| Antwort: Ich interessiere mich nicht besonders für Immobilienaktien, daher ist meine Meinung zu Vonovia vielleicht oberflächlich. Grundsätzlich ist eine Immobilienaktie in meinen Augen eine Alternative zum Eigenheim und daher sollte man sich insbesondere den Wert der Immobilien im Portfolio des Unternehmens anschauen. Dazu fehlt mir jedoch das Fachwissen, daher halte ich mich mit einer Meinung meist zurück.
Aus Aktiensicht: Der Unternehmenswert (EV) liegt bei 67 Mrd. EUR, jährlich werden 6,7 Mrd. EUR umgesetzt, Tendenz fallend. Daraus wird ein operativer Gewinn von 2,4 Mrd. EUR erwirtschaftet. 3,5% Gewinn auf mein eingelegtes Kapital ist nicht unbedingt viel, finde ich. Da suche ich mir lieber eine Anleihe.
Die Dividendenrendite beträgt jedoch 5,2%. Das Unternehmen schüttet mehr an seine Aktionäre aus, als es Gewinn erwirtschaftet. Genau hier setzt die Kritik von Donald Trump an, der eine Bevorzugung der Aktionäre auf dem Rücken der Mieter nicht sehen möchte, denn die ausgeschüttete Dividende sollte seiner Ansicht nach besser in die Instandhaltung / Modernisierung der Immobilien gesteckt werden. Privateigentümer haben ein großes Interesse, den Wert der Immobilie zu erhalten. Konzerne hingegen werden mitunter von CEOs geführt, die kurzfristig erfolgreiche Zahlen präsentieren wollen und dabei hoffen, wenn wir beim Beispiel Vonovia bleiben, dass der Wertverfall der Immobilien, der durch die ausbleibenden Modernisierungen zu erwarten ist, von der allgemeinen Preissteigerung am Immobilienmarkt kaschiert wird.
Ungeachtet dessen erfüllt Vonovia nur drei unserer fünf Kriterien für Dividendenaktien. Die Dividende wurde 2023 gesenkt und die Auszahlungsquote (siehe oben) ist negativ, es wird also über mehrere Jahre hinweg mehr ausgeschüttet als Gewinn erwirtschaftet wird. Für ein Wachstumsunternehmen gibt es zu wenig Wachstum und als unterbewertet würde ich Vonovia bei solchen Zahlen mit einem EV/EBITDA von 24 nicht bezeichnen.
Ach, Sie merken es, ich lasse kein gutes Haar an Vonovia. Dabei schreibe ich doch viel lieber über aussichtsreiche Unternehmen und Aktien :-).
Danke für den Hinweis der steuerlichen Behandlung von Verlusten beim Bitcoin-ETP. Ich habe mich tatsächlich bislang sehr wenig um steuerliche Belange gekümmert. Ist es nicht egal, ob der Verlusttopf von der Bank gefüllt wird oder ob die Abrechnung später mit der Steuererklärung erfolgt, einmal abgesehen vom Zeitverlust?
Vielen Dank für Ihr Lob. Für jemanden mit einem ausgeprägten Sendungsbewusstsein wie mich ist Lob ein wesentlicher Bestandteil meiner Entlohnung :-).
RÜCKMELDUNG
Hallo Herr Heibel,
vielen Dank für Ihre schnelle Antwort und Analyse.
Da war ich mir nun zu 1.000% sicher, dass Sie ein Loblied auf Vonovia singen. Mmh, das war wirklich nicht das, was ich hören/ lesen wollte. ;-) :-) Sie belechten das Unternehmen aus einem anderen Blickwinkel. Genau das macht Ihre Analysen immer wieder so spannend. Da werde ich etwas vorsichter bei Vonovia zu Werke gehen.
Und genau so sehe ich im Allgemeinen Ihre Lektüre. Wenn ich Ihren Gedanken und Schlussfolgerungen folgen und zustimmen kann(wie leider in diesem Fall auch), investiere ich gern in die gleichen Titel oder eben auch nicht. Mal verkaufe ich eher, mal später. Bei bestimmten Titeln wäre es besser gewesen, Ihren Rat nicht zu folgen(bspw. Novo), bei anderen haben Sie mich ermutigt, bei der Stange zu bleiben bzw. nachzukaufen(bspw. Nvidia).
