Leserfragen (Dezember 2025)


 Frage vom 30.12.2025

#Rational Küchengeräte für die Profis

Sehr geehrter Herr Heibel,

in den letzten Tage bin ich durch einen Podcast auf die Aktie der Rational AG (WKN 701080) aufmerksam geworden, in dem der CEO des Unternehmens interviewt wurde. Dort stellte sich Rational als (selbsternannter) Weltmarktführer für thermische Speisenzubereitung in Großküchen vor und hob insbesondere die Technik der Kombidämpfer hervor. Diese Positionierung als Spezialist mit hoher technischer Kompetenz und starkem Nischenfokus klang durchaus interessant.​
Gleichzeitig wirkt die Aktie für mich vom Kursverlauf her eher langweilig, aber vergleichsweise stabil. Die aktuelle Dividende liegt gemessen am aktuellen Kurs bei einer Rendite von rund 2 %, was nicht gerade hoch ist, aber bei einem stabilem Kursverlauf auch nicht schlecht ist.

Außerdem ist die Aktie in den letzten 11 Monate rund 25% gefallen, was mich zu dem Gedanken bringt, ob es ggf. ein guter Dip ist, um hier langfristig zu investieren.​
Vor diesem Hintergrund würde mich Ihre professionelle Einschätzung zur Rational‑Aktie sehr interessieren:

Wie beurteilen Sie das Chance‑/Risikoprofil der Aktie auf mittlere bis längere Sicht?

Spiegelt der aktuelle Bewertungsaufschlag aus Ihrer Sicht die Marktstellung und Profitabilität des Unternehmens angemessen wider?

Wie würden Sie die Aktie als Dividenden-Aktie einschätzen?

Über eine kurze Einordnung oder ein paar Stichpunkte zu Ihrer Sicht auf Rational würde ich mich sehr freuen.

An Stelle möchte ich mich auch herzlich für Ihr Engagement rund um den Heibel-Ticker und für den stets interessanten Input danken! Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Mit freundlichen Grüßen
Sven aus Chemnitz

 Antwort:

Vielen Dank, auch Ihnen wünsche ich einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Rational habe ich seit langem auf dem Schirm, ist langweilig ;-), für eine Dividendenaktie reicht die Rendite nicht, außerdem gab es 2020 und 2021 coronabedingt zwei Jahre mit rückläufiger Dividende. Die Ausschüttungsquote ist mit 69% recht hoch, was in Ordnung ist. Der Umsatz wächst mit 5-8% p.a., der Gewinn entwickelt sich nicht ganz so gut. Das ist für ein EV/EBITDA von 20 in meinen Augen in Ordnung, aber nicht besonders attraktiv - also langweilig.

Es fehlt mir der Wettbewerbsvorteil: Zwar ist Rational weltweit führend bei professionellen Gastro-Küchengeräten, doch ich sehe hier keinen „Burggraben“, also keinen Wettbewerbsvorteil gegenüber neuen Anbietern. Natürlich ist der weltweite Service ein Garant für die verlässliche Küche in Hotels und in der gehobenen Gastronomie. Doch irgendwie fehlt mir das Argument, warum das nicht andere auch können sollten.

Vor diesem Hintergrund ist die Gewinnmarge (EBITDA) mit 30% in meinen Augen recht hoch und lädt den Wettbewerb ein, es auch zu versuchen.


 Frage vom 30.12.2025

#Silber und SDAX-Mitglied Tonies

Hallo Herr Heibel,

ich hoffe Sie hatten ein schöne Weihnachtszeit - ich melde mich mit ein paar Gedanken, die Ihnen vielleicht ein wenig Input geben...

Ich habe mich irgendwie nie an das Thema Gold im Rahmen des Portfolios herangetraut ... ich fand seinerzeit Anleihen für mich besser und ich war immer schon mit einem höheren Anteil im Bereich der Dividenaktien unterwegs...

Beim nachträglichen Betrachten großen Erfolg des Goldes habe ich mich dann vor einigen Wochen mit dem noch zurückgebliebenen Silber beschäftigt und mich mit dem Schein A1KWPR eingekauft und bin nach der inzwischen großartigen Performance dieses Edelmetalls sehr happy mich dazu durchgerungen zu haben - nun soll Silber über die Weihnachtsfeiertage noch einen Schub von ca 7% gemacht haben ?!? ... dass sehe ich aber wohl erst am kommenden Montag, wenn das Papier in meinem Depot wieder upgedatet wird.

Was ist Ihre Meinung zu Silber ? ... es hat wohl einen Vorteil, dass es neben der Spekulation auch eine industrielle Nutzung gibt.

Dazu eine andere Idee - diesmal eine deutsche Aktie - frisch in SDAX: A3CM2W

Meine Söhne sind mit 27 und 31 auch schon aus dem Alter raus, aber unsere Großnichten stehen auf ihr Tonie-Boxen. Für mich als Erwachsenen eine tolle interaktive Audioplattform - ohne Bildschirm. Ich habe mich auf deren Investor Relations Page umgesehen und finde die Entwicklung des Unternehmens gerade mit dem Erfolg in den USA und vielen anderen Ländern großartig ... dazu die Verbreitung der Tonie Figuren mit wertigen neuen Partnern für die Inhalte. Ganz verrückt ist es wahrzunehmen, dass wir für die Kinder gewisse Figuren gar nicht mehr zum normalen Preis kaufen konnten - vielmehr gibt es einen viel teureren Zweitmarkt für die Figuren = Inhalte.

Insgesamt eine tolle Idee, die nach meiner Meinung noch höhere Margen erzielen sollte - ich gedenke aber mit einer Position einzusteigen - ich habe Yamaha übrigens inzwischen bei 5.98 verkauft und steige damit bei Tonies ein.

Vielleicht zwei spannende Themen auch für Sie ?

Einen guten Start in das neue Jahr wünscht
Stephan aus Hamburg

 Antwort:

Vielen Dank für die beiden Anregungen.

Silber habe ich bislang stets genau aus dem Grund ausgeschlossen: Ich kümmere mich um Aktien als Anteile an Unternehmen, deren Geschäft ich zu verstehen versuche, sowie um alternative Anlagen wie Gold, Bitcoin und Anleihen, die hoffentlich von wirtschaftlichen Schwankungen unabhängig sind. Silber ist ein Mix aus Absicherung über ein Edelmetall und einer Spekulation auf die industrielle Nutzung. Das wollte ich nicht im Bereich der Absicherung haben.

Für die kommenden Jahre erwarte ich eine Wiederbelebung der Industrien, was tatsächlich zu einer starken Nachfrage an Rohstoffen führen kann, wie wir es bereits sehen, und auch von Industriemetallen wie Silber. Es wäre also eine Spekulation, die für das Jahr 2026 durchaus Sinn macht.

Tonies wurde am 22. Dezember in den SDAX aufgenommen, da sind Sie gut informiert. Das Unternehmen wächst mit rund 30% im Umsatz und überproportional im Gewinn. Das EV/EBITDA liegt mit 29 damit im fairen Bereich, könnte durchaus höher sein. Seit September dieses Jahres steigt die Aktie stark von 6 Euro auf inzwischen 10,44 Euro an, zuletzt durch einen kräftigen Sprung dank der SDAX-Aufnahme und vermutlich auch dank eines guten Weihnachtsgeschäfts. Ich würde mit dem Kauf dieser Aktie auf eine Konsolidierung warten, doch grundsätzlich scheint das Unternehmen den Nerv der Kinder getroffen zu haben.


