Heibel-Ticker PLUS Börsenbrief
- Einfach einen Tick besser -
21. Jahrgang - Ausgabe 14 (03.04.2026)
Im heutigen Börsenbrief lesen Sie:
1. Info-Kicker: Neu: Die Heibel-Ticker Wunschanalyse wird wieder ins Leben gerufen
Liebe Börsenfreunde,
*** NEU: HEIBEL-TICKER WUNSCHANALYSE ***
Die alten Hasen unter Ihnen werden sich noch erinnern: Vor vielen Jahren gab es regelmäßig eine Wunschanalyse. Ich schlug fünf Aktien zur Auswahl vor, Sie wählten die Aktie, die ich detailliert analysieren soll und ich setzte mich dann an eine ausführliche Analyse des Titels, der die Wahl gewonnen hatte.
Ich möchte Ihnen die Wunschanalyse wieder anbieten und habe das Auswahlverfahren verfeinert. Sie, liebe Heibel-Ticker Mitglieder, schlagen von Freitag bis Montag Abend Titel vor, die ich in die Auswahlliste übernehmen soll. Die 5 Titel, die am häufigsten vorgeschlagen wurden, schaffen es in die Abstimmung.
Am Dienstag schicke ich die Vorschlagsliste an alle Heibel-Ticker PLUS Mitglieder und Sie können bis Dienstag Abend bereits in der E-Mail Ihren Wunschkandidaten anklicken. Die Aktie mit den meisten Stimmen wird dann von mir analysiert und im folgenden Heibel-Ticker vorgestellt.
Mein Ziel ist es, Ihren aktuellen Wunsch zeitnah zu erfüllen.
Interaktiver geht es nicht, oder?
Die Vorschlagsliste umfasst 1.403 Titel: Ich habe den EuroStoxx 600, den S&P 500 sowie den Nikkei 225 in die Auswahlliste aufgenommen. Ich denke, damit haben wir einen großen Teich, in dem wir Angeln können. Durch die Beschränkung auf diese großen Indizes vermeiden wir es auch, von irgendwelchen Pfennigaktien und Aktienpuscher manipuliert zu werden. Denn im Heibel-Ticker wollen wir letztlich nur Titel, die Sie kaufen und verkaufen können, ohne den Kurs damit nennenswert zu bewegen.
Alle Heibel-Ticker PLUS-Mitglieder dürfen Aktien vorschlagen und anschließend abstimmen. Die Analyse wird im Heibel-Ticker für alle Leser verfügbar sein.
Über diesen Link können Sie ab sofort Ihre Vorschläge eingeben. Bitte jeder nur ein Kreuz.
https://www.heibel-ticker.de/member/wunschanalyse
*** ENDE HEIBEL-TICKER WUNSCHANALYSE ***
Wenn Sie sich die verschiedenen Ankündigungen Donald Trumps in der vorösterlichen Woche anschauen, können Sie vermutlich nur noch von einem österlichen Eiertanz sprechen. An den Finanzmärkten steigt die Volatilität, ohne dass sich eine neue Richtung abzeichnet. In Kapitel 2 zeige ich auf, welche Aktien von diesen Turbulenzen profitieren konnten, und welche stark ausverkauft wurden.
Die Anlegerstimmung gibt diese Woche Rätsel auf: Trotz DAX-Anstieg um 3,9% herrscht Angst und Panik. In Kapitel 3 analysiere ich, wie es zu einem solchen Stimmungsbild kommen konnte. Zudem gibt es einen Indikator, der uns eine gute Prognose ermöglicht.
Im heutigen Ausblick in Kapitel 4 schaue ich auf die möglichen Entwicklungen der kommenden Wochen und auf deren Auswirkungen auf Konjunktur und Finanzmärkte. Wir haben in dieser Woche unsere Strategie kurzzeitig geändert, aber diese Änderung umgehend wieder zurück genommen: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
In Kapitel 5 habe ich Ihnen die Updates der vergangenen Tage abgedruckt: Einen Optionsschein sowie meine geänderte Einschätzung zu Capital One Financial, zu Dell, Yamaha und Nike. Insbesondere Nike dürfte viele von Ihnen so kurz vor der Weltmeisterschaft interessieren.
Wie immer gibt es eine tabellarische Übersicht über unser Heibel-Ticker Portfolio in Kapitel 6.
Nun wünsche ich eine anregende Lektüre,
take share, Ihr Börsenschreibel
Stephan Heibel
Chefredakteur und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs
2. So tickt die Börse: Österlicher Eiertanz im weißen Haus
Wenn Donald Trump drei Flugzeugträger, zusätzlich zwei "Kontingente" mit jeweils tausenden Marine-Soldaten und amphibische Angriffsschiffe in die Region rund um den Iran verlegt, dann kostet das viel Geld. Natürlich wünschen wir alle uns, dass der Aufbau dieses Drohszenarios den Iran zum Einlenken bewegt und wir ohne Einsatz dieser Truppen Friedensgespräche sehen. Doch entgegen wiederholter Ankündigungen von Donald Trump gibt es dafür bislang wenig verlässliche Hinweise.
Wenn man einmal die Hoffnung, die gerade bei Ihrem Autor stets sehr lautstark ist, bei der Beurteilung beiseite legt, drängt sich die nüchterne Erkenntnis auf, dass der Iran-Krieg erst noch viel schlimmer werden muss, bevor eine Lösung in Sicht kommt.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Auswirkungen der Öl-Krise bislang lediglich über den gestiegenen Preis zu sehen sind, der aufgrund der "Erwartung" einer Öl-Knappheit über 199 USD/Fass gesprungen ist. In den vergangenen vier Wochen sind die Öl-Tanker, die sich bereits vor dem Iran-Krieg durch die Straße von Hormus auf den Weg zu ihren Zielen in Japan, Südkorea, Europa oder sonst wo gemacht haben, zuverlässig eingetroffen. Erst jetzt wird in den Empfängerländern spürbar, was das Ausbleiben der Öllieferungen für die Wirtschaft bedeutet.
Für mich war die gestrige Rede von Trump daher die letzte Gelegenheit, den Iran-Konflikt mit überschaubaren Auswirkungen einzufangen. Diese Gelegenheit scheint nun ungenutzt verstrichen.
Dabei kam im Wochenverlauf ziemlich viel Hoffnung auf. Immer wieder meldete sich Donald Trump mit Behauptungen über ein Einlenken des Irans zu Wort. Seine Aussagen wurden immer konkreter, so dass man letztlich glaubte, dass da was dran sein müsse. Tatsächlich ist es unmöglich, den Wahrheitsgehalt zu überprüfen, da nicht einmal geklärt ist, wer im Iran derzeit Ansprechpartner ist.
