Sie erfahren, warum Siemens Energy trotz eines Kursanstiegs von über 2.700 Prozent in gut zwei Jahren fundamental noch Luft nach oben hat – und wo die konkreten Handlungsmarken liegen.
Ende 2023 notierte die Aktie bei 6,50 Euro. Am 24. April 2026 markierte Siemens Energy bei 188 Euro ein neues Allzeithoch. Die Rallye ist beeindruckend. Die entscheidende Frage ist, ob die Substanz mitgewachsen ist.
KI-Rechenzentren brauchen Dauerstrom – rund um die Uhr. Wind und Sonne liefern ihn nicht verlässlich, Kernkraft kommt zu spät, Gas ist die pragmatische Lösung. Siemens Energy liefert Gasturbinen, Transformatoren und Netzinfrastruktur: alles, was ein Rechenzentrum erst ans Netz bringt. Der Auftragsbestand – bereits gebuchte, noch nicht abgearbeitete Aufträge – lag im ersten Quartal 2026 bei 146 Mrd. Euro bei einem Jahresumsatz von 39 Mrd. Euro. Liefertermine für große Gasturbinen werden bereits für 2029 und 2030 vergeben.
Die Windtochter Siemens Gamesa schrieb im ersten Quartal 2026 nur noch 46 Mio. Euro Verlust – nach 1,364 Mrd. Euro im Gesamtjahr 2025. Der Break-even im laufenden Jahr ist greifbar. Fällt diese Bremse weg, dürfte der Markt die Aktie neu einordnen. Das EV/EBITDA – Unternehmenswert geteilt durch operatives Ergebnis – liegt bei 20; angesichts eines erwarteten Gewinnsprungs von rund 90 Prozent im laufenden Jahr erscheint das günstig. Analysten sind gespalten: Das durchschnittliche Kursziel liegt laut MarketScreener (Stand 29.04.2026) unter dem aktuellen Kurs, einzelne Institute wie die Bank of America sehen 250 Euro.
Siemens Energy und Wettbewerber investieren massiv in neue Kapazitäten. Entsteht irgendwann ein Angebotsüberhang, schwindet die Preissetzungsmacht – ein Muster, das aus der Chip-Industrie bekannt ist. Für die kommenden Jahre spricht jedoch der strukturell wachsende Strombedarf durch KI, Elektrifizierung und Rechenzentren, der auf jahrelang vernachlässigte Stromnetze trifft.
Wer investiert ist, behält die Position, solange der Aufwärtstrend intakt bleibt. Eine Konsolidierung nach dem starken Lauf wäre ein gesundes Zeichen, kein Alarmsignal. Wer noch nicht investiert ist, läuft dem aktuellen Kurs nicht nach – sollte es in den kommenden Wochen zu einer Konsolidierung kommen, wäre das der sachliche Einstieg. Läuft die Aktie auf 250 Euro ohne neue fundamentale Nachrichten, wäre in meinen Augen eine faire Bewertung erreicht. Dann würde ich Gewinne schrittweise mitnehmen.
Nächster Impulsgeber: Halbjahresbericht am 12. Mai 2026.
Die vollständige Wunschanalyse lesen PLUS-Mitglieder im Heibel-Ticker Börsenbrief Ausgabe 2026/17. Die Abstimmung zur nächsten Wunschanalyse läuft unter heibel-ticker.de/member/wunschanalyse.
Autor Stephan Heibel ist Chefredakteur und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs.
Seit 1998 verfolge ich mit Begeisterung die US- und europäischen Aktienmärkte. Ich schreibe nun wöchentlich für mehr als 25.000 Mitglieder über die Hintergründe des Aktienmarktes und die Ursachen von Kursbewegungen. Heibel-Ticker Mitglieder schätzen meinen neutralen, simplen und unterhaltsamen Stil. Als Privatanleger nutzen sie meine Einschätzungen und Anlageideen, um ihr Portfolio unabhängig zu optimieren.
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