 Frage vom 30.12.2025

#Window-Dressing zum Jahresende

Sehr geehrter Herr Heibel,

welche Rolle spielt aktuell das Windows Dressing bei gut gelaufenen Aktien wie Nvidia, Dell etc.? Sicherlich wird es auch Fonds geben, die nun den Anteil gut gelaufener Aktien anpassen, um nicht überzugewichten. Also müssten zum Jahresende hin Aktien wie Tesla, Nvidia etc. aus den Depots von z.B. Rentenfonds etc. fliegen. Ist das nennenswert?

Mit freundlichen Grüßen
nochmals Michael aus M/V

 Antwort:

Diese Anpassungen müssen seit vielen Jahren bis Mitte Dezember erfolgen, so zumindest die internen Vorgaben bei Fondsgesellschaften und vielen institutionellen Anlegern. Damit möchte man vermeiden, dass größere Transaktionen in den letzten Tagen des Kalenderjahres zu Kursbewegungen führen, die von den Behörden als „Manipulation“ ausgelegt werden könnten und zu unbequemen Untersuchungen führen würden. Das Window-Dressing ist also meist Mitte Dezember abgeschlossen. Aber ja, Sie haben recht, das war sicherlich ein Grund, warum Nvidia und Dell, aber auch Palo Alto Networks, Amazon und auch Apple in der zweiten Dezemberwoche ziemlich schwach waren.


 Frage vom 30.12.2025

#Temu und Shein als Wettbewerber von Amazon

Sehr geehrter Herr Heibel,

wie schätzen Sie Temu und Shein ein, als Wettbewerber zu Amazon? In den USA wurden die chinesischen Handelsplattformen quasi aus dem Rennen genommen, aber für den "Rest der Amazon Welt" stelle ich mir diese Frage. Ich habe gerade aktuell gelesen, dass sich Temu im Weihnachtsgeschäft z.B. an den Amazon-Umsätzen in der EU gütlich getan hat. Temu ist ja erst vor kurzer Zeit in der EU gestartet. Wie gefährlich können die Chinesen den Umsätzen von Amazon noch werden?

Mit freundlichen Grüßen

Michael aus Mecklenburg-Vorpommern

 Antwort:

Der Erfolg der Chinesen beruht zu einem großen Teil auf minderwertiger Qualität und auf der Ausnutzung der De-minimis Zollregeln. Bis vor kurzem konnten Artikel im Wert von bis zu 800 USD zollfrei in die USA eingeführt werden., Temu und Shein verpackten ihre Produkte daher stets so, dass dieser Wert nicht überschritten wurde. Am 29.8.2025 wurde diese Regelung aufgehoben und Temu und Shein orientierten sich stärker nach Europa. Bei uns werden Waren erst ab einem Wert von 150 EUR besteuert, doch auch diese Regel wird zum Jahreswechsel nun aufgehoben, es fällt ab 2026 stets ein Mindestzoll von 2 Euro an.

Ein großer Kostenvorteil von Temu und Shein ist damit aufgehoben. Der Qualitätsnachteil wird langsam bekannt. Was die Chinesen allerdings gut können, ist der Verkauf von Produkten, die noch gar nicht produziert wurden. Damit spart man sich Lagerhaltungskosten und verschlankt die Produktion auf die wirkliche Nachfrage. Das allein bedeutet ebenfalls einen Kostenvorteil, der weiterhin besteht. So erklären sich die „Lieferzeiten" von teilweise über sechs Wochen.

Ich glaube, es gibt einen Markt für bestimmte Produkte, bei denen die Qualität nicht so wichtig ist und die Lieferzeit zweitrangig, mit denen sich Temu und Shein einen Markt sichern. Doch das sind Produkte, die man andernfalls vermutlich niemals über Amazon gekauft hätte. Ich habe Temu ausprobiert und ein paar Produkte gekauft, die ich sonst niemals gekauft hätte. Einen Teil der Produkte habe ich sofort aus Qualitätsmängeln weggeworfen, ein anderer Teil liegt nun rum und wartet vergeblich auf seine erste Verwendung. Tatsächlich gab es nur zwei Produkte, die ich nun regelmäßig nutze: eine Klapp-Lesebrille für 5,36 EUR, die es in vergleichbar kleinem Format nirgends sonst gab, und aufklebebare Leselinsen für ein paar Cent, die ich in meine Fahrradbrille klebte.

Natürlich startete auch Amazon als „nur“ Buchhändler und dominiert heute den Einzelhandel weltweit. Das Geschäftsmodell von Temu und Shein, erst bezahlen, dann produzieren, können wir auch dramatisch extrapolieren. Mit 3D-Druckern könnten Temu und Shein die Fertigung bestimmter Artikel immer näher an die Kunden bringen und dadurch die Lieferzeiten verkürzen. Auch qualitativ können die Chinesen sicherlich lernen und aufholen. Es ist also das Geschäftsmodell, das den Unterschied macht. Langfristig kann das sicherlich Druck auf Amazon ausüben. Doch bislang reagierte Amazon stets flexibel auf neue Bedrohungen: Vielleicht bauen die dann bald selbst Fertigungsanlagen und 3D-Drucker in ihre globale Lagerlogistik.

Ungeachtet dessen wird Amazon inzwischen zu einem guten Teil deswegen so hoch bewertet, weil das Unternehmen zu den Cloud-Giganten gehört und künftig vielleicht auch zu den KI-Giganten gehören wird. Davon sind Temu und Shein weit entfernt. Ich halte die Bedrohung für die Aktie von Amazon also für überschaubar.


 Frage vom 30.12.2025

#Netflix nach Übernahme von Werner Bros. Discovery unter Druck

Sehr geehrter Herr Heibel,

Seit dem Aktiensplit von Netflix im November 2025 und den Mitteilungen zur Übernahme von Warner Discovery sinkt der Wert der Aktie kontinuierlich. Haben Sie eine Erklärung dafür oder wie würden Sie den zukünftigen Verlauf der Aktie einschätzen, sollte man dabei bleiben?

Ich wünsche Ihnen ein schönes besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2026.

Mit freundlichen Grüssen

Hanka aus Liechtenstein

 Antwort:

Die Übernahme ist sehr umstritten, da Netflix damit eine Marktmacht auf sich vereint, die von den Kartellbehörden sicherlich erst noch kritisch beurteilt werden muss. Außerdem ist der Kaufpreis von 83 Mrd. USD für Netflix ein dicker Brocken: Das Unternehmen verfügt nur über 10 Mrd. USD Cash und wird mit einer Marktkapitalisierung von 430 Mrd. USD bewertet. Warner Brothers Discovery wird also die Bilanz von Netflix auf Jahre belasten, was eine erste Dividendenzahlung weiter in die ferne Zukunft verschieben dürfte.