So legte der DAX diese Woche hoffnungsgetrieben knapp 3% zu, der S&P 500 kletterte um 2,5% nach oben. In Japan teilte man diesen Optimismus nicht, der Nikkei gab 1,7% ab. Und auch in China notierte der Aktienmarkt um ein halbes Prozent schwächer als vor einer Woche.
Der Ölpreis war zwischenzeitlich unter 100 USD/Fass gerutscht, doch heute klettert das schwarze Gold wieder kräftig nach oben und notiert aktuell bei rund 107 USD/Fass Nordseeöl. Das ist jedoch um 4% niedriger als der Stand vor einer Woche.
Im Gegenzug dazu legt der Goldpreis kräftig zu, diese Woche um 4%. Auch der sichere Hafen der Anleihen ist bei Anlegern gefragt, die Umlaufrendite ging entsprechend diese Woche um 0,08%punkte auf 2,99% zurück. Gold und Anleihen vermitteln den Eindruck, dass Anleger derzeit noch nicht an eine Lösung im Irankrieg glauben, sondern lieber weniger volatile Anlageorte aufsuchen.
Im DAX ist dieses Verhalten nicht zu sehen. Im Gegenteil. Diese Woche stehen defensive Titel wie Henkel, Dt. Telekom, Fresenius SE, Fresenius und Siemens Healthineers am Ende der Performanceliste. Ganz oben sind hingegen Rheinmetall, Dt. Börse, Vonovia und RWE zu finden, Titel also, die von anhaltender Volatilität und einem hohen Ölpreis profitieren.
Im S&P 500 sind am unteren Ende überwiegend Aktien von Unternehmen, die eine besondere Meldung in dieser Woche hatten, aufgrund derer sie ausverkauft wurden: Nike mit schwachem Q-Ausblick sowie Sysco und McCormick mit Übernahmen. Aber auch auf der Gewinnerseite zeichnet sich ein klares Bild mit Speicherherstellern SanDisk und Seagate sowie Anbietern von optischen Verbindungen in Rechenzentren wie Ciena und Lumentum bis hin zu Intel, das nach Jahrzehnten der Probleme nun wieder zurück auf die Höhe der Zeit kommen könnte. Alles Tech-Aktien, die in den vergangenen Wochen des Iran-Krieges ausverkauft wurden und nun eine starke Gegenbewegung zeigten.
Mit einem Ölpreis über 100 USD/Fass und zeitgleich Aktienindizes "nur" wenige Prozentpunkte unter ihren jeweiligen Allzeithochs komme ich nicht klar. Entweder der Ölpreis oder die Aktienindizes sind zu Unrecht so hoch. Wir haben in dieser Woche unsere Strategie kurzfristig geändert, doch sind schon sehr bald wieder zur ursprünglichen Strategie zurückgekehrt. In Kapitel 4 gehe ich näher darauf ein, wie wir uns für die kommenden Wochen positionieren, welche Branchen unter dem angekündigten harten Angriff auf den Iran besonders leiden dürften und wer im Anschluss am stärksten profitieren dürfte.
Schauen wir nun zunächst einmal auf die Wochenentwicklung der wichtigsten Indizes:
Wochenperformance der wichtigsten Indizes
| INDIZES | 2.4., 21:21 Uhr | Woche Δ | Σ '26 Δ |
| DAX | 23.168 | 3,9% | -5,4% |
| S&P 500 | 6.571 | 3,0% | -4,0% |
| Nikkei | 52.463 | -1,7% | 4,2% |
| Shanghai A | 4.479 | -0,5% | -3,3% |
| US-Dollar/EUR | 1,15 | 0,2% | -1,8% |
| Euro/Yen | 184,11 | -0,3% | 0,3% |
| 10-Jahres-US-Anleihe | 4,30% | -0,12 | 0,14 |
| Umlaufrendite Dt | 2,99% | -0,08 | 0,21 |
| Feinunze Gold | $4.670 | 3,5% | 8,1% |
| Fass Brent Öl | $108,12 | -4,0% | 77,7% |
| Kupfer | $12.435 | 2,4% | 0,1% |
| Baltic Dry Shipping | $2.030 | 0,8% | 8,2% |
| Bitcoin | $66.982 | 1,8% | -23,7% |
3. Sentiment: Historisch lang anhaltende Phase von Angst und Panik
Der DAX schießt diese Woche um 3,9% nach oben. Es muss an der Feiertagslaune der Anleger liegen, denn dieser Kurssprung gehört zu den merkwürdigsten Börsenentwicklungen, die ich je gesehen habe. Man sagt den Finanzmärkten nach, in den Tagen rund um Feiertage besonders gut zu laufen, da alle Anleger mit guter Laune Dinge eher positiv sehen. So betrachtet passt die Kursrallye dieser Woche gut ins Bild.Doch gemäß unserer Umfrage sind die Anleger alles andere als in Feiertagslaune. Mit einem Anlegersentiment von -4,3 verzeichnen wir in der fünften Woche in Folge extreme Niedergeschlagenheit unter den Anlegern. Eine vergleichbar lang anhaltend extrem schlechte Stimmung unter Anlegern verzeichneten wir erst viermal in den vergangenen 12 Jahren.
Auch die Verunsicherung unserer Umfrageteilnehmer bleibt mit einem Wert von -4,5 zum fünften Mal in Folge im extrem negativen Bereich. Also: Der DAX steigt um 3,9%, doch Anleger sind maximal verunsichert und haben Angst und Panik. Hmm, irgendwie komisch, oder?
Die Zukunftserwartung bleibt mit +0,7 auf einem vergleichsweise neutralen, leicht optimistischen Niveau. Hier klingt die Hoffnung durch, dass man das Schlimmste bereits hinter sich habe, doch so wirklich greifbar ist eine Lösung nach wie vor nicht.
Aber Anleger sind bereit, zuzugreifen, sofern sich eine Lösung abzeichnet. Die Investitionsbereitschaft zeigt mit 3,1 ebenfalls in der fünften Woche in Folge einen recht hohen Wert.
Das Euwax-Sentiment der Privatanleger zeigt diesbezüglich keine besonders spannenden Werte: Mit -31 dominieren dort zwar die Absicherungskäufe, mit denen sich Anleger gegen weiter fallende Kurse absichern. Doch von Extremwerten oder einer anhaltend langen Phase negativer Werte sind wir dort weit entfernt.
Das Put/Call-Verhältnis für den DAX an der Eurex notiert mit 1,04 auf einem sehr niedrigen Niveau, was die starke Nachfrage nach Call-Optionen widerspiegelt. Die Profis setzen offensichtlich auf eine baldige Rallye.
