...
Veröffentlicht von Stephan Heibel am 30.06.2026 um 10:40 Uhr

Micron +1.215 %: Der nächste KI-Engpass heißt Intel

Micron meldete in der vergangenen Woche einen Gewinnsprung von 1.215 % gegenüber dem Vorjahr – die Bruttomarge liegt bei 81 %, und CEO Sanjay Mehrotra rechnet mit einer Knappheit bei HBM-Speicherchips bis mindestens 2029. Die Aktie sprang daraufhin um weitere 19 % an, die Marktkapitalisierung überschritt bereits Anfang Juni die Billionen-Marke. Aus meiner Sicht ist Micron damit nicht der Schlusspunkt der Geschichte, sondern eine Bestätigung: Nach den KI-GPUs und dem HBM-Speicher rückt nun die CPU in den Mittelpunkt – und damit Intel.

Micron bestätigt: Die KI-Lieferkette hat drei Stufen

Nvidia stieg mit dem Verkauf von KI-GPUs zum wertvollsten Unternehmen der Welt auf. Jetzt zieht Micron mit dem Verkauf von HBM-Speicher nach. Beide Entwicklungen folgen demselben Muster: Ein Engpass in der KI-Infrastruktur treibt Preise und Margen eines einzelnen Anbieters in ungewöhnliche Höhen. Bei Micron liegt die Gewinnmarge inzwischen bei 81 % – für einen Hardware-Hersteller ein außergewöhnlicher Wert, der zeigt, wie knapp das Angebot tatsächlich ist.

Diese Knappheit verschiebt sich entlang der Lieferkette weiter. Wer die Reihenfolge GPU – Speicher – CPU verstanden hat, sieht bereits die nächste Station: Sobald GPU und Speicher nicht mehr der limitierende Faktor sind, rückt die Recheneinheit in den Vordergrund, die alle Prozesse koordiniert. Das ist die CPU.

Warum KI-Agenten die CPU zurück in den Mittelpunkt rücken

Lange Zeit war die CPU im KI-Geschäft die Nebenrolle – die eigentliche Rechenleistung lieferten GPUs, das Verhältnis lag bei rund 1:8: Eine CPU koordinierte acht GPUs, die isoliert Trainingsaufgaben abarbeiteten. Das funktionierte, solange ein Mensch zwischen den Verarbeitungsschritten saß und Ergebnisse prüfte, bevor der nächste Schritt folgte.

KI-Agenten fallen diese Pause weg. Sie verarbeiten GPU-Ergebnisse direkt weiter, in ununterbrochener Kette und mit hoher Taktung – mehrere Agenten greifen gleichzeitig auf dieselben Recheneinheiten zu, geben Aufgaben weiter, werten Zwischenergebnisse aus und stoßen die nächste Anfrage an. Dadurch nähert sich das Verhältnis von CPU zu GPU der Marke 1:1: Nicht weil jede GPU weniger leistet, sondern weil jede einzelne Recheneinheit jetzt eine eigene Koordinationsinstanz braucht, die Datenflüsse synchronisiert. Genau diese Aufgabe übernimmt die CPU – Speicher und Netzwerk-Hardware liefern Kapazität, aber keine Steuerung.

Für Sie als Anleger heißt das konkret: Wer Intel bereits hält, sieht in den Micron-Zahlen einen Vorboten für die eigene Position – der Engpass, der Micron gerade die Marge treibt, könnte sich in den kommenden Quartalen auf Intels CPU-Sparte übertragen, sofern sich die Agenten-Nachfrage wie erwartet entwickelt. Wer noch nicht investiert ist, dem zeigt die Reihenfolge GPU – Speicher – CPU einen möglichen Zeitpunkt: Während Micron-Aktien die Knappheit bereits eingepreist haben, deutet bei Intel noch wenig darauf hin, dass der Markt dieselbe Story für die CPU-Sparte erwartet.

Warum Intel – und nicht ARM oder AMD

Im Heibel-Ticker-Portfolio haben wir Intel aufgenommen, bevor diese These breiter diskutiert wurde. Die Aktie sprang zuletzt um 11 % an. Die Begründung liegt in der Marktstruktur: Anders als ARM oder AMD vereint Intel Design und Fertigung unter einem Dach. Das ist im aktuellen Umfeld kein Nebenaspekt, sondern ein strukturelles Argument – gerade weil Fertigungskapazität für moderne Chips weltweit knapp und politisch sensibel ist. Einen ausführlichen Vergleich der vier Werte finden Sie in unserem Aktienvergleich Nvidia, Intel, AMD und ARM.

Hinzu kommt die geografische Komponente: Intel fertigt in den USA. In einem politischen Umfeld, das heimische Halbleiterfertigung priorisiert, ist das ein Standortvorteil, den weder ARM noch AMD in dieser Form vorweisen können. Beide Unternehmen sind auf externe Fertiger angewiesen – Intel nicht.

Meine Einschätzung zur Bewertung und mein Einstieg

Ich würde sagen: Der Markt hat den GPU- und Speicher-Engpass längst eingepreist, schaut bei der CPU aber noch nicht in dieselbe Richtung. Intel wird derzeit nicht als KI-Gewinner gehandelt – das könnte sich ändern, sobald die Knappheit auch hier sichtbar wird.

Auf den ersten Blick wirkt die Bewertung anspruchsvoll: Das EV/EBITDA steht aktuell bei rund 57 – deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Der Grund liegt jedoch nicht in einer Überbewertung, sondern in der laufenden Erholung: Analysten erwarten für 2026 einen Gewinnsprung von 0,42 auf 1,09 USD je Aktie, das wäre ein Plus von rund 160 % gegenüber dem Vorjahr. Bei einem solchen Wachstumstempo würde ich die heutige Bewertung eher als Übergangsphase einordnen als als Warnsignal.

Ich bin daher unter 110 EUR bei Intel eingestiegen. Das ist meine eigene Positionierung im Heibel-Ticker Portfolio, keine Aufforderung an Sie, gleichzuziehen – sondern meine Einschätzung, wie sich die nächste Engpassgeschichte in der KI-Lieferkette entwickeln könnte.


Den vollständigen Hintergrund inklusive Portfolio-Update finden Sie in der aktuellen Heibel-Ticker Ausgabe. Mehr über Stephan Heibel und seine Markteinschätzungen seit 1998 lesen Sie im Autorprofil. Einen breiteren Überblick über aktuelle KI-Aktien finden Sie zudem in unserem KI-Aktien-Blog.


...

Stephan Heibel

Seit 1998 verfolge ich mit Begeisterung die US- und europäischen Aktienmärkte. Ich schreibe nun wöchentlich für mehr als 25.000 Mitglieder über die Hintergründe des Aktienmarktes und die Ursachen von Kursbewegungen. Heibel-Ticker Mitglieder schätzen meinen neutralen, simplen und unterhaltsamen Stil. Als Privatanleger nutzen sie meine Einschätzungen und Anlageideen, um ihr Portfolio unabhängig zu optimieren.

heibel-ticker.de

Twitter LinkedIn YouTube Podcast Xing


Der wöchentliche Börsenbrief für alle, die professionellen und ehrlichen Rat für ihren Vermögensaufbau suchen. Jetzt gemeinsam mit über 25.000 Mitgliedern kostenfrei erhalten.

Heibel-Unplugged ist der Blog des Heibel-Ticker Börsenbriefs zur Ergänzung fachlicher Börsenexpertise mit dem Investoren-Sentiment

© Copyright 2006 - 2026 Heibel-Unplugged