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24.05.2019:



H E I B E L - T I C K E R    P L U S

F I N A N Z I N F O R M A T I O N E N

- Einfach einen Tick besser -



DEUTSCHE BIBLIOTHEK : ISSN 1862-5436

14. Jahrgang - Ausgabe 21 (24.05.2019)
Erscheinungsweise: wöchentlich Freitag/Samstag



I N H A L T

01.Info-Kicker: Berichtssaison endet, Hauptversammlungen laufen
02.So tickt die Börse: Angst vor dem harten Brexit
 - Wochenperformance der wichtigsten Indizes
03.Sentiment: Panik sieht anders aus
 -
04.Ausblick: Meine ausgebombte Brexit-Aktie sowie eine kleine Spekulation
 - TUI zum Schnäppchenpreis
 - Splunk mit hervorragenden Zahlen, Aktie im Sinkflug
05.Wunschanalyse: Wirecard
 - Wirecard: Zwischen Pleitegeier und Weltmarktführer
 - Wirecard gegen die Financial Times
 - Überragende Geschäftsentwicklung
 - Bewertung fair für Bank, günstig für FinTech
 - Neue Kooperationen am Fließband
 - Geschäftsmodell
 - Einschätzung
 - FAZIT
06.Update beobachteter Werte: Alibaba, InnoTec TSS
 - Alibaba: Stopp-Marke unterschritten, Position auflösen
 - InnoTec TSS: 6,1% Dividendenrendite in Sicht
07.Übersicht HT-Portfolio
08.Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise
09.An-/Ab-/Ummeldung



01. Info-Kicker: Berichtssaison endet, Hauptversammlungen laufen

Liebe Börsenfreunde,

Diese Woche ging's bergab an den Aktienmärkten. Brexit, EU-Wahl und der Handelsstreit sind eskaliert, Anleger flüchten an die Seitenlinie. In Kapitel 02 zeige ich die Optionen der Hauptakteure dieser Dramen. Doch die Berichtssaison endete diese Woche, die allermeisten Unternehmen haben ihre Quartalszahlen vorgelegt und befinden sich nun in der Durchführung der Hauptversammlungen (inkl. Dividendenausschüttung). Es lohnt ein Blick auf die Gewinner und Verlierer der Berichtssaison.

Die Stimmung ist zwar eingebrochen, aber noch lange nicht auf einem extrem niedergeschlagenen Niveau. Panik ist bislang nicht in Sicht. Die Einzelheiten zur Stimmungsentwicklung sowie eine Interpretation, was das für die Aktienmärkte bedeutet, lesen Sie in Kapitel 03.

Im heutigen Ausblick habe ich zwei Unternehmen kurz vorgestellt: Das eine ist aufgrund der Angst vor einem ungeregelten Brexit ausverkauft, ja regelrecht ausgebombt worden. Es wird meine Spekulation auf steigende Kurse, wenn (keine Ahnung wann) sich Lösungen abzeichnen. Das andere Unternehmen hat gestern Zahlen vorgelegt, die über den Erwartungen lagen, und wird dennoch heute um 10% ausverkauft. Auch hier ist die Spekulation denkbar.

Die heutige Wunschanalyse beschäftigt sich einmal mehr mit der Wirecard: Die Attacke der Financial Times wurde abgewehrt und die Aktie läuft auf ihr altes Kursniveau zurück. Ist noch was von der Financial Times zu befürchten? Oder war's das? Und kann man jetzt noch einsteigen? Die Antworten darauf gebe ich in Kapitel 05.

Wie immer gibt es eine Reihe von Updates in Kapitel 06 sowie eine tabellarische Übersicht über unser Portfolio in Kapitel 07.

Die PDF-Version dieser Ausgabe steht Ihnen ab sofort im Archiv sowie unter dem folgenden Link zur Verfügung: http://www.heibel-ticker.de/downloads/htp190526.pdf

Nun wünsche ich eine anregende Lektüre,

take share, Ihr
Börsenschreibel

Stephan Heibel

Chefredakteur und
Herausgeber des
Heibel-Ticker




02. So tickt die Börse: Angst vor dem harten Brexit

Im Handelsstreit zwischen den USA und China wird es in den nächsten Wochen keine Fortschritte geben, diese Erkenntnis setzte sich diese Woche bei Anlegern durch. Außerdem wird dieses Wochenende das Europaparlament neu gewählt und neben der Angst vor einem Rechtsruck in Europa schütteln viele den Kopf darüber, dass auch die Briten über die Zusammensetzung mitentscheiden dürfen, obwohl sie eigentlich schon längst raus sein sollten.

May bleibt nur noch den Mai, Anfang Juni ist nicht nur der Mai zu, sondern auch die Amtszeit der May am Ende. Damit steigt die Gefahr eines ungeregelten Brexits, was heute an den Aktienmärkten für schlechte Laune sorgt.

Was wir derzeit sehen, ist die Liquidation von Positionen der falsch positionierten Anleger, die erst jetzt merken, dass der harte Brexit kommen kann und der Handelsstreit noch deutlich schlimmer werden kann, bevor eine Lösung in Sicht kommt. Alle Beteiligten haben sich in "alternativlose" Sackgassen manövriert:

- EU bzw. Michel Barnier: Viele rote Linien wurden schon überschritten, mehr Zugeständnisse an die Briten würde die verbleibenden EU-Mitglieder auf die Palme bringen, denn scheidende Mitglieder dürfen nicht besser behandelt werden, als verbleibende.

- GB bzw. Theresa May: Mehr Zugeständnisse sind von der EU nicht zu holen, sie muss also den ausgehandelten Austrittsvertrag durchs Parlament bringen, sonst ist sie gescheitert ... wie heute geschehen. Es wird vermutlich ein Brexit-Hardliner folgen.

- USA bzw. Donald Trump: Nutzt den China-Handelsstreit als Wahlkampfthema für seine Wiederwahl im kommenden Jahr. Je unnachgiebiger er gegenüber China auftritt, desto stärker die Zustimmung seiner Wähler.

- China bzw. Xi Jinping: Die kommunistische Marktwirtschaft Chinas kann sich nicht den Regeln der freien Marktwirtschaft unterwerfen, stattdessen bemüht Xi für den Handelsstreit den historisch schwergewichtigen Begriff des "Langen Marsch", der auf Mao Tse-tung zurückgeführt wird.

Ich habe drei Jahre nach der Brexit-Entscheidung und zweieinhalb Jahre, nachdem Trump China als Feind der USA anprangerte, kein Verständnis mehr für Anleger, die ihr Portfolio noch immer nicht gegen die Zuspitzung dieser beiden Konflikte abgesichert haben. Dennoch scheint es ausreichend Anleger zu geben, die erst gestern gemerkt haben, dass bestimmte Positionen in ihren Portfolios nicht mehr passen.