Dies steht diametral im Gegensatz zum Put/Call-Verhältnis an der CBOE, wo sich die US-Anleger absichern können: Dort springt das Put/Call-Verhältnis für Equities heute auf 1,06, was als extrem hoher Wert bedeutet, dass man sich dort gegen weiter fallende Kurse absichert. Hmm, auch hier muss ich sagen, dass ich noch nie eine so krasse Diskrepanz zwischen deutschen und US-Anlegern gesehen habe.
US-Fondsmanager haben ihre niedrige Investitionsquote unverändert zur Vorwoche bei 68% belassen.
Die Bulle/Bär-Differenz der US-Privatanleger zeigt mit -18% nach wie vor einen Überhang der Pessimisten an. 51% Bären stehen nur 34% Bullen gegenüber. Erstaunlich ist der extrem geringe Teil an neutral eingestellten Anlegern mit nur noch 15%: Jeder hat also eine feste Meinung, im Zweifel halt das Gegenteil.
Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit 15% extreme Angst an.
Interpretation
Also, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Da steigt der DAX um 3,9% an und die Anleger verfallen in Angst und Panik.Die Umfrage startete Donnerstag früh. Das war direkt nachdem Donald Trump in der Nacht die Hoffnungen auf einen baldigen Waffenstillstand im Iran mit den Worten zerstörte, dass man in den kommenden zwei bis drei Wochen um so heftiger zuschlagen werde. Da hatte sich über die Woche eine Hoffnung aufgebaut, die zu steigenden Kursen führte und sodann unmittelbar vor dem Start unserer Umfrage zerstört wurde.
Und so brachen die Aktienmärkte am Donnerstag kräftig ein, bis eine Meldung über Bloomberg verbreitet wurde, dass der Iran gemeinsam mit dem Oman an einer Lösung für die Straße von Hormus arbeite. Binnen weniger Sekunden schoss der DAX wieder nach oben und bevor diese Meldung bestätigt oder widerlegt werden konnte, schlossen die deutschen Aktienbörsen.
Das Kursplus ist also als Wochenplus zu betrachten, während unsere Umfrage im denkbar schlechtesten Moment dieser Woche erfolgte. Die Umfrage läuft noch und ich werde am Wochenende schauen, ob sich etwas an dem aktuellen, bislang vorläufigen Ergebnis geändert hat.
Dennoch halte ich die Stimmungsdiskrepanz zur Aktienmarktentwicklung für merkwürdig. Entweder die Stimmung der zur Skepsis neigenden deutschen Privatanleger ist zu schlecht, oder aber der Aktienmarkt hat die Tragweite der von Trump angekündigten harten Gangart gegen den Iran noch nicht ausreichend eingepreist.
Am morgigen Kar-Freitag bleiben die Börsen geschlossen, am Ostermontag wird weltweit an den meisten Börsen schon wieder gehandelt. Ich fürchte, wir müssen mit einer Antwort auf die aktuell offensichtlichen Widersprüche bis zum Beginn der kommenden Woche warten.
Aus Sicht der Sentiment-Analyse können wir natürlich trotzdem eine fundierte statistische Aussage ableiten. Schauen wir uns die vier Ereignisse in den vergangenen 12 Jahren an, zu denen die Stimmung über mehrere Wochen vergleichbar schlecht war. Das war zum einen Ende 2018, als eine falsche Zinserhöhung der Fed mitten in den US-Shutdown hinein und mitten während angespannter Verhandlungen zwischen China und den USA die Aktienmärkte in den Keller drückte. Es folgte eine fulminante Rallye.
Das zweite Mal war es der Corona-Crash, und das werden Sie sicherlich noch wissen, dass anschließend eine fulminante Rallye folgte.
Das dritte und vierte Mal war direkt nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Frühjahr 2022 sowie im Herbst 2022, als sich abzeichnete, dass der Krieg länger als nur wenige Wochen dauern würde. Der Extremwert im Frühjahr markierte nur ein kleines Zwischentief, bis zum Herbst fielen die Aktienmärkte dann noch deutlich tiefer. Nach dem Herbst-Tief folgte dann jedoch eine fulminante Rallye.
Also drei von viermal folgte eine Rallye. Einmal, und das war nun ausgerechnet ein Kriegsbeginn, wie wir ihn aktuell im Iran sehen, sorgte die spätere Erkenntnis, dass es sich nicht um eine "kurze Operation" handelt, für noch tiefere Tiefs.
Aus dieser technischen Sicht ist der Vergleich in meinen Augen durchaus aussagekräftig. Nun ist es an Ihnen, sich eine Meinung zu bilden, ob der Iran-Krieg, wie versprochen, schnell endet, oder aber ob daraus eine lang andauernde Operation zur Sicherung der Straße von Hormus werden könnte. In letzterem Fall sollten Sie noch ein wenig Cash zurückhalten, um im Falle tieferer Tiefs in den kommenden Wochen handlungsfähig zu sein.
Die US-Amerikaner haben gemäß dem Put/Call-Verhältnis an der CBOE ihre Entscheidung bereits getroffen: Man sichert sich gegen weiter fallende Kurse ab.
4. Ausblick: Deutschland bezieht 4-6% seines Öls durch die Straße von Hormus
Vor uns steht ein langes Wochenende: Kar-Freitag wird nicht gehandelt und am Ostermontag sind zumindest in Deutschland die wenigsten an den Finanzmärkten unterwegs. In der aktuellen Zeit kommt mir das wie eine Ewigkeit vor: Täglich ändert sich der Blick auf die Märkte, wer kann da heute schon wissen, wie die Welt am kommenden Dienstag aussieht?
Meine kurzfristige Einschätzung können Sie den heutigen Handlungsempfehlungen ablesen: Ich fürchte, es wird zunächst nochmal schlimmer, bevor es besser wird. Nachdem sich die konkret klingenden Ankündigungen Donald Trumps heute Nacht in Luft auflösten, wird eine Bodenoffensive wahrscheinlicher.
Für mich befindet sich der Finanzmarkt trotzdem noch in einer Warteposition. Szenarien über die mögliche Ölpreisentwicklung als Folge eines länger andauernden Iran-Krieges gehen von einem Preisniveau von 150 USD/Fass bis über 300 USD/Fass aus. Sollte sich also über das Wochenende keine Lösung abzeichnen, dann stelle ich mich auf einen Ölpreis über 150 USD/Fass ein.
