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Von Stephan Heibel, Herausgeber des Heibel-Tickers
Ob sich ein Investment in LVMH lohnt, hängt davon ab, ob sich das China-Geschäft stabilisiert und der Nahe Osten wieder anzieht: Im besten Fall ergibt das DCF-Modell von Stephan Heibel ein Kursziel von 500 Euro, im ungünstigen Fall Kurse unter 300 Euro.
LVMH legte am 12. Oktober 2026 die Zahlen zum dritten Quartal vor: Der Umsatz stieg organisch um 1 Prozent auf 18,5 Milliarden Euro, Mode und Lederwaren (Louis Vuitton, Dior) gingen organisch um 5 Prozent zurück, belastet von einem schwächeren Umfeld in China (LVMH, 12. Oktober 2026; FashionUnited, 13. Oktober 2026). Die Aktie kostet am 20. Oktober 2026 um 12:10 Uhr 389,93 Euro (aktien.guide), am 13. April 2023 markierte sie ein Rekordhoch von 877,60 Euro (Börse Online), rechnerisch liegt sie damit rund 56 Prozent darunter.
Das DCF-Modell von Stephan Heibel errechnet selbst im optimalen Fall ein maximales Kursziel von 500 Euro. Gegenüber 389,93 Euro sind das rechnerisch 28 Prozent. Bleiben die Probleme länger bestehen, hält das Modell Kurse unter 300 Euro für möglich, also einen Rückgang von mehr als 23 Prozent. Der Bestfall begrenzt den Ertrag nach oben, der Negativfall hat nach unten keine Grenze bei 300 Euro. Stephan Heibel bewertet das Chance/Risiko-Verhältnis deshalb als nicht attraktiv genug.
Die Analysten liegen nach den Quartalszahlen im Bereich dieses Bestfalls: UBS senkte das Kursziel am 13. Oktober 2026 von 525 auf 510 Euro, Kepler Cheuvreux von 500 auf 490 Euro, beide Häuser bleiben bei Kaufen (Börse Express; Goldesel). Dass ein niedriger Kurs allein kein Kaufsignal ist, zeigt auch der Beitrag Rheinmetall bei 900 Euro: Warum das kein Kaufsignal ist.
Das ist bei LVMH zu beachten:
Der Börsenwert überschritt zeitweise 400 Milliarden Euro (FXEmpire). Weder die Umsatz- noch die Gewinnentwicklung rechtfertigen nach Stephan Heibels Analyse rechnerisch den Kurseinbruch: Nach mehreren Jahren mit zweistelligen Wachstumsraten und einer Gewinnverdopplung im Jahr 2021 pendelt sich das Geschäft auf hohem Niveau ein, und der Markt bewertet es neu.
Die Zahlen stützen das. Im Jahr 2025 lag der Umsatz bei 80,8 Milliarden Euro (berichtet minus 5 Prozent), das operative Ergebnis bei 17,8 Milliarden Euro (Il Sole 24 Ore, 27. Januar 2026). Im ersten Halbjahr 2026 erzielte LVMH ein operatives Ergebnis von 8,7 Milliarden Euro (minus 4 Prozent) bei einer operativen Marge von 22,5 Prozent (LVMH, 27. Juli 2026). In den ersten neun Monaten 2026 wuchs der Umsatz organisch um 2 Prozent auf 57,1 Milliarden Euro, berichtet liegt er 2 Prozent darunter (LVMH, 12. Oktober 2026).
Stephan Heibel hofft, dass sich 2026 ein Boden im Geschäft bildet. Gelingt das, bezeichnet er die Bewertung als fair bis günstig. Ob das gelingt, ist alles andere als gewiss. Auch bei Micron trägt eine niedrige Bewertung nur unter einer Bedingung, wie der Beitrag Micron extrem niedrig bewertet – doch nur bei hoher Marge zeigt.
Für einen Boden müssen sich zwei Bedingungen erfüllen. Erstens muss sich das China-Geschäft stabilisieren, das nach Stephan Heibels Analyse unter einem Boykott von Louis Vuitton leidet; Euronews berichtet in diesem Zusammenhang von einem Markenrechtsstreit mit der chinesischen Teekette Molly Tea (Euronews, 13. Oktober 2026). Zweitens muss das Geschäft im Nahen Osten wieder anziehen, das nach Stephan Heibels Analyse unter dem Iran-Krieg leidet.