Da der "moderne" Anleger nicht mehr Einzelaktien im Depot hat, sondern mit Hilfe von ETFs Märkte und Branchen abbildet, wird das Gute mit dem Schlechten verkauft. Die Reduktion eines Technologie-ETFs im Bestand von Anlegern aufgrund der Ächtung Huaweis und der daraus folgenden Verwerfungen bei vielen Halbleiterunternehmen führt dazu, das alle Technologieaktien ausverkauft werden, wenn ETFs den Kapitalabfluss nachvollziehen.

Der DAX ist diese Woche um 2% eingebrochen, angeführt von der Autoindustrie (-4,7%) und der international aufgestellten Chemiebranche (-4,0%). Bei den Einzeltiteln ist zu berücksichtigen, dass Ende Mai / Anfang Juni die meisten Hauptversammlungen der Aktiengesellschaften stattfinden und die Aktien am jeweils darauffolgenden Tag ex Dividende gehandelt werden. Die -11% in der Daimleraktie diese Woche ist über die Hälfte auf die Ausschüttung der Dividende zurückzuführen.

So ist es derzeit wichtig, dass Sie für jede Position in Ihrem Portfolio wissen, wie stark die Abhängigkeit vom Handelsstreit und vom Brexit ist. Daraus entscheidet sich, ob Sie diese Position an Tagen wie heute, wo sich die Kurse ein wenig erholen, verkaufen, oder aber in einen Ausverkauf hinein zukaufen.

Die Berichtssaison ist diese Woche zu Ende gegangen, nur noch vereinzelte Zahlen treffen auf den Markt. Ich habe diese Woche so viele Aktien näher analysiert wie schon lange nicht mehr. Einige habe ich kurz auf meinem Blog heibel-unplugged.de vorgestellt, die aussichtsreichsten Aktien stelle ich heute in Kapitel 04 vor.

WOCHENPERFORMANCE DER WICHTIGSTEN INDIZES


INDIZES23.5.19Woche ΔΣ '19 Δ
Dow Jones25.547 -1,2%10,8%
DAX12.011 -1,9%13,8%
Nikkei21.117 -0,6%5,5%
Shanghai A 2.988 -1,0%14,4%
Euro/US-Dollar1,120,3%-2,1%
Euro/Yen122,48-0,2%-2,9%
10-Jahres-US-Anleihe2,33%-0,07-0,41
Umlaufrendite Dt-0,17%0,00-0,27
Feinunze Gold$1.284 0,6%0,3%
Fass Brent Öl$68,06 -5,4%30,4%
Kupfer5.919 -1,4%-1,6%
Baltic Dry Shipping1.068 5,4%-16,0%
Bitcoin7.849 9,5%100,1%



Na, man könnte sagen, der Handelsstreit belastete die Aktienmärkte diese Woche jeweils mit einem Prozent, für den DAX kam ein weiteres Prozent aufgrund des Brexit hinzu. In den USA bleiben die Märkte am Montag geschlossen (Memorial Day), in Europa stehen die Wahlen an und da ist es nachvollziehbar, dass viele Spekulanten vor diesem Wochenende ihre Positionen glatt stellten. Denn, was wenn die EU-Wahl einen Erdrutsch an den Aktienmärkten auslöst? US-Anleger könnten am Montag gar nicht darauf reagieren, weil deren Börsen geschlossen bleiben. Da liquidiert man dann lieber die Positionen, die am meisten im Risiko stehen.

Das Zinsniveau in Europa und den USA bleibt niedrig, diese Woche hat die Bundesregierung eine 10 Jahre laufende Bundesanleihe versteigert. Der Zins betrug -0,07%, Anleger bezahlen die Bundesregierung also lieber, damit sie ihr Geld geben dürfen und so dem Strafzins auf Einlagen bei der EZB entkommen.

Der Goldpreis hat sich wieder auf das Niveau vom Jahresbeginn zurückentwickelt. Von "Krisenwährung" ist da nicht viel zu sehen.

Der Ölpreis hingegen hat dieses Jahr bereits um über 30% zugelegt, fiel aber diese Woche deutlich zurück, weil die US-Rohöllagerbestände das höchste Niveau seit zwei Jahren erreicht haben. Es wird mehr Öl gefördert, als raffiniert (verarbeitet) oder transportiert (Pipelines fehlen) werden kann. Das ist ein US-spezifisches Problem (US.-Crude Western Texas Öl 58 USD/Fass), das nur bedingt auf den Ölpreis des Rests der Welt (Nordsee Brent Öl 68 USD/Fass) und somit die 10 USD Preisunterschied erklärt.

Dr. Copper, wie Kupfer in den USA gerne aufgrund seiner guten Prognosequalität für die Konjunktur genannt wird, hat im Rahmen der Verschärfung des Handelsstreits ebenfalls wieder einen Großteil seines bisherigen Jahresgewinns abgegeben. Am Preisrückgang kann nicht einmal die Blockade einer der größten Kupferminen Perus durch Einheimische etwas ändern, der Handelsstreit übertrumpft selbst ein solches Ereignis, das normalerweise den Kupferpreis hätte anspringen lassen.

Über den Bitcoin wird wieder viel gesprochen, seit er sich binnen kurzer Zeit verdoppelt hat. Es mehren sich die Anzeichen, dass der Bitcoin in den USA bald von der Finanzbehörde für bestimmte Finanzinstrumente zugelassen wird.

Schauen wir nun einmal, wie sich die Stimmung unter den Anlegern entwickelt hat.




03. Sentiment: Panik sieht anders aus

Diese Woche ist der DAX vor dem Hintergrund der Brexit- und Handelsstreitsorgen um 1,9% abgerutscht. Doch die Stimmung ist noch weit entfernt von extremer Niedergeschlagenheit oder gar Panik.

Nur noch 5% (-13%) unserer Umfrageteilnehmer betrachten die aktuelle Bewegung im DAX als Aufwärtsimpuls, 10% (-7%) als Topbildung. Dafür denken inzwischen 34% (+20%), dass wir uns in einer neuen Abwärtsbewegung befinden. Mit 47% (+1%) geht weiterhin die Mehrzahl von einer übergeordneten Seitwärtsbewegung aus. Mit einem Wert von -2,9 ist das Sentiment noch weit von Extremwerten, vor zwei Wochen sorgte Trumps Aufkündigung der Verhandlungen für einen Wert von -3,1, im Rahmen des Chaos-Dezembers erreichten wir historische Extremwerte von -7,5.

Nur noch jeder Dritte (-13% auf 34%) hat diese Entwicklung so zum größten Teil erwartet, hingegen sehen nunmehr 39% (+8%) ihre Erwartungen der Vorwoche kaum erfüllt und sogar 19% (+5%) wurden auf dem falschen Fuß erwischt. Die Verunsicherung ist groß, aber ebenfalls noch nicht extrem.