Diese Erwartung leitet sich daraus ab, dass der Umstand, dass der Ölpreis bislang noch nicht über 150 USD/Fass gestiegen ist, zeigt, dass die Finanzmärkte noch immer von einer kurzen Dauer des Iran-Krieges ausgehen. Noch immer traut man Donald Trump zu, innerhalb der kommenden 2-3 Wochen den Krieg zu "gewinnen", wie auch immer "gewinnen" definiert wird.
Die Frist ist tatsächlich nochmals eine Galgenfrist, wenn wir uns die globalen Öltransporte anschauen. Nach Ostern bleiben die regelmäßigen Öl-Lieferungen für die Öl importierenden Länder aus. Natürlich hat man Reserven, mit denen man kurzfristige Lieferausfälle überbrücken kann. Doch diese Reserven müssen ohnehin bereits angezapft werden, da selbst eine Wiederaufnahme der Öl-Lieferungen aus den Golf-Ländern genau die gleichen vier Wochen Vorlaufzeit benötigen, die es derzeit dauerte, um die letzten unterwegs befindlichen Tankschiffe ans Ziel zu bringen.
Ich habe einige Jahre bei Ticona gearbeitet, einem Hersteller technischer Kunststoffe (Umgangssprachlich Plastik-Granulat), das für die Autoindustrie hergestellt wurde. Täglich kamen 2-4 Tanklaster an und kippten ihr Öl direkt in unsere Fertigungsstraße. Das Ausbleiben eines solchen Tanklasters, bspw. durch Stau, führte zu Alarm-Szenarien, denn nichts war schlimmer, als die Fertigungsstraße anhalten zu müssen. Das wäre sehr teuer.
Im Vorratstank war genug Öl für einige Tage, um solche Engpässe zu überbrücken. Einige Tage.
Nun bezieht Deutschland glücklicherweise den Großteil seines Rohöls aus Norwegen, den USA und aus Libyen. Durch die Straße von Hormus müssen nur etwa 4-6% des für Deutschland bestimmten Öls. Da müssen wir halt einfach den Gürtel mal ein wenig enger schnallen, oder, wie soeben in den Nachrichten gesehen, die Diskussion über den autofreien Sonntag wieder anlaufen lassen.
Doch das von mir ausgeführte Beispiel von Ticona zeigt, wie "unelastisch" die Nachfrage nach Öl bezüglich des Preis ist. Es gibt nur wenige Bereiche, in denen man aufgrund eines zu hohen Ölpreises auf Alternativen umsteigen könnte. Überwiegend wird der hohe Preis zähneknirschend akzeptiert.
Doch wenngleich nur 4-6% des für Deutschland bestimmten Öls ausfallen sollten, so fallen dennoch knapp 20% der globalen Öllieferungen aus. Und wenn wir bislang einen Ölpreisanstieg von 80% aufgrund der Erwartung einer Öl-Knappheit gesehen haben, dann dürfte die tatsächliche globale Öl-Knappheit den Ölpreis nochmals weiter nach oben katapultieren. Und das ist tatsächlich mein Befürchtung ab der kommenden Woche, sofern sich keine Lösung abzeichnet.
Die zweite Befürchtung, die sich aus der Trump-Rede der vergangenen Nacht ableiten lässt, betrifft die Dauer des Iran-Krieges. Wenn die USA nun mit ihrer geballten Militärmacht den Iran eingekreist haben und dennoch noch immer keine nennenswerten Verhandlungen stattfinden, dann wird Trump sein Drohszenario in die Tat umsetzen müssen. Und das könnte dann sehr schnell in einer Situation enden, in der die Straße von Hormus mit Militärgewalt beschützt wird, aber dann für Monate, wenn nicht Jahre, kontinuierlich geschützt werden muss, da ein großes Land wie der Iran auch mit Bodentruppen offensichtlich nicht so leicht umgepolt werden kann.
Sollte dieses Szenario eintreten, darf sich Trump einer krachenden Wahlniederlage bei den Midterms im November sicher sein. Man sollte meinen, dass er es nicht soweit kommen lässt. Doch wer kann mir eine plausible Alternative nennen? Mir geht langsam die Phantasie aus.
Heute sorgte die Meldung, der Iran könne sich mit Oman auf eine Lösung für die Straße von Hormus einigen, für eine Kursrallye an den Aktienmärkten. Wir sehen also, wie wenig es braucht, um die Kurse nach oben zu katapultieren. Auch unser Sentiment, das seit fünf Wochen in Folge extrem negative Werte auswirft, deutet darauf hin, dass zumindest auf Sicht von 12 Monaten deutlich höhere Kurse an den Aktienmärkten zu erwarten sind. Wir befinden uns in diesen Tagen in einer Verfassung der maximalen Verunsicherung. Für langfristig orientierte Anleger ist es nebensächlich, ob wir an diesem Wochenende, in 2-3 Wochen oder erst in 6 Monaten eine Lösung für die Straße von Hormus finden. Wenn erst einmal eine Lösung gefunden ist, wird sich die globale Wirtschaft darauf einstellen und die Kurse werden wieder ansteigen.
Da ich mich bemühe, stets langfristig zu denken, sind wir mit unserem Heibel-Ticker Portfolio nach wie vor zu 91% investiert. Okay, 13%punkte davon sind Absicherungen in Gold und Bitcoin, also nur 78% hängen an den Aktienmärkten. Doch das ist nach wie vor sehr viel für eine so ungewisse Marktphase.
Ich habe heute drei Positionen verkauft: Unseren Dow Jones Call, weil der einfach zu spekulativ ist für die derzeitig volatile Verfassung. Dell, weil die Aktie zuletzt super gelaufen ist und ein Bewertungsniveau erklommen hat, das zumindest keine krasse Unterbewertung mehr darstellt. Und Yamaha, weil kein anderes Land so stark von den Öl-Lieferungen abhängig ist und der Nikkei daher, sollte sich in den kommenden Tagen keine Lösung abzeichnen, am stärksten von einem Ausverkauf betroffen sein dürfte.
Ich habe noch geschaut, welche unserer Positionen aus anderen Gründen ausverkauft werden als dem Iran-Krieg. Denn, wenn es andere Gründe für einen Ausverkauf in einem Titel gibt, dann wird dieser Titel im Falle einer Lösung auch nicht anziehen, sondern am Boden zurückbleiben. Das ist offensichtlich bei Nike der Fall. Das Unternehmen lieferte diese Woche gute Zahlen und einen enttäuschenden Ausblick, die Aktie brach um 15% ein. Daran wird auch ein Ende des Iran-Kriegs nichts ändern.
Doch ich habe den Eindruck, dass CEO Elliott Hill schon in den kommenden Wochen Maßnahmen verkünden wird, die Anlegern gefallen werden. Daher wollte ich diese Position auf dem aktuellen Ausverkaufs-Niveau nicht verkaufen.