Die Bewertung von Netflix ist mit einem EV/EBITDA von 31 recht ambitioniert, das überproportionale Gewinnwachstum von 23% p.a. (Umsatzwachstum 15%) rechtfertigt das hohe Bewertungsniveau jedoch. Die Übernahme eines Unternehmens mit deutlich schwächerer Gewinnmarge stellt diese Bewertungsrelation erst einmal in Frage. Ich würde sagen, ich kann die Anleger verstehen, die eine Aktie auf dem hohen Bewertungsniveau vor den Risiken einer so großen Übernahme lieber verkaufen. Es wird nun ein bis zwei Jahre dauern, bis wir über den Erfolg oder Misserfolg urteilen können. Gelingt die sinnvolle Integration der vielen bekannten Marken von Warner Bros. Discovery in den Netflix-Konzern, dürften Umsatz, Gewinn und die Aktie auch künftig weiter wachsen.

Kurz gesagt: Sicherlich eine interessante Situation. Für mich allerdings mit zu vielen Unsicherheiten behaftet, als dass ich diese Aktie in unser Depot holen würde.


 Frage vom 30.12.2025

#BioNTech als Spekulation auf Forschungserfolg

Sehr geehrter Herr Heibel,

Da ich seid geraumer Zeit einen Posten "BioNTech (ADRs) Aktien" besitze, mit denen ich im Moment etwas im Minus bin, komme ich in Versuchung
das momentane Kurstief zum Nachkaufen zu nutzen.

Bin mir aber überhaupt nicht sicher ob das eine gute Idee ist. Es interessiert mich sehr was Sie von BioNTech und von meinem Gedanken des Nachkaufens halten. Evtl. haben Sie ja auch eine bessere Alternative im petto.

Ich bedanke mich im Voraus für Ihre Einschätzung

Hochachtungsvoll
Wolfgang aus Erftstadt

 Antwort:

Sehr geehrter Herr Großer,

„Seit geraumer Zeit...“ klingt für mich so, als seien Sie geduldig. Mit ausreichend Geduld könnte sich ein Investment in BioNtech eines Tages auszahlen. Für den Fall, dass BioNtech irgendwann mal ein Krebsmedikament/ -Impfstoff zur Zulassung bringt, dürfte die Aktie deutlich unterbewertet sein. Denn das Unternehmen hat die Forschungskapazitäten, die Kooperationen mit großen Pharma-Konzernen und das finanzielle Polster, um von einem solchen Erfolg auch selbst maßgeblich zu profitieren, die meisten neuen Medikamente werden von kleinen Unternehmen entdeckt, die dann nicht das Geld haben, es zur Zulassung zu bringen und entsprechende Fertigungskapazitäten aufzubauen. Die Pharma-Konzerne, die dies dann übernehmen, sichern sich dafür dann meist den Löwenanteil des Profits. BioNTech hat durch den Geldregen in der Coronazeit ausreichend Kapital, um nicht auf Pharma-Konzerne angewiesen zu sein. Wenn es also einmal einen Forschungserfolg geben sollte, dürfte die Aktie kräftig ansteigen.

Ob und wann es diesen Erfolg gibt, das weiß ich nicht. Eigentlich gibt es nur Moderna und BioNTech, die im Bereich der mRNA in Sachen Krebsimpfstoffe forschen. Curevac, ein deutscher Wettbewerber, der bislang stets zu langsam war, wird in diesen Tagen von BioNTech übernommen. Ich als nicht-Mediziner halte den Ansatz von BioNTech für vielversprechend, zumindest vermitteln die Analysten, die ich gelesen habe, diesen Eindruck. Mit viel Geduld wäre es also eine Wette wert.

Aktuell liegen 17 Mrd. EUR Barreserven in der Bilanz von BioNTech, jährlich wird rund 1 Mrd. EUR verbrannt. Die Verluste werden exponentiell ansteigen, sollte ein vielversprechendes Medikament zur Zulassung gebracht und anschließend in den Markt eingeführt werden. Daher vermittelt der hohe Bestand an Barreserven ein Gefühl der Sicherheit, allerdings kann BioNTech gerade im Erfolgsfall dieses Barreserven gut gebrauchen.

Doch es ist ein Wettlauf mit der Zeit: Was, wenn Moderna schneller ist? Für die Zulassung eines zweiten Medikaments müssen stets höhere Auflagen erfüllt werden. Was, wenn sich ein völlig neuer Behandlungsansatz als vielversprechender zeigt? Mehr als eine Spekulation kann BioNTech daher nicht sein. Und das bedeutet, dass ich nur mit einem kleinen Betrag darin spekulieren würde.


 Frage vom 18.12.2025

#Profitieren von Industriemetallen

Sehr geehrter Herr Heibel,

in welcher Form könnte man am besten von steigenden Preisen bei Industrie- und Edelmetallen profitieren? Sind hier ETF eine geeignete Option? Wenn ja, sollte die Zusammensetzung des ETF Industrie- und Edelmetalle enthalten?. Vielen Dank für Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen, Hans-Jürgen aus Marl

 Antwort:

Edelmetalle empfehle ich bereits seit langem, so bspw. einen physisch gesicherten Gold-ETC. Der ETF-Preis errechnet sich direkt aus dem Wert der im Tresor befindlichen Goldbarren.

Für Industriemetalle gibt es das nicht, sie werden in „synthetischen“ ETFs abgebildet. Diese ETFs bilden die Preisentwicklung des Industriemetalls durch Futures ab, also durch Schuldverschreibungen. Sie unterliegen damit als Anleger nicht nur dem Emittentenrisiko, sondern auch dem Contango.

Der Haken – und das unterschätzen viele – ist der sogenannte Roll-Effekt: Wenn der Futures-Markt im „Contango“ ist (spätere Kontrakte teurer als nahe), kostet das Rollen dieser Kontrakte in längere Laufzeiten Rendite; bei „Backwardation“ kann es umgekehrt helfen. Damit gibt es bei synthetischen ETFs zusätzliche Renditetreiber oder Renditekiller, die bei längerem Halten solcher Produkte die reine Preisentwicklung der zugrunde liegenden Industriemetalle verzerren können. Für mich ist das nichts.

Schauen wir lieber nach Unternehmen, die von einem Anziehen der Industrienachfrage profitieren :-).


 Frage vom 18.12.2025

#Finnischer Motorenbauer Wartsila Oyj

Sehr geehrter Herr Heibel,

ich wurde diese Woche auf ein Unternehmen aufmerksam gemacht, welche mir bisher absolut nicht bekannt war: Wärtsilä Oyj (WKN 881050)

Es ist ein finnisches Unternehmen mit einem auf den ersten Blick interessanten und aus meiner Sicht auch durchaus zukunftsfähiges Geschäft mit einer Dividendenrendite von um die 1,5%.
Ohne mich näher damit beschäftigt zu haben, weckte die Aktie durchaus Interesse bei mir.

Könnten Sie sich die Aktie einmal anschauen und mitteilen, was Sie von dem Unternehmen halten?

Vielen Dank vorab und schon mal ein frohes Weihnachtsfest für Sie und Ihre Familie!

Freundlichen Grüße aus Chemnitz
Sven aus Chemnitz

 Antwort:

Sie haben mir leider nicht gesagt, was genau Ihr Interesse weckt. Eine Dividendenrendite von aktuell 1,7% finde ich nicht besonders attraktiv, zumal diese bei Wärtsilä über die Jahre stark schwankt, also auch mal rückläufig ist.

