 | Lieber Herr Heibel,
bei Ihrer letzten Video-Sitzung hatten Sie sich auf die Frage eines Teilnehmers zu der Aktie:
TELEPERFORMANCE (889287) als „ Divedenden-Star“
(sehr) positiv geäußert. Alle von Ihnen mit Ihrem neuen System überprüften Werte/Daten sprachen für einen Kauf.
Ich habe diesen Kauf getätigt und nunmehr „rauscht“ die Aktie gegen Süden.
Könnten Sie vielleicht bitte nochmals diese Aktie in Ihrer Datenbank eingeben um zu überprüfen, ob Ihre kürzlich gegebene Einschätzung noch zutreffend ist oder gibt es einen Grund, weshalb die Aktie so verlustig ist.
Soll ich dabei bleiben oder diese Aktie doch mit dem derzeit angefallen vermisst lieber verkaufen?
Ganz liebe Grüße und herzlichen Dank für Ihre Einschätzung.
Karl Krämer aus dem AHRTAL
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| | Antwort: Teleperformance kündigte am 19. Mai an, zwei Unternehmensanleihen im Volumen von insgesamt 1,2 Mrd. EUR auszugeben, um auslaufende Unternehmensanleihen zu refinanzieren. Der am Markt erzielte Zins ist höher als von Anlegern erwartet, das wirkte sich negativ auf die Aktie aus. Der hohe Zins nährt die Befürchtungen der Anleger, dass die zukünftige Zinslast einen Großteil des Unternehmensgewinns aufzehren wird, bevor er bei den Anlegern ankommen kann.
Die Angst ist gerechtfertigt: 10 Mrd. Euro Jahresumsatz werden mit einer Marktkapitalisierung von nur 3,5 Mrd. EUR bewertet. Für den Unternehmenswert müssen wir die hohen Schulden hinzu rechnen: 5 Mrd. EUR. Davon wurden nun, wie oben gesagt, 1,2 Mrd. EUR refinanziert, und zwar teurer, als dies zuvor der Fall war. Die Gewinnmarge (Netto) liegt bei 7-8% und dürfte durch den hohen Zins nochmals unter Druck kommen.
Teleperformance erfüllt nach wie vor alle meine Dividendenkriterien, die Dividendenrendite liegt bei 7,1%. Es ist nun die Frage, ob die Dividendenrendite „zu hoch“ ist, ob das Unternehmen also die Dividende senken muss, um die Zinslast tragen zu können. Diese Gefahr ist durchaus gegeben, schauen wir uns daher das Geschäftsmodell näher an:
Teleperformance betreibt Call-Center. Dort hält KI Einzug, menschliche Arbeitsstunden werden durch KI entwertet. Das Geschäftsmodell von Teleperformance wird also tatsächlich durch die KI-Revolution angegriffen. Wir befinden uns in einer spannenden Phase dieser Revolution: Unternehmen stellen sich entweder auf die KI-Zukunft ein und finden neue Geschäftsmodelle dafür, oder sie gehen unter. Teleperformance verfügt über viele Informationen über das Geschäft seiner Kunden, allein durch den direkten Kontakt zu den Kunden über deie Call-Center. Diese Informationen werden die KI der Zukunft trainieren. Wenn Teleperformance es schafft, dieses Training für die Kunden zu übernehmen, kann es seine Zukunft sichern. Wenn das Unternehmen jedoch zu lange damit wartet, dann werden andere diese Aufgabe übernehmen.
Tatsächlich habe ich nicht genug Einblick in Teleperformance, um diese Frage fundiert zu beantworten: Ich habe vor wenigen Tagen erstmals von dem Unternehmen gehört. Als „sichere“ Dividendenaktie würde ich Teleperformance daher nicht einschätzen. Allerdings würde ich das Unternehmen noch nicht abschreiben, derzeit gibt es viele Anbieter von Dienstleistungen, die vor dem Hintergrund der KI-Revolution ausverkauft werden. Doch viele von ihnen werden es schaffen, den Sprung in die KI-Welt erfolgreich zu unternehmen. Tendenziell würde ich erwarten, dass in den kommenden Monaten eine Gegenbewegung erfolgt, wenn weitere Software-Unternehmen nach Snowflake in dieser Woche Erfolgsmeldungen veröffentlichen. Oder anderes ausgedrückt: Ich denke, der Pessimismus bezüglich Teleperformance ist bereits ziemlich eingepreist. Hoffnung würde reichen, um die Aktie nach oben zu treiben. Dann spätestens sollten Sie entscheiden, ob Sie die Aktie langfristig als Dividendenaktie behalten möchten.
RÜCKMELDUNG
Lieber Herr Heibel,
Ganz herzlichen Dank für Ihre ausführliche Analyse und insbesondere für Ihren Rat bezüglich eines weiteren Vorgehens mit dieser Aktie.
Weiterhin Ihnen und Ihrer Familie alles erdenklich Gute und und mit Dankbarkeit für die exzellente Kundenbetreuung, verbleibe ich,
mit herzlichen Grüßen aus dem Ahrtal, Karl |