Und genau diese Argumentation betrifft eine ganze Reihe weiterer Positionen aus unserem Portfolio, die bereits vor dem Iran-Krieg ausverkauft wurden und seit längerer Zeit bereits auf niedrigem Niveau notieren, ohne durch den Iran-Krieg noch weiter abzurutschen. Salesforce, Palo Alto, Novo Nordisk und Medios gehören zu diesen Kandidaten. Diese Aktien sind reif für eine starke Gegenbewegung, nicht wegen eines möglichen Kriegsendes, sondern dann, wenn der Krieg nicht mehr so stark auf der allgemeinen Stimmung lastet.
Auch Deutz habe ich mir vor diesem Hintergrund nun nochmals näher angeschaut, doch auch für Deutz halte ich den Ausverkauf für stark übertrieben: EV/EBITDA von 5 bei zweistelligem Umsatzwachstum und einem zu erwartenden Gewinnsprung über 40% im laufenden, sowie dann nochmals im kommenden Jahr. Hmm, so eine Aktie kann ich wirklich nicht verkaufen.
Also kehren wir zurück zur Strategie, die wir eigentlich seit dem Beginn des Iran-Krieges verfolgen: Pobacken zusammenkneifen und durchhalten. Sollten sich die Aussichten über das Wochenende nochmals weiter verschlechtern, müssen wir nochmals nach weiteren Verkaufskandidaten schauen. Doch aktuell finde ich erst einmal nichts mehr, was ich auf dem aktuellen Kursniveau verkaufen würde.
5. Update beobachteter Werte: DOW Jones 23.000 Call SocGen bis 18.12.26, Capital One Financial, DOW Jones 23.000 Call SocGen bis 18.12.26, Yamaha Corp., Dell, Nike
Im Wochenverlauf habe ich Updates zu unseren Portfolio-Titeln verfasst. Diese erhalten Sie nachfolgend zusammen aufgeführt.
Die Updates finden Sie generell jeweils nach der Veröffentlichung verfügbar unter Heibel-Ticker -> Portfolio -> 10 neueste Einträge und mit der Express-Funktion erhalten Sie die Updates direkt unterwöchig per E-Mail und SMS.
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DOW Jones 23.000 Call SocGen bis 18.12.26: Dow Call wieder kaufen, Kriegsende im Iran nun realistisch
Mi, 01. April um 15:25 Uhr
Ich würde nun unseren Dow Call wieder kaufen, denn die Möglichkeit eines Kriegsendes inklusive der Öffnung der Straße von Hormus ist nun in greifbare Nähe gerückt.
Donald Trump sagte, der neue iranische Präsident habe um einen Waffenstillstand gebeten. Er (Trump) habe geantwortet, dass dies möglich sei, sobald die Straße von Hormus freigegeben sei.
Noch gestern kündigte Trump an, die Nato und andere Länder sollen sich selber um die Straße von Hormus kümmern, er werde nun den Krieg beenden. Heute ist die Straße wieder Teil der Verhandlungen. War es also nur ein taktisches Manöver?
Ich schaue mir stets die Reaktion an den Finanzmärkten an und für die Situation im Iran ist natürlich die Ölpreisentwicklung maßgeblich. Gestern bröckelte der Ölpreis langsam ab, ich hatte daher gestern noch eine mögliches Kriegsende ohne die Öffnung der Straße von Hormus als wenig erbaulich für die Finanzmärkte eingeordnet. Dies hat sich heute mit der neuen Aussage Trumps vollständig geändert: Der Ölpreis brach heute früh um 15% ein. Damit ist die Voraussetzung für einer Erholung so ziemlich aller Aktiensegmente gegeben - mit Ausnahme des Ölsektors.
Ich würde daher den Dow Call nun wieder kaufen und darauf setzen, dass wir nun die Erholung an den Finanzmärkten sehen, die nach dem heftigen Ausverkauf des vergangenen Monats zu erwarten war. Aktuell notiert der Call bei 3,57 EUR.
Alle Updates zu DOW Jones 23.000 Call SocGen bis 18.12.26
Capital One Financial: Zurückkaufen, Spekulation auf moderate Inflation
Mi, 01. April um 16:28 Uhr
In den USA kommen heute auch die Zinsen auf kurz laufende Anleihen stark zurück, was als Zeichen des nachlassenden Inflationsdrucks gewertet werden kann. Ein hoher Ölpreis treibt die Inflation an und zwingt die Fed, den Leitzins, und damit das Zinsniveau, anzuheben, um die Inflation zu bekämpfen. Das war die Erwartung, die bis gestern Abend dominierte. Durch die nunmehr gestiegene Hoffnung auf einen Frieden im Iran und einer baldigen Öffnung der Straße von Hormus könnten die schlimmsten Befürchtungen vielleicht nicht ganz so schlimm werden.
Gestern gab Stephen Miran, der volkswirtschaftliche Kopf hinter den volkswirtschaftlichen Modellen der Trump-Administration, nochmals seiner Erwartung an niedrigere Zinsen Nachdruck. Im Mai tritt Kevin Warsh die Nachfolge von Jay Powell an und von ihm wird erwartet, dass er je nach Konjunktur eher niedrigere Zinsen bevorzugt.
All das sind vorteilhafte Entwicklungen für die Zinsmärkte. Niedrigere Zinsen verringern das Ausfallrisiko für laufende Finanzierungen, die in den USA meist mit variablem Marktzins verzinst werden. Und eine rückläufige Ausfallwahrscheinlichkeit spielt Capital One in die Karten, denn das Unternehmen vergibt Konsumentenkredite an Private. Mit der Übernahme von Discovery Financial, dem Kreditkartenbetreiber, ist das Engagement in diesem Bereich nochmals angewachsen und das war auch der Grund, warum die Aktie besonders stark ausverkauft wurde.
Ich würde diese Spekulation nun wieder zurückkaufen :-)
Alle Updates zu Capital One Financial
DOW Jones 23.000 Call SocGen bis 18.12.26: Schon wieder Verkaufen, Trump-Ankündigung enttäuschte
Do, 02. April um 11:33 Uhr
Tja, wer nicht wagt, der nicht gewinnt :-(
Da haben wir gestern gewagt, den doch ziemlich konkreten Ankündigungen Trumps zu glauben, dass der Iran einen Waffenstillstand anstrebe und ich wollte vor der angekündigten Pressekonferenz, die gestern Abend (heute Nacht unserer Zeit) in Washington stattfand, unseren Call wieder ins Depot holen.