Mit unverändert 40% haben sich viele Anleger bereits auf diese volatile Marktphase eingestellt und erwarten für die kommenden drei Monate eine übergeordnete Seitwärtsbewegung. Immerhin 28% (-3%) fürchten noch eine anhaltende Abwärtsbewegung, hingegen erwarten nur noch 16% (-1%) für den DAX in drei Monaten steigende Kurse. Damit herrscht Pessimismus vor, aber auch hier messe ich noch keine Extremwerte.

63% (-1%) wissen derzeit noch nicht, wie sie sich in den kommenden zwei Wochen verhalten werden, nur 17% (unv.) wollen Aktien zukaufen und 19% (+2%) wollen Positionen verkleinern. Auch hier ist die Investitionsbereitschaft gering, Anleger brauchen nicht mehr viel verkaufen, wollen aber auch noch nicht neue Positionen eingehen. Abwarten ist angesagt.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger ist auf 5,1 gesprungen und deutet auf eine vorsichtig bullische Positionierung. Erste Privatanleger kaufen also schon wieder Call-Optionsscheine, um auf bald wieder steigende Kurse zu spekulieren.

Bei Institutionellen, die sich über die Eurex absichern, sieht es ganz ähnlich aus: Das Put/Call-Verhältnis ist auf 1,0 gefallen (Durchschnitt 1,5), was ein moderates Interesse an Call-Optionen darstellt.

Ganz anders hingegen sieht es in den USA aus, dort zeigt das CBOE Put/Call-Verhältnis einen starken Ansprung der Transaktionen in Put-Absicherungen an.

US-Fondsanleger haben ihre Investitionsquote um 3% auf 70% zurückgefahren und verfügen somit über reichlich Liquidität ("Cash an der Seitenlinie").

US-Privatanleger haben eine Bulle/Bär-Quote von -11%, was einen deutlichen Bärenüberhang darstellt.

Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit 27% Angst an, die noch nicht ganz in Extremwerte abtaucht.

Interpretation



Panik sieht anders aus, entsprechend kann ich nach dieser heftigen Ausverkaufswoche noch keinen Boden ausrufen. Am Wochenende steht die Europawahl an, deren Ausgang so ungewiss wie selten zuvor ist. Ich denke, die Widersprüche in den Positionierungen und Stimmungen der Anleger, die wir oben aufgezeigt haben, sind derzeit kein Warnsignal oder Indikator für einen anstehenden Marktausbruch in die eine oder andere Richtung. Im Gegenteil, die dominierende Stimmung ist relativ moderat pessimistisch, was nach einer Woche wie der, die gerade abgelaufen ist, keine Überraschung sein sollte.

So würde ich aus diesem Stimmungsgemisch lediglich ablesen, dass der Wahlausgang am Wochenende kaum eine extreme und nachhaltige Bewegung in die eine oder andere Richtung lostreten dürfte. Natürlich ist - je nach Wahlausgang - eine heftige, dann aber doch kurze Reaktion möglich. Doch es gibt nicht genügend engagierte Anleger, die eine Bewegung, die durch den einen oder anderen Wahlausgang losgetreten werden kann, anschließend verstärken würden. Daher dürfte es bei einer kurzen Reaktion bleiben.







04. Ausblick: Meine ausgebombte Brexit-Aktie sowie eine kleine Spekulation

Eine Anmerkung vorab: Deutsche Post, Bet-at-Home und Freenet haben in den vergangenen Tagen Dividenden ausgeschüttet, daher sind deren Aktienkurse diese Woche und in der Vorwoche so stark im Minus. Die Dividende dürfte in den kommenden Tagen auf Ihrem Konto gutgeschrieben werden, ich habe sie in der Gesamtbetrachtung unseres Portfolios bereits eingerechnet.


Am Wochenende wird ein Europaparlament gewählt, das auch durch Briten zusammengesetzt wird. Anfang Juni streckt dann die britische Premierministerin Theresa May die Waffen und überlässt das Feld vermutlich Boris Johnson, dem Brexit Hardliner. Zum 31. Oktober folgt dann der Brexit, und wenn die EU nicht noch einen Hasen aus dem Hut zieht, dann wird es der befürchtete harte Brexit. Bis Oktober könnte also die Ungewissheit über den Brexit auf den europäischen Märkten lasten.

Sollte Donald Trump seine harte Haltung gegenüber China tatsächlich als Wahlkampfargument sehen, dann dürfen wir uns auf eine Fortsetzung des Handelsstreits bis November 2020 einstellen.

Diese beiden Dramen können den Aktienmarkt nicht auf Monate in die Knie zwingen, irgendwann ist auch das schlimmste Szenario "eingepreist", im aktuellen Kursniveau berücksichtigt. Da diese beiden Dramen wie Damoklesschwerter über den Aktienmärkten kreisen, gibt es nur zwei Wege, einen Boden zu bilden: Entweder die Dramen werden gelöst, oder wir erleben noch einen panikartigen Ausverkauf.

Da ich inzwischen Lösungen der Dramen zumindest in den kommenden Wochen für unwahrscheinlich halte, müssen wir wohl nach Panik Ausschau halten. Die gab es leider in der abgelaufenen Woche noch nicht. Hoffnung dominiert bei Anlegern, die sich schon jetzt wieder mit Calls auf steigende Kurse freuen, Hoffnung dominiert auch in der Berichterstattung der Medien, die jeden Tweet von Donald Trump als ersten Schritt zum Kompromiss feiern. Hoffnung dominiert auch bei den EU-Wahlen, in denen sich vielleicht die etablierten Parteien mit Ach und Krach eine Mehrheit zusammenrechnen können, wenn eine dritte etablierte Partei mit ins Boot geholt wird (bislang haben Sozialisten und Konservative dominiert, vielleicht kommen künftig die Grünen oder Liberalen für die Mehrheitsbildung hinzu).

Doch Hoffnung auf ein "weiter so" führt nicht zu einem Boden an den Aktienmärkten, auch ein launischer Tweet kann keinen tragfähigen Boden erzeugen. Die Hoffnung muss durch Fakten bestätigt, oder aber durch Panik zerstört werden.


TUI ZUM SCHNÄPPCHENPREIS

Der weltgrößte Reiseveranstalter hat in den vergangenen zwölf Monaten die Hälfte seines Marktwertes verloren. 20 Mrd. Euro Jahresumsatz werden derzeit nur noch mit einer Marktkapitalisierung von 5 Mrd. Euro belegt. Das KGV 2020e steht bei nur noch 7. Das sind Werte, die normalerweise nur bei Unternehmen angelegt werden, über denen der Pleitegeier kreist. Was ist los bei TUI?

Ich habe eine komplette Bilanzanalyse vorgenommen, ohne den Grund zu finden. Auch in Presseberichten wird kein Problem genannt, das für eine so katastrophale Bewertung verantwortlich sein könnte. Erst die gezielte Suche nach der Bedeutung des Brexit für TUI hat mir die gewünschte Information geliefert: TUI könnte sämtliche Flug- und Landerechte verlieren.