Wachstum kann es auch nicht sein, mit rund 7-8% Umsatzwachstum entwickelt sich das Unternehmen solide, aber nicht besonders auffällig. Immerhin springt der Gewinn derzeit überproportional an: Im Vorjahr um 42% und im laufenden Jahr um 22%. Doch schon 2026 geht dieses überproportionale Gewinnwachstum auf 10% zurück. Da gab es offensichtlich einen Nachholprozess, der aber inzwischen vollzogen wurde.

Dies erklärt auch den sprunghaften Anstieg der Aktie im laufenden Jahr von 17 auf 30 Euro. Ich kann also nur vermuten, dass Sie aufgrund der guten Kursperformance auf die Aktie gestoßen sind und nun wissen wollen, was dahinter steckt. Nun, bilanztechnisch ist die Sache durch: Mit einem EV/EBITDA von aktuell 16 ist die Aktie fair bewertet. Anfang des Jahres stand dieses Verhältnis bei 8. Daraus ist abzulesen, dass die damals erwartete gute Gewinnentwicklung durch die Kursrallye nun eingepreist wurde.

Wärtsilä baut Motoren und Antriebssysteme für Schiffe und kleine Kraftwerke. Ein besonderes Augenmerk legt das Unternehmen auf die Dekarbonisierung, also auf umweltfreundliche Technologien. Ich kann jedoch keine besonderen Patente finden, mit denen Wärtsilä ein Alleinstellungsmerkmal in diesem Bereich einnehmen würde. Somit ist es in meinen Augen ein solide geführtes, derzeit gut laufendes finnisches Unternehmen.

RÜCKMELDUNG

Guten Morgen Herr Heibel,

vielen Dank für Ihre Rückmeldung und Meinung! Genau diese Ausführung und Prüfung war quasi mein Anliegen.

Ich fand vor allem das Geschäftsfeld interessant, da ich es so verstanden habe, dass das Unternehmen an der Dekarbonisierung der Schifffahrt arbeitet, welche ja immer wieder aus umweltlichen Gesichtspunkten in Kritik steht.
Außer hatte ich die Info, dass die Firma den größten und leistungsstärksten Motor baut. Auch die Nutzung von solchen Motoren an Land als schnell hochfahrbare und verfügbare Leistung (innerhalb von 2 Minuten, wenn erneuerbare Energien kurzfristig wegbrechen) und der Bau von riesigen (und einer der größten weltweit) Batterienspeichern als Ersatz für Kohlekraftwerke in Australien klang spannend. Ich war mir nicht sicher, ob das Unternehmen dadurch einen gewissen Burggraben hat.
Als Fazit Ihrer Mail ziehe ich, dass das Unternehmen insgesamt nicht so spannend ist, wie ich es am Anfang angenommen hatte.

Vielen Dank dafür!

Freundliche Grüße
Sven aus Chemnitz

RÜCKANTWORT

Ahh, das sind ja wichtige Hinweise. Ich habe daraufhin nochmals gezielt nachgeschaut: JP Morgan hat eine aktuelle Einschätzung zur Technologie des Unternehmens gegeben (Wärtsilä Energy business deep-dive and key debates) und CEO Hakan Agnevall gab Ende November ein detailliertes Strategie-Update.

Hervorgehoben wird eine Technologie, mit der Schiffe heute schon auf Flüssiggas umstellen können, sich dabei gleichzeitig auf spätere grüne Brennstoffe vorbereiten. Maschinen also, die flexibel hinsichtlich der eingesetzten Brennstoffe sind. Das haben viele andere Anbieter auch, nicht zuletzt auch 2G Energy, die wir schon öfter besprochen haben.

Zudem wird hervorgehoben, dass Stromgeneratoren von Wärtsilä besonders schnell ab- und wieder angeschaltet werden können. Das ist besonders sinnvoll bei flexibler Nutzung zum Ausgleich von Solar- und Windenergiespitzen und -flauten. Hmm, ja, das ist richtig. Aber diese Technologie als umweltschonend darzustellen ist, naja, nicht falsch aber in meinen Augen weit hergeholt. Natürlich ermöglichen solche Technologien das weitere Aufrüsten mit Solar- und Windkraft. Und außerdem sind die modernen Maschinen von Wärtsilä CO2-arm. Und darüber hinaus sind solche Generatoren ein Garant für den Betrieb der modernen KI-Rechenzentren, die auf Spannungsschwankungen empfindlich reagieren. Daher ist das Geschäft tatsächlich in meinen Augen solide. Aber einen Burggraben in Sachen Umwelttechnologie hat das Unternehmen nicht.


 Frage vom 11.12.2025

#Energy Transfer attraktiver Dividendentitel mit 8% Div-Rendite

Hallo Herr Heibel,

ich lese Ihren Heibel-Ticker jetzt schon viele Jahre und freue mich über den Inhalt und wie Sie diesen weiterentwickelt haben.

Aktuell stelle ich mir die Frage, ob bei der Menge an geplanten Gas-Kraftwerken in den USA für den steigenden Strombedarf der Rechenzentren(könnten bis 2030 rd. 10% des US-Stromverbrauchs ausmachen und so 40GW neuer geplanter Gaskraftwerke auslösen), KI…eine Investition in eine AG mit Schwerpunkt Gas sinnvoll wäre.

Alternativ soll der LNG Sektor bis 2030 von rd 19 bcf/d auf 40 bcf/d Nutzung der LNG-Anlagen wachsen.

Wenn darüber hinaus die Verschuldung hoch ist, sollte bei einem deutlichen Zinsrückgang durch die FED, wenn Trump den Chefposten, mit einem ihm genehmen Menschen besetzt, der Titel 2x-fach profitieren können.

Ich habe mir Energy Transfer herausgesucht:
- Wachstum über die nächsten 3 Jahre mit rd. 5-7% bei einem KGV von 10 in 2026.
- Div-Rendite von rd. 8%
- Hohe Verschuldung: Dept/Equity >1,1
- Hat große Midstream-Kapazitäten (also Transport und Lagerung)
- Analysten billigen im Schnitt aktuell rd. 30% Kurspotenzial zu

Was denken Sie? Oder würden Sie mehr im Bereich LNG-Sektor schauen?
Wäre das eine Idee und was wäre dann Ihr Favorit?

Freue mich, wenn Sie sich meiner Frage annehmen und eine Einschätzung vornehmen.

Lieben Dank im Voraus!

Herzliche Grüße

Thomas aus Montabaur

 Antwort:

Herzlichen Dank für das Lob. Es freut mich, dass die Neuerungen erkannt werden und gefallen. Es ist nicht leicht, neben dem Tagesgeschäft Neuerungen zu entwickeln. Im kommenden Jahr fällt eine ehrenamtliche Tätigkeit bei mir weg, so dass ich mehr Zeit für die Weiterentwicklung habe. Die KI hilft, Ideen schneller umzusetzen. Ich blicke eigentlich voller Ideen und Tatendrang auf das neue Jahr 2026 :-).

Ihr Gedankengang ist hervorragend. Allein die neuen KI-Rechenzentren sollen laut Goldman Sachs 47 GW Kraftwerkskapazität benötigen, 60% davon werden aller Voraussicht nach gasbefeuert sein. Gleichzeitig gehen 40 GW an Kraftwerken, die mit fossilen Brennstoffen befeuert werden, vom Netz (zu alt). Der Bedarf an neuen Kraftwerken schießt derzeit in die Höhe. Bei GE Vernova sind alle Fertigungskapazitäten bis Ende 2028 bereits verkauft.