Nun blieben konkrete Ergebnisse in der Ankündigung aus, stattdessen bemühte Trump einmal mehr die Kriegsrhetorik, man werde in den kommenden Wochen noch stärker zuschlagen. Mag sein, dass auch das noch immer Verhandlungstaktik ist und das wir über die Ostertage einen überraschenden Frieden bekommen, doch irgendwie klingt das nicht mehr sehr wahrscheinlich.
Daher ziehen wir uns mit der optimistischen Spekulation wieder zurück und verkaufen den Call Optionsschein auf den Dow Jones mit kleinem Verlust (aktuell -9%).
Ich schaue mir auch an, ob wir weitere Positionen versilbern, denn es hatte sich doch eine gewisse Hoffnung auf ein baldiges Ende aufgebaut, die nun enttäuscht wurde und zu einem erneuten Ausverkauf führen könnte.
Alle Updates zu DOW Jones 23.000 Call SocGen bis 18.12.26
Yamaha Corp.: Limitiert Verkaufen, schwaches Geschäft
Do, 02. April um 12:49 Uhr
So sehr mich die Produkte von Yamaha Corp begeistern, insbesondere die Musikinstrumente und Hifi-Anlagen, so schwach ist jedoch die Geschäftsentwicklung. Die Dividendenrendite liegt inzwischen nur noch bei 2,4% und damit unter unserer Mindestanforderung von 2,5%. Der Umsatz von Yamaha wächst mit niedrigen einstelligen Raten, der Gewinn immerhin überproportional. Doch auf Sicht der kommenden Jahre ist mit einer abnehmenden Dynamik zu rechnen.
Alles in allem hat Yamaha unsere Anforderungen erfüllt: Wir kauften vor einem Jahr zu 6,15 EUR und erhielten seither 2,5% Dividendenrendite. Die Ausschüttung erfolgte quartalsweise. Aktuell steht die Aktie bei 6,23 EUR, allerdings stammt der Kurs von gestern. Das Handelsvolumen ist sehr gering.
Ich würde die Position zu Kursen um 6,15 EUR nun auflösen. Bitte unbedingt nur limitierte Verkaufsorders aufgeben, da wir uns sonst den Kurs selber kaputt machen.
Der Nikkei 225 ist voll von attraktiven Dividendenaktien, die teilweise viel stärker wachsen als Yamaha Corp. Ich suche uns eine neue japanische Dividendenaktie heraus. Doch ich habe keine Eile damit, denn Japan ist von der Ölknappheit, die aus dem Iran-Krieg resultiert, betroffen und ich könnte mir gut vorstellen, dass wir in den kommenden Wochen noch günstigere Einstiegsgelegenheiten sehen werden.
Alle Updates zu Yamaha Corp.
Dell: Verkaufen, Gewinn sichern
Do, 02. April um 13:31 Uhr
Wir mussten lange warten, bis Anleger endlich die KI-Rechenzentren von Dell honorierten: Fast zwei Jahre hat es gedauert, bis die Aktie von Dell nach dem Durchschreiten des Tals der Tränen auf Erfolgskurs ging. Seit Jahresbeginn legte die Aktie 36% zu und notiert damit deutlich über unserem Einstandskurs vom Juni 2024.
Im laufenden Jahr soll der Umsatz Analystenerwartungen zufolge um 24% ansteigen, der Gewinn sogar um 26%. Vor diesem Hintergrund ist das EV/EBITDA von aktuell 9 ziemlich günstig. Doch die Erwartungen für die kommenden Jahre sind wieder wesentlich schwächer: 9% Wachstum in 2027 und nur noch 6% in 2028.
Steigende Zinsen belasten Zukunftsinvestitionen, da diese dadurch teurer zu finanzieren sind. Die Investitionen in KI-Rechenzentren gehören ohnehin zu den kapitalintensivsten Investitionen unserer Zeit. Ich gehe davon aus, dass Dell weiterhin gut damit verdienen wird, doch die Wachstumsphantasien erhalten durch die steigenden Finanzierungskosten einen Dämpfer.
Ich würde sagen, wir stecken den aktuellen Gewinn ein und schauen uns nach Kandidaten um, die ein anziehendes Wachstum vorweisen können.
Die US-Börse öffnet erst um 15:30 Uhr, bis dahin bleibt der Handelsumsatz in Dell an den deutschen Börsen gering. Bitte verkaufen Sie daher nur mit einem aktuellen Limit. Aktuell steht die Aktie bei 142,58 EUR (L&S 13:28 Uhr).
Alle Updates zu Dell
Nike: Gute Q-Zahlen reichen nicht, um Anleger zufrieden zu stellen
Do, 02. April um 15:31 Uhr
Nike hat im Q3 2026 (endete 28.2.26) auf den ersten Blick ordentlich geliefert, auf den zweiten Blick aber genau dort enttäuscht, wo Anleger inzwischen am empfindlichsten sind: Beim Ausblick und bei China. Die Aktie gab diese Woche 14% ab.
Der Umsatz lag bei 11,28 Mrd. USD nach 11,27 Mrd. USD im Vorjahresquartal also praktisch unverändert und um ein halbes Prozent über den Erwartungen. Der Gewinn je Aktie fiel von 0,54 USD auf 0,35 USD, liegt damit aber noch immer um 20% über den Erwartungen. Nike selbst sprach von Ergebnissen im Rahmen der eigenen Erwartungen.
Im Vergleich zum Vorjahresquartal zeigt sich damit das bekannte Muster: Der Umsatz stabilisiert sich, die Profitabilität aber noch nicht. Die gesamten Vertriebs- und Verwaltungskosten stiegen von 3,89 Mrd. USD auf 3,98 Mrd. USD, unter anderem wegen Abfindungen. Das größere Problem bleibt jedoch, dass Nike noch immer zu stark mit der kontinuierlichen Bereinigung von veralteten Lagerbeständen beschäftigt ist, statt wieder klar in einen echten Wachstumsmodus zu kommen.
Operativ ist das Bild zweigeteilt. Der Großhandel war mit 6,5 Mrd. USD um 5% stärker, während Nike Direct (Direct-to-Consumer, D2C) mit 4,5 Mrd. USD um 4% sank. Digital war besonders schwach und fiel um 9%. Das passt zur Kernaussage des Managements: Nike versucht, das Geschäft wieder stärker über einen „balancierten Marktplatz“ zu steuern, also weniger D2C-Fixierung und mehr Rückgewinnung des Großhandels. In Nordamerika scheint das allmählich zu funktionieren, weil Running und Fußball zweistellig wachsen und der Großhandel dort um 11% zulegte. Aber im Bereich von Sportswear, Converse und China gelingt der Umschwung noch nicht.
