Privatanleger, die Anfang April gekauft haben, lagen richtig — nicht weil sie die Nachrichten besser gedeutet haben als andere, sondern weil sie ein Instrument genutzt haben, das unabhängig von Schlagzeilen funktioniert: die Sentimentanalyse von Stephan Heibel und animusX.
Anfang April zeigte unsere wöchentliche Anlegerumfrage einen Extremwert. Die Stimmung unter Anlegern war so schlecht und das über einen so langen Zeitraum, dass wir einen solchen Wert in zwölf Jahren erst viermal erlebt hatten. Historisch folgte daraus eines: steigende Kurse. In der Woche vom 7. bis 10. April legte der DAX 2,7 Prozent zu, der S&P 500 3,7 Prozent, der Nikkei sogar 8,5 Prozent.
Das Kaufsignal war da — für alle, die es gelesen haben.
Das Anlegersentiment misst, wie Marktteilnehmer die kommenden Wochen einschätzen — optimistisch oder pessimistisch, investitionsbereit oder abwartend. Der entscheidende Gedanke dahinter ist konträr zur Intuition: Wenn die große Mehrheit pessimistisch ist, haben die meisten bereits verkauft. Was dann fehlt, sind weitere Verkäufer. Was dann ausreicht, ist ein marginaler Hoffnungsschimmer.
Genau das geschah Anfang April. Die Kriegsrhetorik aus Washington wirkte so martialisch, dass Optimismus an den Märkten wie ein Himmelfahrtskommando aussah. Und genau deshalb entstand das Signal.
Solche Momente haben allerdings einen Haken: Sie entstehen immer dann, wenn die Nachrichten am schlechtesten klingen. Ein Boden wird nicht ausgerufen — die Kurse hören irgendwann auf zu fallen und springen dann ohne besonderen Grund kräftig an. Wer das Signal verpasst, wartet auf einen Rücksetzer, der nicht kommt.
Den Extremwert hat Stephan Heibel in Ausgabe 2026/14 des Heibel-Ticker PLUS vom 3. April ausgewertet und das Kaufsignal abgeleitet — Kapitel 3. Eine Woche später, in Ausgabe 2026/15 vom 10. April, folgte die Bestätigung: Die Rallye war eingetreten, genau wie das Signal es anzeigte. Wer solche Analysen jede Woche erhalten möchte, hat zwei Möglichkeiten:
Jede Woche erhalten PLUS-Mitglieder die vollständige Sentimentanalyse mit Interpretation, dazu Wochenrückblick, Börsenausblick und konkrete Investmentideen. Zusätzlich gibt es tagesaktuelle Updates zu den Aktien im Heibel-Ticker Portfolio. Stephan Heibel ordnet die Daten im Kontext der aktuellen Marktlage ein und leitet daraus konkrete Hinweise für die eigene Portfolio-Optimierung ab. Zur Mitgliedschaft: heibel-ticker.de/member/offer.
Wer die Sentiment-Daten und ihre Interpretation kostenlos erhalten möchte, kann das über die wöchentliche Umfrage von animusX tun. Wer teilnimmt, bekommt die Auswertung als Gegenleistung — zwei Minuten Aufwand pro Woche.
Wie die Sentimentanalyse in der Praxis funktioniert, zeigt Stephan Heibel in diesem Video-Marktüberblick auf YouTube. Direkt am animusX-Dashboard erklärt er, wie Extremwerte entstehen, wie der Fünf-Wochen-Durchschnitt als Bodenindikator funktioniert — und warum schlechte Stimmung kein Warnsignal, sondern ein Kaufsignal ist.
Was Sie oben gelesen haben, ist kein Einzelfall. Seit 2006 führe ich diese Sentimentanalyse unter deutschen Anlegern durch, seit 2014 in Kooperation mit dem Handelsblatt. Das Bild, das die Daten über fast zwei Jahrzehnte zeigen, ist konsistent: Tiefs lassen sich mit der Sentimentanalyse recht treffend identifizieren — und damit günstige Einstiegspunkte erkennen.