Energy Transfer transportiert das Gas von der Quelle zum Kraftwerk und kassiert je transportierter Menge eine Gebühr. Für Energy Transfer ist der Gaspreis Nebensache, der Preis richtet sich nach der Menge. Die Finanzierung einer neuen Gaspipeline ist komplex, der Bau bis zur Inbetriebnahme dauert lange, dafür ist das Geschäft sehr gut planbar. Geldgeber wollen aufgrund der langen Laufzeit eine attraktive Rendite. Dies zeigt sich sowohl in der hohen Verschuldung als auch in der hohen Dividendenrendite. Mit 63 Mrd. USD übersteigt die Verschuldung sogar die Marktkapitalisierung von 56 Mrd. USD.

Daraus können wir ableiten, dass geringste Schwankungen im Geschäft, insbesondere bei den Finanzierungskonditionen, stark auf den Aktienkurs durchschlagen. In guten Zeiten winkt eine überaus attraktive Dividendenrendite. In schlechten Zeiten kann diese aber auch mal reduziert werden.

Mit einer aktuellen Dividendenrendite von 8,1% ist Energy Transfer natürlich ein Traum für viele Dividendenanleger. Doch in den vergangenen 10 Jahren gab es zwei Jahre, in denen die Dividende gesenkt wurde: 2021 und 2022 von 1,22 USD/Aktie über 0,92 auf 0,63 USD/Aktie. Seither erholt sich die Dividende kontinuierlich auf inzwischen 1,43 USD/Aktie. Unsere strengen Dividendenkriterien erfüllt Energy Transfer daher leider nicht.

Auch eine zweite der fünf Bedingungen wird gerissen: Die Auszahlungsquote liegt mit 92% über meiner maximalen Schwelle von 90%. Dieses Kriterium würde ich jedoch für Energy Transfer aussetzen, da es sich um eine besondere Unternehmensform handelt, deren einziger Vorteil es ist, möglichst viel des Gewinns auszuschütten. Bleibt also eine von fünf Bedingungen, die nicht erfüllt ist.

Energy Transfer erscheint nicht in meinen Listen, die sich nach den großen Aktienindizes richten. Obwohl das Unternehmen 133 Mrd. USD Unternehmenswert auf die Waage bringt, ist es nicht im S&P 500 enthalten. Der Grund ist die oben angesprochene besondere Unternehmensform. Es handelt sich um eine Master Limited Partnership (MLP). Rein nach Größe und Liquidität wäre Energy Transfer nämlich ein Kandidat für den Index. Doch S&P-500 nimmt nur klassische Corporations – also Unternehmen mit „Inc.“ oder „Corp.“ – auf.

Energy Transfer dagegen ist eine MLP, also so etwas wie eine börsennotierte Kommanditgesellschaft. Diese Konstruktion ist im Pipeline-Sektor beliebt, weil sie steuerliche Vorteile bietet und die Ausschüttungen direkt auf Gesellschafterebene versteuert werden. Ich weiß allerdings nicht, wie sich diese steuerliche „Vorteile“ für ausländische Anleger auswirken.

Daher kommt die Aktie für uns nicht in Frage. Wenn Sie gemeinsam mit Ihrem Steuerberater den steuerlichen Effekt abschätzen können und für gut befinden, dann ist das sicherlich eine attraktive Dividendenaktie, die jedoch weniger auf Wachstum ausgerichtet ist als die Dividendentitel, die wir in unser Heibel-Ticker Portfolio geholt haben.


 Frage vom 11.12.2025

#Linde verliert 20%

Hallo Herr Heibel,

ich muss nach längerer Zeit 'mal wieder Ihre Kompetenz direkt in Anspruch nehmen. Linde hat meine Kaufschwelle unterboten. Da ich weiß, dass Sie Linde auch schon länger unter Beobachtung haben, würde ich gerne Ihren qualifizierten Kenntnisstand nutzen: Warum schwächelt die Aktie? Abwarten und Tee trinken oder kaufen? ;)

Danke Im Voraus und viele Grüße aus dem Südwesten,

Karl aus Mannheim

 Antwort:

Linde fehlt das Umsatzwachstum. Als Versorger von Gasen für Kliniken bis hin zur Industrie ist der Umsatz gut planbar, die Kosten können an den Kunden durchgereicht werden. Damit verbessert Linde kontinuierlich die Gewinnmarge (EBITDA) von 23% im Jahr 2018 auf inzwischen 39%. Der Gewinn wächst somit jährlich um 6%, das EV/EBITDA liegt bei 15. Die Kontinuität des Geschäftsmodells hatte ein EV/EBITDA von bis zu 20 hervorgerufen, was für das moderate Wachstum vielleicht ein wenig hoch war. Dies wurde nun korrigiert. Das Geschäft läuft aber wie ein Schweizer Uhrwerk :-).


 Frage vom 11.12.2025

#China möchte keine Nvidia-Chips

Hallo Herr Heibel,

hören Sie sich doch bitte mal an, was Markus Fugmann in seinem heutigen (Mi, 10.12.) Morgenvideo dazu zu sagen hat. Das hört sich völlig anders an. China hat nun mehrmals deutlich geäußert, dass man keine Chips von Nvidia kaufen wird. Und das beleuchtet Fugi. Für mich ist er kein Pessimist, sondern einer, der die Situation beschreibt wie sie ist. Er sagt ja nicht, dass das und das passieren wird. Und Ihre Aussagen zu Nividia und China stehen seinen diametral entgegen. Dann wissen Sie wohl mehr als die offiziellen Stimmen des Landes kund tun?

Mit freundlichen Grüßen, Jörg aus Costa Rica

 Antwort:

Diese Woche wurde bekannt, wie damals auch ohne Beweis von mir behauptet, dass DeepSeek auf Nvidia-GPUs trainiert wurde, die widerrechtlich über Singapur nach China gebracht wurden. Das belegt erneut, dass führende KI-Modelle ohne Nvidia nicht trainiert werden können. Das weiß auch China. Da werden die den Teufel tun und das zugeben. Vielmehr wird sich China vermutlich irgendwann gnädigerweise bereit erklären, ein paar Nvidia-Chips zu kaufen, um die Handelsbeziehungen mit den USA nicht zu stark zu belasten… so zumindest könnte ich mir das vorstellen.

Die Aussage, man wolle gar keine Nvidia-Chips, ist Verhandlungstaktik, die man entweder durchschaut, oder nicht. Beweisen kann ich das natürlich zum heutigen Zeitpunkt auch nicht.


 Frage vom 08.12.2025

#Stopploss oder Stopp Limit bei AppLovin

Sehr geehrter Herr Heibel,

ich wende mich häufiger mal mit Fragen an Sie - und nicht immer (vielleicht zu häufig 😳) denkt man auch an ein Lob.

Also nochmals und immer wieder vielen Dank für Ihre großartige Arbeit 🙌 und das sie sich (fast) immer die Zeit nehmen kleinen Nervensäge wie mir alle Fragen zu beantworten. 😅

STOP LIMIT?

Die Empfehlung des Stop Loss führte bei mir zur Frage, was für mich das kleinere Übel ist.