Das China-Geschäft bleibt der wunde Punkt. Greater China fiel im Quartal von 1,73 Mrd. USD auf 1,62 Mrd. USD, also um 7%. Nike Direct sank dort um 5%, das Digitalgeschäft sogar um 21%, und der Großhandel fiel um 13%. Das Management betont zwar, Running wachse zweistellig und die saisonalen Abverkäufe hätten sich sequentiell verbessert. Nike zieht Produkte aus Rabattkanälen, räumt alte Ware aus dem Markt und versucht erst einmal, die Preisqualität zurückzuholen. Das hilft mittelfristig der Marge, kostet kurzfristig aber Umsatz.
Doch der Fokus auf den Verkauf von Altbeständen zeigt das wahre China-Problem: Lokale Wettbewerber in China wie Anta und Li Ning reagieren schneller, treffen den Geschmack chinesischer Käufer besser und verteidigen ihre Marktanteile aggressiv, während Adidas, On und Hoka ihre Angebote lokaler und passgenauer positioniert haben. Nike läuft also nicht nur gegen Konjunktur und Nationalstolz, sondern auch gegen ein handfestes Ausführungsproblem.
Für das vierte Quartal erwartet Nike einen Umsatzrückgang von 2% bis 4%, wobei Greater China sogar um rund 20% fallen soll. Genau dieser Punkt hat den Markt schockiert. An der Wall Street hatte man für das laufende Quartal eher mit Wachstum in China gerechnet, nicht mit einem erneuten Rückgang. Der Fokus der Anleger liegt, wie eingangs erwähnt, auf China. Obwohl sich das US-Geschäft inzwischen erholt, lasten die schwachen China-Zahlen auf den Q-Zahlen und sorgten für den Ausverkauf der Aktie in Folge dieses Quartalsberichts.
Ich habe mir auch den Analystencall angehört: Die kritischen Analystenfragen gingen in die richtige Richtung. Die Analystin von Barclays wollte wissen, ob die Perspektive für die nächsten Quartale nicht deutlich schwächer ist, als der Markt bislang annimmt. Die Antwort von CFO Matthew Friend war höflich, aber im Kern ernüchternd: Man wolle mehr Transparenz für die nächsten neun Monate geben, Nordamerika solle moderat wachsen, Greater China bleibe jedoch Gegenwind, und die Margenverbesserung werde erst ab dem zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 (das beginn bei Nike im September 2026) sichtbar. Das ist keine Entwarnung, sondern ein Eingeständnis, dass die Wende länger dauert.
Zwischen den Zeilen des Analystencalls war ein stilles Eingeständnis herauszulesen, dass die frühere D2C-Strategie übers Ziel hinausgeschossen ist. Das war ein Trend aus der Corona- und Lockdown-Zeit, der zu lange verfolgt wurde. Der Konzern muss Regalfläche im Handel zurückerobern, weil er im Alleingang über Digital und eigene Stores das Wachstum nicht mehr tragen kann. Friend ergänzte, in Nordamerika verbessere sich die Qualität des digitalen Geschäfts durch bessere Produkteinführungen und geringere Rabatte. Aber auch das ist eher eine Stabilisierungsaussage als eine neue Wachstumsstory und außerdem interessieren sich Anleger derzeit weniger für die USA, sondern nur für China.
Nike hat kein Zahlenproblem, sondern ein Glaubwürdigkeitsproblem. Das abgelaufene Quartal war etwas besser als die Analysten erwartet hatten, aber die eigentliche Botschaft war, dass die Aufräumarbeiten weitergehen und China noch deutlich länger weh tun wird. Dort wird nicht nur bereinigt, sondern ein neues Geschäftsmodell entwickelt. Solange dort digitale Rabatte bekämpft werden und lokale Wettbewerber Marktanteile gewinnen, bleibt China eher Bremsklotz als Hoffnungsträger. Positiv ist, dass Running, Fußball und Nordamerika erste echte Fortschritte zeigen.
CEO Elliott Hill war sichtlich unzufrieden. Einen Tag nach den Zahlen ließ er verlauten, dass die Zeit des Aufarbeiten alter Probleme nun enden und man sich auf Wachstumsmärkte für die Zukunft konzentrieren werde. Das hört sich für mich so an, als habe er bislang den Turnaround ohne schmerzhafte Einschnitte für Mitarbeiter versucht. Das dürfte sich künftig ändern. Wir haben Nike gekauft, weil ich es Elliott Hill zutraue, den Konzern wieder auf Wachstumskurs zu führen. Vielleicht waren diese Zahlen erforderlich für ihn, um ausreichend Rückendeckung für die nötigen Schritte zu bekommen. Ich würde also noch ein wenig dabei bleiben.