Für die irische Ryanair oder die britische Easy Jet wäre es hart, Europa nicht mehr anfliegen zu dürfen. Sie müssten sich auf ihren Heimatmarkt konzentrieren und würden Europa nur noch gezielt und teuer anfliegen. Doch TUI könnte nicht nur die britische Insel verlieren, sondern ganz Europa.

Hintergrund ist, dass nur diejenigen Fluggesellschaften günstige Landerechte innerhalb der EU erhalten, die sich auch mehrheitlich in EU-Hand befinden. TUI gehört zu 25% dem Russen Alexej Mordaschow, daher war das bislang kein Problem. Doch weitere 30% liegen in der Hand von Briten und wenn die Briten nicht mehr zur EU gehören, befindet sich die Mehrheit der Anteilseigner im EU-Ausland. TUI verliert seine Landerechte.

Ich finde die Situation interessant. TUI setzt derzeit 20 Mrd. Euro im Jahr um und schiebt eine nur kleine Nettoposition an Schulden vor sich her: 1 Mrd. Euro. Es sollte kein Problem sein, eine weitere Milliarde zu finanzieren und damit bspw. eigene Aktien zurückzukaufen ... vorausgesetzt genügend Briten oder sogar Mordaschow verkaufen. Für 1 Mrd. Euro könnte TUI nach aktuellem Kurs 20% seines Unternehmens kaufen, doch wenn ich Mordaschow hieße, würde ich einem solchen Verkauf nicht zustimmen.

Denkbar wäre auch eine Sondergenehmigung aus Brüssel, es wäre ja nicht das erste Mal, dass Brüssel seine eigenen Regeln missachtet.

Grundsätzlich kann ich mir nur schwer vorstellen, dass TUI im Rahmen des Brexit vor die Hunde geht. Wenn nach der EU-Wahl in den kommenden Tagen der Brexit und vielleicht sogar das Auseinanderfallen der EU durchgespielt wird, dann könnte die Aktie noch ein wenig unter Druck bleiben - wenngleich das auf dem aktuellen Ausverkaufsniveau schwer vorstellbar ist. Doch irgendwann wird sich abzeichnen, wie es weitergeht. Und dann ist TUI eine Aktie, die in meinen Augen locker mal eine Verdopplung hinlegen kann.

Stand heute sieht es extrem gefährlich aus, TUI zu kaufen. Wenn die Aktie weiter Richtung Null fällt wird mir jeder sagen, dass ich unverantwortlich gehandelt habe. Doch das sind in der Regel die besten Spekulationen: Wenn es keinerlei Hoffnung mehr gibt und jeder und sein Nachbar die Aktie schon verkauft hat.

Hmm, Sie merken es: Warten wir mal das Wochenende ab und gegebenenfalls melde ich mich am Montag bei Ihnen :-)


SPLUNK MIT HERVORRAGENDEN ZAHLEN, AKTIE IM SINKFLUG

Ich habe mich diese Woche intensiv mit Splunk beschäftigt. Das Unternehmen bietet kaum künstliche Intelligenz an, sondern bietet lediglich an, Unternehmensdaten für die Auswertung durch künstliche Intelligenz aufzubereiten. Künstliche Intelligenz von der Stange kann es nicht geben. Vielmehr muss sich jedes Unternehmen selber überlegen, welche Fragen beantwortet werden sollen. Entsprechend müssen Algorithmen erstellt oder angepasst werden. Die wenigsten Unternehmen sind soweit.

Was heute läuft, ist die Vorbereitung der Unternehmensdaten für diese Auswertungen. Welche Daten werden in das Modell gegeben, wie werden die Daten formatiert/ interpretiert, sind die Fragen, die mit Splunk bearbeitet werden. Inzwischen gibt es keine Frage mehr darüber, OB die eigenen Unternehmensdaten mit künstlicher Intelligenz ausgewertet werden sollen, sondern WANN. Daher stürmen alle Unternehmen Anbieter, die Licht in das Dunkel der Daten bringen können, Licht im Sinne von Struktur.

Splunk hat im letzten Jahr zwei große Kunden gewonnen und arbeitet nun unter Volllast an deren Projekten. Daher lässt CEO Doug Merritt keine Gelegenheit aus, über die Auslastung seiner Mitarbeiter zu klagen. Man könne sich derzeit gar nicht um neue Großkunden kümmern, wenn diese Interesse hätten. Man kann CEO Merritt aber nicht den Vorwurf machen, nicht zu handeln: Im Jahr 2018 hat er die Mitarbeiterzahl von 3.200 auf 4.400 um 37% - entsprechend dem Umsatzwachstum - aufgebaut.

36% Umsatzwachstum und das überraschende Erreichen der Profitabilität sowie die Anhebung der Unternehmensprognose haben nicht ausgereicht, die Aktie nach oben zu katapultieren. Im Gegenteil, nach der Telco gestern Abend wird die Aktie heute ausverkauft, aktuell beträgt das Minus 10%.

Okay, das KGV 2020e steht bei 50 und damit ist Splunk ein absolutes Wachstumsunternehmen, das sich keinen Fehler leisten darf. Doch ist es ein Fehler, wenn das Management das hoch gesteckte Wachstumsziel für das laufende Jahr bereits nach oben schraubt und mitteilt, dass man von Kunden überlaufen wird?

Für mich ist das ein Zeichen von Zuverlässigkeit. Er hat neuen Großkunden die Splunk-Plattform verkauft und muss nun auch dafür sorgen, dass die neuen Großkunden auf die Plattform kommen. Natürlich könnte er unausgebildete neue Mitarbeiter zu den Großkunden schicken und mit den erfahreneren neue Großkunden umgarnen, doch das wäre unseriös.

Ich halte den heutigen Ausverkauf daher für Gewinnmitnahmen von Spekulanten. In meinen Augen ist das eine Gelegenheit, um spekulativ einzusteigen. Auch zu Splunk werde ich mich dann am Montag ggfls. nochmals melden.



05. Wunschanalyse: Wirecard

Die Vorwürfe der Financial Times sieht Wirecard als widerlegt, die Aktie befindet sich in einer Aufholjagd, um ihr altes Kurs- und Bewertungsniveau wieder zu erreichen. Die Wunschanalyse wirft einen Blick auf das Geschäftsmodell, auf die Auseinandersetzung mit der Financial Times und diskutiert Bewertungsansätze. Im Ergebnis ist Wirecard in meinen Augen eine Spekulation wert, eine spekulative Position sollte aber mit einem Stopp Loss abgesichert werden.

Wirecard
Zwischen Pleitegeier und Weltmarktführer

Fr, 24. Mai um 17:30 Uhr

Nach zwölf Jahren Wunschanalyse (ja, ich bin so ziemlich von Anfang an dabei gewesen) wird es nächsten Monat die letzte Wunschanalyse geben, da sich die Tore von Sharewise Ende Juni schließen. Für die letzte Wunschanalyse habe ich einen Wunsch: Ich möchte mir einmal wünschen, welche Aktie ich für Sie analysiere.