US-Werte handele ich meist über die Börse Tradegate, aufgrund der längeren Öffnungszeiten als Xetra und somit entsprechender Überlappung mit den US-Börsen am Abend.
Vormittags bzw. vor Eröffnung der US-Börsen gibt es jedoch teils "interessante" Kurse. (Ab 15:30 dann wieder alles normal.)
Da sie die Kurse meist in EUR nennen, und besonders wegen der Wechselkursgebühren (€/$) habe ich mich gegen die US-Börsen und für die Tradegate entschieden, auch wenn die Kursstellung an der TDG evtl. etwas schlechter ist.

Ein Stop Loss gilt logischerweise für die gesamte Öffnungszeit der Tradegate und nicht nur für die Öffnungszeiten der US-Börsen.

Ist in einer solchen Konstellation ein Stop Limit besser als ein "einfacher" Stop Loss?

Vorteil:
Es kommt nicht zu einem unlimitiertem Verkauf nach einem Stop Loss, bei "komischen" Kursen außerhalb der Öffnungszeiten der US-Börsen.

Nachteil:
Fällt/Bleibt der Kurs auch während der Öffnungszeiten der US-Börsen nicht nur unter die Stop Loss Schwelle, sondern auch unter das Limit, bleibt man auf den Aktien sitzen und muss ggf. durch "das Tal der Tränen".

Im konkreten Fall hier (Applovin), habe ich ein Stop Limit mit 510/490 gesetzt. (Stop Loss Schwelle / Verkaufs-Limit)

Mit freundlichen Grüßen
Daniel aus Essen

 Antwort:

Erstmal danke für die netten Worte, solche Mails lese ich tatsächlich sehr gern 😊. Wer viel fragt, denkt mit, das macht meinen Börsendienst so interaktiv.

Es ist ein Abwägen der Risiken: Entweder riskiert man, von Tradegate abgefischt zu werden, wenn man ohne Limit die Position beim Stopkurs verkaufen lässt. Auf der anderen Seite riskiert man, auf der Position sitzen zu bleiben, wenn der Kurs zu schnell fällt. Ich würde das je nach Position individuell entscheiden.

Bei AppLovin habe ich mich für einen Stopp ohne Limit entschieden, da es sich um eine Spekulation handelt, die im schlimmsten Fall auch mit Verlust aus dem Portfolio fliegen soll, damit wir einen längeren Rücksetzer nicht aussitzen müssen. Aber das ist Geschmackssache, ich kann Ihre Sichtweise ebenfalls verstehen.


 Frage vom 04.12.2025

#Ende der 4-Jahreszyklen beim Bitcoin

Hallo Herr Heibel,

der Bitcoin ist ja im Ihrem aktuellen Börsenbrief wieder ein Thema. Ich wollte Sie einmal auf einige Infos hinweisen, die ich sehr interessant finde.

Raoul Pal ist ein ziemlich bekannter Makro Analyst, der immer wieder in Youtube Videos seine Sicht der Märkte erläutert. Hier mal 2 Videos, in denen er erläutert, warum der 4-Jahres Zyklus aus seiner Sicht für den Bitcoin nicht mehr zutrifft:
[Why My Banana Zone Predictions Have Been So Wrong ](https://www.youtube.com/watch?v=4d1kqzRaUx8)
[This Is Why I Failed You This Cycle ](https://www.youtube.com/watch?v=xJD2Yfq9QNE&t=1238s)

Jordi Visser ist ein weiterer Makro Analyst, der eine Abhandlung zu der Kursentwicklung des Bitcoin in diesem Jahr verfasst hat [Bitcoin’s Silent IPO: Why This Consolidation Isn’t What You Think](https://visserlabs.substack.com/p/bitcoins-silent-ipo-why-this-consolidation)

Vielleicht ist das ja auch für Sie interessant.

Herzliche Grüße
Friedrich aus Bad Dürkheim

 Antwort:

Ich habe zunächst ChatGPT 5.1 Thinking gebeten, eine kurze Zusammenfassung der beiden Videos von Pal und des Textes von Visser zu erstellen:

>>Raoul Pal erklärt in beiden Videos im Kern, warum er den klassischen 4-Jahres-Zyklus von Bitcoin für überholt hält. Aus seiner Sicht war der vermeintliche „Halving-Zyklus“ nie etwas Magisches im Code, sondern vor allem das Ergebnis eines Zufalls: Die bisherigen Bullenmärkte entstanden, weil sich globale Liquiditätswellen (Notenbankpolitik, Kreditwachstum, Fiskalprogramme) zufällig mit den Halvings überschnitten haben. Seit Corona habe sich das Makro-Regime jedoch grundlegend verändert – Staatsverschuldung, Laufzeitenstruktur der US-Staatsanleihen und Liquiditätssteuerung wurden umgebaut, wodurch sich der typische Rhythmus verschiebt und streckt.

Dazu kommen neue Marktstrukturen: Bitcoin-ETFs, Derivatemärkte und institutionelle Käufer sorgen für stetigere Zuflüsse und weniger reinen Retail-Hype. Das glättet die typischen „Boom/Bust“-Muster und schwächt den direkten Einfluss der Halvings ab. Pal argumentiert deshalb, dass wir eher in einem längeren, von globaler Liquidität getriebenen Superzyklus stehen, der sich Richtung 2026 hineinzieht und nicht mehr sauber dem alten 4-Jahres-Schema mit Halving, Blow-Off-Top und anschließendem 80%-Crash folgt. Statt den Kalender nach Halvings anzuschauen, solle man seinen Fokus auf Makro-Liquidität, Zinsentwicklung und Kapitalströme legen – die bestimmen aus seiner Sicht künftig Takt und Höhe der Bitcoin-Zyklen.

Visser argumentiert, dass mit Bitcoin nichts „kaputt“ ist, sondern dass wir gerade so etwas wie ein stilles IPO erleben. Frühe Bitcoin-Pioniere und OG-Whales, die seit den Anfangsjahren dabei sind und enorme Buchgewinne aufgebaut haben, nutzen erstmals die tiefe Liquidität der ETFs und institutionellen Nachfrage, um ihre Bestände langsam und methodisch abzubauen – ohne den Markt zu crashen. Deshalb läuft Bitcoin seit Monaten seitwärts und entkoppelt sich zeitweise von Tech-Aktien, obwohl das Umfeld eigentlich „risk-on“ ist.

On-Chain-Daten und Beispiele wie der von Galaxy Digital gemeldete Verkauf von 9 Mrd. Dollar für einen einzigen Kunden zeigen: Es sind nicht verängstigte Kleinanleger, sondern langjährige Gewinner, die ihre Chips vom Tisch nehmen und diversifizieren. Gleichzeitig kaufen neue, eher institutionelle Anleger und langfristig orientierte Investoren diese Stücke geduldig auf, statt den Kurs hochzujagen. Das fühlt sich für die Community wie Stillstand oder versteckter Bärenmarkt an, ist für Visser aber eine Reifephase: Die Verteilung geht von wenigen großen Adressen hin zu vielen kleineren Haltern, was Bitcoin langfristig stabiler, weniger manipulierbar und für große Kapitalmengen attraktiver macht. Kurz gesagt: Die aktuelle zähe Konsolidierung ist in seinen Augen kein Grund zur Panik, sondern die Übergangsphase von der wilden Spekulation hin zu einem reiferen, institutionell getragenen Geldanlage-Asset – und damit eher eine Chance zum Akkumulieren als ein Warnsignal.<<

Nein, der 4-Jahreszyklus des Bitcoin hängt schon mit dem Halving zusammen. Da sind eigene Investitionszyklen am Werk, die sich wie der Schweinezyklus auf den Bitcoin-Preis auswirken. Doch er hat natürlich Recht, dass der 4-Jahreszyklus inzwischen deutlich abgeschwächt ist. In Verbindung mit seinen Aussagen zur neuen Rolle der ETFs und des Derivatemarktes für den Bitcoin kann ich nachvollziehen, dass der aktuelle Zyklus verändert wird. Warum er nun gestreckt und nicht geschrumpft wird, ist für mich nicht nachvollziehbar - eine eindeutige Prognose kann ich für mich daraus leider nicht ableiten.