Alle Updates zu Nike
6. Übersicht HT-Portfolio
| Spekulation (≈20%) =21,5% | WKN | 2.4., 21:21 Uhr | Woche Δ | Σ '26 Δ | Anteil 8x2,5% | ! |
| PVA Tepla | 746100 | 30,40 € | -2% | 33% | 2,5% | A |
| DELL Technologies | A2N6WP | 150,06 € | 1% | 33% | 0,0% | C |
| Home Depot | 866953 | 278,83 € | 0% | -5% | 1,8% | A |
| Salesforce | A0B87V | 161,41 € | 4% | -16% | 2,6% | C |
| TJX | 854854 | 139,90 € | 4% | 7% | 3,0% | B |
| Boeing | 850471 | 179,88 € | 9% | -3% | 2,7% | B |
| Nike | 866993 | 38,05 € | -15% | -32% | 1,9% | C |
| Deutz | 630500 | 8,78 € | 5% | -20% | 2,1% | A |
| Nvidia Call | GU9NCS | 2,25 € | 1% | -12% | 2,4% | A |
| Dow Jones Call | FD1U0V | 3,35 € | 2% | -9% | 0,0% | A |
| Capital One Fincl | 893413 | 157,12 € | -2% | -2% | 2,5% | A |
| Disruptiv (≈30%) =31% | WKN | 2.4., 21:21 Uhr | Woche Δ | Σ '26 Δ | Anteil 5x6% | ! |
| Medios | A1MMCC | 12,36 € | 2% | -15% | 3,4% | C |
| Nvidia | 918422 | 153,31 € | 5% | -4% | 7,9% | A |
| Palo Alto Networks | A1JZ0Q | 141,02 € | 11% | -10% | 6,2% | B |
| Novo Nordisk | A3EU6F | 31,71 € | 4% | -27% | 3,7% | A |
| Apple | 865985 | 221,45 € | 2% | -4% | 7,1% | A |
| Tesla | A1CX3T | 312,16 € | 0% | -19% | 2,7% | B |
| Dividende (≈30%) = 21,9% | WKN | 2.4., 21:21 Uhr | Woche Δ | Σ '26 Δ | Anteil 5x6% | ! |
| CEWE | 540390 | 90,50 € | 0% | -13% | 5,5% | B |
| Allianz | 840400 | 367,40 € | 5% | -6% | 6,7% | B |
| Snap-On | 853887 | 316,57 € | 1% | 8% | 3,4% | A |
| Holcim | 869898 | 72,92 € | 3% | -13% | 6,3% | C |
| Yamaha | 855314 | 6,20 € | 0% | 4% | 0,0% | A |
| Absicherung (≈20%) =16,5% | WKN | 2.4., 21:21 Uhr | Woche Δ | Σ '26 Δ | Anteil 3x6,6% | ! |
| Goldbarren /Uz | 965515 | 4.047,26 € | 3% | 10% | 8,7% | C |
| Bitcoin | A27Z30 | 58.066,01 € | 2% | -22% | 4,4% | B |
| Xtrackers Nasdaq 100 | A2QJU3 | 48,13 € | 3% | -4% | 3,5% | A |
| Woche Δ | Σ '26 Δ | Cashquote | ||||
| 2% | -7% | 9,1% |
| Heibel-Ticker | Gewichtung | # Positionen | angestrebte Positionsgröße | |||
| Portfolio | Ziel | Soll | Ist | Soll | Ist | |
| Spekulation | Ereignis | 20% | 21,5% | 8 | 9 | 2,5% |
| Disruptiv | Enkelkinder | 30% | 31% | 5 | 6 | 6,0% |
| Dividende | Urlaub | 30% | 21,9% | 5 | 4 | 6,0% |
| Absicherung | Zins & Gold | 20% | 16,5% | 3 | 3 | 6,7% |
| Summe | 100% | 91% | 21 | 22 | 100% | |
Anmerkungen:
- Die Überschrift über jedem Portfoliobereich in der jeweiligen ersten Spalte (bspw. Absicherung (≈20%) =21,8%) bedeutet: Der beabsichtigte Anteil dieses Portfoliobereichs am Gesamtportfolio beträgt ungefähr 20%. Aktuell beträgt der Anteil 21,8%.
- Die dritte Spalte zeigt die Schlusskurse von Donnerstagabend.
- Unter „Woche” steht die Veränderung im Vergleich zur Vorwoche.
- Unter „Σ 'XX Δ” steht das Ergebnis der Position seit Jahresbeginn bzw. seit Aufnahme ins Portfolio.
- Unter „Anteil” finden Sie den Anteil der jeweiligen Position am Gesamtdepot.
Unter ! steht zur Information meine Grundtendenz:
| A | – | Top-Aktie mit günstigem Kurs, |
| B | – | Kursrücksetzer zum Kaufen nutzen |
| C | – | Kurssprünge zum Verkaufen nutzen, |
| D | – | bei Gelegenheit Verkaufen, |
| E | – | Sofort Verkaufen |
Die „Gelegenheit” zum Kaufen oder Verkaufen wird sodann kurzfristig von mir per Update an Sie bekanntgegeben.
Ich habe diese Spalte „!” insbesondere für neue Mitglieder vorgesehen, die zu einem späteren Zeitpunkt wissen wollen, ob ich die Position noch zukaufen würde, wenn ich beispielsweise darin nicht schon voll investiert wäre. Zukaufen würde ich jeweils jedoch niemals zu Höchstkursen, sondern stets nur nach kurzfristigen Kursrückschlägen von mindestens 5-7%.
Kauffolge: Je spekulativer, desto aggressiver würde ich kaufen und verkaufen. Derzeit verwende ich die folgenden Schritte:
- Dividenden- + Wachstumspositionen in drei Schritten aufbauen: 25%-25%-50%,
- Zyklische Positionen in zwei Schritten aufbauen: 50%-50%,
- Spekulative Positionen ganz oder gar nicht: 100%.
Die letzte Spalte wird für eine Einschätzung der Auswirkung aktueller Entwicklungen auf die jeweilige Portfolioposition genutzt. „%“ stuft den Einfluss der Inflation auf das jeweilige Geschäftsmodell ein.
Stopp Loss Limits, Verkaufslimits und ähnliche Aktionsmarken verwalte ich aktiv in meinem System und ändere ich unter der Woche mehrfach, fast täglich. Eine Veröffentlichung der entsprechenden Limits ist in der Regel nicht sinnvoll, allenfalls Stopp Loss Marken für unseren Spekulationen werde ich bisweilen im Text bekanntgeben.
Eine erfolgreiche Börsenwoche,
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Stephan Heibel
Chefredakteur und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs
https://www.heibel-ticker.de
7. Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise
Wer un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen in Umlauf setzt, wird mit Lust-, manchmal auch mit Erkenntnisgewinn belohnt; und wenn alles gut geht, fällt davon sogar etwas für Sie ab. (frei nach Robert Gernhardt)
Wir recherchieren sorgfältig und richten uns selber nach unseren Anlageideen. Für unsere eigenen Transaktionen befolgen wir Compliance Regeln, die auf unsere eigene Initiative von der BaFin abgesegnet wurden. Dennoch müssen wir jegliche Regressansprüche ausschließen, die aus der Verwendung der Inhalte des Heibel-Tickers entstehen könnten.
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Die Börse ist ein komplexes Gebilde mit eigenen Regeln. Anlageentscheidungen sollten nur von Anlegern mit entsprechenden Kenntnissen und Erfahrungen vorgenommen werden. Anleger, die kein tiefgreifendes Know-how über die Börse besitzen, sollten unbedingt vor einer Anlageentscheidung die eigene Hausbank oder einen Vermögensverwalter konsultieren.
Die Verwendung der Inhalte dieses Heibel-Tickers erfolgt auf eigene Gefahr. Die Geldanlage an der Börse beinhaltet das Risiko enormer Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.
Quellen:
Kurse: Bloomberg. Alle Kurse sind Schlusskurse vom Donnerstag sofern nichts Gegenteiliges vermerkt ist. Sentimentdaten: eigene Umfrageergebnis über unseren Dienst animusX.de.
Bilanzdaten: Bloomberg, Comdirect, Yahoo! Finance sowie Geschäftsberichte der Unternehmen
Informationsquellen: dpa, Aktiencheck, Yahoo! Finance, TheStreet.com, IR-Abteilung der betreffenden Unternehmen
DEUTSCHE BIBLIOTHEK : ISSN 1862-5436
Erscheinungsweise: wöchentlich Freitag/Samstag
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