WIRECARD GEGEN DIE FINANCIAL TIMES

Oder sollte ich sagen: Deutschland gegen die angelsächsische Presse? Oder FinTech gegen traditionelle Banken? Oder Laissez-faire gegen Kripo? Oder ... der Phantasie ist keine Grenze gesetzt, wenn Graumarktgeschäfte bei der größten deutschen Erfolgsgeschichte seit SAP aufgedeckt werden.

Mein früherer Geschäftspartner, von dem ich mich leider nur gerichtlich trennen konnte, hatte eine Lebensweisheit: Wer Geschäftserfolg haben möchte, müsse die Grauzonen ausschöpfen. Was gesetzlich explizit erlaubt sei, würde von vielen bereits umgesetzt und verspräche daher keine „Überrendite”.

Dieser Blickwinkel widerspricht der deutschen Tugend, mit ehrlicher Arbeit gutes Geld zu verdienen. Dennoch steckt ein wahrer Kern drin: Unternehmer müssen Grenzen austesten, denn nur dann können neue Märkte erschlossen werden. Und wer diese Grenzen, so wie Wirecard, im internationalen Geschäft austestet, gerät häufig in Märkte, in denen mit Wildwest-Manier agiert wird.

Das soll nun keine Entschuldigung für das Management von Wirecard darstellen, auch soll diese Erklärung nicht die Vorgehensweise der Financial Times rechtfertigen. Diese Sichtweise hilft lediglich beim Verständnis der Vorgänge: Natürlich gibt es in einem Unternehmen, das über Jahre mit zweistelligen Raten wächst, Ineffizienzen und sicherlich auch die eine oder andere Ungereimtheit, die im Eifer des Wachstums nicht vollständig geklärt wurde. Und natürlich hat die Financial Times recht, wenn sie solche Vorgänge aufdeckt.

Doch die Dimension der Verfehlungen, die von der Financial Times daraus abgeleitet wird, muss ins Verhältnis zum Erfolg gesetzt werden, den Wirecard mit dem Geschäftsmodell hat. Ich habe den Eindruck, dass man sich in Deutschland, also namentlich die Finanzmarktaufsicht BAFIN, entschieden hat, die Verfehlungen – wie gravierend sie auch immer gewesen sein mögen – hinter den Geschäftserfolg zu stellen, während die Financial Times damit gerne Wirecard, oder zumindest das aktuelle Management, zu Fall bringen möchte.

Aus meiner Sichtweise ergeben sich nun zwangsläufig Fragen: Wenn Wirecard „nur” im Graubereich agiert hat, wie kann die Financial Times dann eine so heftige Story daraus machen? Immerhin riskiert die Financial Times ihren Ruf und inzwischen wurden sogar Ermittlungen gegen eine Reihe von beteiligten Journalisten eingeleitet.

Ich kann mir gut vorstellen, dass die Journalisten ausreichend Hinweise auf Unstimmigkeiten haben, um ihre stark überzogenen Schlussfolgerungen zu belegen. Doch die geschäftlichen Erfolge von Wirecard sind groß genug, um die überzogenen Schlussfolgerungen zu widerlegen.

Soweit eine kurze, persönliche Einschätzung zu diesen Vorwürfen. Ich habe meinen Kunden nicht den Kauf der Wirecard-Aktie empfohlen, weil ich die „Machtverhältnisse” zwischen der Financial Times und Wirecard nicht überblicke. Ich weiß nicht, wann diese Story zu Ende ist bzw. ob die Financial Times noch einen Pfeil im Köcher hat. Und nach dreißig Jahren Börsenerfahrung habe ich mir zur Regel gemacht, nicht in Aktien zu spekulieren, bei denen Bilanzierungsunregelmäßigkeiten aufgeklärt werden müssen.

Die Analyse der Wirecard-Aktie wird in der Überzeugung erfolgen, dass diese Story irgendwann aus den Schlagzeilen verschwindet. Dabei bleibt unberücksichtigt, ob neue Vorwürfe die Aktie zwischenzeitlich nochmals belasten könnten. Es bleibt auch unberücksichtigt, ob eine restlose Aufklärung Strafzahlungen oder vielleicht sogar Personalentscheidungen nach sich ziehen könnte.


ÜBERRAGENDE GESCHÄFTSENTWICKLUNG

Am 8. Mai wurden die Quartalszahlen für das erste Quartal 2019 vorgelegt. Viele Analysten hatten befürchtet, dass das Management durch die Querelen mit der Financial Times vom eigentlichen Geschäft abgelenkt sein, oder aber dass sich Kunden mit neuen Aufträgen zurückhalten könnten. Doch beides war nicht der Fall: Umsatz und Gewinn steigen stärker an als erwartet, die Prognose wurde angehoben.

Der Umsatz stieg um 35% auf 567 Mio. Euro, der Gewinn (EBITDA) überproportional um 41% auf 158 Mio. Euro. Der Gewinn je Aktie (Nachsteuergewinn) stieg sogar um 50% auf 0,86 Euro. Die Gewinnprognose für 2019 wurde leicht auf 760-810 Mio. Euro angehoben.


BEWERTUNG FAIR FÜR BANK, GÜNSTIG FÜR FINTECH

Für die Bewertung eines Unternehmens ziehe ich gerne das Gewinnwachstum (EBITDA) heran. Für das erste Quartal also 41%, für 2019 dann 39%. Für das Jahr 2020 gehen Analysten von einem Rückgang auf 31% aus, doch das kommt mir derzeit eher vor wie eine „vorsichtige” Schätzung mit Luft nach oben.

Doch wenn wir mal ein Gewinnwachstum von 30% zugrunde legen, dann wäre ein KGV 2020e von 30 durchaus als fair anzusehen. Für besonders agile Unternehmen mit einer dominanten Marktstellung bin ich sogar bereit, ein KGV anzusetzen, das der zweifachen Wachstumsgeschwindigkeit des Gewinns entspricht, also 60. Doch so weit würde ich bei Wirecard nicht gehen, der internationale Wettbewerb ist hart.

Das KGV 2020e der Wirecard steht aktuell bei 24. Zum Vergleich: Das der Deutschen Bank steht nur bei 9. Doch das Geschäft der Deutschen Bank hat nichts mit dem Geschäft der Wirecard zu tun, daher halte ich eine Bankbewertung für Wirecard für fehl am Platz.

Paypal verfügt über ein erwartetes Gewinnwachstum von 20% p.a. und notiert auf einem KGV 2020e von 30. Unsere FinTech Group (flatex) wächst mit 30% p.a. und hat ein KGV 20e von nur 13. Wo also ist die Wirecard anzusiedeln?

