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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 11.06.2026 um 10:51 Uhr

SpaceX IPO: Darum ist der erste Börsentag eine Falle

SpaceX geht diese Woche an die Börse – mit einem fest gesetzten Ausgabepreis von 135 US-Dollar und einem geplanten Emissionsvolumen von 75 Milliarden US-Dollar. Es ist der größte Börsengang der Geschichte. Und genau deshalb warnt Stephan Heibel, Chefredakteur des Heibel-Ticker Börsenbriefs, seit über 25 Jahren aktiv am Markt: Wer am ersten Handelstag über die Börse kauft, wartet nach seiner Einschätzung sehr lange auf den Break-even.


Die Eröffnungsrallye ist kein Einstiegssignal

Einige Marktteilnehmer rechnen damit, dass SpaceX am ersten Tag auf eine Bewertung von bis zu 4 Billionen US-Dollar hochgetrieben werden könnte. Das klingt nach einer Chance. Es ist in Wirklichkeit die Falle.

Der Grund liegt in der Konstruktion des Börsengangs. Nur 4 Prozent aller SpaceX-Aktien werden beim IPO ausgegeben. Das ist eine Extremform der sogenannten Salamitaktik: Normalerweise bringt ein Unternehmen beim Börsengang rund 20 Prozent seiner Aktien auf den Markt, bei 10 Prozent spricht man bereits von einer ungewöhnlich kleinen Tranche. SpaceX liegt weit darunter.

Das Ergebnis: Institutionelle Investoren erhalten weniger Aktien zugeteilt, als sie zeichnen wollen, und müssen die fehlenden Anteile anschließend über die Börse nachkaufen. Index-Zertifikate sind ebenfalls sofort kaufpflichtig, sobald SpaceX in die Indizes aufgenommen wird – und die Indexregeln wurden eigens geändert, um die sonst geltende Mindesthandelsdauer von sechs Monaten zu umgehen. Dazu kommen viele Kleinanleger, die Kauforders oft unlimitiert aufgeben, weil sie schlicht dabei sein wollen. Mangels Angebot treibt das den Kurs im Verlauf des IPO-Tages bei geringen Handelsumsätzen willenlos nach oben – ohne dass dem ein entsprechendes Angebot gegenübersteht.

Der entscheidende Unterschied: Wer beim Börsengang direkt Aktien zugeteilt bekommt, zahlt den Ausgabepreis von 135 US-Dollar. Wer am ersten Handelstag über die Börse kauft, zahlt den Marktpreis nach der Rallye – also das Ergebnis künstlicher Angebotsknappheit, nicht den Wert des Unternehmens.

Stephan Heibel hat selbst gezeichnet – und plant, die zugeteilten Aktien so schnell wie möglich wieder zu verkaufen. Seine Einschätzung: Die Eröffnungsrallye ist als kurzfristige Spekulation für Zeichner denkbar, nicht als Einstieg für Börsen-Käufer. Ein Vorbehalt bleibt dabei: Nicht selten dauert es mehrere Tage, bis neu ausgegebene Aktien im Ausland ins Depot gebucht und tatsächlich verkaufbar sind. Wo der Kurs dann steht, lässt sich nicht vorhersagen.


Was der IPO-Prospekt über die nächsten Monate verrät

Die eigentliche Gefahr liegt nicht im ersten Tag, sondern in den Wochen danach. Im IPO-Prospekt sind die Sperrfristen aufgelistet. Früher als bei vergleichbaren Börsengängen üblich werden diesmal große Stückzahlen freigegeben: In den ersten sechs Monaten nach dem IPO werden insgesamt 40 Prozent aller SpaceX-Aktien handelbar.

Das bedeutet konkret: Alle zwei bis drei Wochen werden weitere Aktien im Wert von rund 75 Milliarden US-Dollar – bei höheren Kursen entsprechend mehr – auf den Markt kommen und müssen von Anlegern absorbiert werden. Der größte Börsengang der Geschichte wird sich in den kommenden Monaten also regelmäßig wiederholen.

Stephan Heibel fasst es im aktuellen Heibel-Ticker Ausgabe 2026/23 so zusammen: Wer am IPO-Tag über die Börse kauft, wird seiner Einschätzung nach sehr lange warten müssen, bis seine Position die erwarteten Verluste der kommenden Monate ausgleicht.