Vissers Sichtweise ist absolut bullisch, denn je mehr „Wale“ sich von ihren großen Beständen trennen, desto breiter wird der Bitcoin in der Gesellschaft verteilt. Dass dieses Umschichtung eine temporäre Belastung darstellt, ist nicht überraschend. Sie zeigt einmal mehr, wie jung der Bitcoin noch immer ist.


 Frage vom 02.12.2025

#Hat sich Oracle verhoben?

Moin Herr Heibel

Meine Frage war blöd formuliert und dadurch haben sie mich missverstanden. Ich bin in die Aktie und nicht in eine Anleihe von Oracle eingestiegen. Aber ich glaube auf Grund der zu hohen Schulden sollte ich mich doch aus dem Investment zurückziehen oder ist die Aktie nach dem Hoch von 280 € und dem Fall auf 170 € inzwischen halbwegs fair bewertet. Dann würde sich es evtl. lohnen das Tief auszusitzen.

Was meinen sie dazu?

Michael aus Erbach

 Antwort:

Ach so, jetzt verstehe ich: Hmm, Oracle ist ein grundsolides Unternehmen. Die Dividendenrendite ist zwar mit 0,9% gering, aber davon abgesehen erfüllt Oracle alle Kriterien eines Dividendenunternehmens. Gleichzeitig erfüllt Oracle auch die Rule of 40, wächst zweistellig und ist günstig bewertet. Eigentlich eine traumhafte Aktie … wenn da nicht die exorbitanten Investitionen in KI-Rechenzentren wären. Sie sehen das anhand der blauen Balken in der Graphik unten: Die zugesagten Investitionen für die kommenden Jahren sind Stand heute noch nicht ausreichend finanziert. Und wenn OpenAI als Kunde wegfallen sollte, dann dürfte es schwer für Oracle werden, das Investitionskapital aufzutreiben.

.img 720-2025-12-Oracle

Derzeit befindet sich OpenAI unter Beschuss von Googles Gemini 3: ChatGPT 5.1 kann qualitativ nicht mehr mithalten. Daher wird derzeit an den Aktienmärkten alles ausverkauft, was mittelbar an ChatGPT hängt: OpenAI, Oracle, Softbank (die das Ganze ebenfalls finanzieren möchte), Nvidia (auf deren KI-GPUs OpenAI zugreifen möchte), CoreWeave (die sich auf den Bau von Nvidia-KI-Rechenzentren spezialisiert haben und dies auch im Auftrag von Oracle ausführen) und Microsoft (die auf die KI von OpenAI setzen).

Wir befinden uns in einer heißen Marktphase. Ich kann Ihnen derzeit nicht sagen, ob ChatGPT die Kurve kriegen wird. Heute (Dienstag) schlug OpenAI Chef Sam Altman Alarm und verkündete „Code Red“, alle Werbeausgaben werden bis auf weiteres gestoppt. Das Unternehmen konzentriert sich jetzt vorwiegend auf die Weiterentwicklung der KI. Mag sein, dass ChatGPT 6.0 in wenigen Wochen gelauncht wird und dann Gemini 3 wieder überlegen ist. Vielleicht kehrt sich das Spiel dann um und alle Aktien, die in diesen Wochen ausverkauft wurden, springen dann wieder an?

Grundsätzlich hat Alphabet jedoch die besseren Karten: die KI-Investitionen von Googles Gemini werden aus Gewinnen des Unternehmens finanziert. OpenAI hat noch keine Gewinne, sondern muss sich über den Markt Geld leihen. Es dürfte also schwer werden für OpenAI.

Ich gehe davon aus, dass Oracle auch ohne OpenAI eine rosige Zukunft in der KI-Welt haben wird. Die Rechenkapazität würde dann von anderen beansprucht werden. Doch die Finanzierung dürfte schwerer werden ohne OpenAI und das könnte sich weiterhin belastend auf den Kurs auswirken.

Also, sie wollen wissen, ob Sie die Aktie halten oder die Reißleine ziehen sollten. Mit einem EV/EBITDA von 18 ist Oracle nicht hoch bewertet und alle Kennziffern deuten auf einen stark positiven Kursverlauf in der Zukunft hin, sofern die Finanzierung der geplanten KI-Rechenzentren nicht zu teuer wird. Aus dem Cashflow kann das nicht gestemmt werden. Ich würde davon ausgehen, dass Oracle Wege finden wird. Doch diese Wege könnten teuer werden und daher den Aktienkurs noch weiter belasten, so dass es länger dauern könnte, bis sich die Aktie wieder erholt. Ich würde mich lieber eine andere Aktie suchen.

RÜCKMELDUNG
Vielen Dank für Ihre Ausführungen .Sie haben mir bei der Entscheidung sehr geholfen.

Übrigens ,Ihre Aussagen über unsere Jugend und der Medienberichterstattung haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Da haben Sie mir aus der Seele gesprochen

Weiter so und nochmals danke.


 Frage vom 02.12.2025

#KI-Rechenzentren treiben Stromkosten

KI-Rechenzentren und Verbrauch / Kosten von elektr. Energie
Ich als Ihr alter Kunde (86 Jahre, früher in der Energie-Messung tätig) bemerke dass in USA die Stromkosten schon wesentlich angestiegen sind. Die App Perplexity sagt, dass dies vor allem wegen dem Energiehunger der KI-Rechenzentren so sei.
Diese Kostensteigerung wird über den Preis gleichmässig an alle Verbraucher weitergegeben. Steigt diese Zunahme weiter, kann dies zu einem ernsten Problem für die einzelnen und für die Serverfarmen werden. Ein Teil von ihnen produziert eigenen Strom aus Photovoltaik, doch dies dürfte kaum reichen. Und nachts kommt nichts. Speiche
r, kaum? Ist das eine Gefahr, wie sehen Sie die Sache?
Josef aus Immensee, Schweiz

 Antwort:

Ich nehme an, Ihre Bemerkung „alter Kunde“ bezieht sich darauf, dass Sie seit bald 20 Jahren Heibel-Ticker Mitglied sind, oder? An Ihrem jugendlichen Alter kann's nicht liegen, da gibt's 'ne ganze Reihe Mitglieder, die stramm auf die 100 zugehen :-).