Nun, ich halte auch die Bewertung der FinTech Group für zu günstig und habe diese Aktie daher in unser Heibel-Ticker Portfolio aufgenommen. Mit einem KGV 20e von 24 ist Wirecard also in meinen Augen noch immer günstig bewertet, aber allein die hohe Ziffer macht die Aktie gleichzeitig auch anfällig für einen Ausverkauf, wenn Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens aufkommen.

Schauen wir uns mal das Kurs/Umsatz-Verhältnis an: Wirecard setzt 2 Mrd. Euro im Jahr um und wird mit 20 Mrd. Euro bewertet, das KUV steht bei 10. Bei Paypal werden 16 Mrd. USD Umsatz mit 130 Mrd. USD Marktkapitalisierung belegt, ein KUV von immerhin 8. Bei der FinTech Group steht das KUV bei nur 2.


NEUE KOOPERATIONEN AM FLIESSBAND

Wer an dem Produkt von Wirecard, der Zahlungsabwicklung für Kreditkarten, Zweifel hat, der braucht sich nur die Pressemeldungen der vergangenen Wochen anzuschauen:

- Kooperation mit Indien über die Ausgabe von PAN-Karten (Permanent Account Number) für alle Inder. Die PAN-Nummer entspricht etwa der Social Security Number in den USA oder der Steuer-ID in Deutschland. Für jede Kontoeröffnung oder jedes größere Geschäft benötigen Inder ihre PAN-Nummer zur eindeutigen Identifikation.

- Kooperation mit BluTV, dem führenden türkischsprachigen Streaming-Angebot, für die weltweite Zahlungsabwicklung von Abo-Diensten.

- Die WeChat-Zahlungsabwicklung der Wirecard wird vom französischen Kaufhaus Printemps genutzt

- Apollo-Optik mit 860 Filialen in Deutschland nutzt die Zahlungsabwicklung von Wirecard

... und dann war da noch die Meldung, dass die japanische Softbank eine Wandelanleihe der Wirecard mit einem Volumen von 900 Mio. Euro kauft. In fünf Jahren kann diese Anleihe zu einem Kurs von 130 Euro in Aktien umgewandelt werden, die Softbank wird dann Großaktionär mit ungefähr 5% Anteil an der Wirecard.

Die Softbank gilt als weltweit führender Innovationstreiber. Mit der Softbank als Partner öffnen sich Türen für Wirecard bei vielen Softbank-Beteiligungen, sowohl in Sachen Neukunden als auch in Sachen Technologiepartner. Es ist der nächste Schritt von Wirecard, um im internationalen Zahlungsabwicklungsgeschäft eine führende Rolle zu übernehmen.

Nochmal zurück zu den Vorwürfen der Financial Times: Wenn die Schlussfolgerungen der Financial Times stimmen, dass ein Großteil des Konzernumsatzes durch Scheinbuchungen erzeugt wurde, dann vertrauen international angesehene Kunden also einem Blender. Ich kann mir das bei den hier aufgelisteten Kundennamen nicht vorstellen.


GESCHÄFTSMODELL

Ich habe zwar eine Banklehre absolviert und verstehe auch als Volkswirt ziemlich viel vom Geldsystem, doch das Geschäftsmodell von Wirecard ist immer ein wenig mit Nebelschleiern für mich verhangen gewesen. Daher habe ich mich nun nochmals hingesetzt und die verfügbaren Informationen durchwühlt, um ein besseres Verständnis dafür zu bekommen, womit Wirecard denn nun Geld verdient und warum das Unternehmen einen so kometenhaften Aufstieg erlebte.



Nun, Wirecard setzt eine moderne Plattform zur Abwicklung von Zahlungsströmen weltweit ein. Egal ob Visa, Paypal oder WeChat, über das Wirecard-Netzwerk werden die Zahlungsströme weltweit in die richtigen Kanäle gesteuert. Doch aufbauend auf diesen Zahlungsströmen bietet Wirecard erweiterte Wertschöpfungsmöglichkeiten an.



Hinter diesen erweiterten Wertschöpfungsmöglichkeiten steckt Big Data und künstliche Intelligenz. Zwei Schlagworte, die ich ein wenig mit Leben füllen möchte.



Je mehr Zahlungsströme über das Wirecard-Netzwerk abgewickelt werden, desto mehr Informationen erhält Wirecard. Daher war es in der Vergangenheit stets so wichtig, die gesteckten Wachstumsziele zu erreichen, denn Kunden suchten nach dem Netzwerk, das am schnellsten wächst. Je mehr Daten, desto besser die Auswertung. Big Data analysiert die Datenströme in Echtzeit und liefert wichtige Hinweise für die jeweiligen Geschäftspartner. Mit einer gut konfigurierten künstlichen Intelligenz können Vorschläge für Anpassungen des Geschäftsmodells in Echtzeit entwickelt werden.



So verspricht Wirecard seinen Partnern eine frühzeitige Antwort auf drohende Kundenverluste sowie eine gezielte Kundenansprache, die zu einem zusätzlichen Umsatzwachstum von 5-10% führen soll. Eine intelligente Risiko- und Betrugsanalyse soll das Ausfallrisiko für Zahlungen um 5-20% vermindern. Dynamische Preise in Webshops sollen nach Aussage von Wirecard den Umsatz um 2-5% und die Gewinnmarge um 5-10% steigern können. Über digitale Treueprogramme und Coupons soll der durchschnittliche Warenwert eines Einkaufskorbs um 6-8% erhöht werden. Passende Konsumentenkredite könnten den durchschnittlichen Warenkorb um 10-20% vergrößern.



Derzeit wird rund ein Viertel des Konzernumsatzes mit diesen Wertschöpfungsangeboten erzielt, künftig soll der Anteil deutlich über 50% steigen.


Big Data und künstliche Intelligenz wird den Kunden von Wirecard versprochen, so wie SAP standardisierte Geschäftsprozesse versprach und wie Salesforce umfangreiche Marketingmöglichkeiten versprach. Klar, dass die Wirtschaft, die alleine nicht in der Lage ist, komplexe Themen wie Big Data und künstliche Intelligenz im eigenen Haus zufriedenstellend zu entwickeln, sich auf den Heilsbringer Wirecard stürzt.


EINSCHÄTZUNG

Wirecard reitet auf der Welle der FinTech Unternehmen: Geldströme sollen nicht nur volldigital und effizient abgewickelt, sondern gleichzeitig auch ausgewertet werden. Kunden laufen Wirecard die Tür ein, Umsatz und Gewinn wachsen exorbitant und entsprechend hoch ist auch das Bewertungsnvieau des Unternehmens.

Auf der einen Seite ist das Geschäftsmodell ”sticky”, wie die Amerikaner sagen: Klebrig. Wer einmal Kunde von Wirecard ist, der stellt seine Abläufe darauf ab und genießt die Ergebnisse der Auswertung der historischen Daten. Ein Umstieg auf einen anderen Anbieter ist da sehr aufwendig. Es ist daher zu erwarten, dass die Kunden von Wirecard über lange Zeit Kunde bleiben und da Einnahmen je Transaktion generiert werden, generieren bleibende Kunden also über einen langen Zeitraum immer neue und meist steigende Einnahmen. Ich neige aus diesem Grund also dazu, ein KGV nördlich der oben errechneten ”fairen” 30 anzusiedeln.

