 | Hallo Herr Heibel,
wir beide hatten uns zur Aktie 'Tonies' bereits einmal ausgetauscht ... ich habe mit großem Interesse deren Unternehmens-Präsentation zum Capital Market Day aus dem Juni 2026 durchgeschaut ...
... meine KI hat das für Sie wie folgt zusammengefasst:
Tonies Capital Markets Day 2026 – die 6 wichtigsten Punkte
Sehr ambitioniertes Wachstumsziel bis 2030
tonies will den Umsatz von zuletzt rund 630 Mio. € auf mehr als 1,4 Mrd. € bis 2030 steigern – also mehr als verdoppeln.
Gleichzeitig soll die bereinigte EBITDA-Marge auf 16–18 % steigen. Das wäre eine erhebliche Verbesserung gegenüber den aktuell rund 9 %.
Der wichtigste Wachstumstreiber ist Internationalisierung
Besonders interessant: In DACH erreicht tonies nach eigener Darstellung bereits rund 58 % der Zielhaushalte, in den USA dagegen erst etwa 12 %.
Die USA sind deshalb der mit Abstand wichtigste kurzfristige Wachstumsmarkt.
2027 sollen mindestens zwei weitere Länder/ Märkte hinzukommen; bis 2030 will tonies in allen wichtigen Weltregionen vertreten sein.
Insgesamt sieht tonies weltweit mehr als 570 Mio. adressierbare Haushalte.
Aus dem Produkt soll ein Ökosystem werden
Das ist für mich eine der interessanteren Aussagen des CMD: tonies möchte sich nicht mehr nur als Hersteller der Toniebox verstehen, sondern als globale Audio-Plattform für Kinder.
Die Logik:
Toniebox → installierte Nutzerbasis → Tonies/Inhalte → wiederkehrende Umsätze → neue Geräte → noch größere Nutzerbasis.
Der entscheidende Punkt für Anleger ist dabei, dass die Figuren bzw. Inhalte eine höhere Marge haben als die Hardware. Mit wachsender installierter Basis soll sich deshalb der Umsatzmix zugunsten des profitableren „Attach Revenue“ verschieben.
Toniebox 2 und neue Geräte sollen die Plattform erweitern
tonies will künftig ein Multi-Device-Ökosystem aufbauen. Das Unternehmen erwartet also nicht nur Wachstum durch mehr Boxen und mehr Figuren, sondern auch durch weitere Gerätegenerationen und neue Produktkategorien.
Das ist strategisch wichtig: tonies versucht, aus einem erfolgreichen Einzelprodukt eine Marke bzw. Plattform zu machen.
AI wird als Wachstumshilfe eingesetzt
Bemerkenswert ist, wie stark tonies AI in die zukünftige Skalierung einbezieht:
schnellere Lokalisierung von Inhalten
kürzere Entwicklungszyklen
mehr Content ohne proportional steigende Kosten
Das passt zur Internationalisierungsstrategie: Wenn Inhalte für viele Länder schneller und günstiger angepasst werden können, verbessert das theoretisch die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells.
Der eigentliche Investment-Case lautet: Wachstum + Margenhebel
Genau hier wird die Präsentation für mich als Aktionär interessant. tonies behauptet nicht nur:
„Wir wachsen stark.“
Sondern eigentlich:
„Wir können gleichzeitig wachsen und deutlich profitabler werden.“
Das Unternehmen erwartet, dass mit zunehmender Größe die Kosten für Beschaffung, Logistik und Verwaltung relativ zum Umsatz sinken. Zusammen mit dem höheren Anteil margenstarker Inhalte soll daraus der Sprung auf 16–18 % EBITDA-Marge entstehen.
Dazu muss man sich natürlich fragen:
1. Wie realistisch sind die 1,4 Mrd. € Umsatz?
2. Wie realistisch sind 16–18 % EBITDA-Marge?
3. Was bedeutet das für den heutigen fairen Aktienwert bzw. das Kursziel?
Ich finde den generellen Case (Produkt, Strategie und Vertriebsarbeit) wirklich gut und bin gespannt auf die neuen Zahlen am 20. August.
Was meinen Sie ?
Viele Grüße
Stephan aus Hamburg (nein, nicht ihr Autor selbst ;-) |  |
| | Antwort: Danke für die schöne strukturierte Aufbereitung - Ihre KI hat die zentralen Punkte des CMD sehr gut herausgeschält. Ich beantworte Ihre drei Fragen der Reihe nach.
