden.
Set einiger Zeit habe ich Aktien von BHP (Bergbauunternehmen) die inzwischen stark gestiegen sind. Was meinen sie, weiter behalten oder zum Teil verkaufen? Die Dividenden ist eigentlich auch gut.

Grüße aus Dinslaken, Andreas

 Antwort:

BHP habe ich seit der Heibel-Ticker Erstausgabe 2006 immer wieder besprochen, zuletzt ausführlich in einer [Wunschanalyse Dezember 2016](https://www.heibel-ticker.de/heibel_tickers/1317). Die Aktie war jahrelang unser Rohstoffkern.

Die vor Kurzem veröffentlichten Zahlen für das Geschäftsjahr 2026 (Stichtag 30. Juni) waren stark. Umsatz +15% auf 58,8 Mrd. USD, Gewinn (EBITDA) +27% auf 32,9 Mrd. USD. Die Dividende steigt auf 1,72 USD je Aktie mit rund 4-5% Rendite auf den aktuellen Kurs.

Kupfer hat erstmals in der Konzerngeschichte das Eisenerz als wichtigsten Ertragsbringer abgelöst, es steuert 54% des Gewinns bei, getrieben durch einen Kupferpreisanstieg von 35% im Jahresverlauf. Das ist exakt die Kupferdefizit-Story, die ich Ihnen bereits vor einigen Monaten zu Freeport-McMoRan geschildert hatte: In den kommenden zehn Jahren wird nur die Hälfte des benötigten Kupfers gefördert, KI-Rechenzentren und die Elektrifizierung treiben die Nachfrage strukturell.

Ich würde dennoch Gewinne mitnehmen und einen Teil der Position verkaufen. Rohstoffaktien folgen dem Rohstoffpreis und der Kupferpreisanstieg von +35% in einem Jahr ist zyklisch, nicht dauerhaft. BHP hat für das Geschäftsjahr 2027 einen Rückgang der Kupferproduktion angekündigt, weil der Erzgehalt bei der Escondida-Mine in Chile sinkt. Das ist ein kurzfristiger operativer Gegenwind.