Gleichzeitig befindet sich der Markt der Zahlungsabwicklung sowie der gesamte Finanzmarkt derzeit in einem Umbruch, neue Anbieter strömen mit neuen Angeboten in den Markt. Niemand weiß, wie gefragt morgen die Dienste von Wirecard noch sein werden, wenn bspw. Blockchain-Abwicklungen (Bitcoin) ihren Siegeszug fortsetzen.


FAZIT

Wirecard ist ein Wachstumsunternehmen, das noch viel Luft nach oben hat. Wer spekulativ mitsegeln möchte, der sollte jedoch seine Position mit einem Stopp Loss gegen unvorhersehbare Ereignisse absichern.



06. Update beobachteter Werte: Alibaba, InnoTec TSS

Bitte beachten Sie auch den Kundenbereich auf meiner Internetseite unter www.heibel-ticker.de -> Portfolio -> 10 neueste Einträge. Dort finden Sie aktuelle Charts mit meinen jeweils aktualisierten Einschätzungen.

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Im Wochenverlauf habe ich zu mehreren Titeln Anmerkungen im Kundenbereich der Webseiten verfasst.


Alibaba
Stopp-Marke unterschritten, Position auflösen

Fr, 24. Mai um 16:55 Uhr
Tja, nun ist der Kurs vor dem Hintergrund der zunehmenden Spannungen zwischen China und den USA doch unter unsere Marke bei 150€ gerutscht (aktuell 148,80€, Tradegate 12:56 Uhr). Nachdem Huawei von den USA auf die Schwarze Liste gesetzt wurde, haben eine ganze Reihe von US-Unternehmen ihre Geschäftsbeziehung mit Huawei überprüft und teilweise auf Eis gelegt: Intel, Xilinx (Chips für 5G), Broadcom sowie insbesondere die Google-Mutter Alphabet, die keine neuen Android-Systeme mehr an Huawei liefern wird. Aus Deutschland hat sogar Infineon entsprechende Schritte unternommen, da - so das Unternehmen - viele Komponenten in Infineon-Produkten aus den USA stammen, so dass man ebenfalls diesen Boykott befolgen müsse.

In meinen Augen hat China nun nur zwei Möglichkeiten: Entweder man boykottiert Apple, weil nur Apple ähnlich vernetzt ist wie Huawei. Oder man gibt den Forderungen der Trump-Administration nach. Beides ist schwer vorstellbar, daher kann es wohl ein wenig dauern, bis einer der beiden Schritte folgt.

An eine Fortsetzung der Erholung an den Aktienmärkten kann ich vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen kaum glauben, daher werde ich nun Stopp Loss Marken konsequent zum Verkauf nutzen und ggfls. abgelaufene Gewinne auch frühzeitig realisieren.

Alibaba ist, wie zuvor erklärt, von den Vorgängen kaum betroffen, da das Geschäft überwiegend in China stattfindet. Doch bei internationalen Anlegern stand Alibaba hoch im Kurs und sollten die Spannungen weiter zunehmen, wird Kapital aus China, und somit von Alibaba, abgezogen. Daher ist mir die "günstige" Bewertung nun erstmal egal, wir schmeißen diese Spekulation wieder raus.


InnoTec TSS
6,1% Dividendenrendite in Sicht

Fr, 24. Mai um 17:36 Uhr
Die Aktie der InnoTec TSS ist in den vergangenen Monaten unter die Räder gekommen: Von rund 17 Euro vor einem Jahr ist die Aktie zum Jahreswechsel auf 10 Euro eingebrochen und notiert heute bei 12,30 Euro.

Grund für den Höhenflug in den Jahren 2016 und 2017 war der Verkauf eines Unternehmensteils (Calenberg Ingenieure), von dem sich Anleger eine besonders hohe Dividendenausschüttung versprachen. Diese kam denn auch im Jahr 2018 (für das Geschäftsjahr 2017) in Höhe von 0,85 Euro/Aktie. Anschließend wurde der Rückfall der Dividende auf das vorhergehende Niveau um 0,40€ bis 0,50€ befürchtet.

Für das schwache Jahr 2018 schlägt das Management nun jedoch eine Dividende von 0,75€ vor, das entspricht 6,1% Dividendenrendite auf den aktuellen Kurs. Damit würde der Großteil des Ergebnis je Aktie (0,88€) ausgeschüttet. Das geht, weil die Bilanz solide ist (76% EK-Quote) und derzeit keine weiteren Mittel benötigt werden.

Zwar teilt das Management explizit mit, dass man intensiv nach möglichen Übernahmegesellschaften sucht, doch man habe dafür ausreichend Liquidität (24,4 Mio.€) und zusätzlich noch ungenutzte Überziehungsmöglichkeiten bei Banken.

Wenn Sie sich den Bericht des Vorstands im Geschäftsbericht durchlesen, fürchten Sie das Ende der Welt ... zumindest für InnoTec TSS. Die Baubranche wachse zwar noch, aber das Wachstum verlangsame sich. Zudem finde das Wachstum nur in Bereichen statt, in denen Innotec-Produkte kaum gefragt seien. Der Wohnungsbauboom in Deutschland zieht kaum neue Außentüren nach sich, sondern eben nur Wohnungstüren. Doch mit Außentüren macht InnoTec TSS zwei Drittel seines Umsatzes.

Und das verbleibende Drittel wird mit der Oberflächenstrukturierung von Beton erwirtschaftet, doch dort ist die Nachfrage bei den Betonbauern so groß, dass diese keine Zeit für die Oberflächenbehandlung haben.

Zudem steigen die Material- und Personalkosten für InnoTec TSS und diese können nicht an die Kunden weitergereicht werden. Doch ich lese den Geschäftsbericht von CEO Dr. Gerson Link dieses Jahr nicht zum ersten mal, sondern kenne seine Tiefstapelei schon aus den Vorjahren. Der Umstand, dass in diesem Jahr erneut eine hohe Dividende ausgezahlt wird, lässt meiner Erfahrung nach jedoch eher darauf schließen, dass sich das Unternehmen besser entwickelt, als wir dem Bericht entnehmen können. Oder anders herum argumentiert: Wie muss das Geschäft von InnoTec TSS abheben, wenn die vielen widrigen Umstände mal verschwinden?

So ist auch das Management offensichtlich zuversichtlich für die künftige Entwicklung des Konzerns, denn der Personalbestand wurde - im ach so schweren Jahr 2018 - um 5% auf 628 aufgestockt.

Mit der gleichen Zahl von Mitarbeitern prognostiziert das Unternehmen für das laufende Jahr 2019 den gleichen Umsatz wie im Vorjahr und aufgrund der weiter steigenden Kosten einen rückläufigen Gewinn.