Die Regionen, in denen LVMH wächst, tragen allein nicht. Die USA, Europa und Japan verzeichneten im dritten Quartal 2026 „good growth“ (LVMH, 12. Oktober 2026). Wachstum liefern auch Wines & Spirits (organisch plus 6 Prozent im dritten Quartal), Uhren und Schmuck (plus 6 Prozent) und der Selektivhandel (plus 8 Prozent). Mode und Lederwaren stellen mit 26,4 von 57,1 Milliarden Euro in den ersten neun Monaten jedoch knapp die Hälfte des Umsatzes (FashionUnited, 13. Oktober 2026). Nach Stephan Heibels Analyse reichen die USA, Europa und Japan allein nicht, um an die guten alten Zeiten anzuschließen.
Beim Thema Kosten unterscheidet LVMH zwischen Effizienz und Einsparungen. Finanzchefin Cécile Cabanis sagte am 24. Juli 2025: „Efficiency is sustainable, cost-cutting is not sustainable“ (Marketing Week, 25. Juli 2025). Gleichzeitig kündigte der Konzern bei Moët Hennessy im Mai 2025 den Abbau von 1.200 Stellen an (FashionUnited, 5. Mai 2025). Bei 82 Cent Gewinnverlust je Euro Umsatzrückgang bleibt LVMH vom Umsatz abhängig, und dieser hängt an China und am Nahen Osten.
LVMH zahlt für die Geschäftsjahre 2023, 2024 und 2025 jeweils 13 Euro je Aktie (LVMH 2023, LVMH 2024, LVMH 2025). Die Rendite von 3,3 Prozent ist auch deshalb so hoch, weil der Kurs so stark gefallen ist. Die Bilanz trägt die Ausschüttung: Ende Juni 2026 liegt die Nettofinanzverschuldung bei 8,2 Milliarden Euro, ein Jahr zuvor waren es 10,2 Milliarden Euro, der operative Free Cashflow im ersten Halbjahr 2026 beträgt 4,1 Milliarden Euro (LVMH, 27. Juli 2026). Die Familie Arnault hält mehr als 50 Prozent des Kapitals (FashionUnited, Februar 2026). Als Dividendenaktie qualifiziert sich LVMH dennoch nicht: Vier von fünf Kriterien von Stephan Heibel sind erfüllt.
Für das Heibel-Ticker-Portfolio ist LVMH nicht geeignet. Das Portfolio enthält bereits zwei Aktien von Einzelhändlern: eine Dividendenaktie mit besserer Dividendenkontinuität und eine Spekulation, die mit günstigen Preisen den Zeitgeist besser trifft. Hinzu kommt eine Spekulation auf einen fallenden Ölpreis, die stark mit LVMH korreliert, im positiven Fall aber deutlich stärker steigt. LVMH erhöht die Volatilität des Portfolios bei nur moderater Gewinnerwartung.
Ich greife nicht zu, bevor die Aktie deutlich günstiger bewertet ist oder sich der Wind sichtbar dreht. Dann wird aus billig günstig. Grundsätzlich bevorzuge ich Unternehmen, die ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen und nicht darauf warten, dass sich der Wind dreht.
Quellen und Stand: LVMH (Mitteilungen vom 12. Oktober 2026 und 27. Juli 2026, Dividendenmitteilungen 2023 bis 2025), FashionUnited, Euronews, Börse Express, Goldesel, aktien.guide (Kurs vom 20. Oktober 2026, 12:10 Uhr), Börse Online, Il Sole 24 Ore, Marketing Week, FXEmpire. Stand: 20. Oktober 2026.
Stephan Heibel verfolgt seit 1998 die Börsen der USA und Europas und gibt seit 2006 den Heibel-Ticker heraus, den mehr als 25.000 Mitglieder lesen. Die Ausgabe finden Sie im Archiv.
Seit 1998 verfolge ich mit Begeisterung die US- und europäischen Aktienmärkte. Ich schreibe nun wöchentlich für mehr als 25.000 Mitglieder über die Hintergründe des Aktienmarktes und die Ursachen von Kursbewegungen. Heibel-Ticker Mitglieder schätzen meinen neutralen, simplen und unterhaltsamen Stil. Als Privatanleger nutzen sie meine Einschätzungen und Anlageideen, um ihr Portfolio unabhängig zu optimieren.
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