Sie haben recht: Der Energiehunger der KI-Rechenzentren ist noch größer als der Energiehunger der Bitcoin-Schürfer. Insbesondere in den USA werden derzeit massiv KI-Rechenzentren gebaut, in Deutschland ist davon noch nicht viel zu sehen. So sieht bislang die durchschnittliche Strompreisentwicklung je Haushalt aus:

.img 719-2025-12-Stromkostenentwicklung

In Deutschland ist der Strompreis also 2-3mal teurer als in den USA. Wir haben mit Hilfe der Energiewende unseren Strompreis massiv verteuert. Dafür konnten wir zeigen, dass sich dadurch CO2 einsparen lässt. 1990 emittierte Deutschland noch 1.050 Mio. t CO2, 2024 waren es nur noch 650 Mio. t. CO2. Verkürzt gesagt könnte man meinen, wir haben einen doppelt so hohen Strompreis wie die USA, weil wir unseren CO2-Ausstoß um 400 Mio. t verringerten.

Übrigens, im gleichen Zeitraum stieg der CO2-Ausstoß von China von 2.400 Mio. t im Jahr 1990 auf inzwischen 12.700 Mio. t. im Jahr 2024 an.

In den USA erlebt die Atomenergie eine Renaissance. Alte Atomreaktoren (Three Mile Island) werden wieder in Betrieb genommen, um den Energiehunger möglichst kostengünstig und CO2-schonend zu stillen. Ich habe immer schon ein Problem damit gehabt, durch Verzicht die Welt zu ändern: Das entspricht nicht dem menschlichen Naturell. Vielmehr finde ich es beängstigend, diese neuen technologischen Entwicklungen (Künstliche Intelligenz, Atomenergie, Atomfusion, ...) Ländern zu überlassen, deren kulturelle Basis mit unserer Kultur schwer kompatibel ist.

Das CO2-Problem haben wir erfolgreich der Welt bewusst gemacht. Doch die Lösung dieses Problems wird mMn. nicht aus Deutschland kommen, sondern eher aus den Ländern, die technologisch führend sind. Und das sind derzeit die USA und China.

Hmm, da habe ich vielleicht ein bisschen zu weit ausgeholt auf Ihre Frage. Ja, die Kostensteigerungen werden an den Verbraucher weitergegeben. Doch die Effizienzgewinne bspw. durch die Nutzung der KI wird die Kostensteigerung meiner Einschätzung nach übersteigen, sofern wir die KI nutzen wollen und nicht frühzeitig aus Kostengründen darauf verzichten.

Speicher? Nachts? Dunkelflaute ...? Es fällt mir schwer, Deutschland als Industrienation zu sehen, wenn wir weiterhin auf Atomstrom für die Grundlast verzichten. Klar, wir können die Atomreaktoren von Frankreich bauen lassen und dann den Strom von dort importieren, aber das entspricht nicht unserem Verständnis von Eigenverantwortung. Wenn Sie also von „Gefahr“ sprechen, dann fürchte ich eher, dass wir unsere Wohlstand sukzessive verspielen, wenn wir bei neuen Technologien nicht an erster Front dabei sind. Die Kosten amortisieren sich meiner Einschätzung nach durch Effizienz- und Wohlstandsgewinne. Der CO2-Ausstoß sollte weiterhin im Fokus bleiben, jedoch gerne über die Zertifikate-Lösung, die in Europa bereits erfolgreich eingeführt wurde, und nicht über Verbote und Vorschriften.

Sie kommen aus der Schweiz, daher habe ich noch einen Blick auf die Schweiz geworfen: Dort liegt der durchschnittliche Strompreis bei 34 ct/kWh und verlief in den vergangenen Jahren in der Mitte zwischen dem deutschen und dem US-Preis, also zwischen 20 und 34 ct/kWh, mit ähnlichem Ausschlag wie in Deutschland.

Während Deutschland 2024 gegenüber 1990 pro Kopf 8 t CO2-Emission pro Jahr einsparte, waren es in der Schweiz 4,5 t CO2-Emission pro Kopf, die eingespart wurden. Die Entwicklungen verlaufen also gleichgerichtet, wobei die Schweiz nicht so extrem agiert wie Deutschland :-).


 Frage vom 02.12.2025

#Münchener Rückversicherung versus Allianz Versicherung

Hallo Herr Heibel,

Der Nachkauf bei Allianz hat ja leider zu den gesetzten Kursen nicht geklappt…

Wie immer habe ich mit großem Interesse den Heibel Ticker vom Freitag gelesen. Mit einer Neu-Ausrichtung auf den DAX stellt sich ggf. ja nochmal die Frage, ob Allianz oder Münchner Rück das bessere Invest ist. Vielleicht ja auch für andere Leser eine interessante Frage, die Sie in der kommende Woche mit aufnehmen möchten?

Danke für einen herausragenden Börsenbrief und Ihre geschätzte Meinung.

Viele Grüße
Christoph aus Bochum

 Antwort:

Ich habe eine kleine Übersicht erstellt, siehe unten. Die Dividendenrendite der Allianz ist höher (4,7%) als bei der Münchener Rück (4,1%). Beide Unternehmen nehmen sich ansonsten nicht viel, wir hatten früher ja auch schon mal die Münchener Rück im Dividendenportfolio und diese dann irgendwann durch die Allianz ersetzt.

In meinen Augen ist das Versicherungsgeschäft etwas stabiler als das Rückversicherungsgeschäft. Die Rückversicherung muss immer mal für Katastrophen aufkommen, was die Versicherung an eben die Rückversicherung abschieben kann. Grundsätzlich berechnen beide kontinuierlich ihre Prämien so, dass das Geschäft langfristig stabil und gut planbar ist. Die Allianz hat in meinen Augen derzeit die günstigere Bewertung, da sowohl das Umsatzwachstum, als auch das Gewinnwachstum etwas höher als bei der Münchener ist. Ich sehe daher keinen Grund für einen Wechsel :-).

.img 718-2025-12-Allianz-Munich


 Frage vom 02.12.2025

#Johnson & Johnson

Sehr geehrter Herr Heibel,

dieses Unternehmen hat schon lange eine sehr gute Reputation. Sollte man nicht ein paar davon kaufen, vielleicht sogar einen länger laufenden Optionsschein?

Viele Grüße

Ihr Peter aus Bobingen

 Antwort:

Johnson & Johnson ist eine tolle Dividendenaktie:
2,6% Dividendenrendite,
10 Jahre in Folge Dividendenanhebung
56% Auszahlungsquote
34% erwartete jährliche Rendite (EPS + FCFYld)

Hohe Gewinnmarge und sogar ein überproportionales Gewinnwachstum (6%) zum Umsatzwachstum (5%).

Mit einem EV/EBITDA von aktuell 14 ist die Aktie fair bewertet. Langfristig können Sie die Aktie gerne ins Depot nehmen. Ein Schnäppchenpreis ist das aktuell aber nicht mehr. Immerhin ist die Aktie im laufenden Jahr um 45% angestiegen. Mit einem Einstieg würde ich daher auf einen Rückschlag warten.

Optionsschein? Damit spekuliert man auf ein Ereignis, das unmittelbar bevor steht. Optionsscheine unterliegen dem Zeitwertverlust. Wenn die Aktie seitwärts läuft, verliert Ihr Optionsschein an Wert. Um den Wert zu erhalten, muss die Aktie leicht ansteigen. Ich halte Optionsscheine für eine langfristig solide Aktie nicht für geeignet.