Am 21. Juni findet die Hauptversammlung statt, am Tag danach wird die Aktie ex Dividende gehandelt. Innotec TSS hat weder etwas mit China zu tun, noch mit dem Brexit. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Aktie, wie viele andere Dividendenaktien es bereits tun, im Vorfeld der HV zulegt, daher bleiben wir dabei.



07. Übersicht HT-Portfolio

Spekulation (≈10%) =2,1%WKN23.5.19Woche ΔΣ '19 ΔAnteil 5x2%!
TwilioA2ALP4119,40 €-6%4%2,1%A
AlibabaA117ME138,80 €-9%-4%0,0%A







Wachstum (≈30%) =30,1%WKN23.5.19Woche ΔΣ '19 ΔAnteil 4x7,5%!
BB BiotechA0NFN361,30 €-1%7%7,8%B
Nvidia918422130,68 €-8%2%6,5%B
FinTech GroupFTG11118,54 €-6%-9%7,6%A
ZuoraA2JHJJ18,96 €-5%3%8,3%A







Dividende (≈25%) = 25,4%WKN23.5.19Woche ΔΣ '19 ΔAnteil 3x8%!
Innotec54051012,20 €-4%22%7,2%C
FreenetA0Z2ZZ17,71 €-7%4%6,7%C
Bet-at-HomeA0DNAY62,70 €-11%37%8,1%B
Deutsche Post55520027,01 €-4%13%3,5%B







Absicherung (≈20%) =20,5%WKN23.5.19Woche ΔΣ '19 ΔAnteil 3x7%!
Goldbarren 100 gr100 gr.3.665,00 €-1%3%7,2%A
Südzucker-AnleiheA0E6FU74,37%-1%-3%6,7%A
Nokia-AnleiheA0T9L2105,39%1%4%6,6%B





Cashquote
Σ-Portfolio Ergebnis seit 2018

-3%-3%21,9%
Ergebnis seit 2019


13,1%


Heibel-Ticker
GewichtungAnzahl Positionenangestrebte Positionsgröße
PortfolioZielSollIstSollIst
SpekulationEreignis10%2,1%512%
WachstumEnkelkinder30%30,1%447,5%
DividendeUrlaub25%25,4%348%
AbsicherungZins & Gold20%20,5%336,7%
Summe
85%78,1%1512


Anmerkungen:
- Die Überschrift über jedem Portfoliobereich in der jeweiligen ersten Spalte (bspw. Absicherung (≈20%) =21,8%) bedeutet: Der beabsichtigte Anteil dieses Portfoliobereichs am Gesamtportfolio beträgt ungefähr 20%. Aktuell beträgt der Anteil 21,8%.
- Die dritte Spalte zeigt die Schlusskurse von Donnerstagabend.
- Unter „Woche” steht die Veränderung im Vergleich zur Vorwoche.
- Unter „Σ 'XX Δ” steht das Ergebnis der Position seit Jahresbeginn bzw. seit Aufnahme ins Portfolio.
- Unter „Anteil” finden Sie den Anteil der jeweiligen Position am Gesamtdepot.

Unter ! steht zur Information meine Grundtendenz:


ATop-Aktie mit günstigem Kurs, 
BKursrücksetzer zum Kaufen nutzen 
CKurssprünge zum Verkaufen nutzen, 
Dbei Gelegenheit Verkaufen, 
ESofort Verkaufen 


Die „Gelegenheit” zum Kaufen oder Verkaufen wird sodann kurzfristig von mir per Update an Sie bekanntgegeben.

Ich habe diese Spalte „!” insbesondere für neue Kunden vorgesehen, die zu einem späteren Zeitpunkt wissen wollen, ob ich die Position noch zukaufen würde, wenn ich beispielsweise darin nicht schon voll investiert wäre. Zukaufen würde ich jeweils jedoch niemals zu Höchstkursen, sondern stets nur nach kurzfristigen Kursrückschlägen von mindestens 5-7%.

Kauffolge: Je spekulativer, desto aggressiver würde ich kaufen und verkaufen. Derzeit verwende ich die folgenden Schritte:
- Dividenden- & Wachstumspositionen in drei Schritten aufbauen: 25%-25%-50%,
- Zyklische Positionen in zwei Schritten aufbauen: 50%-50%,
- Spekulative Positionen ganz oder gar nicht: 100%.

Stopp Loss Limits, Verkaufslimits und ähnliche Aktionsmarken verwalte ich aktiv in meinem System und ändere ich unter der Woche mehrfach, fast täglich. Eine Veröffentlichung der entsprechenden Limits ist in der Regel nicht sinnvoll, allenfalls Stopp Loss Marken für unseren Spekulationen werde ich bisweilen im Text bekanntgeben.

Eine erfolgreiche Börsenwoche,
take share

Stephan Heibel

http://heibel-ticker.de


mailto:info/at/heibel-ticker/./de



08. Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise

Wer un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen in Umlauf setzt, wird mit Lust-, manchmal auch mit Erkenntnisgewinn belohnt; und wenn alles gut geht, fällt davon sogar etwas für Sie ab. (frei nach Robert Gernhardt)

Wir recherchieren sorgfältig und richten uns selber nach unseren Anlageideen. Für unsere eigenen Transaktionen befolgen wir Compliance Regeln, die auf unsere eigene Initiative von der BaFin abgesegnet wurden. Dennoch müssen wir jegliche Regressansprüche ausschließen, die aus der Verwendung der Inhalte des Heibel-Tickers entstehen könnten.

Die Inhalte des Heibel-Tickers spiegeln unsere Meinung wider. Sie stellen keine Beratung, schon gar keine Anlageempfehlungen dar.

Die Börse ist ein komplexes Gebilde mit eigenen Regeln. Anlageentscheidungen sollten nur von Anlegern mit entsprechenden Kenntnissen und Erfahrungen vorgenommen werden. Anleger, die kein tiefgreifendes Know-how über die Börse besitzen, sollten unbedingt vor einer Anlageentscheidung die eigene Hausbank oder einen Vermögensverwalter konsultieren.

Die Verwendung der Inhalte dieses Heibel-Tickers erfolgt auf eigene Gefahr. Die Geldanlage an der Börse beinhaltet das Risiko enormer Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.

Quellen:
Kurse: Deutsche Kurse von comdirect.de, Goldbarren & Münzen von proaurum.de, US-Kurse von finance.yahoo.com. Alle Kurse sind Schlusskurse vom Donnerstag sofern nichts Gegenteiliges vermerkt ist.
Bilanzdaten: Comdirect, Yahoo! Finance sowie Geschäftsberichte der Unternehmen
Informationsquellen: dpa-AFX, Aktiencheck, Yahoo! Finance, TheStreet.com, IR-Abteilung der betreffenden Unternehmen



09. An-/Ab-/Ummeldung

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