In jedem Fall ist es immer wieder eine Freude Ihre Gedanken mit den meinigen abzugleichen und daraufhin Investmententscheidungen zu treffen.
Ihre Eigen- Kritik zu Fehlkäufen kann ich nachvollziehen. Ich frage mich selbst immer mal im Nachhinein "wie konntest Du?". Wenn man sich dann aber die Kauf- Argumente vor Augen führt, die es zu der Zeit gab, dann muss man die Entscheidung zu mindestens relativieren. Man kann nicht alle verborgenen Details kennen und demzufolge auch nicht immer "richtige" Entscheidungen treffen. Es ehrt Sie sehr, dass Sie die Mißerfolge nicht nur erwähnen, sondern auch die getroffene Entscheidung des Kaufs hinterfragen und sich selbst an den Pranger stellen. Das ist ein Punkt, der Ihren Börsenbrief von anderen unterscheidet.
Ich habe da eine Idee, wie man die Leser noch mehr ins Boot holen könnte. Grundsätzlich treffen Sie ja die Kauf- Entscheidung. Häufig stellen Sie im Vorfeld eines Kaufs mehrere Aktien vor und entscheiden sich dann für eine. Was wäre, wenn Sie die Leser mitentscheiden lassen würden? Wenn Sie beispielsweise 2 gleich gute Dividenden- Titel zur Auswahl haben und stellen. Es könnte eine Verlinkung im Ticker geben, wo man abstimmen kann. Im Idealfall mit einem Bemerkungsfeld, wo Motive/ Gründe eingetragen werden können. Es gibt sicherlich einige unter Ihren Lesern mit sehr viel Börsenerfahrung(vielleicht auch zum Thema Charttechnik), die mit Ihrer Rückmeldung interessante Aspekte aufzeigen können. Da im Heibel- Ticker die Titel in der Regel für ein längerfristiges Invest ausgesucht werden, wäre die Zeit kein Hinderungsgrund. Betreff Verkauf könnte man dann natürlich auch interaktieren. Meines Erachtens gibt es sowas auch noch nicht.
Na ja, ist nur so eine Idee. Auch hier Halbwissen(wie bei Vonovia), wahrscheinlich wird das schon technisch nicht umzusetzen gehen. :-)
Sie erwähnten vor geraumer Zeit, die Chart- Technik bei Käufen und Verkäufen einzubeziehen. Ich bin da sehr gespannt drauf. Ich selbst schaue da schon immer etwas mit drauf. Wäre dann nochmal interessant, auch hier einen Abgleich zu haben.
Bei den anfallenden Verlusten haben Sie natürlich recht. Es ist egal, ob es gleich verrechnet wird oder später. Man muss es aber wissen, um es geltend machen zu können. Ich kann mir gut vorstellen, dass der ein oder andere Aktionär seine Abrechnungen nicht gründlich prüft, weil sie immer stimmen. Dann geht das unter, weil der Broker nicht darauf hinweist. In der besagten Abrechnung von mir war das auch. Erst auf Nachfrage kam Licht ins dunkel.
Und klar, Sie sind kein Steuerberater. ;-)
Viele Grüße
Roy
RÜCKANTWORT
Ganz herzlichen Dank für diese ausführliche und nette Rückmeldung.
Ihren Vorschlag finde ich super, ich werde mich diese Tage mit meinem Marketing und der IT zusammensetzen und überlegen, wie wir das umsetzen können. Mein Ziel ist es stets, im Heibel-Ticker auf die Bedürfnisse der Mitglieder einzugehen, ohne das eingebrachte Wissen der Mitglieder ungefiltert weiterzugeben. Das ist aufwendig, da ich mir zu allen Themen ein eigenes Bild machen muss. Häufig genug haben mich Mitglieder jedoch schon auf Details aufmerksam gemacht, die ich nicht kannte, und häufig genug folgen neue Aktienempfehlungen im Heibel-Ticker den Ideen der Mitglieder. |