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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 25.03.2026 um 14:52 Uhr

DeepSeek im Rückblick: Warum wir Nvidia damals nicht falsch verkauft haben

Manche Marktreaktionen wirken im ersten Moment eindeutig. Erst mit etwas Abstand zeigt sich, wie viel davon auf vorschnellen Schlussfolgerungen beruhte.

Genau so war es für mich beim DeepSeek-Schock Anfang 2025. Damals reichte ein neuer Name aus China aus, um die Erzählung rund um Nvidia abrupt kippen zu lassen. Sehr schnell stand im Raum, dass der technologische Vorsprung von Nvidia kleiner sein könnte als gedacht und dass die bisherige Investmentthese neu bewertet werden müsse.

Ich habe diese Schlussfolgerung schon damals nicht einfach übernommen. Heute, mit dem Abstand von mehr als einem Jahr und dem aktuellen Dell-Update als Auslöser, wird für mich noch klarer, warum genau diese Skepsis wichtig war.

Im aktuellen Dell-Update kam der DeepSeek-Moment wieder hinein

Wir haben das aktuelle Dell-Update eigentlich aus einem anderen Grund geschrieben. Im Mittelpunkt standen die Probleme bei SuperMicro und die Frage, warum das Dell in die Karten spielt. Im Zuge dieses Updates kam dann aber auch der DeepSeek-Moment wieder hinein. Und genau dabei wurde mir wieder bewusst, dass ich damals mit meiner Einschätzung richtig lag.

Denn der DeepSeek-Schock hatte die Nvidia-Aktie damals massiv unter Druck gesetzt. Viele zogen daraus vorschnell den Schluss, Nvidias Alleinstellungsmerkmal sei gebrochen. Im Dell-Update tauchte dieser Moment nun wieder auf, weil der mögliche Schmuggel von Nvidia-GPUs über Singapur genau an eine Vermutung anknüpft, die ich schon damals formuliert hatte.

Als DeepSeek den Markt schockte, war die Erzählung schnell gefunden

Ende Januar 2025 reagierte der Markt heftig. Nvidia brach massiv ein, Dell geriet ebenfalls unter Druck, und die Erklärung war schnell gefunden: China habe mit DeepSeek gezeigt, dass starke KI auch ohne die Hochleistungschips von Nvidia möglich sei. Für viele war das der Beleg, dass Nvidias technischer Vorsprung überschätzt worden war.

Genau diese Deutung habe ich damals nicht einfach übernommen. Mir war es zu einfach, aus einer spektakulären Schlagzeile sofort den Schluss zu ziehen, dass die Investmentthese von Nvidia beschädigt sei.

Mir war die erste Erklärung zu einfach

Ich habe damals umgehend ein Update zu dem Thema geschrieben, weil ich die Marktreaktion für zu eindeutig hielt. Schon damals habe ich die Frage aufgeworfen, ob DeepSeek nicht vielleicht doch auf in China verbotene Nvidia-KI-GPUs zugreifen konnte, auf welchem Weg auch immer.

Genau dieser Punkt war entscheidend. Wenn die Chinesen ihren Fortschritt nicht ohne Nvidia-Hardware erzielt hatten, sondern womöglich gerade mit Hilfe dieser Hardware, dann war der DeepSeek-Schock eben kein Beweis für das Ende von Nvidias Alleinstellungsmerkmal. Dann war die erste Erzählung des Marktes zu einfach.

Für unsere Nvidia-Aktie war das keine Nebensache

Das war keine theoretische Debatte. Der DeepSeek-Moment setzte Nvidia damals massiv unter Druck. Wer die erste Erzählung einfach übernommen hätte, konnte leicht zu dem Schluss kommen, die Aktie besser zu verkaufen. Genau darin lag die Brisanz.

Wenn die bisherige Investmentthese tatsächlich beschädigt gewesen wäre, hätte ein Verkauf nachvollziehbar wirken können. Wenn die Marktreaktion aber auf einer unvollständigen oder falschen Deutung beruhte, dann wäre genau dieser Verkauf ein Fehler gewesen. Genau deshalb war die richtige Einordnung für unsere Nvidia-Aktie so wichtig.

Der Jahresverlauf hat diese Skepsis nicht geschwächt

Im weiteren Verlauf des Jahres hat sich meine Einordnung nicht abgeschwächt. Im Gegenteil. Immer wieder zeigte sich, dass neue KI-Modelle mit Reasoning und Inference nicht weniger, sondern eher mehr Rechenleistung benötigen. Der Markt hatte DeepSeek zunächst wie einen Gegenbeweis zur Nvidia-Story gelesen. Ich hielt genau das für falsch.