Warum gerade KI-Aktien die Leidtragenden sind

Der SpaceX-IPO steht nicht allein. Anthropic hat seine Börsengangs-Unterlagen bereits vertraulich bei der US-Wertpapieraufsicht SEC eingereicht, noch vor dem Konkurrenten OpenAI. Beide Unternehmen werden auf eine Marktkapitalisierung von jeweils knapp unter einer Billion US-Dollar geschätzt. Ihre Aktien werden zusätzlich zum kontinuierlichen SpaceX-Angebot Anlegerkapital binden.

Gleichzeitig hat Alphabet in der vergangenen Woche überraschend die größte Aktienzweitplatzierung aller Zeiten abgeschlossen und dabei 85 Milliarden US-Dollar eingesammelt – mehr als ursprünglich geplant, mit Berkshire Hathaway als Ankerinvestor mit 10 Milliarden US-Dollar Beteiligung. Das zeigt: Selbst Google, das Unternehmen, dem Heibel zufolge das Geld aus den Ohren quillt, benötigt externes Kapital für den KI-Infrastrukturausbau. Den strukturellen Hintergrund dazu lesen Sie im Artikel Alphabet sammelt 85 Mrd. ein – Hyperscaler brauchen Kapital.

Fondsmanager, die an den IPOs teilnehmen wollen, müssen Platz im Depot schaffen. Die naheliegendste Quelle dafür sind die bisherigen Highflyer: Nvidia, Palo Alto, KI-Infrastrukturwerte. Mancher Profi hat bereits vor dem IPO-Tag reagiert und in den erfolgreichsten Positionen Gewinne realisiert, um dem Verkaufsdruck zuvorzukommen. Wie das am Beispiel Palo Alto konkret aussieht – und warum ausgerechnet dort trotzdem strukturelles Wachstum bleibt – beschreibt der Artikel Palo Alto: Anthropics KI-Modell Mythos treibt IT-Sicherheit.

Das Muster erinnert an die Internetrallye des Jahres 2000. Sie endete nicht, weil die Anleger den Glauben an das Internet verloren, sondern weil so viele Internetunternehmen an die Börse kamen, dass nicht mehr genügend Kapital vorhanden war, sie alle zu kaufen. Heibel stellt im aktuellen Börsenbrief die Frage offen in den Raum, ob wir mit der KI-Rallye etwas Ähnliches erleben.


Was das für Privatanleger konkret bedeutet

SpaceX als Unternehmen ist eine andere Frage als SpaceX als Börseneinstieg zum IPO-Kurs. Die Unterscheidung ist entscheidend: Wer Aktien zum Ausgabepreis von 135 US-Dollar zugeteilt bekommt und die Eröffnungsrallye als kurzfristige Spekulation nutzt, spielt ein anderes Spiel als jemand, der am ersten Handelstag über die Börse kauft. Letzterer zahlt den Preis nach der Rallye – und läuft danach einer monatelangen Freigabewelle hinterher, die kontinuierlich neues Angebot in den Markt bringt.

Stephan Heibel hat im Rahmen der Ausgabe 2026/23 seine eigenen Portfoliopositionen entsprechend ausgerichtet: Nvidia und Palo Alto wurden auf Zielgrößen reduziert, die Cash-Quote wurde auf rund 19 Prozent erhöht. Die Begründung: Wer in turbulenten Phasen Cash hält, bekommt nicht Angst beim Fallen, sondern Freude am Kaufen.

Wer auf günstigere Kurse wartet, bis sich das neue Angebot am Markt verdaut hat, handelt nach dieser Logik nicht ängstlich – sondern informiert.


Stephan Heibel ist Chefredakteur und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs, den er seit 1998 mit über 25.000 Lesern betreibt. Die vollständige Analyse zum SpaceX-IPO und zum Kapitalabfluss aus KI-Aktien lesen Sie in der Ausgabe 2026/23.

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Stephan Heibel

Seit 1998 verfolge ich mit Begeisterung die US- und europäischen Aktienmärkte. Ich schreibe nun wöchentlich für mehr als 25.000 Mitglieder über die Hintergründe des Aktienmarktes und die Ursachen von Kursbewegungen. Heibel-Ticker Mitglieder schätzen meinen neutralen, simplen und unterhaltsamen Stil. Als Privatanleger nutzen sie meine Einschätzungen und Anlageideen, um ihr Portfolio unabhängig zu optimieren.

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