Dass diese Methode inzwischen auch öffentlich wahrgenommen wird, zeigte sich am 22. Juli 2025: Ich präsentierte die animusX-Umfrageergebnisse live in der ARD-Sendung „Update Wirtschaft“ auf Tagesschau24 — direkt vom Frankfurter Börsenparkett. Den Hintergrundbeitrag zum ARD-Auftritt sowie die Aufzeichnung in der ARD-Mediathek (ab Minute 16:20) finden Sie hier.
Wenn die gemessenen Stimmungswerte extrem schlecht sind, haben die meisten Anleger bereits verkauft. Es bleiben kaum noch Verkäufer übrig — und es braucht nur wenige Käufer, um die Kurse wieder nach oben zu bewegen. Dieser Mechanismus ist keine Theorie. Er zeigt sich in den Daten der vergangenen 20 Jahre immer wieder.
Für die Einschätzung, ob ein Tief wirklich belastbar ist, nutze ich zusätzlich den Fünf-Wochen-Durchschnitt des Sentiments. Liegt er zwischen –25 und –30 Punkten, war die Stimmung so lange so schlecht, dass historisch ein Kursboden folgte. Das bedeutet: Die Verkäufer haben ihr Werk getan. Der Markt hat das Schlimmste bereits eingepreist.
Juni 2022 — Ukraine-Krieg, Energiekrise, Rezessionsangst. Das DAX-Sentiment fiel auf –7, schlechter als zum Beginn des Ukraine-Kriegs. Meine Einschätzung damals: „So sieht Panik aus.“ Und Panik ist in der Sentimentanalyse ein Einstiegssignal — weil sie bedeutet, dass die Masse bereits verkauft hat.
August 2025 — Ausverkauf nach geopolitischen Schocks. Die animusX-Umfrage maß den niedrigsten Investitionsabsichten-Wert seit Jahren. Ähnlich schwache Werte gab es zuvor nur fünfmal: 2003, 2006, 2007, 2013 und 2018. In den jeweils folgenden sechs Monaten stieg der DAX im Schnitt um knapp zwölf Prozent.
April 2025 — „Liberation Day“. Die Anlegerstimmung fiel auf historische Tiefstwerte, schlechter als im Corona-Crash 2020. Was folgte, war eine kräftige Erholung. Wer damals kaufte, tat es in einem Umfeld, in dem neun von zehn Nachrichten gegen den Kauf sprachen.
Das ist der Kern der Methode: nicht mit der Masse handeln, sondern dann, wenn die Masse bereits gehandelt hat.
Die Sentimentanalyse liefert keinen festen Kauftag und keinen festen Kurs. Sie zeigt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Tief bereits erreicht ist — und erhöht damit die Treffsicherheit von Einstiegsentscheidungen gegenüber dem, was die Mehrheit der Anleger im selben Moment tut.
Wer die wöchentlichen Daten konsequent verfolgt, sieht nicht nur das aktuelle Signal, sondern auch dessen Kontext: Wie lange hält die schlechte Stimmung schon an? Wie stark ist die Verunsicherung? Wie verhält sich die Investitionsbereitschaft im Vergleich zur Zukunftserwartung? Erst das Zusammenspiel dieser Indikatoren ergibt ein belastbares Bild — und genau das liefert die wöchentliche Analyse in der Heibel-Ticker PLUS Ausgabe und über animusX.
Wie die Sentimentanalyse auf Sektoren und Einzelmärkte angewendet wird, zeigt der Beitrag zur Sektorrotation am Aktienmarkt.
Seit 1998 verfolge ich mit Begeisterung die US- und europäischen Aktienmärkte. Ich schreibe nun wöchentlich für mehr als 25.000 Mitglieder über die Hintergründe des Aktienmarktes und die Ursachen von Kursbewegungen. Heibel-Ticker Mitglieder schätzen meinen neutralen, simplen und unterhaltsamen Stil. Als Privatanleger nutzen sie meine Einschätzungen und Anlageideen, um ihr Portfolio unabhängig zu optimieren.
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