Mit den weiteren Entwicklungen wurde für mich immer klarer, dass der Bedarf an Rechenleistung nicht verschwindet, sondern mit den nächsten Entwicklungsschritten sogar noch steigt. Auch deshalb war es falsch, den DeepSeek-Moment vorschnell als strukturellen Bruch für Nvidia zu lesen.

Im Dell-Update wurde der Zusammenhang wieder sichtbar

Genau deshalb war das aktuelle Dell-Update für mich mehr als nur ein Dell-Update. Ausgangspunkt waren die Probleme bei SuperMicro und die Vorteile für Dell. Doch im Zuge dieses Updates kam der DeepSeek-Moment wieder hinein. Und damit kam auch die damalige Frage wieder zurück.

Wenn nun der Verdacht im Raum steht, dass Nvidia-GPUs über Singapur nach China gelangt sein könnten, dann knüpft das direkt an meine frühere Vermutung an. Genau dadurch wurde im Rückblick noch einmal sichtbar, warum mir die erste Erklärung damals zu einfach war.

Die Entwicklung der Kurse macht den Unterschied greifbar

Damals stand Nvidia beim DeepSeek-Moment unter massivem Druck. Heute lässt sich mit Abstand viel klarer erkennen, worum es eigentlich ging. Nicht um eine Schlagzeile. Nicht um einen einzigen Handelstag. Sondern um die Frage, ob eine heftige Marktreaktion wirklich die Investmentthese verändert hat.

Gerade für langfristig orientierte Anleger ist das entscheidend. Zwischenzeitlich können Aktien in beide Richtungen heftig schwanken. Für Trader ist das ein Spielfeld. Für Anleger ist es vor allem ein Test der eigenen Einordnung. Genau in solchen Phasen entscheidet sich, ob man einer lauten Erzählung folgt oder an einer sauber geprüften Einschätzung festhält.

Der eigentliche Punkt ist nicht Rechthaben

Mir geht es bei diesem Rückblick nicht darum, mich im Nachhinein für eine richtige Vermutung zu feiern. Der eigentliche Punkt ist ein anderer. An der Börse reicht es nicht, die erste Schlagzeile zu lesen und daraus sofort Konsequenzen abzuleiten. Gerade in Phasen der Panik ist die erste Erklärung oft die einfachste, aber nicht zwingend die richtige.

Wer vorschnell reagiert, verkauft womöglich genau dann, wenn eine Investmentthese gar nicht beschädigt ist. Wer tiefer prüft, kann unterscheiden zwischen echtem Bruch und kurzfristiger Marktpanik. Genau darin liegt für mich der eigentliche Wert gründlicher Analyse.

Genau deshalb habe ich Nvidia damals nicht falsch verkauft

Der Fall DeepSeek zeigt mir im Rückblick sehr klar, warum ich Nvidia damals nicht falsch verkauft habe. Nicht, weil ich jede Entwicklung sicher vorhersehen konnte. Sondern weil ich mich geweigert habe, eine spektakuläre Marktgeschichte ungeprüft zu übernehmen.

Für unsere Nvidia-Aktie war genau das wichtig. Der DeepSeek-Schock setzte die Aktie massiv unter Druck. Viele wollten darin sofort den Beweis sehen, dass Nvidias Vorsprung bröckelt. Ich sah dafür damals keine ausreichende Grundlage. Heute sehe ich noch klarer, warum diese Skepsis berechtigt war.

Was ich daraus mitnehme

Der DeepSeek-Schock war für mich kein Beweis gegen Nvidia, sondern ein Test dafür, wie belastbar eine Investmentthese unter Druck wirklich ist. Heute, mit dem Abstand von mehr als einem Jahr und dem aktuellen Dell-Update als Auslöser, sehe ich mich in dieser Einordnung bestätigt.

Nicht das Rechthaben ist der Mehrwert. Der Mehrwert liegt darin, Nvidia damals nicht aus einem falschen Narrativ heraus verkauft zu haben. Genau deshalb bleibt gründliche Analyse für mich die Grundlage jeder erfolgsaussichtsreichen Portfolioentscheidung.

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Stephan Heibel

Seit 1998 verfolge ich mit Begeisterung die US- und europäischen Aktienmärkte. Ich schreibe nun wöchentlich für mehr als 25.000 Mitglieder über die Hintergründe des Aktienmarktes und die Ursachen von Kursbewegungen. Heibel-Ticker Mitglieder schätzen meinen neutralen, simplen und unterhaltsamen Stil. Als Privatanleger nutzen sie meine Einschätzungen und Anlageideen, um ihr Portfolio unabhängig zu optimieren.

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