Zu 1.: 1,4 Mrd. EUR Umsatz bis 2030: Das ist machbar, wenn auch ambitioniert. Von 630 Mio. EUR in 2025 auf 1,4 Mrd. EUR entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von rund 17%. Aktuell wächst Tonies mit über 20%, für 2026 hat das Management mehr als 760 Mio. EUR (+20%) angekündigt. Der entscheidende Hebel sind die USA mit einer Haushaltsdurchdringung von aktuell erst 12% - im DACH-Raum sind es bereits 58%. Nordamerika legte 2025 um 40% zu, und die Toniebox 2 ist dort ein Verkaufsschlager. Wenn die US-Expansion in den kommenden Jahren nicht ins Stocken gerät und ab 2027 tatsächlich zwei weitere Länder hinzukommen, ist der Umsatzpfad realistisch. Das Risiko liegt weniger im Produkt als in der Frage, ob Tonies bei Konjunkturschwäche bestehen kann. Kinderprodukte sind zwar relativ konjunkturunempfindlich, aber ein 80-EUR-Spielzeug bleibt Luxus, den man sich im Zweifel auch sparen kann.
Zu 2.: 16-18% Gewinnmarge (EBITDA): Hier bin ich skeptischer. Mattel und Hasbro erreichen in guten Jahren 15-17% Gewinnmarge. Das sind aber etablierte Konzerne mit treuen Kunden aus jahrzehntelanger Gewöhnung. Tonies müsste in fünf Jahren einen Weg zurücklegen, für den die Klassiker Jahrzehnte gebraucht haben. Dafür spricht hingegen ein wachsender Anteil des margenstärkeren Content-Umsatzes (Figuren statt Boxen), Skaleneffekte in Logistik und Beschaffung, KI-getriebene Anpassung der Inhalte an lokale Gegebenheiten. Allerdings bleibt Hardware Hardware, und je stärker Tonies in neue Länder expandiert, desto höher werden zwischenzeitlich die Markterschließungskosten. Im Studium habe ich gelernt, dass jedes Geschäft, das mit mehr als 15% Gewinnmarge operiert, Neider erzeugt, die für Wettbewerbsdruck, und damit sinkende Margen sorgen. Ich würde daher nur mit 12-14% Gewinnmarge rechnen.
Zu 3.: Fairer Aktienwert: Bei 1,3 Mrd. EUR Umsatz in 2030 (leicht unter Ziel) und 14% EBITDA-Marge ergeben sich 182 Mio. EUR Gewinn (EBITDA). Bei einem EV/EBITDA von 15, wie es in dieser Branche üblich ist, komme ich auf einen Enterprise Value von rund 2,7 Mrd. EUR in 2030. Diskontiert mit 10% p.a. auf heute sind das rund 1,7 Mrd. EUR. Die aktuelle Marktkapitalisierung liegt bei 1,6 Mrd. EUR - also praktisch fair bewertet.
Im optimistischen Fall (1,4 Mrd. EUR Umsatz und 16% EBITDA-Marge) ergibt sich ein diskontierter fairer Wert von rund 2,1 Mrd. EUR, das entspricht einem Aufwärtspotenzial von 30% gegenüber dem heutigen Kurs.
Der Investment-Case ist gut, das Ökosystem-Argument ist stark und die USA-Chance ist real. Meine früheren Bedenken zu Jan Middelhof sind seit seinem Ausscheiden Ende 2023 obsolet, das Management wirkt heute ausgereift. Wer bereits investiert ist, kann auf die Q2-Zahlen am 20. August warten. Dort wird sich zeigen, ob das Unternehmen für die 2026er-Guidance (>760 Mio. EUR, 9-11% EBITDA-Marge) im ersten Halbjahr auf Kurs ist.
Grundsätzlich gibt es noch weitere Trigger, die zu einer deutlich höheren Bewertung der Aktie führen könnten. So hinkt der Vergleich mit Hasbro und Mattel, denn Tonies selbst vergleicht sich lieber mit Netflix und Spotify. Die Spielzeuge sind die Geräte, um in das Abo-System von Tonies einzutreten. Danach können Inhalte bezogen werden, Hörspiele und ähnliches, deren Herstellung eben nur einmal Geld kostet, und deren Gewinnmarge steigt, je mehr davon verkauft werden.
2025 machte die Toniebox 26% des Umsatzes aus, die Tonie Figuren 71% und digitale Inhalte lediglich 3%. Da ist der Vergleich mit Netflix und Spotify gewagt, denn bei den beiden gibt es kaum ein Hardware-Geschäft und dennoch ist die Bewertung (EV/EBITDA) nicht höher als bei Tonies.
Hmm, alles in allem bleibt Tonies also für mich eine interessante Aktie, aber für unser Heibel-Ticker Portfolio fehlt mir noch immer die Phantasie.
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