Heute Abend nach US-Börsenschluss veröffentlicht Nvidia seine Quartalszahlen – und Stephan Heibel hält die Aktie, obwohl der Kurs seit Jahresbeginn deutlich gestiegen ist. Ein KGV von 21 bei 86 Prozent Gewinnwachstum ist fundamental günstig. Das ist eine von mehreren Einschätzungen, die Heibel gestern im Live-Stream auf Basis seiner Bloomberg-Excel-Auswertung mit rund 1.400 Aktien durchgegangen ist. Wer jetzt nicht unterscheidet, in welchem der drei Marktlager seine Positionen stecken, riskiert im falschen zu sitzen – vor dem Sommer.
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Der häufigste Einwand gegenüber KI-Titeln lautet: zu weit gelaufen, zu teuer. Für Nvidia lässt sich das mit Zahlen widerlegen. Heibels Faustregel: Das KGV darf maximal doppelt so hoch sein wie das Gewinnwachstum. Bei Nvidia ergibt sich eine PEG-Ratio von deutlich unter 1 – das ist nicht teuer, das ist günstig. Heibel: „Ich setze darauf, dass der Kurs sich noch verdreifachen kann – wenn das Gewinnwachstum 2027 bei 32 Prozent liegt und das EV/EBITDA auf 60 steigt.“ Einen Nvidia-Call im Portfolio prüfte er gestern auf mögliche Mitnahme vor den heutigen Zahlen.
Boeing und Rheinmetall ordnet Heibel ebenfalls als fundamental untermauert ein. Boeing hält einen siebenfachen Jahresumsatz als Auftragsbestand – Book-to-Bill 7 bedeutet: sieben Jahre Arbeit liegt bereits in den Büchern. Die Story ist das Hochfahren der Fertigung: von aktuell 42 auf über 50 Maschinen pro Monat bis Ende des Jahres. Rheinmetall ist nach dem 40- bis 45-prozentigen Kursrückgang mit einem EV/EBITDA von 16,5 und Book-to-Bill von 3,5 bewertet – bei 48 Prozent erwartetem Gewinnwachstum im laufenden Jahr. „Langfristig ist Rheinmetall nach wie vor eine klare Kaufempfehlung von mir“, so Heibel.
Salesforce, Adobe, Nemetschek – sie alle haben in den vergangenen Jahren EBITDA-Margen von 30 bis 40 Prozent erzielt. Diese Margen dürften nach Heibels Einschätzung strukturell sinken. Der Mechanismus: KI ermöglicht es Kunden, Teilleistungen günstiger selbst zu erzeugen oder günstigere Alternativen zu nutzen. Die Verhandlungsposition der Softwareanbieter erodiert – nicht weil die Produkte schlechter werden, sondern weil die Alternativen billiger geworden sind.
Die Konsequenz für den Kurs: Analysten senken kontinuierlich ihre Schätzungen. Sinkendes EBITDA bei konstanter Bewertungserwartung treibt das Multiple nach oben – und den Kurs nach unten. Heibel wird die eigene Salesforce-Position „demnächst mit großem Verlust aus dem Portfolio schmeißen“. Bei Nemetschek sieht er die Aktie fair bewertet – aber die Schätzungen, auf denen das EV/EBITDA von 15 basiert, werden weiter nach unten revidiert. SAP ist unter allen Softwareunternehmen am besten positioniert, weil die Unternehmensdaten vieler Kunden auf eigenen Servern liegen – aber auch SAP trifft dieselbe Marktskepsis.
Heibels Sommertauglichkeitskriterium ist klar: fundamental günstig oder Dividendenstar. Wer beides nicht erfüllt, ist ein Kandidat für Gewinnmitnahmen.
Teleperformance hat gestern alle fünf Dividendenkriterien aus Heibels System erfüllt: 6,2 Prozent Dividendenrendite, 31 Prozent Ertragsaussicht. „Das ändert mein Bild schlagartig. Genau so ein Dividendenkandidat, wie wir ihn am liebsten haben – offensichtlich solide, zurzeit günstig“, so Heibel. Münchener Rück mit 4,9 Prozent Dividendenrendite und stabiler Rückversicherungslogik steht ähnlich gut da. Züblin SE bleibt eine volle Position: 2,9 Prozent Rendite, 15 Prozent Gewinnwachstum, EV/EBITDA günstig – gestützt durch den Verkauf eines verlustbringenden Geschäftsbereichs.
Auf der anderen Seite: SMA Solar ist für Heibel ein Verkaufskandidat vor dem Sommer. Der Kurs ist stark gestiegen, der Auftragsbestand zeigt ein Minus von 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, das Umsatzwachstum liegt bei 4 bis 6 Prozent ohne Dividende. Devon Energy ist nach dem Anstieg infolge des Iran-Konflikts für Heibel „ausgereizt“ – eine Spekulation, die ihren Zenit erreicht haben dürfte.
Grundlage aller Einschätzungen ist Heibels Bloomberg-Excel-System: fünf Dividendenkriterien, EV/EBITDA, Book-to-Bill-Ratio und PEG-Ratio für rund 1.400 Aktien aus Euro Stoxx 600, S&P 500, Nikkei 225, ATX, SMI, SDAX und MDAX. Das System hat Heibel über Jahre aufgebaut – gestern hat er es erstmals ausführlich im Live-Stream gezeigt und durchgearbeitet.
Stephan Heibel gibt den Heibel-Ticker seit 1998 heraus. Seit 2008 liegt die durchschnittliche Jahresrendite des Portfolios bei rund 10 Prozent – zum Vergleich: der DAX kommt im gleichen Zeitraum auf 6 Prozent.
Hinweis: Alle Einschätzungen geben die persönliche Meinung und die eigenen Portfolioentscheidungen von Stephan Heibel wieder. Dies ist keine Anlageberatung.
Seit 1998 verfolge ich mit Begeisterung die US- und europäischen Aktienmärkte. Ich schreibe nun wöchentlich für mehr als 25.000 Mitglieder über die Hintergründe des Aktienmarktes und die Ursachen von Kursbewegungen. Heibel-Ticker Mitglieder schätzen meinen neutralen, simplen und unterhaltsamen Stil. Als Privatanleger nutzen sie meine Einschätzungen und Anlageideen, um ihr Portfolio unabhängig zu optimieren.
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